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Full text of "Korrespondenz-blatt für die höheren Schulen Württembergs"

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I I 




HARVARD UMVERSITY 




LIBRARY OF TBE 

GRADUATE SCHOOL 
OF EDUCATION 



Oberschule 
Öhringen 

^rerbüdierel 



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' K" (-7 WtRVARD UNIVERSim 

\J . q SRimnTE SCHOOL OF EDUCATIfltI 



Neues 

Korrespondenz-Blatt 

iüx die 

Gelehrten- und Realschulen 
Württembergs 

Herausgegeben 



Dr. Th. Klett «nd O. Jaeger 

Rcklor der K. WUhclms-Re^schule 
in Stuttgmrt 



Neunter Jahrgang 1902 



Stuttgart 

Urnck and VerUg ron W. Kohlhammer \^^I§^ 




Inhalts-Über sieht 



A. Amtliclie BekauatmaoliimgeiL 

Erlass der K. Kultministerial-Abteilnng, betreffend den XI. Jahrgang 
des Jahrbuchs für Jagend- und Volksspiele von Schenkendorff 
und Schmidt 264 

Erlass der K. Kultministerial-Abteilung, betreffend das Buch: ^as 
kranke Schulkind *" von Dr. Baur 266. 

Erlass der E. Kultministerial-Abteilung, betreffend das Werk: „Bilder^ 
saal deutscher Geschichte^ 266. 

Mitteilung, betreffend die Gleichwertigkeit der Zeugnisse der Gym- 
nasien, Realgymnasien und Oberrealschulen für den Offiziers- 
beruf 266. 

Amtliche Bekanntmachung, betreffend den freien Zutritt zu den italieni- 
schen Museen 342. 

Erlass der E. Eultministerial-Abteilung, betreffend das ^Wörterbuch 
der deutschen Rechtschreibung** von Erbe 887. 

Amtliche Bekanntmachung, betreffend die Reichskartenblätter 1:100000 
428. 

Erlass der E. Eultministerial-Abteilung, betreffend den Vortrag von 
Euhlmann über „Neue Wege des Zeichenunterrichts** 428. 

B. Prflfangs-AiifgabeiL 

Erste Dienstprüfung für das realistische Lehramt 1900 81. 

Prüfung der Eandidaten für Präzeptors- und Reallehrersstellen 1901 826. 

Evangelisches Landexamen 1901 866. 

Eatholisches „ 1901 369. 

Erste humanistische Dienstprüfung 1901 371. 

Zweite „ „ 1901 374. 

Erste realistische Dienstprüfung 1901 401. 

Zweite ,, „ 1901 418. 

Evangelische Eonkursprüfung 1901 416. 

Eatholische ^ 1901 419. 



IV InhaltB-Übersicht 

G. Pädagogisolies und DidaktisolieB. 

Collega, Vom Fragen 451. 

Feucht, Fran^ois Grouin. Seine Lehre und Methode 201. 247. 281. 
Hertlein, Latein oder Französisch als erste Fremdsprache 44. 
K., Mathematische nnd physikalische Schulaufgaben 341. 861. 
Miller, Nochmals zum französischen Unterricht an den Mittelklassen 96. 
Nestle, Das Verhältnis von Latein und Griechisch im Gymnasium 441. 
Schott, Bericht über die Entwicklung der Gesellschaft für deutsche 

Erziehungs- und Schulgeschichte im Jahr 1901 187. 
Schöttle, Vorschläge für eine Umarbeitung von Grafs Griechischen 

Materialien 821. 
Zeller, Nochmals das Kartenzeichnen im geographischen Unterricht 462. 

D. PhflologisolLes und Historisclies. 

Ackerknecht, Zur Aussprache des Schriftdeutschen 878. 458. 

Feucht, Zünftiges und Künftiges zu Homer 93. 

Knapp, Militärisches zu Tacitus Annalen, 1. Buch 6. 

Mettler, Archäologische Versuche eines altwürttembergischen Prä- 

zeptors 41. 
Nestle, Virgo Storatina 48. 
Nestle, Miscellen 95. 

Nestle, Bacos Wort über die Philosophie 306. 
Nestle, Zu Caesar B. G. V, 14,8 422. 
Wagner, Ober einige Stellen der Sophokleischen Antigone 290. 

E. Katheniatisolies und NaturwlBsensoliaftllolLes. 

Bai seh. Eine diophantische Aufgabe 262. 

Haag, Neue Forschungen in der Thalgeschichte des Neckars und der 

Donau 374. 
Saut er. Einige Bemerkungen zu den Auflösungen trig. Aufgaben 

von Prof. Dr. Hammer 15. 
— , Berichtigung 105. 189. 

F. Vereinswesen. 

Reallehrerversammlung 1901 28. 48. 

Cr am er, Xn. Landesversammlung des Württ. Gymnasiallehrer- 
Vereins 241. 
Jahresbericht des Württ Vereins für neuere Sprachen 1900/1901 884. 

G. StatistisclLes. 

Gramer, Kandidatenliste auf 1. Januar 1902 1. 
Statistische Nachrichten über den Stand des Gelehrtensohulwesens in 
Württemberg auf 1. Januar 1902 121. 



Inhalts-Obenioht V 

49tatiBtisohe Nachrichten Ober den Stand des Reaboholwesens in Würt- 
temberg anf 1. Januar 1902 140. 

Statistische Nachrichten über den Stand des Elementarschalwesens in 
Württemberg anf 1. Januar 1902 166. 

Übersicht über die der K. Knltministerial-Abteilnng untei^eordneten 
höheren Lehranstalten, Lehrer u. s. w. 168. 

Ordnung der technischen Inspektionen 182. 

Technische Inspektoren 184. 

Ortsregister der höheren Lehranstalten 186. 

H. YersoUedenes. 

•Cr am er, Die ältesten Realschulen und Reallehrerprfltnngen in Württem- 
berg 101. 
Die erste Beallehrerprüfung im Jahr 1806 27. 

Nestle, Ein Wort für unser Korrespondensblatt und unser Programm 69. 
Oslander, Ferienkurs in Grenoble 209. 264. 293. 



L LiterarisolLer Berlolit. 



Ackerknechty Wie lehren wir 
die neuen Vereinfachungen des 
Französischen? 894. 

Alb recht, Himmelsglobus 113. 

A u e r , Schulgrammatik der 
deutschen Sprache 468. 

Autenrieth, Wörterbuch su den 
Homerischen Gedichten 349. 

B a c h o f , Griechisches Elementar- 
buch 189. 

Bar dt, Sermonen des Q. Horatius 
Flacous 63. 

Baur, Aufgaben aus der mathe- 
matisch-physikalischen Geo- 
graphie 277. 

B e c h 1 1 e , Französische Sprach- 
schule 76. 

— Le^ons et Lectures 76. 

Belschner, Geschichte von Würt- 
temberg 108. 

Bernhard, Darstellende Geo- 
metrie 112. 

Dickmann, Französische und 
englische Schulbibliothek 273. 



Drück, Griechisches Übungsbuch 
808. 

Duden, Orthographisches Wörter- 
buch der deutschen Sprache 230. 

Egelhaaf, Gustav Adolf in 
Deutschland 472. 

Erbe, Die neue deutsche Recht- 
schreibung 230. 

— Wörterbuch der deutschen 
Rechtschreibung 473. 

Fick, Das alte Lied vom Zorn 
Achills 360. 

Fickert und Kohlmeyer, Tier- 
kunde für deutsche Lehrer- 
bildungsanstalten 316. 

Fürst, Untersuchungen zur Ephe- 
meris der Diktys von Kreta 196. 

Gebhardt, Handbuch d. deutsehen 

Geschichte 272. 

Gerth, Griechische Schulgram- 
matik 470. 

Geyer, Schulethik 846. 

Gindely-Mayer, Lehrbuch der 
allgemeinen Geschichte 429. 



VI 



Inhalts-Obenicht 



Heinemann, Goethes Werke 291. 
Hubatsch, Die Beformschulen 

196. 
Kau ff mann, Bibelkunde 846. 
Kebrbaob, Monnmenta Germa- 

niae paedagogica 424. 
K e 1 1 n e r , Die Episteba des Horaz 

347. 
Kircbner, Prosopograpbia Attiea 

426. 
Klaiber und Lyon, Die Meister 

des deutschen Briefs 811. 
Koch, Wilhelm Steinhausen 71. 
KOzle, Die Erziehung d. deutschen 

Yolksscbfilers 887. 
Kretschmer, Die Ideale und die 

Seele 424. 
LampertyDie Völker der Erde 278. 
Lauffer, Lehr- und Unterrichts- 
plan 74. 
Lewin, Lehrbuch der jüdischen 

Geschichte und Litteratur 847. 
Lbomond-Holzer, Yiri illustres 

oUD. 

L i n d n e r , Weltgeschichte seit der 

Völkerwanderung 471. 
Linnig, Der deutsche Aufsatz in 

Lehre und Beispiel 466. 
Ludwig, Lateinische Stilttbungen 

fUr Oberklassen 469. 
M e i n h o 1 d s Wandbilder für den 

Unterricht in Zoologie 117. 
Menge, Repetitorium der latei- 
nischen Syntax und Stilistik 62. 
^ Lateinische Synonymik 62. 

„ Stilistik 62. 

Mersmann, Sara Grewe 87. 
Messer, Reformbewegung auf 

dem Gebiet des preussischen 

Gymnasialwesens 194. 
Meyer, Das Stilgesetz der Poesie 

105. 
Montanari, Eine neue Version 

der Genövretheorie 267. 



Mfiller, De viris illustribns 807. 

Nestle, Euripides der Dichter der 
griechischen Aufklärung 65. 

Niese, Geschichte der griechi- 
schen und makedonischen 
Staaten 70. 

Pel, Über die Kunst gesund zu 
leben 897. 

P ö h 1 m a n n , Geschichte des 
antiken Kommunismus und 
Sozialismus 266. 

R a p p o 1 d , Chrestomathie aus grie- 
chischen Klassikern 849. 

Reichel, Carte de France 896. 

Reinhardt, Lateinische Satz- 
lehre 891. 

Sachs, Bau und Thätigkeit des 
menschlichen Körpers 397. 

Schenk, Paris pödagogique 37. 

Schenk und Wolff, Lehrbuch 
der Geschichte 818. 

Schermann, Dr. Vogelroanns 
Vermächtnis 109. 

Schiller und Ziehen, Abband* 
langen aus der pädagogischea 
Psychologie und Physiologie 28. 

Schiller, Weltgeschichte 198. 855. 

Schmidt, Jugenderziehung im 
Jugendstil 282. 

— Schülerkommentar zu Cäsars 
gallischem Krieg 892. 

Schreib vorlagen für griechische 
Schrift 88. 

Schuster, Stereometrische Auf- 
gaben 284. 

Sixt, Führer durch die Samm- 
lung römischer Steindenkmäler 
in Stuttgart 285. 

Smith, A trip to England 485. 

S m o 1 k a , Schulausgabe von Taci- 
tus Agricola 892. 

Sohns, Unsere Pflanzen hinsicht- 
lich ihrer Namenserklärung 856. 

Sohr-B erghaus, Handatlas 818. 



Inhalts-Übersicht. 



VII 



8 1 ä b 1 e r , Diktate für untere Klas- 
sen der Gelehrten- und Real- 
schulen 468. 

St an gl, Qu. Curtii Rufi historia- 
ruro Alexandri Magni libri 191. 

S ü 1 1 e r 1 i n , Die deutsche Sprache 
der Gegenwart 892. 

Weber, Bandbuoh der Welt- 
geschichte 428. 

Weiler, Physikbuch 474. 

Weitbrecht, Deutsche Litteratur- 
geschichte des 19. Jahrhunderts 
889. 



Wilamowitz-Möllendorff, 
Griechisches Lesebuch 220. 

W i 1 k e , Anschauungsunterricht im 
Englischen und Französischen 
111. 

J. Ziegler, Die Mädchenschulen 
in Amerika 110. 

Th. Ziegler, Allgemeine Päda- 
gogik 888. 

Zondervan, Allgemeine Karten- 
kunde 216. 



Kandidatenliste auf 1. Januar 1902. 

Bearbeitet vou Prof. Gramer in Heilbroun. 

(Spalte I giebt die fortlaufende Nummer nach dem Lebensalter, II Name, 
III Geburtstag, IV Prtifungsjahr [a Frühjahr, b Herbst], Y Bemerkungen, 

VI Nummer nach dem Prüfnngsalter.) 

I. Hamanistische Kandidaten mit 
A. Profe88orat8prQfung (37). 

(Nach der Prüfungsordnung vom 28. November 1865.) 



1. Spiro, Dr. Ludwig 


30. Jan. 65 


89b 




1 


2. lüecke, Dr. Viktor 


21. Febr. 66 


92 


F 92^) 


3-4 


3. Trefz, Dr. Eugen 


24. Dez. 66 


94 




11-18 


4. Holder, Karl 


7. März 67 


95 




19 25 


5. Müller, Robert 


12. März 67 


92 




3—4 


6. Bracher, Paul 


2. April 67 


98 




30- 33 


7. Seiz, Hennann 


22. Jidi 67 


91b 




2 


8. Calmbach, Heinrich 


19. Sept. 67 


94 


F Ol 


11—18 


9. lüde, Dr. Max 


18. Okt. 67 


94 




11 18 


10. Moser, Christian 


9. Nov. 67 


95 


F 97 


19—25 


11. Kiderlen, Paul 


13. Nov. 67 


93 




5—10 


12. Vogt, Dr. Karl 


10. Jan. 68 


94 


Präz. ex. 


91a 11—18 


13. Kochendöifer, Dr. Wilh. 


12. Febr. 68 


94 


F 98 


11 18 


14. Kretschmer, Dr. Hermann 19. April 68 


93 


• 


5-10 


15. Braun, Max 


20. Sept. 68 


93 




5—10 


16. Ebner, Dr. Julius 


18. Nov. 68 


93 




5—10 


17. Fahrion, Karl 


12. März 69 


95 


theol. ex 


. 91 19 25 


18. Wolfangel, Hermann 


12. Juni 69 


95 




19—25 


19. Breitweg, Dr. Eugen 


9. Nov. 69 


96 


Präz. ex. 


93. FOl 26—27 


20. Wagner, Max 


14. Nov. 69 


95 




19 25 


21. Zimmer, Üichard 


15. Dez. 69 


94 




11 18 


22. Reik, Karl 


30. Dez. 69 


93 




5—10 


23. Hang, Hermann 


3. Jan, 70 


95 




19 25 


24. Rupp, Dr. Gottliob 


27. März 70 


93 




5—10 



») F = Fachprüfung (in Engh'sch, Französisch oder Mathematik). 

Neae» Korrespoudeiixblatt 1902, Heft 1. 



K;iudidateiiU»ti' auf 1. Januar 1902. 



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Hü. Kuli'. Wiliieiiii 

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Hü H*5b*<*r, J*r. Kirli. 

H(; Zi^'UJhM?!.. l>r. Ludwig 

:T7 Jli*fiiikii«'<'lii. Ludwi^r 



24. Juui 


70 


94 


U. März 


71 


94 


15. Sejit. 


71 


97 


6. Märe 


72 


97 


17. Mai 


72 


9:. 


12. Nov. 


73 


96 


13. Nov. 


73 


9b 


19. Jau. 


74 


96 


10. Mära 


74 


9H 


30. Mai 


74 


96 


ao. Au^. 


74 


99 


17. Febr. 


75 


99 


27. Febr, 


7(> 


99 



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Iv^hdiiK, Ih-. Otto 

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7 N»'tif!«':, (»iirtt;n 



1. ,luli €1 91b 

4. .Tau. 64 91a 

5. 8ej»t 64 HSn 
8. Sf)»t. 64 «9a 

2. Nov. 6(; 91a 
27». I>ez. 66 891. 
15. Ffbr. 68 91b 



6—7 



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Eandidatenlistc auf 1. Januar 1902. 3 

IL Realistisolie Kandidaten mit 

A. Profe88orat8prflfung (16). 

(Xacli der l'rttfunj^sordnuiig vom 20. Juli 1864.) 

a) S p r a c h 1 i c h - ^ e 8 1- h i c h 1 1 i c h e r Richtung (8). 

1. Sander, Henuann 16. Juli 69 99 4—6 

*2. Schwend I, Dr. Friedrich 7. Febr. 71 97 1 

3. Fromm, Ernst 18. MJlrz 71 98 2-3 

4. Schwend II, Rieh. 12. Dez. 73 00 7 

5. Gauger, Rruno 27. April 74 98 2—3 

6. Gonser, Theophil 16. Juni 74 99 4—6 

7. Lnflfler, Karl 7. Jan. 75 99 4—6 

8. Kilrner, Karl 1. Juni 75 Ol 8 

b) Mathematik c h - n a t u r w i s s e n h c h a f 1 1 i c h e r R i c h t u n g (8). 

I. Grözinger, Eugen 9. März 66 99 r.ox.92') 6 
^. Hauser II, Dr. Ludwig 2. Sept. 68 93 1 

3. WolflF, Dr. Bernhard . 22. März 70 97 2—3 

4. Lebküchner, Richard 30. Juli 71 98 ' 4—5 

5. Fries, Otto 10. April 73 98 4—5 

6. Roth, Hermann 8. Mai 73 97 2—3 

7. Stübler, Eugen 3. Juli 73 00 7—8 
.S. Beiach er, Gustav 3. März 77 00 7—8 

B. Reallehrerprflfung (13). 

(Nach der Prüfungsordnung vom 20. Juli 1864.) 

1. Hauser I, Wilhelm 12. Mai 60 Ol 13 

2. Scheuffele, Richard 17. Dez. 68 93 2 

3. Schwarz, Wilhelm 17. Juni 70 92 1 

4. Dieterich, Gotthold 12. Febr. 73 00 6—12 

5. Henninger, Kari 8. Nov. 73 98 3 

6. Klein I, Hermann 15. Jan. 75 00 6—12 

7. Walter, Georg 18. Jan. 76 99 4—5 

8. Waibel, Ernst 28. Jan. 77 00 6—12 

9. Horach, Gottlob 30. Mai 78 99 4-5 
10. Schnitzler, Otto 3. Juni 78 00 6—12 

II. WiUfflen, Gotth>b 27. Aug. 78 00 6—12 

12. Rinck, Erhard 7. Sept. 79 00 6—12 

13. Wagner, Erwin 30. Okt. 79 00 6—12 

*) r. ex. = Reallehrerprflfung. 



4 Kandidateuliste auf 1. Januar 1902. 

C. DienstprOfung (15 + 16). 

(Nach der Prüfungsordnuug vom 12. SeptemiKU* 1898.) 

a) Sprachlich-geschichtlicher Richtung (7 + 8). 

1. Mann, Dr. Engen 5. Aug. 72 00«) Ol«) 1— T 

2. Landsperger, Johann 3. Febr. 75 00 Ol . 1 — 7 
8. Moser, Dr. Oskar 29. Mäi-z 75 00 Ol 1—7 

4. Diez, Gerhard 6. Nov. 76 00 Ol 1—7 

5. Elsenhans, Otto 3. Dez. 76 00 Ol 1—7 

6. Zeller, Gustav 22. Jan. 77 00 Ol 1—7 

7. Müller II, Albert 9. April 77 00 Ol 1—7 

8. Häberlen, Aug. 7. Dez. 72 Ol — tlieol. ex 95 — 

9. Stricker, Eugen 2. Jan. 73 00 — 

10. Schittenhelin, Mor. 1. Doz. 76 Ol - ~ 

11. Frick, Reinhold 19. Febr. 77 Ol — — 

12. Schmid, Max 5. März 77 Ol — — 

13. Schuchraann, Hugo 31. Juli 78 Ol — — 

14. Hochstetter, Emil 22. Aug. 78 Ol — 

15. Kochendörfer, Alb. 5. Nov. 78 01 — — 

b) M a t be m a t i s c h - n a t u r w i s a e u 8 c h af 1 1 i c li e r R i c h t u n g (8-h 7). 

1. Stöhr, Konrad 16. Nov. 68 00«) 00*) 1 

2. Stoller, Jak. 21. Apr. 73 Öl Ol r. ex. 98 2-S 

3. Daiber, Theodor 9. Febr. 74 00 Ol 2— S 

4. Müller I, Herrn. 6. Juni 74 Ol Ol r. .^v. 95 2-S 

5. Oberkarapf, Karl 26. Jan. 76 00 Ol 2—8 

6. Reutter, Fritz 23. Febr. 76 Ol Ol r. ex. 00 2—8 

7. Geck, Dr. Erwin 20. Dez. 76 00 Ol 2—8 

8. Klein II, Ludwig 23. März 77 00 Ol 2— S 

9. Haizraann, Wilh. 19. Okt. 69 Ol — k. ex.-') 95 — 

10. Mühlschlegel, Oskar 22. Sept. 75 00 — — 

11. Wilderrauth, Karl 3. Nov. 75 Ol — — 

12. Pfeffer, Dr. Wilh. 15. Okt. 76 Ol — - 

13. Köstlin, Eberh. 11. Sept. 77 Ol — — 

14. Geiger, Dr. Paul 18. Nov. 77 Ol — — 

15. Drescher, Emuierich 14. März 78 Ol — — 

Allgemeine Bemerkungen. 

1 . Die Zahl der v o 1 1 s t ä n d i g (d. h. m i t L e h r p r «► b c) g c - 
)»rüften Kandidaten beträgt am 1. Januar 1902: 

für I A 37 

R 7 

S (+ 6) 

«) S. die Anmerkung zu I C. 
^) k. ex. = Kollaboraturprüfung. 



Kandidatenliste auf 1. Januar 1902. 5 

Hir II A 16 

B 13 

C 1^ (+ 15) 

%u8amnieii 96 (+ 21). 

2. Der durch scliuittli che*) jährliche Zugang. 

Bei I hat im Jahr 1899, bei II 1901 letztmals die Prüfung nach der 
Alten Ordnung stattgefunden, d. h. für mittlere und obere Klassen ge- 
trennt. Von jetzt an ist also der durchschnittliche jährliche 
Zugang je aus I A B C und II A K C zusammen zu berechnen. Er 
beträgt (die früheren Zahlen seien zur Vergleichung beigesetzt): 





I. auf humanistischer 


II. auf realistitoher Seit« 


1883—1892 


. . . 18,1 


15,5 


1884-1893 


. . . 19,3 


15,3 


1885 1894 


. . . 19,4 


15,0 


1886 1895 


. . . 18,6 


14,0 


1887—1896 


. . . 17,9 


12,8 


1888—1897 


. . . 15,4 


12,0 


1889-1898 


. . . 14,2 


12,1 


1890-1899 


. . . 12,7 


12,3 


1891 1900 


. . . 11,6 


13,0 


1892-1901 


... 9,6 


13,2. 



.'i. Der durchschnittliche Abgang (tlurch erö^tmuligc Au- 
^tt'Hung auf Lebenszeit) beträgt: 

I A 4,5 II A 7,2 

I B 4,3 II B 5,7. 

4. AU durchschnittliches Anstellungsalter ergiebt sich 

I A 33,94 Jalire II A 32,03 Jahre 
I B 32,83 „ II B 30,56 „ 

5. Alter der definitiv angestellten Lehrer: 

I. Humanisten 

im Alter von 20-29 30-39 40-49 50-59 60-69 70-79 Jahren zus. 

1. an oberen Klassen 9 52 33 9 1 104 

2. ., mittleren_^ 55 60 18 13 146 

Zusammen . . 64 112 51 22 1 ~26()*) 



*) Die sämtHchen Durchschnitte beziehen sich auf die letzten 10 Jahre. 

*) Dazu kommen 12 an Unterklassen angestellte ak. geb. Lehrer, 
20 kath. und 2 evang. Geistliche, also Gesamtsumme der Humanisten 284. 
{Erledigt 3 op Stellen und 9 Stellen für kath. Geistliche.) 



6 Knapp, Militärisches zu Tacitus Annalen, I. Buch. 

II. Healisteu 

1. an oberen K hissen 1 23 54 26 5 1 110 

2. „ mittleren^ „ ^__J?? '^l 36 15 1 210 

Zusammen .. 21 85 181 61 20 2 820^ 

6. Durchschnittlicher jährlicher Abgang von defini- 
tiv augestellten Lehrern (durch Pensionierung oder Tod): 

I A 2,1 n A 2,5 

IB3,5 IIB 8,6. 



Militärisches zu Tacitus Annalen, L Buch* 

Von P. K n a p \) in Tübiugen. 

(J. 17 (Ansprache des Percennius an Soldaten der pamiouischen 
Legionen) : denis in diem assibus animam et corpus aestimari : Iduc 
vestem arma teutoria, hinc saevitiam centurionum et vacationes 
munerum redimi. 

Auf einem in Ägypten gefundeneu und von zwei Genfer Gelehrten, 
Jules Nicole und Charles Morel, gesondert herausgegebenen Papyrus- 
blatt aus der Zeit Domitians (Arohives militaires du P*' si^cle, 
Genf 1900) belindet sich als wichtigster Bestandteil die Berechnung 
des Solds zweier Legionare. Sie ist von Mommsen in einem Auf- 
satz des Hermes 1900, 443 tf. f,,Äg>'pti8che Legionäre^') eingeliend 
besprochen worden (vrgl. auch H. Blümner, Aus den Akten eines 
römischen Militärarchivs in Ägypten, Neue Jahrbücher f. d. klassische 
Altertum 1900, 432 ff.). Mommsen bemerkt, die Urkunde zeige zum 
erstenmal mit voller Deutlichkeit, dass die Löhnung faktisch nicht 
ausgezahlt, sondern dem einzelnen Soldaten teils für seine Bedürfnisse 
verrechnet, teils gutgeschrieben wurde, ferner gehe daraus hervor, 
dass dem Soldaten überhaupt für seine Bedürfnisse kein Geld iu 
die Hand gegeben, sondern das Erforderliche ihm geliefert wurde 
und zwar ohne Zweifel durch Angestellte oder L-nternehmer, denen 
für den Kopf entsprechende, in der Löhnungsberechnung dem 
Soldaten zur Last geschriebene, Beträge bezahlt wurden. Wenn aus 
der Tacitusstelle geschlossen worden ist, dass die VerpÜegung vom 
Sold nicht abgezogen wurde (so auch Nipperdey-Andresen), so be- 



*) Dazu 8 au Unterklassen angestellte ak. geb. Lelirer, also Gesamt- 
summe der Realisten 323. (Erledigt 7 or Stellen.) 



Kuapp, Militärisclies zu Tacitus Aniialen, 1. JJuch. 7 

weist der Papyrus nacli M., dass dieser Schluss nicht richtig ist. l)<*ii 
nicht für die Ausgaben abgeschriebenen Restbetrag „deponiren" die 
beiden Soldaten bei der Abteilungskasse, vermutlich in der Cohorte bei 
den Signa („reliquas deposuit" in den beiden ersten Terminen, „habet 
in deposito" beim dritten Termin, in dem Einnahme und Ausgabe 
sich decken). Sie deponieren den Restbetrag, bemerkt Momrasen, 
„offenbar nicht freiwillig, sondern nach fester Ordnung bei der Ab- 
teilungskasse. Es ist das eigentliche peculium castrense, das bei der 
Entlassung den Soldaten ausgehändigt wird". Als die einzige Sunune, 
die den Soldaten zu beliebiger Verwendung in die Hand gegeben 
wurde, betrachtet Mommsen das im ersten Termin verzeichnete 
satumalicium k(astren8e), das ohne Zweifel ftir das Saturnalienfest 
im Dezember bestimmt gewesen, sei (übrigens ist die Lesung ganz 
unsicher, wie das Facsimile zeigt) — und auch das könne bezweifelt 
werden. So angenehm nun gewiss die verabschiedeten Soldaten 
die weise Fürsorge der Heeresverwaltung empfunden hätten, die sie 
vor Verschleuderung der Löhnung bewahrte und ihnen beim Abgang 
eine beträchtliche Summe auf einmal in die Hand drückte, so hätte 
doch, sollte man nach allgemein menschlicher Erfahrung denken, 
die Mehrzahl der aktiven Soldaten in ihrer langen Dienstzeit jene 
staatliche Bevormundung nicht ganz ebenso zu schätzen gewusst. 
Ja, man müsste sich wundern, dass dieser Punkt in den Beschwerden 
der Soldaten, über die wir doch ziemlich genau unterrichtet sind, 
keine Rolle spielt» Aber es bedarf dieses argumentum e silentio 
nicht; aus der vorliegenden Tacitusstelle geht doch wohl deutlich 
genug hervor, dass ein Zwang, den nach den Abzügen verbleibenden 
Rest der Löhnung zu deponieren, nicht bestanden haben kann. 
Wenn die Soldaten von ihrer Löhnung saevitiam centurionum et 
vacationes munerum redimere mussten, so war das doch nur mög- 
lich, wenn sie über diese Löhnung oder wenigstens einen Teil 
derselben frei verfügen konnten (Hist. I, 46 erwerben sich aller- 
dings die Soldaten auf anderem Weg, per latrocinia et raptus aut 
servilibus ministeriis die Mittel zur Befreiung vom Dienst). Für die 
Zukunft der Soldaten in finanzieller Beziehung war ja schon einiger- 
massen durch die praemia militiae sowie dadurch gesorgt, dass von 
den Donati ven, die bei besonderen Gelegenheiten an das Heer 
kamen, die Hälfte an eine Sparkasse abgeführt werden musste; 
Vegetius (U, 20) hätte diese Massregel wohl nicht so lebhaft als 
ab antiquis divinitus institutum hervorgehoben, wenn eine ähnliche 
Einrichtung beim Sold bestanden hätte. Auffallend bleibt es freilich, 



S Knapp, MilitärUclieä zu Tacitus Aiinalen, I. Biidi. 

(lass die beiden ägyptigchen Legionäre den ganzen nach Abzog der 
ftir ilire Bedürfnisse verwandten Summe verbleibenden Restbetrag 
deponieren ; aber man wird sich vorläufig bei der Annahme beruhigen 
mtlssen, dass hier eben individuelle Verhältnisse vorgelegen haben. 
Was den Ausdruck Aaevitiam ceuturionum et vacationes munerum 
redimi betrifft^ so erscheint es^ nebenbei bemerkt, auffallend^ dass 
fast alle neueren Kommentare (Nipperdey-Andresen, Dräger-Becher, 
Pfitzner, Tttcking, Lauge) und ebenso das Lexicon Taciteum (Greef) 
ciu. ungewöhnliches Zeugnia annehmeu und redimi zu saevitiam 
ceuturionum im Sinn vou „abkaufen^^, zu vacationes munerum im 
Sinn von ,,erkaufen^' verstehen. Ohne die Annahme eines solchen 
Zeugma erhalten wir einen Sinn, der in seinem bitteren Sarkasmus 
treflflich zu dem Ton der Rede passt. Übrigens scheint gerade der 
ßegi*iif dieses Verbums eine ironische Anwendung zu begttnstigeu ; 
vrgl. Agricola c. 31 : Britannia servitutem suam cotidie emit, cotidie 
pascit. Auch im Deutschen wird namentlich in älterer Sprache 
,,kaufen^' gern ironisch von üblem Gewinn gebraucht, vrgl. Grimms 
Deutsches Wörterbuch V, 330 und die dort angeführten Beispiele. 
So halte ich die alte Erklärung für richtig, die Stegmann wieder 
aufgenommen hat: „es war der Missbrauch eingerissen, dass die 
Soldaten sich durch Genclienke vou ihren Genturionen Urlaub und 
Befreiung von gewissen Diensten (vacationes munerum) erkauften; 
aber zugleich erkauften sie sich dadurch, wie es mit bitterem Hohn 
heisst, auch immer wieder die rohe Behandlung (saevitiam) ihrer 
Vorgesetzten, die dadurch eine Spende herauszulocken suchten.^* 

(-. Ü8. At in Chaucis coeptavere seditionem praesidium agi- 
tantes vexillarii discordiuui legionum et praesenti duorum militum 
supplicio paulum repressi sunt. Jusserat id M.'£nnins (nach Nip- 
perdey; codd. Mennius), castrorura praefectus, bono magis exemplo 
quam concesso jure etc. 

In seiner wertvollen Abhandluug „Deutsche Völkerbewegungen 
in der Römerzeit'* (Programm Königsberg 1895) bemerkt G. Zippel 
zu der vorliegenden Stelle: ,, Der Verlauf zeigt, dass das (die über- 
lieferte Angabe „in Chaucis") nicht richtig sein kann. Der Lager- 
präfekt M. (so!) Ennius tötete zwei der Aufwiegler, dann musste 
er sich vor der Wut der Soldaten verstecken; als er gefunden 
wurde, rief er, dass Gennanicus und Tiberius in seiner Person ver- 
letzt würdeu: simul exterritis, qui obstiteraut, raptum vexilluni 



Knapp, Militärisches zu Tacitus Annalen, I. Buch. 9 

4id ripam vertit et si quis agmine decesBisset, pro desertore fore 
clamitans reduxit in hiberna turbidos et nihil ansos. Ein Posten 
bei den Chanken wäre damals vöUig verloren gewesen; der ganze 
Vorgang spielte sich offenbar in der Nähe des Rheins ab, und jeder 
J^weifel wird dadurch beseitigt, dass die Erzählung an die Ereignisse 
bei dem obergermanischen Heer ankntlpft. Es ist also mit leichter 
Änderung zu schreiben „in Chattis'', wenn der Platz auch nur 
jiahe der Ohattengrenze lag^'. 

So einleuchtend diese Ausführung auf den ersten Anblick er- 
scheinen mag, so scheitert sie doch einfach an den Worten vexillarii 
discordium legionum. Denn die Legionen des obergermanischen 
Heers, von denen es heisst, dass sie mente ambigua fortunam se- 
ditionis alienae speculabantur (c. 31), dass drei von ihnen ohne 
Zögern, die vierte nach einigem Schwanken den Huldigungseid 
leisteten (c. 37 — unmittelbar vor der in Frage stehenden Erzählung!), 
von denen dann die amici des Germanicus sagen, dass bei ihnen 
4>bsequia et contra rebellis auxilium zu finden sei (c. 40) — diese 
Legionen konnten doch unmöglich als discordes bezeichnet werden. 
Die Ankntlpfung der Erzählung an die Ereignisse bei dem ober- 
germanischen Heer, die Zippel fUr entscheidend hält, ist rein 
äusserlich. Es wird in c. 36 und 37 erzählt, wie die erste Meuterei 
des unteren Heers durch Bewilligung seiner Forderungen beendigt 
wurde; Caecina führt die 1. und 20. Legion in die Winterquartiere 
in der civitas Ubiorum — nun erwai'tet man eine Mitteilung, wohin 
Germanicus sich begeben, und diese Erwartung wird erfüllt durch 
die Angabe, dass er zum oberen Heer gegangen sei, um ihm den 
Huldigungseid abzunehmen. Mit c. 38 nimmt der Geschichtschreiber 
nach der Unterbrechung durch zwei Sätze die Erzählung von den 
Ereignissen bei dem unteren Heer, das er durch die Bezeichnung dis- 
Cordes legiones in Gegensatz zu dem oberen Heer stellt, wieder auf, 
indem er zunächst von den Vorgängen bei einer vexillatio dieses 
unteren Heers berichtet und dann die zweite Meuterei desselben 
bis zu ihrer Beendigung und den damit im Zusammenhang stehenden 
Krieg gegen die Germanen erzählt (c. 39 — 51). An keiner anderen 
Stelle hätte die Episode von den meuternden vexillarii der nieder- 
rheinischen Legionen passender eingereiht werden können. 

Der Lagerpräfekt M.^Ennius ist nach der allgemein angenom- 
menen Vermutung Nipperdeys identisch mit dem von Dio 55, 33 in 
dem Bericht über den pannonischen Krieg als fpQOVQag/og JSioxia^ 
(d. h. ohne Zweifel auch praefectus castrorum, vrgl. Wilmauns, 



10 Knapp, Militärisches zu Tacitus Annaleu, I. Buch. 

Rphem. epigraph. I, 92) erwähnten Mdrioz ^Ewio^, Man darf vieU 
leicht vermuten, dass dieser M.'Enuius ceuturio oder auch etwa 
tribunus inilituui in der 20. Legion (leg. vicesima Valeria Victrix) 
gewesen war, die an dem pannonischen Krieg teilgenommen hatte 
(s. unten) und nach der Beendigung des Kriegs an den Niederrhein 
versetzt worden war (vrgl. Ann. I, Bl. 87. 39). 

Wjis diese 20. Legion betrifft, so hat die bekannte, sie nennende 
.Stelle in der Rede des Germanicus an die beiden bei KcJln stehenden 
Legionen c. 42: 

rrimane et vicesima legiones, illa signis a Tiberio acceptiv««, 

tu tot proeliorum socia, tot praemiis aucta, < tam > egregiam 

duci vestro gratiam refertis? 
neuerdings wieder Anlass zu Erörterungen gegeben. 

Während die Worte früher allgemein so aufgefasst wurden, 
dass die erste Legion ihre signa von Tiberius erhalten habe, also 
von ihm errichtet worden sei und die zwanzigste als tot pro(»liorum 
socia, tot praemiis aucta bezeichnet werde, hat v. Domaszewski im 
Korrespondenzblatt der Westdeutschen Zeitschrift für Geschichte und 
Kunst 189B S. 262 ff. in scharfsinniger Weise die entgegengesetzte 
Deutung begründet, die denn bereits in die Schulausgabe von 
C, Stegmann (Kommentar S. 17) Eingang gefunden hat und u. a. 
auch von E. G. Hardy in einem Aufsatz des Journal of philology 1895 
(,^did Augustus create eight new legions duriug the Pannoniau 
rising of 6 — 9 a. D.") p. BS f. gebilligt worden ist. v. Domaszewski 
geht auf Grund der Angaben des Tacitus, dass die z\\v\ Legionen 
getrennte Lager hatten (c. 39, 15 Halm) und dass unmittelbar nacli 
der Rede die Soldaten das Strafgericht an den Rädelsführern im 
Lager der ersten Legion vollziehen (c. 44, 7 ff.), von der Voraus- 
setzung aus, dass Germanicus die Rede im Lager der ersten Legion 
gehalten habe, obwohl l'acitus den Schauplatz dieser Rede nicht 
ausdrücklich bezeichnet. „Da nun die contio im Lager der legi(» I 
stattfand, so stand diese auf der via princi])alis, dem Tribunal zu- 
nächst, die legio XX hingegen, die auf der für eine Legion be- 
messenen via principalis keinen Platz mehr gefunden haben kann, 
auf der via praetoria. Dann aber spricht (lermanicus mit dem Wort 
illa die entfernter stehende legio XX, mit dem Wort tu die v(»r 
ihm stehende legio 1 an." 

Aus dem, was wir sonst über die Geschichte der ersten und 
zwanzigsten Legion wissen, lässt sich Beweisendes für oder wider 
die Auffassung v. Domaszewskis nicht entnehmen. 



Knapp, Militämches zu Tacitus Anualen, I. Buch. ]1 

Die erste Legion des augustisclien Heers erscheint in unserer 
Überlieferung zum erstenmal in der Erzählung des Tacitus von der 
Meuterei der niederrheinischen Legionen im Jahr 14 n. Chr. (Dass 
das Heer des Antonius eine legio I hatte, beweisen einige Münzen, 
vrgl. Mommsen, res gestae divi Augusti ^ p. 75 A.l). Die zwanzigste 
Legion wird zuerst in der Geschichte des pannonischeu Aufstands 
(6 — 9 n. Chr.) genannt; nach Velleius II, 112 hat sie sich prima 
aestate belli unter dem Befehl des Valerius Messalinus ausgezeichnet, 
indem sie ,,semiplena^* mehr als 20000 Feinde schlug. Mommseu 
hat a. 0. p. 70 if. mit einer Reihe von Erwägungen wahrscheinlich 
zu machen gesucht, dass die 20. Legion zugleich mit 7 weiteren 
(IB. — 19.) aus Anlass des pannonischeu Aufstands gebildet worden 
ist. Die Grtlnde, mit denen C. Patsch, Westd. Zeitschrift 1890, 
332 if. die Annahme Mommsens bestritten hat, sind grösstenteils 
nicht stichhaltig, wie v. Domaszewski, Korrespondenzbl. d. westd. 
Zeitschr. 1891, 59 nachgewiesen hat. Aus dem Umstand, dass in 
Illyricum Grabschriften von Soldaten der 20. Legion (die etwa 
10 n. Chr. nach Germanien versetzt wurde und nicht mehr in die 
Donaulandschaften zurückkam) mit 9 und 17 jähriger Dienstzeit ge- 
funden worden sind, glaubte Patsch schliessen zu dürfen, dass die 
Legion schon lange vor dem Jahr 6 bestanden habe ; einen ähnlichen 
Schluss zieht er für die Legionen XVII, XVIII, XIX (die varianischen 
Legionen) aus den Angaben des Vellejus über ihre Kriegserfahruug 
und für die Legionen XIII — XVI, XX, XXI aus den bei Tacilus mit- 
geteilten Klagen der pannonischeu und germanischen Legionen im 
Jahr 14 über die lange Dienstzeit. Er hat dabei übersehen, dass 
naturgemäss eine neue Legion nicht ganz aus Rekruten gebildet 
wurde, sondern dass sie einen starken Stamm gedienter Leute er- 
hielt.^) Bestehen bleibt freilich das prinzipielle Bedenken gegen 
die Mommsensche Annahme, dass Augustus, der sich während des 
grössten Teils seiner Regierung mit 18 Legionen - - nach Momm- 
sens Ansicht — begnügte (mit den Zahlen I — XII, die Zahlen IV, 
V, VI und X doppelt, die Zahl III dreifach vertreten) im Jahr 6 
n. Chr. auf einmal nicht weniger als 8 neue Legionen geschaü'en 
haben soll. So ist Hardy in dem angeführten Aufsatz, in dem die 
volle Beweiskraft der Mommsensclien argumenta e silentio (nur auf 

*) Mommsen führt allerdings Res gestae ]). 73 und Rom. Gesch. V, 42 
die Niederlage des Varus wesentlich mit auf die l'ucrfahrenheit der 
jungen Soldaten zurück. 



12 Knapp, MilitiinHcli08 zu Tacitu.s AmiuleiJ, I. Hiicli. 

■solche ätfltst sieh seine Annahme) mit Recht angefochten wird, za 
4ler vermittelnden Hypothese gekommen, dass im pannonischen Krieg 
nur 4 neue Legionen gebildet worden seien, XVII — XX, während 
vorher die Legionen I — XYI (mit Einschluss der doppelt, bezw. 
dreifach auftretenden Nummern 22) bestanden hätten. Mit Sicherheit 
ist die Frage mit den uns bis jetzt zu Gebot stehenden Mitteln nicht 
zu lösen ; was die uns hier zunächst angehende 20, Legion betrifft, 
so scheint mir ein von Patsch (s. oben) geltend gemachter Grnnd 
immerhin etwas schwerer zu wiegen, als Domaszewski zugeben will. 
Wenn Yellejus, der sich bekanntlich in der unmittelbaren Umgebung 
des mit der Leitung des Kriegs betrauten Tiberius befunden hat, 
in der oben angeführten Stelle ausdrücklich bemerkt, dass die 
XX. Legion prima aestate belli subita rebellione gefochten hat, so 
ist das trotz der rhetorischen Haltung des Schriftstellers nicht ohne 
weiteres beiseite zu schieben. Auch Mommsen muss sich durch 
«ine etwas künstliche Erklärung mit dieser Stelle und dem damit 
in Verbindung zu setzenden Bericht des Dio 55, 30 abfinden (ren 
gestae p. 73 A.). 

Wenn übrigens auch feststände, dass die zwanzigste Legion 
eri!it während des pannonischen Aufstands gebildet worden ist, so 
wäre damit selbstverständlich die Beziehung der Worte illa signis 
a Tiberio acceptis auf diese Legion noch nicht bewiesen, wenn sie 
mvht aus dem Zusammenhang der Tacitusstelle zu erschliessen ist. 
Es ist nun Domaszewski zugegeben, dass Germanicus die Legionen 
nicht etwa vor seinem Haus in der Stadt der Ubier (c. 39 vrgl. c. 36), 
sondern nur im Lager angeredet haben kann, da der Feldherr die 
Soldaten nur in contione vom Tribunal ans anreden kann (vrgl. 
<i. 29, 1; 34, 9; 35, 15. 19; 39, 20 f.; 43, 1), und es ist femer 
zuzugeben, dass dieses Lager das der ersten Legion gewesen ist — 
das ist aus c. 44, 7 zu schliessen. Wir haben hier in der That 
einen der bei Tacitus nicht seltenen Fälle, wo eine Situation erst 
■aus der Vergleichung und Erwägung verschiedener Stellen klar 
wird. Aber etwas anderes ist die Frage, ob Tacitus dem Leser der 
Kode des Germanicus das Erkennen einer Beziehung jener Prono- 
mina, wie sie Domaszewski annimmt, zumuten konnte. Und diese 
Frage ist, wie ich glaube, entschieden zu verneinen. Nachdem der 
Schriftsteller noch mit keinem Wort angedeutet hat, dass die Rede 
im Lager der ersten Legion gehalten wurde, sondern die Situation 
nur ganz allgemein mit den Worten apud circumfusos ita coepit 
bezeichnet hat, hat der Leser zunächst gar keinen Anlass, die beiden 



Knapp, Militärisches zu Tacitus Annaleu, I. Buch. i;^ 

Legionen anders als coordiniert aufzufassen und das illa nicht nacb 
dem gewöhnlichen Sprachgebrauch (wie z. B. 1, 23: ipsae inter se 
legiones octava et qnintadecumana ferrnm parabant, dum centurio- 
nem cognomento Sirpicum illa morti deposcit, quintadecumani 
tuentur etc.) auf das entferntere Glied zu beziehen. Dass die Sceue- 
im Lager der ersten Legion spielte, wird ja erst in einem späteren 
Kapitel angedeutet; der Leser der Hede kann es also noch nicht 
wissen. Ganz anders liegt der Fall in den bei Gerber-Greef lexicon 
Tacit. p. 523 verzeichneten Stellen des Tacitus, wo in der hier von 
Domaszewski vorausgesetzten Weise iile auf das nähere, hie (dem 
tu in der vorliegenden Stelle entsprechend) auf das entferntere Glied 
bezogen ist. Hier ist überall die Beziehung und der Grund der 
Abweichung von dem gewöhnlichen Sprachgebrauch ohne weiteres klar. 
Es wird also wohl bei der herkömmlichen Auffassung bleiben, 
wonach die Worte illa signis a Tiberio acceptis auf die erste 
Legion, tu tot proeliorum socia, tot praemiis aucta auf die zwanzigste 
Legion sieh beziehen. Dass die Charakterisierung der letzteren Legion 
gut zu dem passt, was wir Über ihre hervorragende Leistung im 
pannonischen Krieg erfahren, ist schon längst bemerkt worden.^ ) 
Die vemacula mnltitudo nuper acte in urbe dilectu (d. h. nach der 
Niederlage des Varus), von der c. 31 die Rede ist, ist bei dieser 
Auffassung nicht bloss in der XXI (die zweifellos erst nach der 
varianischen Niederlage gebildet worden ist), sondern auch in der 
I. Legion zu suchen. Da nun, wie Mommsen res gestae p. 68 A. 1 
hervorhebt, eine legio 1 in dem von Augnstus nach der Schlacht 
von Actium aufgestellten Heer nicht wohl gefehlt haben kann, so 
muss angenommen werden, dass diese Legion im Lauf von Augustus 
Regierung aufgelöst und später, als Tiberius Mitregent geworden, 
neu gebildet wurde. Mommsen hat vermutet, dass die L Legion 
irgendwie, wenn auch in geringerem Grad als die Legionen XVII 
bis XIX, an der Niederlage des Varus beteiligt war (wovon freilich 
unsere Überlieferung nichts andeutet) und deshalb aufgelöst, aber 
sogleich mit Beibehaltung der Nummer wieder hergestellt wurde, 

*) Wenn Germanicus Ann. I, 34 in einer Ansprache an die 4 nieder- 
rheinischen Legionen (F, V, XX, XXI) hervorhebt quae (Tiberius) apnd 
Germania» illis cum legiouibns puiclierrinia fecisset imd dieses iilnc 
legiones, wie es doch am nächsten liegt, auf alle 4 Legionen zu be- 
ziehen ist, 80 ist diese Stelle ein Beweis dafür (wozu sie meines Wissens, 
noch nicht verwendet worden ist), dass auch die leg. V Alaudao unter 
Tiberius in Gcrnianion gedient hat. 



]4 Knapp, MilitäriäclieB zu Tacitns Annalen, I. lUicli. 

ähnlich wie Vespasian die leg. lY Macedenica und die leg. XVI auf- 
gelöst und dafür die leg. IV Flavia und XVI Flavia Firma geschaffen 
liat. Wie man sich aber auch zu dieser Frage stellen mag^ soviel 
scheint mir aus einer unbefangenen Betrachtung der in Frage 
stehenden Tacitusstelle deutlich hervorzugehen, dass es die erste 
Legion war, die ihre signa von Tiber ins erhalten hat. 



Nachtrag: zu der Stelle I, 17 (oben S. 6). 

Nachdem das Obige niedergeschrieben war, ist mir die wert- 
volle und manches neue bietende Abhandlung v. Domaszewskis, „Der 
Truppensold der Kaiserzeit^' in den ,,Neuen Heidelberger Jahr- 
btlchem^^ Jahrg. X, Heft 2 S. 218 ff. bekannt geworden. Wenn bei 
Tacitus a. 0. unter den Aufwendungen aus dem Sold das frumentum 
nicht genannt ist, so ist D. der Ansicht (S. 219 A. 8), dass die 
ägyptische Urkunde nichts dagegen beweise. Und in der That 
scheint gerade bei dieser Stelle, wo es eben darauf ankam, sämt- 
liche Leistungen der Soldaten aufzuzählen, das argumentum e 
silentio volle Berechtigung zu haben. Ausserdem zeigen die Bestim- 
mungen des Papyrus auch in einem andern Punkt, wie oben aus- 
geführt, eine nicht allgemein gültige Besonderheit. 

Was eben diesen andern Punkt, die Auszahlung des Solds 
an die Truppen betrifft, so folgt Domaszewski, ohne sich mit der 
ägyptischen Urkunde in dieser Hinsicht auseinanderzusetzen, der 
■allgemeinen auch oben festgehaltenen Annahme, dass der Sold nach 
Abrechnung der Abzüge den Soldaten wirklich ausgezahlt (nicht 
gutgeschrieben) wurde. Mit Beziehung auf die obige Stelle sowie 
iiuf Hist. 1, 46 : flagitatum — perpetuitate disciplinae firmatam be- 
merkt er (S. 227 A. 3): „Diese ganze Einrichtung ist nur verständ- 
lieh, wenn die Centurionen den Sold an die Soldaten auszahlten 
und berechtigt waren, den Beurlaubten oder vom Dienst Befreiten 
den Sold zu kürzen; dass sie diese Abzüge in die eigene Tasche 
steckten, kann nur ein Missbrauch sein. Und doch gab es im 
Interesse des Dienstes kein anderes Mittel als diesen Missbrauch 
zu sanktionieren, indem dem Befreiten der volle Sold bezahlt wird 
und der Fiskus die gesetzlichen Abzüge den Centurionen überdies 
auszahlt.'^ (Die in der angeführten Stelle der Historien berichtete 
Neuerung Othos.) ,,Man sieht was für Zustände in diesem Söldner- 
heer herrschten. ^^ Ich kann es mir nicht versagen, noch die Schluss- 
ivorte der Abhandlung herzusetzen: ,^Die moderne Zivilisation hat 



S a 11 1 e r , Bemerk, zu d. Auflös. math.-geogr. ti. trigoii. Aufg. 1 5 

dem Bürger das Recht und die Ehre, die Waffen zum Schutze de« 
Vaterlandes zu ftihren, wiedergegeben. Nur das Heer des englischen 
Weltreichs ruht auf der gleichen unsittlichen Grundlage, wie das 
römische der Kaiserzeit, um denn auch im Greuel unmenschlicher 
Kriegführung mit den Söldnern des Imperiums zu wetteifern: ,8oli- 
tttdinem faciiiut, pacem appellant^" 



Einige Bemerkungen zu den Auflösungen mathem.- 
geogr. und trigon. Aufgaben von Prof. Dr. Hammer 

in Stuttgart. 

Von F. Saut er in rhu. 

Bei der im 2. Heft des Korrespondenzblattes Jahrgang 1901 
Angegebenen Lösung der Aufgabe Nr. 4 wird zur Berechnung der 
Sternzeit im Augenblick der Beobachtung die Gleichung: 

Ö = Öy + (geg. M.Z. in st.Z. verwandelt) [s. 8. 48] 

benützt, wobei (•> die Sternzeit im Augenblick der Beobachtung, 
fe^^, die Stenizeit für den Augenblick des mittleren Mittags des 
Beobachtungsorts bedeutet und zur Verwandlung der gegebenen 
M.Z. in st.Z. die Angabe über die Zeitdauer der mittleren Stunde 
und der Sternstunde, nitmlich Zeitdauer einer Stunde m.Z. = 1 Stunde 
4- 9,9 Sekunden Stemzeitdauer, dient. Wird, wie dies auch in Prof. 
Dr. Hammers Lehrbuch der Trigonometrie, H. Aufl. S. 523, geschieht, 
die Stenizeit immer auf diese Weise berechnet, so ergeben sich 
allerdings die* Bedenken, auf die Prof. Dr. Hammer im Korr.Blatt 
1901 Heft 2 8. 46 Anm. 1 hingewiesen hat, dass nämlich bei den 
-Schülern gelegentlich dadurch Verwirrung entsteht, dass die Wörter 
,. Sternzeit" und „Mittlere Zeit" in zweierlei Bedeutung gebraucht 
werden, zur Bezeichnung von Zeitpunkten, die in der einen oder 
anderen Zeit gegeben sind, und zur Bezeichnung einer Zeitdauer 
in dem einen oder anderen Zeitmass. Zur Verhütung derartiger 
Verwirrungen schlägt Prof. Dr. Hammer die neuen Bezeichnungen 
^.stellare Zeit" (st.Z.) und „mediosolare Zeit" (m.Z.) für diejenigen 
Fälle vor, wo eine Zeitdauer gemeint ist, während für die Be- 
zeichnung eines Zeitpunktes er die seitherigen Bezeichnungen 
und M.Z. beibehalten haben will. 



16 Sautor, Bemerk, zu d. Auflös. math.-jjeogr. u, trigoii. Auf;;:. 

Die EinftihruDg dieser neuen Bezeichnungen ist aber überflüssige 
wenn man die Sternzeit von einem anderen Gesichtspunkte aus 
St.Z. berechnet und dabei ebenfalls die bekannte Gleichung: 

St.Z. = G.A. + St.W. 
(oder Sternzeit = Gerade Aufsteigung 4- Stundenwinkel) 

zu Grunde legt. Wendet man nämlich diese Gleichung im Augen- 
blick der Beobachtung zunächst auf die mittlere Sonne an, »(^ 
erhält man: 

St.Z. = Qm® + tm0, 

wobei QmQ ^) die Gerade Aufsteigung oder Rectascension und tm© dea 
Stundenwinke] der mittleren Sonne zur Zeit der Beobachtung be- 
deutet. Nun nimmt aber bekanntlich die G.A. der mittleren Sonne,, 
d. h, ^m©, in 24^ um 3™ 56,6», somit in 8*» um 1" 19« zu, da aber 
bei dem Beispiel Nr. 4 die Sternzeit im Augenblick des mittleren 
Mittags des Beobachtungsortes = 0^ 39« 34» ist (vgl. ©^ auf S. 46; 
und da bei der Kulmination der mittleren Sonne die Sternzeit gleich 
der Geraden Aufsteigung ist, so ist demnach bei Aufgabe 4: 

Qm® um 0»» M.Z. =0»» 39» 34» 

Zunahme in 8*» = 1" 19» , also ist 

Qca® um 8^ M.Z. = 0^ 40°» 53» , ferner ist 

tm© „ „ „ =8»» (=M.Z.d.Beob. . 



somit St.Z. im Augenblick d. Beobacht. = 8*^ 40»" 53» (siehe S. 48 inv 
Rechenschema unter 0.) 

Bei Stellung derartiger Aufgaben empfiehlt es sich übrigens,, 
alle diesbeztlglichen Angaben nicht auf den Meridian des Beobach- 
tungsortes, sondein, wie dies ja in der Praxis fast Htets der Fall ist^ 
auf den Greenwicher Meridian zu beziehen, da sonst der Lehrer, 
bei Stellung einer Aufgabe, immer erst an den aus dem Nautischen 
Jahrbuch entnommenen Angaben die betreffende Korrektion für den< 
Meridian des Beobachtungsortes anzubringen hat. Die Korrektion 

der Sternzeit im mittleren Mittag beträgt bei einem Ort mit k^ östL 

X» 
Länge allgemein ögg^ • (3"» 56,6») und würde für Stuttgart mit 

9^ 10' 51'' östl. Länge, 6» betragen, so dass bei Aufg. 4 an dem 
betreffenden Tage die Sternzeit im Augenblick des mittleren Green- 

^) Als Analogie zur Bezeichnung der Deklination durch 8, möchte 
ich für die Rectasceu.^ion die Bezeichnung p vorgeschlagen haben. 



S a u t e r , Bemerk, zu d. Auflös. matli.-j^cogr. ii. trigon. Aufjr. \ 7 

wicher Mittags 0^ 39" 40" betragen würde. [Der bei Aufg. 4 an- 
gegebene Wert der geogr. Breite des Beobachtuugsortes, nämlicli 
tp = 48^ 47' 0", weist vermutlich auf Stuttgart als Beobachtungsort 
hin.] Anstatt ferner, wie es auf S. 48 geschah, den Stundenwinkel 
eines Sternes aus der Steruzeit des Beobachtungsortes zu berechnen^ 
halte ich es für einfacher, die ganze Kechnung gleich für den Green- 
wicher Meridian zu machen, d. h. den Stnndenwinkel des betreffen- 
den Sterns im Augenblick der Beobachtung für den Oreenwicher 
Meridian auszurechnen. Bedeutet dann t^^s.o. den Stnndenwinkel des 
Sterns im Augenblick der Beobachtung für den Beobachtungsort 
mit der östl. geogi*. Länge k und t*6r. den Stundenwinkel desselben 
Sterns im Augenblick der Beobachtung bezogen auf den Oreenwicher 
Meridian, so ist: 

t*B.O. = t*Gr. + Ä. 

(Bei westlicher Länge ist k abzuziehen.) 

Ausserdem empfielilt es sich, in einer Aufgabe au Stelle der 
mittleren Zeit des Beobachtungsortes, die „Mitteleuropäische Zeit^^ 
(M.E.Z.), d. h. die Zeit für den- Meridian 15^ 0, anzugeben, die ja 
seit 1. April 1893 gesetzlich im ganzen Deutschen Keich eingeführt 
ist. (Für Stuttgart ist der Zeitunterschied zwischen M.Z. und 
M.E.Z. = lö'» — Ä = 5^ 49' 9" = 23» 17».). 

Die bei Aufgabe 4 zu lösende Yoraufgabe müsste dann fol- 
gende Fassung haben: Wie gi'oss war am L April 1898 in Stutt- 
gart {k = 90 10' 51" 0) der Stnndenwinkel des Sterns Aldebaran 
um 8*» 23™ 17« M.E.Z. p.m., wenn die Gerade Aufsteigung des 
Sternes Aldebaran = 4^ 30"» 5% die Sternzeit im Augenblick des 
mittleren Greenwicher Mittags am 1. April — 0^» 39™ 40« und am 
2. April = Oh 43™ 36,6» war? 

Die zugehörige Lösung würde sich dann folgenderart gestalten : 

M.E.Z. der Beobachtung in Stuttgart = S^ 23™ 17» p.m. 1. IV. bürgerl. 
= 8»» 23™ 17« (1. IV.) astron. 

M.Z. der Beobachtung in Greenwich = 7^ 23™ 17« p.m. 1. IV. bürgerl. 
= 7^ 23™ 17« (1. IV.) astron. 

(= Stundenwinkel der mittleren Sonne in Greenwich im Augenblick 
der Beobachtung.) 

Kulminiert aber die mittlere Sonne, so ist ihre Gerade Auf- 
steigung gleich der Sternzeit, d. h. es ist 

Nouo> Korrespoiitlonzblatt 1902, Heft 1. 



18 S au te r , Bemerk, zu d. Aufkis. inatli.-^eogr. u. trij^on. Auf«?. 



r>»0 in Gr. am 1. IV. um 0»» astron. (12»> bürgerl.) = 0*» 39» 40^ 
(>m® „ . „ 2 . IV. am Qh „ „ „ = 0«« 43» 36,6^ 

Zunahme in 24»» = 8« 56,6- 
„ 7h 28" 17« = 1« 13' , 

also iBt 
(im 3 in Gr. zur Zeit der Beobachtung = 0*> 40» 58" 

tm3 „ „ ^ „ „ „ = 7^ 23« 17" (s. o.) 

Homit 
8t.Z. in Gr. zur Zeit der Beobachtung = 8>» 4" 10« . 

Wendet man nun die Gleichung: 

St.Z. = G.A. + St.W. 

im Augenblick der Beobachtung auf den 8tem Aldebaran an, ffir 
welchen, abgesehen von den kleinen jährlichen Änderungen, wie 
bei allen Fixsternen die Gerade Aufsteigung als konstant angesehen 
werden kann, so erhält man in Bezug auf den Greenwichcr Meridian : 

St.Z. = (>* 4- 1^, oder 
tj^ = St.Z. — Q^ 

= 8»» 4« 10" (8. oben) 
- 4«» 80« 5-, d. h. 

t,(;r. = 3^84« 5\ 
Es ist aber für Stuttgart: 

k = 9' 10^51"O = -f 86" 48 », 

also ist für Stuttgart: 

t«Ro.j=_4>» 10«j48-. 

(Vrgl. Korr.Blatt Heft 2 S. 48, s. Kechenschema unter t».) 

Um die obige Kechnungsweise auch für Planeten zu zeigen, 
fUr welche bekanntlich die Gerade Aufsteigung nicht wie bei den 
Fixsternen konstant, sondern veränderlich ist, möge noch folgende 
Aufgabe behai^delt sein: 

Wie gross ist in Ulm (Ä = 9« 59' 0) am 9. Juni 1902 um 
4^ 35« 20* M.E.Z. a.m. (vormittags) der Stundenwinkel des Planeten 
Mars ( d ), wenn am 8. Juni 1902 die Sternzeit im mittleren Green- 
wichcr Mittag = 5i> 4» 44,1», am 9. Juni 1902 = 5»» 7« 40,7» und 
die Gerade Aufsteigung des Mars im mittleren Greenwicher Mittag am 
8. Juni 1902 = 20>» 19» 55- und am 9. Juni 1902 = 20»» 29» 20'« ist ? 

(Die Angaben sind dem Nautischen Jahrbuch fUr das Jahr 1902 
entnommen. ) 



f5 a u t e r , Bemerk, zu d. Auflös. math.-geogr. u. trigon. Aufg. 19 



Lösung. 
M.E.Z. der Beobachtung in ühn = ^ 35« 20» a.m. am 9. VI. bttrgert. 

= 16h 36« 20- am 8. VI. astron. 
M.Z. der BeabaeM. in Green wich = 3>» 3&" 20" a.m. am 9. VI. btirgerl. 
= 15'» 35» 20« am 8. VI. a«tron., 
d. h. es ist 
tm© zur Zeit d. Beob. in Greenw. = 15'» 35°» 20«. 

Kulminiert aber ein Himmelekörper (ni0 resp. d); so ist die 
Oerade Aufsteigung gleich der Sternzeit, 





Om0 


^d 


d. h. es ist am 8. VI. um 0^ M.Z. in Greenw. 

»» «/•VI.,« ri r» ?) *» 


5»» 3« 44,1« 
51» 7» 40,7« 


20h 19111 55t 
20'» 29« 20« 


Zunahme in 24)> 

„ 15»» 35™ 20« 


3"» 56,6-* 
2tn 34« 


9™ 25« 

6m 7» 


also ist zur Zeit der lioobiichtunjr in Gr. 


51» 6* 18« 


20h 26n» 2« 



Wendet man aber die belcannte Gleiehung: 

St.Z. = G.A. + St.W. 
im Augenblick der Beobachtung auf die mittlere Sonne an, so er- 
hält man: 

St.Z. in Gr. zur Zeit der Beobachtung = Qm® + tm© 

= b^ 6» 18« 
+ 15h 35m 20« (8. 0.), 
d. h. es ist: 

8t.Z. in Gr. im Augenblick der Beobaclitnng = 20»» 41« 38«. 

Wendet man nnn die obige Gleichung St.Z. = G.A. + St.W. im 
Augenbifek der Beobaehtung auf den Planeten Mars (d) an, so er- 
liält man fttr Greenwich im Augenblick der Beobachtung: 

St.Z.Qr. = QjGr. + t(S f^r. y odcr 
tjGr. = St.Z.Gr. " ^cJOr. 

= 20h 41« 38« 

- 20h 26°» 2» ( 8. oben), also ist 

~T7o7^ 0^ 15« 36-. 
Eh ist aber für Ulm: 

X = 9'^59'0. =+ 39« 56«, 



somit ist im Augenblick der Beobachtung in Ulm: 

tcjB.o. = 0^ 55« 32«. 



20 S a u t e r , Bemerk, zu d. Auf lös. luath.-geogr. u. ti-igon. Aufg. 

DiesC; meines Wissens aucli bei der Marine eingeführte Methode^, 
ist nach meinen eigenen Erfahrungen auch für schwach begabte 
Schüler sehr leicht verständlich und macht die Einführung der von 
Prof. Dr. Hammer vorgeschlagenen neuen Bezeichnungen überflüssige 



Was die im 3. Heft auf S. 90—93 behandelte Aufgabe Nr. 8^ 
anbelangt, so lässt sich die auf Seite 93 am Schluss angegebene 
Gleichung für die Strecke AB (Fig. s. S. 90), direkt und nicht 
erst, wie auf Seite 93 erwähnt wurde, nach einigen Umformungen., 
herleiten, und zwar wie folgt: 

Wird AB = X gesetzt, so erhält man mit Bezug auf die Figur 
von S. 90 durch mehrmalige Anwendung des Sinus-Satzes: 

sin (a-h P + y) b • sin D fiin(a4-ß + Y) 



x = PB 



sin A sin ß / PC • sin a 

l ~a 



) 

a • b • sin (a 4- ß + y) sin D 



oder X = 



sin a sin ß PC 

a • b • sin (a + ß + y) sin y 



sin a • sin ß x — (a + b) 

Ausmultipliziert und geordnet, giebt: 

, . vv a.l)-sin(a + ß + Y)3inY ,. -, . 

x« — (a + b) X — ^-^ .—^ ^ = 0, hieraus folgt : 

^ '' sin a sin ß ' ^ 



_ a + b ^ * / /a + b\^ a. b. sin (a -h ß 4- y) »'" T 
^'~'~2~ (-)V ^ 2 y "*" sina sin ß 

[Da X nicht negativ werden kann, so gilt bei dieser Quadrat- 
wurzel nur das Vorzeichen „+"]. 

Diese Gleichung lässt sich entweder, wie auf S. 91 u. 92 ge- 
zeigt wurde, mit Hilfe der Lalande*schen Regel berechnen oder aber, 
ebenso rasch, indem man zunächst: 

1) p = — g- und 

a.b. sin (a -h ß + y) sin y 

2) q = -. -; — X- ^ - 

' ^ sin a • sin ß 

setzt, den Hilfswinkel jy aus der Ocichung. 



berechnet, so ist 



3) tg'/ = ,, 



4) X = V'*\ ■ ctg l 



S a u t c r , Bemerk, zu d. A iiflös. raath.-^eogr. n. tingou. Autg. 2 1 

Anmerkung: In den Gleichungen 3) und 4) ist V^q absolut zu 
•nehmen. 

Determination. Als Dreieckswinkel muss <^ APB < 180^, 
-d. h. a + /^ + y < 180® sein. Die Bestimmung von ^ aus Gleichung 3 
ist immer möglich, und zwar erhält man zwei Werte, einen im I. Qua- 
dranten liegenden Wert rj und einen im III. Quadranten liegenden 
Wert (180^+ rj), von denen jedoch nur der im I. Quadranten liegende 
Wert brauchbar ist, da der andere Wert ein negatives Resultat für 
X liefern würde, was unmöglich ist. Ist demnach « + /? + }'< 180*^, 
so ist die Lösung der Aufgabe immer möglich und eindeutig. 



Anmerkung: Werden, wie auf Seite 90 erwähnt wurde, die 
Winkel in den Ecken A und B als unbekannt eingeführt und mit 
(f bezw. 1// bezeichnet, so erhält man zunächst: 

r/i -i- T^' = 180® — (« + // + y), 

ft?nior folgt nach dem Sinus-Satz: 

/b 8111 ^\ 
siu (.' _ sin (a -f» q?) _ 1*1^ _ \ «in ß / _ 1) • sin a • ain^ -, 
sin I) ~~ »in (ß + ^j ~ 1*0 ~~ /a »in qp\ "" a • sin ß • sin cp' 

\ »in a J 

a sin fi . sin </ • sin (« + r/;) = b sin « • sin i^ • sin {ß 4- ip)» 
Diese Gleichung liefert, ausniultipliziert und umgeformt, unter 
Beiücksichtigung von f -\- yj = 180^ — (« + /^ + y) schliesslich eine 
Gleichung von der Form: 

m cos 2(f + n sin 2tf> = p, (s. S. 90.) 

die sich nach der Lalande'schen Regel durch die Substitution: 

r sin /. = m und 
r cos /. = n 

auf einfache Weise lösen lässt. 
Man erhält nämlich: 

r sin (/. + 2fp) = p, d. h. 

(sin X H- 2r/;) = ^, 

Avoraus man 2ip und damit auch fp bestimmen kann. 

Hat man (f und damit auch \f.f gefimden, so ergiebt sich die 
gesuchte Strecke AB = x nach dem Sinus-Satze aus : 

^ ^^p , sin (a -f ß + r) _ ^ • si» (« + 9) , si n (a + ß -f t) • 
sin cj; »in a sin cj; 



22 S a II t e r , Bemerk, zu d. Autlös. math.-geog^. u. trig^on. Auf};. 



ir- 

O 



Da auf Seite 90 nach einer anderen Ltfaung für die Beetiuiuiiin 
eines der zwei Winkel gj und i/^ gefragt ist, »o möge eine solche hier 
ang€gebeD sein: 

I>a ^ + ^ = 180 <> — (« + /^ + }') ^^^ bekannt vorauszusetzen ist» 
so netze man: 

— g-^ = a nud 

._._e, 

HO ist — -- 

9 = + 
«•j» = o — 8. 

Setzt mau diese zwei Werte in die obige Gleichung: 

Hin ^a 4- <p) _ i> sin a sin ^ 

sin (ß +<i>j ~ a «in ß sin qp 
ein, so erhält man: 

sin (a + a + ö) _ h »in a sin (o — ö) 
öin(ß + a — Ö)~ a sin ß »in (a+8)' 

sin (a + o) cos 8 -f cos (a + o) sin 8 b sin a »in o cos ö — cos a sin 5 
sin (ß + o) cos 8 — cos (ß -J- a) sin 8 "~ a sin ß sin o cos 8 + cos o sin l 

sin (a + o) + cos (a -|- a) t^ 8 _ b sin a tg a — tg 8 
sin (ß + o)^ — cos (ß -i- oj tj: 8 "" a sin ß tj? o + tg 8* 

Wird diese Gleichung ausnuiltipliziert und geordnet, so erhHlt 
man eine quadratische Gleichung mit der Unbekannten tg d. Diese 
Gleichung lässt sich entweder nach der Lalande'schen Kegel -»der 
wie oben mit Hilfe der Einführung eines Hilfswinkels bereclmeu. 
Kennt man aber d, so kennt man auch, da a bekannt ist, die Winkel 
f und xfj und man erhält dann, wie oben, die Strecke AB = x aus 
der Gleichung: 

_ a sin (a -r 9) • sin (a + ß 4- y) 

~ sin a • sin <\> 

Vergleicht man diese beiden Lösungen mit der zuerst gezeigten 
Lösung, HO ergiebt sich sofort, dass die erste Lösung, bei der die 
gesuchte Strecke AB direkt aus einer qnadratiKchen Gleichung auf 
trigonometrischem Wege bestimmt wird, bei weitem die kttrza*<te 
und einfachste und somit auch in der Praxis den beiden anderen 
Lösungen vorzuziehen ist. 



Itui'iriit ülicr die iilli^cnieiiiu UeilJlelii'vi'Vor»:(iiiui)iiii^. 23 

Bericht über die allgemeine ReaUehrerversammlmig 

am 4. Mai 1901. 

Diese Versammlung wurde auch heuer wieder in dem vom 
K. Rektorat gütigst zur Verfügung gestellten Festsaal der Fnedricli- 
Eugen-Bealschule und anderen Räumlichkeiten der Anstalt abgehalten. 
Gleiclizeitig fand eine hauptsUchlich von Paul Spindler veranstaltete 
Ausstellung von Apparaten und sonstigen Lehrmitteln aus dem Gebiet 
der Physik und Chemie^ u. a. Marconi-; Tesla- und Röntgenapparaten 
statt. Die Verhandlungen begannen in den beiden Abteilungen 
morgens 8 Uhr. 

In der sprachlich -historischen Abteilung hielt Prof. 
Schiele-Stuttgart einen Vortrag über die Vereinfachung 
der französischenSyntax nach den Erlassen des französischen 
Untennchtsministers vom 31. Juli 1900 und 26. Febr. 1901. Hin- 
weisend auf seinen am 27. Januar 1901 auf der in Plochingen ab- 
gehaltenen Hauptversammlung des Wüi*tt. Vereins für neuere Sprachen 
gehaltenen Vortrag bemerkt der Redner, dass er sich ziemlich kurz 
fassen könne^ da dieser Vortrag demnächst im ,, Korrespondenzblatt'' 
in extenso erscheinen werde. Wie vorauszusehen war, hat die 
Academie franQaise bezüglich der im Erlasse vom 31. Juli 1900 
genannten Änderungen und Erleichterungen manche Bedenken gehabt 
und nicht alle gebilligt, sondern da und dort am seitherigen Gebrauch 
festgehalten. Ein Rundschreiben des Unterrichtsmiuisters vom 
28. Februar 1901 teilt nun die von Ministerium, Akademie und 
Oberschulrat gemeinsam festgestellte Liste von Neuerungen den 
verschiedenen staatlichen Unterrichtsanstalten mit und fordert die 
Vorstände auf, das Nötige zu veranlassen, damit sie im Elementar- 
unterricht sofort in Kraft treten können. Redner zählt sie nun 
der Reihe nach auf, an einzelne Nummern erläuternde oder kritische 
Bemerkungen knüpfend. In einzelnen Punkten, auf die er aufmerksam 
macht, bleiben leider trotz der Erlasse auch jetzt noch Unsicher- 
heiten bestehen. Trotzdem haben Schüler und Lehrer allen Grund, 
fUr eine grosse Zahl von Vereintach ungen dankbar zu sein. Zum 
Schlüsse stellt er folgende Leitsätze auf, welche einstimmig an- 
genommen werden: 

1. Wir begrUssen frendigst den Eriass des französischen Unter- 
richtsministers Leygues vom 26. Februar 1901 betreffend Verein- 
facliung der französischen Syntax und ersuchen eine hohe Behördi*, 



24 Hericht über die allgemeine lleallelirerversammiuii^. 

das Nötige zn veranlassen, damit derselbe mit Beginn des neuen 
Schuljahrs auch bei uns in Kraft trete und die angefUlirten Er- 
leichterungen für den Unterricht der französischen Grammatik auch 
unseren Schülern zu gute kommen. 2. Schon in der Zwischenzeit 
möge es uns gestattet sein, bei Gelegenheit auf die Neuerungen 
hinzuweisen, woraus sich folgerichtig dann deren Duldung bei den 
demnächstigen Versetzungsprüfungen ergiebt. B. Eine allmählich 
erfolgende Umarbeitung unserer Lehrbücher im Sinne des Erlasses 
vom 26. Februar 1901 erscheint als dringendes Bedürfnis. 4. Da 
in Frankreich die Erleichterungen nur für den Elementarunterricht 
bestimmt sind, und deren Duldung überhaupt nur für die staatlichen 
Prüfungen gesetzlich vorgeschrieben ist, so dürfen wir in unseren 
Oberklassen es so lange nicht versäumen, auf die bis jetzt üblichen 
Kegeln bei Gelegenheit einzugehen, als wir noch Schriftsteller mit 
der alten Orthographie und Syntax lesen. 5. Die nun hoifentlich 
bei der Behandlung der Grammatik zu erübrigende Zeit wollen wir 
verwenden zu ausgedehnterer Lektüre guter Schriftsteller und zu 
weiterer Anleitung unserer Schüler im freien mündlichen und ge- 
legentlich auch schriftlichen Gebrauch der französischen Sprache. 

In der mathematisch-naturwissenschaftlichen Ab- 
teilung sprach Prof. Dr. Wolf fing (Techn. Hochschule, Stuttgart) 
über „Gruppentheoretische Auflösung der Gleichungen *. 
Er entwickelte zunächst die Lehre von den algebraischen Gleichungen 
bis zu der Stelle, wo die Gruppentheorie einsetzt, gab eine Übersicht 
über die Grundsätze der letzteren und zeigte sodann, wie man mit 
Hilfe derselben die Lehre von der algebraischen Auflösung der 
Gleichungen beherrscht und wie insbesondere bemerkenswerte Sätze 
der höheren Geometrie sich auf gruppentheoretischem Weg ergeben. 

Um 10 Uhr begann unter dem Vorsitz des Vereins Vorstandes 
Rektor M a y e r-Cannstatt die von etwa 180 Mitgliedern besuchte 
Hauptversammlung, welche S. Excellenz Kultminister Dr. 
v. Weizsäcker, Kultministerialdirektor Dr. v. Kapp, Kultministerial- 
rat Dr. Balz, die Oberstudienräte v. Günzler, Weigle, Dr. Ueiff 
und der Vorstand des Gymnasiallehrervereins Prof. Dr. Herzog 
mit ihrer Anwesenheit beehrten. Nachdem der Vorsitzende seiner 
Freude über den zahlreichen Besuch Ausdruck gegeben und den 
hohen Gästen für ihr Erscheinen gedankt hatte, gedachte er der 
( lestorbenen des Jahres, besonders auch des verstorbenen Ausschussmit- 
gliedes Oberreallehrer K a u 1 1 e r- Heilbronn. Die Versammelten ehrten 
ihr Andenken durch Erheben von den Sitzen. Dann folgte als erster 



Boriclit über die all^eniciue Reallelircrversammlnng. ^5 

Gegenstand der Tagesordnung der Geschäftsbericht des Aus- 
schusses. Die Thätigkeit desselben erstreckte sich im abgelaufenen 
Vereinsjahr auf a) die ßerechtigungsfrage, b) die Umgestaltung des 
Realschnl-Lehrplans, c) die Gehaltsvorlage. 

Zu a) bemerkt der Vorsitzende: Nachdem seit 1884 wieder- 
holte Verhandlungeil stattgefunden haben^ ist in dieser Frage ein 
erfreulicher Schritt vorwärts geschehen. Durch 8. M. den Kaiser 
sind die drei Gattungen höherer Schulen als gleichwertig anerkannt 
worden; die mit Spannung erwartete bundesrätliche Entscheidung 
über die neue Medizinalordnung steht allerdings noch aus. Audi 
im engeren Vatcrlande hat es wenigstens einen kleinen Fort- 
schritt gegeben: Die Abgeordnetenkammer hat die Eingabe des 
Ueallehrervereins der Regierung wenigstens zur „Erwägung" über- 
wiesen, ebenso eine weitere Eingabe dahingehend, es möchten 
denjenigen Abiturienten der Oberrealschule, welche eine Ergän- 
zungsprfifung im Lateinischen abzulegen vermögen, auch sämt- 
liclie Berechtigungen der Abiturienten des Realgymnasiums verliehen 
werden. Bei der Kammerberatung trat der eigentliche Zweck 
der ersten Eingabe, die Zulassung der Realschul-Abiturienten zum 
Studium des höheren Verkehrsdienstes, ganz in den Hintergrund. 
Die dem Reallehrerverein hiebe! gemachte Unterstellung, er behandle 
die Gymnasialbildung geringschätzig, weist der Vorsitzende ent- 
schieden zurück. Bei der Beratung des Kulfetats schnitt der Ab- 
geordnete Prof. Dr. Hielier die Frage nochmals an, und wir hatten 
die Genugthuung, dass auch der Kultminister Dr. v. Weizsäcker 
die Gleichberechtigung aller drei Schulgattungen anerkannte, jedoch 
mit der Massgabe, dass jede ihre eigentümliche Richtung beibehalten 
solle, was auch ganz die Meinung unseres Vereins sei. S. Excellenz 
war auch nicht bloss für „Erwägung", sondern „Berücksichtigung" 
unserer Eingabe. Die Abstimmung war ohnehin zweifeUiaft und wir 
haben die blosse „Erwägnng" hauptsächlich den „Privilegierten" zu 
verdanken. Bei dem Wohlwollen der Unterrichtsverwaltung dürfen 
wir aber der Znkunft ruhiger entgegensehen. Seitens des Aus- 
schusses wird folgende Resolution vorgeschlagen: 

„Der Reallehrerverein hat es mit grosser Genugthuung be- 
grüsst, dass auch in Württemberg die Gleichwertigkeit der höheren 
*^chulen anerkannt wurde. Er wird es auch in Zukimft als eine 
»einer Hauptaufgaben betrachten, die Vermehmng der Berech- 
tigungen unserer württ. Realschule anzustreben" 
und einstimmi<>: von der Versammlung: anscenommeu. 



2H BeiMclit über die nllgeineine KeHliehrerversaininliiug. 

Mit dem Bereclitigungsweseu eng verknüpft ist die Frage der 
Änderung des LchrpUns der Kealanstalten. Der bestehende ist 
25 Jafare alt; er entstand, als die frühere mathematische Abtei- 
lung des Polyteehnikums an die Oberrealschule überging, und aus 
diesem Ursprung erklärt sich sein mehr der 'Mathematik zugeneigter 
Charakter. Er muss entschieden einer Durchsicht in der Richtung 
auf Allgemeinbildung unterzogen werden, wobei aber mit Vorsicht 
KU Werke zu gehen ist, damit nicht das bewährte Alte über den 
Haufen geworfen wird. Bis jetzt hat der Ausschuss nur Material 
gesammelt; er hofft aber im nächsten Jahr der Versammlung Ge- 
legenheit geben zu k(>nnen, zu positiven Vorschlägen Stellung zu 
nehmen. 

Die Gehaitsvorlage ist ebenfalls im Ausschuss behandelt wor- 
den, und er hat sich veranlasst gesehen, wegen einzelner Uärteu in 
Gemeinschaft mit dem des human. Lehrervereins in einer Eingabe 
an die UnterrichtsverHaltung vorstellig zu werden. Im übrigen 
wurde von weiteren Schritten, besonders auch in der Presse, abge- 
sehen. Vorgeschlagen und von der Versammlung einKtimmig ang«;'- 
nommen wird folgende Uesolution: 

„1. Die Keallehrerversammlung spricht der K. Staatsregieruug 
und insbesondere der hohen Unterrichtsverwaltung ihren ehr- 
erbietigsten und aufrichtigen Dank für die Einbringung der Ge- 
haitsvorlage aus, durch welche auch die Bezüge der Lehrer der 
höheren Schulen in zeitgemässer und einheitlicher Weine geregelt 
werden sollen. 2. Die Reallehrer versammlnng erklärt ihr Ein- 
verständnis mit den Schritten des Vereinsausschusses, um die 
Wünsche des Vereins in Bezug auf die neue Gehaitsvorlage zum 
Ausdruck zu bringen.^' 

Schliesslich teilt der Vorsitzende noch mit, dass die Eingabe 
betreffend Portofreiheit des dienstlichen Verkehrs seitens der Vor- 
stände kleinerer Schulanstalten und der „technischen Inspektoren) ^^ 
eine sehr entgegenkommende Beantwortung gefunden habe. Da 
zum Geschäftsbericht des Vorsitzenden niemand das W^ort verlangt, 
giebt der Kassier, Prof. Hils- Stuttgart, den Bericht über den er- 
freulichen Stand der Kasse und wird entlastet. (Schhiss folgt. 



Öch., Die erste Ueallebrerprlifuiig im J;ilire 1808. 2T 

Die erste Reallehrerprüfimg im Jahre 1808. 

Nachdem die letzte Reallelirerprüfung alten Schlags unlängst 
ihren Abschlags gefunden hat, werden die — soweit wir finden 
können — ältesten Aufzeichnungen über Reallehrerprttfungen (in den 
„Memorabilia Gymnastlca 1774—1813'* des K. Eberhard-Ludwig- 
Gymnasiums) vielleicht von manchen Kollegen gerne gelesen werden. 
Sie sind vom Jahr 1808 und lauten: 

„November. 
,,d. 28 u. 29 wurde ein deutscher Schullelirer von Wildbad auf 
„eine Reallehrers-Stelle examiuirt, wobey Prof. Wurm zugegen 
„war. — Er muss ein kleines deutsches, lat. u. fr. Thema auf 
„den Bogen dictando schreiben u. — Ubersezen ins Lat^ Fr. u. 
„Deutsche; er niusste lat. u. fr. exponiren u. in eben diesen Spr^ 
„eine Probe-Lectlon mit IL-Sclifllern halten, er wurde endl. ia 
„Geograph., Histor. und Geometr. examinirt." 

„Deceiriber. 
„d. 18 u. 14 wurde Christ. Gottlieb Stahl von Heimerdingen mit 
,, Zuziehung des Fr. Pischhabers ebenso auf eine Real-Lehrer- 
„Stelle examinirt." 

Der Umstand, dass im ersten Fall über das Verfalireu bei der 
Prüfung näiiere Angaben gemacht sind, während sie sonst fehlen - - 
in den Nachrichten über die philologischen Piüfungen finden sich 
Andeutungen hierüber auch nur da, wo, etwa um jene Zeit, zuerst 
„nach dem neuen Typ" geprüft wird — dieser Umstand lässt die 
Vermutung als berechtigt erscheinen, die erwähnte Prüfung werde 
die erste ihrer Art gewesen sein. Dass es aber vorher schon 
Reallehrer gab (Nürtingen hatte ja schon 1783 eine Realschule,, 
vrgl. Gramer, Lehranstalten und Lehrer, 3. Aufl. 8. 134) beweise» 
u. a. folgende Einträge von 1807: 

„Septemb. 

„d. 23. wurde der Real-Lehrer Bach von Nürtingen mit Zuzieh. 

„des Prof. Nasts auf ein Praeceptorat examinirt". 

und von 1808: 

„May. 

„d. 3 — Reallehrer Jetter von Ehingen auf ein Praeceptorat — 

„mit Zuziehung des HE. P. Oslanders." 

Demnach hätte Ehingen 1808 auch schon eine Realschule 

gehabt? 

St. Ed. Sek 



9^ Littovaiisclicr l>ork*lit, 

; • 1 

Litterarisoher Bericht. 

Ton der Sammlung TOil Abhandlungen auf dem Uebiete der 
Pädagog. Psychologie und Physiologie, herausgegeben 
von Schiller und Ziehen^ Verlag von Heuther & Reichanl, 
Berlin, liegt der III. Band vor. Er umfasst 7 Nummern. 
(Subskriptionspreis Mk. 7.50.) 

1. Die Schularztfrage, ciu Wort zur Verdtändiguiig von 
H. S c h i 1 1 e r , 56 S. Mk. 1.20. Die ersten Seiten geben einen lehrreichen 
geschichtlichen Überblick, in dem uns namentlich das Entstehen der 
neuen schulhygienischen Litteratur geschildert wird, mit Hervorhebung 
'der wichtigsten Schriften dieser Gattung, woninter Axel Keys „Schnl- 
hygienische Untersuchungen'' als das eigentliche ..Standard work"- sich 
darstellt. Wir sehen, wie aus solchen von Ärzten veröifentlichte« 
Untersuchungen immer lauter da und dort das Verlangen nach An- 
stellung von Schulärzten hervorgeht, und erfahren, welche Versuche 
in den einzelnen Kulturstaaten gemacht worden sind, um diesem Ver- 
langen Kechnung zu tragen, wobei Frankreich auf der Linie des Fort- 
schritts den weitesten Vorsprung gewonnen zu haben scheint. Ent- 
schiedene Anerkennung verdienen «auch die Einrichtungen in den gnis- 
seren belgischen Städten — geradezu musterhaft^ findet sie Seh. iii 
Brüssel — und in den amerikanischen. Der Grund, warum in Deutsch- 
land das Wünschenswerte erst in sehr bescheidenem Masse verwirk- 
licht worden ist, liegt, wie Seh. uns zeigt, zum guten Teil in der Mass- 
losigkeit und Taktlosigkeit, mit der die Apostel der Schulhygiene hier 
vielfach auftraten. Die Lehrer, welche doch in Schulsachen auch mit- 
angehört werden müssen, fühlten sich verletzt durch übertreibende 
und ungerechte Angriffe auf die bestehenden Verhältnisse und zurück- 
gcstossen durch die Forderung „diktatorischer Gewalt'^ für den künf- 
tigeu Schularzt, der jeder Unterrichtsstunde sollte anwolinen und event. 
ohne weiteres die Schule schliessen dürfen ; die Regierungen aber und 
städtischen Verwaltungen wurden scheu, wenn sie erkannten, wie un- 
geheure Geldsummen die Durchführung all der empfohleneu Massregeln 
verforderte. Und so ergiebt sich als Schluss aus der Uebcrsicht über 
die bisherige Entwicklung, dass bei uns „die allgemeine Einführung von 
staatlichen Schulärzten für Volks-, Mittel- und höhere Schulen in ab- 
sehbarer Zeit aussichtslos"* (S. 16) und dass, wenn man einmal die 
Sache gut durchführen will, ein vertrauensvolles Zusammenwirken von 
Ärzten und Lehrern unerlässliche Grundbedingung ist (S. 25 und 53). 
Recht interessant ist es nun, zu beobachten, wie dieses einmütige Zu- 
sammenwirken an einzelnen Orten, wo die Ziele nicht zu hoch gesteckt 
wurden, wirklich auch bei uns glücklich hergestellt worden und wie 
<laiin mit massigen Mitteln Grosses und Wichtiges erreicht worden ist. 



Litterarischer Bericht. 2d> 

Besonders von den eigenen Erfahrungen Schillers an seinem Giesscner 
Gymnasium, die S. 39—49 beleuchtet werden, wird jeder Leser dankbar- 
Kenntnis nehmen and ebenso von den Mitteiilungen über die Wiesbadener 
Einrichtung, wo der im Jahr 1896 unternommene Versuch der Bestellung 
von 4 Schulärzten für die Volks- und Mittelschulen sich so trelfHcb 
bewährt hat, dass die Aufsichtsbehörde „eine deutliche gesundheitliche 
Forderung bestätigen" konnte und dementsprechend die Zahl der nuih 
fest angestellten Schulärzte sofort auf 6 erhöht worden ist (S. 22). Man 
wird aber auch, wenn man alles überdenkt, nicht umhin können, dcn^ 
Sätzen des Verfassers beizupflichten, dass „der grösste Nachteil für die 
Gesundheitspflege der Schüler nicht in dem Mangel eines Schularztes, 
sondern in dem Mangel der hygienischen Bildung des Lehrerstande»- 
liege^' (S. 24 f.); dass gegen die vielfach mit Stillschweigen übergan- 
genen Schädigungen der Gesundheit des Schülers, die im Eltemhanso- 
erfolgen, die Schule nur dann erfolgreich ankämpfen könne, wenn der 
Kampf von Anfang an bei dem jugendlichen, noch leicht zu beein- 
flussenden Schüler aufgenommen und mit Festigkeit geführt werde, 
was eben voraussetzt, dass der Lehrer die Wirkung des krumm Sitzens,. 
des Hereinhängens über Heft und Buch, der unzureichenden Beleuch- 
tung u. s. w. wirklich klar kenne und ernst nehme (S. 74); dass meist 
die Reinigung der Schulgebäude hygienisch ganz imzureichend ist. Audi 
dass an der festgestellten frühzeitigen Zerrüttung der Gesundheit der 
Lehrer dieser beklagenswerte Mangel an Reinlichkeit der Schulräume,, 
die mit keiner Kaserae, keinem Comptoir sich vergleichen dürfen, einen 
starken Teil der Schuld trage (S. 26), mag wohl zutreffen. Ein be- 
sonders schönes Beispiel dafür, wie leichtfertig die Gesetze der Hygiene 
gelegentlich selbst bei dem Neubau eines dem höheren Unterricht dienen^ 
den Schulhauses hintangesetzt werden, bei aller behördlichen Bauplan- 
prüfung und Bauaufsicht, ist S. 83 nachzulesen. 

Die Betrachtungen des Verfassers laufen auf einige Vorachläge 
hinaus : 1. Es ist Sorge zu tragen für ausreichende hygienische Vor- und 
Ausbildung des Lehrerstandes (S. 86). Die Schulhygiene mnss anclt 
zum Prüfnngsgegenstand gemacht werden (S. 55). 

2. Es müssen vortragende hygienische Räte in die Zentral- oder 
Provinzialbehörden (S. 34). Der Geschäftskreis eines solchen „wird so 
abzugrenzen sein, dass er etwa alle 8 — 4 Jahre alle Schulen seines 
Ressorts einer hygienischen Inspektion unterwerfen kann. Endlich 
wären diese vortragenden hygienischen Räte auch die geeigneten Per- 
8önlichkeiten, um über die Wirkungen des Lehrerberufs auf die Lehrer- 
schaft, besonders über die Frage der Lehrer- und Schülerüberbürdung 
authentisches Material zu sammeln. . .'^ (S. 34 f.). 

Als 8. Vorschlag darf ich wohl im Sinne des S. 29 Ausgeführten 
hinstellen die Bildung von besonderen Kommissionen zur hygienischen 
Überwachung der städtischen Schulen, die aus Magistratsmitgliedeni,. 



^30 Littenrnsoher Berieht. 

Angehörigen der Schvldeputation und mindestens einem Schularzte 
zusammenzusetzen wären. 

Gerade diesen B. Vorschlag kann ich rttckhaltlos bilHgeu, nicht 
ebenso die 2 anderen. Ein weiterer PrQtungsgegenstand ? Das scheint 
mir trotz aller Kaatelen, die Seh. dabei anwenden mOchte, ein neues 
Übel. «Der Examinator, der seine Aufgabe versteht, wird nicht na-ch 
«Gedächtniskram fragen^ (S. 56): ja wohl! Aber der Examinator, der 
seine Aufgabe nicht versteht? Es giebt aaeb solche. Und ist es wirklich 
wahr, dass „ein Fach, das nicht Prfifongsgegenstand ist, auch in den 
Augen der Studierenden wenig Bedeutung haf (S. 55)? Ich ^ube, 
es kommt da doch sehr viel auf den Lehrer des Faches an. Dass wirk- 
lich befähigte, anregende Lehrer der Hygiene gefanden werden, ist 
wichtiger, als dass der Stachel der FrUfunguuigst angesetzt werde. — 
Und dann die hygienischen Räte? Ich besorge, in Deutschland wArdiMi 
zu solchen die nächsten besten Jnristen oder Yerwaltungsbeamten er- 
nannt, denen man eine gtlnstige ,rGarri6re^ eröfltaen wollte. Die Folgen 
davon würden dem an die Schiassbetrachtung angehängten Wunsche des 
Verfassers selbst widerstreiten. «Bis jetzt ist das Meiste und Beste, 
was in dieser Frage gemacht worden ist, ohne Keglementiernng vom 
grünen Tisch geschehen. Möge man auch künftig der nicht amtlichen 
Initiative freie Bahn lassen.^ 

Ich will nur noch sagen, dass sehr viele anregende Bemerkungen 
in dem Schriftchen stehen, die ich des Raumes halber nicht habe her- 
ausheben können. Für alle, die um Schulreformen sich kümmern, ist 
es sehr beachtenswert. 

2. Die Entwicklung des sozialen Bewusstseins der 
Kinder. Studie zur Psychologie und Pädagogik der Kinder von 
Will. S. Monroe. 88 S. M. 2. 

Weitaus der grösste Raum ist der Mitteilung und Besprechung 
von Antworten gewidmet, die amerikanische Schulkinder, Knaben und 
Mädcfaeu, schriftlich auf bestimmte Fragen gegeben haben, welche ilineu 
in der Klasse vorgelegt wurden eben zu dem Zweck, um ihre sozialen 
Instinkte zu prüfen. Beispiele der Fragen sind folgende: „Was für 
eine Art von Gespielen magst du am liebsten? — Sage, was du wer- 
den willst, wenn du gross sein wirst^ and weshalb du es werden willst. 
Mit welchem Spielzeug spielt ihr am liebsten und weshalb spielt ihr 
am liebsten damit? -^ Welches Lied magst du am liebsten und wes- 
halb? — Besehreibe eine Strafe, die dir einmal zudiktiert wurde, und 

sage, weshalb sie dir gerecht erschien ( ungerecht erschien).*' 

Die Zahl der gefragten Kinder ist immer sehr gross, meist zwischen 
1000 und 2000. Doch enthalten die Antworten verhältnismässig wenig, 
was als bedeutsam angesehen and zu Schlüssen auf eine typische Ent- 
wicklung des Kindes verwertet werden könnte. Ich will mich bemühen, 
'dieses Wenige hernusznhel)en : 8. 20 ,,Unter den erwählten Beruf«- 



Litterarischer Bericiit. 3J 

arten steht der Lehrberuf oben an. 48 V« ^*^^ MMoIicd und 4^« der 
Knaben sngen, das» sie Kinder unterrichten niOohtou. Bei den Knaben 
wächst die Zahl bis znm zehnten Jahre, in weichem I^bensalter 10% 
den Wunsch aussprechen, zu unterriohten ; von diesem Zeitpunkt an 
nimmt die Zahl allmählich ab, bis sie mit lö Jahren nur l^t ausmacht/' 
;S, 46 „Ueligiöse Lieder werden zuerst von Tjähngeu Kindern und zwar 
von 16Vo der Madchen und ebensoviel Prozent der Knaben genannt; 
27 V« der 16jährigen Mädchen und 217« der gleichaltrigen Knaben ziehen 
sie anderen Liedern vor Die Zahl nimmt beständig zu imd die Mäd- 
chen überragen zu jeder Zeit- S. 86. Der Furcht vor Gespenstern 
„wird von den jüngsten Kindern keine Erwähnung gethan; sie tritt 
erst mit dem 10. Jahre auf und wäclist bis zum 14. Jahre, wo die 
Kurve niederzugehen beginnt.** Wo sonst Schlüsse auf die Entwick- 
lung der Kinder nahegelegt werden, ist das Erschlossene von vorn- 
herein bekannt und selbstverständlich. Und so scheint die ganze Unter- 
suchung ziemlich verfehlt, wenn man »ie wirklich unter dem dnrch die 
Überschrift bezeichneten Gesichtspunkte betrachten will, dem freilich 
auch noch mit einigeu erborgten Bemerkungen der einleitenden Ab- 
schnitte Rechnung getragen wird. Doch verateekt sich in der Masse 
des vor uns ausgebreiteten Stoffes manches Interessante, das für die 
Enttäuschungen, die wir beim DiU'chlesen erleben müssen, einen ge- 
wissen Ersatz gewährt. So werden wir da und dort an eine bemerkens- 
werte amerikanische Schuieinrichtung erinnert. Z. B. S. 63 an die da 
und dort bestehenden Schnlsparkassen, 8. 41 an die mit in den Unter- 
richt selbst aufgenommenen Spiele; so erfahren wir manches, was den 
Unterschied des Empfindens und Strebens der beiden Geschlechter be- 
leuchtet, um so heller, da ja in Amerika Knaben und Mädchen stets 
in derselben Schule vereinigt sind: ein Beispiel ist schon in dem oben 
Mitgeteilten enthalten; dahin gehört dann S. 61 die Bemerkung: „Bei 
dieser Untersuchung, wie bei allen denen, die das soziale Bewusstsein 
der Schulkinder behandeln, überwiesen die Mädchen in der Austerang 
altruistischer Tendenzen^; dahin der S. 71 sich darbietende Schluss, 
dass bei Mädchen eine stärkere Geneigtheit herrseht, den Übertreter 
anzugeben. Und an Stelle des mehr und mehr in Vergessenheit kommen- 
den Hnuptgesichtspunkts drängt sich über dem Lesen ein anderer Ge- 
sichtspunkt auf, der aucli von dem VeH'asser selbst einmal hervor- 
gekehrt wird, wenn er S. 15 ('ompayre nachspricht: „Der Lehrer er- 
hält durch diese kleinen Autobiographien ein klares und lebendiges 
Bild von den Yorstellungeu der unter seiner Obhut lebenden Kinder 
und eine sichere Begründung der pädagogischen Praxis.^ Das ist 
gewiss wahr. Und es ist eine wichtige Sache, die von den meisten 
Lehrern bei uns zu wenig beachtet wird. Vrgl. darüber die feinen Be- 
ni^kungen von Matthias in Banmeisters Handbuch (Prakt. Pädag« S. 205). 
Denn Sinn für solche in das Wesen des einzelnen Schülers eindringende 



32 Litterarischer Bericht. 

rutcrsiichungen zn wecken, dazu mag auch das vorliegende ScbriftchiMt 
etwas beitragen. Eben die Fragen, deren Beantwortung es unä >t9 
umständlich darlegt, lassen sich zum grossen Teil zu einer Prüfung dci* 
Besonderheiten des einzelnen Kindes viel besser verwenden, als zu dem 
Zwecke, dem sie hier dienen sollten. Freilich ist zn befürchten, da>^ 
wer nicht schon einiges Interesse Hlr dergleichen Dinge mitbringt, :in 
der Masse des rohen Stoffes, durch deu er sich hier durcharbeiten soll, 
erlahme und so am Ende nur abgeschreckt werde. Hätte der Verfassir 
zu einer pilnktlichen Sichtung sich Zeit und Mühe genommen, hätte w 
anstatt all des erdrückenden Wustes, mit dem er uns fiberschüttet, nur 
eine gute Auswahl im Umfang etwa des 4. Teiles davon uns dargeboten. 
80 könnten wir ihm wirklich dankbar sein. Auch auf die sprachliche Form 
hätte er wohl mehr Fleiss verwenden dürfen. Es ist doch eine beleidigende 
Geschmacklosigkeit, wenn immer wieder englische Lappen und Fetzen 
dem Deutschen aufgeuäht werden, besonders unangenehm, wenn (wie 
S. 50) stammelnde Versuche der Verdeutschung nebenhergehen. Auch 
Ausdrücke, wie „Periode der instinktiven Kooperation*^, oder „letztere 
Hypothese hat mehr Anspruch auf Korrektheit** (wobei die Richtigkeit 
gemeint ist), tragen nicht eben dazu bei, dass man gerne weiter liest. 

3. Über den Reiz des Unterrichtens, eine pädagogisch- 
psychologische Analyse von Dr. phil. Franz Schmidt. 36 S. If. 0,8(*. 

„Innere Erfahrungen, die . . . mit grösster Individualität den An- 
spruch auf weitgehendste Allgemeingültigkeit verbinden, pflegen von 
deu energischsten Antrieben zur Kundgebung begleitet zu sein.** (S. 8* 
„Der Unterricht geht nicht im Mitteilen aaf, noch kann ihm mit ergebnii^* 
losen Mitteln gedient sein. Aus seiner allgemeinen Aufgabe, den Fort- 
gang der Kulturarbeit der menschlichen Gesellschaft durch die an- 
gemessene Erhöhung des Bildungsniveaus der Jugend zu verbürgen, 
folgt die besondere, die Aneignung und Assimilation der Bildungsstofl'e 
im Schüler zu überwachen und zu sichten.*^ (8. 14) „In dieser schwierigen 
Thätigkeit, der Ausgestaltung werdender Persönlichkeiten, liegt für den 
Lehrer einer der stärksten Reize seiner Berufsarbeit." (S. 23) Dies 
einige Beispiele von den Sätzen des Verfassers. Sie sind gewiss in. 
ganzen richtig, aber woxu sie ausgesprochen und gedruckt werden, i»t 
mir nicht klar. Wer vom Unterrichten sich keinen Reiz verspricht, 
wird ja hoffentlich nicht Lehrer werden; wer es geworden ist, wini 
die Freuden und Leiden seines Berufes kenneu, und Leute anderei 
Berufsarteu dürften wenig Verlangen haben, sich über den Reiz des 
Unterrichtens belehren zu lassen, den sie übrigens von der eigenen 
Schulzeit her auch werden beurteilen können. Dass ein Psychologe* 
AU dem Buch greifen werde, um daraus Einblicke „in die Psyche des 
Lehrers" zu gewinnen (vrgl. die Einleitung), glaube ich schon gar nicht, 
loh könnte es einem solchen auch nicht raten, sondern würde ihn aui 
die Mitteilungen in ihrem Berufe ergrauter Meister verweisen. 



Litterariseher Bericht. 33 

4. Dieldeeuassoziation der Kinder. 2. Abhaodiuiig von 
Dr. Th. Ziehen. 59 S. Mk. 1.60. 

Die erste Hälfte nehmen methodologische Erörterungen ein. Sie 
sollen einmal auf eine dritte Abliandlang vorbereiten, welche die Messung 
der einfachen Reaktionszeit behandeln wird, und dann sah sich Ver- 
fasser zu ihnen veranlasst, um der drohenden Üboi*produktion auf ex- 
perimentell-psychologischem Gebiete zu steuern. Sie enthalten genaue 
Weisungen zur zweckentsprechenden Benutzung des Münsterbergischen 
und Hippschen Chronoskops und stecken sorgfältig die Grenzen der 
Brauchbarkeit dieser Apparate, die oft überschätzt wird und unter 
denen der einfachere M.sche den Vorzug verdient, fest. („Ich habe 
stets die naiven Tausendstelseknndenangaben bei Assoziationsversuchen 
mit einem befremdeten Kopfschütteln und einem gerührten Lächehi an- 
gestaunt^ 8. 26. „Man wiixl sich hüten müssen, Differenzen der Er- 
gebnisse, welche 30 Hundertstelsekunden nicht übersteigen, zu ver- 
werten'^ S. 30). In der zweiten Hälfte wird hauptsächlich folgendes 
festgestellt: „Die Wortassoziationszeiten sind im allgemeinen erheblich 
kürzer als die Objektsassoziationszeiten. Übrigens kommen rejne Wort- 
assoziationen auf der untersuchten Altersstufe von 8 — 14 Jahren keines- 
wegs häufig vor. Fast bei allen Knaben zeigte sich erheblich grössere 
Geschwindigkeit für Allgemeinassoziation als für Individualassoziationen 
und meist vergeht bis zur Äusserung der Keaktionsvoratellung um so 
mehr Zeit, je schärfer ihre räumlich-zeitliche Bestimmung ist (S. 34). 
Subsumierende und generalisierende Assoziationen bilden erst vom 
12. Lebensjahr an einen ansehnlichen Prozentsatz ; während unter ihnen 
anfangs die subsumierenden überwiegen, gewinnen nach und nach die 
generalisierenden die Oberhand; beide Formen verlaufen durchschnitt- 
lich sehr viel langsamer, als die einfachen homosensoriellen, partlali- 
sierenden und totalisierendcn Assoziationen. (8. 37. Die zwei letzten 
termini dürfte man etwa verdeutschen und damit erklären als Beispiel 
wählende, wie: grün — Wiese, und ausmalende, wie: Wiese — grüu.) 
Heterosensorielle sind viel seltener und verlaufen viel langsamer als 
homosensorielle ( — es wird mir schwer, die hässlicheu Wörter nachzu- 
schreiben — ) ; die partialisierenden erfordern ( — natürlich, füge ich bei — ) 
meist weniger Frist als die totalisierendcn; relativ sehr gross ist die 
Geschwindigkeit der durch räumliche oder zeitliche Zusammenhänge 
vermittelten Assoziationen; dagegen sehr gering die der kausal oder 
sonstwie logisch vermittelten. (Dies dürfte wohl für ältere Schüler und 
für viele Erwachsenen nicht mehr so ganz gelten.) Auf die Berechnung 
eines absoluten Mittelwerts mnss verzichtet werden. Die unter Zu- 
stimmung Wundts von Trautscholdt und von Kräpelin angestellten 
Versuche, einen solchen zu finden, sind wertlos. Ausdrücklich bemerkt 
Veiiasser noch, „dass die hohen Assoziationszeiten, welche man bei 
wenig geläufigen Reizwörtern erhält, ganz unzuverlässig sind, sowohl 

Neues Korrespondenzblatt 1902, lieft 1. 



34 LUterarischei* Bericht. 

bei Kindern wie bei Erwaclisenen ; in der Periode de8 Suehens nacfi 
einer Reaktion» Vorstellung schieben »ich nämlich fa»t stets allerhand 
nndeatliclie Zwischenvorstellungeu ein, so d«is8 die gemessene Zeit gar 
nicht filr eine, sondern tür mehrere Assoziationen verbraucht worden 
ist" (8. 66). Und „Stets ergiebt sich eine sehr erheblich grössere 
Assoziationsgeschwindigkeit für den Erwachsenen. Ich war selbst 
immer wieder über diesen gewaltigen Unterschied betroflPen" (»^. 57). 

Die ganze Abhandlung ist ein Muster von Sorgfalt und Umsicht. 
Für jeden, der mit dergleichen Untersuchungen sich befasst, wird sie 
förderlich sein. Namentlich kann sie Anfflngern auf diesem Gebiet um 
der methodologischen Einleitung und der praktischen Winke willen, 
die auch dem zweiten Teil überall eingestreut sind (mitsamt der früher 
veröffentlichten Abhandlung gleichen Titels und Verfassers, auf welche 
häufig Bezug genommen wird) nicht angelegentlieh genug empfohlen 
wer<len. 

Es sei mir noch gestattet, ein paar Einzelbemerkungen anzu> 
fügen. S. 33 f. wird untersucht, woher es wohl komme, dass All- 
gemeinassoziationen durchschnittlich entschieden rascher zur Geltung 
kommen, als Individualassoziationen. Ich glaube zur Erklärung kann 
dienen, was in der Würzburger Habilitationsschrift von Dr. G. Wolff 
1897 S. 17, 57 und 70 über das Verhalten zweier Geisteskranker mit- 
geteilt ist, welche zur Überraschung für die Beobachter „in Bezug auf 
die Reproduktionsfähigkeit auf nichtsinnlichem (xebiete eine etwas 
weniger hochgradige Schwächung" gezeigt haben, als bezüglich reiner 
Sinneseindrücke« Die Verbindung eines grossen Teils unserer ge- 
läutigsten Vorstellungen mit ihrem Allgemeinbegi-iff vollzieht sich wohl 
in der Weise, dass wir durch Belehrung in Haus und Schule immer 
wieder mit der Benennung der einzelnen Erscheinung auch die Wort- 
bezeichnung der ihr übergeordneten Allgemeinheit erfahren, so dass eine 
Klangassotiation sich herstellt, welche sehr eng wenlen und dann auch 
mehr oder weniger gedankenlos reproduziert werden kann. — Die Ver- 
gleichung der S. 51 f. nebeneinander gestellten Reihen macht wahrschein- 
lich, dass die untersuchten Knaben infolge des ersten Versuchs sich 
die Regel zurechtmachten eben möglichst rasch mit irgend einem Wort, 
das ihnen eben im Gedächtnis liege, zu antworten, so dass es zum 
Teil fraglich ist, ob zwischen dem Reizwort und zwischen dem aln 
Antwort darauf angegebenen eine Assoziation wirklich bestehe. Trotz- 
dem muss anerkannt werden, dass die von Ziehen ausgesprochene 
Wahrnehmung einer mit der Altersentwicklung bemerkbaren Zunahme 
der Assoziationsgeschwindheit aus der Gesamtheit der mitgeteilten 
Zahlen bestimmt erschlossen werden kann. 

5. Das Verhältnis der Herbartschen Psychologie zur 
physiologisch-experimentellen Psychologie v. Dr. Th. Ziehen. 
79 S. Mk. 1.80. 



Littornriscilcr Bericht. 35 

Die Summe der vergleiclionden Prüfung wird Seite 75 gezogen 
mit folgendem: „Also kein persönliches System und keino Methapyhsik 
iu der Psychologie, dafür experimentelle Beobachtung und Fühlung 
mit der Physiologie! Damit ist ausgeschlossen, dass die Ilerbartsche 
Phychologie als Ganzes noch der heutigen ])sychologischen Forschung 
und dem heutigen psychologischen Unterricht als Grundlage dienen 
könnte. Selbst die grössten Forscher fallen der Geschichte anheim. 
An Stelle der direkten Wirksamkeit tritt die indirekte, historische. Auch 
für die Herbartschc Psychologie . ist diese Zeit gekommen, und der 
grösste Eifer ihrer Anhänger wird das Erlöschen der direkten Wirk- 
samkeit nur in einzelnen Kreisen hie und da ein wenig hinausschieben 
kjmnen . . . Man könnte auf die merkwürdige Übereinstimmung der 
H.schen Psychologie mit den Ergebnissen der experimentellen physiolog. 
Psychologie auf einzelnen Gebieten hinweisen und diese Übereinstimmung 
zu Gunsten des ganzen H.schen Systems anführen. Indes diese Fol- 
gerung wäre unrichtig. Die Difterenz liegt in <len Prinzipien und 
Methoden . . . Gerade clie richtigen Ergebnisse Herbarts sind von 
seinen Prinzipien und Methoden unabhängig." 

Mir will es scheinen, als ob Herbart dabei viel zu glimpflich weg- 
komme. Die Bewunderung, welche Ziehen ihm immer aufs neue zollt, 
kann ich nicht teilen. Eine ödere metaphysische Spekulation, als die 
seine, kenne ich nicht. Seine gelehrte Zahlenspielerei erinnert mich 
geradezu au die kindlichen Versuche der späteren Pythagoreer, nur 
dass der Prophetenton, in dem sie ihre Weisheit predigten, hier durch 
anspruchsvollen Schulmeisterton ersetzt ist. Ich muss zugeben, dass 
Ziehen die Schriften Herliarts und seiner Schüler, unter denen er Drobisch, 
Volkmann, Waitz eingehend mitberücksichtigt, genauer als ich kennt; 
dagegen scheint er sich auf das Studium der älteren Philosophie weniger 
eingelassen zu haben und so haben die Bemerkungen, mit denen Her- 
bart an seinen Vorgängern Kritik übt, wohl zu viel Eindruck auf ihn 
gemacht. Auch spielt wohl die weit verbreitete Hochachtung, die Her- 
bart als pädagogischer Schriftsteller goniesst, mit herein, obgleich Ziehen 
selbst S. 77 zeigt, dass „die Herbartsche Pädagogik durchaus nicht in 
einer logisch-notwendigen Verbindung mit «len psychologischen Prin- 
zipien und Methoden Herbarts stehf^ und also mit jenen nicht von 
selbst fallen muss. Jedenfalls ist aber die Beleuchtung, welche Ziehen 
den Lehren Herbarts und seiner Schule angedeihen lässt, ausgezeichnet. 
Nicht weniger gefällt mir, wie er iu aller Kürze die ihnen entgegen- 
gestellte moderne Psychologie kennzeichnet. Ich glaube auch, dass er 
Hecht hat, wenn er (S. 74) erklärt: ,,In wenigen Jahrzehnten wird man 
ein Lehrbuch der Psychologie, welches den physiologischen Parallel- 
vorgängen nicht Hechnung trägt, einfach für Ilumbug erklären. Wer 
Psychologie wissenschaftlich treiben will, muss sich mit der Anatomie 
und Physiologie des Nervensystems eingehend beschäftigen" und kann 



3H Litter.imcher 1 Bericht. 

auch dem Satze (S. 65) nur beistimmeu: „Gerade dadnrch ist der 
MaterialismuB so stark gewordeo, dass blinde Gegner nnswetfelhafte 
))syehologi8ehc Thatsachen aus Furcht vor etwaiger roaterialistiseher 
Atislcgang leugneten : so konnte sieh der Materialismns mit diesen Tbat- 
saebeii identifixieren und so sieh eine ihm gar nicht zukommende Be- 
glanNgung verschaiTen. Der IdeaHsnius kann vor .solchen Freunden 
nicht genug anf der Hnt sein!^ 

6. Kritisohe Untersuchnngen über Denken, Sprechen and 
Sprachunterricht von Dr. Ang. Hesser. 51 S. Mk. 1.25. Waa 
hier geboten wird, sind eigentlich 2 Rezensionen, und zwar von jüngst 
erschienenen Aufsätzen, die so eingehende Berttcksicbtigimg kaum ver- 
dienen, einer Programmabhandlung J. Kellers, die den Unterricht in 
den klassischen Sprachen als geeignetstes Bildungsmittel hinstellt, und 
einer eben in der Sehiller-Ziebenschen Sammlung herausgegebenen 
Schrift A. Ohlerts, welche über den Bildungswert dieser Sprachen ein 
sehr abfälliges Urteil ausspricht Die Kritik der beiden Schriften ist 
sehr sorgfältig und durchaus zutreffend, der Ton auch gegenüber «len 
aumassenden und widerspruehsreiehen AufstelUingea Ohlerts bei aller 
Bestimnitheit stets sehr imhig und bescheiden. Ich halte nur gewünscht, 
dass die eigenen feinen Beobachtungen des Verfassers mehr hervor- 
träten und das Gerede der anderen kürzer abgethan wäre. Zur Probe 
will ioh einige von seinen nur gelegentlidi gegebenen Bemerkungen 
herausheben: „Jedenfalls darf man derartige erkenntnis-theoretische 
Sätze [nämlich über die Subjektrvität unserer Erkenntnis im Verhältnis 
zum „Ding an sich"] in die psychologischen Untersuchungen über die zeit- 
liche Entwicklung unserer Erkenntnis nicht hereinmengeii'' (d. 14). „Oft 
sneht man psychische Vorgänge durch ein unbewnsstes ScbUesaea zn 
erklären, die ganz zweifellos auf Assoziation und Reproduktion zurtick- 
znfuhren sind^ (S. 16). „Es giebt nnr individuelle, kcMikrete Vor- 
stellungen und solche bilden auch das psychische Korrelat des Begriffs^ 
(S. 84). „Eine metaphysikfreie Psychologie wird den Begriffen ,seei-isch' 
(oder jpsychisch^) und ,bewus8t' einen gleichen Umfang zusprechen''. 

7. Die Zahl im grundlegenden Rechen Unterricht von 
G e o r g S c h n e i d e r. 86. S. Mk. 1.60. S. 67 ff. werden uns ^didaktische 
Experimente zur Entscheidung der Frage nach der besten Veransehan- 
lichung der Zahl'' vorgelegt Sie sind gut gemacht und genüge» zu 
tlem Beweise, dass der von dem Verf. erfundene nene Apparat wirk- 
lich seine grossen Vorzüge hat. Freilich zeigt sich zugleich bei diesem 
eine ungeheure Überschätzung dessen, was mit solchen Apparaten über- 
haupt ausgerichtet werden kann. Und die überaus langatmigen, ge- 
schwätzigen Ausführungen, in welchen er darüber belehren will und 
zugleich über das Entstehen der Zahl Vorstellung und das Wesen der 
Zahl selbst sich verbreitet, sind von solcher Verschwommenheit und 
Unklarheit, dass ich nicht wüsste, wo anfangen und aufhören, um auch 



Litterarischer Bericht. 37 

nur das Wichtigste richtig zu stellen. Die Herausgeber der Hammlimg 
hsfttten sich um den Verfasser und die Leser ein Verdienst ern- erben 
kUnnen, wenn sie die vorliegende Abhandlang in dieser Fonn nicht 
angenommen, vielmehr die ersten 66 Seiten einfach gestrichen oder 
«liireh einige klare Einleitnngssätze ersetzt hätten. 

Ellwangeu. C. Kitt er. 

Albert Schenk, Paris Peda|>;ogiqiie. Preis 2.50 Mk., auf- 
geaM>gen mit Stäben 6 Mk. Cordes, Kiel. 

Auf vorliegender, im Massstabe 1 : 20000 sechsfarbig ausgeführten 
Wandtafel sind die Bildnngsanstalten von Paris, nämlich die Theater 
<I-XVi]), die Lyc^s de gar^ons (1—12), die Lycöes de iilles (13—17), 
die Colleges (18—22), die Eeoles snpt^rieures (28—43) und die Ecoles 
iranieipales (44 — 60) in sehr übersichtlicher, durch verschiedenfarbige 
^^ignaimren auch anf eine gewisse Entfernung kennbar gemachten Weise 
ihrer Lage nach zusammengestellt. Einen eigentlichen Plan von Paris 
«nthält die Tafel nicht; dagegen sind zur leichteren Orientierung die 
>^eine, die Boulevards und emige andere Hauptstrassenzüge, die King- 
mauer und sonstige topographische Einzelheiten eingezeichnet. 

Die Idee, welche der Tafel zu Grunde liegt, ist originell; bei der 
grossen Bedeutung, welche die Bildungsanstalten von Paris für da« 
;ganze geistige Leben Frankreichs haben, wird eine derartige Übersicht 
ii) erster Linie unsern Neuphilologen willkommen sein, sich übrigenn 
wohl hie und da auch einmal, besonders in einer Oberklasse, beim 
Unterricht verwenden lassen. 

Stuttgart. J ji g e r. 

>^ani Crewe by Vranees Uodg^on Biiriiett. Mit Anmerkungt^n 
zum Schulgebrauch heransgegeben von F. M e r s ni a n n. 
63 S. PreiH mit Anmerkungen nnd Wörtei-buch 1 Mk. Beriin- 
Carlshorst, Verlag von Hans Friedrich. 

Unter den vielen amerikanischen Novellenschreiberinnen der Neu- 
zeit nimmt Frances Uodgson Bumett eine hervon-agende Stellung ein. 
Ihre für die Jngcnd bestimmten, äusserst fesselnd geschriebenen Erzäh- 
lungen linden in Amerika wie in England reisaenden Absatz. Eine 
di'rselben, „Little Lord Fauntleroy", hat sich schon längst einen ehren- 
vollen Platz unter den Bändeben verschiedener Schulausgaben englischer 
Sehriftstetter erobert. FrSnlein Mersmann führt erstmals das Gegen- 
MiMi sn Little Lord FauDtleroy, die anmutige Erzählung von Sara 
Orcwe, in die englische Schülerbibliothek ein. Wie Little Lord Faimt- 
leroy die Geschichte eines selbstlosen Jungen enthält, der durch seine 
.Vnfrichtigkeit, Herzensgüte und AufopferungsHihigkeit auch bei andeni 



38 Neu erschienene Bächer. 

den iSinn für Wahrheit und die Gefühle der Nächstenliebe weckt, so 
ist Sara Crewe ein Mädchen, das in der Erziehungsanstalt der hab- 
gierigen und herzlosen Miss Minchin durch ihr bescheidenes, liebevolles 
Wesen einen sittlich veredelnden Enflnss auf alle diejenigen ausübt 
mit denen sie in Berührung kommt. Das Büchlein gewährt einen tiefen 
Einblick in das Fühlen und Denken der Mittelklassen Englands und 
kann darum zur Loktüre warm empfohlen werden. Am meisten eignet 
es sich wohl für Mädchenschulen, lässt sich aber auch im zweiten oder 
dritten Unterriehtsjahre an Gymnasien und Realschulen mit vielem 
Nutzen verwenden. Die von Fräulein Mersmann gegebeneu Anmerkungen 
zeugen von gründlicher, durch langjährigen AufenUialt im Auslande 
erworbener Kenntnis der modernen englischen Sprache und Kultur- 
verhältnisse. Die Ausstattung des Bändchens ist eine tadellose. Wün- 
schenswert wäre es, wenn einer späteren Auflage eine kurze Einleitung 
über das Leben und die bedeutenderen Werke der Schriftstellerin vor- 
ausgeschickt und die Lautbezeichnung geändert würde. Mit diakritischen 
Zeichen kommt man heutzutage nicht mehr aus; sie sind aber ganz 
verwerflich, wenn ein und dasselbe Zeichen für Laute von ganz ver- 
schiedenem Charakter und verschiedener Quantität verwendet wird- 
Wenn wir zu einer phonetischen Einheitsschrift gelangen wollen, st» 
bKnbt nichts anderes übrig, als das jetzt auf der ganzen Erde bekannte 
Lautbezeiclinungssystem der Association Phonöti(iue Internationale an* 
zunehmen. 

Stuttgart. rh. Wagnor. 

Selireibvoriageii zur Einübung der grieeliisclien Sehrift. 2. Auf- 
lage. 40 Pf. Würzburg, Verlag von E. Bauer. 
Diese Schreibvorlagen haben die praktische Einrichtung, dass sie 
zugleich das griechische Schreibheft für den Schüler bilden, <ler zu 
jedem Buchstaben einige Musterwiirter findet. Die Buchstaben heben 
sich sehr deutlich ab und sind geschmackvoll gebildet, einzelne übrigens 
in einer vcm der gewöhnlichen etwas abweichenden Foi-m. 



Neu erschienene Bücher. 

liei der groiseii Mßng^c der uua xugeheaden neuen lltterariechen Krachelnubgen 
ist es uns anmOglich, Jede im einselnen su besprechen. Die Titel der einlaufende» 
BQcherf die wir ■asnahmsIoB der Kohlhammerschen Verlagabaohhandlung zu über* 
senden bitten, werden regelmftssig im nftohsten Hefte Teröffentlicht ; auf Bück- 
sendung der nicht besprochenen fittcher können wir uns aber nicht einlassen. 

Darwin in der Ethik. Festschrift zum achtzigsten Geburtstage Or- 
neris von Dr. Ad. II a r p f. Neue Loebener Buchdruckerei, 
.1. H. Pro.sl vS: Co. 



Ankündigungen. 39 

B 11 r w in k e I, Die Lungeuschwindäucht, ihre Ursa(*hen und Bekämpfung. 
Münciien, Verlag der Ärztlichen Rundschau (Otto Giuelin). 

Fi nckh- Reutlingen, Die Nervenkrankheiten. Ibid. 

Kleiber, Lehrbuch der l'hysik. Müuclien, K. Oldenbourg. 

Wunderlich, Der deutsche Satzb.iu. Stuttgart, J, G. Cottasche 
Buchhandlung Nachfolger. 

Wohlthat, Die klassischen Schuldrauien nach Inhalt und Aufliau. 
Leipzig, (i. Frey tag. 

Schenk, £tudeä sur hx Rime dans „Cyrano «le Bergerac" de M, Rostand. 
Kiel, P. Peters. 

Kl au sing, Die Schicksale der lateinischen Proparoxytona im Franzö- 
sischen. Jbid. 

Haur, Fragen und. Aufgaben aus dor mathematisch physikalischen 
Geographie. Stuttgart, Muthsche Verlagshandlung. 

K u r r 1 e , Die wichtigsten Regeln der englischen Sprache mit aus- 
gewählten Beispielen. Leipzig, Verlag der Zieglerschen Anstalten 
in Wilhelnisdorf (Württemberg) und H. G. Wallmann. 

Martus, Mathematische Aufgaben zum Gebrauclie in den obersten 
Klassen höherer Lehranstalten. III. und IV. Teil. Dresden und 
Leipzig, C. A. Kochs Verlagsbuchhandlung (H. Ehlera). 

(Ktos Schrei bschulc für Schule und Haus. Rundschrift I mit Übungs- 
heft, Berlin S. W., 31, Rockenstein. 

S ü 1 1 e r 1 1 u. Schüler- und Schülennneukalender f. d. Schuljahr 1901/1902. 
Lahr, Moritz Schauenburg. 

iSchmidt, Schüler Kommentar zu Oäsars Denkwürdigkeiten über den 
gallischen Krieg. Leipzig, G. Freytag. 

R a t z e 1 , Die Erde und das Leben. Band I. Leipzig und Wien, Biblio- 
graphisches Institut. 

Rolfs und Th. van Haag, Paris, Kommentar zu Rolfe Plan Pitto- 
resque und Plan Monumental de la Ville de Paris. Leipzig, 
Rengersche Buchhandlung, Gebhardt und Wilisch. 

Antiquariats-Katalog 40 Paedagogik. Giessen, J. Rickersche Univer- 
sitäts-ßuchhantllung. 

Steuerwald, Obersetzung «Icr Abs(dutorialaufgaben aus der fran- 
zösischen und englischen Sprache. Stuttgart, Muthsche Verlags- 
handlung. 

Müller und M. K u t n e w s k y , Saunnlung von Aufgaben aus der 
Arithmetik, Trigonometrie und Stereometrie. IL Teil. Leipzig 
und Berlin, B. G. Teubner. 

Müller, Dje Mathematik auf den Gymnasien und Realschulen. Ibidem. 
I. Teil: Die Unterstufe. 

W i s s o w a , Paulys Real-Encyclopädic der Klassischen Altertums- 
wissenschaft. 8. HalbbanTl. Stuttgart, J. B. Metzlcr. 




.«s,iii5äÄ&£4 i '«"«ichaisse nnseres ?erl>gs 

- - . [ibersenden wir auf Wunsch gern frarm,. 

Stuttgart. W. EoUhanuner, 



Verlag I. B. Metzler, Stuttgart. 

Sovilen crscliiunoti : 

Schulreden f^ 

C. von DUImann, 

wHI. OhFratadlFiiral uod Bsklor dat S. RnlgjaDaiiiimi in stollv>rt. 

Geheftet Mk. 2.80. 
Ein aiigeeeheDcr Facliinanii, dem tlaa Manuskript vorgelegen, 
schreibt: „Die Loktilre ist mir zu hohen Geuuss und geiBtigotn 
Gewinn geworden; denn sie hat mich einen Blick thua lassen 
in den Gedankenreichtun), die edle Gesinnung und das tiefe 
(iemilt des Veretorbenen. Ich kann nur den Wunsch aussprechen, 
oa müge die t'flile neuer Ideen, die diese Reden in eigen- 
artiger, packender Form cUrhietcn, durch deren Ver- 
öffentlichung den weitesten Kreisen zugünglieh werden." 



^erlsfl «a 0. R. REISLAHD, Leipzig. 

ScriptorDm historiae AngnsFae Lexieon 

^ 22] 
Prof. Dr. K. Lessinp. 
Snh.ikriiitionsureia filr die erschienenen Ucfre 1, 2. !! (a 5 Bngt-i. 
l-ex.-S«.) :i Mk. 3.60. 
Daa ganze Werk wird in 8 oder hücbstens 9 Heften vollst.'indi;. 
(THeheinen! Das Manuskript liegt fertig vor, so daes die Durchfilhrun'; 
dca rnternohmeuB und Hchnelle Herstellung desselben gesichert sind. 
Allen Subehribeaten wird das vollständige Werk filr hdehsteme 
Mk. 86.— geliefert. — Nach dem voiUt/lndigm Erteheütm jtdoeh leird 
«•ahrseheinlick eint Fr*i»rrhöhwMj fintrtUn; auch behalt sich die Kfr- 
Ini/tkuchhandlung dan Hecht mr, die Siihtkriptinn tehon nach dem Er- 
tcheinert dm A. He/lc tu »cMitseai!: 



Arohäologisohe Versuche eines altwürttembergisohen 

Präzeptors. 

Mitgeteilt von Dr. Mettler in Böblingen. 

Von Simon Stndion, geb. 1543, ron 1572— 1605 Prä^eptor 
„apnd Martisbacfaenses^y heisst es bei Hang und Sixt^ die römischen 
Inschriften nnd Bildwerke Wflrttembergs p. YIII seq., er sei als 
der eigentliche Vater der römischen Altertumskunde und -Pflege 
im Herzogtum Württemberg anzusehen, aber seine wissenschaftliche 
Einsicht stehe nicht hoch. Beide Urteile sind gleich richtig. Seine 
erfolgreichen Bemühungen um den älteren Bestand der römischen 
Inschriften unseres Landes treten uns fast auf jeder Seite des 
Haug-Sixt*SGhen Buches rühmlich entgegen, von dem Stand seiner 
wissenschaftlichen Einsicht bekam ich einen Begriff, als ich seine 
▼era origo domus Wirtembergicae etc. wegen der Altertümer von 
Benningen zu Rate zu ziehen hatte. Ich gebe im folgenden einige 
Proben, nicht um den verdienten und ehrlichen Mann lächerlich zu 
machen, sondern weil seine Erklärungen und Etymologien vielleicht 
dem einen oder andern seiner heutigen Kollegen interessant und er- 
götzlich sind. 

I. 

Im Jahr 1583 kamen in Marbach und dem gegenüber auf dem 
linken Neckarufer liegenden Benningen 2 Inschriften zu Tag. Die 
erste, nur durch Studien bekannte, lautet: In h(onorem) d(omus) 
d(ivinae) sacrum Minervae. Die zweite: In h(onorem) d(omns) 
d(ivinae) Volkano sacrum. Vicani Murrenses v(otum) s(olverunt) 
l(ibente8) m(erito). Die gleichzeitige Verehrung der Minerva und 
des Vulcan gab Studion zu denken und er erinnert zur Erklärung 
an die Sage, dass Vulcan die Minerva zur Gemahlin begehrt, aber 
eine repulsa davongetragen habe, dass dann Venus ihm als Gattin 
gefolgt sei, freilich um ihm bald den Mars vorzuziehen. Cuius 
fabulae, fährt Studion fort, indicia in urbis Martbacchi vicinia et 
priscis monumentis etiam nunc exstant. Der Beweis ist folgender: 
Der Minerva ist der erste, dem Vulcan der zweite Inschriftstein 
geweiht. Die Venus war die Göttin von Benningen, Benningen 
ist nämlich, wie Studion aus einer Inschrift, auf die wir nachher zu 
sprechen kommen, irrtümlich folgert, das antike Veneria, das na- 

Nea«8 Korreapondensblatt 1002, Heft 2. 



42 Mettler, Archiiolog. Versuche eines altwürtt. Präzeptors. 

türlich von Venus den Namen hat. Fehlt nur noch Mars. Da 
hilft Marbach aus, die Stadt des Mars und Bacchus, wie einerseits 
der Name, andererseits ein Marbacher Wappen darthut, welches 
einen wilden Mann darstellt, in der rechten Hand eine Keule hal- 
tend, die linke auf einen Wappenschild mit Befestigungstunn und 
Hirschhörnern gestützt, auf dem Haupt einen Kranz aus Weiuranken : 
Mars und Bacchus in einer Person. Dicitur igitur Marbach, quasi 
MARTIBACCHUS, ab hoc belli et tumultuum Marte Deo atqne 
Baccho, vini et compotorum praeside, wozu trefflich stimmt, was 
Tacitus schreibt: Germani saepe ad conviria procedunt („sie gehen 
zum Wein oder Bier") armati. Crebrae, ut inter vinolentos („i. e. 
Baccho Sacra facientes^^j, rixae (;,8C. in honorem Martis") raro convi- 
ciis, saepius caede (\,ideo huic viro torvo tantus fustis") et vulneribus 

transiguntur. 

IL 

Im selben Jahr 1583 wurde bei Benningen ein dritter Stein 
gefunden mit der Inschrift: Campestribus sacrum. P. Quintius L. 
til(ius) Quir(iDa) Terminus, domo Sicca Veneria, trib(unus) coh(ortis) 
XXIII yol(untariorum) c(iyinm) R(omanorum). Bei der Auflösung 
und Erläuterung der Inschrift sind Studion zwei bei dem damaligen 
Stand der Epigraphik verzeihliche, aber in ihren historischen Folge- 
rungen fatale Irrtümer mituntergelaufen. Die Tribus Quirina und 
das cognomen Terminus löst er auf Quiritum (sie) terminus = Ende 
der Quirlten, d. h. des römischen Reichs. Der Stein war schon 
nach Stuttgart geschickt, wurde aber auf Befehl des Herzogs Fried- 
rich im Jahr 1598 an den Fundort zurückgebracht und auf einer 
Marmorbasis aufgestellt, ut hoc insigne vetustatis Romanae monu- 
mentum semper extaret conservans vestigia Limitis et Termini^ quo 
Romani Imperii fines olim contra Alemannos, huius terrae indigenas, 
diffiniebantur. Die 4 Seiten der Basis wurden mit folgenden Di- 
stichen Studious versehen: 

Ut de Romanis Alemannas finibus oras 

Dividerem, fueram Terminus Imperii. 

Nam me Germanis Caesar Probus inde remotis 
Jussit in hoc statui rure iugisque Nicri. 

Me reperit vomis: sed in hoc me marmore sistit 
Wttrtenbergiaci Duz Fridericus agri. 

Hie stetit urbs castris munita Veneria: Miles 
Teutonus haue et Rex Attila stravit humi. 



Mettler, Archäolog. Versuche eines altwürtt. Präzeptors. 43 

Da8 letzte Distichon ftthrt uns auf das zweite Missverständ- 
nis Stadions : die afrikanisehe Kolonie Sicca Veneria fasst er kurzer 
Hand als das „trockene Benningen^^ Der Hügel, auf dem das 
Kastell stand, hat keine Quellen, ist also ,,trocken^' (die aufgefun- 
denen Gebäude mit Estrichböden sind ihm lauter Zisternen); die 
sprachliche Identität von Veneria und Benningen ergiebt sich aus 
folgenden Vergleichungen : Bei Beatus Ehenanus fand er die Ver- 
mutung, dass Colmar ursprünglich Colmaringen geheissen habe, ent- 
sprechend der Vorliebe der Franken für die Ortsnamenendung 
„ingen^^ Veneria giebt also fränkisch oder alemannisch Veneringen. 
B und V wechseln leicht. Brennona z. B., die Gründung des 
BrennuB, wird Verona, deutsch: Bern. So wird auch aus Vene- 
ringen bald Beneringen und zuletzt Benningen. 

HI. 

Stand bei Benningen ein Grenzstein des römischen Reichs, so 
ivohnten drüben über dem Neckar die Germanen, Mars- und Bacchus- 
Wiener, deren Sitten sich zum Teil noch bis in Studions Zeit er- 
halten hatten. Eiusmodi Bacchantium ritus insani, schreibt er, 
^tiam me puero inter nostrates solemnes erant. Vocem „ Bacchus ^^ 
facile crediderim a Germanica dictione „Bachen*', latine „coquendo^^, 
deductum, quod In his sacris inter nos Christianos, pauperes aeque 
•quam opulentes, maxima opera eduliis et placentis (quas fastnacht 
Kücblin vulgo dicunt) coquendis et poculis praeter vulgarem modum 
liauriendis et discursationibus Bacchicis et scurrilibus noctes atque 
•dies impenditur. 

Die Richtigkeit des Schlusses, dass an der Stelle von Marbach 
damals Germanen hausten^), ergiebt sich ihm auch aus einer Ent- 
deckung, die während seines dortigen Aufenthalts gemacht wurde: 
man fand in der Nähe der Murrmündung in einem Weinberg des 
Bürgers Steeb ein Hypokaustum. Er beschreibt es ganz richtig als 
•ein nicht hohes, aber geräumiges Gelass mit geglättetem Estrich- 
Jboden, auf dem einige roh zugehauene, 1 Fuss 12 Zoll hohe Stein- 



') Leider hat Studion die Auffindung einer Inschrift bei Marbach 
nicht mehr eriebt, welche die Worte COLLI PEREGRINORVM ent- 
iiält. Er wäre dadurch in seiner Auffassung vollends bestärkt worden. 
Wirklich wurden die Worte ganz in seinem Geist zuerst als „Fremden- 
hügel" im Gegensatz zu dem jenseitigen „Grenzstein des Römerreichs^ 
gefasst, bis man die richtige Auflösung colli(gnio) oder colle(gio) pere- 
^rinorum fand. 



44 H « r 1 1 e i n, Latein od. Französisch als erste Fremdsprache ? 

sällichen standen. Weniger gelungen ist wieder die Deutung: es- 
ist einer der specus subterranei, in die nach Tacitas die Germanen 
im Winter sich zurückzogen. Die Hypokanstenpfeilerclien hält er 
für Stützen von Tischen und Bänken und benützt wirklidi 4 davon,, 
um sich in seinem Garten vor der Stadt einen Steintiech zn er- 
richten, an dem er wohl manchen Nachmittag nacAi dem Unterridit 
„in quiete sui ofificii et animi tranquillitate^* sass, den Blick ge^ 
richtet auf die sicca Veneria und den Terminus Imperii. 



Latein oder Französisch als erste Fremdsprache f 

Von F. H er t lein, Crailsheim. 

Ich hatte schon ein paar Jahre Lateinisch gelernt, da sagte* 
mir mein älterer Bruder einmal, wie man im Lateinischen ,Ja" und 
„nein" wiedergebe. Ich war sehr verwundert, dass man in dieser 
reinen Buchsprache, wie mir schien, auch nein und ja sagen könne» 
Der lateinische Anfangsunterricht hat sich ja seither gebessert, aber 
ich fürchte doch, es möchte einem jungen Lateiner heute nocL 
ebenso gehen wie mir damals. Und nun frage ich: ist das zweck- 
mässig, als erste Fremdsprache dem Buben eine Sprache beizu- 
bringen, die ihm so fremdartig, so nüchtern, so tot erscheint, dass- 
er nicht begreift, wie sich der rasche Pulsschlag täglichen Lebens- 
in ihr geäussert haben soll? Woher kommt aber dieser Eindruck? 
Wir wollen einfuhren in die Sprache der klassischen Redner, Ge- 
schichtschreiber, Dichter; auf diesen Endzweck, und nicht etwa auf 
das Lesen lateinischer Komödien, ist darum schon der Anfangs* 
Unterricht zugeschnitten. Dazu kommt nun die eigentümliche strenge 
Casussyntax, die wir in einer Unzahl der ledernsten Beispiele mit 
dem armen Anfänger üben müssen, wenn wir es es ihm einiger- 
massen klar machen wollen. Beispiele wie: „o über die glück- 
lichen Schüler des üeissigsten Lehrers ^^ müssen wir einfach bilden^ 
und zahlreiche Sätze solch schönen Stils finden sich denn auch in 
den besten Übungsbüchern. Man weise mich nicht hin auf die vielen 
Sätze geschichtlichen Inhalts, die wir doch auch haben: die Sätze 
von der ausserordentlichen Gerechtigkeitsliebe des Aristides, der 
Standhaftigkeit und Tapferkeit der Römer, der Treulosigkeit Philippa- 
von Macedonien sind, zumal in ihrer Losgerissenheit, ebenso ledern^ 



H e r 1 1 e i n, Latein o4. Französisch als erste Fremdsprache ? 45 

*vermö^eQ ebensowenig Lebhaftigkeit der Vorstellung und Sprach- 
gefOhl assuregen; und von den zusammengesttickten Stücken in 
ninsern Anfangabüchem gilt dasselbe. Dass man's den Kleinen bei- 
bringen kann, habe ich noch nie bezweifelt; man kann dem guten 
Willen dieser Jugend das Unwichtigste wichtig und interessant 
onaehen. Dazu kommt dann die Vergewaltigung des deutschen 
'Sprachgefühls dadurch, dass wir die lateinischen Konstruktionen 
den Buben in deutschen Annäherungskonstruktionen beizubringen 
.suchen; ,,nach eingenommener Stadt", das hält noch mancher Ober- 
:gymnasist fUr bestes Deutsch. Ja, das Sprachgefühl überhaupt wird 
-vergewaltigt. Aus pädagogischen Gründen haben wir uns einen 
festen Codex lateinischer Regeln gebildet, den es in dieser Starr- 
heit nicht einmal bei dem einzigen Cicero gegeben hat, der selber 
in -seiner Syntax von des Gedankens Blässe angekränkelt sich zeigt ; 
und aus Uttcksicht auf die mögliche Ansicht eines andern Lehrers^ 
der etwa unsere Buben einmal zu examinieren hat, fühlen wir uns 
genötigt, strenge Observanz auch für solche Kegeln zu verlangen, 
'von denen wir allmählich ganz wohl wissen, dass sie nicht M der 
Wirklichkeit existieren; und in dieser Vorsicht baut sich doch wieder 
Jeder seinen eigenen Cedex zusammen, den der arme Bub nun an- 
jiehmen muss. Man ft'age etwa einen Stuttgarter Privatlehrer, wie 
sehr recht ich habe. All das müsste besser werden, wenn wir 
Lateinisch später anfingen ; wir könnten dann mehr Freiheit lassen ; 
wir thun das ja beim Griechischen auch. 

So meine ich also, wir sollten mit einer lebenden Sprache an- 
fangen, mit Französisch. Seine Eigentümlichkeit bietet gewiss 
dem Anfänger genügenden Denkstoff, Das Lesenlernen ist, wenn 
4iuch verwickelt, im Grund eine ebenso mechanische Sache wie das 
erste Lesenlemen, also für jene Stufe ein anregendes Geduldspiel. 
Hierin einen Gegengrund zu suchen, nun, das ist so ein Gründlein. 
Die Einführung in die französische Wortstellung ist eine geradezu 
ddeale Übung für den, 4er eine erste Fremdsprache lernen soll. 
Doch es heisst, man müsse deswegen Lateinisch vorher lernen, 
weil die französische Kultur aus der lateinischen hervorgegangen 
sei, und man hat mir schwere Vorwürfe gemacht, weil ich gesagt 
habe, die Konsequenz unseres Systems wäre, dass man Sanskrit 
vor Latein lernt. Ich gebe zu, ich habe mich da schwer verrannt, 
nicht aus Unkenntnis, sondern aus Kürze des Ausdrucks ; ich hätte 
«agen sollen: wenn die indische Kultur die Mutter der lateinischen 
wäre, würden wir mit unsem Kleinen Sanskrit vor Latein lernen? 



46 H e r 1 1 e i n, Lateiu od. Französisch als erste Fremdsprache ? 

Wer mich aber belehrt, dasB auf der indischen Kultur nicht die 
römische beruhe, den bitte ich zu bedenken, dass er als Verteidiger 
der Reihenfolge Latein, Französisch, Griechisch oder Latein, Grie- 
chisch, Französisch eine grosse Inkonsequenz begeht ; sollte ich den 
übereifrigen Humanisten daran erinnern müssen, dass die römische 
Kultur auf der griechischen beruht? Aber! Und nun das Verhält- 
nis französischer zu römischer Kultur. Ganz abgesehen davon, das» 
das römische Kulturbild, das wir den Jüngsten vor Beginn der 
französischen Sprache beibringen können, doch mehr ein Zerrbild 
ist, in dem der römische Senat, zwei Konsuln und die kapitolinischen 
Gänse von allem Volksleben lösgelöst figurieren, meine ich, gerade 
wegen des Kulturverhältnisses müssten wir erst Französisch nehmen, 
dann Lateinisch ; vom Näheren zum Ferneren, vom leichter Verständ- 
lichen zum Schwereren. Dem französischen Anflüiger bringen wir 
Heispiele aus dem täglichen Leben, und so können wir ihm nicht 
bloss von Anfang an zeigen, dass diese Fremdspraebe eine lebende 
ist, sondern wir können ihm auch von der Lebhaftigkeit französi- 
schen Geistes eine Vorstellung beibringen; das lässt sich erreichen 
auch bei schulmässigem, grammatischem Betrieb, begleitet voa 
massigen Sprechversnchen des Lehrers und der Schüler, wenn wir 
ein gutes Übungsbuch haben. Wenn wir dann zum Lateinischen 
übergehen, wird dem jungen Mann leicht die Vorstellung beizu- 
bringen sein, dass auch die Ursprungssprache eine lebende war, 
und dass auch in ihr etwas von der südländischen Lebhaftigkeit 
des Französischen stecken müsse. Jedes Wort wird er nun von 
Hause aus anders ansehen. Während wir jetzt unsere Anfllnger 
ganz barbarische Gebilde aus den lateinischen Wörtern machen 
lassen, sie ruhig amare sprechen lassen mit einem griechischen 
Zirkumflex auf dem Schluss-e, nicht mit dem, der, wie es heisst,. 
aus pädagogischen Gründen nachgeschleppt wird, sondern einem 
echten und gerechten Tonfall von einer geschlagenen Quinte, werden 
die Schüler dann von selber den Lehrer fragen, der etwa auf 
solche Äusserlichkeiten keinen Wert legt, wie denn dieses Latein 
gesprochen wurde. Ich sage nicht, wir müssten historisch trett 
sprechen, aber doch so, dass der Bube für die Lektüre von Dichtero 
nicht wieder ein neues Latein lernen muss und dass er das Bewusst- 
sein bekommt, eine gesprochene Sprache vor sich zu haben. Kurz, 
ich halte es für einen Nachteil des Lateinischen als erster Fremd- 
sprache, dass es so aussieht, als dürften seine Wörter in deutscher 
oder gar schwäbischer Art gesprochen werden. 



H e r 1 1 e i n, Latein od. Französisch als erste Fremdsprache ? 47 

Man mnss es^ wie es scheint, anch in diesen Blättern noch 
sagen, dass es eine Verdrehung des Sachverhalts ist, wenn be- 
hauptet wird, das Frankfurter Reformgymnasium sei eigent- 
lich eine Realschule mit obligatorischem Latein; wenn von sämt- 
lichen 30 (sie I) französischen Stunden 18 auf die 3 untersten Klassen 
fallen, die sämtlichen öl^/s Lateinstunden aber auf die nach diesen 
folgenden 6 mittleren und oberen Klassen, so dürfte klar sein, 
dass jene Verdrehung nur dann herauskommen kann, wenn man 
willkfihrlich nur einen Teil der Jahrgänge nimmt und mit unserem 
Gymnasium vergleicht; auch die 51 Vs Lateinstunden dürfen wir 
nicht mit unserer Zahl vergleichen, sondern nur mit den 65 des 
preussischen Gymnasiums. Wir könnten also ebenso wie unser 
jetziges Gymnasium, so auch unser Reformgymnasium eigenartig 
ausgestalten. Auch die Furcht, wir müssten, um irgendwo die 
Reformschule einführen zu können, gleich alle unsere gymnasialen 
Anstalten in Reformschulen verwandeln, kann ich nicht teilen, es 
würde genügen, wenn ausser den kleinen Schulen, die ich zunächst 
im Auge habe, unsere Reallyceen mit fakultativem Griechisch und 
— fürs erste einmal — ein einziges Realgymnasium, etwa eines, 
das kein Gymnasium neben sich hat, in Reformschulen verwandelt 
würden; das Realgymnasium, meine ich, bedarf so wie so der Reform; 
denn es enthält eine grosse Inkonsequenz, wenn es den gram- 
matischen Lateindrill von unten herauf Jahre und Jahre lang treibt, 
um schliesslich in den obersten Klassen für Latein noch 5 Wochen- 
stunden übrig zu haben, also gerade fUr das Alter, das am meisten 
befähigt ist, das spezifisch Humanistische aufzunehmen, einzudringen 
in die fremdartige Welt antiken Geisteslebens; auch der konser- 
vativste Humanist wird doch zugeben, dass dies die Hauptsache 
ist, nicht der grammatische Drill, für den auch eine andere Sprache 
als Substrat genommen werden kann. Andererseits aber sollte das 
Realgymnasium als eine Schule, die für das moderne Leben vor- 
bereiten will, von einer modernen Sprache seinen Ausgangspunkt 
nehmen. 

£s wird uns Neuerungssüchtigen zum Vorwurf gemacht, dass 
wir unsere Lateinschule notleiden lassen dadurch, dass wir sie auf- 
geben. Was heisst das? Ich denke, wir machen's wie die Konser- 
vativen auch; wir bringen zwar nicht so viel fertig als der Buch- 
stabe verlangt, aber wir arbeiten, um fertig zu bringen, was mög- 
lich ist. Und nebenher überlegen wir, wie dieser Landlateinschule 
gründlich geholfen werden kann, dass sie nicht immer weiter zurück- 



48 Nestle, Yirga Storatina. — Ber. ttb. d. allgem. RealL-Vers. 

geht, dass sie spnchlieh begabtea SditHern, die nicht bis zu den 
obersten Klassen vordringen wollen^ wenigstens eine realgjrmnaaiale 
Bildung giebt; bei der eine gewisse Abrundung gegeben werden 
kann, anch wenn sie abgekürzt wird. 



Yirga storatma. 

In der lateinischen Legende über Jesu Kindheit (dem soge- 
nannten Evangelium Pseudo-Matthaei de ortu beatae Mariae et in- 
Lintia Salvatoris c. 31, in den Evangelia apocrypha ed. Tischendorf, 
2. A. 1876, S. 100) findet sich auch etwas ttber die damals tlUiche 
körperliche Züchtigung. Als Jesus zum alten Magister Levi in die 
Schule gebracht wurde, fing dieser mit dem ersten Buchstaben Aleph 
an und sagte zu ihm : Responde. Jesus aber schwieg und antwortete 
nichts, ünde praeceptor Levi iratus apprehendens virgam stora- 
tinam percussit eum in capite. Jesus antem dizit ad didascaium 
Levi : Ut quid me percutis ? Wie die Geschichte weiter geht, wollen 
wir hier nicht verraten; auch in C. 38 ist noch einmal die Rede 
davon, dass Jesus in der Schule von einem andern Lehrer geschlagen 
wurde. Vielleicht sagen uns aber Kenner des heiligen Landes, ob 
dort noch heute ein Stöckchen von der Storaxstaude gleichem 
Zwecke dient. Nach der Biblischen Naturgeschichte des Calwer 
Verlagsvereina hat der gemeine Storax (styfax L. X, 1) eine sehr 
glatte Rinde, viele dünne Zweige, wächst meist als Strauch, 
wird aber auch oft ein Baum wie ein Quittenbaum, 4 — 7 m hoch, 
wtirde sich also ausgezeichnet zu besagtem Zwecke eignen. 

Maulbronn. Eb. Nestle. 



Bericht über die allgemeine Reallehrerversammlimg 

am 4. Mai 1901. 

(SchluBS.) 

Den zweiten Gegenstand der Tagesordnung bildet ein Vortrag von 
Prof. Dr. Hassert (Universität Tübingen) über „Das Karten- 
zeichnen im geographischen Unterricht". Der Vor- 
tragende führt aus: Die Meinungen über diesen Gegenstand gingen 



Berieht über die allgemeine Reallehrerversammluug. 49 

lange sekr auseinander. Don einen galt das Skizzenbild als eine 
überaus wichtige Saohe^ wdl es die Einprägang des Eartenbilds 
am besten siohere; andere, unt^ ihnen z. B. Böttcher, sprachen den 
•Skizzen allen Wert ab. Nach letzterer Ansicht ist die technisch 
ToUendete Wand- oder Atlaskarte doch viel besser als die Zeichnung 
•des Lehrers oder gar die des Schülers. Die Wandkarte genügt 
nach ihnen, um den Schüler zum bewussten Sehen, zur Einprägung 
des Bildes und zum Nachweis des Gesehenen in Antworten und 
kurzen Schilderungen zu bringen. Die Anhänger des Skizzen- 
zeichnens waren sich seither auch über das Wie? und Wieviel? 
selbst nicht recht klar; jeder befolgte wieder eine andere Methode 
und so gab es viele Missgriffe. Es fehlte an der nötigen Vorbil- 
dung der Lehrer für diesen Gegenstand, weil ja die deutschen Uni- 
versitäten bis in die neueste Zeit der Geographie ihre Pforten ver- 
schlossen. Der Geographieunterricht sollte nach Ansicht des Red- 
ners nicht in die Hände des sprachlich-historisch vorgebildeten 
Lehrers, sondern in die des Mathematikers gelegt werden. Der 
rechte Weg ist auch hier der Mittelweg. Die Wandkarte kann 
durch die Skizze nie ersetzt werden; aber bei schwierigen Verhält- 
nissen kann durch eine rasch hingeworfene Skizze vieles klarer an- 
gedeutet werden, Himmelsrichtungen, Entfernungs- und andere Ver- 
hältnisse werden durch sie viel besser eingeprägt In manchen 
Schulen muss man sich mit viel zu klein gezeichneten Karten be- 
helfen; die ÜberfUllung einzelner Schulklassen, Cberholang der 
W^andkarten durch Erfindungen oder politische Elreignisse weisen 
ebenfalls darauf hin, das Kartenbild zu zeichnen. Hier tritt die 
Skizze ein, welche die eigenartige Zeichensprache der Karte erklärt 
und den Schüler die letztere lesen lehrt. Indem der Lehrer das 
Kartenbild an der Tafel übersetzt, führt er den Schülern bloss so- 
viel vor, als sie in der betreffenden Stunde zu lernen brauchen, frei 
von allem Beiwerk, dessen Einprägung jeweils nicht beabsichtigt 
ist. Ein solches Kartenbild, das nur das Notwendigste enthält, 
prägt sich besser ein; es darf also die Skizze auch bloss dies ent- 
halten. Zugleich ist das Kartenzeichnen ein ausgezeichnetes Mittel, 
die Selbstthätigkeit aller Schüler in Anspruch zu nehmen. Der 
Schüler wird leicht in Versuchung kommen, diejenigen Namen, 
deren Einprägung man von ihm verlangt, in seinem Atlas dick an- 
zustreichen, er wird sich an die Namen der Städte und nicht an 
die sie darstellenden Punkte halten. Wird dies vom Lehrer ver- 
boten^ so klammert er sich ans Lehrbuch und steht der stummen 



50 Bericht über die allgemeine Reallehrerversammluug. 

Karte ganz ratlos gegentlber. Er kann dann vielleicht sämtliche 
rechten nnd linken Nebenflüsse des Rheins geläufig herunter- 
schnurren, weiss aber nicht, ob London oder Magdeburg weiter 
nördlich liegt. Solchem mechanischen Auswendiglernen steuert das 
Skizzenzeichnen. Man hört dagegen einwenden: das Zeichnen sei 
eine besondere Begabung des Einzelnen, und es müsse, um eine 
Skizze zu zeichnen, schon eine gewisse Zeichenfertigkeit vorhan- 
den sein. Es handelt sich ja aber dabei auch nicht um mühsame 
Kunstwerke; das Zeichneu ist in solchem Fall Mittel zum Zweck 
und nicht Selbstzweck; der Lehrer soll nicht künstlerische Fertig- 
keit, sondern schematische Richtigkeit verlangen. Wollte man 
warten, bis der Schüler die nötige Zeichenfertigkeit für eine schöne 
Skizze hat, so würde man sich gerade auf der unteren und mitt- 
leren Stufe des geographischen Unterrichts eines wichtigen Hilfs- 
mittels berauben. Möglichst früh, sogar schon in den unteren. 
Klassen soll damit begonnen werden; möglichst viel zeichnen' 
wäre ebenfalls erwünscht, wenn nicht zu viele Umstände dagegen- 
sprächen. Deswegen sprechen sich auch unsere Lehrpläne mit Recht 
für ein ma ssvolles Kartenzeichnen aus. Man verwende also- 
nur eine beschränkte Stundenzahl darauf, so dass es immer nock 
im richtigen Verhältnis zum übrigen geographischen Unterricht 
steht. Das ganz Einfache und Leichte, das sich mit wenigen Wor- 
ten erklären lässt, wird nicht gezeichnet, sondern nur das Schwie- 
rigere und Verwickeitere. Eine Skizze der Scliwäbischen Alb oder 
des Neckarlands kann man verlangen, eine des Südpolargebiets 
u. dgl. nicht. Die einen Freunde des Kartenzeichnens verlangen 
Gesamtdarstellungen, die andern geben Teildarstellungen den Vor- 
zug. Beide Ansichten enthalten richtige Gedanken. Man zeichne 
also nicht bloss kleine Gebiete, sondern auch ausgewählte grössere. 
— Das Studium der gedruckten Karte muss der Mittelpunkt des 
Unterrichts bleiben. Skizzen, die unter Ausschluss derselben her- 
gestellt werden, bringen in die Gefahr, dass der Blick für die ge- 
schärfte Auffassung der gedruckten Karte abgestumpft wird. Lieber 
mehr Karten lesen und weniger Karten zeichnen. Der Name 
„Karrikaturen" für die Skizzen ist ein ungerechtfertigter Ausdruck. 
Sie sollen ja bloss eine Stütze und Kontrolle des Gedächtnisses sein. 
Es ist aber zuviel verlangt, das Zeichnen der Skizze eines behan- 
delten Gebiets noch nach Wochen und Monaten aus dem Gedächt- 
nis zu fordern. Damit eine solche in kurzer Zeit angefertigt werden 
kann, muss auf die Fähigkeit des Schülers Rücksicht genommen 



Bericht über die allgemeine Reallehrer versainin hing. 51 

werden; sie muss so einfach als möglich, stark generalisiert sein, 
damit die Hauptzüge und nicht die Einzelheiten hervortreten. Wenn 
die Gegner behaupten, die Schüler sehen bei solcher Verallgemei- 
nerung dann vieles gar nicht, so soll ja gerade ein solches Über- 
sehen das richtige Sehen üben. Die geradlinigen Zeichnungen 
sind abzulehnen; schwarze und bunte Tinten sollte man nicht ver- 
wenden; ein kleines Lineal, ein Radiergummi, ein Bleistift, allen- 
falls noch ein Blau-, Braun- oder Rotstift sollen die Werkzeuge 
sein. Das Schraffieren der Meeresränder und sonstiges Ausschmücken 
wirkt meist verunstaltend. Die geographischen Namen sollen nur 
durch den Anfangsbuchstaben oder entsprechende Abkürzungen an- 
gedeutet werden. Der Lehrer muss unter allen Umständen vor- 
zeichnen; das Zeichnen der Schüler darf aber kein blosses Nach- 
malen oder Durchpausen, kein geistloses Kopieren sein; mau 
schreibe deshalb einen vom Massstab des Originals verschiedenen 
vor. Um eine Skizze ohne jedes Hilfsmittel zu zeichnen, braucht 
es eines sicheren Auges und einer geübten Hand, man gebe alsa 
Hilfsmittel. Deren sind verschiedene möglich: Qnadratnetze, voll- 
ständige oder solche mit ausgewählten Gradlinien, geometrisclie 
Hilfskonstruktionen, von welchen man wahre Monstra erfunden hat 
(es werden solche vorgezeigt). Im Gegensatz hiezu sind die sog. 
Faustzeichnungen höchst einfach gehalten. Geländedarstellung lehnen 
die einen ab und begnügen sich mit Nameneinschreibung, andere 
wollen sie haben. Man ist über die Wahl des Verfahrens noch 
nicht einig. Der einfache oder doppelte Strich (der feinere für den 
sanften, der dickere für den steilen Abfall) dürfte genügen, so dass 
Gebirgsschraffen (Raupen) ausgeschlossen bleiben. Die Zeichnung 
eines Profils sollte jedoch nicht ganz vernachlässigt werden. Mau 
binde sich also nicht sklavisch an eine Methode, sondern wähle 
von jeder das aus, was den Zweck am einfachsten und schnellsten 
erreichen lässt. — Zum Schluss fasste der Redner seine Ausfüh- 
rungen in den 15 Leitsätzen zusammen, wie sie im Korr.-Bl. 1901 
Heft 12 S. 482—483 abgedruckt sind. 

An den mit reichem Beifall aufgenommenen Vortrag schloss 
sich ein reger Meinungsaustausch seitens der Zuhörer. 

Prof. Kleinknecht-Göppingen teilt mit, dass er durch 
fleissig betriebenes Kartenzeichnen zum Teil recht hübsche Resul- 
tate erzielt habe und hält es ebenfalls für ein vorzügliches Hilfs- 
und Einprägungsmittel beim geographischen Unterricht. Die Me- 
thode, konzentrische Kreise zu Grunde zu legen, findet er weniger 



^2 Bericht über die allgemeine Reallehrerversammlung. 

praktisch als die Kirchhoffsche mit Längen- und Breitegraden. 
Namen lasse er nicht einzeichnen^ damit er die Skizzen als stamme 
Repetitionskarten verwenden könne. Fttr die Stildte wähle er nach 
Grösse bestimmte Signaturen. 

Prof. Hils-Stuttgart ist mit den Aasftthnmgen des Vor- 
redners nicht einverstanden. Die Schiller misshandeln beim Schreiben 
die geographischen Namen in schrecklicher Weise, daher soUea sie 
dieselben durch vollständiges Ausschreiben richtig schreiben lemeii. 
Den Zweck der Repetition erreiche er durch die von ihm selbst 
gezeichnete stumme Karte, indem er bei Repetitionen und Proloeo 
auf die betreffenden Punkte hindeute und die Namen dann von den 
Schulern schreiben lasse. Mit der Forderung des gleichen A tlasses 
durch alle Klassen von III — X hinauf ist er ebenfalls nicht ein- 
verstanden. Einen alten, besclunutzten mag auch der Schiller nicht 
mehr anrtthren'; für die unteren Klassen ist Sydow-Wagner zu aus- 
führlich. Er wüQscht bis zur 6ten Klasse einen kleineren, billigeren, 
:iber in gleichem Sinn ausgeführten. - 

Oberstudienrat S chu mann- S tut t gart sehliesst sich HilsAns- 
fillirungeu an. In die 10. Klasse komme zwar der Atlas nicht, da 
der geographische Unterricht leider mit Klasse YIII aufhöre. Zwei 
Atlanten seien das mindeste, was zu verlangen wäre. Der Atlas fttr 
die Unterstufe (zum Preis von 1 — 1,50 Mk.) mflsste aber von der- 
selben Verlagsbuchhandlung und vom selben Zeichner (etwa Herrn. 
Wagner) wie der für die Oberstufe hergestellt werden. Die Aus- 
gabe für 2 Atlanten sollte 'man nicht zu sehr fürchten. 

Prof. Schiele-Stuttgart glaubt einen für die Unterstufe 
geeigneten Atlas zu kennen, nämlich den von Fezold (zu 1 Mk.). 
Mit der Bezeichnung der Meerestiefe auf den Landkarten ist er 
jücht einverstanden. In Sydow-Wagner vermisst er die Pläne be- 
deutender Städte, wie sie z. B. Dierke-Gäbler enthält. Bezüglich 
der Nameneinschreibung ist er mit Hils und bezüglich der Gebirgs- 
zeichnung mit Prof. Dr. Hassert einverstanden, möchte aber bei 
der Gebirgszeichnung von der Scbraffur doch nicht ganz absehen, 
mn z. B. bei Schwarzwald und Vogesen den Steil- und den Flach- 
abfall zur Darstellung zu bringen« 

Prof. Dr. Hassert sagt, dass es ja verschiedene Methoden 
der Geburgszeichnung gebe und führt dies an der Wandtafel näher 
aus. Der Kirchhoffschen gebe er den Vorzug. 

Oberstudienrat Schumann-Stuttgart: Zu der Forderung 
zweier Atlanten würde auch die zweier Wandkarten gehören, einer 



Bericht über die allgemeine Reallehrerversammhing. 53. 

einfacfaereR und einer reicher ausgestatteten. Prof. Hassert möcbte- 
sieli etwa in der Fachlitteratnr darüber aussprechen. Gegenüber 
Prof. Schiele bemerkt Redner, dass allerdings im Atlas der Unter- 
stufe Meerastiefen wegbleiben könnten, in dem für die Oberstufe aber 
nicht, da sie in gewissen Fällen, wie z. B. an der Mündung des 
Adonr, äusserst lehrreich seien. Sydow- Wagner habe allerdin^ keine 
Stadtpläne, weil er eben das Bild des betreffenden Landes möglichst 
wenig stören und auch die benachbarten Länder noch teilweise dar- 
stellen will. An Prof. Dr. Hassert richte er die Anfrage, ob es 
nicht möglich wäre, das rdchhaltige litterarische nnd zeichnerische 
Material, das hier aufliege, noch über den heutigen Tag hinaus 
einige Zeit dazulassen, damit sich der eine oder andere noch näher 
damit beschäftigen könne, was Prof. Dr. Hassert bereitwilligst 
zusagt. 

Oberreallehrer Kazmaier-Gannstatt bittet die Behörde, 
in eine Klasse mehrere Wandtafeln anschaffen zu lassen, damit man 
nicht genötigt sei, eine aufgezeichnete Kartenskizze gleich wieder 
auslöschen zu müssen. 

Prof. Zeller-Ulm: Wenn man planmässig die Schüler der 
lY. Klasse zwingt, Skizzen zu machen, so thun es die von V und 
VI von selbst. Wünscht ebenfalls mehrere Wandtafeln und die 
Anschaffung weiterer geographischer Bilder. 

Prof. Hils-Stuttgart glaubt, dass man dann bald vor 
lauter Wandtafeln nicht mehr in die Klassenzimmer hineinkönnte. 
Es empfehle sich, die Kartenskizze statt an die Wandtafel auf 
Packpapier zu zeichnen und dieses mit Reissnägeln an der Wand 
zu befestigen. Dann brauche man nicht auszulöschen; der Lehrer 
kann die Skizze aufbewahren und selbst wieder daran lernen. 

Prof. Schiele-Stuttgart hält es für notwendig, dass die 
Kartenskizze des Lehrers jedesmal wieder neu vor den Augen der 
Schüler entstellt und wirft die Frage auf, ob man die Schüler zum 
Kartenzeichnen zwingen könne? Er wisse aus Erfahrung, dass 
entschieden worden sei, die Schüler können Karten zeichnen,. 
aber sie müssen nicht. Er für seinen Teil würde es also nur 
fakultativ machen. 

Prof. Dr. Hassert: Wenn der Kostenpunkt nicht im Wege 
stehe, sei auch er mit zweierlei Wandkarten, zweierlei Atlanten 
und zweierlei Lehrbüchern einverstanden. Der Atlas von Lüdecke 
und das Lehrbuch von Sadmann seien sehr empfehlenswert. Be- 
züglich der Bezeichnung der Meerestiefen spricht er sich ähnlich 



54 Bericht über die allgemeine Keallehrerversamtnlung. 

wie Schumann aus. Für die Anfänger wäre höchstens die 200 m- 
Linie wünschenswert. Die Wandtafelfrage sei ein heikler Punkt. 
Die Aushilfe mit farbigem Papier erkenne er an; aber auch da 
müsse doch jedes Jahr wieder neu vorgezeichnet werden. Die 
Stellung der Geographie in den OberklasseU; die bis jetzt eine ge- 
drückte sei; sollte sich freilich bessern. Bildersammlungen seien 
allerdings sehr wünschenswert, man könne sich aber auch z. B. 
mit den Bildern in Meyers Abreisskalender recht gut behelfen. 
Ob Kartenzeichnen obligatorisch oder fakultativ sein solle, wolle 
er in dubio belassen. Für den Lehrer sei es unbedingt notwendig, 
für die Schüler sehr empfehlenswert. 

O.St.R. Schumann-Stuttgart lädt namens des Vorstands 
des Handelsgeographischen Vereins, Graf y. Linden, die Versammel- 
ten zum Besuch der Sammlungen des Vereins ein und empfiehlt 
•denselben als sehr lohnend aufs wärmste. 

Den dritten Gegenstand der Tagesordnung bildete ein Vortrag 
von Prof. Teufel-Göppingen über: ;^Soll und kann an 
unsern Realschulen der Kunstsinn reichlichere Pflege 
finden als bisher?^^ 

Wir entnehmen seinen Ausführungen folgendes: 

Der Bestrebung das Wissen zu erweitem tritt gegenwärtig 
die zur Seite, die Kunst in den Mittelpunkt des geistigen Lebens 
zu rücken. Das Buch ^Rembrandt als Erzieher^^ tritt u. a. für 
ietztere ein. „Wer den Künstler will verstehen, muss in Künstlers 
Lande gehen. ^^ Von den Wegen und Zäunen weg kann man die 
die Leute nicht in die Museen führen, sondern es ist eine ästhe- 
tische Erziehung notwendig. Es würde eine grosse Förderung der 
Volkserziehung bedeuten, wenn sich dem Volke das Verständnis 
wenigstens einiger deutscher Meister erschliessen würde, und die 
Schule sollte ihre Mitwirkung hiebei nicht versagen; denn die Zu- 
.kunft unserer Industrie hängt davon ab. Die Malerei ist nicht 
bloss Sache der Technik ; das wichtigste ist die Beseelung. Je mehr 
wir bei unsern Künstlern heimisch werden, in ihre Persönlichkmt 
eindringen, desto mehr werden wir erfahren, dass bei ihnen Leben 
von unserm Leben, Geist von unserm Geist ist« Sie sollen uns 
Führer zu ihrer Höhe werden. So wenig wir in der Schule auf 
Goethe, Schiller, Uhland u. s. w. verzichten, so wenig können wir 
es auf unsere deutschen Meister, von Holbein bis Uhde herab. 
Nähren können wir unsere Kinder nicht mit Einmaleins und ABC; 
.der Kunstsinn soll reichlichere Pflege finden als bis jetzt und 



Bericht über die allgemeine Reallebrerversamraluug. 55 

kann sie finden. Zeiclienunterricht allein tbut es nicht; man miiss 
Bilder in der Schnle betrachten und zwar nur zu dem Zweck, 
dass sie nns gefall en^ nicht dass wir daraus lernen. In seinem 
Bach: „Obungen im Betrachten von Kunstwerken^^ hat Lichtwark 
diese Forderung erstmals aufgestellt und eine musterhafte Formu- 
lierung des zu erreichenden Ziels und der anzuwendenden Mittel 
gegeben. Die Cannstatter Realanstalt war die erste, die daran 
ging, den Anschauungsunterricht zu einem kunstgeschichtlichen zu 
erweitem. — Mit welcher der drei bildenden Künste soll begonnen 
werden? Die Architektur sollte den Klassen VIII — X vorbehalten 
bleiben, ebenso die Plastik, da Abbildungen plastischer Werke 
wenig Wert haben. Bleibt also für den Anfang die Malerei. 
Wir gehen gelassen von der näheren in die weitere Umgebung, von 
der Heimat in die Fremde. Hauptsächlich kommen in Betracht die 
Werke von Ludwig Richter, M. v. Schwind, Hans Thoma, Benja- 
min Vautier, Franz Defregger, Ludwig Knaus, Adolf Menzel, Alfred 
Kethel, Hans Holbein, Albrecht Dürer. Von den bedeutendsten 
dieser Meister haben wir die Nachbildungen ihrer Werke in Holz- 
schnitt und Kupferdruck. Freilich ist nicht jedes Werk als Schul- 
bild verwendbar. Man stellt entweder das Bild vor der Klasse auf 
(hiebe! muss es freilich eines sein, das Femwirkung hat) oder 
giebt es jedem Schüler in die Hand. Für 60 — 100 Mk. kann man 
eine recht hübsche Sammlung herstellen. Wie fangen wir es nun 
an, die Bilder in den Kreis der Schule hereinzuziehen? Mit einem 
blossen gelegentlichen Vorzeigen in Lehrstunden anderer Fächer 
ist es nicht gethan ; man mttsste besondere Stunden darauf ver- 
wenden. Redner zeigt in einer kurzen Lehrprobe, wie er sich den 
Unterricht denkt. Was muss dadurch erreicht werden? Das Aus- 
schöpfen des Stimmungsgehalts. Es muss dem Schüler 
klargemacht werden, wie es der Künstler fertig gebracht hat, 
welche Mittel er verwendet hat, die betreffende Stimmung in uns 
hervorzurufen ; man beschreibt deshalb das Bild, wie wenn es Wirk- 
lichkeit wäre, man fragt nach der Komposition und Beleuchtung, 
bei farbigen Bildern auch nach der Farbe. Bei solcher Behandlung 
wird das Bild nicht auf die Stufe der blossen Illustration herab- 
sinken. Zeit dazu und Interesse dafür ist vorhanden, wie Redner, 
4er schon viele Bilder mit seinen Schülern betrachtet hat und auch 
Aufsätze darüber machen Hess, aus Erfahrung weiss. (Aufsätze 
•über Bilder hält er übrigens nicht für unumgänglich notwendig.) 
£r schliesst: „Studieren Sie Lichtwark! Es lebe, wer nachfolgt!" 



56 Bericht über die allgemeine ReallehrerverMunmlnng. 

Prof. Teufel stellt folgende Leitsätze auf: 

1. Die Pflege des Kunstsinns in den Sebnlen entspricht einem 
allgemeinen Bildungsinteresse des Volkes. 

2. Die Realschule wird die Zumutung reichlidierer Pflege de» 
Kunstsinns unbesehen um so weniger ablehnen, als ihr eine 
Verstärkung der ästhetischen Seite ihrer Bildung erwUnscht 
sein muss. 

3. Dem Zeichenunterricht allein, so wichtig er ist, kann die 
Pflege des Kunstsinns nicht fiberwiesen werden, wenn man 
unter Kunstsinn die Lust und die Fähigkeit zur VerÜeAuig 
in Werke der Kunst versteht. 

4. Werke der Architektur und der Plastik bldben im allge- 
meinen von der Behandlung wenigstens an Mittelklassen 
(Klasse VIT eingerechnet) ausgenommen. 

5. Ebenso Erzeugnisse der ausserdeutschen oder doch der ausser- 
germanischen Kunst. 

6. Für die Behandlung an Mittelklassen (mit Einschluss von 
Klasse VII) kommen hauptsilchlich in Betracht Werke von 
Ludwig Richter, Moritz v. Schwind, Hans Thoma, Brajamin 
Vautier, Franz Defregger, Ludwig Ejiaus, Adolf Menzel^ 
Alfred Rethel, Hans Holbein, Albr^t Dtirer. 

7. Von dem blossen Vorzeigen von Kunstwerken in Lehrstun- 
den verschiedener Fächer ist eine F9rderung des Kunst* 
Sinns überhaupt nicht zu erwarten ; eher ist davon eine Schä- 
digung zu befflrchten, sofern der Schflier gewohnt wird, mit 
flüchtiger Betrachtung sieh zu begnügen. 

8. Es ist vielmehr mindestens für den Anfang zu verlangen^ 
dass jedes Bild, das gezeigt wird, auch eingehend besprochen 
wird. 

Creschieht dies, so ist die Frage, welche Stund^i dazu 
verwendet werden, nebensächlich. 

9. Das Ziel der schulmässigen Besprechung ist das Erfassen der 
Stimmung auf Grund der Einsicht in die von dem Künstler 
verwendeten Mittel. 

10. Die Methode ergiebt sich aus Lichtwarks „Übungen im Be* 

trachten von Kunstwerken^^ 

Rektor Mayer-Cannstatt dankt dem Vorredner für seine 

feinsinnigen Ausführungen, fügt aber bei, dass sich der zum kunst- 

geschichtlichen Unterricht erweiterte Anschauungsunterricht der 

Cannstatter Realanstalt nicht mit dem Stimmungsgehalt der 



Bericht über die allgemeine Reallehrerversamnilung. 57 

Bilder beschäftige. Das Betrachten derselben sei nicht Selbstzweck, 
sondern diene der Belebung des Unterrichts. Die Bilder werden 
in den Klassen wochenlang aufgehängt, damit sie sicli dem Ge- 
dächtnis einprägen und Anschanungen und Vorstellungen erwecken. 
Mittelbar wird also auch dadurch der Kunstsinn gepflegt. 

Prof. Sohiele-Stuttgart ist der Ansicht, dass für Mittel- 
klassen der Unterricht in der Kunstgeschichte ein zu hohes Gebiet 
isty bezweifelt auch, ob der Durchschnitt der Lehrer im stände sei, 
die Sache so, wie Prof. Teufel will, zu behandeln. Die Malerei 
in den Schulen zu erschliessen ist viel schwerer als z. B. die Archi- 
tektur. Für diese ist auch durch das geometrische Zeichnen vor- 
gearbeitet. Er würde die 3 Kunstfächer so anreihen: Architektur, 
Plastik, Malerei. Im Stundenplan würden durch die Einführung 
dieses Unterrichts gewaltige Änderungen entstehen. 

Oberreallehrer MüUer-Esslingen glaubt auch, dass 
es nur in den von Rektor Mayer gesteckten Grenzen möglich sein 
werde, den Kunstsinn zu pflegen. Es sei von Prof. Teufel eine 
zu hohe Stufe der Auffassung vorausgesetzt worden. Aus den 
hässlichen Figuren Dürers, der steifen Gewandung u. s. w. die 
Schönheiten herauszufinden vermag ein Schüler nicht. 

Prof. Krimmel-Stuttgart ist der Überzeugung, dass es 
nötig ist, kunstgeschichtlichen Unterricht in den Schulen einzufahren, 
besonders Stilkunde. Was nützt die Unterstützung des Kunst- 
gewerbes, wenn die Schule die elementarsten Kenntnisse nicht pflegt? 
Das wünschen die Gewerbetreibenden. 

Prof. Weiss er -Ulm: Es'giebt zwei Wege zur Einführung 
in die Kunst, nämlich von oben herunter und von unten herauf. 
Prof. Teufel hat gezeigt, wie man auf dem ersteren Wege ver- 
fährt. Beim Wege von unten herauf geht man vom Kunstgewerbe 
aus; man schaut einfaches Material, Gegenstände des täglichen Ge- 
brauchs an, schreitet zur Stilkunde vorwärts, führt in die Begriffe 
„real" und „ideal" ein und steigt so auf zum Grossen, zur dar- 
stellenden Kunst. Dies scheint mir der geeignetere Weg. 

Oberreallehrer Kazmaier möchte, dass man im Ge- 
schichtsunterricht auch Altertümerkunde triebe. Man solle das 
Zahlenmaterial beschränken, geeignete Lehrbücher einführen und den 
Geschichtsunterricht Fachlehrern übertragen. 

Rektor Mayer-Cannstatt macht darauf aufmerksam, dass 
zwischen Prof. Teufel und den andern Rednern kein eigentlicher 
Gegensatz bestehe, sondern dass das, was ersterer wolle, nur eine 

Neu«! KomapondenxhUtt 1902, Heft 2. 



58 Bericht über die allgemeine Reallehrerversammlaog. 

höhere Stufe darstelle von dem, was auch die übrigen wünschen. 
Darüber, dass in der Schule für die Pflege des Kunstsinns etwas 
gethan werden kann und soll, ist alles einig. 

Prof. Teufel: Ich lege den Hauptnachdruck auf Kunst- 
sinn, die andere Herren mehr auf Kunst wissen. In jedem 
Kollegium werden wohl Lehrer sein, die gerne in der von mir 
angegebenen Weise arbeiten. Gegen den Ausdruck „Kunstgeschichte" 
von Prof. Schiele verwahre ich mich^ diese will ich in den Mittel- 
klassen auch nicht haben. Die Dichter müssen das erste, die 
Litteraturgeschichte das letzte sein, ebenso verhält es sich mit Bild 
und Kunstgeschichte. Das Interesse der Schüler kommt erfahrungs- 
gemäss dem Lehrer bei der Malerei mehr entgegen als bei der 
Architektur, und die Triebkraft hiezu gewinnen wir bloss aus der 
Anschauung der Kunstwerke. 

Vierter Gegenstand der Beratung war die „Abänderung 
des Namens des Vereins". 

Der Vorsitzende führt aus: 

Nachdem die Präzeptoren und Reallehrer des Landes einen 
eigenen Verein mit ähnlichklingendem Namen gegründet haben, 
wären Verwechslungen leicht möglich; der Ausschuss schlägt daher 
vor, den seitherigen Namen „Reallehrerverdn" abzuändern in den 
umfassenderen „Verein realistischer Lehrer Württembergs", dem- 
gemäss die Vereinssatzungen abzuändern und unter diesem Namen 
der in Marburg gegründeten Vereinigung beizutreten. Nach kurzer 
Debatte, an der sich ausser dem Vorsitzenden noch Prof. Dr. Diez, 
Ackerknecht, Schiele-Stuttgart und Oberreallehrer Haist-Tübingen 
beteiligen, wird der Antrag des Ausschusses einstimmig angenommen 
und der Vorsitzende schliesst die Versammlung. 

Ein gemeinsames Mahl vereinigte viele Mitglieder im Stadt- 
gartensaal. Rektor Mayer brachte den ersten Trinkspruch aus 
auf den hohen Schirmherm der Realschule, Kaiser Wilhelm IL, und 
den hohen Förderer alles geistigen Lebens in unserer Heimat, 
König Wilhelm U. Es folgten weitere Trinksprüche von Ober- 
studienrat Weigle auf die Realschule, von Prof. Entriss-Ludwigs- 
burg auf den Minister und seine Räte, von Rektor Rommel-Aalen 
auf die Redner des Tages und von Prof. Dr. Heintzeler auf den 
Vorstand, Rektor Mayer. Abends fanden sich bis zum Abgang der 
Züge die Teilnehmer noch im Hotel Royal zusammen. S. 



Nestle, Ein Wort für unser Korrespondenzblatt etc. 59 

Ein Wort für unser Korrespondenzblatt und unsere 

Programme. 

Von £b. Nestle, Maulbronn. 

Schon lange wollte ich ein Wort für unsere Programme ein- 
legen; nun ist durch den Erlass 3567 vom 2. Januar 1902 ihr 
Schicksal gltlcklicherweise nicht besiegelt^ nur neugeregelt worden; 
«o kann es so kurz sein^ wie das ftlr unser Korrespondenzblatt. 
Zu letzterem drängt mich der SatZ; mit dem Walther Rüge in den 
Neuen Jahrbüchern für das klassische Altertum IV (1901) 3 S. 225 
seine Anzeige von Oslanders Untersuchungen über den Hannibal- 
weg schloss: 

,,Dass er seine Arbeit als selbständige Schrift hat erscheinen 
lassen^ ist sehr dankenswert ; so ist sie leichter zu erreichen, 
als die im Neuen Korrespondenzblatt für Gelehrten- und Real- 
schulen Württembergs, die mir z.B. nur durch die persön- 
liche Liebenswürdigkeit des Verfassers zugänglich 
geworden ist". 

Nach dem Umschlag der ,,Neuen Jahrbücher" schreibt Herr 
Dr. W. Rüge in Leipzig. Sollte dort wirklich nirgends ein Exem- 
plar unseres Korrespondenzblattes aufzutreiben sein, nicht einmal 
auf der Leipziger Universitätsbibliothek? Das wäre allerdings das 
stärkste Zeichen für die geringe Beachtung, die man auswärts 
nnseren litterarischen Bestrebungen zu erweisen pflegt, theologischen 
und anderen; aber ich hoffe, unser Korrespondenzblatt ist in Leipzig 
zugänglich; jedenfalls soll dies uns ein Anlass sein, darauf zu 
dringen, dass es auch nach auswärts komme, bekannter werde. 

Und das Gleiche gilt von unseren Programmen, an deren 
Kosten man hauptsächlich Anstoss nimmt. In Ulm gab^s vor Zeiten 
am Gymnasium einen eigenen Programmatarius, der die Aufgabe 
hatte, jedes Jahr vier Programme zu schreiben, wenn ich mich 
recht erinnere, und für jedes derselben mit einem Dukaten belohnt 
wurde, sie allerdings auch möglichst in den Grenzen eines einzigen 
Druckbogens zu halten hatte. Und mehr als ein halbes Jahrhundert 
nach dem Tod des letzten Ulmer Programmatarius (Georg Veesen- 
naeyer) schreibt ein üniversitätsprofessor und hervorragender For- 
scher auf dem Gebiet der Reformationsgeschichte in einer theo- 
logischen Encyklopädie : 

,,Wer mit mir zu seinem Bedauern zuweilen nachträglich bemerkt 
hat, dass ihm, wenn er Veesenmeyers Arbeiten gekannt, manches 



^0 Nestle, Ein Wort f&r unser Korrespondenzblatt etc. 

mtthsftme Suchen erspart worden würe, wird es vielleicht begrfissen;, 
wenn hier der Versnch gemacht wird, abgesehen von Rezen* 
sionen nnd ganz kleinen Notizen dne möglichst vollständige 
Znsammenstellang seiner Arbeiten zn geben"^ (Prot. 
Real-Enc ' 18, 403). Das sind grossenteils Ulmer Oymnasial- 
Programme. 
Ans demselben Ulm finde ich in dem im gleichen Verlag wie 
unser Korrespondenzblatt erscheinenden „Taschenbuch für die evange- 
lischen QeisÜiohen Württembergs auf das Jahr 1902^ folgende ge- 
schäftliche Anzeige: 

„Wertvolle antiquarische Bttcher. 
. . . Scholl, Die relig. Anlage 1 Mk. Drück, Vaterland. Alter- 
tumskunde im Gymn.-Unterr. 1 Mk. . . . Knapp, Theokrit 1 Mk» 
. . . Nestle, Septuagintastudien, 2 Teile, 3 Mk. . . . 

offeriert 
Kerlers Buchhandlung, Ulm." 
Diese „wertvollen antiquarischen Bücher" sind lauter Ulmer 
Programme aus den letzten Jahren. Meine baden Arbeiten habea 
zusammen 41 Seiten; unser Rektor Bender drang schon vor dem 
Erlass vom 2. Januar 1902 mit mehr oder w^ger Erfolg darauf, 
dass die Progranune möglichst kurz seien. Ich habe dann in Ulm 
eingeführt, dass auf der sonst leer bleibenden Rückseite des Pro» 
gramms die Titel der früher erschienenen mit der Bemerkung 
aufgeführt werden, dass sie durch den Buchhandel zum Preis voa 
1 Mk. bezogen werden können; ich habe das auch hier gethaa und 
dadurch in jedem Jahr die eine oder andere Mark f)lr die Rektorats- 
oder Bibliothek-Kasse bezogen; aber das ist alles nur eine halbe 
Massregel ; wir brauchen eine buchhändlerische Zentralstelle in Stutt- 
gart, welche die Bekanntmachung und den Vertrieb unserer württem- 
bergtschen Programme besoi^ Dazu wären die Umschläge und 
Anzeigen unseres Korrespondenzblattes ein geeigneter Ort Dass 
aus den Programmen buchhändlerisch etwas zu machen ist, mag 
ein dritter Fall eines Ulmer Programms beweisen („über Prometheus"),, 
das von einem Leipziger Buchhändler sofort antiquarisch um 80 Pf^ 
ausgeboten wurde, obwohl — es gar nicht erschienen ist; 
der Buchhändler hat den Titel einfach der Teubnerschen Ankün- 
digung der künftig erscheinenden Programme entnommen. 

Es wäre zu den Programmen noch viel zu sagen : z. B. über 
praktische Einrichtung derselben — eine ganze Reihe der in der 
Landeshauptstadt erscheinenden hat noch immer nicht das vor- 



Nestle, Ein Wort för unser Korrespondenzblatt etc. (>! 

geschriebene Format^ sogar bei neug^egrttndeten Anstalten — ; nur 
•einen Einwand gegen dieselben möchte ich noch zurückweisen: 
man hört oft, bei der Menge der erscheinenden Zeitschriften habe 
es gar keine Schwierigkeit, etwaige Arbeiten unterzubringen ; meine 
Erfahrungen sind ganz anderer Art: oleam et operam perdidi, samt 
4em umsonst ausgegebenen Porto, musste ich schon manchmal sagen. 
Und noch eins: hätten wir Arbeiten — um nur ein Beispiel zu 
nennen — wie G. Bilfingers Chronologische Untersuchungen be- 
kommen ohne die Programmeim-ichtung? bekommen in dem doppelten 
Sinn, dass sie ohne diese Einrichtung überhaupt zum Druck ge- 
kommen wären, und dass wir sie bekommen hätten, ohne sie kaufen 
zu müssen. Wer so viel Bücher kauft wie ich, weiss auch das zu 
schätzen. Als Bibliothekar — hier bekomme ich nichts fUr diese 
Arbeit, in Ulm hat erst Hirzels Energie eine Belohnung dafür er- 
wirkt — mache ich mir deshalb auch ohne Murren die Aufgabe, 
sämtliche Programme bis hinaus auf die Lehrer- und Schüler- 
Bibliothek-Kataloge, die Einweihung von Neubauten u. s. w. zu 
katalogisieren. Ich denke manchmal, ob es nicht schad sei 
nm die Zeit, die ich darauf verwende. Aber nicht deshalb, weil 
ieh das Aufbewahren und Katalogisieren dieser Arbeiten für un- 
nötig halte, sondern deshalb, weil unsere Behörden mit einem ein- 
zigen Erlass das ganze Geschäft auf ein Minimum reduzieren könnten, 
wenn sie anordnen würden, dass jedem Programm der Titel in 
bestimmter zum Einkleben in die Kataloge geeigneter Fassung 
doppelt beigelegt werde. Eben heute berichten die Zeitungen, dass 
der Staatsminister des Kirchen- und Schulwesens die K. Landes- 
bibliothek besucht und den Vorarbeiten für den alphabetischen 
Oeneralkatalog besondere Aufmerksamkeit geschenkt habe, mit 
dessen Herstellung dort in kurzer Zeit begonnen werden soll. Und 
der neueste Erlass zeigt, dass unsere Behörde den Programmen ihre 
Aufmerksamkeit zuwendet, wie früher den Bibliotheken. Dies giebt 
Hoffnung. Aber sollte in Norddentschland die bisherige Praxis der 
zweijährigen oder gar jährlichen Programme beibehalten werden, 
würde ich es sehr bedauern, dass die Stimmen unserer Anstalten 
in diesem Chorus nun noch weniger zur Geltung kommen sollen, 
als dies bei der herrschenden Windströmung schon bisher der Fall 
war. Süddeutschland muss sich rühren. 



62 Verein realist. Lehrer Württemb. — Litterarischer Bericht. 

Verein realistischer Lehrer Württembergs. 

Unsere Mitglieder, die mit der Bezahlung ihrer Jahresbeiträge 
noch im Rückstand sind, werden ersucht, ihre Schuldigkeit womög- 
lich noch vor dem 1. April d. J. an unseren Kassier, Professor Hil» 
in Stuttgart, zu entrichten. Der Ausschuss. 



Litterarischer Bericht. 

Repetitorium der lateinischen Syntax und Stilistik. Von Prof» 

Dr. Hermann Menge. 7. Aufl. 572 8. gross 8« (122 8. 

Fragen, 402 S. Antworten, 48 8. Register). Brosch. 8 Mk. 

Wolfenbüttel, J. Zwissler, 1900. 
Lateinische Synonymik. Von H. Menge. 4. Aufl. 238 8» 

(215 ff. Register). Brosch. 3 Mk. Ebenda 1900. 
Lateinische Stilistik für die oberen Oymnasialklassen. Von 

H. Menge. 83 8. (77 ff. Register). Brosch. 1 Mk. Ebenda 

1900. 

Es Messe Eulen nach Athen tragen, wollte man zum Lobe der 
Bücher Menges zur Forderung des lateinischen Unterrichts noch viele 
Worte verlieren. Ihre hervorstechendsten Vorzüge sind Reichhaltig- 
keit, Zuverlässigkeit, Klarheit, praktische Verwendbarkeit. Wer sie 
durchstudiert hat, wird von sich sagen dürfen, dass ihm kein Gebiet 
der lateinischen Sprache, wenigstens soweit sie für die Schule in Be- 
tracht kommt, unbekannt geblieben ist. Im Repetitorium findet der 
Lehrer eine nicht leicht versiegende Quelle der Unterweisung, und wer 
lateinische Arbeiten zu korrigieren hat, wird diesen getreuen Rat- 
spender stets im Bereiche seiner Hand halten. Die kleineren Bücher 
bilden erwünschte Anhänge zu dem Hauptwerk; die 1898 in vierter 
Auflage erschienenen Materialien dienen in sehr geschickter Weise 
ausschliesslich dem Bedürfnis des Durch schnittsschttlers. Angesichts 
solch unermüdlicher Ausdauer und Thätigkeit kann man dem Ver- 
fasser nur mit herzlicher Bewunderung Glück wünschen: er darf (zu- 
sammen mit dem trefflichen Verleger) das Bewusstsein hegen, einer 
sehr grossen Anzahl von Lehrern und Schülern eine gründliche Kenntnis 
der lateinischen Sprache vermittelt zu haben. Sollte aber nunmehr die 
von ihm geäusserte Befürchtung eintreten, dass diese Studien ihren 
Kreis vollendet haben, so kann ihm der Gedanke ein Trost sein, dasa 
sein Buch als Markstein für die kommenden Geschlechter stehen bleiben 
wird: mit scheuer Ehrfurcht werden sie daran ersehen, was dereinst 
die Vorfahren von sich selbst gefordert haben. Möge dann neues 



Litterarischer Bericht. 63 

Leben aus den Ruinen erblüht sein und mögen sie sich rühmen können, 
in ihrer Art gleich Gediegenes zu leisten! 

Maulbronn. Meltzer. 



Sermonen des Q. Horatius Flaccus« Deutsch von C. Bar dt. 

Zweite verbesserte Auflage. 4 Mk. Berlin, Weidmann^ 1900. 

Von der Anschauung ausgehend, dass eine wortgetreue Wiedergabe 
eines lateinischen Dichtwerks mit Beibehaltung des Versmasses und 
der Zeilenzahl, wie sie z. B. Döderlein versucht hat, etwas in sich und 
der Natur der Sache nach Unmögliches sei, verzichtet der Vei'fasser 
dieser Verdeutschung von Horaz^ Satiren und Episteln (in der man nur 
sat. I, 7 und namentlich II, 8 vermissen wird) auf den stolzen Versuch, 
„sich mit dem Original zu identifizieren*, steckt sich aber das nicht 
minder hohe Ziel, „was Horaz in seiner Sprache seinen Zeitgenossen 
zu sagen hatte, den Deutschen von heute so zu sagen, dass es auf sie 
womöglich ebenso wirkt, wie Horaz mit seinen Versen auf die Römer 
seiner Zeit gewirkt hat^. Schon dieses Programm, wie das aus Horaz 
A. P. 133 geschöpfte Motto : 

Willst du in Wahrheit treuer Dolmetsch sein, 
Musst du zuerst vom Wortdienst dich befrein ! 

lässt erwarten, dass wir es hier mit einer freien Nachbildung und wirk- 
lichen Verdeutschung des Horaz zu thun haben. Und diese Erwartung 
trügt auch nicht. Nicht nur, dass der Verf. sich eines echten Deutsch 
befleissigt, wie es heute geredet wird, nicht nur, dass er den im 
Deutschen steifen, allzu feierlichen Hexameter durch den fünffüssigen 
Jambus ersetzt, er ist auch weit entfernt, den Worten des Dichters 
ängstlich nachzugehen, er scheut sich nicht, diese in freiester Weise 
umzugestalten, ihnen, wenn nötig, durch eine kleine Wendung im Text 
gleich eine Erklärung mitzugeben oder, wo dies nicht ausreicht, weg- 
zulassen und hinzuzusetzen und das spezifisch Römische durch modern 
Deutsches zu ersetzen. Hiezu kommt aber noch eine Eigentümlichkeit 
dieser Verdeutschung, welche zu weiteren Abweichungen vom Original 
geführt hat: die fünffüssigen Jamben erscheinen hier gereimt. Der 
Verf. motiviert die Anwendung des Reims damit, dass der gereimte 
Vers das ironische Pathos, wie auch den wärmeren Herzenston, den 
H. manchmal anschlage, besser zu treffen und auch da, wo H. gefliä- 
sentlich den Ton sinken lasse, eher innerhalb der Grenzen der Poesie 
zu bleiben vermöge. Aber auch, wenn man das zugiebt, kann man 
fragen, ob der Verf. nicht gerade durch die Anwendung des Reims zu 
weiteren, sonst nicht nötigen Änderungeti des Textes geführt bezw. 
gezwungen worden ist, ob nicht eben hiedurch die Freiheit der Wieder- 
gabe auf Kosten der Treue unnötig gesteigert worden ist. 



64 Litteramcher Bericht. 

Es liegt nahe, diese Bardtsche YerdeatBchiuig mit der ebenfalls 
an Wieland sich anschliessenden, reimlosen Obertragnng von Kipper 
(Rostock, Yolckmann 1880) zu Yergleichen: beide haben die sog. freien 
Jamben Wielands als zn lax durch den strengen f&nffüssigen Jambos 
ersetzt, aber während Kipper im Gegensatz zu Wieland sieh mO^chster 
Treue befleissigt zonächst hinsichtlich des Gedankens, aber anch, so- 
weit es dieser und die Gl&tte des Ausdrucks erlaubt, hinsichtlich des 
Wortlauts, so bewegt sich Bardt in dieser Richtung mit Bewusstsein 
und Absicht ebenso frei oder noch freier als Wieland und geht darin 
vielleicht manchem zu weit Andererseits stehen wir nicht au, die 
grosse Kunst, mit der Ton und Gedanke des Dichters getroffen sind, 
bewundernd anzuerkennen und die ganze Arbeit, welche sich der Yerf« 
durch Anwendung des Reims nicht wenig erschwert bat, mit der oben 
angedeuteten Einschränkung als eine sehr gelungene zu bezeichnen. 
Einige Proben werden die Freiheit wie die Feinheit des Dbersetzcrs 
am besten zeigen. Der Anfang von epist. I, 7 (1—9) z. B. lautet bei 
Bardt : 

Fünf Tage hab' ich fem zn sein versprochen. 
Doch leider hab' ich arg mein Wort gebrochen: 
Den ganzen Monat bin ich aussen blieben. 
Aus Rom hat mich des Hundssterns Glut vertrieben; 
Denn rastlos mäht und mäht der grause Schnitter, 
Wohin man schaut, nur schwarze Leichenbitter, 
Und alle Väter, alle Mütter beben 
Für ihrer zarten Kleinen süsses Leben. 
Wo jetzt geschäftige Emsigkeit sich plagt 
Und Freundespflicht den Weg zum Forum wagt. 
Da zieht der böse Gast, das Fieber, ein, 
Und bald wird Testamentseröffnung sein. 
Du hättest doch mein Säumen gern ertragen, 
Wenn Krankheit mich aufs Lager hingestreckt; 
Willst du die gleiche Nachsicht mir versagen. 
Weil das Gespenst mich jetzt von fem nur schreckt? 
Oder epist. I, 19 (16—18): 

Ein grosser Meister weckt der Kleinen Streben, 
Zur Sonne möchte jeder sich erheben, 
Kein Wunder, dass es dabei manchem geht 
Wie jenem Frosch, der sich zu sehr gebläht. 
Auch wollt* es meist des Schicksals Ironie, 
Dass Dilettanten in der Poesie, 
Unfähig wahre Grösse zu verstehn. 
Die Mängel nur den Meistern abgesehn. 
Sollt' etwa Krankheit meine Züge bleichen, 
Sie söffen Essig, um mir ganz zu gleichen. 



Litterarischer Bericht. (>5 

In den Besprechongen der ersten Auflage, welche Ref. nicht kennt, 
wurde gegen manche zu freie Obertragung Widerspruch erhoben, aber 
der Verf. hat in der 2. Auflage, die er als eine vielfach veränderte 
und verbesserte bezeichnet, wie an mancher angefochtenen Stelle, so 
jedenfalls am Prinzip festgehalten; und mit Recht, denn diese weit- 
gehende Freiheit und Modernisierung macht nun einmal das charak- 
teristische Merkmal dieser Übertragung aus, die damit ebenso geeignet 
erscheint, den Yenusinischen Dichter dem grossen Publikum nahezu- 
bringen, wie in der Schule nach der Lektüre des Originals vorgelesen 
zu werden. 

Cannstatt. 6 a n p p. 

Euripides der Dichter der g^eehischen Aufklärung. Von 

Wilhelm Nestle. 594 S. 15 Mk. Stuttgart; Verlag von 
W. Kohlhammer 1902. 

Es ist eine hervorragende wissenschaftliche Leistung, die uns der 
Verfasser bietet: die Betrachtung des Euripides unter einem für diesen 
besonders charakteristischen Gesichtspunkt, gegründet auf genaueste 
Kenntnis nicht bloss des Dichters selbst, sondern auch der sekundären 
Litteratur im umfassendsten Sinn des Worts. Der Verfasser hat hier 
eine staunenswerte Fülle gelehrten Wissens zu einem umfassenden Bild 
der Persönlichkeit und Weltanschauung des Dichters verarbeitet. Er 
iässt sich keine Mühe verdriessen, den Quellen dieser Weltanschauung 
nachzugehen, aus der Fülle des Stoffs, den die Werke des Dichters 
bieten, alles, was für dessen geistige Physiognomie in Betracht kommen 
kann, zu sammeln und systematisch zu ordnen, endlich die Spuren des 
geistigen Fortlebens seines Helden aufzuweisen. Und mit den Grund- 
zügen des Bildes, das Nestle entwirft, wird man sich einverstanden er- 
klären können, insbesondere gerne anerkennen, dass es ihm gelungen 
ist, zu zeigen, dass Euripides wirklich als Dichter der Aufklärung sich 
treu geblieben ist, dass er das geistige Rüstzeug für diesen seinen 
Beruf einer eingehenden, aber eklektischen Beschäftigung mit den be- 
deutendsten Denkern seines Volks, besonders Heraklit und Hippokrates, 
verdankt, und dass zu dem relativ bescheidenen Mass von Anerkennung, 
das Euripides bei seiner eigenen Zeit gefunden hat, das Mass seiner 
Einwirkung auf das Geistesleben der Nachwelt im umgekehrten Ver- 
hältnis steht. 

Aber eine andere Frage ist, ob man über diese allgemeinsten Er- 
gebnisse hinaus dem Verfasser überall folgen kann. Dass der Ver- 
fasser in der Begeistenmg für Euripides und die Sache, die dieser 
vertritt, wohl einmal die Grenze kühler Objektivität überschreitet, 
so wenn er S. 29 aus der Polemik gegen den philosophischen Inhalt 
eines Satzes ohne weiteres eine Anklage wegen EinHlhrung wissen- 



66 Litterarischer Bericht 

schaftlicher Gedanken macht und daran einen Ausfall gegen die „heil- 
lose Art aller konservativen Apologeten" macht, ist von geringem 
Belang. Aber Bedenken erweckt mir, wie ich ohne weiteres gestehe, 
schon die Disposition und damit die ganze Art der Betrachtung : Euripi- 
des wird, wie Nestle ausdrücklich sagt, nicht als Dichter behandelt, sondern 
als Philosoph, dessen Anschauungen in das Schema eines philosophischen 
Systems gebracht werden sollen. Nestle stellt also den Rahmen eines 
solchen auf und füllt ihn in der Weise aus, dass er jeden Punkt mit 
Stellen aus des Dichters Werken belegt. An solchen Belegstellen fehlt 
es natürlich nicht, so wenig, dass viele Stellen, an sich mit gleichem 
Recht, als Belege zu verschiedenen Kapiteln herangezogen werden; 
aber sind sie wirklich alle Belegstellen in dem Sinn, dass nun mit 
Sicherheit daraus eine feste Ansicht, die der Dichter sich ein für alle- 
mal über die betreffende Frage gebildet hätte, erschlossen werden 
dürfte? Ist nicht mit dem Bestreben, möglichst viele Stellen aus den 
Dramen für die Konstruktion eines einheitlichen Gesamtbildes der 
Weltanschauung des Dichters zu verwerten, die Gefahr einer Hanno- 
nistik verbunden, durch die der Thätigkeit gerade des Dramatikers in 
gewissem Sinn Gewalt angethan wird? 

Nestle sagt, der Dichter lasse immer deutlich erkennen, welche 
der streitenden Parteien seine Sympathien habe. Er führt als Beispiel 
die Antiope an ; aber gerade dieses Beispiel weckt Bedenken. So gewiss 
es nahe liegt, mit N. zu glauben, dass der Freund musischer Kunst Amphion 
des Dichters Meinung vertrete, so macht doch nicht bloss der sonst 
bekannte Inhalt der Sage, sondern namentlich auch die Art, wie im Plato- 
nischen Gorgias aus Antiope citiert wird, es sehr wahrscheinlich, dass 
in diesem Stück wirklich — worauf auch Horaz epist. I, 18, 43 führt 
— derjenige, dessen Charakter und Standpunkt an sich die Sympathien 
des Dichters haben müsste, dem Vertreter des Grundsatzes ,,Macht 
geht vor Recht^ sich fügt und so gewissermassen durch sein Verhalten 
recht giebt. Allerdings weist die Bemerkung des Sokrates Gorg. Gap. 61 
fin. darauf hin, dass, was sich ja in einem athenischen Drama jener 
Zeit von selbst versteht, Amphion dem Zethos die Antwort nicht schuldig 
geblieben ist; aber Kallikles könnte den Zethos nicht wohl mit solchem 
Behagen eitleren, wie er thut, Sokrates hätte sich wohl auch nicht mit 
jener flüchtigen Bemerkung begnügt, wenn nicht der Verlauf im ganzen 
zu des Zethos Gunsten entschiede. Ganz ähnlich steht es, wenn Nestle 
aus Iph. Taur. 569 ,^ fahrt wohl, ihr Lügenträume** schliesst, dass es 
nach Euripides mit der Traumdeuterei windig bestellt sei : hier ist doch 
auch das andere zu beachten, dass Euripides offenbar mit bewusster 
Absicht für Iphigenie einen Traum ersonnen hat, der nachher genau in 
Erfüllung geht, dass also, so wie der Fall an und für sich betrachtet 
liegt, der unbefangene Hörer daraus sich mindestens ebensogut den 
Glauben an die Bedeutung der Träume wie die Erkenntnis von der 



Litterarischer Bericht. ßj 

Schwierigkeit ihrer Auslegung entnehmen konnte. Dieselbe Schwierig- 
keit erhebt sich bei den Orakeln, denen im Widerspruch mit der von 
der einen oder andern handelnden Person geübten Kritik der äussere 
Verlauf der Handlung recht giebt. Der Verfasser verweist demgegen- 
über auf den Eindruck, dessen mau sich nicht erwehren könne, „dass 
der Dichter bei den polemischen Stellen gegen die Mantik mit sicht- 
lichem Behagen verweilt und die Korrektur dieser Ausfälle gegen den 
Volksglauben nicht sowohl Tendenz als Konzession ist : eine Konzession,^ 
die der Verlauf des Mythus geradezu notwendig machte^. Dass dem 
Dichter durch den Mythus der äussere Gang der Handlung vorgezeichnet 
war, ist im grossen Qanzen gewiss richtig ; aber gerade dies führt auf 
den von N. selbstverständlich nicht übersehenen, aber vielleicht doch 
zu leicht und etwas einseitig eingeschätzten Punkt, dass sich durch di& 
ganze dichterische Thätigkeit des Euripides ein innerer Widerapruch 
hindurchzieht, der bewirkt, dass es ausserordentlich schwer ist, den 
Dichter auf einen bestimmten Standpunkt festzulegen: der Dichter 
treibt mit dem Mythus sein Spiel, den er zugleich kritisiert und an-^ 
erkennt, und so kann es nicht fehlen, dass er auch mit dem Hörer 
sein Spiel zu treiben scheint. Insofern hatte Tieck nicht so unrecht, 
wie N. meint, wenn er Euripides den „romantischen Tragiker des 
Altertums^ nennt : in die Wirklichkeit ein endgültig Vergangenes zurück- 
führen, wie „der Romantiker auf dem Thron der Cäsaren^', das wollte 
Euripides freilich nicht, wohl aber lieh er dem, was von seinem Stand- 
punkt aus endgültig abgethan war, ein künstliches Scheinleben und 
kam so, bewusst oder unbewusst, dazu, eine ganz ähnliche Ironie aus- 
zuüben, wie die war, der die Romantiker huldigten. 

Das Gesagte dürfte genügen, um zu zeigen, dass, wenn die Dichtung 
des Euripides als Ganzes für die Konstruktion seiner Weltanschauung 
verwertet werden soll, jedesmal erst aus dem Gang der Handlung, aus 
der Art, wie der Dichter jede Partei ihre Sache führen, aus dem Zu- 
sammenhang, in dem er ein Wort gesprochen werden lässt, erschlossen 
werden müsste, was des Dichters eigene Ansicht ist, und ob man im 
einzelnen Fall überhaupt über die allgemeine Feststellung, dass die 
betreffenden Gedanken dem Euripides geläufig waren, hinauskommen 
kann. Es fehlt an solchen Untersuchungen bei K. nicht; es sei nur 
auf diejenige verwiesen, in der der Nachweis geführt wird, dass der 
greise Dichter der Bacchen seiner sonst vertretenen Weltanschauung 
nicht untreu geworden ist. Aber durchgeführt ist diese Behandlungs- 
weise nicht; für das Ganze verbot sie sich auch schon als zu weit- 
läufig. Andererseits hat sich Nestle da, wo er diesen Weg nicht gehen 
wollte, nicht darauf beschränkt, diejenigen Stellen zu verwerten, auf 
die seine Worte pag. 7 „Euripides legt den auftretenden Personen seine 
eigenen Ansichten oftmals ganz unvermittelt in den Mund'' Anwendung 
finden. Die Verwendbarkeit des hier aufgestellten Kriteriums wird 



•68 Litterariseber Bericht 

freilich zweifelhaft, wenn N. pag. 86 sagt: ^yEuripides war zu aehr 
Denker, um seine rationaliatisehen Erwägungen ganz zu unterdrücken, 
aber auch zu sehr Dichter, um sie nicht seinen poetischen Zwecken 
unterzuordnen^. Aber lässt sich dieser Satz in seiner zweiten H&lfte 
wirklich aufrecht erhalten, und wie stimmt er zu dem vorher citierten 
Satz? Es liegt hier ein Widerspruch vor, der, wie mir scheint, aas 
dem Bestreben des Verfassers hervorgegangen ist, eben die Gtesamtheit 
dessen, was wir von Euripides besitzen, in den Entwurf von dessen 
WeltanschanuDg hineinzuarbeiten: die Frage nach d^r Möglichkeit, die 
eigenen Ansichten des Dichters herauszufinden, führte auf die erstere, 
sachlich richtige, der Yersuch, die Aufgabe möglichst umfassend zu 
lösen, auf die zweite Auffassung. 

Bei diesem Verfahren konnte es kaum fehlen, dass sieh auch in 
sachlicher Beziehung wenigstens der Schein von Widersprüchen ein- 
stellte: es wird zwischen der Gesamtheit der Aussprüche, die inhalt- 
lich zu den verschiedenen philosophischen Fragen, vor allem des 
•Gottesbegriffs, der Theodicee, der Willensfreiheit, in Beziehung stehen, 
eine dialektische Vermittlung gesucht und eine solche auch wirklich in 
scharfsinnig geistreicher Weise konstruiert; aber dem Umstand wird 
dabei, wie mir wenigstens scheint, zu wenig Rechnung getragen, dass 
der dramatische Dichter das, was er seine Personen sagen lässt, sie 
auch da, wo er ihnen nicht «seine eigenen Ansichten ganz unvermittelt 
in den Mund legt^, ja da erst recht im vollen Ernst sagen läast, so dass 
es schwer oder oft unmöglich ist, aus der Stelle selbst festzustellen, 
ob und wie weit er dabei für sich einen geistigen Vorbehalt macht 
Dies gilt besonders für die FäUe, wo auf offenkundige Thatsachen hin- 
gewiesen wird, die nur schwer mit dem, was man als das Wesentliche 
der Weltanschauung des Dichters betrachten darf, in Einklang zu 
bringen sind. Der Philosoph muss hier einen Ausgleich suchen. Der 
dramatische Dichter mag es in seinem Denken ebenfalls thun, in seiner 
Dichtung braucht er es nicht zu thun ; und gerade ein Dichter, bei dem 
zwischen dem dramatischen Stoff und dem persönlichen Standpunkt 
ein Gegensatz besteht, wird im konkreten Fall am besten dazu kommen, 
davon abzusehen, und so es vielfach zweifelhaft lassen, wie weit er jedes- 
mal selbst als schaffender Künstler unter dem beherrschenden Ein- 
druck dessen steht, was er schafft, und durch diesen Eindruck vor- 
übergehend sich die Gleichgewichtslage seiner Überzeugungen ver- 
rücken lässt Wenn z. B. Euripides nachdrücklich und wiederholt 
jiuf Thatsachen hinweist, die dem Glauben an eine gerechte Welt- 
ordnung widersprechen, und andererseits Sätze bringt, die diesem 
Glauben in sehr bestimmter Weise Ausdruck geben, oder wenn er die 
Helena an einer Stelle eine zersetzende Kritik an der Sage vom tro- 
janischen Krieg üben, an einer andern sich ihres Verdienstes um die 
nationale Einigung der Griechen rühmen lässt, so hat der Dichter 



Litterarischer Bericht. 69. 

nichts gethan, um diese WidersprOche auszugleichen, die in seinen 
Worten enthalten sind; er hat eben die handelnde Person jedesmar 
von ihrem Standpunkt aus das sagen lassen, was diesem entsprach, 
ohne sich selbst damit ganz oder halb zu identifizieren oder anzu- 
deuten, dass und wie für ihn selbst die eine Stelle durch die andere 
berichtigt oder eingeschränkt würde. Und wenn Nestle solche Stellen 
alle gleichermassen für seinen Zweck verwertet, so thut er es sozu- 
sagen ohne Legitimation seitens des Dichters und mit der Wirkung,. 
dass er im Kamen des Dichters etwas, das er diesem zugeschrieben 
hat, an anderer Stelle bis zu einem gewissen Grad wieder zurück- 
nimmt. 

Es liegt mir fem, durch diese Bemerkungen die Bedeutung der 
wissenschaftlichen Leistung Nestles herabsetzen zu wollen. Abgesehen 
davon, dass man nur gute Werke kritisiert, wird der Wert dieser 
Leistttng im ganzen dadurch kaum alteriert; denn ich glaube, dass 
das, was uns N. bietet, im wesentlichen seine volle Geltung behält 
oder eigentlich erst bekommt, wenn man seine Summe darin findet, 
daas wir hier nicht sowohl eine Darstellung der persönlichen Welt- 
anschauung des Eoripides in ihrem Detail und in einer inneren Ver- 
mittlung, die man für den Dichter selbst positiv nachweisen könnte,, 
als vielmehr ein höchst lebensvolles und zugleich quellenmässig sicher- 
gestelltes Bild der Gedankenwelt erhalten, die das athenische Pub- 
likum des Ettripides sowohl in seiner Gesamtheit als vornehmlich 
in seinen gebildeten Kreisen bewegte. Mag immerhin Euripides als 
der subjektivste der griechischen Tragiker mit einer künstlerisch 
nicht unbedenklichen Vorliebe seine Dichtung auch zur Verkündigung 
seiner persönlichen Ansichten benützt haben, wie das gewiss der Fall 
ist, so war er doch andererseits eben als subjektiver Dichter in her- 
vorragendem Mass geeignet, jenes unendlich reiche und vielgestaltige 
Geistesleben mit der ganzen Fülle seiner Motive und seiner Wider- 
Sprüche^ eine Zeit mächtiger Gärung, in der das Alte sich gegen den 
unvermeidlichen Untergang wehrte und das Neue erst nach Gestaltung 
rang, in seinen Werken widerzuspiegeln. Wenn so Nestle das, was er 
geben wollte, in einer vielleicht nicht durchaus unanfechtbaren Weise 
gegeben hat, so hat er uns dafür andererseits mehr gegeben, als er 
verspricht : ein Bild des Ringens zweier Weltanschauungen, wobei aller- 
dings nicht zweifelhaft bleibt, auf welcher Seite Euripides seine per- 
sönliche Stellung nahm. 

Nieht unerwähnt darf zum Schluss bleiben, dass N. in den Unter- 
suchungen über die philosophischen Quellen des Euripides (Leipzig, 
Dietrich'sche Verlagshandluug 1902, Sonderabdruck aus dem Philologus) 
uns einen höchst willkommenen Einblick, in die Werkstatt seiner wissen- 
schaftlichen Arbeit eröflFnet hat: wenn ihm in seinem Hauptwerk die 
Fülle des Inhalts über den Rahmen, in den er ihn fasst, hinauswächst,. 



70 Litterarischer Bericht. 

so bewundern wir hier vor allem die methodische Gewissenhaftigkeit 
und Exaktheit seiner Einzelforschnng. 

Cannstatt. Th. Klett. 



Benedictus Niese, Geschichte der griechischen und make- 
donischen Staaten seit der Sehlacht bei Chäronea. Zweiter 
Teil, 281—188. 779 S. 16 Mk. Gotha, Friedrieh Andreas 
Perthes, 1899. 

Nach einem sechsjährigen Zwischenraum ist der zweite Teil dieses 
Geschichtswerkes erschienen, das bestimmt ist, dem Droysenschen 
Werk über den Hellenismus an die Seite zu treten. Wir erhalten im 
vierten Buch die Geschichte des Pyrrhos; im fünften die des Ostens 
von 281 — ^220 ; im sechsten die Siciliens in ungefähr der gleichen Zeit ; 
im siebenten die Regierung des Antigonos Gonatas, Demetrios und Anti- 
gonos Doson, sowie die Reformversuche des Agis IV. und Kleomenos III.; 
im achten Antiochos III., den Bundesgenossenkrieg und den ersten 
Krieg Philippos V. gegen Rom; im neunten werden die Geschicke 
der Westgriechen im hannibalischen Krieg erzählt; im zehnten die 
Begründung der römischen Hegemonie im Orient durch die Siege über 
PhilippoB V. und Antiochos III., über die Galater und Ätoler. Am 
Schluss sind auf 9 Seiten Berichtigungen und Nachträge zum ersten 
und gleich auch zum zweiten. Band selbst angehängt Je vernach- 
lässigter diese ganze Periode der alten Geschichte bisher infolge der 
zum Teil unglaublichen Mangelhaftigkeit der Quellen gewesen ist, um 
so dankenswerter ist die grosse und mühsame Arbeit, der sich Niese 
unterzogen hat und die ihn doch nicht abhält, auch eine geniessbare 
Darstellung der ganzen Zeit zu bieten. Niemand kann künftig an 
diesem Werke vorübergehen, wer immer sich mit diesen Dingen lernend 
oder lehrend oder forschend beschäftigt. Zu wünschen ist nur, dass 
Niese in den dritten Band, der schon auf 1900 in Aussicht gestellt 
war, auch der kulturellen Seite seines Stoffes, die vielfach weit interes- 
santer ist als die politische, eingehendere Aufmerksamkeit schenken 
möchte. Bis jetzt hat er sie beiseite gelassen; S. 167, wo er von den 
Siegen der Pergamener über die Gallier erzählt, erwähnt er zwar die 
-Inschriften, aus denen wir auf acht oder neun Gefechte schliessen 
können; des Zeusaltars aber, dieses Hauptdenkmals jener Siege, gedenkt 
er mit keinem Wort. Die unbedingte Parallelisierung der Gallierkämpfe 
mit den früheren Kämpfen der Griechen gegen die Barbaren lehnt er 
übrigens ab ; Attalos I. führte gegen die Galater vornehmlich Krieg, 
weil sie auf Seiten des Antiochos Hierax standen, während er zu 
Antiochos Bruder Seleukos II. hielt; erst in zweiter Linie steht, dass 
die Galater der hellenischen Kultur feindlich entgegenstanden. Niese 



Litterarischer Bericht. 71 

streut, wenn auch mit sparsamer Hand, Charakteristiken der Haupt- 
personen in seine Erzählung ein , so die des Pyrrhos S. 61 , der der 
grösste Krieger seiner Zeit heisst, ein wahrer Schlachtenkünstler, dabei 
ein Fürst von edlen menschlichen Eigenschaften, volkstümlich und 
leutselig, dazu ein wohlwollender Regent seines Landes, wie er denn 
nach Plinins bist, nat YIII 176 die Blüte der epirotischen Rindviehzucht 
begründete; aber für seinen gewaltigen Ehrgeiz war Epirus zu klein, 
und indem er seine Erfolge ins Ungeheure auszudehnen bestrebt war, 
glitten sie ihm wieder aus den Händen, so dass er nichts Dauerndes 
errang. Antigonos Doson erhält S. 348 das Zeugnis eines guten und 
gerechten Königs und eines treuen Vormundes. Kleomenes IIL wird 
S. 305 als ein hochbegabter Jüngling von brennendem Ehrgeiz und un- 
gewöhnlicher Thatkraft bezeichnet, der die alte Verfassung und Zucht 
Spartas und damit dessen alten Ruhm und alte Macht herstellen wollte ; 
das Bestreben, dem Königtum wieder eine autoritative Stellung zu ver- 
schaffen, betrachtet Niese nicht als primär, sondern als Ausfluss jenes 
ersten, patriotischen Wunsches, weil dieser anders gar nicht zu ver- 
wirklichen war. Das Ende des bedeutenden Mannes wird S. 362 f. 
wesentlich berichtend, aber doch mit unverhüllter Bewundening des 
„Löwen nnter Schafen^ erzählt. Das gesamte Material hat sich Niese 
mit riesigem Fleiss und erstaunlicher Umsicht zu eigen gemacht; wo 
irgend eine verlorene Notiz ein versprengtes Dasein führt, da weiss 
er sie aufzuspüren und an den richtigen Platz zu stellen. Nicht gerade 
überall freilich wird man ihm dabei beipflichten ; so folgt aus der Stelle 
Polybios VIII 33, wonach die Tarentiner zur Zeit Hannibals ihre Waffen 
hatten, nicht unbedingt, dass die Nachricht falsch sein muss, nach der 
sie ihnen bei der Übergabe im Jahr 272 (samt ihren Mauern und Schiffen) 
durch Rom genommen worden seien: sie können sie zwischen 272 
nnd 212 auch wieder erhalten haben, da man eine so wichtige 
Seestadt während des ersten punischen Kriegs unmöglich offen daliegen 
lassen konnte. Wir wollen aber nicht an Einzelheiten mäkeln, sondern 
lieber unsem gebührenden Dank für ein so tüchtiges, der deutschen 
Oeschichtswissenschaft zur hohen Ehre gereichendes Werk aussprechen. 

G. Egelhaaf. 



David Koch, Wilhelm Steinhausen. 127 Seiten mit 116 Ab- 
bildungen. Brosch. 3 Mk., geb. 4 Mk. HeilbronU; Eugen 
Salzer, 1901. 
Nicht leicht ist mir ein Buch in die Hände gekommen, das mir 
reineren Genuss bereitet hätte, als das vorliegende. Wer kennt Wil- 
helm Steinhausen? Er gehört zu jenen Künstlern, die ohne Rücksicht 
auf den herrschenden Geschmack des Publikums, ohne Zugeständnisse 
an die ewig wechselnden Strömungen der modernen Kunstrichtung, die 



72 Litterarischer Bericht 

in den Schlagwörtern des Naturalismus, Realismas, SymboUsmufl und 
weiss Gott welcher Ismen ihre nicht immer treffende BezeichnuDg' 
finden, still und unentwegt nur dem Rufe ihrer eigenen Muse folgen, 
und indem sie ihre eigenen Wege gehen, zunächst verkannt, verachtet, 
zum mindesten nicht beachtet werden und so erst spät sich durch» 
zusetzen vermögen., endlich aber eben deshalb, weil sie ihre kttnat* 
lerische Eigenart treu und unerschütterlich bewahrt haben, doch die 
gebührende Anerkennung finden und sich über den Durchschnitt der 
übrigen Masse auf einmal als ganze Männer, als geschlossene Person» 
lichkeit weit überragend erheben. Ähnlich ist es einem Morits 
von Schwind ergangen, an den unser Künstler bei aller Verschiedenheit 
in manchen Stücken erinnert. Mir war er bisher so gut wie unbekannt 
Auf verschiedenen Kunstausstellungen erinnere ich mich nicht, etwas 
von ihm gesehen zu haben. In dem dicken Buch von C. Garlitt Aber 
die deutsche Kunst im 19. Jahrhundert ist er mit ein paar allerdings 
nicht unfreundlichen Worten erwähnt Ich habe daher, um mir meine 
Objektivität zu wahren, und mich nicht von dem Verfasser des Textes, 
in dem ich naturgemäss einen Lobredner seines Helden zu argwöhnen 
mich berechtigt fühlte , irgendwie beeinflussen zu lassen , zunächst nor 
den reichen Bilderschmuck des Buches durchgesehen. Mutete mich 
dieser anfanglich auch zum Teil etwas fremdartig an, so verstärkte 
sich doch im Anschauen mehr und mehr der Eindruck, dass hier ein 
Künstler von ausgespiochenster Eigenart, von tiefstem Gemüt, auf- 
richtiger Frömmigkeit, von einem Ernst, der oft ans Schwermütige 
streift, aber auch von einer Gefühlsinnigkeit zu uns spricht, die uns 
packt und hinreisst. Dabei eine Sicherheit in der Linienführung, ein 
Geschick der RaumausfÜUung, eine Sinnigkeit der Verbindung von 
Figuren und Scenerie, die überall den vollendeten Meister erkennen 
lassen. Soll man die Frage beantworten, ob er ein Landschafter oder 
Historienmaler, ein Realist oder Idealist sei, so steht man vor der 
Thatsache, dass ihm gegenüber alle derartigen Rubriken versagen. 
Seine Historien, fast durchweg biblische Stoflfe, Märchen oder freie 
Erfindungen, sind mit der Landschaft, in die er sie versetzt, so eng 
verbunden, dass man nicht sagen kann, die Landschaft sei das Unter- 
geordnete; ebensowenig kann man sie als das Hauptsächliche bezeichnen, 
so dass die hineingemalten Vorgänge nur Staffage wären, aber die 
Landschaft ist doch stets so wesentlich für das ganze Bild, dass es 
ohne sie, ich will nicht sagen, den Hauptreiz, aber doch die darüber 
ausgegossene Stimmung verlieren würde; was in ihr vorgeht, wird durch 
sie gehoben oder vertieft. Wahl und Beleuchtung der Landschaft sind 
derart zu der in ihr vorgebenden Handlung gestimmt, dass wir uns 
»agen müssen, sie gehören unlösbar zusammen, eins hebt und trägt das 
andere. Er malt auch Landschaften ohne jede Belebung durch Menschen, 
und in diesen vermissen wir in der That nichts, aber er malt nicht 



Litterarischer Bericht. 73 

leicht Vorgänge ohne Landschaft, und insofern könnten wir sagen, er 
sei vorwiegend Landschafter ^ aber wir würden damit dem Umfang 
seines Kunstvermögens nicht gerecht. Ob er Realist oder Idealist sei ? 
Die Freunde der conventionellen Art der Darstellung biblischer Ge- 
schichten werden ihn einen Realisten nennen. Aber diese Bezeichnung 
passt nur insofern, als er Gestalten dem realen Leben entnimmt, ohne 
jedoch aus den biblischen Gestalten moderne Orientalen oder deutsche 
Menschen des 15. Jahrhunderts zu machen. Seine Auffassung ist über- 
all durchaus ungekünstelt, naiv, kindlich im besten Sinn des Wortes, 
und dabei ist er von einem Ideenreichtum, der in Erstaunen setzt. £r 
schöpft ihn aus einer sinnigen, liebevollen Versenkung in die Natur, in 
das Menschenleben mit seinen Freuden und Leiden, und aus einem 
tiefen Studium der heiligen Schrift Er ist ein durch und durch 
religiöser Künstler, aber nichts weniger als ein Kirchenbildermaler, ein 
Meister, der vom Herzen weg malt und darum zum Herzen spricht. 
Der Verfasser des Textes hat sich in seinen Gegenstand mit hingeben- 
dem Verständnis hineingelebt und ist seiner Aufgabe, soweit loh es 
nach den Bildern zu beurteilen vermag, in vorzüglichem Masse gerecht 
geworden. Das Buch liest sich gut und wird gewiss jedem Leser ein 
willkommener Führer sein zur Vermittlung der Bekanntschaft mit einem 
Künstler, der es verdient, ein Hausfreund in jedem deutsehen Hause 
zu werden, wie der in mancher Hinsicht verwandte Ludwig Richter, 
den aber Steinhausen an Gedankenreichtum und künstlerischer Meister* 
Schaft wohl noch Überragt. 

Was aber rechtfertigt eine Anzeige dieses Buchs gerade in unserem 
Blatt? Meines Erachtens bedarf sie einer Rechtfertigung nicht. Wenn 
irgendwo, so darf in Hinsicht auf reinen Kunstgenuss der vielgeplagte 
Lehrer sprechen : Hier bin ich Mensch , hier darf ieh's sein ! Ist es 
nicht eine Wohlthat, unter all den Anzeigen von Schulbüchern und 
wissenschaftlichen Werken auch einmal eine zu finden, die ihn über 
das Alltägliche hinaushebt, und zu dem Quell einer ungetrübten herz- 
erquickenden Freude führt ? Der Künstler ist aber in den letzten Jahren 
auch noch in eine unmittelbare Beziehung zur Schule getreten durch 
seinen Bildercyclus in der Aula des Kaiser-Friedrichs- Gymnasiums in 
Frankfurt, der ihn in seiner ganzen Originalität und Tiefsinnigkeit 
zeigt: Nicht Bilder aus dem klassischen Altertum, auch nicht etwa 
eine Reihe hervorragend bedeutender Ereignisse aus der Weltgeschichte 
hat er gewählt, sondern — nun was? Das mögen die Leser in dem 
Buche selber nachlesen und sehen. Die Ansichten werden geteilt sein, 
aber niemand wird dem Künstler die Anerkennung versagen, dass er 
hier ein Werk geleistet hat, das jeden zu denkender Betrachtung tiefer 
anregt, als alle Scenen aus Mythologie und Geschichte, das ihm ans 
Herz greift, und das in der ungezwungenen naiven und zugleich er- 
habenen Sprache, die eben nur Steinhausen reden kann. Mehr verrate 

Neues Korreapondenablatt 1908, Heft 2. 



74 Litterarischer Bericht. 

ich nicht, aber ich bin überzeugt, dass kein Leser es bereuen wird, 
sich mit dem Buche selbst bekannt gemacht zu haben. Auch zu Ge- 
schenken ist es vorzüglich geeignet. 

Calw. P. Weizsäcker. 



Lehr- und Unterrichtsplan nebst ausgeführten Lehrproben aus- 
der Seminai-übnngsschule zu Esslingen. Aus der Praxis für 
die Praxis dargeboten von Friedrich Lauffer, Seminar- 
oberlehrer in Esslingen. 446 S. Preis gebunden 6 Mk. Statt- 
garty Bonz & Comp. 

Dieses Buch kommt auf dem Gebiet der württ. ev. Volksschule 
einem wirklichen Bedürfnis entgegen. Wollte man — etwa ein Kandidat 
des höheren Lehramtes oder ein Nichtwürttemberger — sich in den 
letzten zwei Jahrzehnten über die Praxis in der wÜrtt Volksschule und 
besonders in den Seminarübungsschulen als den Husterschulen für die 
übrigen des Näheren erkundigen, so stand einem eigentlich bloss das 
Buch von Guth zu Gebot, das zwar seinen Verfasser überlebt hat, aber 
die Fragen nach dem heutigen Stand der Schulpraxis in Württemberg 
nicht mehr beantworten kann. Dass die methodischen und pädagogischen 
Bestrebungen der Neuzeit auch in der württ Volksschule vielfach Ein- 
fluss, Vertretung und Förderung gefunden haben, davon giebt Lauffers 
Buch erfreuliches Zeugnis, obwohl Lauffcr, wohl durch seine amtliehe 
Stellung mehr oder weniger gezwungen, den heute noch gültigen amtlichen 
„Normallehrplan für ev. Volksschulen" beachtet und sich im allgemeinen 
in seinen Grenzen hält. Seiner Zeit ein wirklicher Fortschritt, ist dieser 
Normallehrplan heute vielfach eine Fessel, die eines Tages abgestreift 
werden mnss. Lauffers Buch zeigt da und dort Ansätze hiezu; dass 
es hierin nicht gründlicher verfährt (besonders in Hinsicht auf die Zahl 
und Art der Fächer und der bessern gegenseitigen Abwägung der Wichtig* 
keit und des Raumes derselben), mag der eine oder andere vielleicht 
bedauern, aber, wie gesagt, diese Selbstbeschränkung ist im Ursprung 
und Zweck des Buches wohl begründet. 

Das Buch ist als Handbuch für die Lehrseminaristen gedacht; daher 
rührt, dass es im Imperativ spricht, aber in dem Imperativ,^ der in den 
Erfahrungen des Perfekts seine Berechtigung hat. Der Gedanke, an 
der Unterrichtspraxis der Seminarübungsschule die Praxis der Volks- 
schule überhaupt darzulegen, im Engem den Blick aufs Weite zu richten, 
erscheint mir glücklich gewählt und gut durchgeführt Demnach lauten 
auch die Überschriften der beiden Teile des Buches „Die Seminarübnngs- 
schule im allgemeinen mit Beziehung auf die Verhältnisse der Volks- 
schule überhaupt** und „Die Unterrichtsfacher der Seminarübungsschule*. 

Im ersten Teil kommt der Verfasser zu sprechen auf die Aufgabe* 
der Seminarübungsschule, die Aufsicht über und die Prüfungen in der 



Litterarischer Bericht 75 

selben, die Obliegenheiten der Lehrer, die Lehrseminaristen, die Schüler 
dieser Schule (ein besonders gelungener Abschnitt befasst sich hier mit 
den Pflichten der Schüler und giebt treffliche Winke und Anweisungen 
ftir Ordnung und wohlanständiges Betragen) ; des ferneren ist von den 
Klassenämtem (Aufseher, Ordner), der Schulzucht (Züchtigung und Züch- 
tigungsrecht), der Schulgesundheitspflege, der Führung der Schulakten 
(Individuenbuch, Wochenbuch, Lehrplan, Lektionsplan, Neglektenbnch, 
Inventar, Reskriptenbuch, Schultabellen, Rechenschaftsbericht, Über- 
gabescheine u. s. f.), endlich von den Hausaufgaben, der Lokation, den 
Ferien, von des Lehrers erster- Anstellung und was sie Besonderes mit 
sich bringt und von der Fortbildung des Lehrers die Rede. 

Im zweiten Teil werden die Unterrichtsfächer im einzelnen nach 
Zweck und Ziel, Stoff, Lehrverfahren, da wo es nötig ist mit Eingehen 
auf das Geschichtliehe und Darlegung der verschiedenen früher und 
heute geltenden Methoden, behandelt, unter Entscheidung für die eine 
oder andere Methode als die in der Praxis am besten bewährte. Dass 
aber Lauffer hiebei von dem Glauben an die AUeinseligmachung der 
Methode frei ist und den ersten und Hauptnachdruck auf die Persön- 
lichkeit des Lehrers legt, das geht aus dem ganzen Buch und besonders 
aus dem ersten Teil desselben deutlich hervor. Eingestreute, meist 
trefflich durchgeführte Lehrproben von Lauffer selbst oder seinen 
Schnlgehilfen (Seminamnterlehrem) zeigen praktisch, was das Theo- 
retische will und wie der Unterricht interessant, belehrend und erziehlich 
gestaltet wird. Im einzelnen auf die Ausfährungen beider Teile des 
Buches einzugehen, würde zu weit fuhren. Aber das möchte ich noch 
hervorheben, dass Lauffer die pädagogische und methodische Litteratur 
kennt, dass er im besonderen auch von Herbart-Ziller das aufnimmt, 
was ihm gut erscheint, wogegen er sich gegen anderes (so gegen die 
analytisch-synthetische sprachliche Behandlung von Gedichten) durch- 
aus ablehnend verhält, dass er am passenden Ort Didaktisches einfügt 
und dass ich es ihm ganz besonders anrechne, dass er für die sprach- 
lichen Fächer mit klarer Entschiedenheit (nach dem Grundsatz „Menge 
sie nicht, trenne sie nichf*) und im Rechnen für die Beibehaltung und 
richtige Einordnung der gemeinen Brüche eintritt (eine starke Strömung 
unter den Volksschullehrem ist unbegreiflicherweise für gänzliche Ent- 
fernung der gemeinen Brüche oder doch für nur notdürftige Behand- 
lung derselben und zwar nach den Dezimalbrüchen). Und dann er- 
übrigt mir nur noch, meiner Meinung Ausdruck zu geben, dass Lauffers 
Buch in die Bibliothek auch jeder höhern wüi'ttembergischen Schule 
gehört und in den Händen nicht bloss der Lehrsemiuaristen, sondern 
auch jedes Kandidaten des hohem Lehramts gute Dienste leisten wird. 
Es enthält zwar vieles, was bloss im Rahmen der Volksschule liegt, 
aber noch mehr von dem, was auch den hohem Lehrern und unter 
diesen besonders auch den nicht aus dem Volksschullehrerstand her- 



76 Litterarischer Bericht. 

vorgegangenen gut und nützlich zu wissen, ja zum Teil zur richtigen 
Führung des Amtes und möglichst raschen und sichern Hineinfindnng 
in die Unterrichtspraxis unbedingt nötig ist 

Cannstatt. Birkhold. 



J. Bechtle; Reallebrer in Backnang, FranzSsische Sprachsehule. 

Unterstufe, mit einem Kärtchen und sieben Bildern. Pr^ in 

hübschem Leinwandbaud 2.40 Mk. Stuttgart, Verlag von P. Neff. 

Derselbe, LeQons et lectures zu C. C. Meinholds Bildern für 

den Anschauungsunterricht. Preis kart 1.25 Mk. 

Es ist in diesen Blättern schon hin und wieder vom französischen 
Unterricht auf der Unter- und Mittelstufe die Rede gewesen. Man hat 
sich für und wider die „alte*' und die „neue** Methode ausgesprochen 
und hat viele Worte gemacht. Heute habe ich das Vergnügen, auf 
Thaten hinzuweisen, indem ich zwei Werkchen eines Kollegen und 
Landsmanns bespreche, über deren Erscheinen ich mich aufrichtig freue. 
Die „Französische Sprachschule'' ist ein aus vielseitiger Praxis hervor- 
gegangener und im Unterricht erprobter, streng methodischer, syn- 
thetischer, darstellend-entwickelnder, intuitiver (auf der Anschauung 
fussender) Lehrgang für die zwei (an Vollanstalten vielleicht drei) 
ersten Jahre des französischen Unterrichts und will einen gangbaren 
Mittelweg weisen zwischen der „alten**, nur grammatisierenden und der 
«.neuen** hauptsächlich parlierenden Methode. Der Verfasser will dem 
Unterricht im Französichen seinen formal bildenden Wert wahren und 
doch den Forderungen der neueren Pädagogik und auch den prak- 
tischen Bedürfnissen Rechnung tragen. Ganz „alt**, aber einzig richtig, 
ist der streng methodische Stufengang der grammatischen Obung^n, 
ziemlich „neu^, aber gut und richtig ist, dass das regelmässige Zeit- 
wort in den Vordergrund gestellt und mit der Vorherschaft von 
:ivoir und 6tre gebrochen ist, dass also z. B. je parle vor j*ai 
parl^, je parlerai vor j'aurai parl6, j'ai öt6 vor je suis eingeübt wird. 
Dadurch erhalten die Anhänger der parlierenden Methode gleich in 
den ersten Stunden eine Menge Stoff zur Verarbeitung. Ganz neu 
und sehr gut ist die Auswahl des Spraohstoffes. Jede Lektion be- 
wegt sich nämlich in einem Anschauungs- und Lerngebiet der Schnle 
(Schule, Lehrer, Schüler, Familie, Haus, Garten, Gärtner, Jäger, Soldat 
etc.). Infolgedessen stehen die Wörter und Sätze in einem inneren, 
sachlichen, denknotwendigen Zusammenhang, haben einen greifbaren 
Inhalt und erleichtem das Selberfinden, Einprägen und Behalten der 
Vokabeln, besonders aber auch das Verständnis der Sprachformen und 
die Auffassung der Sprachregeln. Das leidige Aufgeben und Abhören 
von mühsam eingepaukten „ Wörtlein ** und unverstandenen Regehi wird 
hiedurch nahezu überflüssig. Konjngations-, Komparations- und Dekli- 



Litterarischer Bericht. 77 

nationsübimgen werden durchweg an ganzen Sätzen mit sachlichem 
nnd denknotwendigem Inhalt vorgenommen. Jede der auf eine Woche 
zugeschnittenen Lektionen enthält 1. Lektüre zur Veranschanlichung und 
Ableitung des grammatischen StofiPs, der in 2. Questions, 3. Exercices 
und 4. Th^mes verarbeitet werden soll. In der äusserst fleissigen und 
sorgfältigen Auswahl und Anordnung des Stoffes ist vieles unanfecht- 
bar und unübertrefflich, über anderes lässt sich ^streiten^, was wohl 
dem Verfasser nur willkommen ist. Ich kann mit ihm nur wünschen, 
dasa recht viele unter den Kollegen seinen grossen Fleiss, der aus 
Jeder Zeile des Buches spricht, und die schwere Arbeit dadurch ehren, 
dass sie das Buch einfuhren und durch Mitteilung von Erfahrungen 
und Wünschen ihm helfen, sein Werk der Vollkommenheit möglichst 
nahezubringen zum Heile unserer Schulen und zur Ehre der württem- 
bergischen Lehrerschaft. Schon längst ist es zu bedauern, dass wir 
die meisten unserer Schulbücher von Berlin beziehen müssen; nun ist 
eines im eigenen Lande entstanden, das alle diejenigen, die in den 
letzten Jahren aus dem Norden kamen, weit übertrifft, jedenfalls aber 
Jedem anderen gleichkommt und vor allen den Vorzug hat, dass es 
seine Entstehung dem Unterricht verdankt. Leider musste der Ver- 
fasser davon ansgeben, dass der „grosse Plötz" die vorerst gegebene 
Fortsetzung seines Buches bildet. Wenn aber, wie ich im Interesse 
der Schule hoffe, das Buch Anklang findet, so wird der Verleger, wie 
er in seinem Zirkular verspricht, auch für die Mittel- und Oberstufe 
«in Buch nach ähnlichen Grundsätzen ausarbeiten lassen. Der Preis 
des Büchleins wird manchem etwas hoch vorkommen, ist aber bei der 
wirklich schönen Ausstattung ein massiger, ja niederer zu nennen. 

Das zweite Werkchen, ein Seitenstück des ersten und mit gleichem 
Oeschick ausgearbeitet, wird besonders den Anhängern der „direkten^ 
Methode (montrer et mimer) und des pädagogischen „Bilderdienstes^ 
eine willkommene Ergänzung der „Sprachschule" sein. 

Zu den von der gesamten pädagogischen Presse als schön, gut 
und billig gerühmten Bildern, die eine Augenweide für die Schüler 
sind und Leben und Lust zur Arbeit in die Sprachstunden bringen, 
bietet das Büchlein 1. Le^ons et Lectures intuitives, 2. Voeabulaires, 
3. Questionnaires, 4. Lectures choisies, Poösies et Chansons. Die 20 Ab- 
schnitte des Büchleins bilden einen vollständigen und abgerundeten 
Lehrgang des französischen Anschauungsunterrichts für die Unter- 
und Mittelstufe. Beiden Büchlein kommt es sehr zugute, dass bei der 
Revision der Texte und bei der Korrektur dem Verfasser zwei fran- 
zösische Kollegen, M. J. Thiötry, Professeur am Lycöe de Beifort und 
M. P. Didelin, Instituteur ä Reims treu zur Seite standen, „so dass selbst 
die ängstlichsten Gemüter hinsichtlich der „correction du style" beruhigt 
sein können". 

Urach. Herrn. Wied. 



7g Neil erschienene BDcher. 

Neu erschienene Büoher. 

Jgl^ Bei der grossen Menipe der uns Eagehenden neuen litterarisohen ErsohelnuuKei* 
ist es uns nnmOglioh, Jede im einselnen sn besprechen. Die Titel der einlaufenden 
BAcher, die wir «nsnahmslos der Kohlhammersohen Verlagsbnohhmndlnng sn Ober» 
senden bitten, werden regelmässig im nlohsten Hefte TerOffentUeht ; auf Bflck- 
sendang der nloht besprochenen Bücher kOnnen wir ans aber nicht einlaesen. 

Koch, Wilh. Stdnhaasen ein deutscher Künstler. Heilbronn, £. Salzer. 
S k 1 a r e k , Naturwissenschaftliche Rundschau. Braunschweig, Heft 46, 

47, 48, 49, 50, 51, 52., Braunschweig, Fr. Vieweg & Sohn. 
Die Reformschulen. Vortrag von Direktor Dr. Hubatsch. Köln, 

J. G. Schmitz (F. Sohn & J. F. Lau6). 
Bennstein, Wegweiser für Lehrmittel. Berlin, W. 56., G. Winckel- 

mann. 
Büchner, Kraft und Stoff oder Grnndzüge der natürlichen Welt- 
ordnung. Leipzig, Th. Thomas. 
Rüefli, Anhang zum Lehrbuch der ebenen Trigonometrie. Bern, 

Schmid & Francke, (vorm. J. Dalphsche Buchhandlung). 
Sauer, Euphorion. Zeitschrift für Litteraturgeschichte. Leipzig und 

Wien, C. Fromme. 
Oröans, Die Leygnessche Reform der französischen Syntax, und Ortho- 
graphie und ihre Berechtigung. Karlsruhe i. B., J. Bielefelds 

Verlag. 
Müller, Die Mathematik auf den Gymnasien und Realschulen. L Teil: 

Die Unterstufe. Leipzig und Berlin, B. G. Tcubner. 
M o s e n g e 1 , Deutsche Aufsätze für die Mittelstufe höherer Lehranstalten. 

Ibid. 
Wychgram, Von der Leitung unserer Schulen. Ibid. 
Müller und Kutnewsky, Sammlung von Aufgaben aus der Arithmetik, 

Trigonometrie und Stereometrie. II. Teil. Ibid. 
Schuster, Geometrische Aufgaben und Lehrbuch der Geometrie. Ibid. 
Stau gl, Q. Curti Rufi. Historiarum Alexandri Magni Macedonis Libri 

Qni Supersunt. Leipzig, G. Freytag. 
Altgelt, Henry Groville. Perdue. I. und II. Teil. Wien und Prag, 

F. Tempsky. 
Griechisches Schönschreibheft. Würzburg, Emil Bauer. 
P a h d e , Erdkunde für höhere Lehranstalten. IH. Teil. Glogau, 

C. Flemming. 
D i 1 1 m a n n , Astronomische Briefe. Neue Folge. Kometen, Sonne, 

Fixsterne. Tübingen, H. Laupp. 
Bergemann, Lehrbuch der pädagogischen Psychologie. Leipzig, 

Th. Hofmann. 
Dietlein und Po lack. Aus deutschen Lesebüchern. Dichtungen in 

Poesie und Prosa. III. Bd. Ibid. 
Bülbring, Altenglisches Elementarblich. I.Teil. Lautlehre. Heidelberg, 

Carl Winter. 



Neu erschienene Bücher. 79 

Sommer, Handbuch der lateinischen Laut- und Formenlehre. Ibid. 
Behaghel, Die deutsche Sprache. Leipzig, G. Freytag: Prag und 

Wien, F. Tempsky. 
Kurtz, Christiiche Religionslehre. Leipzig, Aug. Neumanns Verlag 

(Friedr. Lucas). 
Lateinisches Lese- und Übungsbuch zunächst im Anschluss an Prof. 

Dr. Bonos lateinische Schulgrammatik. IL Teil : Quinta bearbeitet 

von Dr. Peter Hau. Köln, M. Du Mont-Schauberg. 
Nohl, Giceros Rede für Cn. Plancius. Leipzig, G. Frey tag. 
Jahnke, Vaterländische Gedichte aus der Zeit der Befreiungskriege. 

I. Teil. Leipzig, Heinr. Bredt 
Meyer, Handbuch der griechischen Etymologie. 3. Band. Leipzig, 

S. Hirzel. 
K i y , Abriss der deutschen Litter aturgeschichte von den ältesten Zeiten 

bis zu Goethes Tode. Hannover und Berlin S. W. 46, C. Meyer 

(Gust. Prior). 
Schneider, Schüler-Kommentar zu Flatons Euthyphron. Leipzig, 

G. Freytag: Prag und Wien, F. Tempsky. 
Scheel, Lesebuch ans Gustav Freytags Werken. Berlin, Weidmann- 

sche Buchhandlung. 
Kirchner, Prosopographia Attica. Typis et Impensis Georgii Reimeri, 

Berolini. 
Archenhold, Das Weltall, ülustr. Zeitschrift für Astronomie und 

verwandte Gebiete. Heft 1—4. Berlin W. 35, C. A. Schwetschkc 

& Sohn. 
T i B c h e r und Müller. Übungsbuch zum Übersetzen aus dem Deutschen 

ins Lateinische. I. und II. Teil. Braunschweig, Fr. Vieweg 

& Sohn. 
Siebert, Lehrbuch der Chemie und Mineralogie. L IL und IIL Teil. 

Ibid. 
20. Lieferung von Tierbildem und Sammlung von Bildern zur biblischen- 

und deutschen Geschichte. Dresden, C. G. Meinhold -& Söhne. 
Über die gegenwärtige Lage des Biologischen Unterrichts an höheren 

Schulen. Jena, G. Fischer. 
Schmidt, Lateinisches Lesebuch aus Gornelius Nepos und Q. Gurtius 

Rnfus. Leipzig, G. Freytag. 
Meyer, Naturlehre fUr höhere Mädchenschulen, Lehrerinnen-Seminarien 

und Mittelschulen. Ibid. 
Mab raun. Volkswirtschaftliches Lesebuch zum Unterrichtsgebrauch. 

Berlin, G. Heymann. 
Griechisches Lesebuch von Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff. 

I. und II. Halbband. Text und Erläuterungen. Berlin, Weid- 

mannsche Buchhandlung. 



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Preisermässigung. 

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M. Tullii Ciceronis 

Opera quae superBunt omnia 



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8 Bltitde in 10 Teilen. 

Die 5 Teile Text apart statt Mk. 48.20 fUr Hk. 12.—. 

^ Die Exemplare sind neu, aber etwas Btockfteckig. ^z 



Erste Dienstprüfung für das realistische Lehramt 1900. 

A. Sprachlicli-gescliiGlitliGlie RiGhtung. 

Deutsche Litteratnr. 

1, Der Minnesang vor Walther von der Vogelweide. 

2. Hartmanns von Aue erzählende Dichtungen. 
B. Der deutsche Roman im 17. Jahrhundert. 
4. Leasings Laokoon. 

(Verlangt wird die Bearbeitung von 2 Fragen und zwar 1 oder 2 
und 3 oder 4.) 

Französisch. 
Komposition. 

Dichtung und Wahrheit. 

Ich will diesen Gegenstand nicht verlassen, ohne noch einige 
Geschichten zu erzählen^ wie mancherlei Unangenehmes mir von 
meinen Gespielen begegnet; denn das ist ja eben das Lehrreiche 
solcher sittlichen Mitteilungen, dass der Mensch erfahre, wie es 
andern ergangen und was auch er vom Leben zu erwarten habe, 
und dass er, es mag sich ereignen, was will, bedenke, dieses wider- 
fahre ihm als Menschen und nicht als einem besonders Glücklichen 
oder Unglücklichen. Nützt ein solches Wissen nicht viel, um die 
Übel zu vermeiden, so ist es doch sehr dienlich, dass wir uns in 
die Zustände finden, sie ertragen, ja sie überwinden lernen. 

Noch eine allgemeine Bemerkung steht hier an der rechten 
Stelle, dass nämlich bei dem Emporwachsen der Kinder aus den 
gesitteten Ständen ein sehr grosser Widerspruch zum Vorschein 
kommt, ich meine den, dass sie von Eltern und Lehrern angemahnt 
und angeleitet werden, sich massig, verständig, ja vernünftig zu 
betragen, niemandem aus Mutwillen oder Übermut ein Leids zuzu- 
fügen und alle gehässigen Regungen, die sich an ihnen entwickeln 
möchten, zu unterdrücken; dass nun aber im Gegenteil, während 
die jungen Geschöpfe mit einer solchen Übung beschäftigt sind, sie 
von andern das zu leiden haben, was an ihnen gescholten wird und 
höchlich verpönt ist. Dadurch kommen die armen Wesen zwischen 
dem Naturzustände und dem der Zivilisation gar erbärmlich in die 
Klemme und werden, je nachdem die Charakter sind, entweder 

Neues Korrespondeiixblatt 1903, Heft 3. 



82 Erste Dienstprfifung für das realistische Lehramt 1900. 

tückisch oder gewaltsam aufbrausend, wenn sie eine Zeit lang an 
sich gehalten haben. 

Gewalt ist eher mit Gewalt zu vertreiben, aber ein gutgesinntes, 
zur Liebe und Teilnahme geneigtes Kind weiss dem Hohn und dem 
bösen Willen wenig entgegenzusetzen. Wenn ich die Thätlichkeiten 
meiner Gesellen so ziemlich abzuhalten wusste, so war ich doch 
keineswegs ihren Sticheleien und Missreden gewachsen, weil in 
solchen Fällen derjenige, der sich verteidigt, immer verlieren muss. 
Es wurden also auch Angriffe dieser Art, insofern sie zum Zorn 
reizten, mit physischen Kräften zurückgewiesen oder sie regten 
wundersame Betrachtungen in mir auf, die dann nicht ohne Folgen 
bleiben konnten. (Goethe.) 

Diktat und Exposition. 
Le plus beau des arts. 

L'art par excellence, celui qui surpasse tous les autres, parce 
quHl est incomparablement le plus expressif, c^est la poösie. 

La parole est Tinstrument de la poesie; la po6sie la fa^onne 
ä son usage et Tid^alise pour lui faire exprimer la beaut6 id6ale. 
Elle lui donne le charme et la puissance de la mesure; eile en fait 
quelque chose ä la fois de materiel et d'immateriel, de fini, de 
clair et de präcis, comme les contours et les formes les plus arretees, 
de vivant et d'anim^ comme la couleur, de path^tique et d'infini 
comme le son. Le mot en lui-meme, surtout le mot choisi et trans* 
figur6 par la poesie, est le Symbole le plus ^nergique et le plus 
universel. Arm^e de ce talisman qu'elle a fait pour eile, la poesie 
r^flöchit toutes les Images du monde sensible, comme la scnlpture 
et la peinture; eile röflöchit le sentiment comme la peinture et la 
musique, avec toutes ses vari6t6s, que la musique n'atteint pas, et 
dans leur succession rapide que ne peut suivre la peinture, aussi 
arr6t6e et immobile que la sculpture; et eile n'exprime pas seulement 
tout cela, eile exprime ce qui est inaccessible k tout autre art, je 
veux dire la pens^e, enti^rement s6par6e des seus, et meme du 
sentiment, la pens6e qui n'a pas de formes, la pensäe qui n'a pas 
de couleur, la pens^e qui ne laisse echapper aucun son, qui ne se 
manifeste dans aucun regard, la pens^e dans son vol le plus sublime, 
dans son abstraction la plus raffin^e. 

Songez-y. Quel monde d'images, de sentiments, de pensöes ä 
la fois distinctes et confuses, suscite en vous ce seul mot : la patrie ! 
et cet autre mot, bref et immense: Dien! Quoi de plus clair et 
tout ensemble de plus profond et de plus vaste! 



Erste Dienstprüfling ftlr das realistische Lehramt 1900. 83 

Dites ä Tarchitecte, au scuipteor, au peintre, au musicien mSme; 
d^^voquer ainsi d'un seul coup toutes le puissances de la natnre 
et de r^me ! IIa ne le peuvent, et par \ä üb reconnaissent la sup6- 
riorltö de la parole et de la pönale. (Victor Cousin.) 

Aufsatz. 
Le tfa^ätre en France au moyen äge. 

Oder: 
La Periode romantique. 

Englisch. 

Komposition. 

Die Piccolomini« 

Questenberg: Weh' uns! und wie dem Ungewitter stehn, 

Das drohend uns umzieht von allen Enden? 
Der Reichsfeind an den Grenzen^ Meister schon 
Vom Donaustrom; stets weiter um sich greifend — 
Im Innern Land des Aufruhrs Feuerglocke — 
Der Bauer in Waffen — alle Stände schwierig — 
Und die Armee^ von der wir Hülf erwarten^ 
Verführt, verwildert, aller Zucht entwohnt — 
Vom Staat, von ihrem Kaiser losgerissen, 
Vom Schwindelnden die schwindelnde geführt, 
Ein furchtbar Werkzeug, dem verwegensten 
Der Menschen blind gehorchend hingegeben. 

c t a V i : Verzagen ynr auch nicht zu früh, mein Freund I 

Stets ist die Sprache kecker als die That, 
Und mancher, der in blindem Eifer jetzt 
Zu jedem Äussersten entschlossen scheint, 
Find't unerwartet in der Brust ein Herz, 
Spricht man des Frevels wahren Namen aus. 
Zudem — ganz unverteidigt sind wir nicht. 
Graf Altringer und Gallas, wissen Sie, 
Erhalten in der Pflicht ihr kleines Heer — 
Verstärken es noch täglich. — Überraschen 
Kann er uns nicht; Sie wissen, dass ich ihn 
Mit meinen Horchern rings umgeben habe; 
Vom kleinsten Schritt erhalt' ich Wissenschaft 
Sogleich — ja mir entdeckt's sein eig'ner Mund. 

Questenberg: Ganz unbegreiflich ist's, dass er den Feind nichtmerkt 

An seiner Seite. 



84 Erste Dienstprüfnng für das realistische Lehramt 1900. 

c t a V i : Denken Sie nicht etwa, 

Dass ich durch Lügenkünste^ gleisnerische 
Gefälligkeit in seine Gunst mich stahl, 
Durch Heuchelworte sein Vertrauen nähre; 
Befiehlt mir gleich die Klugheit und die Pflicht, 
Die ich dem Reich, dem Kaiser schuldig bin, 
Dass ich mein wahres Herz vor ihm verberge, 
Ein falsches hab* ich niemals ihm geheuchelt! 

Diktat und Exposition. 

Though more than sixty years had eiapsed since tlie PUgrims 
came, this crowd of their descendants still showed the strong and 
sombre features of their eharacter perhaps more strikingly in such 
a Stern emergency than on happier occasions. There was the sober 
garb, the general severity of mien, the gloomy but nndismayed 
expressiou, the scriptural forms of speech, and the confidence in 
Heaven's blessing on a righteous cause, which would have marked 
a band of the original Puritans, when threatened by some perii 
of the wildemess. Indeed, it was not yet time for the old spirit 
to be extinct; since there were men in the street that day who 
had worshipped there beneath the trees, before a house was reared 
to the God for whom they had become exiles. Old soldiers of the 
Parliament were here too, smiling grimly at the thought that their 
aged arms might strike another blow against the house of Stuart. 
Here, also, were the veterans of King Philipps war, who had burned 
villages and slaughtered young and old with pious fierceness, while 
the godly souls throughout the land were helping them with prayer. 
Several ministers were scattered among the crowd, which, uiüike 
all other mobs, regarded them with such reverence, as if there 
were sanctity in their very garments. These holy men exerted 
their influence to quiet the people, but not to disperse them. 
Meantime, the purpose of the Governor in disturbing the peace of 
the town, at a period when the slightest commotion might throw 
the country into a ferment, was almost the universal subject of 
inquiry, and variously explained. „Satan will strike his master- 
stroke presently^^, cried some, „because he knoweth that his time 
is Short. All sur godly pastors are to be dragged to prison! We 
shall see them at a Smithfield fire in King-street I" Herenpon the 
people of each parish gathered closer round their minister, who 
ooked calmly upwards and assumed a more apostolic dignity, aa 



Erste Dienstprüfling ftir das realistische Lehramt 1900. 35 

well befitted a candidate for the highest honour of his profession 
— the crown of martyrdom. (Hawthome.) 

Aufsatz. 
Old English epic poetry before the Conquest. 

Oder: 
The writiiigs of Lord Byron. 

Geschichte. 
Erste Serie. 

1. Die Vorfassung Athens in ihren Hauptentwicklungsopochen 
von der vorsolonischen Zeit bis zum Ende des peloponnesischen 
Krieges. 

2. Heinrich L 

3. Kaisertum und Papsttum unter Konrad IL und Heinrich HL 

Zweite Serie. 

1. Die Reichstage von 1521—1530. 

2. Die beiden ersten schlesischen Kriege mit besonderer Be- 
rücksichtigung von Ursprung und Folgen. 

3. Der deutsche Zollverein. , 

Ans jeder der beiden Serien ist eine Frage zu beantworten. 

Geographie. 

A. 1. Bau, Verbreitung und Entstehung der Koralleninseln. 

2. Einteilung; Gestalt und geographische Verbreitung der Gletscher. 

3. Die Küsten Südamerikas und ihre wichtigsten Häfen. 

B. 1. Die kommerzielle und politische Bedeutung Ostasiens und des 

Stillen Ozeans mit besonderer Berücksichtigung der deutschen 
Besitzungen. 

2. Die Schwäbische Alb: Obertiächengestaltung und Entstehung, 
Einfluss auf Volksverteilung, Siedelungslage und Verkehrswege. 

3. Die wirtschafts-, Verkehrs- und politisch-geographische Be- 
deutung der Meere. 

Von der Gruppe A und von der Gruppe B ist je eine Auf- 
gabe zu bearbeiten. 

B. Mathematiseli-naturwissenseliaftliclie RiGhtung. 

Erste Abteilung. 

Analytische Geometrie. 

1. Man transformiere die Gleichung der kubischen Parabel 

— a«y + x»— 3ax« = 



86 Erste Dienstprüfang für das realistische Lehramt 1900. 

auf ein Dreieckskoordinatensystem, von welchem eine Seite die 

Verbindungslinie von Wendepunkt und Rückkehrpunkt^ die anderen 

beiden die Tangenten in diesen Punkten sind. 

2. Die Flächen 

z — x' = und y — x' = 

schneiden sich in einer Kurve III. Ordnung. Man gebe noch andere 

Flächen an, die durch diese Kurve gehen, und bestimme insbesondere 

den Kegel mit der Spitze x = o, y = 0, z=:il, der über der Kurve 

steht. Welche Oleichung hat die Doppelkante dieses Kegels? 

Synthetische Geometrie. 

1. Wie lässt sich durch blosses Ziehen von geraden Linien, 
also ohne Zirkel, aber unter Benützung eines festen Kreises und 
dessen Mittelpunktes, die Aufgabe lösen, von einem gegebenen Punkt 
auf eine gegebene Gerade das Lot zu fUUen? Wie kann daher, 
ebenfalls durch blosses Ziehen von geraden Linien, auf einer ge- 
gebenen Geraden ein Punkt bestimmt werden, aus welchem eine 
gegeb'ene Strecke unter rdchtem Winkel erscheint? 

2. Eine Parabel zu konstruieren, welche durch zwei gegebene 
Punkte g^ht und zwei gegebene Geraden berührt, unter der Voraus- 
setzung 

a) dass jeder der gegebenen Punkte der Berührungspunkt einer 
der gegebenen Tangenten ist; 

b) dass dies nur bei einem der gegebenen Punkte und 

c) dass es bei keinem derselben zutrifft. 

Darstellende Geometrie. 

Einen Punkt zu bestimmen, welcher von zwei gegebenen Ebenen 
und einem gegebenen Punkt gleich weit entfernt ist und auf einem 
gegebenen Wulst liegt. 

Es darf angenommen werden, dass die gegebenen Ebenen in 
der Grundriss- und Aufrissebene bestehen. 

Differential- und Integralrechnung. 
1 a. Das Integral 

dx 




^ (X» + a*) (x-^ + X^) 



soll ausgewertet werden; aus dem erhaltenen Resultate soll nach 
Multiplikation mit Xäk und Integration zwischen den Grenzen und a 
ein weiteres bestimmtes (einfaches) Integral hergeleitet werden; 
Probe für letzteres durch Ableitung nach u? 



Erste DienstprüfuDg ftlr das realistische Lehramt 1900. 87 

Ib. Auf der Kugel x2 + y* + z* = r* ist ein Kurvensystem be- 
stimmt duroh die Differentialgleichung 

(1 + y) dx + (l — X) dy + (l + y«) d2 = 0; 
gesucht sind die Projektionen der Integralkurven auf die 3 Koor- 
dinatenebenen. 

2a. Integration der partiellen Differentialgleichung: 

nebst Probe. 

2 b. Es soll die Taylorsche Reihenentwicklung im komplexen 
Gebiet aus dem Cauchyschen Integralsatz hergeleitet werden. 

Verlangt ausführliche Behandlung z w e i e r Aufgaben und zwar 
eine a-Aufgabe und eine b-Aufgabe. 

Trigonometrie und Mathematische Geographie. 

1. Die mathematische Oberfläche der Erde ist als die eines 
Rotationsellipsoids mit der Äquatorialhalben a = 6378;0 km und der 

Polarhalbaxe b = 6356,7 km anzusehen; so dass das Quadrat der 

a2 — b* 
numerischen Exzentrizität e* = ^ — = 0,006656 beträgt. 

Wie heisst auf diesem Erdellipsoid der Parallelkreis, dessen 
Umfang genau halb so gross ist, als der des Äquators? 

Anleitung: Die Koordinaten eines Punktes der Meridian- 
ellipse (in dem gewöhnlichen Koordinatensystem in der Ebene dieses 
Meridians) sind, indem man die Meridianellipse durch a und e ge- 
geben betrachtet, in Funktion der geographischen Breite ^) des 
Punkts auszudrücken, womit die Lösung der Aufgabe unmittelbar 
gegeben ist. Beachte femer die Analogie zu einer sphärisch ge- 
dachten Erdoberfläche: auf dieser wäre der gesuchte Parallelkreis 60^^. 

2. Die zu messende Strecke AB führt über einen Fluss, so dass 

p 



/ 

ö 



A C ^'2? ' B ' 

das mittlere Stück CD nicht direkt gemessen werden kann. Es 
sind deshalb nur die Strecken AC — a, BD = b gemessen, femer in 



B8 Erste Dienstprüfung für das realistische Lehramt 1900. 

einem Puukt P ausserhalb von A und B die Horizontalwinkel 
a, ßy yy unter denen die Strecken AC, BD and CD erscheinen. 

Wie lang ist AB? 

Zahlen beispie l. (Rechnung vollständig durchzuführen.) 
a = 113,43 m, b = 82,77 m, « = 22P 38' 30", ß = 21« T 45", 

y = 45'> 23' 5". 

3. Was sind die wichtigsten Methoden zur direkten (aatro- 
nomischen) Bestimmung der Ortszeit (Sternzeit oder M.Z.) des 
Beobachtungsorts? Es genügt eine kurze Übersicht; es soll aber 
wenigstens eine der Methoden etwas ausführlicher beschrieben 
werden. 

Zugelassene Hilfsmittel : Logarithmentafeln. 

Mechanik. 
1. Ein dünner schwerer Stab AB (s. Figur) stützt sich auf einen 
rauhen horizontalen Bolzen C. Man soll Grösse und Richtung einer 
in A anzubringenden Kraft P bestimmen, welche der Gleichgewichts- 
läge entspricht derart, dass eine kleine Yergrössernng von P Be- 
wegung hervorruft. 

B 




A 

2. Längs einer schiefen Ebene bewegen sich zwei Cylinder (mit 
horizontalen Axen) abwärts, von welchen der eine rollt, der andere 
gleitet. 

Welchen Vorsprung muss man dem einen geben, damit beide 
eine gegebene Strecke in gleichen Zeiten zurücklegen? 

Beide Aufgaben verlangt. 

Theoretische Physik. 

1. Eine schwere Flüssigkeit befinde sich in einem vertikalen, 
um seine Axe mit der Winkelgeschwindigkeit in rotierenden Kreis- 
cylinder vom Radius R in Gleichgewicht. Welches ist der Höhen- 
unterschied des tiefsten und höchsten Punktes der freien Flüssigkeits- 
oberfiäche? (Die Reibung ist natürlich nicht zu berücksichtigen.) 

2. Ein Eisendraht von ^^lo Quadratcentimetcr Querschnitt und 
10^ C. werde plötzlich durch ein Gewicht von 10 kg gespannt, 
welches ist die momentane Temperaturänderung? Es sei Dichtig- 
keit 7,6; Ausdehnungscoeffie 0.000012; Spez. Wärme = 0.113. 



Erste Dienstprüfung für das realistische Lehramt 1900. 89 

3. Abzuleiten wie sich die Fraunhofersche Beagungserscheinung 
eines linearen Gitters ändert, wenn (wie üblich) die Längsansdehnung 
der Qitterstriche senkrecht zur Beugungsebene steht und man die 
Breite der Beugungsöffnungen um das n-fache vermehrt. 

4. Es sollen Methoden entwickelt werden, um das magnetische 
Moment eines Magnetstabes zu bestimmen. 

5. Der Leitungswiderstand einer nach allen Seiten unendlich 
ausgedehnten Flüssigkeit vom Leitungsvermögen k soll berechnet 
werden, wenn ein stationärer elektrischer Strom durch die Flüssigkeit 
fliesst. Die zwei Elektroden seien Kugein von Radius R, der sehr 
klein gegen ihren Abstand voneinander ist. 

6. Die Formel abzuleiten, nach der die Stromintensität mit der 
Tangentenbussole gemessen werden kann, wenn die Bussole aus 
einem einzigen Kreis besteht. 

(Verlangt sind mindestens zwei Aufgaben aus verschiedenen 
Gebieten.) 

Chemie (als Nebenfach). 

1. Welche Methoden hat man heutzutage zur Feststellung des 
Molekulargewichts der verschiedenen Stoffe? 

2. Von welchen wichtigeren Elementen kennt man Verbindungen 
des Schwefels, welche Methoden besitzt man zu ihrer Darstellung 
und durch welche Eigenschaften sind sie charakterisiert? 

Zweite Abteilung. 

Algebra und Niedere Analysis. 

1. In dem Bruch -^ — -—- soll der Nenner rational gemacht 

werden. 

2. X* + y4 = 82, 
X 4 y = 2. 

3. Die Funktion zu suchen, welche für x = — 2, 1, 4, 7 die 
Werte y = — 71, — 11, 103, 1081 annimmt und zwischen je zwei dieser 
Funktionswerte zwei neue einzuschalten. 

4. A nimmt 15000 Mk. auf mit der Verpflichtung, diese Schuld 
in 20 Jahresrenten abzutragen, deren erste ein Jahr nach Aufnahme 
der Schuld fällig ist. Nachdem er sieben Renten bezahlt hat, will 
er den Rest auf einmal abtragen. Wie gross ist die Jahresrente 
und wie gross ist die Ablösungssumme auf den Tag der achten 
Zahlung (bei 4 o/o). 



90 Erste Dienstprüfung fiir das realistische Lehramt 1900. 

Differential* und Integralrechnnng. 

1 

1. u = (cos (mx) 

* ' /x = 

1 4- X 

2. y = 1 ^ __ in eine Reihe zu entwickeln und deren Konver- 

genz zu untersuchen. 

B. Einer gegebenen Kugel einen Kegel von grösstem Mantel 
einzubeschreiben. 



/ x'dx 
V a" + X«* 



Elementare Geometrie. 

1. Einen Rhombus mit gegebenem Winkel zu konstruieren, 
dessen Seiten durch vier gegebene Punkte gehen. 

2. Durch die Grundkante einer regulären vierseitigen Pyramide 
ist eine Ebene gelegt, welche die Höhe der Pyramide im Verhältnis 
X : 1 teilt. In welchem Verhältnis wird das Volumen der Pyramide 
geteilt? 

Wie gross ist X zu wählen, damit die Pyramide halbiert wird ? 

3. cotg X — tg X = sin X + cos X (vollständige Lösung verlangt). 

4. Zwei gegebene Strecken derselben Geraden durch ein Punkte- 
paar harmonisch zu teilen. 

Analytische Geometrie. 

1. Die Ecken eines Dreiecks haben die Koordinaten (3, 4) 
(5, — 4) ( — 2, — 2). Verlangt die Gleichungen der Mittellote der 
Seiten und die Länge des Umkreisradius. 

2. Durch die Schnittpunkte der zwei Kreise x^ -h y- = r* und 
(x — a)2 + y» = r^ und durch den Ursprung lege man einen dritten 
Kreis. Wie lautet seine Gleichung? 

3. In einer durch die Gerade L und den im Abstände a von 
ihr gegebenen Punkt vermittelten geometrischen Verwandtschaft 
wird zu einem Punkte M der ihm verwandte Punkt M' s o gefunden : 
OM schneide L in B, die Senkrechte zu L durch M schneide 
L in C, dann trifft die durch B zu L gezogene Senkrechte die OC 
im Punkte M'. 

a) Welches sind die Koordinaten des Punktes M', wenn die des 
Punktes M (x, y) sind ? 

b) Zeige, dass MM' in jeder Lage durch einen festen Punkt gebt. 



Erste Dienstprüfung für das realistische Lehramt 1900. 91 

c) Weiche Kurve ist einem Kreise vom Radius r verwandt, 
dessen Mittelpunkt auf der durch zu L gezogenen Senk- 
rechten liegt? (Drei Fälle zu unterscheiden.) 
4. Diskutiere die Kurve, deren Gleichung 

y5^(x2 + 3x-h2) — x2 = o ist. 

Darstellende Geometrie. 

Durchdringung eines Würfels und eines Cylinders ; Tangente in 
einem beliebigen Punkt der Durchdringungskurve; Projektionen 
des beiden Körpern gemeinsamen Stückes. 

Experimentalphysik (als Nebenfach). 

1. Ein Körper wird mit einer Anfangsgeschwindigkeit a = 100 m 
imter einer Elevation « = 30^^ fortgeschleudert; in welcher Entfernung 
kommt er wieder in die durch den Ausgangspunkt gelegte Horizontal- 
ebene zurück und welche grösste Höhe hat er erreicht (ohne Berück- 
sichtigung des Luftwiderstands ; Erdbeschleunigung = 10 m) ? Durch 
welche Elevation wird bei bestimmter Anfangsgeschwindigkeit die 
grösste Wurfweite erreicht? 

2. Wirft man in ein nicht wärmeleitendes Gefäss, das 4 Liter 
Wasser von lO'^ C. enthält, eine 8 kg schwere Eisenplatte, die auf 
80** erwärmt worden war, so stellt sich die Temperatur auf 23'^; 
ebenso würden 5 Liter Olivenöl vom spezifischen Gewicht 0,92 durch 
dieselbe auf 100*^ erwärmte Platte von 15 auf 39® erwärmt werden. 
Wie berechnet sich hieraus die spezifische Wärme des Olivenöls? 

3. Ein im Freien liegendes Wasserbassin hat eine kreisförmige 
Grundfläche von 4 m Durchmesser und 1,60 m hohe senkrechte 
Wände; das Wasser steht 60 cm hoch in demselben. Es soll be- 
schrieben werden, wie einem 10 cm über dem Mittelpunkt des Grund- 
kreises befindlichen Auge der freie Himmel, die Seitenwände und 
der Boden des Gefässes erscheinen? 

4. Welche Stromstärken erhält man bei einem äusseren Wider- 
stand 1 = 1,5 Ohm durch 4 galvanische Elemente, deren jedes eine 
elektromotorische Kraft e = 1,8 Volt und einen inneren Widerstand 
r = 0,4 Ohm hat, je nachdem die Elemente parallel oder hinter- 
einander oder zu 2 Doppelpaaren geschaltet werden? 

Chemie (als Hauptfach). 

Entweder I a. Wie entsteht der sogenannte osmotische Druck 
und durch welche Überlegungen lässt sich beweisen: 



92 £rste Dienstprütung für das realistische Lehramt 1900. 

1. dass LöBungen von gleichem Lösungsmittel geschieden durch 
eine semipermeable Wand nur dann im Gleichgewicht sich 
befinden können, wenn sie iso tonisch sind d. h. gleichen osmo- 
tischen Druck ausüben; 

2. dass Lösungen von gleichem osmotischem Druck bei gleicher 
Temperatur gleiche Dampfspannung bezw. gleiche Siedepunkte 
besitzen müssen; 

3. dass isotonische Lösungen des gleichen Lösungsmittels einen 
gleichen Gefrierpunkt haben. 

Oder Ib. Was versteht man unter hydrolytischer, was unter 
elektrolytiscber Dissociation und wie lautet die Gleichung für die 
Gleichgewichtsbedingung der Dissociation? 

II. Welche Methoden besitzt man zur Darstellung der Halogen- 
verbindungen der wichtigeren Elemente und welche charakteristischen 
Unterschiede lassen sich in ihrem Verhalten gegen Wasser nachweisen? 

III. Weiche wichtige Körperklassen der organischen Chemie 
lassen sich als Dihydroxylderivate der Kohlenwasserstoffe auffassen, 
und welches sind ihre unterscheidenden Eigenschaften? 

Botanik. 

1. Entstehung, Aufbau und Ordnung der GefUssbündel. 

2. Die Lehre vom Geotropismus. 

3. Welche Argumente lassen sich fiir^ welche gegen die Sexua- 
lität der Ascomyceten geltendmachen. 

Zwei Themata sind zu behandeln. Der eingehenderen Be- 
arbeitung einer Aufgabe wird der Vorzug gegeben, in welchem Falle 
dann in Bezug auf das 2. Thema eine kurze Darstellung des Wich- 
tigsten genilgt. 

Zoologie. 

1. Bau des Herzens und kurze Darstellung des Kreislaufs bei 
den Wirbeltieren. 

2. Die Hauptgruppen der Mollusken sind kurz zu charakterisieren. 
Beide Aufgaben sind zu lösen. 

Mineralogie. 

1. Schilderung der wichtigsten als Mineralien vorkommenden 
Elemente (Kristallform, physikalische Eigenschaften, geologisches 
Vorkommen und Bildung). 

2. Geologische Beschreibung des Schwarzwaldes. 

Der erschöpfenden Behandlung einer der beiden Fragen wUrdv 
der Vorzug gegeben werden. 



Feucht, Zünftiges und Künftiges zu Homer. 93 

Zünftiges und Künftiges zu Homer. 

Von Professor Feucht in Stuttgart. 

Fast überall, wo man in Wissenschaft und Kunst, Gewerbe 
und Verkehr auf was Neues kommt, schöpft man den Namen dafür 
ans dem Griechischen und hat zwei Vorteile: erstlich, dass 
der neue Begriff von den gebildetsten Leuten ohne Unterschied des 
Volkes und der Sprache verstanden wird, zweitens, dass der Stoff 
und die Fähigkeit zur Wortbildung im Griechischen unbegrenzt ist. 
Selbst unsere Masse und Gewichte sind mit dem Augenblick inter- 
national geworden, wo sie griechisch wurden. Es fehlt nur noch 
die Ersetzung von Mark, Frank, Sterling und Dollar durch die 
Drachme. Als Träger der neuesten und wichtigsten Kulturbegriffe 
ist das Griechische heut mehr als je wenn nicht Weltsprache, so 
doch Weltsprach schätz. Dies wäre Grund genug, Griechisch 
zu treiben. Aber nicht der einzige darf es sein, auch nicht der erste. 

Es sei eine tote Sprache, sagen die, die es nicht können. Tot 
aber sind nur die Sprachen, alte oder neue, die von ihren Vertretern 
als tot behandelt werden, sagen wir mit Fr. Gouin, dem grossen 
Methodiker, der auf dieser Erkenntnis seine lebensvolle Methode 
aufbaut. Sie unternimmt es, in der Schule einen Homer so zu 
behandeln, dass des Schülers — wie auch des Lehrers — Mund 
von Homer überfliesst, weil das Herz voll ist. Nicht 
von Homer allein, aber vornehmlich (und vorsorglich): Seine Welt- 
anschauung ist die ursprünglichste und umfänglichste; seine Aus- 
drucksgabe die wirksamste und unerschöpflichste. Dem Heils- 
begierigen, der die Klassiker als Wiederbringer der gefühlsstarken 
und geistesfrischen Jugend des Menschengeschlechtes etwas weniger 
analysieren — was oft soviel als sezieren — , aber etwas mehr 
lebendig unter uns wandeln sehen möchte, bietet kein anderer so 
freundlich die Hand wie Homer, der dem Philologen die Zunge 
lüpft wie der Malermeister dem Farbenreiber den Pinsel; der 
im Vorüberströmen den Wanderer einlädt, nicht bloss über die 
Wellen hinzublicken, sondern darin zu schwimmen. Der Ertrag 
einer Neubelebung der ,, toten", zumal der homerischen Sprache, 
käme zunächst den Fachgenossen und der Schule zu gut, dann 
aber einem weiteren Kreis: wie die lateinische Lyrik und Korre- 
spondenz der Renaissance, so steht jede Beherrschung und „Ver- 
jüngung'^ der „alten" Sprachen — der griechischen noch mehr als der 
lateinischen — in messbarem Verhältnis, in sicherer Wechsel >*irkung 



94 Feucht, Zünftiges und Künftiges zu Homer. 

zur populären Wertschätzung der humanistischen Schule. Blosse 
Nachahmer wollen wir zwar nicht werden^ nicht einmal Homers. 
Gehalt und Gestalt der Fabel vor allem sei eigener Einsatz : 
Hermann und Dorothea^ Paul und Yirginie, Quixote, kurz jeder 
Gegenstand; der mit urwüchsiger Empfindnng und Bezeigong stark 
anmutet und wahren Wert hat. Parodie liegt hier nahe, mag auch 
als Vorstufe zur Kunstschnlnng dienen, wie die Karikatur dem 
Maler und Zeichne. Aber die reine Rhapsodie, ernst oder heiter, 
ist die höhere Stufe. Ist dieser Einsatz sicher, dann ist es ein 
Behagen ohnegleichen, die Mittel an Wortschatz, Wort- 
fügung und Yersbildung aus erster Hand zu beziehen, jedoch 
auch dies mit Eigenheit. Man wandelt im vertrauten Garten, man 
kennt den Boden und das Gesetz des Wachstums, die Blumen aber, 
die man pflückt oder zieht, sind immer neu und andere. — Kann 
die Bildung, Biegung und Fügung der Wörter, bei voller Treue 
gegen Homer, ins Ungemessene entwickelt werden, so lädt die Mannig- 
faltigkeit der homerischen Yersmessung zu einer Freiheit — nicht 
Regellosigkeit! — im Gegensinn des Dichters ein. Homer schafft 
sich mit Vorliebe Längen für den gedehnten Vortrag vor einer 
gemächlichen Zuhörerschaft. Wir brauchen Kürzen für den Leser, 
dem beim Blick aufs geschriebene Wort der Laut nur flüchtig im 
Ohr mitklingt. Die Gewohnheit der Positionslänge vor Muta c. L. 
ist ja von den Alten schon umgebildet worden. Dass wir mit ähn- 
lich beweglichen Neigungen auf homerischem Boden wandeln, zeigt 
ein modernes Scherzgedicht, Noavog („Human. Gymn.'^ 1896), das 
trotz absichtlicher Barbarei im Wortschatz gute Versbildung auf- 
weist, jedoch nach Bedarf die obige Positionslänge und die homerische 
Cäsur umgeht. In gleichen Betracht kommt die natürliche Kürze 
der Auslaut = ai und ot sowie die unauffällige Kürzung einzelner 
Stammsilben, wovon Homer recht nette Muster giebt. Die Vers- 
messung ist eben für den Urhomer — und an ihm — Nebensache. 
Der Takt ist der Musik zuliebe da; ohne Musik ist er nichts. 
Wohl aber ist die homerische Sprache ohne Versmass denkbar und 
wirksam. Bei der Übersetzung — wo zwar Homer mehr verliert als 
irgend einer — wirkt sein Vortrag sogar am besten in ungebun- 
dener Rede. Der Homeride lege sein Ohr an Homer, aber er lasse 
sich nicht vom Versgesetz einschnüren, ehe er wage, den Mund auf- 
zuthun! Scheint dies Ketzerei, so ist es doch Rechtgläubigkeit 
nach vaterländischen klassischen Mustern: die unvollkom- 
menen Hexameter und Distichen Goethes und Schillers haben weder 



Nestle, Mlscellen. 95 

ihnen den Wagemut noch uns den Genuss des herrlichen Inhalts 
ihrer Dichtungen benommen. Kein Philologe wird in der fremden 
Sprache so fehlerhafte Verse wagen wie sie in der deutschen; 
hier hat es gute Wege. Die Not scheint eher von der andern 
Seite aufzutreten: die Strenge der sprachlichen Kritik und 
Selbstkritik verleidet es dem Philologen^ unter seinesgleichen 
die Sprache jener Welt zu reden^ der er doch die beste Kraft 
seines Lebens und Geistes widmet. Erfahrene Fachgenossen er- 
kennen das. Über ein Epyll in Homers Sprache (das von Parodie 
keineswegs rein ist) sehrieb jüngst einer der Vorkämpfer der huma- 
nistischen Bildung in Deutschland dem Autor: „Ihr Gedicht hat 
eine tröstende Kraft; es beweist, dass Homer noch nicht, wie 
Hypergelehrsamkeit und Dilettantismus um die Wette behaupten, 
eine überwundene Grösse ist. In jedem Fall hätte er (Homer) an 
Ihrer Nachdichtung seine helle Freude gehabt; dafür kenne ich 
ihn seit 50 Jahren." — 

Hier wo es auf Liebhaberei im besten Sinn des Wortes 
ankommt, sollen weder die lateinischen Aufsätze in Prima noch 
die lateinischen Thesen in Pfarrversammlungen verfochten werden. 
Aber jede Innung, geistige oder gewerbliche, gewinnt Ansehen 
und Würdigung in dem Masse, wie sie ihr Wesen unmittelbar in 
Worten und Werken versinnlicht und sich gern und beredt zu 
ihrem Haupte bekennt. Das Haupt aber der Philologen-Innung 
ist und bleibt Homer und — „Homeride zu sein, auch nur als 
letzter, ist schön". 



Misoellen. 

Von E. Nestle, Maulbronn. 

l.^^QTog 3= Bienenbrot? 

Neue griechische Wörterbücher sind in Vorbereitung. Wieviel 
zu thun ist, möge das durch die Überschrift angedeutete Beispiel 
zeigen. 

Um die so oft gedankenlos nachgesprochene alttestamentliche 
Bezeichnung Palästinas als eines Landes zu erklären, wo Milch 
und Honig fiiesst, kam ich auch an Hoheslied 5, 1 als eine der 
Stellen, wo Milch und Wein zusammen genannt werden. 



96 Nestle, Miscellen. 

In der Polyglottenbibel lese ich deutsch: 

Ich habe meines Seims samt meinem Honig gegessen^ 
ich habe meines Weins samt meiner Milch getrunken. 
Lateinisch: comedi favnm cum melie meo, 

bibi vinum meum cum lacte meo. 
Griechisch: scpayoy olqtov fiov fistd fxskuog /nov, 

BJiiov olvov fiov /ASTül ydkaxTog fiov. 
Das Hebräische bietet gleichfalls keine Schwierigkeit; es hat 
ja'rl von ja^ar, das auch 1. Sam. 14^ 26.27 vorkommt, und das 
zweifellos etwas von den Bienen Stammendes, allem nach die Honig- 
wabe bedeutet; wenn es mir auch sehr zweifelhaft ist, dass diese 
im Hebräischen ^^wegen der Ähnlichkeit mit den" östlich vom 
Jordan sich findenden ^^vulkanischen Formationen" so heisse^ 
wie uns noch die neueste Auflage des Wörterbuchs von Gesenius 
glauben machen will. Von der Septuaginta wird es an den genannten 
Samuelis-Stellen mit fiehaawv und xr^giov übersetzt. Da das hebr. 
Wort (oder ein ihm gleichgeschriebenes) sonst ,,der Wald" heisst 
und dies einmal in einzelnen Septuagintahandschriften mit dygog 
(statt wie sonst mit d^vfioq) übersetzt wird^ hat Grabe in seiner 
Septuagintaausgabe von 1709 für diese Stelle dygov konjiciert, und 
dies ist nun als vermeintliche Lesart des Codex Alexandrinus in 
die Ausgaben der russischen und griechischen Kirche (Moskau 1821, 
Athen 1840 ff.) übergegangen! Auch die Speziaiwörterbücher und 
Konkordanzen zur Septuaginta sind über das Wort unsicher (siehe 
Schleusner und Hatch-Redpath), noch weniger geben die allgemeinen 
Wörterbücher (Pape, Passow, der Thesaurus von Stephanus-Hase- 
Dindorf) eine Andeutung, dass vlqtoc auch das Bienenbrot, die 
Wabe bezeichnen könne, voraussichtlich, weil ihnen unser deutscher 
Sprachgebrauch selbst fremd ist. Dieser ist ja in der That sehr 
merkwürdig. Man vrgl. Grimm unter ßienenbrot und Brot, 
noch besser Kluge (* 1889) : 

,. Eigentümlich ist ein altgerm. Kompositum mit Brot: mhd. 
biebrot, nhd. Bienenbrot, vrgl. angels. beobreiid, alle 
,Honigscheibe^, eigentlich ,Brot der Bienen'; in dieser Kom- 
position tritt — auffälligerweise — das Wort Brot am 
frühesten auf. Im älteren angls. fehlt die Bedeutung des engl, 
bread noch, die aber schon im ahd. vorhanden ist." 
Grimm erklärt Bienenbrot durch ,,sandaraca, was die Bienen 
zur eigenen Nahrung eintragen, gleichsam Brot, das sie zu dem 
Honig backen, dann auch Honigwabe selbst". Sandaraca wiederum 



Nestle, Miscellon. 97 

ist in Gesners Thesaurus durch ^cibus apium' umschrieben. Doppelt 
interessant wäre es nun, wenn auch das griechische uqto^ in gleicher 
Weise hier gebraucht wäre. Ohne Kenntnis der hebräischen Vor- 
lage würde natürlich jedermann einfach übersetzen: ich habe ,^mein 
Brot mit meinem Honig", also meinthalb „mein Honigbrot" gegessen. 
Selbst wenn man die hebräische Vorlage kennt, bleibt die Möglich^ 
keit offen, dass der griechische Übersetzer die Bedeutung des immer- 
hin seltenen hebräischen Wortes nicht kannte und nun aus dem 
Zusammenhang (Honig, Wein, Milch) auf irgend ein Nahrungsmittel 
geraten habe und so auf das nicht sehr poetische Honigbrot ge- 
kommen sei. Wer aber den gemein-deutschen Sprachgebrauch er- 
wägt, wird die von mir aufgeworfene Frage nicht mehr umgehen 
können; eine Antwort auf dieselbe zu finden, dazu reichen aber 
meine Kenntnisse und die mir in Mauibronn zur Verfügung stehenden 
Hilfsmittel nicht aus. Es wäre hübsch, wenn ein Leser des Korre- 
spondenzblattes die Frage entscheiden könnte. Sehr schad ist, dass 
für Lc. 24, 42 wo einzelne Handschriften, auch der von Luther 
benützte Text, neben dem l/d^vog onrov fj-iqoq noch xat and f.iskio- 
oiov xr^oiov oder xrj^iov haben, in der Gotenbibel des Ulfilas nicht 
erhalten ist. In meinen neugriechischen Ausgaben heisst es hier 
«TTo fisXonriTa oder (.isXivoxri^fov, Wie steht es sonst mit dem neu- 
griechischen Sprachgebrauch ^) ? 

2. Dens Abraham. 

In den Acta disputationis S. Achatii, die in die Decianische 
Verfolgung fallen, liest man folgenden Passus, der bei seinem für 
uns fast heitern Inhalt eine sehr ernste Seite hat^). 



*) Nur in einer Anmerkung mag über die Zusammenstellung, die 
mich auf die ganze Frage brachte, „Milch und Honig" gesagt werden, 
dass dabei unterm Honig nach einer Erklärung der Traubonhonig 
gemeint ist (Gen. 49, 13; Hoheslied 5, 1; Jes. 55, 1). Doch ist mir dies 
zweifelhaft. 

*) Acta Martyrum selecta. Ausgewählte Märtyreracteu und andere 
Urkunden aus der Verfolgungszeit der christlichen Kirche herausgegeben 
von 0. von Gfibhardt (Berlin, A. Duncker 1902. XII und 260 S. Geb. 
4 Mk.). Eine sehr empfehlenswerte Sammlung. S. 116. — Die Stelle 
dürfte vielleicht als ein interessanter Beleg für den indeklinabeln (le- 
brauch von Abraham, über den der neue Thesaurus 1, 128 ff. richtig 
Aufschluss giebt, den dort aufgeführten Belegen angereiht werden. 
Auch Luther behandelte den nachgestellten (ienetiv noch stets indekli- 

Neuei Korreipoodensblatt 1002, Heft 3. 



98 Miller, Nochmals zum franz. UntciTicht an d. Mittelklassen. 

Achatius erklärt auf die Forderung des Konsnlars Martianod, 
für den Kaiser zn opfern^ dass er zu seinem Herrn^ dem grossen 
und wahren Gott, täglich für das Heil des Kaisers bete. 
Martianus ait: Nomen eins mihi enuntia. 
Achatius dixit: Dens Abraham, deus Isaac et deus Jacob. 
Martianus ait: Deorum ista sunt nomina?^) 
Achatius respondit: Non isti, sed qui locutus est istis, ille est 

deus verus, illum timere debemns. 
Martianus ait: Quis est igte? respondit Achatius: Altissimns 

Adonai, sedens super cherubim et Seraphim. 
Martianus ait: Quid est Seraphim? cui Achatius: Altissimi dei 
minister et excelsae sedis antistes. 
Die ernste Seite an diesem heiteren Miss Verständnis des Römers 
sehe ich darin, dass auch vrir heute wieder fragen müssen: quid 
est Seraphim? 



Nochmals zum französischen Unterricht an den 

Mittelklassen. 

Von Prof. Dr. J. Miller in Stuttgart. 

Dr. Hessetmeyer hat im Dezemberheft 1901 des Korrespondeiiz- 
blattes über den Betrieb des Französischen an den Mittelklassen 
unserer Gelehrtenschulen sich ausgesprochen. Obwohl er zunäclist 
von den Verhältnissen der zweiklassigen Lateinschule ausgeht, be- 
handelt er doch die ganze Frage von einem grundsätzlichen Stand- 
punkte aus ; und da ich als Referent über den Gegenstand bei den 
württembergischen Gymnasiallehrerversammlungen 1900 und 1901 
(vgl. Korrespondenzblatt 1900, 366) eine wesentlich abweichende 
Anschauung vertreten habe, so sei auch mir ein kurzes Wort der 
Erwiderung gestattet. 

Zunächst darf ich wohl daran erinnern, dass ich bei der De- 
batte 1901 die Forderung einer weiteren Stunde an Klasse V nicht 



nnbcl, der Gott Abraham, der Same Abraham, den voransteh enden 
(sächsischen) stets mit s, Abrahams Samen, Schoss u. s. w. 

*) Kin ähnliches Missverständnis begegnet uns vielleicht schon in 
der Apostelgeschichte Kap. 17, wo die Athener den Paulus „ Verkündiger 
neuer Götter** nennen, weil er ihnen Jesus und die „Anastasis** predigte, 
liier ist vielleicht xy^v *Avdoxaoiv mit grossem Anfangsbnehstaben in 
Antuhrungszeiohei) zu schreiben. 



Miller, Nochmals zum fran2. Unterricht an d. Mittelklassen. 99 

mit der Notwendigkeit der Sprechübungen begründet habe: das 
Massgebende ist mir vielmehr die Erwägung, dass es ein päda- 
gogischer Fehler ist^ eine schwierige Sprache wie die französische 
im zweiten Jahr mit nur zwei Wochenstunden zu lehren, nach welcher 
Methode man auch unterrichten mag. Für die Richtigkeit dieser 
Ansicht bürgen mir nicht nur die Zustimmung zahlreicher Kollegen) 
sondern auch die Lehrpläne der übrigen deutschen Staaten; nirgends 
sonst findet sich eine gleich ungünstige Verteilung der französischen 
Lehrstunden. 

Was aber den Hauptpunkt betrifft, so kann ich nun und nimmer* 
mehr zugeben, dass grammatische Sicherheit und Sprech- 
übungen sich gegenseitig beeinträchtigen; im Gegenteil, eines 
unterstützt das andere aufs vorteilhafteste, vorausgesetzt, dass man 
bei beiden vor übertriebenen Forderungen und Erwartungen sich 
hütet. Auf der Mittelstufe kann es sich nur um Frage und Ant- 
wort über das gelesene Stück handeln. Dazu ist kein gar zu grosser 
Zeitaufwand erforderlich; der Schüler ist gezwungen, eben die Formen 
und Regeln anzuwenden, die er aus dem Stücke gelernt hat Wie 
sehr wird ihm femer das Lernen bzw. Repetieren der Vokabeln 
erleichtert, wenn er die Wörter schon mündlich im Zusammenhang 
gebraucht hat I Wie kann die französische Fragekonstruktion besser 
eingeübt werden, als wenn man die Schüler anleitet, selbst Fragen 
über das Gelesene zu bilden? Wenn dann bei Plötz- Kares auch 
einige Sätze oder (namentlich in Übungsbuch II) einige Abschnitte 
unübersetzt bleiben, so ist dies kein grosses Unglück. Diese Fragen 
und Antworten bedeuten freilich auch eine geistige Anstrengung für 
die Schüler, aber sie sind dem ewigen Hinüber- und Herübersetzen 
gegenüber eine wohlthätige Abwechslung und werden vom Schüler 
als solche empfunden; auch der Humor kommt bei dieser Art von 
Übung zu seinem Recht. Wer eine solche Vereinigung von gram- 
matischen und Sprechübungen als einen schädlichen ,,Zickzackkur8" 
verwirft, hat offenbar die Sache noch nicht erprobt ; der grosse Bei- 
fall, den die eben auf dieses Ziel berechneten Plötz-Karesschen 
Lehrbücher in ganz Deutschland gefunden haben, spricht doch auch 
zu Gunsten dieser „vermittelnden Methode^ ^). 

^) Es mag hier noch daran erinnert werden, dass selbst die extremen 
Reformer, die auf Komposition ganz verzichten, die Forderung der 
grammatischen Gründlichkeit aufs entschiedenste aufstellen. Ich selbst 
gehöre nicht zu diesen Extremen, vgl. Korrespondenzblatt 1900, 371 f., 
und glaube, dass nur unter ungewöhnlich günstigen Umständen — wie 



1 00 Miller. Nochmals zum franz. Unterricht an d. Mittelklaasco. 

WeoD die Reformbewegang endlich verlangt^ die SehOler sollen 
bei einer modernen Sprache von Anfang an den Eindruck bekommen, 
dass nie nicht bloss geschrieben und gedruckt^ sondern aach ge- 
sprochen wird, so leuchtet diese Forderung dem gesunden Menschen- 
verstand allzusehr ein, als dass sie mit theoretischen Erwägungen 
Ober die besondere Aufgabe der Gelehrtenschule abgethan werden 
konnte. 

Noch ein Wort über das Verhältnis der Sprechübungen zu den 
Forderungen des Examens. H. beweist meines Erachtens zu viel, 
wenn er die Übersetzungsleistung als Lehrziel für unvereinbar halt 
mit der Aufgabe der Sprechübungen (S. 465). Auch im Ober- 
gymnasium wird (leider noch selbst beim Maturitätsexamen) l>ei 
der schriftlichen Prüfung lediglich die Befähigung des Schülers in 
der Komposition in Betracht gezogen; und doch empfiehlt H. die 
Sprechübungen fürs Obergymnasium (S. 464). Aber ist es nicht 
falsch; die Lelirthätigkeit einzig nach dem Ziel des schriftlichen 
Examens zu orientieren? Ich möchte im Gegenteil sagen: die 
Sprechübungen sind auch deswegen zu empfehlen, weil sie für 
die Versetzungsprüfung und für das Bestehen des Landexamens 
keine unmittelbare Bedeutung haben (mittelbar nützen sie auch hier). 

Unter einer vernünftigen Beschränkung der Grammatik verstehe 
ich nicht nur das Weglassen Überflüssiger Regeln und Ausnahmen 
die von Plötz-Kares getroffene Auswahl hält im ganzen das 
richtige Mass — sondern auch eine Verteilung des Pensums, die 
nicht zu viel auf einmal erreichen will. Seitdem im Landexamen 
dio Modusregeln nicht verlangt werden und vom Artikel nur das 
AHerwichtigsto, darf man nicht mehr sagen, dass in Klasse IV- VI 
die „Hauptregeln der französischen Syntax^^ erlernt werden müssen. 
Logt man Plötz-Kares zu Grund — wie dies offenbar auch von 
II. gosclüolit - , so ergeben sich nicht 80, sondern ca. 66 Seiten 
('hungs.4toff fUr das Jahr (Ausg. A, mit Weglassung des Anhangs 
im Klomontarbuch). 

Noch in oinem Punkt kann ich die Rechnung Hs. nicht als 
rirlitlg anerkonnen: er berechnet (S. 458) für den Jahrgang des 
IVnu/ÖHischon Unterrichts in der zweiklassigen Lateinschule ^ s fran- 
«(iMlHoho Stunden (etwas genauer heisst es S. 461 1— IV2 Stunden 

hIo In uuNorn Oolohrtonschulen jedenfalls nicht vorhanden sind — bei 
iUm' Nti'otiKon Durchführung der „direkten^ Methode solide Ergebnisse 
or^lolt worden können. 



Gramer, Die ältcst. Realschul. ii. Roallchrerprüf. in Württ. |01 

mündlicher Unterricht). Ich kann hier freilich nicht aus Erfaln*ung 
sprechen^ bin aber doch mit den Verhältnissen soweit bekannt; um 
zu wissen, dass thatsächlich die Schüler dort nicht IVs, sondern 
B— 4 Wochenstunden Französisch haben: wenn die eine Abteilung 
den Stoff neu durchnimmt, so wird er von der (bzw. den) andern 
repetiert und wo das nicht angeht, wei(den die übrigen Schüler 
damit beschäftigt, den Übungsstoff niederzuschreiben, unter fort- 
währender Beaufsichtigung des Lehrers. Die Übungsstücke gerade 
von Plötz-Kares sind so leicht, dass diese Niederschrift durch- 
aus nicht ein vorhergehendes mündliches Übersetzen nötig macht. 
Ferner hat die zweiklassige Lateinschule in der Regel nicht 3, 
sondern 3V2 Jahr für ihr Pensum zur Verfügung. Endlich ist der 
Vorteil der kleineren Schülerzahl nicht so gering anzuschlagen, 
wie dies H. zu thun geneigt ist. Ich verweise nur auf die Er- 
lernung der Aussprache und die Besprechung der schriftlichen 
Arbeiten. 

Doch mag in der That der gleichzeitige Unterricht mehrerer 
Jahreskurse oft jene Sprechübungen sehr erschweren, und man 
wird auch in dieser Sache dem Lehrer der zweiklassigen Latein- 
schule möglichst grosse Freiheit lassen müssen. Das ist aber kein 
Grund, jene Bestimmung aus dem Lehrplan zu streichen. Es filUt 
mir schwer, zu glauben, dass jemals ein Lehrer sie als „Damokles- 
schwert^^ empfunden hat. Es lässt sich vielleicht für sie noch eine 
passendere Formulierung finden, die den Verhältnissen der zwei- 
klassigen Lateinschule mehr gerecht wird; aber es wäre sehr zu 
bedauern, wenn das im Lehrplan der Reformbewegung gemachte 
Zugeständnis wieder zurückgenommen würde. 



Die ältesten Realschulen und Reallehrerprüfungen 

in Württemberg. 

Ergänzung zu den Mitteilungen S. 27. 
Von M. Craraer, Heilbronti. 

Die ersten Anfänge der württ. Realschulen reichen zurück ins 
Ende des 18. Jahrhunderts. Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts 
(1803)^) „hatte Württemberg 4 Klosterschulen, 1 Gymnasium und 

*) Dorn, „Das höhere Schulwesen Württembergs" in der Pädagog. 
f^ncyklopädie X ' S. 523. 



102 Cramer, Die iiltest. Kealschul. u. Reallehreri>rüf. in Württ. 

ungefähr 60 Lateinschulen . . . Andere Schulen gab es nicht als 
Volksschulen. Denn die 3 Realschulen, welche damals schon 
bestanden, in Ehingen; Nürtingen, Stuttgart, können nicht 
als selbständige Anstalten mit eigenen Vorstehern, Lehrern 
und Lokalen betrachtet werden (zwei derselben hatten nicht einmal 
einen für sich bestehenden Schülercötus), sondern sie hatten damals 
nur die Bedeutung von Hiifsanstalten für den Realunterricht in den 
Lateinschulen/^ Während die beiden andern Anstalten über den 
ersten Anlauf nicht hinauskamen, entwickelte sich die Realschule 
in Stuttgart rasch und kräftig. Gegründet 1796 mit zwei Klasseu 
erhielt sie 1802 eine dritte und 1818 eine vierte Klasse, und im 
gleichen Jahre wurde sie vom Gymnasium losgelöst und einem 
eigenen Rektor unterstellt. Es war dies M. Karl Christian Ferd. 
Weckherlin, vorher Professor an der V. Klasse des Gymnasiums 
daselbst; 1821 zugleich Pädagogarch für den Jagstkreis, pens. 
11. März 1835, f 5. Jan. 1836. Die Lehrer waren in den ersten 
Jahrzehnten, soweit sie mir bekannt sind, folgende: Georg Andr. 
Werner, vorher Präz.-Vikar Tübingen, zuerst Volksschullehrer 
Tübingen, p 1796—1797; nachher p am Gymnasium 1797, op 1817, 
t 16. Mai 1824. Ihm folgte Gottlob Friedr. Ludw. Hang, Hof- 
meehauikus, p 1797, tit. Pr 1820, pens. 8. Aug. 1838, f 10. Jan. 
1850; lehrte Geographie, Arithmetik, Geometrie, Katurlehre, später 
an der oberen Abteilung Mathematik, Physik, Technologie, Geo- 
graphie. Dav. Friedr. Hermann 1796, f 26. Jan. 1803, zugleich 
Kanzleiadv. 1797, zuerst Lehrer an der Karlsschule. Joh. Konr. 
Schwarz p 1802, f 15- Dez. 1839. Joh. Friedr. Steinkopf, 
üoftiermaler, 1796, pens. 10. Juni 1818. Julius Wilh. Lehmann 
1819, tit. p 1820, A. A. entl. 1837; zuerst Lehrer am Pestaluzzischen 
Institut. Friedr. Christoph Phil. v. Stein heil, pens. Hauptmann, 
Lehrer des Französischen, Deutschen und Englischen, tit. Pr 1800, 
f 10. Jan. 1814. Franz Stochdorph, Pagengouverneur, Lehrer 
des Französischen, tit. Pr 1805, f 25. Jan. 1820. Jean Nicolas 
Helvig, vorher am Kathariueustift, Lehrer des Französischen 1820, 
t 5. Aug. 1830. Ludw. Georg Neck er Hofkupferstecher, 1803— V 
(noch 1822). Joh. Friedr. Kieser, vorher Lehrer am Kadetten- 
institut, p 1819, Pf 1832, Vorstand der Realschule 1835 (nach 
Weckheriin), tit. Rektor 1843, f 4. März 1858. Ludw. Gottfr. 
Barth p. ex. 1818, r. ex. 1821, p 1824, f 1849, zuerst Lehrer 
am Waisenhaus in Stuttgart. Karl Wilh. Volz p. ex. 1819, r. ex. 
1821, p 1824, tit. or 1848, tit. Pr 1851, f 2. Febr. 1857. Nebeii 



Cr am er, Die filtest. Realscluil. n. Ucallehrerprüf. in Württ. X03 

diesen Lehrern, die teilweise anch am Gymnasium unterricliteten, 
erteilten auch verschiedene Lehrer des Gymnasiums Unterricht an 
den Realklasseu. Von der Ebiiig^er Realschule sind mir nur zwei 
Lehrer bekannt: der S. 27 genannte Joh. Jetter r 1805—1808, 
p. ex. 1808, p Aalen 1808, Reutlingen (III) 1815, tit. op 1831, 
pens. 24. Okt. 1854. Georg Friedr. Öhler, der sogar erster r 
lieisst, 1809—1814, p daselbst 1814, pens. 1. Juli 1851, f 7. März 
1851. Er erhielt 25. Febr. 1851 die goldene') Zivilverdienstmedaille. 
Offenbar war diese Ebinger Realschule nicht staatlich^), sondern 
vielleicht mit der deutschen Schuh; verbunden. Erst 1830 wurde 
die seit 1791 bestehende k Stelle der Lateinschule in eine provi- 
sorische r Stelle verwandelt und 1838 definitiv. Der letzte k der 
Lateinschule, Joh. Jak. Rominger, 1805—1829, f 9. Sept. 1829, 
heisst ,zugleich Lehrer der Realklasse'. In Nürtingen bestand eine 
einklassige Bdrger- oder Realschule seit 1783, die 1796 zweik lassig 
wurde. Der Name Bürgerschule wie die Person des ersten Lehrers 
scheint darauf hinzuweisen, dass die Schule ein Anhängsel der Volks- 
schule war. Die untere Stelle versah von 1783—1825 Georg Friedr. 
Ettensperger, zugleich Knabenschulmeister, f 1825, Nachfolger 
unbekannt. Die obere hatte Georg Thomas Bach (s. S. 27) inne 
1796—1815, p. ex. 1807, Pfarrer Möttlingen 1815, Neckartenz- 
lingen 1824, f 4. Nov. 1837. Seine Nachfolger waren Christian 
Friedr. Hiller 1815, f 24. März 1817, sodann Johann Schäffle 
(k. ex. 1812?] 1817, f 1. Nov. 1839. 

Zu diesen drei Realschulen kamen nun in den beiden 
ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts noch einige 
weitere. In Biberach wurde eine Realklasse errichtet 1811; 
Lehrer war Joh. Konr. Krals 1811, Konrektor 1813, pens. 27. Okt. 
1828, t 26. April 1835. In Blaubeuren werden sogar zwei Real- 
lehrer erwähnt: Christoph Gottlieb Stahl heisst k und erster r 
1809-1811; r. ex. 1 608 (S. 27), k Balingen 1811, A. A. entl. 26. Mai 
1822. Christoph Gottlieb Pfleiderer Knabenschullehrer und zweiter 
r 1809, erster r daselbst 1813, p. ex. 1820, p daselbst 1820, theol. 
ex. 1836, diaconus daselbst 1836, Pfarrer Schwaikheim 1843, 
Warmbronn 1850, f 1865. In Hall wird eine Realklasse 1811 

*) Ein wesentlicher Fortschritt gegenüber dem Anfang des Jahr- 
hunderts: Georg Friedr. Mezger, Priiz. Marbach, erhielt bei seinem 
öCjahrigen Dienstjubiläum 2. Mai 1813 noch die silberne. 

*) Daher auch diese beiden Lehrer nicht aufgeführt im Verzeichnis 
der Kbinger Reallehrer, s. Neues Korrespondenzblatt 1896 S. 203. 



104 Cr am er, Die ältcst. Kealschul. u. Ucallehrerpi-ttf. in Württ 

erwähnt, eingegangen 1817; Näheres unbekannt. In Liidwigfsbur^ 
heißet Joh. Gottlieb Biber 1802 „Lehrer der lebenden Sprachen 
und der Mathematik an der neuerrichteten Realschule^' ; tit. p 180B, 
tit. Pr 1817, Rektor des Lyceums 1838, pens. 22. Aug. 1842, 
f 30. Aug. 1848. Weiteres über diese Gründung unbekannt. In 
Ravensburg erscheint Leop. Roch kpl ad S. Franc, als Pr und r 
1804—1820; Konviktsdir. und St-Pf. Tübingen 1820, f als P^- 
Ahlen 30. Juni 1854; ebenso seine Nachfolger Joh. Bapt. Zipfehli 
pkpl und r 1821—1829, Pf. Nasgenstadt 1829, Dekan Oberndorf 
1833, Pfarrer Mühlhausen 1844, f 13. Febr. 1859. Joh. Georg 
Em er pkpl und r 1829—1836, Dekan und Pf. Eybach 1836, 
Deggingen 1845, Dürmentingen 1859, f 29. Juni 1882. Ausser 
diesen katholischen Lehrern heisst auch M. Joh. Aug. Bei gel 
p und r 1820, Rektor daselbst 1830, Dekan daselbst 1843, f 1862. 
In Reutling^en wurde 1810 eine realistische Parallelklasse errichtet: 
Lehrer war Adam Friedrich Krimmel 1810 (1815 noch genannt, 
1822 nicht mehr). In lim wurden 1811 zwei realistische Klassen 
errichtet. Lehrer der unteren war David Rau p 1811, f 3. Mai 
1833, der oberen Jak. Kuttler p 1811, f 18, Febr. 1830. End- 
lich wird in Wildbad, wo 1809 die Lateinschule aufgehoben wurde, 
ein r Seeger erwähnt, f 1844, wohl auch Volksschullehrer ; die 
Re^ilschule wurde erst 1844 errichtet. 

Durchmustert man diese Liste der ältesten realisti- 
schen Lehrer, so fällt auf die Verschiedenheit des Titels, 
die geringe Anzahl der angegebenen Prüfungen, sowie die 
Verschiedenheit der Vorbildung, letzteres namentlich bei den 
Stuttgarter Lehrern. Was den Titel anlangt, so scheint ursprüng- 
lich, entsprechend dem, dass die Realklasseu aus den humanistischen 
herausgewachsen sind, der Titel p üblich gewesen zu sein, während 
vielleicht in den Gemeinden, wo von Anfang an die Realschule an 
die Volksschule angegliedert war, für die neue Einrichtung auch 
gleich der neue Titel r aufkam. Für die beiden andern Punkte 
fuhren wir zur Erklärung aus Dom^) an: „Besondere Einrichtungen 
für die Heranbildung von Lehrern waren nicht getroffen. Das Studium 
der Theologie schien die Befähigung zum Lehramt mit sich zu 
bringen. Manche Stellen wurden mit Autodidakten aus dem Volks- 
schullehrerstand besetzt. Die Prüfungen wurden mit jedem 
einzelnen Kandidaten vorgenommen, je nachdem er um eine 

') a. a. 0. Ö. 526 und 527. 



Berichtigung. — Litterarischer Bericht. 105 

Lelirstelie sich bewarb oder zu einer solchen schon erwählt war^). 
Erst 1828 wurde eine Verfügung erlassen betreffend Prüfung der 
Lehrer an Real- und Lateinschulen, Gymnasien und Seminarien, 
wodurch eine gemeinsame („konkursweise") Prüfung der Kan- 
didaten in bestimmten Zeitperioden angeordnet wurde." Aus diesen 
Verhältnissen erklärt es sich, dass die Prüfungen am Anfang 
des vorigen Jahrhunderts nicht im Regierungsblatt veröffent- 
licht wurden wie später, dass auch kein Verzeichnis über die- 
selben vorhanden ist, sondern höchstens aus alten Bewerberlisten, 
die wohl zum Teil nicht mehr da sind, die Namen der Kandidaten 
erhoben werden können. Die Vermutung auf 8. 27, dass' die Real- 
Ichrerprtifiing von 1808 die erste gewesen sei, kann also wohl zu- 
treffen; ebensogut aber ist möglich, dass vielleicht schon vorher 
(z. B. Jetter 1805) auf Reallehrerstellen geprüft wurde. Gewiss 
sind in den Registraturen unserer Anstalten noch manche Akten 
vorhanden, aus denen über jene Zeit sich Nachrichten gewinnen 
Hessen zur Vervollständigung der bis jetzt lückenhaften Kenntnisse, 
und auch der Herr Einsender des Artikels auf S. 27 könnte viel- 
leicht aus den erwähnten Memorabilia noch weitere Prüfungen vor 
1828 mitteilen und sich dadurch Dank erwerben. 



Berichtigung. 

Korrespondenzblatt Heft 1: 
Auf Seite 15, Zeile 1 von unten, muss es heisscn: 

^Zt.Z. und M.Z.^ statt „und M.Z." 
und auf Seite 18, Zeile 5 von unten, muss es heissen: 

„5"» 3» 44,1«^ statt „5^ i^ 44,1»". 

Prof. Saut er. 



Litterarisoher Bericht. 

Das Stilgesetz der Poesie. Von Dr. Theodor A. Meyer, Pro- 
fessor am ev.-theol. Seminar Schönthal. 231 S. Preis 4 Mk. 
Leipzig, S. Hirzel, 1901. 

^) Abgesehen von den katholischen Kaplaneien und den Hoheuloher 
Patronaten besteht ein Wahlrecht nur noch in Böblingen, Ehingen, 
Meidenheim, Leonberg, Pfullingen. 1802 hatten noch 24, 1822 noch 
19 Gemeinden dieses Privilegium odiosum. 



106 Litterarischer Bericht. 

Eine ,, Behandlung des Laukuon-Problems auf moderner Grundlage^ 
ist die Aufgabe, die der Verfasser in kritischer Auseinandersetzung 
mit Lessing und Friedrich Vischer zu lösen unternommen hat. Man 
wird dem Verfasser die Anerkennung nicht versagen, dass er mit heissem 
Bemühen und mit einem durchgebildeten künstlerischen Urteil sich lu 
das Problem eingearbeitet hat und in seinem Werk ein ausgereiftes 
Erzeugnis gründlichen und nllseitigen Nachdenkens über den Gegen- 
stand darbietet. Es wäre vielleicht richtiger gewesen, den Titel des 
Buchs anders zu fassen. Denn was dieses bietet, ist teils mehr als 
der Titel erwarten lässt, sofern der Verfasser die andern Künste nicht 
bloss zum Vergleich heranzieht, sondern zum Gegenstand eingehender 
Untersuchungen macht, teils bleibt es auch wieder dahinter zurück, da 
nicht sowohl Normen für die dichterische Darstellung und deren An- 
wendung auf [die einzelnen Dichtungsarten in einheitlichem Zug ent- 
wickelt, als vielmehr die Voraussetzungen fiir solche Normen aufgesucht 
und erörtert werden unter Heranziehung vieler und instruktiver Bei- 
spiele, die zur Erhärtung der Grundgedanken dienen. Die beiden 
Faktoren, aus denen sich der Inhalt des Buchs zusammensetzt, sind 
formell nicht ganz ausgeglichen: auf der einen Seite abstrakte Ge- 
dankengänge, deren positiver Ertrag nicht ohne Mühe herausgestellt 
und festgehalten winl, auf der andeni Seite ein Verständnis- und liebe- 
volles Eingehen auf die konkreten Erscheinungen der Kunst, eine 
kongeniale Würdigung bedeutender Kunstwerke, wie sie nur dem mög- 
lich ist, der mit offenem und gesammeltem Sinn dem Zauber dieser 
>Verke sich hingegeben und nachschaifend sich in sie eingelebt hat. 
Es ist deshalb schwer, in kurzen' Zügen das Wesentliche des Inhalts 
zu skizzieren, und gerade den Partien gegenüber, die den Leser un- 
mittelbar fesseln und erfreuen, muss darauf verzichtet werden. 

Im Gegensatz zu Vischer führt der Verfasser aus, dass das Lebens- 
element der Poesie die Anschauung (= Immanenz des Gehalts in der 
sinnenffilligen Erscheinung) nicht ist und nicht sein kann, weil ihr 
Mittel in Worte gefasste, rein gedankenhafte Vorstellungen sind, die. 
ob sie auf einem anschaulichen Untergrund ruhen oder nicht, jeden- 
falls selbst keine Anschauung geben und, wenn sie sie gäben, in 
ihrem raschen Vorübereilcn keine Zeit Hessen, die etwa durch sie an- 
geregten Anschauungen wirklich zu vollziehen; Lessing gegenüber zeigt 
er, dass zwischen den Worten als den zufälligen, d. h. nicht durch die 
Natur des bezeichneten Gegenstands geforderten Lauten oder Laut- 
komplexen und den durch sie ausgedrückten Vorstellungen zu unter- 
scheiden ist und nur das Wesen der letzteren für die Auffassung der 
Poesie massgebend sein kann, weshalb aus der zeitlichen Aufeinander- 
folge der W^'irter nicht auf die Unmöglichkeit, Gleichzeitiges in der 
Poesie wiederzugeben, geschlossen werden darf; sie giebt es nur nicht 
in der Form der Gleichzeitigkeit, aber .so, dass sie die aufeinander- 



Litte rarischer Bericht, 107 

folgenden Vorstellungen zu einander in Beziehung setzt und so Einheit 
des Inhalts erzielt. Das Material, mit dem die Poesie arbeitet, ist der 
in der abgekürzten Form der Sprache angeeignete und festgehaltene 
seelische Niederschlag des vom Menschen äusserlich und innerlich Er- 
lebten, ihr Büttel die Sprache, durch die das jeweils Charakteristische 
früherer Bewusstseinsvorgänge herausgehoben wird und zwar auch 
da, wo sich diese auf Sinnliches beziehen, ohne Rücksicht darauf, ob 
und wie sich das als charakteristisch Herausgehobene in eine Voll- 
anschauung einfügt. Die Kunst der Poesie besteht darin, dass sie die 
Eindrücke, die das Erlebte zurückgelassen hat, in wirkungsvolle Be- 
ziehungen setzt, durch die seelisches Leben teils unmittelbar teils als 
Ursache oder Wirkung äusserer Vorgänge und Umstände zu einheit- 
lichem und kräftigem Ausdruck gebracht wird; die seelischen Kräfte, 
an die sich die Poesie wendet, sind die Empfindung und das Gefühl 
als die Organe der Aneignung des Lebensgehalts in seiner sachlichen 
Bedeutung und in seiner subjektiven Rückwirkung auf das Gemüt 
dessen, der jenen Gehalt nacherlebt. Der vollste und unmittelbarste 
Eindruck des Nacherlebens wird durch kausale Verknüpfung, also in 
der Form der Handlung, erzielt; diese ist demnach allerdings der zwar 
nicht einzige, aber wichtigste Gegenstand der poetischen Darstellung, 
sie ist es aber nicht wegen ihres successiven, sondern wegen ihres 
kausal bestimmten Charakters. 

Diese Grundgedanken erweisen sich in der That als fruchtbar; sie 
bieten dem Verfasser das Leitmotiv für eine lichtvolle Behandlung 
verschiedener Probleme, die teils auf den Grenzgebieten der Poetik 
liegen in dem Verhältnis der Poesie zur Musik und besonders zu den 
bildenden Künsten, wo namentlich die Lehre vom fruchtbaren Augen- 
blick eine dankenswerte Richtigstellung erfährt, teils das Wesen der 
Poesie unmittelbar berühren, so die Berechtigung und die Schranken 
der Mimik, der Grund und das Mass der Bedeutung, die die Illusion in 
der Poesie hat, das geschichtliche, also relative Recht und das sach- 
liche Unrecht des Naturalismus. Aber man kann das anerkennen und 
doch bezweifeln, ob der Verfasser wirklich, wie er glaubt, für die 
Poetik eine tragfähige Grundlage geschaffen hat : wertvolle Beiträge 
zu einer solchen gewiss, aber zu einer Gnindlage, auf der das Gebäude 
unmittelbar als Ganzes aufgeführt werden könnte, gehört doch wohl 
auch, dass sie einen einheitlichen und vollständigen Grundnss erkennen 
lässt; für einen solchen fehlt es aber wenigstens nach dem Eindruck 
des Rezensenten an zweierlei, an einer von einem bestimmten Gesichts- 
punkt aus durchgeführten Disposition und an einer konkreten Aus- 
gestaltung des Inhalts, der gerade in den das Wesen der Dichtkunst 
beä-effenden Partien — abgesehen von der Würdigung der zur Illu- 
stration herangezogenen Dichterstellen ~ doch über Allgemeinheiten 
vielfach nicht hinauskommt. Der Verfasser liefert viel brauchbares, 



108 Litterarischer Bericht. 

zum Teil auch fein bearbeitetes Material, aber er gleicht mehr dem, 
der es erst herbeischaift, als dem Baumeister, der endgültig über die 
Gestalt, in der, und den Ort, an dem es Verwendung finden soll, 
bestimmt. % 

Cannstatt. Th. Klett 



Geschichte von Württemberg in Wort und Bild. Gemelnfass- 
lieh dargestellt von C. Belach ner. 20 Lieferungen a 50 l*f. 
Stuttgart, Zeller & Schmidt. 

Nach der ersten Lieferung, die allein vorliegt und die Urzeit, die 
römische Herrschaft, die freien Alamannen oder Schwaben behandelt, 
scheint man es, nach den beigegebenen Abbildungen zu schliessen, mit 
einer Neubearbeitung der Hansel mann sehen illustrierten Geschichte von 
Württemberg zu thnn zu haben. Dieser sind sämtliche Abbildungen 
im Text — bis auf die Steinersche Karte des Heidengrabens und den 
Rottweiler Orpheus nach Panlns — der Reihe nach entnommen, ohne 
dass der Versuch einer stärkeren Heranziehung des heimischen Materials 
für die Urzeit (schweizer. Pfahlbaufnnde sind z. B. wiedergegeben) un«! 
besseren Auswahl aus der römischen Zeit gemacht ist Der Abnoba- 
altar ist u. a. ganz ungenügend wiedergegeben und es sind auch nicht 
die ungenauen Fundnotizen nach Hang und Sixt korrigiert. Der ala- 
mann. Zeit sind gar keine Abbildungen beigegeben, wie sie auch bei 
Hänselmann fehlen. Aus dem ganzen Werk ist eine Anzahl Vollbilder 
beigeheftet, das prächtige Ghromobild des Werks, von Gloss, das 
Stammschloss Württemberg, die Bilder der Majestäten, 3 Darstellungen 
aus dem XIV.. XVIII., XIX. Jahrhundert und noch 2 Wiederholungen 
aus Hänselmann. 

Dass der Hänselmannsche Text einer gründlichen Umarbeitung 
bedurfte, ist ohne weiteres zuzugeben; es ist, abgesehen von leichten 
Anlehnungen, vom Verfasser ein völlig neuer Text ausgearbeitet wor- 
den. Dabei sei die anschauliche Schilderung und vor allem der grosse 
Fleiss in der Zusammentragung rühmend anerkannt, wie auch die 
Hauptsachen richtig hervorgehoben werden. Dass die Feder des Ver- 
fassers indes nicht aus der vollen Kenntnis des bewährten Historikers 
schöpft, ist freilich nicht zu verkennen. Aus der Urzeit werden Höhlen- 
t^ewohner, Pfahlbauten, Ringwälle, Grabhügel behandelt, Hochäcker, 
Wohngruben, Festlandssiedlungen (cfr. die Funde bei Grossgartach) 
übergangen, kein Versuch gemacht, in die Urzeit bestimmtere Einschnitte 
nach den Funden zu machen. Dass die Pfahlbauern Kelten gewesen, 
ist doch nicht mehr so ganz unbestritten. Hochstrassen sind nicht be* 
handelt, dafür wird ein (wo nachweisbarer?) länder- und völkerverbin- 
dender Strassenzug von Asperg über Stuttgart aus Mittelmeer genannt. 
Ähnliche Lücken weist die Behandlung der röm. Herrschaft auf. Hier ist 



Litterarischer Bericht. 109 

nur der äussere Limes genannt, die rät. Mauer vom germanischen Wall 
nicht unterschieden, überhaupt die Entwicklung nicht gegeben. Ein 
Pfahldorf bei Lorch am Limes giebt es nicht (so auch bei Hänselmann, 
vielleicht verwechselt unt Alfdorf, das aber heute nicht mehr am Limes 
liegt). Bei Rottenburg werden vorgeschobene Kastelle auf beiden Ufer- 
seiten zum Schutz der Stadt erwähnt, die der neuen Oberamtsbeschreibung 
unbekannt sind. Die Anfänge des Weinbaus werden schwerlich mit 
Recht der röm. Periode zugeschrieben. Die Zeit der Alamannen, deren 
genauere Kenntnis dem Rezensenten ferner liegt, scheint zuverlässiger 
behandelt. Hier hat sich der Verfasser mit Recht zum Teil an Stalin 
und enger an Weller (Württ. Vierteljahrsheft 1894 und 98) angelehnt. 
In der Darstellung der Alamannenkriege ist der Kaiser Maximinianus 
statt Maximinus genannt (? Druckfehler). Reihengräber sind bis jetzt 
nicht genannt, die Kulturschilderung ist nicht so vollständig wie bei 
Stalin (Bissula hätte auch erwähnt werden dürfen). Ob in der Bluse 
unserer Fuhrleute wirklich bis heute ein Stück der alamannischen Tracht 
erhalten geblieben ist, wagt der Rezensent nicht zu entscheiden. 

Dabei soll nicht geleugnet werden, dass viel Fleiss auf die Zusammen- 
stellung verwendet wurde und immerhin ein Fortschritt gegen Hänsel- 
mann erzielt ist, so dass das gemeinf assliche Werk xal &^ nicht un- 
geeignet scheint, anzuregen und die Liebe zur angestammten Heimat 
zu pflegen, die Jetzt mit der Giiindung des Deutschen Reichs ihren 
AuBcbluss und Rückhalt für immer gefunden hat^^ 

Stuttgart. Richter. 

Dr. Albert Yogelmanns Vermächtnis. Eines Lelirers Leben^ 
Lieben and Leiden, überliefert von Dr. J. E. Schermann. 
Mit 2 Bildern und Faksimile. München, Verlag von Hermann 
Kitz, 1902. 
Das Lebensbild eines Mannes, dessen Ringen und Streben in guten 
und in schlimmen Tagen als leuchtendes Beispiel stets nur auf die 
edelste Lösung der Lebensaufgabe gerichtet war, wird sicherlich von 
vielen mit Freuden begrüsst werden, und besonders auch die Fach- 
genossen werden in der Lebensgeschichte eines der Ihrigen, der von 
frühen Jahren an bis zu seinem Ende das aUv dpiaxeueiv zu seinem 
obersten Prinzip gemacht hatte, eine willkommene Gabe erblicken. 
Wir werden deshalb dem Herrn Prof. Dr. Schermann in Ravensburg 
aufrichtigen Dank wissen für die oben angegebene Biographie seines 
Freundes, die er nach dessen Briefen, Studienpapieren, Aufsätzen und 
Programmen, meist mit den einfachen, schönen Worten ihres Verfassers 
selbst gezeichnet hat. 

Wir entnehmen aus dieser Schrift kurz folgendes : Vogelmann war 
am 28. Mai 1819 in Ellwangen geboren. Seit dem Jahre 18:15 war er 



1 10 Litterarischer Bericht. 

am Uyiunasium seiner Vaterstadt bis zum Jahre 1881 thätig, wo er 
hauptsächlich wegen Schwerhörigkeit um Versetzung in den Ruhestand 
nachsuchen musste. Als Pensionär lebte er noch 16 Jahre, bis 17. Mai 1898, 
und war als solcher bis zu seinem Tode mit schriftstellerischen Ar- 
beiten beschäftigt. 

Vogeimann war nach Verstand und Gemüt reich begabt, und seiner 
vielseitigen Anlage entsprechend umfasste seine Schaffensfreudigkeit 
die verschiedensten Gebiete. Sein Eifer gehörte vor allem seiner Berufs- 
wissenschaft, er war in allen Zweigen der Philologie wohl bewandert 
und hing mit Pietät an seinem Berufe. Hochinteressant sind seine 
Ideen über Wesen und Aufgabe der Philologie, über die Lehrerbildung, 
und nicht minder verdient seine ernste Auffassung der erziehenden 
Thätigkeit des Lehrers und seine Stellungnahme zu den einzelnen Schnl- 
fächem unsere Beachtung. 

Mit Wohlgefallen lernen wir seine Forderung schonender, milder 
Beurteilung der Schüler und überhaupt die Bethätigung seiner ofD^poouvt] 
in jeder Hinsicht kennen. 

Vogelmann war aber nicht nur Schulmann, sondern noch mehr ein 
Gelehrter im engeren Sinne des Wortes. Als solcher mahnt er seine 
jüngeren Kollegen zur Konzentration auf die Schuldisziplinen und em- 
pfiehlt wissenschaftliche Steckenpferde. Er selbst war allerdings viel- 
seitig; allein dies wurde ihm nur durch sein lange dauerndes Otium 
ermöglicht Er vertiefte sich in die deutsche Grammatik, erwarb sich 
Verdienste durch Forschungen zur schwäbischen Mundart, durch ein- 
gehende grammatische Studien, besonders im Griechischen, durch zahl- 
lose Obersetzungen und durch Bearbeitung von EUwanger Kirchen- 
hymnen. Sein liebstes und fruchtbarstes Arbeitsfeld aber war die 
Metrik, in der ihm anerkannte wissenschaftliche Leistungen zugeschrieben 
werden müssen. Auf dieses Gebiet wurde er auch durch sein hervor- 
ragendes musikalisches Können gelenkt, das er durch Komposition 
vieler weltlicher und kirchlicher Lieder bethätigte. In den Jahren 
seines Ruhestandes wandte er sich mit grossem Eifer der Lokalgeschichte 
seines lieben EUwangens zu. Seine bedeutendste historische Arbeit ist 
die Schrift: „Aus EUwangens Vergangenheit^. 

Das letzte Kapitel der Schrift bringt uns allerlei interessantes Detail 
Über Vogelmanns Anschauungen in bürgerlichen und privaten, sozialen, 
politischen und religiösen Zeit- und Streitfragen. 

Rottweil. Mock. 



Dr. J. Ziegler, Die M&dehenhochschttlea in Amerika. Eine 
Knlturstudie. VI und 66 S. Preis 1.20 Mk. Gotha, Thiene- 
uiaun 1901. 



Litterarischer Bericht. 111 

Seit der ersten Griindung im Jahre 1865 sind es der Mädchen- 
hochschulen in Amerika immer mehr geworden. Violc Taiisende junger 
Mädchen bringen dort ihre Jugendjahre zu — oft über das zwanzigste 
Jahr hinaus — , nicht um sich auf einen Beruf vorzubereiten, sondern 
einzig um ihrem Wissensdrang Genüge zu thun. Dadurch scheint diesen 
Hochschulen völlige Freiheit der Entwicklung gegeben. Aber sie ist 
teilweise wieder eingeschränkt durch das Bemühen, die Colleges für 
Mädchen auf derselben Höhe zu halten wie die Universitäten der männ- 
lieheu Studierenden. Welche Wege von Anfang an eingeschlagen 
wurden und wie sich gegenwärtig eine Wandlung zu vollziehen scheint, 
wird verständnisvoll und auf Grund eigener Beobachtungen geschildert. 
Dass die Entwicklung dieser Mädchenhochschulen auch für uns „unter 
allen Umständen lehrreich'' ist, muss unbedingt zugegeben werden. 
Und die deutsche Frauenbewegung, der die Darstellung zu Nutz und 
Frommen dienen soll, kann nur^ dankbar dafür sein. Schade, dass der 
Herr Verfasser sich bei ihrer Beurteilung weniger gründlich orientiert 
zeigt Es sollte ihm sonst nicht begegnen, eine ihrer Ursachen, den 
Konkurrenzkampf der Frau mit dem Mann, unter ihre Z i e I e zu rechnen. 

Stuttgart, Mathilde Planck. 



Wilkc; Anschauungsunterricht im Englischen und Franzö- 
sischen. Leipzig; Verlag von Kaimund Gerhard. 

Zu der in diesen Blättern in Nr. 9 des Jahrgangs 1901 erschienenen 
Besprechung genannter Werke ist, da Neuauflagen ausgegeben worden 
sind, eine Ergänzung am Platze. „Englisch'' von Dr. Wilke liegt 
nämlich in zweiter Auflage, „Französisch'* von Dr. Wilke und Prof. 
Denervaud für Heft I schon in dritter, II— IX in zweiter Auflage vor. 
Dieselben zeigen folgende dankenswerte Verbesserungen: 1. Das fran- 
zösische Wörterbuch ist bereichert worden durch Aufnahme neuer 
Wörter, Bezeichnung des Geschlechts der Substantive und Andeutungen 
über die Aussprache. 2. „Englisch'' ist bedeutend erweitert worden 
durch Aufnahme von acht Märchen wie in „Französisch". Jedes ein- 
zelne englische Heft entspricht nunmehr dem parallelen französischen. 
Es kann nach demselben Wandbild sowohl ,, Englisch" wie „Fran- 
zösisch** nach Wilkes Methode durchgenommen und behandelt werden. 
3. Die Ausgabe mit Bildern, die Rezensent erst jetzt zum erstenmale 
zu Gesicht bekam, weist im Vergleich zu dem an gleicher Stelle be- 
sprochenen Hein eschen Werke einen grossen Vorzug auf, denn an 
Stelle der kleinen schwarzen Glicht- Abdrücke sind kolorierte Ver- 
kleinerungen der bekannten Wandbilder getreten. 4. Berichtigimg von 
Druckfehlern. 

Man kann sich nun beschaffen : Einzelne Hefte der Heft ausgäbe 
ohne Bilder (8 Hefte ä 30 Pf. und Wörterbuch d 60 Pf.) oder mit 



112 Litterarisch er Bericht. 

Bildern (8 Hefte ä 4ö Pf. und Wörterbuch a 60 Pf.); oder Bandaus- 
gabe zu 2.30 Mk. incl. Wörterbuch, wozu die Bilder mit 1.40 Mk. 
Wilke — namentlich die Bilderausgabe — sei nochmals aufs wärmste 
empfohlen. 

Stuttgart. Schiele. 



Dr. Max Bernhard^ Darstellende Geometrie mit Eiiisehluss 
der Scliattenkoiistruktioueii. Leitfaden für den Unterricht 
an technischen Lehranstalten, Oberrealschulen und Realgym- 
nasien, sowie zum Selbststudium. Mit 229 Figuren im Texte. 
Preis ungeb. 4.60 Mk., geb. 5.20 Mk. Stuttgart, Heinrich 
Enderlen. 

Der Verfasser hatte bei Herausgabe des Lehrheftes, das er seinem 
Unterricht an der K. Baugewerkschule in Stuttgart zu Grunde legte, 
in erster Linie den Zweck im Auge, das Diktieren überflüssig zu machen 
und dadurch mehr Zeit zu schaffen für sonstige gründlichere Einübung 
des Lehrstoffes ; er hat es dabei verstanden, auf verhältnismässig kleinem 
Räume in durchweg klarer und erfreulich kurzgefasster Behandlungs- 
weise die wichtigsten Sätze und Aufgaben zusammenzustellen, welche 
für den angehenden Techniker in den genannten Fächern in Betracht 
kommen. Wenn das Buch auch zunächst auf die Bedürfnisse der Bau- 
gewerkschule und ähnlicher Lehranstalten Rücksicht nimmt, so ist doch 
die Behandlung des aufgenommenen Stoffes trotz aller Kürze so gründ- 
lich und wissenschaftlich gehalten, dass auch allen Anforderungen ge- 
nügt wird, die in dieser Beziehung an den Oberrealschulen und Real- 
gymnasien gestellt werden dürften; im Unterricht an diesen Anstalten 
würden allerdings wohl einige Kapitel besonders hinzugefügt werden 
müssen, z. B. die allgemeinen Kegel zweiter Ordnung, die übrigen 
Flächen zweiter Ordnung u. a. Die Einteilung des Buches ist eine ausser- 
ordentlich übersichtliche, die dem Texte beigedruckten Figuren sind 
auf das pünktlichste durchgearbeitet und die zinkographische Aus- 
führung ist eine äusserst scharfe und sorgfältige. Was die Bezeichnungs- 
weise betrifft, so will mir doch der Aufwand an Accenten und Indices 
etwas zu gross erscheinen, denn bekanntlich bilden diese beiden gerade 
im Schulbetriebc, und zwar im mündlichen wie im schriftlichen, eine 
Fehlerquelle, die bei unsern Schülern leider kaum zum Versiegen zu 
bringen ist^). 

^) Nebenbei bemerkt finden sich in den 6 Lehrbüchern der dar- 
stellenden Geometrie, die mir zufällig zur Hand sind, nicht weniger 
als 6 verschiedene Bezeichnungs weisen, wohl der beste Beweis dafür, 
dass vielfach Geneigheit besteht, von der Bezeichnung mehr Heil und 
Segen zu erwarten, als dieselbe zu bieten im stände ist, zumal wenn 



Litterarischer Bericht. 113 

Um das Buch -als möglichst selbständiges Ganzes erscheinen zu 
lassen, giebt der Verfasser im ersten Teile eine kurze Zusammenstellung 
derjenigea Sätze aus der Stereometrie, welche für die folgenden Ent- 
wicklangen nicht entbehrt werden können. Im zweiten Teil, der eigent- 
lichen Projektionslehre, geht der Verfasser schon beizeiten ^ur Dar- 
stellung von einfacheren Körpern über, was jedenfalls geeignet ist, 
bei den Schülern Interesse für das Fach zu erwecken. Des weiteren 
sind behandelt: die schiefe Parallelprojektion, an einem Beispiel auch 
die eigentliche (zentrale) Perspektive, die Haupteigenschaften der Kegel- 
schnitte, ebene Schnitte der Körper, Tangentialebenen an Kegel und 
Cylinder, Einführung neuer Projektionsebenen, Berührungsebenen an 
Umdrehungsflächen, sowie umschriebene Kegel und Cylinder an diese 
letzteren, die Schraubenlinie und die verschiedenen Schraubenflächen, 
Durchdringung von Polyedern und krummen Flächen in ziemlich reich- 
licher Auswahl. Zu begrüssen sind die allenthalben eingestreuten 
Übungsaufgaben; ganz besonders hervorzuheben sind die dem prak- 
tischen Bedürfnis des Technikers Rechnung tragenden Beispiele (Schnitt 
eines profilierten Pfeilers, schräg abgeschnittenes Tonnengewölbe, Kern- 
bogen, Winkelriementriebe, Durchdringung von Tonnengewölben, ver- 
schiedene Arten von Stichkappen etc.), welche aber wohl geeignet 
sind, auch das Interesse des Nichttechnikers zu beanspruchen, um so 
mehr als stets der wissenschaftliche Kern der Aufgabe genau fest- 
gehalten ist. Der dritte Teil, die Schattenlehre, behandelt die Kon- 
struktion von Schlagschatten eines Körpers auf die Grundebenen und auf 
andere Körper, sowie der Beleuchtungsgrenzen für verschiedene Körper, 
insbesondere für Umdrehungskörper die sogenannten 8 wichtigsten 
Punkte und die beiden Verfahren mittels berührender Kegel und Kugeln 

Vermöge seiner ganzen Anordnung und Durchführung wird das 
Buch gewiss von vielen mit Freuden begrüsst werden und kann den 
Schülern und den verschiedenen Kandidaten zur Repetition und zur 
Vorbereitung auf Prüfungen bestens empfohlen werden; auch der Lehrer 
wird sicherlich manche Anregung zu neuen Aufgaben und neuen Zeichen- 
blättern darin finden. 

Stuttgart. Blum. 

Himmelsglobus. Von H. Alb recht. Preis mit vollständiger Aus- 
rüstung 50 Mk. Berlin, Verlag von Ernst Schotte & Cie. 
In diesem neuen Himmelsglobus ist für den Unterricht in der mathe- 
matischen und astronomischen Geographie ein ausgezeichnetes Lehr- 

wie bei unseren realistischen Lehranstalten ein halbes Dutzend mathe- 
matischer Disziplinen nebeneinanderher behandelt werden müssen, die 
doch nicht allzusehr in ihren Bezeichnungen miteinander in Konflikt 
geraten sollten. 

Neues KorreBpoudcnKblatt 1902, Heft 8. 



114 Litterarisoher Berioht. 

mittel geschaffen worden. Ich glaube daher, manchem meiner Herrn 
Kollegen, die in uiathematiseher Geographie und sphärischer Trigono- 
metrie zu unterrichten haben, einen Dienst eu erweisen, wenn ich auf 
diesen Himmelsglobus aufmerksam mache. 

Bei der Herstellung desselben wurde die Natumaehahmung in mög- 
lichst vollständiger Weise erstrebt, indem zur Darstellung des Sternen- 
himmels auf dem 33 cm im Durchmesser messenden Globus ein dunkel- 
blauer Grund gewählt wurde, auf dem sich die Sterne in Gestalt 
weisser kreisförmiger Scheibchen in genügend grosser Entfernung noch 
wirksam abheben. Die Sterne erster bis fünfter Grösse haben sämt- 
lich Aufnahme gefunden, während von denen sechster Grösse zur Ver- 
meidung einer Oberladung nur eine beschränkte Zahl aufgenommen 
wurde. Auch von figürlichen Darstellungen der Sternbilder wurde 
abgesehen. Die einzelnen Gruppen sind durch rotpunktierte Linien 
voneinander getrennt Von den wichtigsten Himmelskreisen sind der 
Äquator, die zwei Wendekreise, die Ekliptik und die 24 Stnndenkreise 
ebenfalls rot eingezeichnet. Die Himmelskarte ist sorgfältig bearbeitet 
und die zweckmässige wohldurchdachte Ausrüstung des Apparats ver- 
dient alle Anerkennung. 

Die Himmelskugel ist mit den Enden ihrer Achse in einem 
graduierten Meridianring aus Messing befestigt. Die eine Hälfte 
der Gradeinteilung hat ihren Nullpunkt im Äquator und dient zur Ab- 
lesung der Deklination, die andere im Pol und dient zur Einstellung 
des Globus für die Polhöhe des Beobachtungsorts. Der Meridianring 
wird in der senkrechten Lage festgehalten durch zwei in der Süd- 
Nordlinie gelegene Einschnitte des Horizontrings und eine im Fusse 
eingeschnittene Nute. Durch Drehung des Meridianrings in diesen 
drei Einschnitten lässt sich der Himmelskugel jede beliebige Stellung 
zum Horizont geben. 

Ein zweiter Hauptteil der Ausrüstung ist der Horizontring, der 
mit dem Fuss fest verbunden ist und den Globus in Gestalt einer ring- 
förmigen Platte umgiebt. Seine Oberfläche liegt in der Ebene des 
wahren Horizonts und trägt drei Kreiseinteilungen. Die innerste Grad- 
einteilung dient zur Bestimmung der Morgen- und Abend weite und des 
Azimuts. Die mittlere enthält die Einteilung der Ekliptik in 860^ und 
in die 12 Zeichen des Tierkreises. Die äussere Einteilung enthält den 
astronomischen Kalender. Die Dicke des Horizontrings ist so gewählt, 
dass seine untere Fläche zugleich die Zone der bürgerlichen Dämmerung 
(6V»^) begrenzt. Die Grenze für die Zone der astronomischen Däm- 
mening (18^) ist durch einen Drahtkreis angedeutet, der unten am 
Horizontring befestigt ist. 

Ein weiterer Gegenstand der Ausrüstung ist der Höhenquadrant, 
ein aus Kupfer bestehendes, leicht biegsames, schmales Lineal mit der 
Einteilung des Aquatorquadranten. Dasselbe dient als Ersatz für den 



Lftterariscber Bericht. 115 

auf dem Globus unbrauchbaren Zirkel und zur Messung der Höhe 
eines Gestirns. Endlich ist noch zu erwähnen die Stundenscheibe, 
eine in 24 gleiche Teile eingeteilte Scheibe aus Kupfer an den zwei 
Polen, mittels der man den Umdrehungswinkel des Globus messen 
kann und der Kompass, der aus seiner geschützten Ruhelage unter 
der Säule des Fusses herausgezogen werden kann und zur richtigen 
Einstellung des Horizontrings in Bezug auf die Himmelsrichtungen 
dient 

In einer Schachtel sind noch Papierscheibchen beigegeben, die sich 
an dem Globus befestigen lassen und mittels deren man die jeweiligen 
Stellungen der Sonne, des Mondes oder der Planeten bezeichnen kann. 
Ausserdem gehört zu dem Globus noch die von H. Albrecht verfasstc 
Schrift (auf 63 S.) : ^Der Himmelsglobus tind seine Anwendung. 
Dieselbe behandelt in überaus klarer Weise die Orientierung und Ein- 
stellung des Himmelsglobus und die Darstellung der scheinbaren Be- 
wegung der Himmelskörper. Darauf folgen 34 lehrreiche astronomische 
Aufgaben, die mit Hilfe des Himmelsglobus sich leicht auf mechanischem 
Wege lösen lassen. Dieselben beziehen sich teils auf die Himmels- 
körper überhaupt, teils auf die Sonne, auf den Mond und die Planeten, 
teils auf die Bewegung der Himmelskörper über fremden Horizonten. 
Ein Kapitel über den Himmelsglobus als Mittel zum Kennenlernen des 
Sternenhimmels, Erklärungen der hauptsächlichsten in der sphärischen 
Astronomie vorkommenden Ausdrücke in alphabetischer Keihenfolge 
und einige recht brauchbare Tabellen bilden den Schluss dieser ge- 
lungenen Schrift 

Mit dieser Ausrüstung ist der Himmelsglobus ein vorzügliches Mittel, 
die astronomischen Grundbegriffe zu befestigen, auf die Beobachtungen 
am Himmelsgewölbe in der Natur vorzubereiten und die Fixsterne und 
Sternbilder kennen zu lernen. Dies wird noch besonders dadurch er- 
möglicht, dass man mittels des Himmelsglobus die richtige Lage der 
Himmelskugel zum Horizont für jeden Beobachtungsort und für jeden 
beliebigen Zeitpunkt nach Tag und Stunde genau darstellen kann. Auch 
lassen sich eine ganze Reihe von Aufgaben aus der mathematischen 
Geographie, die sonst nur durch trigonometrische Rechnung gelöst 
werden können, auf mechanischem Wege leicht und schnell lösen und 
wenn auch die Resultate lange nicht so genau sind, wie die durch 
Rechnung gewonnenen, so wird doch die Genauigkeit meistens aus- 
reichen. Auch können die Lösungen auf mechanischem Wege als 
Kontrolle für die Resultate der Rechnung dienen. 

Stuttgart. Huwald. 



116 Litterarischer Berieht. 

Zondervan, Allgemeine Kartenkunde. (X und 210 8.) Leip- 
zig; Teubner^ 19Q1. 

Was gewöhnlich von neuen litterarischen Erscheinungen behauptet 
wird, aber gar manchmal nicht den Verhältnissen entspricht, das scheint 
uns in der That von dem vorliegenden Buche zu gelten: es f&llt eine 
Lücke in unserer Schulbücherlitteratur aus. Nachdem in den letxten 
Jahrzehnten nicht nur die Geographie als Wissenschaft auf eine weit 
höhere Stufe gehoben und nahezu vollständig zu einem naturwissen- 
schaftlichen Fache geworden ist, sondern auch der geographische Schul- 
unterricht andere Bahnen eingeschlagen, andere Methoden angewendet, 
und sich vor allem mit anderen, weit besseren Hilfsmitteln versehen 
hat, so muss dem Gcogri^)hielehror daran liegen, sich über das, was 
zu seinem wichtigsten Hilfsmittel, der geographischen Karte, nach dem 
heutigen Stande der Wissenschaft gehört, rasch und gründlieh orien- 
tieren zu können und in der Lage zu sein, ein selbständiges Urteil 
über das ihm vorliegende oder von ihm anzuschaffende Kartenmaterial 
zu fällen. Hiezu giebt nun Zondervan eine sehr zweckmässige, alle 
wesentlichen Punkte berücksichtigende Anleitung. 

Er beginnt mit einem interessanten historischen überblick über 
die Entwicklung der Kartenlehre und Kartentechnik, der, auch ab- 
gesehen von dem rein geschichtlichen Interesse, das er euiflösst, des- 
wegen von praktischer Bedeutung ist, weil er uns zeigt, auf welchem 
Wege wir eigentlich zum heutigen Stand der Kartographie gelangt sind, 
wie demgcmäss dieser zu beurteilen ist und nach welchen Richtungen 
hin die Herstellung der Karten, und besonders der Schulkarten, noch 
weiter vervollkommnet werden soll und kann. Sodann wird unter 
spezieller Berücksichtigung der deutschen Verhältnisse das Wesent- 
lichste aus der Topographie und der Kartenprojektionslehre abgehandelt; 
weiterhin wird die Situations- und Terrainzeichnung mit ihren ver- 
schiedenen Methoden im einzelnen besprochen, woran sich die Schil- 
derung der wichtigsten kartographischen Vervielfaltigungsverfahren 
anschliesst Ein Kapitel über das Messen auf Karten und über Karten- 
kritik und ein speziell den Schulkarten gewidmetes Schlusskapitel ver- 
vollständigen das Ganze. 

Wir empfehlen die Arbeit Zondervans im Interesse der Sache der 
Beachtung der Herren Kollegen, die Geographieunterricht zu erteilen 
haben. Einzelne kleine sprachliche Unebenheiten, die ihren Ursprung 
wohl der Übertragung aus dem Holländischen verdanken, werden sich 
bei einer zweiten Auflage, die nicht ausbleibep wird, leicht beseitigen 
lassen. 

Stuttgart J a e g e r. 



Litterarisoher Bericht 117 

Meiiiholds Wandbilder für den Unterricht in der Zoologie. 

XX. Liefemng. (5 Blätter nach eigener Wahl 5 Mk., mit 
Leinwandrand nnd Ösen 6 Mk; einzelne Blätter 1.20 Mk. 
bezw. 1.40 Mk.) Meinhold, Dresden. 

Von dem vorteilhaft bekannten Meinholdsehen Bilderwerk liegen 
fünf neue Blätter vor (96 Mäuse, 97 Schwanzlurche, 98 Lachs, 99 Enten, 
100 Eulen). Das Format dieser Bilder ist, wie bei den seitherigen 
Lieferungen derart, dass auch in grösseren Klassen die Einzelheiten 
noch von den entfernteren Plätzen aus deutlich gesehen werden können. 
Die für den Unterricht wichtigen charakteristischen Merkmale in Bau, 
Farbe, Körperhaltung u. drgl. sind gebührend hervorgehoben; bei den 
Salamandern und dem Lachs sind die Entwicklungsstadien, bei den 
Mäusen der Schädel und das Gebiss in anschaulicher Weise dargestellt. 
Eine angemessene Staffage belebt die Bilder. 

Es ist anerkennenswert, dass sich die Verlagsbuchhandlung nicht 
nur die möglichst vollkommene künstlerische Ausführung der neuen 
Bilder angelegen sein lässt, sondern auch auf die entsprechende Um- 
arbeitung der älteren Tafeln bedacht ist; in letzterer Beziehimg ver- 
dienen z. B. die Blätter „Tiger" und „Fuchs" hervorgehoben zu werden. 

Noch mag bemerkt werden, dass für die im gleichen Verlag er- 
schienenen ,.20 Bilder zur biblischen Geschichte" der Preis von 12 auf 
6 Mk., für die ,,80 Bilder zur deutschen Geschichte" von 18 auf 9 Mk. 
herabgesetzt worden ist; hiedurch wird die Anschaffung dieser Bilder- 
sammlungen, von denen besonders die letztgenannten vielfach zur Unter- 
stützung und Belebung des Unterrichts dienen kann, wesentlich er- 
leichtert 

Stuttgart. J a e g e r. 



Antiquariats-Katalog 40, Pädagogik. 3695 Nummern. Giessen^ 
J. Rickersche Universitätsbuchhandlung, 1901. 

Antiquariats-Kataloge sind geeignet, dem fern von öffentlichen 
Bibliotheken Arbeitenden deren Kataloge zu ersetzen. So möge auch 
hier einmal ein solcher kurz empfohlen werden, zumal er den pädago- 
gischen Teil der Bibliothek des Mannes enthält, der lange Zeit das höhere 
Schnlweson Preussens leitete, L. Wiese, dazu die Bibliothek von 
J. Chr. G. Schumann aus Trier und was von Jürgen Bona-Meyers 
Beständen noch übrig war. Wer über irgend eine Frage des Schul- 
oder Unterrichtwesens Aufschluss wünscht, findet hier das Material 
bequem beisammen ; z. B. unten 8187 ff. 200 Bände deutscher Lesebücher 
für höhere und niedere Schulen ; neben Neuerem auch Altes, z. B. ein 
Teutsch-Lateinisches Wörterbüchlein zum Nutz und Ergötzung der 
Schuljugend zusammengetragen und mit 6000 darzu dienlichen 



118 Neu erschienene Bücher. 

Bildern gezieret, aus Nürnberg 171B. In der Schulgeschichte ist 
Württemberg schwach vertreten. Im ganzen Katalog fand ich den 
Namen Lagardes kein einziges Mal. Eine Sammlung Von 5475 Pro- 
grammen ist mit 650 Mk. angesetzt. 

Maulbronn. Eb. Nestle. 



Neu ersohienene Bücher. 

Bei der greisen Men^^e der nnt sngehenden nenea Utterarieohea BreokeinniiMii 
ist es Tins unmöglich, jede im einxelnen xn besprechen. Die Titel der einlauf enaen 
BQcher, die wir sasnahmslos der Kohlhammerschen Verlagsbaohhandlnng in llbar- 
senden bitten, werden regelmAssig im nftohsten Hefte ▼erOffenilleht; auf SCek- 
sendung der nicht besprochenen Bttcher kOnnen wir nns aber nickt einlassen. 

Volk, Der Odenwald und seine Nachbargebiete. Stuttgart, Hobbing 

& Büchle, 1900. 
Hübler, Bayerisch Schwaben und Neuburg und seine Nachbargebiete, 

Ibidem. 
Eschner, Anschauungsbild zu Schillers Lied von der Glocke, nebst 

Erläuterung. Leipzig, Waohsmuth, 1901. 
Aschendorffs Ausgaben, 8 Bändchen: Klopstocks Messias, Lessings 

Laokoon, Goethes Hermann und Dorothea, Goethes Gtötz von 

Berlichingen, Schillers Jungfrau von Orleans, Sehillers Maria 

Stuart, Uhlands Herzog Ernst, Kleists Prinz von Homburg. 
Thieme, Leitfaden der Mathematik für Gymnasien. L und II. Teil. 

Leipzig, G. Freytag. 
Petit Yocabulaire Explicatif des Mots et Locutions Contenus dans le 

Petit Parisieu et dans en France. Par R. Krön. Karlsruhe' 

J. Bielefeld, Editeur. 
Krön, Stoffe zu französischen Sprechübungen über die Vorgänge und 

Verhältnisse des wirklichen Lebens. Jbid. 
Wasserzieher, Sammlung französischer Gedichte. I. und IL Teil. 

Leipzig, R. Gerhard. 
Wandsprüche für Schule und Haus. Grünstadt i. Pf., J. Schäffer. 
Weissenborn, Aufgabensammlung zum Obersetzen ins Griechische 

im Anschluss an die Lektüre von Xenophons Anabasis samt 

Wörterbuch. I. und IL Heft. Leipzig und Berlin, B. G. Teubner. 
Weissenborn, Aufgaben zum Obersetzen ins Griechische in engerem 

Anschluss an Xenophons Hellenika. I. und IL Heft. Ibid. 
Nechclput und Heuten. Recueil de Poömes a L'usage de L^öcole 

Allemande a Bruxelles. Ibid. 
Schenk, Lehrbuch der Geschichte für höhere Lehranstalten. Neuere 

Geschichte 1648—1888 und 1740—1888. Ibid. 
Messer, Die Reformbewegung auf dem Gebiete des preaasiBchen 

Gyinnasialwesens von 1882 bis 1901. Ibid. 



Anktndl^ngen. 119 

Zsm SemesterwMhsel ersoheiaen von 



Hummels 

Schul-Atlas 



Seytters 

Volksschul -Atlas 

nnd 

neue vermehrte und verbesserte Auflagen. 



Bntenr wird in seiner neuen, lieleita Auflage (41. bis 50. Tausend), 
leibeirbeitug von W. Seyttor, 17 lupt- und 28 lekikirtei auf 42 ftirtei- 
Mitoi von TergrSmertem Formal umfassen» darunter ausser verschiedenen 
vergrösserten Karten folgende gut leie Bllttor: 

DentBchlaiid. nebst Belgiei, liederliiiei und Lixembvg» je 1 Natur- 
und 1 Staatenkarte, jede zweiseitig, im lissiUk 1 : % lillioiei, 
grösser als sie irgend ein anderer Schulatlas enthält; 

DeatBchlandy Eiieibihikarte ; 

DentoehlaAdy ttMltgiieke ftirU; 

DeDtgehland, 2 Boieikiltnr- (Acker-, Wein- u. Bergbau) i. Iilistriekariei ; 

Ullier der Nord- und Ostsee; 

Mittelmeer-Lftnder^ zweiseitig ; 

Mittel-EoropS) zweiseitig, Massstab 1 : 10 Millionen (gleiche Grösse 
wie Diercke-Gäbler). 

Europa^ Iiltorkarfte« 

Preis wie früher (einschl. leimatikarte) : iür das einfach gebundene 
Exempl. 1 Mk. 20 Pf., fQr das in ibwisdiMrem Kiltto gebaileie Exempl. 
(haltbarster Einband, neu!) 1 Mk. 60 Pf. 

In seiner neuen Auflage wird Iimmel-Seyiten SekiUUai an Reich- 
haltigkeit, an Bedeutung des Inhalts für die Verkehrs- nnd Kultur- 
geographie, sowie an relativer Wohlfeilheit bei schönster Ausführung 
nnd gediegener Ausstattung alle anderen Atlasse übertreffen. 

n^ Wir bitten nun die Herren Leiter und FaeUekrer an kiherei 
Sckllfi, im besond eren auch den Liteii* und Realiekilei» die neue Auflage 
zu prüfen. ^H Exemplare iteben laek Brsekeinei zu Diensten. 



SeTtters TolkmehDl-Atlag, für den Elemeitar-Uiterriebt nicht minder 
vorzüglichen Stoff bietend, ermhrt gleichfalls in seiner neuen Auflage 
(41^ b is 50. Tausend) eine Vermebraig toi 4 Hiait- ai4 4 lebeikirtei, 
Wtl^ ^^B* Brkfbaig to Preiiee toi 50 Pfeiiig für das ungebundene (ge- 
heftete) Exemplar. Gebunden (kartoniert) 75 Pf. 



Wir empfeklei ingelegeiUieh die allgemeine Einftthrnng iiserer 
ftirteiwerke liebt nietet im Interesse der elnheimisohen Sehnle. 
All einiger ipeiiell kirUgnpkiscber Verlag ii WIrttemberg liid wir (Jetit 
lock) ii der Lage ud geielgt, den Forderungen des einheimischen 
Lehrplans Elnflnss auf unsere Atlasse elnanränmen — elie Vor* 
glutigiig, die eo ipio keli ioswärtlger Verlag bietei kaii — wenn nns 
die Lebrencbaft direk Einfihrnigei daii ii staid letit. 

Hobbing & Bfichie in Stuttgart. 



Vwlai »w 0. IL BEWUMP, U>pgt| ._ 

Preisermässigung. 

a.aO fDr Mk. 20— liefere ic 

cht: 

M. Tullii Ciceronis 

Opera quae eupereunt omnia 

ex receoBione 

I. C. OrellU 

Editio altera emendatior. [24 

Curavcnint 

I. Oasp. Orelllns, I. Qeorg Baiterns, Carolas Halmins. 

8 BäDde in 10 TeileD. 

Die 5 Teile Text apart statt Mk. 48.20 flir Mk. 12.—. 

^ Die Exemplare sind neu, aber etwaa atockBeckig. ^ 



A. Beyerien & Co., Stuttgart. 




f erzeiehnisse nnseres Verlags 



Btnttgart. 



VcrlagstHichhand lang. 



statistische Naohriohten über den Stand des &elehrten- 
sohulwesens in Württemberg auf 1. Januar 1902. 

I. Statistische Tabelle über den Stand des Oelehrtenschul- 
Wesens in Württemberg auf 1. Januar 1902. 



Sitz 

der 

Gelefartenschule 



L Evaiigelisclie 
Seminarien 

Blaubeuren . . . , 
Maulbronn. . . . 
Schönthal .... 
Urach 



n. Gymnasien 

Cannstatt, ob. Abt 
mittl. u. unt. „ 

Ehingen, ob. Abt. 
mittL n« unt. „ 

Ellwangen, ob. Abt. 
mittl. u. unt. „ 

Esslingen, ob. Abt 
mittiL u. unt. „ 

Hall, obere Abteil, 
mittl. u. unt „ 

Heilbronn, ob. Abt. 
mittL u. unt Abt 

Ludwigsburg, 
obere Abteilung . 
mittl. u. unt „ 

Ravensburg, ob.Abt 
mittL u. unt. ,, 






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-17 
+ 13 



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218 
295 
207 
208 
163 
365 

266 
236 



Konfession 
der Schüler 



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der Schüler 



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22 
104 



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16 

18 
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25 



30 
10 

19 

4 



Neaes Korretpondenxblatt 1909, Heft 4 u. 6. 



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1 
1 
1 
1 



3 
2 
2 

4: 

2 



122 Stand des GelehrtenschalweseiiB in Wfirttb. anf 1. Jan. 1902. 



Sitz 

der 

Gelehrtenschule 



CO 

00 

3 



Lehr- 
stellen 



8 

I 
e 

9 



Reutlingen, ob. Abt 
mittl, u« unt. „ 

Rottweil, ob. Abt. 
mittL u. unt „ 

Stuttgart, Eb.-Lud.- 
Gymn., obere Abt 
mittl, u. unt. „ 

Stuttgart,Karlsgym- 
nasium, ob. Abt. 
mittl. u. unt „ 

Tübingen, ob. Abt 
mittl. u. unt „ 

Ulm, obere Abteil. 
mittL u. unt. „ 

Obere Abteilung . . 
Mittl. u. unt Abteil. 

ni. Lyceen 

Öhringen, ob. Abt 
mittl. u. unt ^ 

IV. Realgymnasien 

Gmünd, obere Abt 
mittl. u. unt. „ 

Stuttgart, ob. Abt 
mittl. u. unt ,. 

Ulm, obere Abteil. 
mittL u. unt „ 

Obere Abteilung . . 
Mittl. n. unt AbteiL 

V. Reallyeeen 

Böblingen, ob. Abt 
mittl. u. imt „ 

Calw, obere Abteil, 
mittl. u. unt „ 



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6 

8 
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6 
16 

8 
12 

4 
6 

4 
6 



6 
6 

8 
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13 

18 

18 
15 

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6 

7 
7 



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1 

2 



56 

132 

214 

158 

152 
424 

153 
387 

85 
148 

67 
145 






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+ 11 

+ 8 
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+ 3 

+ 12 



+ 11 
+ 6 

+ 8 

- 2 

- 7 
+ 14 



et 
9 



i 



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►-5 



2 



188 
872 

576 

540 
238 
212 



Konfession 
der Schüler 



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52 

114 

8 
26 

119 
331 

180 
304 

76 
126 

43 
109 



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4 
16 

200 
130 

23 
69 

14 
57 

7 
21 

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Heimat 
der Schüler 



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+ 8 
+ 11 



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322 



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120 

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+ 58 



+ 10 
+ 10 

+ 5 
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143 
144 



289 
786 



23 

114 

19 
119 



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15 

10 
19 



25 



2 



356 



28 
8 

20 

1112 



stand des Gelehrtenschulwesens in Württb. auf 1, Jan. 1902. 123 



Sitz 

der 

Gelehrtenschule 



Geislingen, ob. Abt 
mittL u. unt „ 

Heilbronn (real. Abt 
d. Gymn.) ob. Abt 

mittl. u. unt „ 

Nürtingen, ob. Abt. 
mittl. u. unt ^ 

Obere Abteilung . . 
MittL n. unt Abteil. 



VI. Lateinsehulen 

Aalen . . . 
Altensteig . 
Backnang . 
Balingen . . 
Beilstein . . 
Besigheim . 
Biberach . . 
Bietigheim . 
Blaubenren 
Bönnigheim 
Brackenheim 
Buchan. . . 
Crailsheim . 
Ehingen . . 
Frendenstadt 
Friedrichshafen 
Gaildorf . . 
Giengen ..... 
Göppingen. . 
Grossbottwar 
Güglingen . . 
Heidenheim . 
Herrenberg . 







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Lehr- 
stellen 



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Konfession 
der Schüler 






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124 Stand des GelehrtenscholwesenB in Wttrttb. auf 1. Jan. 1902. 



Sitz 
der 

j 

Crelehrtenschule 



Hobenheim 

Horb 

Eirchberg 

Kirchheim u. T. . . . 

Langenburg 

Laaffen 

Lanpheim 

Leonberg 

Leutkirch 

Marbach 

Markgröningen . . . 

Mengen 

Mergentheim . . . . 
Munderkingen . . . 

Murrhardt 

Nagold 

Neckarsulm 

Neuenstadt 

Obemdorf 

PfuUingen 

Bosenfeld 

Rottenburg 

Saulgau 

Scheer 

Schorndorf 

Schramberg 

Spaichingen 

Sulz 

Tettnang 

Tuttlingen 

Urach 

Vaihingen 



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Stand des GelehrtenschalWeseiiB in Württb. auf 1. Jan. 1902. igg 



Sitz 

der 

Gelehrtenschule 



Waiblingen . . 
Waldaee .... 
Wangen .... 
Weil der Stadt 
Weinsberg. . . 
Wieaensteig . . 
Wildberg . . . 
Winnenden . . 



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47 


20 


21 





4 4 — 



Bemerknngen zu obiger Tabelle: 

1. 2 Repetenten (darunter 1 theoL). 

2. 1 Vikar. 

3. 1 (theol.) Vikar. 

4. 1 VikaT; ausserdem 2 Repetenten am Pensionat (darunter 
1 theol). 

5. 2 Vikare. 

6. Die Unterklasse der Lateinschule wird als gemeinschaftlich 
auch Yon Realschülern besucht, welche aber nicht hier, sondern bei 
den Realschulen gezählt sind. 

7. Die zwei jüngsten Jahrgänge der Lateinschüler besuchen — 
ausser im Lateinischen — die (gemeinschaftliche) Unterklasse der 
dortigen Realschule^ sind aber hier gezählt. 

8. In der (lateinlos^) unteren Abteilung der Unterklasse der 
Lateinschule befinden sich und sind mitgezählt auch solche Schüler; 
welche nachher in die Realanstalt übertreten. 



126 Stand des Gelebrtenschulwesens in Württb. auf 1. Jan. 190^ 

9. In der (latdnlosen) „Vorberdtongsklasse" der Lateinsehnle 
befinden sich und sind mitgezählt auch solche Schttler, welche nach- 
her in die Realschule übertreten. 

n. In dem Bestand der Gelehrtenschulen sind während des 
Kalenderjahres 1901 nachstehende Veränderungen eingetreten: 

Am Karlsgymnasium und am Realgymnasium in Stuttgart wurde 
je eine humanistische Hilfslehrstelle an der oberen Abteilung in 
eine humanistische Hauptlehrstelle verwandelt 

Am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart wurde eine pro* 
visorische Klasse und eine Hilfslehrstelle an der mittleren Abteilung 
neu errichtet. 

Am Realgymnasium in Stuttgart wurde eine provisorische Klasse 
und eine (realistische) Hilfslehrstelle an der oberen Abtdlung neu 
errichtet« 

Am Gymnasium in Rottweil wurde eine provisorische Klasse 
an der oberen Abteilung neu errichtet 

Am Realgymnasium in Gmünd wurde eine provisorische Klasse 
und eine humanistische Hilfslehrstelle an der mittleren Abteilung 
neu errichtet 

An der Lateinschule in Rottenburg wurde die bisherige Hilfs* 
iehrstelle an der Klasse I in eine Hauptlehrstelle umgewandelt 

An der Lateinschule in Laupheim wurde die bisherige Hilfs* 
Iehrstelle an der Unterklasse in eine Hauptlehrstelle umgewandelt. 

An der (bisher einklassigen) Lateinschule in Bönnigheim wurde 
eine Unterklasse und eine Hauptlehrstelle an derselben neu errichtet 

Am Gymnasium in Ludwigsburg wurde eine provisorische Neben- 
klasse an der Klasse II an die Klasse lU versetzt 

An der Lateinschule in Göppingen wurde dne provisorische 
unterste (lateinlose) Klasse und eine Hilfslehrstelle an derselben 
neu errichtet 

In Buohau wurde an der dortigen Realschule eine Unterklasse 
neu errichtet, welche (als gemeinschaftliche) auch von den awei 
jüngsten Jahrgängen der Lateinschüler — ausser im Lateinischen 
— besucht wird. 

UI. Die Zahl der öffentlichen Gelehrtenschulen be* 
trug am 1. Januar 1902 im ganzen 91 an 85 Orten. 

Darunter befanden sich ausser den 4 theologischen Seminarien 
23 Anstalten mit Oberklassen, nämlich 14 Gymnasien; 



stand des Gelehrtenschnlwesens in Wflrttb. auf 1. Jan« 1902. 127 

1 Lyceum; 3 Realgymnasien (darunter 1 (Ulm) mit einer Real- 
anstatt verbanden); 5 Realiyeeen (darunter 1 (Heilbronn) als „rea- 
listische Abteilung" mit einem Gymnasium verbunden); 63 Latein- 
schulen; 1 Reallateinschule. 

Die genannten 91 Scbulanstalten zahlten smsammen 390 im 
Unterricht getrennte Klassen, und zwar a) an den oberen Ab- 
teilungen 98, nämlich an den Seminarien 4, an den Gymnasien und 
Lyceen 69, an den Realgymnasien und Realiyeeen 25, b) an den 
mittleren und unteren Abteilungen der grösseren Lehranstalten 164, 
c) an den Lateinschulen und der Reallateinschule 128 Klassen. 

Unter den 63 Lateinschulen befanden sich 18 einklassige, 
36 zweiklassige, 6 dreiklassige (Aalen, Altensteig, Biberach, 
Freudenstad^ Heidenheim, Kirchheim), 2 fUnfklassige (Göppingen 
[die unterste Erlasse lateinlos], Rottenburg), 1 sechsklassige (Mergent- 
heim [die unterste Blasse lateinlos]); dazu kam die vierklassige 
Reallateinschule in Riedlingen. 

Unterklassen oder Kollaboraturklassen im Sinne der 
studienrätlichen Bekanntmachung vom 1. Oktober 1859 (Reg.Bl. 
S. 148) waren a) an den grösseren Anstalten 53, b) an den Latein- 
schulen 44, zusammen 97. 

IV. Die Gesamtzahl der Schüler an den öffentlichen Ge- 
lehrtenschulen belief sich am 1. Januar 1902 auf .... 8747 

Von denselben kamen 

auf die Seminarien 163 

auf die Oberklassen der Gymnasien und Lyceen .... 1385 
„ „ n n Realgymnasien und Realiyeeen . . 486 
auf die Mittel- und Unterklassen der Gymnasien und Lyceen 2813 
,, „ „ „ ,, „ Realgymnasien und Real- 
iyeeen 1768 

auf die 63 Lateinschulen 2023 

„ „ eine Reallateinschule 109 

Werden einerseits die Zöglinge der niederen evangelischen 
Seminarien und die Schüler der Oberklassen der Gymnasien, Lyceen, 
Realgymnasien und Realiyeeen als „Schüler von Oberklassen^*, 
andererseits die Schüler der mittleren und unteren Klassen der 
grösseren Anstalten, sowie der Lateinschulen und der Reallatein- 
schule als „Schüler von Mittel- und Unterklassen^ zusammengestellt, 
so ergeben sich folgende Zahlen: 



128 Stand des Gelehrtenschalweseus in Württb. auf 1. Jan. 1902. 



1. SchOIer 



i. SohflUr 
▼on Mittol- 



n n 



* -r ^®° Ober- M ttä#«» S. Zosamm. 

A. Im ganzen waren es kustni kiiJ^JJ^ 

am 1. Januar 1902 .'.... 2034 6713 8747 
darunter solche, welche das 

Griechische erlernen . . . 1528 1141 2669 
darunter solche, welche das 

Englische erlernen ... 848 162 1010 

Unter den hier gezählten Schttlem 
waren ausserordentliche (hospitie- 
rende): an Oberklassen 17, an Mittel- 
ttnd Unterklassen 163, unter den letzteren 
87 vom Lateinischen dispensierte und 
48 Mädchen. 

B. Nach den vier Kreisen des Landes 
verteilen sich die Gelehrtenschüler 
folgendermassen : 

es kommen auf den Neckarkreis 835 

„ „ Schwarzwkr. 456 

„ ,, Jagstkreis 285 

„ ,, „ „ Donaukreis 458 

C. Nach dem Religionsbekenntnis be- 
fanden sich darunter: 

Evangelische 1324 

Katholiken 653 

Israeliten 52 

Sonst einer Kt)nfession ... 5 

D. Der Heimat nach befanden sich 
darunter : 

a) Söhne von am Ort der Schule 
wohnhaften Eltern .... 979 4873 5852 

b) Söhne von im Umkreis des 
Schulorts wohnenden Eltern . 151 1018 1169 

c) Söhne auswärtiger Eltern . . 904 822 1726 
darunter solche, deren Eltern 

ausserhalb des Landes woh- 

uen 74 104 178 

E. Die vier niederen evangelischen 
Seminarien zählten 163 — 163 



3022 


3857 


1258 


1714 


1031 


1316 


1402 


1860 


4546 


5870 


1929 


2582 


223 


275 


15 


20 



stand des GelehrtenschulwesenB in WUrttb. auf 1. Jan. 1902. 13$ 

F. Von den 17 Gymnasien und Real- i. schtiier ^;^®5^?J*f. 
gymnasien zählte kUBaen ** v,..i„' 

das Realgymnasium in Stuttgart 

„ Eberh.-Ludw.-Gymn. „ 

n Earlsgymnasinm „ 

„ Realgymnasium in Gmünd 

n Gymnasium in Rottweil . 

„ Gymnasium in Heilbronn . 
„ „ „ Ehingen . 

„ Realgymnasium in Ulm 

„ Gymnasium in Ludwigsbg. 
n n n Ravensburg 

„ „ „ Tübingen . 

,, „ „ Cannstatt . 

„ „ „ Esslingen . 

,1 „ „ Ellwangen 

„ „ „ Reutlingen 

n rt n -tlaU • • • 

6. Von den 6 Lyceen und Real- 
lyceen zählte 

das Reallyeeum in Nürtingen 
„ „ „ Geislingen 

71 „ ^ uaiw 

„ „ „ Böblingen 

„ Lyceum in Öhringen . . 
„ Reallyeeum in Heilbronn . 

H. Unter den mehrklassigen Lateinschulen (mit der Reallatein- 
schule) zählten mehr als 50 Schüler: 

Mergentheim mit 6 Klassen 159 

157 



»■■ou 


klaaaen 




188 


686 


824 


152 


424 


576 


153 


387 


540 


84 


304 


388 


214 


158 


372 


87 


278 


365 


177 


118 


295 


84 


199 


283 


58 


208 


266 


67 


169 


236 


85 


148 


233 


63 


155 


218 


67 


145 


212 


51 


157 


208 


83 


124 


207 


56 


132 


188 


65 


98 


163 


37 


167 


204' 


23 


167 


190 


20 


124 


144 


23 


120 


143 


7 


112 


119 


27 


51 


78 



Rottenburg 


»1 


5 


Göppingen 


« 


5 


Riedlingen 


n 


4 


Aalen 


n 


3 


Kirchheim 


71 


3 


Altensteig 


71 


3 


Besigheim 


71 


2 


Marbach 


77 


2 


Lauffen 


11 


2 



71 
71 
71 
71 
71 
71 
ff 
71 
71 



122 
109 
63 
55 
54 
53 
52 
51 



130 Stand des Gelehrtensdnilweaeiu in Württb. auf 1. Jan. 1902. 

J. Unter den 18 einklassigen Lateinschnlen suhlten mehr als 
15 Schüler : 

Neckarsnbn 33 

Munderkingeu 26 

Wüdberg 26 

Grosabottwar 21 

Pfollingen 21 

Gfiglingen 20 

Beilatem 19 

Wangen 17 

Am wenigsten besucht waren die Lateinschulen in 

Bietigheim mit 9 Schülern 

Obemdorf ,, 9 „ 

Giengen „8 „ 

Rosenfeld n ^ n 

Scheer „ 4 „ 

Tettnang „4 „ 

WeU der Stadt „ 2 „ 
K. Am 1. Januar 1901 hatte die Zahl der Schüler betragen: 

-S^b«. :Zv'^: ^'^^^^ 

klMaon 

2012 6488 8500 

Der Stand am 1. Januar 1902 mit 2034 ' 6713 8747 
ergiebt hienach gegen das Vorjahr 

eine Zunahme von 22 225 

im ganzen y, Zunahme ,, — — 247 

V. Was den Wechsel der Schüler vom 1. Januar 1901 
bis 1. Januar 1902 betrifPt^ so sind 
A. Aus den Gelehrtenschulen ganz ausgetreten, und zwar: 
1. aus den Oberklassen: 

in Oberklassen von Bealanstalten 14 

,, ein Schullehrerseminar oder einePrftparanden- 

anstalt 2 

„ eine andere öffentliche Schule des Landes 5 
,, den Privatunterricht oder eine Privatanstalt 6 
„ das elterliche Haus zurückgetreten ... 2 
nach Erwerbung des Abiturientenzeugnisses aus- 
getreten 387 

(darunter von den Realgymnasien 58) 



Stand des Gelehrtenachalwesens in Württb. anf 1. Jan. 1902. 131 

nnd zwar mit der Absicht, sich zu widmen 

a) dem Studium an einer Universität • 279 

(darunter von Realgymnasien 14) 

b) d. Studium an einer techn.Hochsehule 44 

(dainnter von Realgymnasien 29) 
e) dem Studium an einer andern aka- 

demisohen Anstalt 12 

(darunter von Realgymnasien 0) 

d) einem andern Studium 

e) dem militärischen Beruf . • • . 35 

(darunter von Realgymnasien 11) 

f) einem sonstigen Beruf 17 

(darunter von Realgymnasien 4) 

nach Erwerbung des Reifeseugnisses für Prima 

ausgetreten 37 

(dar« von Realgymn. u. Reallyceen 14) 

nach Erwerbung des Zeugnisses der wissen- 
schaftlichen Befähigung für den einjährig- 
freiwilligen Militärdienst ausgetreten . . . 252 

(dar. von Realgymn. u. Reallyceen 128) 
und zwar mit der Absicht, sich zu widmen 

a) einem gewerblichen Berufe ... 22 

(dar. V. Realgymn. u. Reallyceen 13) 

b) dem kauftnännischen Beruf ... 96 

(dar. V. Realgymn. u. Reallyceen 58) 

c) dem mittleren Beamtendienst. . . 105 

(dar. V. Realgymn. u. Reallyceen 43) 

d) einem anderen Studium oder Beruf 29 

(dar. V. Realgymn. u. Reallyceen 14) 
in eine militärische Bildungsanstalt 

a) fttr das Landheer 1 

b) „ die Marine 4 

zu Gewerbe und Handel 8 

zur Landwirtschaft 3 

zu einer anderen, im obigen nicht bezeichneten 
Beschäftigung 3 

aus dem Lande weggezogen 18 

gestorben 2 

zusammen 744 Schüler 



132 Stand des Gelehrienschalwesens in Wflrttb. auf 1. Jan. 1902. 

2. au8 den Mittel* nnd Unterklassen: 

in Oberklaasen von Realanstalten 5 

„ Mittel- und Unterklassen Ton realistischen 

Schulen .163 

„ Elementarschulen 1 

y, Volksschalen 76 

„ ein Schullehrerseminar odereinePräparanden- 

anstalt 3 

„ eine andere öffentliche Schule des Landes 2 

„ den Privatunterricht oder eine Privatanstalt 52 

,, das elterliche Haus zurückgetreten ... 28 

,, eine militärische Bildungsanstalt .... 5 

zu Gewerbe und Handel . 168 

zur Landwirtschaft .......... 18 

zu irgend einer im pbigen nicht bezeichneten 

Beschäftigung 5 

aus dem Lande weggezogen 79 

gestorben . ., , 8 

zusammen 613 Schüler. 
Somit sind aus den Gelehrtenschulen überhaupt ausgetreten 
1357 Schüler. 
B. Aus Mittel- und Unterklassen in Oberklassen übergetreten sind 
im ganzen 715 Schüler, darunter 446 an derselben Anstalt. 

Aus Oberklassen von Gelehrtenschulen in Oberklassen einer 
anderen Gelehrtenschule sind übergetreten 122 Schüler; aus 
Mittel- und Unterklassen von Gelehrtenschulen in Mittel- und 
Unterklassen einer anderen Gelehrtenschule sind übergetreten 
330 Schüler. 
G. In die Gelehrtenschulen sind neu eingetreten^ und zwar: 

1. in die Oberklassen: 

aus Oberklassen von Realanstalten .... 6 

„ einer anderen öffentlichen Schule des Landes 2 

„ dem Privatunterricht oder Privatanstalten 15 

^ dem elterlichen Haus 3 

von ausserhalb des Landes hergezogen . . . 25 

zusammen 51 Schüler 

2. in die Mittel- und Unterklassen: 

aus Mittel- und Unterklassen einer realistischen 

Schule 37 

aus Elementarschulen 554 



« 



Stand des GelehrtenschnlweseBs in Württb. auf 1. Jan. 1902. 133 

ans Volksschulen 639 

y, besonderem^ in der Volksschnle eingerich^ 

tetem Vorbereitongsunterricht ..... 124 
,, einer anderen öffentlichen Schule des Landes 11 
„ dem Privatunterricht oder Privatanstalten 115 
„ dem elterlichen Haus 6 

von ausserhalb des Landes hergezogen ... 67 

zusammen 1553 Schüler. 

Somit sind in die Gelehrtenschulen überhaupt neu ein- 
getreten 1604 Schüler. 

Da nach A 1357 Schüler aus den Oelehrtenschulen ausgetreten 
sind, ergiebt sich die unter Ziffer IV verzeichnete Zunahme von 
247 Schülern. 

VI. Am Turnunterricht haben teilgenommen 7140 Schüler. 

Von diesen kamen auf die Oberklassen der grösseren An- 
stalten 1798, auf die Mittel- und Unterklassen der grösseren An- 
stalten 3628, auf die Lateinschulen und die Reallateinschule 1714, 
darunter von 8 Lateinschulen, an welchen nur im Sommer Turn- 
unterricht erteilt wird, 211 Schüler. 

VII. Im Kalenderjahr 1901 sind seitens der betreffenden Lehr- 
anstalten ausgestellt worden: Zeugnisse bestandener Abiturienten- 
prüfung 293 (darunter von den Realgymnasien 58), Zeugnisse der 
wissenschaftlichen Befähigung für den einjährig- frei- 
willigen Militärdienst 709 (darunter von den Realgymnasien 
und Reallyceen 209). 

VIII. Hauptlehrstellen bestanden an den öffentlichen Ge- 
lehrtenschulen am 1. Januar 1902 443, Hilfslehrstellen 29, zu- 
sammen 472 Lehrstellen. 

Von der Gesamtzahl der Lehrstellen befanden sich 

a) auf der Ober- (Professors-) Stufe 162, nämlich an den 
Seminarien 12, an den Gymnasien und Lyceen 115 (8 prov.), 
an den Realgymnasien und Reallyceen 35 (4 prov.); 

b) auf der Mittel- (Oberpräzeptors-) Stufe 211, nämlich an den 
Mittelklassen der grösseren Anstalten 129 (9 prov.), an 
den Lateinschulen und der Reallateinschule 82 (5 prov.) ; 



134 Stand des Gelehrtenschulwesens in Wflrttb. auf 1. Jan. 1902. 

c) auf der Unter- (Präzeptors-) Stufe 99| nämlich an den 
grösseren Anstalten 56 (1 prov«), an den Lateinschulen 
und der Realiateinschule 44 (2 prov.) 0- 

Von den 472 Lehrstellen waren humanistisch 874, nämlich 
a) bei den grösseren Anstalten an Oberklassen 120 Professors- 
stelien (darunter 10 prov.), an Mittelklassen 100 Oberpräzeptors- 
stellen (darunter 7 prov.), an Unterklassen 50 Präzeptorsstellen 
(darunter 1 prov.); b) an Lateinschulen 63 Oberpräzeptorsstellen 
(darunter 4 prov.), 41 Präzeptorsstellen (darunter 2 prov.). 

Ausserdem waren 24 humanistische Stellen mit Kirchenstellen 
verbunden, nämlich 3 an Mittelklassen, 21 (dar. 1 prov.) an Latein- 
schulen. 

Realistische Haupt- und Hilfslehrstellen befanden sich 
an den Gelehrtenschulen im ganzen 69, nämlich an Oberklassen der 
Gymnasien und Lyceen 24 (wovon prov.), der Realgymnasien und 
Reallyceen 18 (wovon 2 prov.), an Unter- und Mittelklassen 25 (wovon 

2 prov.), an einer Lateinschule 1 (prov.), an einer Reallateinschule 1. 

Hiezu kommen noch 2 Professorsstellen fär evangelischen 
Religionsunterricht und Hebräisch; 1 Hauptlehrstelle für Turn- 
unterricht auf der Professoratsstufe ; endlich 2 Hauptlehrstellen fQr 
Singen und Schönschreiben an Mittel- und Unterklassen. 

Nicht gerechnet unter den 472 Haupt- und Hilfslehrstellen sind 
19 Vikars- und Repetentenstellen. 

IX. Von definitiven Lehrstellen waren am 1. Januar 1901 
unbesetzt: 11 Oberpräzeptorsstellen an Lateinschulen (darunter 
8 mit einem geistlichen Amt verbundene), 1 Präzeptorsstelle an einer 
Lateinschule. 

Vom 1. Januar 1901 bis 31. Dezember 1901 wurden neu er- 
richtet : 2 Professorsstellen (je 1 an einem Gymnasium und an einem 
Realgymnasium), 8 Präzeptorsstellen an Lateinschulen. 

In Erledigung kamen: 4 Professorsstellen (darunter 2 rea- 
listische), 9 Oberpräzeptorsstellen an grösseren Anstalten (darunter 

3 realistische), 2 Oberpräzeptorsstellen an Lateinschulen, 1 Präzep- 
torsstelle an einer grösseren Anstalt. 

Besetzt wurden: 6 Professorsstellen (darunter 2 realistische), 

') Von den Präzeptors- (früher Kollaborators-) Stellen (im Sinn der 
studienrätlichcn Bekanntmachung vom 1. Okt. 1859) sind 2 (je 1 in Ehingen, 
Rottweil) mit dem Gehalt von Stellen an Mittelklassen ausgestattet, 
3 (je 1 in Biberacb, Horb, Leutkirch) sind Präzeptoratskaplaneien. 



stand des Gelehrtenachulwesens in Württb. auf 1. Jan. 1902. 136 

4 Oberpräzeptorsstellen an grösseren Anstalten (darunter 1 rea- 
listische), 4 Oberpräzeptorsstellen an Lateinschulen, 2 Präzeptors- 
stellen an Lateinschulen. 

Hienach waren am 1. Januar 1902 unbesetzt: 5 Oberpräzeptors- 
stellen an grösseren Anstalten (darunter 1 realistische), 9 Ober- 
präzeptorsstellen an Lateinschulen (davon 8 mit einem geistlichen 
Amt verbunden); 1 Präzeptorsstelle an einer grösseren Anstalt, 
2 Präzeptorsstellen an Lateinschulen. 

Durch diese Besetzungen kamen 8 unständige Lehrer auf 
definitive Stellen, nämlich: 4 humanistische Professoratskandidaten, 
2 Präzeptoratskandidaten, 1 KoUaboraturkandidat, 1 realistischer 
Professoratskandidat; femer traten 1 im Realschuldienst definitiv 
angestellter Lehrer und 1 Lehrer einer Volksschule in den Dienst 
an Gelehrtenschulen über. 

Ausgeschieden sind 10 Lehrer, nämlich durch Übertritt in 
den Realschuldienst 1, durch nachgesuchte Entlassung 2, durch Ver- 
setzung in den Ruhestand 2, durch Tod 5. 

X. Auf Lebenszeit angestellt waren am I.Januar 1902 
an den Gelehrtenschulen im ganzen 426 Lehrer, darunter 62 rea- 
listische, nämlich: 

a) an Oberklassen 150, darunter 40 realistische, 

b) ,, Mittel- und Unterklassen 168, „ 21 ,, 

c) „ Lateinschulen 108, ^ 1 ,, 

Auf humanistischen Stellen waren am 1. Januar 1902 342 Lehrer 

auf Lebenszeit angestellt. (Nicht gerechnet sind hiebei die Inhaber 
der mit kirchlichen Ämtern verbundenen Lehrstellen.) 

Von den aufgeführten 342 Lehrern haben erstanden die Pro- 
fessoratsprüAing 137, die beiden Dienstprüfnngen für das huma- 
nistische Lehramt 2, die Präzeptoratsprflfung (ohne eine höhere 
Prüfung) 116, die LateinkoUaboraturprttfnng (ohne eine höhere 
Prüfung) 80, keine der erwähnten Prüfungen 7. 

Das Lebensalter, in welchem die betreffende Prüfung erstanden 
wurde, betrug: 

a) bei der Professoratsprüfung, bezw. humanistischen Dienst- 
prüfimg, durchschnittlich 28,6 Jahre, 

b) bei der Präzeptoratsprüfung durchschnittlich 25,2 Jahre. 
Das Lebensalter, in welchem diese Lehrer die erste Anstellung 

auf Lebenszeit, gleichviel auf welcher Stufe des Lehrdienstes, er- 
langt haben, betrug 



136 Stand des Gelehrtenschnlwesens in Württb. auf 1. Jan. 1902. 
bei den Lehrern unter lit. a) durchschnittlich 29,9 Jahre, 

n n n n ?7 ") n 28,5 „ 

Von den Lehrern unter lit. a stehen 99 auf der Oberstufe; 
das Alter, in welchem sie auf die Oberstufe gelangt sind, betrag 
durchschnittlich 35,6 Jahre. 

XI. Unständige Lehrer waren im Laufe des Jahres 1901 
verwendet: 

1. als Hilfslehrer im ganzen 33, darunter 3 realistische, nämlich: 

a) an Oberklassen 14 (1 realistisch), 

b) „ Mittel- und Unterklassen . 9 (2 „ ), 
o) „ Lateinschulen 10; 

2. als Repetenten und Gymnasialvikare 22 (3 realistische); 

3. als Amtsverweser auf erledigten Stellen oder als Stellvertreter 
für erkrankte, beurlaubte oder zum Militär einberufene Lehrer 
waren 25 Kandidaten (darunter 3 realistische) in zum Teil 
vorübergehender Verwendung. 

Die Zeit der Dienstleistung der letzteren betrug im Durchschnitt 
an Oberklassen 82, an Unterklassen und Lateinschulen 196 Tage. 

XIL Die erste humanistische Dienstprttfung haben 
7 Kandidaten erstanden, 3 evangelischer, 4 katholischer Konfession. 

Die zweite humanistische Dienstprttfung haben 7 Kan- 
didaten erstanden, 5 evangelischer, 2 katholischer Konfession. 

Die Prüfung für Präzeptorsstellen hat 1 Kandidat (evange- 
lischer Konfession) erstanden. 

Die Zahl der vollständig geprüften Kandidaten für das 
humanistische Lehramt, welche noch nicht auf Lebenszeit 
angestellt waren, und sich nicht in Verhältnissen befanden, nach 
denen sie für eine Verwendung an den Gelehrten- und Realschulen 
nicht mehr in Betracht kommen, war am 1. Januar 1902 folgende : 

Professoratskandidaten 40, von diesen verwendet als Hilfs- 
lehrer, Vikare oder Repetenten 27, als Amtsverweser oder Stell- 
vertreter 5, in anderweitiger inländischer Unterrichtsthätigkeit 
stehend 2, in Privatdiensten 2, beurlaubt 3, 1 studierte. 

Kandidaten, welche die beiden Dienstprüfungen für das 
humanistische Lehramt erstanden haben: 8, davon verwendet als 
Vikare oder Repetenten 2, als Amtsverweser oder Stellvertreter 4, 
im Militärdienst 1, in Privatdiensten 1. 

Präzeptoratskandidaten 9, davon verwendet als Hilfs- 
lehrer 4, als Amtsverweser oder Stellvertreter 3, in Privatdiensten 2. 



Stand des Gelehstenschulwesens in Württb. auf 1. Jan. 1902. 137 

Kandidaten für Präzeptorsstellen (bezw. far Latein- 
schulen geprüfte Eollaboraturkandidaten), welche weder 
lebenslänglich angestellt noch im aktiven Volksschuldienst verwen- 
det sind; waren es — mit Ansschlnss der für eine Verwendung 
nicht in Betracht kommenden — 6, davon als Hilfslehrer oder Amts- 
verweser (teilweise an Realschulen) verwendet 4, in anderweitiger 
inländischer Unterrichtsthätigkeit stehend 1, 1 studierte. 

XIIL Die Berechtigungen der höheren Gelehrten- 
schulen. 

A. 1. Das Reifezeugnis der (humanistischen) Gymnasien, 
sowie die Erstehung der Aufnahmeprüfung in das evangelisch- 
theologische Seminar oder das Wilhelmsstift in Tübingen berechtigt 

a) zur Inskription bei jeder Fakultät der Universität, bei den 
theologischen Fakultäten indes nur dann, wenn dasselbe auch ein 
Zeugnis über Kenntnisse im Hebräischen enthält (Ministerial- 
verfügung vom 19. Juni 1873, Reg.Bl. S. 280); 

b) zur Zulassung auf der K. preussischen medizinisch-chirur- 
gischen Akademie für das Militär in Berlin (Bestimmungen über 
die Aufnahme in die militärärztlichen Bildungsanstalten zu Berlin 
vom 7. Juli 1873 § 10, IV). 

2. Das Reifezeugnis der Realgymnasien berechtigt 
zur Inskription bei der philosophischen Fakultät der Universität 
ftir das Studium der Geschichte, der neueren Sprachen und ihrer 
Litteraturen; femer bei der medizinischen, der staatswissenschaft- 
lichen und der naturwissenschaftlichen Fakultät. 

Abiturienten der Realgymnasien, welche später zu einem Fakul- 
tätsstudium übergehen wollen, für welches das Reifezeugnis eines 
(humanistischen) Gymnasiums erforderlich ist, werden von der K.Kult- 
ministerial- Abteilung für Gelehrten- und Realschulen, an welche sie 
sich diesfalls zu wenden haben, einem Gymnasium zur Prüfung im 
Griechischen und im Übersetzen aus dem Deutschen ins Lateinische 
zugewiesen (Ministerialverfügung vom 19. Juni 1873, Reg.Bl. S. 280). 

3. Das Reifezeugnis der Gymnasien und der Real- 
gymnasien, sowie die Erstehung der Aufnahmeprüfung in das 
evangelisch-theologische Seminar oder das Wilhelmsstift in Tübingen 
berechtigt 

a) zum Eintritt in eine der Abteilungen der K. Technischen 
Hochschule in der Eigenschaft eines ordentlichen Studierenden 
(Ministerialverfügung vom 17. Juni 1885, Reg.Bl. S. 284) ; 

Neues Korreepondeneblatt 1902, Heft 4 u. 6 



138 Stand des Gclehrtenschulwesens in Wttrttb. auf 1. Jan. 1902. 

b) zur Zulassung zu der niederen Eisenbahndienstprüfung als Kan- 
didat des höheren Eisenbahndienstes (§6 der K. Verordnung in Betreff 
der Eisenbahndienstprüfungen vom 13. Januar 1884, Reg.Bl. 8. 5) ; 

c) zur Zulassung zu der niederen Post- und Telegraphendienst- 
prüfung als Kandidat des höheren Post- und Telegraphendienstes 
(§ 6 der K. Verordnung in Betreff der Post- und Telegraphen- 
dienstprüfungen vom 31. Januar 1884, Reg.Bl. S. 17). 

Es befreit 

d) von der Ablegung der Portepeefähnrichsprttfung (§ 3 der 
Kaiserlichen Verordnung über die Ergänzung der Offiziere des 
Friedensstandes vom 11. März 1880); sowie 

e) von der Ablegung der Seekadetten-Eintrittsprüfung, falls in 
der englischen Sprache das Prädikat „gut" erreicht ist (§ 4 der Vor- 
schriften für die Ergänzung des Seeoffizierscorps vom 17. April 1899) V). 

B. Das Zeugnis der Reife für die Prima (9. oder 
10. Klasse) 

1. eines Gymnasiums oder Realgymnasiums berechtigt 

a) zur Zulassung zu der Portepeefähnrichsprfifuug (§ 3 der 
Kaiserlichen Verordnung über die Ergänzung der Offiziere des 
Friedensstandes vom 11. März 1880); 

b) zur Zulassung zur Seekadetten-Eintrittsprüfung, falls in der 
englischen Sprache das Prädikat „gut" erreicht ist (§ 4 der Vor- 
schriften für die Ergänzung des Seeoffiziercorps vom 17. April 1899) M; 

c) zur Zulassung als Aspirant für den Militär- und Marine- 
Intendantur-Sekretariatsdienst (Erlass des K. preussischen Kriegs- 
ministeriums vom 4. April 1860); 

d) zur Zulassung auf die K. preussische Militärrossarztschule 
in Berlin (§ 9 der Bestimmungen über das Militärveterinärwesen 
vom 17. Januar 1874); 

^) Nach Erlass des K. Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens 
vom 9. November 1900 soll gemäss Kaiserlicher Verordnung für die 
Zöglinge der K. württ. Lehranstalten, deren Schulschlnss im Juli statt- 
findet, zum Eintritt als Seekadett in die Kaiserliche Marine die Bei- 
bringung der Bescheinigung des Lehrerkollegiums im April über die 
voraussichtliche Versetzung in die 9. Klasse gleichbedeutend sein mit 
der Beibringung des Zeugnisses der Reife Hlr die Prima, und die 
Beibringung der Bescheinigung des Lehrerkollegiums im April über 
das voraussichtliche Bestehen der Reifeprüfung für die Zöglinge der 
10. Klasse gleichbedeutend mit der Vorlegung eines vollgültigen Abi- 
turientenzeugnisses (Erlass der K. Kultministerial-Abteilung für Ge- 
lehrten- und Realschulen vom 22. November 1900). 



stand des Gelehrtenschulwesens in Württb. auf 1. Jan. 1902. I3c^ 

e) zur Aufnahme als ordentlicher Studierender der Tierärzt- 
lichen Hochschule (§ 13 der neuen organischen Bestimmungen 
ftir die Tierärztliche Hochschule in Stuttgart vom 22. März 1892, 
Reg.Bl. 8. 118); 

f ) zur Zulassung zu der Approbationsprüfnng der Tierärzte, 
(Bekanntmachung des Reichskanzleramts vom 27. März 1878 § 5, 
Reg.Bl. 8. 75) ; 

g) zur Zulassung zu der Staatsprüfung in der Tierheilkunde, 
(vgl. Min.Verf. vom 11. Januar 1890 § 1 lit.a, Reg.Bl. 8.44); 

h) zur Erstehung der zahnärztlichen PrtLfung (Reg.Bl. 1889 S. 290); 

2. eines Realgymnasiums berechtigt 
znr Zulassung zur Feldmesserprttfnng (Reg.Bl. 1895 S. 303). 

Die Seminarien in Maulbronn und Schönthal haben die 
Berechtigung, solchen Zöglingen, welche den zweiten Jahreskurs 
mit Erfolg absolviert haben, die Seminarien in Blaubeuren und 
Urach dagegen solchen, welche ein halbes Jahr dem Seminar an- 
gehört haben, Reifezeugnisse für die Prima eines Gymnasiums aus- 
zustellen (Erlass der K. Kultministerial- Abteilung fUr Qelehrten- 
und Realschulen vom 8. April 1875 Nr. 1390). 

Schülern von Lyceen und Reallyceen, welche den zweiten 
Jahrgang der Oberlycealklasse absolviert haben, kann das Zeugnis 
der Reife für die Prima eines Gymnasiums, beziehungsweise Real- 
gymnasiums, ausgestellt werden, wenn sie in einer besondern, 
an ihrer Anstalt zu erstehenden Reifeprüfung mindestens die 
Durchschnittsnote „genttgend^^ erreicht haben. 

Zur FeldmesserprUfung werden von dem E. Ministerium des 
Innern, vorbehaltlich der Prüfung im einzelnen Fall, auch solche 
Kandidaten zugelassen, welche auf Grund des erfolgreichen Besuchs 
der obersten (8.) Klasse eines Reallyceums und der erfolgreichen 
Erstehung der am Ende des Sommerhalbjahrs vorgeschriebenen 
Klassenprüfung durch Beschluss des Lehrerkonvents für reif zum 
Eintritt in die Klasse IX eines Realgymnasiums erklärt worden sind. 

G. Sämtliche Gymnasien (evangelische Seminarien) und 
Realgymnasien, Lyceen und Reallyceen sind zur Aus- 
stellung von Zeugnissen fUr die wissenschaftliche Befähigung 
2um einjährig-freiwilligen Militärdienst nach einjährigem 
erfolgreichem Besuch der Klasse VII (oder einer höheren) der ge- 
nannten Anstalten (bezw. der Klasse IV des Lyceums in Öhringen) 
berechtigt, und zwar die Gymnasien und Realgymnasien nach § 90, 2 a, 
die Lyceen und Reallyceen nach § 90, 2 b der Wehrordnung von 1875. 



140 Stand des Beabchulwesens in WOrttb. anf 1. Jan. 1902. 

Dasselbe Zengnis berechtig anoh 

1. zum Eintritt in die landwirtschaftliche Akademie za Hohen- 
heim in der Eigenschaft eines ordentlichen Studierenden (Organische 
Bestimmnngen vom 8. November 1883 § 15, Reg.BI. 8. 316); 

2. zur Zulassung zu der niederen Eisenbahndienstprflfuug als 
Kandidat des mittleren Eisenbahndienstes (§ 5 Ziffer 3 der oben 
unter A, 3c angeführten K. Verordnung); 

3. zur Zulassung zu der niederen Post- und Telegraphendienst- 
prflfung als Kandidat des mittleren Post- und Telegraphendieuates 
(§ 5 Ziffer 3 der oben nnter A, 3 d angeführten K. Verordnung) ; 

4. zur Zulassung zn der niederen Finanzdienstprttfung (K. Ver- 
ordnung vom i«. Juli 1892 § 24, Reg.BI. 8. 313); 

5. zur ZulaAsnng zu der niederen JnstizdienBlprflfung (K. Yer> 
Ordnung vom 31. Juli 1899, Reg.BI. S. 557) ; 

6. zur Zulassung zn der niederen Verwaltungsdieustprllfang 
(K. Verordnung vom 1. Dezember 1900, Reg.BI. 8.905); 

7. zur Zulassung zu der Prüfung der Apothekei^hilfen und 
der Apotheker (Bekanntaiachnng des Reichskanzleramte vom 5. Harz 
1875 § 4, Reg.BI. 8. 169 ff.; desgleichen vom 13. November 1875 
§ 3, Reg.BI. 8. 578). 



Statistisohe Naobrichten über den Stand des Beal- 
' Schulwesens in Württemberg auf 1. Januar 1902. 

I. Statistische Tabelle über den Stand des Realschnlwesens in 



Württemberg 


auf 1 


Jannar 1902 




















Sitz 




1 

ä 




der 


1 






Realschule 


iJ6 






I. Anstalten mit 






I 












j 




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1 












CannsUtt, ob. Abt. 


5 


6 


1 


90 


+ 2 


588 


77 


8 


5 — 


46 


»3 


11 


90 


1 


mittl. u. unL „ 


1* 


la 


2 


498 


+ 27 


4S9 


34 


25 — 


348 


142 


8 


129 




EBslinRcn, ob. Abi. 


5 


5 


2' 


118 1 + IS 


468 


99 


16 3l- 


68 


17 


43 


118 


1 


mittl. u. unt. „ 


12 


10 


2; 

1 


345 


.. 


322 


21 


^r 


239 


82 


24 


95 





Stand des Realschulwesens in Württb. auf 1. Jan. 1902. 141 



rm « j. 


a 


Lehr- 
stellen 




1^ 

i 

• 

s 


Gesamtzahl 
am I.Januar 1902 


Konfession 
der Schüler 


Heimat 
der Schüler 


1 

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Sitz 

der 

Realschule 


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1 
2 


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1 


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1 

a 


Hall, obere Abteil, 
mittl. u. nnt „ 

Heilbronn, ob. Abt. 
mittl. u. unt n 

Reutlingen, ob. Abt 
mittl. u. unt. „ 

Stuttgart, Fr.-Eug.- 
Realsch. ob. Abt 
mittl. u. nnt „ 

Stuttgart, Wilhelms- 
Realsch., ob. Abt 
mittl. u. unt „ 

Ulm, obere Abteil, 
mittl. u. unt „ 


4 

6 

5 

14 

5 

12 

6 
22 

5 
18 

4 
7 


5 
6 

6 
12 

5 
10 

10 
19 

6 
15 

6 

7 


2 

2 
2 

2 

4 

2 
4 

1 


88 
164 

78 
470 

97 
314 

167 
773 

161 
665 

55 
227 


+ 13 
+ 18 

+ 16 
+ 49 

+ 5 
9 

+ 4 
+ 45 

+ 14 
+ 19 

+ 2 
3 


252 

548 
411 

940 

816 
282 


67 
145 

68 
373 

90 
284 

141 
689 

132 
552 

37 
159 


16 
9 

7 
61 

7 
28 

22 
100 

16 
90 

16 
54 


5 

10 

8 
36 

2 

4 
29 

3 
22 

2 

14 


5 
1 


16 
108 

40 
316 

82 
252 

119 
728 

121 
618 

26 

188 


5 
16 

19 
185 

32 
58 

13 
32 

6 
88 

3 
29 


67 
45 

19 
19 

33 
9 

35 
18 

24 

14 

26 
10 


88 
52 

77 
103 

96 
90 

166 
205 

151 
191 

55 
68 


1 
1 
1 

2 

2 

1 


Obere Abteihing . . 
Mittl. u. unt Abteil. 

11. Anstalten mit 
2 ober. Jahresknrsen 

Aalen, obere Abteil, 
mittl. u. unt „ 

Biberach, ob. Abt. 
mittl. n. unt „ 

<i(>pp]ngen, ob. Abt 
mittl. u. unt „ 

Heidenheim, ob. Abt 
mittl. u. unt ^ 

Ludwigsbg., ob.Abt. 
mittl. u. unt „ 

Raven8burg,ob.Abt 
mittl. u. unt „ 

Rottweil, ob. Abt 
mittl. u. nnt. „ 

Tübingen, ob. Abt 
mittl. u. unt. „ 


39 
105 

2 
6 

2 
6 

2 

10 

2 
6 

2 

10 

2 
6 

2 
5 

2 

7 


49 
91 

2 
6 

2 
5 

2 
7 

2 
5 

2 

7 

2 
5 

2 
5 

2 

6 


9 
17 

1 
5 
1 

3 

1 
1 

1 
1 


844 
3456 

23 
209 

15 
171 

37 
345 

21 
187 

82 
303 

65 
192 

34 
152 

48 
219 


+ 69 
+ 169 

+ 6 

- 4 
+ 28 

+ 3 

+ 48 

- 3 
+ 17 

- 6 

+ 22 

+ 28 
+ 9 

- 1 
+ 35 

+ 1 

+ 1 


4300 

232 
186 
382 
208 
335 
257 
186 
267 


706 
2913 

20 
149 

7 
77 

35 
306 

16 
170 

28 

266 

22 
63 

8 
40 

84 
169 


108 
397 

3 
60 

7 
94 

2 
30 

5 
17 

2 
17 

43 
138 

26 
111 

10 
46 


30 
140 

1 
9 

1 
17 

1 

1 

4 
4 


6 

1 
3 


468 
2752 

14 
134 

9 
130 

20 
255 

18 
126 

20 
228 

20 
112 

9 
85 

25 
164 


128 
527 

6 

60 

1 
25 

9 

78 

4 
51 

8 
66 

7 

47 



8 

7 
41 


258 
147 

3 
15 

5 
16 

8 
12 

4 
10 

4 
9 

38 
33 

25 
59 

16 
14 


»41 
988 

23 

48 

15 
36 

37 
86 

21 
58 

32 
64 

65 
55 

34 
56 

48 
63 


1 


Obere Abteilung . . 
Mittl. u. nnt Abteil. 


16 
56 


16 
46 


2 

12 


275 

1778 


+ 18 
+ 166 


2053 


170 
1230 

1 


98 
513 


6 
32 


1 
3 


130 
1234 


42 
376 


103 
168 


|276 
466 





142 Stand des Realscbulwesens in Württb. auf 1. Jan. 1902. 



Sitz 

der 

Realschule 



OQ 



Lehr- 
stellen 



§ 



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der SchQlerj; 



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9 



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III. Anstalten mit 
1 oberen Jahreskars 

Ehingen, obere Abt. 
mittl. u. unt „ 

Freudenstadt, 
obere Abteilung . 
mittl. u. unt Abt. 

Kirchheim, ob. Abt. 
mittl. u. unt „ 

Schwenningen, 
obere Abteilung . 
mittl. u. unt Abt. 

Sindelfingen,ob.Abt. 
mittl. u. unt „ 

Tuttlingen, ob. Abt 
mittl. u. unt. „ 

Obere Abteilung . . 
Mittl. u. unt Abteil. 

IV. Realschulen 

Alpirsbach 

Altshausen 

Backnang 

Baiersbronn 

Balingen 

Bietigheim 

Blaubeuren 

Bopfingen 

Buchau 

Crailsheim 

Creglingen 

Domhan 

Domstetteu 

Dürnnenz-Mühlack. 



1 
5 

1 

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1 

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1 
5 

1 
5 

1 
5 



6 
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1 
2 
2 
2 
1 
2 
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1 
1 
1 
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1 
5 

1 
4 

1 
6 

1 
3 

1 
3 

1 
4 



6 
25 



2 
1 
2 
1 
2 
1 
1 
1 
1 
4 
1 
1 
1 
2 



6 



1 
1 



1 



20 
146 

26 
125 

18 
228 

11 
186 

9 
116 

18 



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-13 

- 2 

+ 16 

+ 2 
+ 10 

+ 1 
+ 4 

- 2 

- 9 

+ 1 



172 + 8 



166 

151 
246 

147 
125 
190 



19 
137 

23 
116 

17 
212 

9 
124 

9 
116 

15 

135 



1 
7 



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7 1 

1 
16 

2 
12 



3 
37 



14 
123 

14 
83 

12 
164 

10 
134 

9 
102 

15 
147 



1 
14 

3 

8 

46 



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3 51 

2 ; 181. 

4 60 



102 
923 



33 
37 

144 
22 
79 
76 
47 
31 
47 

133 
22 
18 
26 
75 



+ 4 
+ 16 



- 1 
+ 4 
+ 9 

- 1 
+ 16 

- 1 

+ 6 
+ 19 
+ 22 
+ 18 

+ a 

-24 



1025 


92 
840 

30 
2 

142 
22 
70 
72 
46 
25 
2 

106 
19 
18 
26 
73 


10 
79 

3 
35 

9 
4 
1 
2 
40 
13 

2 


1 

2 

4 

5 

14 

3 


3 


74 

753 

24 
21 

119 
15 
50 
60 
38 
22 
32 

108 
18 
17 
20 
57 



5 

101 



23 102 
69.331 



6 

15 

24 

7 

29 

18 

6 

7 

14 

18 

4 

1 

6 

15 



3 
1 
1 



43 



-29 
3 1 — 
3| 11 
2 2 
1 2 
7 32- 



3 
S 



16 



SUnd des Reftlscliatweseiis in Wtlrttb. auf 1. Jan. 1902. 143 



Ehingea .... 
GHwangen. . . 
Eningen .... 
Penerbseh . . . 
Fri«driehshafen 

Caildorf 

Giengen . . . . . 
Heinuheim. . . 
HerreDberg . - 
Heobacb .... 

Horb 

Isny , 

KnittUngen . . . 
Künxelsan ... 
Langenan . . . . 
Lanpheim . . . . 
LeoDbei^ . . . . 
Lentkirch . . . . 

Lorcb 

Mengen .... 
Mergentheim . 
jleUmgen . . . 
MOckmflb] . . . 
Münsingen. . . 

Nagold 

Neckarmlm . . 
Neresbeim . . . 
Nenenbfljg. . . 
Nenffen .... 
Niederstetten . 
Obemdorf . . . . 
Rottesbnrg . . 
SanIgan .... 



2 


2 


_ 


45 


_ 4 


6 


39 


_ 


_ 


27 


16 


2 


6 


2 


2 


_ 


48 


+ 10 


12 


30 


1 


_ 


33 


6 


4 


_ 


2 


2 


_ 


42 


+ 3 


42 


— 


_ 


— 


32 


5 


2 


— 


3 


3 


— 


86 


+ 18 


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_ 


— 


77 


9 


37 


7 


2 




_ 


4» 


+ 6 


26 


23 


_ 


1 


39 


9 


1 


14 


1 




_ 


26 


_ 


25 


_ 


— 


_ 


14 


11 


-- 


— 


2 




_ 


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+ 1 


50 


1 


_ 


_ 


50 


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1 


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10 




10 


_ 


_ 


_ 


7 


— 


3 


1 


2 




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+ 2 


36 


_ 


_ 


_ 


22 


14 


_ 


7 


1 




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13 


+ 18 


12 


1 


— 


— 


11 


2 


_ 


— 


1 




_ 


87 


+ 1 


4 


22 


11 


— 


14 


14 


9 


9 


2 




_- 


21 


- 1 


14 


7 


_ 


— 


17 


3 


1 


6 


1 




_ 


21 


+ 1 


21 


_ 


_ 


— 


16 


6 


— 


_ 


3 




_ 


86 


+ 12 


77 


3 


6 


_ 


55 


28 


8 


16 


I 




_ 


16 




16 


_ 


_ 


_ 


16 


_ 


_ 


_ 


2 




— 


41 


+ 2 


5 


27 


9 


— 


26 


13 


3 


14 


2 




_ 


89 


+ 7 


37 


2 


— 


— 


33 


5 


1 


11 


2 




_ 


38 


- 5 


29 


7 


2 


— 


81 


1 


6 


7 


1 




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+ 2 


25 


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18 


4 


3 


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+ 6 


8 


38 


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— 


15 


29 


2 


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1 


91 


+ 1 


28 


86 


27 


— 


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28 


12 


14 


4 




1 


102 


_ 4 


100 


2 


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81 


20 


1 


16 


2 




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41 


- 6 


41 


— 


— 


— 


20 


17 


i 


10 


2 




_ 


64 


+ 6 


52 


2 


_ 


_ 


89 


14 


1 


6 


2 




_ 


50 


_ 1 


45 


5 


_ 


— 


30 


20 


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14 


1 




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15 


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4 


10 


1 


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12 


3 


_ 


2 


1 




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18 


- 8 


3 


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_ 


_ 


14 




i 


3 


2 




— 


84 


— 


88 


1 


_ 


— 


18 


16 


— 


6 


1 




— 


44 


- 4 


44 


_ 


_ 


_ 


21 


23 


— 


16 


1 




_ 


37 


- 7 


27 


1 


9 


— 


24 


13 


— 


10 


2 




1 


74 


4-30 


22 


52 


_ 


_ 


61 


11 


2 


8 


2 


2 


_ 


64 


- 2 


16 


49 


_ 


_ 


63 


8 


3 


16 


2 


2 


- 


61 


+ 12 


9 


52 


- 


- 


44 


17 


- 


19 



144 Stand des Realsobulwesens in Wttrttb. auf 1. Jan. 1902. 



Sitz 

der 

Realschule 



Schorndorf 

Schramberg 

Spaichingen 

Sulz 

Tettnang 

Trossingen 

Untergröningen . . . 

Urach 

Vaihingen 

Waiblingen 

Waldsee 

Wangen 

Weikersheim . . . . 
Weil der Stadt. . . 

Welzheim 

Wildbad 

Winnenden 



Bürgerschule Stutt- 
gart (Kl. HI- VIII) 



o 

s 



4 
2 
2 
1 
1 
1 
1 
3 
2 
2 
1 
2 
1 
1 
1 
2 
2 



Lehr- 
stellen 



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Ja. 

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1 
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1 
1 
2 
1 



§ 



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x: 

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1 

1 






□0 



186 
62 
25 
19 
27 
24 
18 

102 
51 
97 
20 
56 
24 
27 
24 
73 
65 



s 



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ei 

•-5 



CD 



H-11 



Konfession 
der Schfller 



+ 


4 


+ 


4 




6 


.^^^ 


6 


+ 


4 


— 


8 


+ 12 


+ 


8 


+ 15 


— 


4 




8 




4 


+ 


7 




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186 
17 

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18 

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24 
11 
101 
50 
91 

1 

13 
16 
16 
24 
72 
62 







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45 

19 

1 

24 

2 

1 
1 

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43 

11 






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-4.1 
00 

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Heimat 
der Schüler 



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.9 



100 
60 
16 
16 
16 
28 
7 
99 
80 
67 
15 
43 
16 
12 
21 
57 
58 






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29 

2 

9 

8 
11 

1 

61 - 



2 

20 

80 

2 

8 

8 

15 

3 

12 

7 



1 
1 

3 
5 



211 
18 

4 



12 
12 
16 

4 
13 

14 

9 

17 

11 



95 


13 


13090 

1 


+ 171 


2274 


708 


104 


4 


2276 


696 


118'^ 

i 
i 

1 


22 


— 


964 


+ 65 


892 


68 


8 


1 


924 


35 


1 

5i- 



117 



21 22 — 



8 



Bemerkungen zu obiger Tabelle. 

1. 1 Vikarsstelle. 

2. 2 Vikarsstellen. 

3. Unterklasse gemeinsam mit der Lateinschule. 

4. Die Realschule ist der Aufsicht des Gymnasialrektorats 
unterstellt. 

5. In der Unterklasse erhalten künftige LateinschUler Unterricht 
im Lateinischen. 

6. Vorbereitungsklasse gemeinsam mit der Lateinschule. 



Stand des Realschulwesens in Wüi*ttb. auf 1. Jan. 1902. 145 

7. Latein- und Realschule stehen nnter gemeinschaftlichem 
Yorsteheramt. 

8. 2 Vikarsstellen, von denen 1 gemeinsam mit der Elementarschule. 

U. In dem Stande der Realschulen sind im Laufe des Jahres 

* 

1901 folgende Veränderungen eingetreten: 

Cannstatt. An der oberen Abteilung ist eine Hilfslehrstelle, 
an der unteren Abteilung sind 2 Hilfslehrstellen neu errichtet worden. 

Esslingen. 1 Hilfslehrstelle an der oberen Abteilung und 
1 Vikarsstelle sind neu errichtet worden. 

Hall. 1 Hilfslehrstelle an der oberen Abteilung ist in eine 
Hauptlehrst^Ue umgewandelt worden. 

Heilbronn. Klasse Hc ist in Klasse III c übergegangen; 
1 Klasse Ic ist neu geschaffen worden. 

Stuttgart; Wilhelms-Realschule. 1 Hilfslehrstelle an der 
mittleren Abteilung ist in eine Hauptlehrstelle umgewandelt worden. 

Ulm. Klasse Vb ist aufgehoben worden, üb ist in Ulb 
tibergegangen. 

Aalen. 1 Hilfslehrstelle für den Zeichenunterricht ist neu 
geschaffen worden. 

Lndwigsburg. 1 Hilfslehrstelle an Erlasse I und II wurde 
in eine Hauptlehrstelle umgewandelt. 

Ravensburg. 1 Hilfslehrstelle der oberen Abteilung ist neu 
errichtet. 

Buch au. 1 Hilfslehrstelle ^n der unteren Klasse neu errichtet. 

Crailsheim. Ebenso. 

Greglingen. Die Realschule ist neu errichtet worden. 

Dornhan. Ebenso. 

Heubach. Ebenso. 

Künzelsau. Die Hilfslehrstelle der mittleren Klasse wurde 
in eine Hanptlehrstelle verwandelt. 

Neuenburg. Die Hauptlehiatelle an der unteren Klasse ist 
neu errichtet worden. 

Oberndorf. 1 Hilfslehrstelle der unteren Klasse ist neu errichtet. 

Schorndorf. 1 Hilfslehrstelle der mittleren Klasse ist ueu 
errichtet 

Wangen. 1 Hilfslehrstelle der unteren Klasse ist neu errichtet. 

III. Am 1. Januar 1902 betrug die Zahl der öffentlichen Real- 
schulen 87; worunter 22 RealanstalteU; 64 niedere Realschulen iind 
die Bürgerschule in Stuttgart mit Ausnahme ihrer Elementarklassen. 



146 Stand des Realschalwesens in Wfirttb. auf 1. Jan. 1902. 

Diese 87 Schulen zählten am 1. Januar 1902 zusammen 391 
im Unterricht getrennte Blassen, worunter 53 provisorische. 

Von den 391 Klassen befanden sich an den oberen Abteilungen 
der Realanstalt^n 61, worunter 7 provisorisch, an den mittleren und 
unteren Abteilungen derselben 192, worunter 33 provisorisch, an 
den niederen Realschulen zusammen 117, worunter 13 provisorisch, 
endlich 21 Klassen an der Bürgerschule. 

IV. Die Gesamtzahl der Schüler, welche den 4n Ziffer 1 
aufgeführten Schulen angehören, belief sich am 1. Januar 1902 
auf 11432 Schüler, darunter 1221 Oberrealschttler. 

Am I.Januar 1901 hatte dieselbe 10754 darunter 1130 Ober- 
realschüler betragen, demnach ergiebt sich eine Zunahme von 
678 Schülern. 

Von der Gesamtzahl von 11432 Schülern kommen auf die 
22 Realanstalten 7378 Schüler, auf die 64 niederen Realschulen 
3090, auf die 21 Klassen IH— Vm der Bürgerschule 964. Unter 
der Gesamtzahl befinden sich 146 Mädchen. 

Nach den Kreisen des Landes und dem Religionsbekenntnis 
setzt sich die obige Gesamtzahl folgendermassen zusanmien: 

Evangelische KathoUken Iiraeliten 2wLfeMi<m 2°**""'*'* 



Neckarkreia . . 


4840 


499 


163 


14 


5526 


Schwarzwaldkreis 


1948 


510 


23 


3 


2484 


JagstkreU . . . 


1163 


214 


87 




1464 


Donaukreis . . 


1156 


758 


43 


1 


1958 



Zusammen 9117 1981 316 18 11432 

Nach der Heimat befanden sich darunter 8631 Schüler von am 
Ort der Schule wohnhaften Eltern, 1910 Söhne im Umkreis wohnender 
Eltern (Ambulanten) und 891 Auswärtige, darunter 209 Schüler, 
deren Eltern ausserhalb Württembergs wohnen. 

Nach der Gesamtzahl der Schüler ergebt sich für die 22 Real- 
anstalten folgende Reihenfolge: 

Stuttgart, KlMsen Schaler OberrealMhlller 

Fr.-Eug.-Realsch. mit 28 enthaltend 940 darunter 167 



Wi]h.-Real8chule „ 


23 


n 


816 


n 


151 


Caniutatt. . . . „ 


19 


n 


588 


n 


90 


Heilbronn . . . „ 


19 


n 


548 


n 


78 


Esslingen . . . „ 


16 


rt 


463 


n 


118 


Rentlingen ..... 


17 


r» 


411 


rt 


97 



Stand des RealBchulwesens in Württb. auf 1. Jan. 1902. 147 



Klftssen Schttler Oberrealschüler 



Göppingen 


• 




. mit 


12 


enthaltend 


382 


darunter 


37 


Ludwigsbnrg 




J7 


12 


n 


335 


n 


32 


Ulm . . . 




« 


11 


« 


282 


11 


55 


Tübingen 






"it 


8 


n 


267 


n 


48 


Kavensburg , 






1) 


8 


n 


257 


n 


65 


Hall . . , 






n 


10 


!T * 


252 


n 


88 


Kirchheim 






n 


7 


t1 


246 


n 


18 


Aalen . . 






ji 


8 


T1 


232 


n 


23 


Heidenheim 






n 


8 


« 


208 


r 


21 


Tuttlingen . 






n 


6 


n 


190 


n 


18 


Biberaoh . , 






n 


8 


)i 


186 


)) 


15 


RottweU . . 






71 


7 


» 


186 


n 


34 


Ehingen . . 






n 


6 


)i 


166 


n 


20 


Freudenstadt 




n 


6 


n 


151 


n 


26 


Schwenningen . 




»7 


6 


ij 


147 


n 


11 


Siudelfingen 


• 




n 


6 


n 


125 


n 


9 



22 Anstalten mit 251 Kl., enth. 7378 Seh., dar. 1221 ORsch. 
Die besnehtesten niederen Realschulen bis zu 50 Schillern herab 
waren am 1. Januar 1902: 



Backnang . . 




. mit 


4 E 


Llasf 


Schorndorf 




' n 


4 


77 


Crailsheim . . 




• n 


5 


77 


Metzingen . . 




n 


4 


77 


Urach 






3 




' Waiblingen . 






2 


77 
77 


Mergentheim . 




77 


3 


77 


Feuerbach . . 




71 


3 


77 


Kllnzelsau . . 




77 


3 


77 


Balingen . . 




77 


2 


77 


Bietigheim . . 




77 


2 


77 


Dttrrmenz-Mtthlaekei 


77 


2 


77 


Obemdorf . . 




77 


2 


77 


WUdbad . . 




77 


2 


77 


Winnenden 




77 


2 


77 


Rottenburg . 




77 


2 


77 


Schramberg . 




77 


2 


7r 


Saulsrau . . . 






2 




Waneren 


' 77 


2 


71 


Münsingen . . 


■ ( 


* 77 
77 


2 


77 
77 



77 


136 


7* 


77 


133 


77 


77 


102 


77 


77 


102 


77 


77 


97 


n 


77 


91 


71 


77 


86 


17 


77 


86 


?7 


77 


79 


77 


77 


76 


71 


77 


75 


11 


71 


74 


71 


77 


73 


77 


'7 


65 


»7 


77 


64 


77 


77 


62 


77 


77 


61 


n 


77 


56 


77 


77 


54 


77 



148 Stand des ReaUchnlwesens in Württb. auf 1. Jan. 1902. 



Giengen . . 
Vaihingen a. E. 
Nagold . . . 



. mit 2 Klassen, enthaltend 51 Schfller 
2 „ „ 51 



J? 



»7 



J) 



« 



Im ganzen 23 Schulen mit 59 Klassen^ enthaltend 1786 Schttler. 
Die übrigen 41 Realschulen zählten in 58 Klassen 1304 Schüler. 
Unter 20 Schüler hatten die Realschulen: - 



Sulz . . 

Dornhan 

Neresheim 

Langenau 

Heubach 

Untergröningen 

Heimsheim . . 



mit 19 Schülern in 1 Klasse 






18 
18 
16 
13 
18 
10 



n 



n 



1? 



»1 



»1 



J7 



Vi 



11 



11 



1 
1 
1 
1 
1 
1 



11 



n 



11 



Vi 



11 



n 



y. Was den Wechsel der Schttler vom 1. Januar 1901 
bis 1. Januar 1902 betrifft^ so sind 

A. ans den Realschulen (einschliesslich der Klassen in — ^VIII 
der Bürgerschule) abgegangen: 
a) aus den Oberklasson: 

in eine Oberklasse einer Gelehrtensohule 

ein Schullehrerseminar 

eine andere öffentliche Schule . . . 
„ „ Priyat8chul.od.ind.Privatunterricht 

in das elterliche Haus 

nach Erwerbung des Abiturientenzeugnisses 
zum Studium an der Technischen 

Hochschule . 99 

zu einem sonstigen Beruf ... 10 



Vi 



11 



6 
1 
4 
2 
3 



nach Erwerbung d. Reifezeugnisses f. Prima 
nach Erwerbung des Einjährigenzeugnisses 
zu einem gewerblichen Beruf . . 80 
zu einem kaufmännischen Beruf . 199 
zum mittleren Beamtendienst . . 176 
zu einem andern Studium oder Beruf 37 
zum Landheer 



109 
31 



492 
1 



zu Gewerbe und Handel 18 

,, einer andern Beschäftigung .... 2 

aus dem Lande weggezogen 2 

gestorben sind 5 



Zusammen 671 Schüler 



stand des Bealschnlwesens in Wflrttb. auf 1. Jan. 1902. 149 

b) ans den Mittel- and Unterklassen: 

in eine Mittel- oder Unterklasse einer 

Qelehrtenschule 37 

in eine Elementarsehule 13 

„ „ Volksschule . 180 

„ ein Schullehrerseminar oder eine Prä- 

parandenanstalt 13 

„ eine andere öffentliche Schule ... 20 

„ den Privatunterricht 44 

ins elterliche Haus 60 

in eine militärische Bildungsanstalt . . 2 

zu Gewerbe und Handel 825 

zur Landwirtschaft 22 

zu einer anderen Beschäftigung .... 31 
aus dem Lande weggezogen . . . ^ . 55 

gestorben 17 

Zusammen 1319 Schiller 
B. Aus den mittleren Blassen in die oberen sind über- 
getreten 692^ darunter 593 an derselben Anstalt. 

Aus einer Oberklasse in eine Oberklasse einer anderen An- 
stalt sind 57, aus einer Mittel- oder Unterklasse in eine Mittel- 
oder Unterklasse einer anderen Realschule 276 übergetreten, 
aus einer Oberklasse einer Realanstalt in eine Unterklasse 1. 
0. Eingetreten sind im Laufe desselben Kalenderjahrs : 

a) in die Oberklassen: 

aus einer Oberklasse einer Gelehrtenschule 14 

y, ,, Mittelklasse „ „ 5 

„ „ Volksschule 1 

„ „ anderen öffentlichen Schule . . 4 
„ ,, Privatschule oder dem Privat- 
unterricht 18 

„ dem elterlichen Haus 8 

von ausserhalb des Landes 11 

Zusammen 61 Schüler 

b) in die Mittel- und Unterklassen: 

aus Mittel- und Unterklassen einer Ge- 
lehrtenschule 155 

aus Elementarschulen 908 

„ Volksschulen 1013 

aus Vorbereitungsklassen der Volksschulen 377 



J30 Stand des Realscbolwesens in Württb. auf 1. Jan. 1902. 

ans einer anderen öffentlichen Schule . . 24 

r, dem PriTatunterricht 38 

„ „ elterlichen Hans 7 

von ausserhalb des Landes 85 

Zusammen 2607 Schüler] 
Die Gesamtzahl der im Jahre 1901 ausgetretenen Schüler ist 
daher 1990^ der ebgetretenen 2668. 

Daraus ergiebt sich wieder ein Zuwachs von 678 Schttlem. 

VI. Am Turnunterricht haben teilgenommen am 1. Jan. 1902: 
an den Oberklassen der 22 Realanstalten . . . 1074 

^ ^ Mittel- und Unterklassen 4581 

. . Realschulen 2619 

Zusammen 8274 Schüler 
Nur Im Sommer haben Turnunterricht erhalten nach dem 
Stand vom 1. Juli 1901: 
an Mittel- und Unterklassen der Realanstalten . 25 Schüler 
^ Realschulen 370 ,, 

VII. Zeugnisse bestandener Reifeprüfung sind im Kalenderjahr 
1901 ausgestellt worden 110; Zeugnisse wissenschaftlicher Be- 
j^Ugung für den einjährig-freiwilligen Dienst 622. 

VlIL Am 1. Januar 1902 bestanden an den Realschulen im ganzen 
394 Hauptlehrstellen, worunter 61 provisorische. Von diesen gehören 

a^i der Professoratsstufe an 82, sämtlich an den oberen Ab- 
teilungen der 22 Realanstalten; 

b"^ der Oberreallehrerstufe 219^ nämlich 135 an den mittleren und 
unteren Abteilungen der Realanstalten, 77 an den niederen 
Realschulen und 7 an den Klassen VII und VIII der Bürger- 
schule (vgl. Statut der Bürgerschule § 9, dritter Absatz); 

0^ der Reallehrerstufe 93, wovon 62 auf die Realanstalten und 
:U auf die niederen Realschulen fallen. 

IX. Von definitiven Lehrstellen waren am 1. Januar 1901 

Pro Oberreal- Beal- 

RaktoraU «w..™,. lahrer- lahrer- 
fatsorata ,^,i^^ ,^,^^ 

i^rledigt 6 

New errichtet wurden 1 3 3 

In Krledlgwng kamen 14 3 

Uesetit wurden im Jahr 1901 . . 1 14 9 

Krledigt waren ain 1. Januar 1902 .00 60 



Stand des Realschulwesens in Württb. auf 1. Jan. 1902. 151 

Hiezu ist zu bemerken^ dass von den erledigten Oberreallehrer- 
stellen 3, welche mit Unterricht an unteren Klassen verbunden waren, 
in Reallehrerstellen umgewandelt wurden. Im ganzen wurden im 
Kalenderjahr 1901 24 Hauptlehrstellen besetzt, von diesen 12 durch 
Versetzung oder Beförderung, während 12 Lehrer erstmals auf 
Lebenszeit angestellt wurden. Von diesen haben 5 die Professorats- 
Prüfung, 2 die Reallehrerprüfung, 5 die Kollaboraturprüfung er- 
standen. Abgegangen sind im Jahr 1901 9 Lehrer, 7 durch Tod, 
1 durch Pensionierung, 1 durch Austritt aus dem Staatsdienst. 

X. Am 1. Januar 1902 waren auf Lebenszeit angestellt: 
au den Oberklassen der 22 Realanstalten ... 71 Lehrer 
an den Mittel- und Unterklassen dieser Anstalten . 164 „ 
an niederen Realschulen 87 ,, 

Zusammen 322 Lehrer 
Hiezu kommen noch 62 Lehrer, welche an den Gelehrtenschulen 
ihre Anstellung gefunden haben, und zwar 40 Lehrer an den oberen 
und 22 an den mittleren Klassen und Lateinschulen, sowie 7 rea- 
listische Lehrer an den Klassen VII und VIII der Bürgerschule, so 
dass die Gesamtzahl der am 1. Januar 1902 definitiv angestellten 
(realistischen) Lehrer 391 beträgt. 

Aus der Gesamtzahl der hier aufgeführten Lehrer haben 137 die 
Professoratsprüfung und 173 die Reallehrerprüfung erstanden. 

Das Lebensalter, in welchem dieselben die betreffende Prüfung 
erstanden haben, beträgt 

für die Lehrer der I. Stufe durchschnittlich 27,62 Jahre 

Während das Lebensalter, in welchem sie zu erstmaliger Anstellung 
auf Lebenszeit gelangt sind, gleichviel auf welcher Stufe des Lehr- 
dienstes 

für die Lehrer der I. Stufe 30,07 Jahre 

11 n n n II« « 28,00 „ 

beträgt. 

Für die auf der Oberstufe angestellten Lehrer, welche die 
Professoratsprüfung gemacht haben, ist das mittlere Anstellungs- 
alter auf dieser Stufe 33,47 Jahre. 

XL Unständige Lehrer waren im Lauf des Jahres 1901 ver- 
wendet : 
als Hilfslehrer im ganzen 83, worunter 3 an humanist. Anstalten 
als Vikare und Repetenten 19, „ 3 ,, 



n 11 



l^± Sumd des Healschulwesens in Württb. aof t. Jan. 1302. 

als Amtsrerweser auf erledigten Stellen oder als Stellvertreter 
(b erkrankte nnd beurlaubte Lehrer 36 Kandidaten, worunter 
3 an humanistischen Anstalten^ und zwar betrug die Zeit 
ihrer Dienstleistung durchschnittlich 145 Tage. 

XII. Im Jahre 1901 haben die I. höhere Dienstprttfung für dan 
realistische Lehramt bestanden 16 Kandidaten 

a) die Prtifung sprachlich-historischer Biohtung ... 8 

b) „ „ mathemat. - naturwissenschaflL Richtung 

I. Abteilung 4 

IL Abteilung 4. 

Die IL höhere DienstprUfung bestanden 14 Kandidaten 

a) die Prtifung sprachlich-historischer Richtung ... 7 

b) „ „ mathemat. -naturwissenschafü. Richtung 

I. Abteilung 4 

IL Abteilung 3 

Es bestanden ferner die 
Professoratsprüfnng sprachlich-geschichtlicher Richtung 1 

Reallehrerprtifung 1 

Prtifung ftlr Reallehrersstellen 22. 

Die Zahl der vollständig geprüften Kandidaten des realisti- 
schen Lehramts, welche am 1. Januar 1902 noch nicht auf Lebenszeit 
angestellt waren, und welche für den Dienst an Realschulen in 
Betracht kommen können, beträgt 46, und zwar Kandidaten mit: 

A. Realistischer Professoratsprfifung 

1. sprachlich-geschichtlicher Richtung 8 

2. mathematisch-naturwissenschaftlicher Richtung . . 9. 

B. IL Dienstprüfung für das höhere Lehramt 

1. sprachlich-geschichtlicher Richtung 7 

2. mathematisch-naturwissenschaftlicher Richtung . . 8. 
Diese Kandidaten haben die Prüfung in den Jahren 1885 — 1901 

bestanden. Von denselben waren an Gelehrtenschulen 4, an Real- 
schulen 21 verwendet. In anderweitiger Stellung waren 6, davon 3 an 
Universitäten und technischen Hochschulen, 2 an der Baugewerke- 
Kcliule, 1 an der höheren Handelsschule. 

C. Mit Reallehrerprttfung 14, von denen 1 an Gelehrtenschulen, 
10 an Realschulen verwendet, 2 in weiterem Studium, 1 in ander- 
weitiger Stellung waren. 

Ausser diesen 46 vollständig geprüften Kandidaten haben noch 
15 die I. höhere Dienstprüfung für das realistische Lehramt be- 



Stand des Realschulwesens in Württb. auf 1. Jan. 1902. 153 

standen, und zwar 8 in sprachlich-geschichtlicher Richtung, 7 in 
mathematisch-naturwissenschaftlicher (3 in der I. Abteilung und 
4 in der IL Abteilung), so dass sich die Gesamtzahl der noch nicht 
zur definitiven Anstellang gelangten Kandidaten auf 61 beläuft. 
Kandidaten fttr KoUaboraturstellen bezw. Reallehrstellen, welche 
für die Anstellung an realistischen Schulen in Betracht kommen, 
waren es am 1. Januar 1902 61. 

Xin. Die Berechtigungen der Anstalten. 

A. Die Berechtigung zur Ausstellung von Zeugnissen über die 
wissenschaftliche Befähigung für den einjährig -freiwilligen Militär- 
dienst ist 

den 8 zehnklassigen Realanstalten in Cannstatt, Esslingen, 
Hall, Heilbronn, Reutlingen, Stuttgart (Friedrich-Eugens-Real- 
schule und Wilhelms-Realschule), Ulm nach § 90, 2 a der 
Deutschen Wehrordnung vom 22. November 1888, 

den 8 Realanstalten mit 2 Oberklassen in Aalen, Biberach, 
Göppingen, Heidenheim, Ludwigsburg, Ravensburg, Rottweil 
und Tübingen nach § 90, 2 b der Wehrordnung, 

endlich den 6 Realanstalten mit einer Oberklasse in Ehingen, 
Freudenstadt, Kirchheim, Schwenningen, Sindelfingen und 
Tuttlingen nach §90, 2 c der Wehrordnung 
verliehen. 

Diese Zeugnisse berechtigen zugleich 

1. zum Eintritt in die Landwirtschaftliche Akademie zu Hohen- 
heim in der Eigenschaft eines ordentlichen Studierenden (Organische 
Bestimmungen vom 8. November 1883 § 15, Reg.BL S. 316); 

2. zur Zulassung zu der niederen Eisenbahndienstprüfung in 
der Eigenschaft eines Kandidaten des mittleren Eisenbahndienstes 
(K. Verordnung vom 13. Januar 1884 § 5, Reg.Bl. S. 7); 

3. zur Zulassung zu der niederen Post- und Telegraphendienst- 
prttfung in der Eigenschaft eines Kandidaten des mittleren Post- 
und Telegraphendienstes (K. Verordnung vom 31. Januar 1884 § 5, 
Reg.BL S. 19); 

4. zur Zulassung zu der niederen Finanzdienstprüfung (K. Ver- 
ordnung vom 16. JuH 1892 § 24, Reg.Bl. S.313); 

5. zur Zulassung zu der niederen Justizdienstprüfung (K. Ver- 
ordnung vom 31. Juli 1899, Reg.Bl. S. 557) ; 

6. zur Zulassimg zu der niederen Verwaltungsdienstprüfung 
(K* Verordnung vom 1. Dezember 1900, Reg.Bl. S. 905); 

Keues Korrespondensblatt 1902, Heft 4 n. 6. 



154 StSLüd des Realschulwesens in Wfirttb. anf 1. Jan. 1902. 

7. zur Zulassung zu der Prüfung der Apothekergehilfen und 
der Apotheker, jedoch nur, wenn der Kandidat bei einem Gymna- 
sium, evangelisch-theologischen Seminar, Realgymnasium^ Lycenm 
oder Reallyceum sich noch einer Prüfung im Latein unterzogen hat 
und auf Grund derselben nachweist, dass er auch in diesem Gegen- 
stand die Kenntnisse besitzt, welche behufs Erlangung der wissen- 
schaftlichen Befähigung für den einjährig-freiwilligen Militärdienst 
erfordert werden (Bekanntmachung des Reichskanzleramts vom 
5. März 1875 § 4, Reg.Bl. 8. 169 ff., desgleichen vom 13. November 
1875 § 3, Reg.Bl. 8. 578). 

B. 1. Die Reifezeugnisse der oben genannten zehnklassigen 
Realanstalten sind gtUtig als Nachweis des erforderlichen wissen- 
schaftlichen Bildungsgrades für den Offiziersbemf. Primanerzeug- 
nisse berechtigen zur Abiegung der Fähnrichsprüfung. Oberreal- 
schüler haben in der Fähnrichsprüfung die fehlende Kenntnis des 
Lateinischen durch Mehrleistungen in den vorgeschriebenen Prüfungs- 
fächern auszugleichen. (K. Württembergisches Militärverordnungs- 
blatt vom 25. März 1902 Nr. 9.) 

2. Ein Zeugnis über den regelmässigen Besuch der Klasse VIII 
(Obersekunda) und die erlangte Reife zur Aufnahme in Klasse IX 
(Unterprima) einer vollständigen Oberrealschule (zehnklassigen Real- 
anstalt) berechtigt zur Zulassung zur Feidmesserprüfung (K. Ver- 
ordnung vom 21. Oktober 1895, Reg.Bl. S. 303). 

Ferner sind von dem K. Ministerium des Innern vorbehaltlich 
der Prüfung im einzelnen Fall bis auf weiteres solche Kandidaten 
zur Feldmesserprüfung zugelassen, welche auf Grund des erfolg- 
reichen Besuchs der Vm., bezw. der obersten Klasse einer Real- 
anstalt mit 2 Oberklassen und der erfolgreichen Erstehung der 
am Ende des Sommerhalbjahrs vorgeschriebenen Klassenprttfung 
durch Beschluss des Lehrerkonvents das Zeugnis der Reife für die 
Klasse IX einer zehnklassigen Realanstalt erlangt haben. 

ü. Das Reifezeugnis der zehnklassigen Realanstalten gewährt 
folgende Berechtigungen: 

1. Immatrikulation bei der naturwissenschaftlichen Fakultät und 
mit Ergänzung durch ein Zeugnis über die erfolgreiche Erstehung 
«ier Koifeprüfung eines Gymnasiums oder eines Realgymnasiums im 
Fach der lateinischen Sprache auch zur Immatrikulation bei der 
phlloMophischen Fakultät der Universität Tübingen (Ministerial- 
verfU^ung vom 14, Februar 1876 Ziffer 11, Reg.Bl. 8. 64, und vom 
14, Januar 1899, Reg.Bl. S. 26). 



Stand des Realschal wesens in Württb. auf 1. Jan. 1902. 155 
« 

2. Znlassung zum Eintritt in eine der Abteiinngen der K. Tech- 
nischen Hochschule in Stuttgart in der Eigenschaft eines ordent- 
lichen Studierenden (Beil. zur Min. Verf. vom 17. Juni 1885 § 10, 
Reg.Bl. S. 284). 

3. Zulassung zu der Dienstprüfnng für das realistische Lehr- 
amt für Kandidaten der sprachlich-geschichtlichen Richtung, jedoch 
nur mit Ergänzung durch ein Zeugnis über die erfolgreiche Er- 
stehung der Reifeprüfung eines Gymnasiums oder Realgymnasiums 
im Fache der lateinischen Sprache (Ministerialverfügung vom 12. Sep- 
tember 1898, Reg.Bl. S. 180 ff.). 

4. Zulassung zu den Staatsdienstprüfungen im Hochbaufach, 
einschliesslich der mathematisch-naturwissenschaftlichen Vorprüfung 
<K. Verordnung vom 13. April 1892 § 3 Ziffer 1, Reg.Bl. S. 150). 

5. Zulassung zu den Staatsdienstprüfungen im Bau-Ingenieur- 
fach, einschliesslich der mathematisch-naturwissenschaftlichen Vor- 
prüfung, ebendaselbst. 

6. Zulassung zu den Staatsdienstprüfungen im Maschinen- 
Ingenieurfach, einschliesslich der mathematisch -naturwissenschaft- 
lichen Vorprüfung, ebendaselbst. 

7. Zulassung zu den Dienstprüfungen im Berg-, Hütten- und 
Salinenwesen (K. Verordnung vom 30. Dezember 1852 § 5, Reg.Bl. 
von 1853 S. 4). 



Statistische Nachrichten über den Stand des Elementar- 
schulwesens in Württemberg auf 1. Januar 1902. 

An 17 Orten (Cannstatt, Esslingen, Feuerbach, Qmttnd, Göp- 
pingen, Heidenheim, Heilbronn, Kirchheim, Ludwigsburg, Metzingen, 
Nürtingen, Öhringen, Reutlingen, Stuttgart, Tübingen, Ulm, Urach) 
bestehen sogenannte Elementarschulen, welohe Knaben in 
zwei Jahrgängen zum Eintritt in die Gelehrten- und Realschulen 
vorbereiten. Ausserdem besteht in Stuttgart eine eigens zur Vor- 
bereitung auf die Bürgerschule bestimmte Elementarschule. 

Der Stand der einzelnen Elementarschulen am 1. Januar 1902 
«rgiebt sich aus der nachstehenden Tabelle: 



1 56 Sltand des Elementarschnlwesens in Wfirttb. auf 1. Jan. 1902. 



Sitz 

der 

Elementarschule 



Oannstatt 

Esslingen 

Feuerbach 

Gmünd 

Göppingen 

Heidenheim 

Heilbronn 

Kirchheim 

Ludwigsburg 

Metzingen 

Nürtingen 

„-Öhringen 

Reutlingen 

Stuttgart : 
Stadt. Elementarschule 

Elementarklassen der 
Bürgerschule . . . . 

Tübingen 

Ulm 

Urach 





OQ 



5 
5 
1 
1 

2 
5 
1 

4 
1 
1 
1 
2 

23 

10 
2 
5 
1 



Lehr- 
stellen 



74 



a 

c 

ja 

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4 
4 
1 
1 
2 
1 
5 
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2 

18 

4 
2 
5 
1 



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1 
1 



2 
1 



184 

205 
37 
49 

171 
99 

175 
64 

154 
36 
26 
38 

130 

965 

467 
81 

196 
60 



s 



CS 



C3 

a> 

o 



+ 3 
+ 22 
+ 12 

- 1 
+ 16 
+ 35 

- 5 
! + 13 

!+ 4 

- 6 
+ 3 

- 3 

+ 74 

+ 36 
+ 9 
+ 6 

- 2 



Konfession 
der Schüler 










ee 



160 

185 
36 
10 

144 
93 

149 
62 

133 
33 
25 
30 

124 

761 

429 
64 

132 
59 



16 

17 

1 

38 

19 

6 

16 

1 

13 

3 

1 

1 

5 

153 

38 
16 
50 

1 



a 

9 



9 
es 



8 
2 

1 
8 

10 
1 

8 



7 
1 

44 



1 
13 



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1 



Heimat 

der Schüler 



2 fl5 



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•^ c 



fl> = 



168 

164 
34 
48 

145 
94 

160 
60 

130 
- I 34 
22 
34 
-. 128 



945 



— 462 
76 
181 
57 



191 2 
88 2 

3 — 
1 1 

25; 1 

t 

5 — 

13 I 2 

4 — 
23- 1 

2'- 

4 — 

4 — 

2 

r 

15 5 

4 1 

5 — 

7i 8 
3!- 



58 



16 



3137 



+216 



2629 



395 



104 



9 



2937 



175 25 



Im Kalenderjahr 1901 wurden an der städtischen Elementar- 
schule in Stuttgart und an den Elementorklassen der Bfirgerschale 
in Stuttgart je eine weitere Klasse und Hauptlehrstelle, an der 
Elementarschule in Heidenheim eine weitere (provisorische) Klasse 
und eine Hilfslehrstelle errichtet. 

Von der Gesamtzahl der 74 Klassen waren 16 provisorisch 
errichtet. 

Die Schülerzahl der Elementarschulen hatte sich am 1. Jannar 

1901 belaufen auf 2921. 



Stand des Elementarschulwesens in Württb. auf 1. Jan. 1902. 157 

Von diesen sind während des Kalenderjahres 1901 ausgetreten 
1655, nnd zwar: 

in eine Gelehrtenschule 548 

davon 
in ein Gymnasium oder Lyceum .... 316 
„ „ Realgymnasium oder Reallyceum . . 192 
„ eine Lateinschule oder Reallateinschule . 40 

in eine Realschule 908 

„ „ Volksschule 88 

„ den Privatunterricht oder eine Privatanstalt . . 22 

„ das elterliche Haus zurück 58 

aus dem Lande weggezogen 26 

gestorben 5 

Eingetreten sind 187 1, und zwar: 

aus einer Gelehrtenschule 1 

„ „ Realschule 13 

„ „ Volksschule 299 

„ besonderem, in der Volksschule eingerichtetem 

Vorbereitungsunterricht 21 

yj dem Privatunterricht oder einer Privatanstalt . 10 

„ „ elterlichen Haus 1502 

von ausserhalb des Landes hergezogen 25 

Es sind somit 216 Schttler mehr eingetreten als ausgetreten, 
wodurch sich auf 1. Januar 1902 die Gesamtzahl 3137 ergiebt. 

Nach den vier ELreisen des Landes verteilen sich die 3137 
Schüler folgendermassen : 

Neckarkreis 2187 

Schwarzwaldkreis 333 

Jagstkreis 186 

Donaukreis 431 



1 68 Obersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in WOrttb. 

Übersicht 

über die im Eönigreioli Württemberg bestehenden, der K. Enltmin.- 

Abteilung für Gelelirten- nnd Be&lsclLülen untergeordneten 

boheren Lehranstalten nebst Angabe der dabei angestellten 

Beamten, Lehrer etc. nach dem Stande vom 1. Hai 1902. 

Unter Benützung der neuesten amtlichen Quellen. 

A. Die evangelisch-theologischen Seminarien. 

a) Das höhere evangeliBoh-theologische Seminar in 

Inspektorat: Dr. v.^Sigwart^ Staatsrat, Professor, erster Inspektor^ 
Kr.0.3(E). Fr.0.2b. J.M.2. Dr. v. Buder, Prof., Epborus, zweiter 
Inspektor, Kr.0.2c. Kr.O.M. K.O.M.1. J.M.2. (K.71). Dr. Grill^ 
Professor, dritter Inspektor, J.M.2. 

Ephoms: Dr. v. Bader, Professor. 10 Repetenten. Ökonomiever- 
walter: Hochstetter, Kanzleirat, zugleich am Wilhelmsstifl. 
Arzt: Dr. Landerer, Sanitätsrat, Oberamtswnndarzt. Mnsik- 
lelirer: Dr. Kau ff mann, ausserordentlicher Professor, Uni- 
versitätsmusikdirektor. 1 Assistent des Seminararztes. 

h) Die vier niederen evangelisch-theologischen Beminarien in 

1. Blaubenreii. 

Ephorus: Vayhinger, Fr.O.Sa. J.M.2. Professoren: Fischer^ 
Dr. Heege. 2 Repetenten. Ökonomieverwalter: Kielmeyer, 
Kameralverwalter. Arzt: Dr. Baur, Oberamtsarzt Zeichen- 
lehrer: Junginger. Musiklehrer: Weitbrecht. Tnmlehrer: 
prov. Burza. 

8. Hanlbronn. 

Ephorus: Paulus. Professoren: Dr. Nestle (K.71), Dr. Meltzer. 
2 Repetenten. Ökonomieverwalter: Volz, Kameralvemt'alter. 
Arzt: Dr. Georgii, Oberamtsarzt. Musik- und Turnlehrer: 
Haasis. 

3. Sdiöntlial. 

Ephorus: Dr. Lang (K.71). Professoren: Dr. Meyer, Traub. 
2 Repetenten. Ökonomieverwalter: Ergenzinger, Kameral- 
verwalter. Arzt: Dr. Junginger. Mnsiklehrer: Kirscbmer. 



Übersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in Württb. 159 

4. Uraeli. 

Ephorus : Dr. J e 1 1 e r , Pr,0.3a. Professoren : Dr. EitlO; HirzeL 
2 Repetenten. Ökonomieverwalter : Sippel; Oberamtspfleger. 
Arzt: Dr. Pfäfflin, Oberamtsarzt. Musik- und Turnlehrer: 
Bopp. 

B. Die Gymnasien, Lyceen und Lateinschulen. 

a) Gymnasien in 

1. Cannstatt. 

(10 Klassen, 4 obere, 6 untere.) 

Rektor: Dr. Klett, zugleich Vorstand der Elementarschule. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Dr. Klett, Rektor (s.o.); Koch, 

Dr. Dürr, Dr. Nast (K.71), Dr. Ruoss, Dr. Wörner, ( ), 

Professoren. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Lörcher, Fischhaber, 
Gut, Professoren; Schlenker, Oberpräzeptor; Geiger, 
Dinkel, Präzeptoreü. Zeichenlehrer: Braumiller (s. u.). 
Turnlehrer: St ab 1er. 1 Vikar. 

(12 Klassen, 6 obere, 6 untere; Kl. I u. II kombiniert.) 

Rektor: Dr. Hehle, Fr.0.3a. J.M.2. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Dr. Hehle, Rektor (s. o.); 
Rief, zugL Konviktsvorstand, Rieber, Büöler, Dr. Sporer, 
Metzieder, Dr. Ehrenfried, Dr. Trunk, Professoren; 
2 HUfslehrer. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Steinhauser, Bolsinger, 
Professoren; Schumm, Oberpräzeptor; Dr. Schutz bach, Prä- 
zeptor. 1 Hilfslehrer (hum.). Hauptlehrer für realistische Fächer: 
Baur, Professor. Zeichenlehrer: Stetter, Architekt. Gesang- 
lehrer : Z 1 1 e r , Musikdirektor. Schreiblehrer :Bolsinger(s. o.). 
Turnlehrer: Kleiner, Schullehrer. 

3. Bllwanircn« 

(10 Klassen, 4 obere, 6 untere.) 

Rektor: Dreher, zugleich Vorstand der Realschule. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Dreher, Rektor (s. o.); 

Schneider, Stützle, Miller, Dr. Ritter, Dr. Hiemer, 

Professoren. 



160 Übersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in Wfirttb. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Dr. Malzacher, GfrOrer, 
Professoren; Heine, Fischer, Oberpräzeptoren; Kieninger, 
Nastold, Präzeptoren. Hauptlehrer für realistische Fächer: 
Dr. Kurtz, Professor (K.71. Pr.E.K.2). Turnlehrer: Dr. Ritter, 
Professor (s. o.); Kieninger, Präzeptor (s. o.). Zeichen- 
lehrer: Hub er ich. Qesanglehrer: Gfrörer, Professor (s. o.). 
1 Vikar, 

4. ISsflilini^eii. 

(10 Klassen, 4 obere, 6 untere.) 

Rektor: Mayer, zugleich Vorstand der Elementarschule, J.M.2. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Mayer, Rektor (s. o.); 
Motz, Dr. Wagner, Schmidt, Dr. Ganzenmttller, Pro- 
fessoren. 1 Hilfslehrer. 

b) Lehrer an der unt. Abteilung: Zimmer, J.M.2 (K.71. Pr.E.Kr.2.), 
Hochstetter, Professoren; Walter, Osiander, Oberprä- 
zeptoren; Dipper, Kr e hl, Präzeptoren. Hauptlehrer ftlr neuere 
Sprachen: Grunsky, Professor. Zeichenlehrer: Schwenzer, 
Professor. Fachlehrer für Mathematik: Schnizer, Reallehrer, 
zugleich Turnlehrer. 1 Vikar. 

5. Hau. 

(10 Klassen, 4 obere, 6 untere.) 

Rektor: Dr. John, Fr.0.3a. (K.71). 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Dr. John, Rektor (s. o.); 
Dr. Ludwig, Dr. Kolb, Dr. Fehleisen, Wetzel, Dr. Mäule, 
Professoren. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung : Reiniger, Dr. Nestle, Pro- 
fessoren; Bruckmann, Koch (K.71), Oberpräzeptoren; Weit- 
brecht, Rau, Präzeptoren. 1 realist. Hilfslehrer. Zeichen- 
lehrer: Reik, Professor. Turnlehrer: Reiss. Oesanglehrer: 
Weitbrecht, Präzeptor (s.o.). 1 Vikar. 

6* Heilbronn (mit Reallyceum). 
(18 Klassen, 6 obere, darunter 2 realist, 12 untere, darunter 2 realist.) 

Rektor: Dr. Dürr, zugleich Vorstand der Elementarschule, Fr.0.3a. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Dr. Dürr, Rektor (s. o.); 
Rösch, Fr.O.Sa. J.M.2; Lech 1er, zugleich Vorstand des Pen- 
sionats und Inspektor der Tumanstalt; Hartmann (K.71), 
Dangel, Gramer, Gutermann, Wunder, Dr. Kommerell, 
Professoren. 



Übersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in Württb. 161 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Fencht^Bokel^BüchleryKern, 
Münzenmaier, Professoren; Essich^ Speer (E.Tl), Föll, 
Babel, Oberpräzeptoron; Zluhan, Hofmann, Roller, Mühl- 
h aus er, Präzeptoren. Zeichenlehrer: Stahl, Oberreallehrer; 
Sitzler, Lampe (prov.). Gesanglehrer: Scholl, Wagner, 
Oberlehrer (s.u.). Turnlehrer: Hohenacker. 1 Vikar. 

Mit dem Gymnasium verbundenes Pensionat: Vorstand: Lechler, 
Professor (s. o.). 2 Repetenten. 

7. liudwifl^flibiirfl^. 

(11 Klassen, 4 obere, 7 untere.) 

Rektor: Erbe, zugleich Vorstand der Elementarschule, Fr.O.Sa. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Erbe, Rektor (s. o.); Krocken- 
berger, Entress, Raunecker, Kley, Widmann, Professoren. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung :Fi8cher, Renner, Professoren ; 
Belschner, Httzel, Oberpräzeptoren; Hähnle, Oberreallehrer; 
Kussmaul, Schübelin, Präzeptoren. 1 Hilfslehrer. Zeichen- 
lehrer: Gnant, Professor (s.u.). Turnlehrer: Löbich, Ober- 
lehrer. 1 Vikar. 

8. RaTensbarff. 

(10 Klassen, 4 obere, 6 untere.) 

Rektor: Ehemann, zugleich Frtlhprediger, Fr.O.Sa. J.M.2. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Ehemann, Rektor (s. o.); 
Schweizer Fr.0.3a, Dr. Ilg, Dr. Schermann, Dr. Landwehr, 
Bökeler, Professoren. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Böhringer, Humm, Pro- 
fessoren; Dr. Nikiaus, Präzeptoratskaplan, Straub, Müller, 
Oberpräzeptoren; Maier, Maag, Präzeptoren. Zeichenlehrer: 
Bosch, Oberreallehrer. Turnlehrer: Böhringer, Professor 
(s. 0.); Mai er, Präzeptor (s. o.); Stöcklein, Unterlehrer. 

9. Reutlliifl^eii. 

(10 Klassen, 4 obere, 6 untere.) 

Rektor: Dr. Friderich, zugleich Vorstand der Elementarschule, 
Fr.0.3a, J.M.2. 

si) Lehrer an der oberen Abteilung: Dr. Friderich, Rektor (s. o.) ; 
Votteler, Bilfinger, Dr. Sauerbeck, Rupp, Strölin, 
Professoren. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Hartmann, Fuchs, Pro- 
fessoren; Leuze, Schiliren, Oberpräzeptoren; Aickelin, 



162 Übersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in Württb. 

Bröckel, Präzeptoren. Zeichenlehrer: Schmidt, Professor. 
Turnlehrer: Held. Oesanglehrer: Schönhardt. 1 Vikar. 

10. BottweU. 

(18 Klassen, 7 obere, 6 untere, Kl. I und II kombiniert.) 

Rektor: Dr. Eble, Pr.0.3a. J.M.2. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Dr. Eble, Rektor (s. o.); 
Dr. th. Baltzer, Fr.0.3a, Günthner, Geiselhart, zugleich 
Konviktsvorstand, Blersch, Schmid, Dr. Kottmann, Zoller^ 
Professoren. 3 Hilfslehrer. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Eggler, Professor; Fischer^ 
Dr. Mock, Geiger, Oberpräzeptoren. 1 Hilfslehrer. Rea- 
listischer Hauptlehrer für mittlere und obere Klassen: Fischer, 
Professor. Zeichenlehrer: Dursch. Gesanglehrer: Keiler^ 
Oberreallehrer. Turnlehrer: Fischer, Oberpräzeptor (s.o.); 
Schäfle, Oberreallehrer (s.u.). 

11. Stuttffart. 

Eberhard-Ludwigs-Gymnasium. 
(21 Klassen, 6 obere, 15 untere.) 

Rektor: Dr. Straub, Oberstudienrat, Fr.0.3a. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Dr. Straub, Oberstudienrat (s.o.); 
Dr. Bilfinger, Fr.0.3a, Sauer, Fr.0.3a; Dr. Haas, Dr. Her- 
zog, Dr. Weihenmajer, Dr. Drück, Süskind, Straub^ 
Fr.0.3a (K.71), Cranz, Dr. Eiben, Dr. Sakmann, Pro- 
fessoren. Für Turnen: Kessler, Professor, zugleich Vorstand 
der Tumlehrerbildungs- und Musterturnanstalt; Gussmann. 
Fachlehrer für katholischen Religionsunterricht: Kohl er, Kaplan. 
Für italienische Sprache: Cattaneo, ital. Vizekonsul, zugleich 
Hilfslehrer an der Technischen Hochschule. 1 Vikar. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Märklin, Wintterlin, 
Bräuhäuser, Schaumann, Dr. Zarge8,Eapff, Dr. Pfeiffer, 
Professoren; Dölker, Dürr, Oberpräzeptoren; Eberhard, 
Fick, Aichele, Narr, Wolf, Braun, Präzeptoren. Für 
französ. Sprache: Dr. Rayhrer, Professor. Für Arithmetik 
und Zeichnen: Ostermayer, Professor. Für evang. Religions- 
unterricht: John, Gros, Stadtpfarrer. Für kathoL Religions- 
unterricht: Brenner, Kaplan. Gesang- und Sehreiblehrer: 
Katz, Oberlehrer. Turnlehrer: Gussmann, zugleich Turn- 
lehrer an der Techn. Hochschule (s.o.). Kassier des Gymnasiums: 
▼. Fischer, Sekretär (V.K.). 1 Vikar. 



Übersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in Wfirttb. 163 

Karls- Gymnasium. 

(20 Klassen, 8 obere, worunter 2 provisorisch, 12 untere.) 

Rektor: Dr. Egelhaaf, Oberstudienrat; zugleich Hilfslehrer an 
der Technischen Hochschule^ Fr.0.3a. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Dr. Egelhaaf^ Oberstudien- 
rat (s.o.); Dr. Weidlich, Fr.0.3a, Lökle, Fr.0.3a, Dr. Sixt, 
Dr. Heintzeler, Dr. Planck, Dr. Hieber, Dr. Mayser, 
Dr. Grotz, Dr. Müller, Leins, Dr. Kies, Dr. Sigel, J.M.2, 
Professoren. 2 Hilfslehrer an provisorischen Erlassen. Ftlr 
Turnen: Kehle. Ftlr katholischen Beligionsnnterricht: Aigel- 
tinger, Kaplan. Hilfslehrer für italienische Sprache: Cattaneo, 
italienischer Yizekonsul. Für Zeichnen :Ebenhusen. 1 Vikar. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Albrecht, Feucht, J.M.2, 
Schöttle, Mohl, Dr. Richter, Professoren; Kirschmer, 
Weismann, Dr. Thierer, Oberpräzeptoren; Schairer, 
Maag, Beiz, Schaich, Präzeptoren. Für Mathematik und 
Naturwissenschaften: Kern, Professor. Für moderne Sprachen : 
Dr. Lang, Oberpräzeptor. Für Gesang und Schönschreiben: 
Sehn 1er, Präzeptor. Für evang. Religionsunterricht: Sand- 
berger, Gros, Traub, Stadtpfarrer. Für katholischen 
Religionsunterricht: Laun, Kaplan. Zeichnen: Ebenhusen, 
Schaich, Präzeptor (s.o.); Sc hui er, Präzeptor (s. o.). Turnen: 
Kehle, Turnlehrer (s. o.). Kassier des Karlsgymnasiums: 
Barchet, städt. Rechnungsrat. 1 Vikar. 

13. Tttbin^en. 

(10 Klassen, 4 obere, 6 untere.) 

Rektor: Dr. Knapp, Theodor, zugleich Vorstand der Elementar- 
schule. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Dr. Knapp, Rektor (s. o.); 
Dr. Braitmaier, Paulus, Dr. Knapp (Paul), Nägele, 
J.M.2, Österlen, K.0.M.1, ( ), Professoren. 

b) Lehrer an der unt. Abteilung: Wörz, Stahlecker, Professoren; 
Dr. Müller, Dr. Günzler, Oberpräzeptoren; Waldmüller, 
Salzner, Präzeptoren. Zeichenlehrer: Weidle. Turnlehrer: 
Österlen, Professor (s. o.), Sturm, Universitätsturnlehrer (s. o.), 
Thomas (s. u.). Geaanglehrer : F r i e s s , Elementarlehrer (s. u.\ 
1 Vikar. 



164 Übersicht der höheren LehraiiBtalten, Lehrer etc. in Württb. 

14. Vlm. 

(10 Klassen, 4 obere, 6 untere.) 

Rektor: Dr. Hirzel, zugleich Vorstand der Elementarschule; Fr.O.Sa. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Dr. Hirzel, Rektor (s. o.); 
Dr. Knapp, Mahler, Hölzer, Dr. Ernst Müller, Dr. Bau- 
meister, Dr. Ziegler, Professoren. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Kallhardt, Böhm (K.71), 

Professoren; Dr. Kapff, Walter, ( ), Oberpräzeptoren; 

Mollenkopf, Pfeiffer, Präzeptoren. Zeichenlehrer: Die- 
terlen, Kimmich, Professoren. Gesanglehrer: Graf, Musik- 
direktor, g.M.f.K.u.W.a.B.d.Fr.0. Inspektor der Tumanstalt: 
Dr. Knapp, Professor (s. o.). Turnlehrer: Hörsch, Fischer. 
1 Vikar. 

b) Lyceen. 

öhrini^eii. 

(4 Klassen, 1 obere, 3 untere.) 

Rektor: Dr. Barth, zugleich Vorstand der Elementarschule, J.M.2. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Dr. Barth, Rektor (s. o.); 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Goppelt, Professor; Bader, 
Dr. Weller, Oberpräzeptoren; Renkenberger, Oberreal- 
lehrer; Schock, Präzeptor. Zeichenlehrer: Wandel, Ober- 
lehrer. Turnlehrer: Renkenberger, Oberreallehrer (s. o.\ 
Schock, Präzeptor (s. o.). 

c) Lateinsohulen. 

Aalen. Vorstand: Knödel, Oberpräzeptor. Oberpräzeptor: Vei- 

tinger. Präzeptor: Schairer. Turnlehrer: Röhm. 
Altenstel^r. Oberpräzeptor: Dr. Wagner, zugleich Vorstand. 

Präzeptor: Treuber, zugleich Turnlehrer. 1 Hilfslehrer. 
Baeknaiifl^« Oberpräzeptor: Scherb. Präzeptor: Widmann, 

zugleich Turnlehrer. 
Baliüfl^eii. Oberpräzeptor: Dr. Eber le. Präzeptor: Schmälzle. 

Turnlehrer: Bader, Reallehrer (s.u.). 
Bellsteiii. Oberpräzeptor Volt er. Turnlehrer: Schneider. 
Beslfl^lieliii. Oberpräzeptor: Dr. Kohleiss. Präzeptor: Schroter, 

zugleich Turnlehrer. 
BIberacli. Rektor: Bruder, Professor. Präzeptoratskapläne: 

Ott, Oberpräzeptor, HohL 1 Hilfslehrer. Tum- und Schreib- 



Übersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in Württb. 165 

lehrer: Gross, gemeinschaftlich mit der Realanstalt. Gesang- 
lehrer: Löhle. 

Bietifflieliii« Oberpräzeptor : Ganser, zugleich Turnlehrer. 
Präzeptor: Wiest. 

Blaubeiireii« Oberpräzeptor: Dr. Kies er. Präzeptor: ( ). 

Turnlehrer: Burza. 

Bdimlfl^lieiiii. Oberpräzeptor: Faul, zugleich Turnlehrer. Prä- 
zeptor: Kümmel. 

Braekenlieiiii. Oberpräzeptor: BihL Präzeptor: Baitinger, 
zugleich Turnlehrer. 

Bucliaii. Präzeptoratskaplan: ( ), Oberpräzeptor. Turn- 
lehrer: Oberreallehrer Eberhardt (s.u.). 

CraUsheiiii« Oberpräzeptor: Dr. Hertlein. Präzeptor: Braun. 
Turnlehrer: Bihler, Reallehrer ; Butz, SchuUehrer. 

£bl]ifl^eii. Oberpräzeptor: Bau r. Präzeptor: Notz. Turnlehrer: 
Brändle, Reallehrer. Zeichenlehrer: Landenberger. 

Freudeitflitadt. Oberpräzeptoren : Kttbel, zugl. Vorstand; (...). 
Präzeptor: Bitzer. Turnlehrer: Graf, Reallehrer (s. u.). 

Frledvlclisliafeii* Präzeptoratskapläne: Kresser, Oberprä- 
zeptor; ( ), Präzeptor. Turnlehrer: Pfeifle, Oberreal- 
lehrer (s.u.). 

GaUdorfi Oberpräzeptor: Leibbrand. Präzeptor: Wolfarth, 
zugleich Turnlehrer. 

Olenfl^en a. B. Oberpräzeptor: Elwert. Präzeptor: Joas, zu- 
gleich Turnlehrer. Zeichenlehr.: Dieterlen, Oberreallehrer (s. u.). 

Crdppiiifl^eii. Rektor: Grunsky, Professor, J.M.2. Oberpräzeptor: 
Keller. Präzeptor: Bauer. 1 Hilfslehrer. Zeichenlehrer: 
Vogel, Oberreallehrer. Turnlehrer: Rau, K.O.M.1. 

Grossbottwar* Oberpräzeptor: Baitinger, zugleich Turnlehrer. 

Criifl^lliifl^eii« Oberpräzeptor: Widmann. Turnlehrer: Ramsauer. 

Heldenlieiiii« Oberpräzeptoren: Dr. Kreuser, zugleich Vorstand; 
Dr. Schurr. Präzeptor: Ölschläger. Turnlehrer: Wieden- 
mann. 

Herrenberfl^. Oberpräzeptor: Weiss. Präzeptor: Sattler. Turn- 
lehrer: Vaihinger, Oberreallehrer (s. u.). 

Hobenbeim. Oberpräzeptor: Krumm, zugleich Turnlehrer. 
Präzeptor : ( ). 

Horb. Präzeptoratskapläne: Oberpräzeptor: (. . . .), Schneider- 
han. Turnlehrer: Mayer. 



166 Übersicht der höheren Lehranstulten, Lehrer etc. in WOrttb. 

KIrehhergm Oberpräzeptor: Lachenmann, zugleich Stadt- 
pfarrer. Turnlehrer: Schäfer. 

KLrclilieliii u. T« Rektor: Kall er , zugL Vorstand der Elementar- 
schule. Oberpräzeptor: Faber, Professor. Präzeptor: ( ). 

Turnlehrer: Riethmttller; Reallehrer (s.u.). Zeichenlehrer: 
Truckenmüller; Professor. 

lianfl^enbiirfl:« Oberpräzeptor: Beckli. Turnlehrer: Dautel. 

liauffeii« Oberpräzeptor: Hieber. Präzeptor: Seyfang, zu- 
gleich Turnlehrer. 

liSiiplieliii. Oberpräzeptor: Flaig. Präzeptor: Bachmann. 
Turnlehrer: Hepp. 

lieonberff« Oberpräzeptor: Wille, zugleich Turnlehrer. Prä- 
zeptor: Daiber. 

Leutkircli« Oberpräzeptor: Belser. Präzeptoratskaplan: Schiele. 
Turnlehrer: Schmolz, Reallehrer (s.u.). 

Harbacli. Oberpräzeptor: Lauer. Präzeptor: Eitle, zugleich 
Turnlehrer. 

Markfl^rdninfl^eii« Oberpräzeptor: Böcklen. Präzeptor: Härt- 
ner. Turnlehrer: Kneile. 

Henfl^eii. Präzeptoratskaplan : Oberpräzeptor .... Turnlehrer : 
Reiner, Oberreallehrer (s. u.). 

Merg^enthelm* Rektor: Dr. Pohlhammer. Oberpräzeptoren : 
Dr. Hang, Sauter. Präzeptor: Dürr. Turnlehrer: Rink. 
2 Hilfslehrer. Zeichenlehrer: Villforth. 

Munderkliiffeii« Präzeptoratskaplan: (...). Turnlehrer: Mager, 
Lehrgehilfe. 

Murrliardt. Oberpräzeptor: Herzog. Präzeptor: Dr. Keller. 
Turnlehrer: Riethmüller. 

IVafl^old. Oberpräzeptor: Haller. Präzeptor: Veyhl, zugleich 
Turnlehrer. Zeichenlehrer: Gräsle. 

Bfeckarsnliii. Präzeptoratskaplan: Oberpräzeptor Zimmermann. 
Turnlehrer: Haaga. 

Bfeiieiiflitadt. Oberpräzeptor: Hartmann, zugleich Turnlehrer. 
Präzeptor: Frohnmeyer. 

Oberndorf. Oberpräzeptor: Sohmid. Turnlehrer: Gutknecht« 

Pfnlliiiffeii. Oberpräzeptor: Mollenkopf. Turnlehrer: ünger. 

Rosenfeld. Oberpräzeptor: Menge. Turnlehrer: Berts ch, 
Schullehrer. 

Rottenbnrfl:. Rektor: Kr emmier, zugleich Dompräbendar und 
Vorstand der Realschule. Beiz, Dompräbendar. Oberpräzep- 



Übersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in Württb. 167 

toren: Dr. Kimmich, Stumpp. Präzeptor: Sorg. Zeichen- 
lehrer: Reitze. Turnlehrer: Reich. 

tS^auli^aii« Präzeptoratskaplan : Oberpräzeptor ( ). Turn- 
lehrer: Frey. 

Sclieer« Präzeptoratskaplan: Oberpräzeptor Stoker. 

Sehorndorf. Oberpräzeptor: Dr. Hesselmeyer. Präzeptor: 
GrossmanU; zugleich Turnlehrer. 

Scliraiiiberic« Oberpräzeptor: Knobloch. Turnlehrer: Dam- 
bach (8. u.). 

SpalcMiifl^eii. Oberpräzeptor: Stadler. Präzeptor: El wert, 
zugleich Turnlehrer. 

8iilx« Oberpräzeptor: Schiele. Turnlehrer: Friess, Ober- 
reallehrer (s. u.). 

Tettnanic. Präzeptoratskaplan: Oberpräzeptor Bucher. Turn- 
lehrer: Rittelmann. 

Tattlinfl^eii. Oberpräzeptor: Schaber, zugleich Turnlehrer. 
Präzeptor: Klass. Zeichenlehrer: Schmalzried. 

Uracli* Oberpräzeptor: Dr. Eisele. Präzeptor: Ander. Turn- 
lehrer: Bopp, Seminarmusiklehrer. 

TaUainfl^eii. Oberpräzeptor: Dr. Haus er. Präzeptor: Attinger. 
Turnlehrer: Rapp. 

Walbliniceii. Oberpräzeptor: StingeL Präzeptor: Sehn ir ring. 
Turnlehrer: Au er. 

Waldsee. Präzeptoratskaplan: Oberpräzeptor Hang. Turnlehrer: 
Holzherr; Schullehrer. 

l¥aii|ceii. Präzeptoratskaplan: (...). Turnlehrer: Bolter, Ober- 
reallehrer. 

Well der 8 todt. Oberpräzeptor : L o b m til 1 e r. Turnlehrer : 
Schmidt. 

Welnsberic* Oberpräzeptor: Dr. Breining, zugleich Turnlehrer. 
Präzeptor: Dipper. 

Wlesensteli:. Präzeptoratskaplan: (. . . .). Turnlehrer: Götz. 

WUdberfl^. Oberpräzeptor: Balderer. Turnlehrer: Steiner. 

Winneitdeii. Oberpräzeptor: Glökler, Präzeptor: Riethmttller, 
zugleich Turnlehrer. 



168 Übersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in Württb. 



C. Realgymnasien, Reallyceen, Reallateinschulen. 

a) Realgymnasien in 

1. Omflnd. 

(10 Klassen, 4 obere, 6 untere.) i 

Rektor: Dr. Klans, zugleich Vorstand der Elementarschule, Fr.0.8a. 
J.M.2. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Dr. Klaus, Rektor (s. o.); 
Btirklen, Berner, Dr. Seefelder, Schumacher, Geiger, 
Professoren. Zeichenlehrer: Fischer, 1 Hilfslehrer. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Dr. Greiner, Professor; 

Dr. Wolz, ( ), Präzeptoratskapläne, Oberpräzeptoren; 

Dr. Schweitzer, (. . . .), Oberreallehrer; Irion (K.71), Maurer, 
Präzeptoren. Zeichenlehrer: Fischer, Pfletschinger. Turn- 
lehrer: Stadelmeyer, S.V.M. 

(25 Klassen, 7 obere, wovon 2 provisorisch, 18 untere.) 

Rektor: Ehr hart, Oberstudienrat, Fr.O.Sa. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Ehrhart, Oberstudienrat (s.o.); 
Dr. A. Schmidt, Fr.O.Sa, Krug, Dr. Miller I, Lang, 
Müller, O.O., Dr. Staigmttller, Dr. Osiander, Minner 
(K.71), Rist, Zech, Lachenmaier, Dr. Miller II, Professoren. 
2 Hilfslehrer. Für evangelischen Religionsunterricht: Dölker, 
Mögling, Stadtpfarrer. Für katholischen Religionsunterricht: 
Kohl er, Kaplan. 2 Hilfslehrer. 1 Vikar. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Herzog, Kuhn, Hähnle, 
Fladt, Memminger, Hang, Calmbach, Müller, Pro- 
fessoren; Murthum, Fauser, Seiferheld, Eitle, Ober- 
präzeptoren; Lindmaier, Wendel, Harr, Bazlen, Fick, 
Bossler, Präzeptoren. Für Mathematik: Dölker, Richter, 
Professoren. Für katholischen Religionsunterricht: Kohle r, 
Beutele, Kapläne. Für Zeichenunterricht : Herwig, Zeichen- 
lehrer. Gesang- u. Schreiblehrer : Hartmann, Oberlehrer, J.M.3. 
1 Vikar. Tuminspektor: Dölker, Professor (s.o.). Turnlehrer: 
Rettenmaier. Kassier des Realgymnasiums: v. Fischer, 
Sekretär (V.K.). 



Übersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in Württb. 169 

3. Ulm. 

(10 Klassen, 4 obere, zum Teil mit den Realklassen kombiniert, 6 untere.) 

Rektor: Neuffer, zugl. Rektor der Realanstalt^ Fr.0.3a. J.M.2 (s. u.). 

a) Lehrer an der oberen Abteilnng: ausser den bei der Realanstalt 
genannten: Dr. Barthelmess (K.71.); Schauffler, Professoren. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Rieb er, J.M.2, Schulte»^ 
Professoren; Pfeiffer, Brost, Oberpräzeptoren ; Streng, 
Pflüger, Pr^eptoren. Schreiblehrer: Witte, Oberlehrer (s. u.). 
Zeichenlehrer: Dieterlen, Kimmich, Professoren. Gesang- 
lehrer: Graf, Musikdirektor. Turnlehrer: Hörsch, Fischer. 

b) Beallyceen in 

1. Bdblinseii. 

(7 Klassen, 2 obere, 5 untere.) 
Rektor: Hirsch. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Hirsch, Rektor (s. o.); Eruck, 
Professor. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Rühle, Dr. Mettler, Ober- 
präzeptoren; Kanzmann, Oberreallehrer; Bühl er, Präzeptor. 
1 Hilfslehrer. Zeichenlehrer: L äff 1er. 

ft. Calw. 

(7 Klassen, 1 obere, 6 untere.) 

Rektor: Dr. Weizsäcker, J.M.2. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Dr. Weizsäcker, Rektor 
(s. 0.); Hang, Professor. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Beutter, Professor; Steudel, 
Oberpräzeptor; Schmehl, Hory, Oberreallehrer; Dölker(K.71), 
Bäuchle, Präzeptoren. Zeichenlehrer: Dinkelacker. Turn- 
lehrer: Dölker, Präzeptor (s.o.). 

3. Oeiftliiif en. 

(8 Klassen, 2 obere, kombiniert, 6 untere.) 

Rektor: Dr. Magirus. 

a) Lehrer an der oberen Abteilnng: Dr. Magirus, Rektor (s. o.); 
Dr. Gross, Professor. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Fetscher, Dr. Lauer, Pro- 
fessoren; Brönnle, Dr. Vogt, Oberpräzeptoren; Dr. Winter nitz, 
Haidle, Präzeptoren. Zeichenlehrer: Fetscher (s. o.). Zieg- 
ler, Professor. Turnlehrer: Fetscher (s. o.), Dr. Lauer (s. c). 

Keues Korreipondensblatt 1902, Heft 4 u. 6. 



170 Übersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in Württb* 

4. HeUbronn, s. Gymnasium Heilbronn. 

5. Ifürtiiifeii. 

(8 Klassen, 2 obere, 6 untere.) 

Rektor: Bonhöffer, zugleich Vorstand der Elementarschule, J.M.2. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Bonhöffer, Rektor (s. o.); 
Kautter, J.M.2, Professor. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Ramsperger, Steudel, 
Professoren; Wieland, Oberpräzeptor; Sturm, Oberreallehrer; 
Ruthardt, Köhler, Präzeptoren. Turnlehrer: Kocher. Zeichen- 
lehrer: Enslin. 

c) Reallateinsohnle. 

Riedling^eii. 

Vorstand: Dr. Krieg, Professor. Oberreallehrer: Buz. Präzep- 

toratskaplan: ( ). Präzeptor: Wiedmann. Tum- nnd 

Zeichenlehrer: Mayer. 

D. Realschulen. 

a) Realanstalten (mit Oberklassen versehene Realschulen). 

a) RealMsUlten mit vier »leren JakreikirMi: 

1. Cannstatt. 

(16 Klassen, 4 obere, 12 untere.) 

Rektor: Mayer, Fr.0.3a. J.M.2. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Mayer, Rektor (s. o.); 
Dr. Pilgrim, Schölkopf, Schmid, Sucher, Dr. Abele, 
Professoren. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung : Müller, Kr.O.M. J.M.2, Mau- 
len, Gessler, Wüst, Professoren; Rivinius, L.D.2. (K.71.), 
Katzmaier, Kley, Soldner, Oberreallehrer; Gerat, Illen- 
berger, Hoss, Hermann, Reallehrer. 1 Vikar. Zeichenlehrer: 
Braumiller (s. o.). Turnlehrer: Stab 1er. Gesanglehrer: 
Ger st, Reallehrer (s.o.). 

(16 Klassen, 4 obere, 12 untere, worunter 2 provisorisch.) 
Rektor: Haage. 
a) Lehrer an der oberen Abteilung: Haage, Rektor (s. o.); 

Schirmer, Eberhardt (K.71.), Schmid, Dietmann, Pro* 

fessoren. 1 Hilfslehrer.. 



Übersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in Württb. 171 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Weiler, Mayer, Gehring, 
Professoren; Mayer, Maier, Frank, Dr. Müller, Oberreal- 
lehrer; Keefer, Wild, Gaiser, Beallehrer. 2 Hilfslehrer. 
1 Vikar. Zeichenlehrer: Schwenzer, Professor. Turnlehrer: 
Dipper (s.o.), Schnizer (s.o.), Wild (s.o.). Gesang- und 
Schreiblehrer: Klotz, Oberlehrer (s.u.). 

3. Hau. 

(10 Klassen^ 4 obere, woninter 1 provisorisch, 6 untere.) 

Kektor: Diez. 

A) Lehrer an der oberen Abteilung: Diez, Rektor (s.o.); Schnei- 
der, Säzler, Dr. Hack, Fach, Professoren. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Weiffenbach, Professor; 
Fritz, Schmieg, Kraiss, Oberreallehrer; Petri, Mayer, 
Reallehrer. 1 Vikar. Zeichenlehrer: Beik, Professor (s. o.). 
Turnlehrer: Reiss (s.o.). Gesanglehrer: Mayer. 

4. Heilbronn. 

(18 Klassen, 5 obere, 18 untere, worunter 1 provisorisch.) 

Rektor: Widmann, Fr.0.3a. J.M.2. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Widmann, Rektor (s.o.); 
Baisch, Fr.0.3a, Strobel, Weber, Braun, Schaufler, 
Professoren. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Necker,Fr.0.3a.J.M.2, Binder, 
Böhringer, Thomass, Professoren; Seybold, Kauffmann, 
Hole, Seefried, Oberreallehrer; Vöhringer, Kneile, 
Aberle, Behringer, Reallehrer. 1 Hilfslehrer. 1 Vikar. 
Zeichenlehrer: Stahl, Oberreallehrer, Eberbach. Turnlehrer: 
Hohenacker (s. 0.), Kneile (s.o.). Gesanglehrer: V Öhr inger, 
Reallehrer (s. 0.). Schreiblehrer: Scholl, Oberlehrer; Wagner, 
Tott, Elementarlehrer. 

5. BeutUnf en. 

(17 Klassen, ö obere und 12 untere, wor. 8 prov., 1 obere und 2 untere.) 

Rektor: Höchstetter (K.71.). 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Höchstetter, Rektor (s. o.) ; 
Dr.Steudel, Finckh, Silcher, Dr. Kommereil, Professoren. 
1 Hilfslehrer. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Durretsch, Linder, 
Hezel, Professoren; Bitzer, Wandel, Stflbler, Stöckle, 



172 Übersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in Württb. 

Oberreallehrer; Widmann^ Sattler, Röhm, Reallehrer. 
Zeichenlehrer: Schmidt, Professor. Oesanglehrer: Schön- 
hardt. Turnlehrer: Held. 2 Hilfslehrer. 1 Vikar. 

6. Stutti^art. (Friedrich-Eagens-Realschule.) 
(28 Klassen, 6 obere, 22 untere, wor. 5 prov., 1 obere, 4 untere.) 

Rektor: Schumann, Oberstudienrat, Kr.0.3. Fr.0.3a. J.M.2. 

a) Lehrerand, oberen Abteilung: Schumann, Oberstudienrat (s.o.); 
Huwald, zugleich Vorstand der Elementarschule, Dr. Krimmel, 
Dr. Bretschneider, zugleich Hilfslehrer an der Technischen 
Hochschule, Fr.O.Sa. (K.71), Högg, Fr.0.3a. J.M.2, Güntter, 
zugleich Hilfslehrer an der Technischen Hochschule, Dr. Diez^ 
zugleich Privatdozent an der Technischen Hochschule, Dr. Cranz^ 
zugleich Privatdozent an der Technischen Hochschule, Dr. Haag, 
Schiele, Professoren. 2 Hilfslehrer. Für katholischen Religions- 
unterricht: Laun, Kaplan. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Jauss, Fach, Somnier, 
Schöttle, Förstler, Fr.0.3b. J.M.2, Holl, Groh, Zech^ 
Ackerknecht, Professoren; Mtttzel, Keck, Baumeister, 
Herter, Oberreallehrer; Epple, Schnabel, Schock, Bäss- 
ler, Wölfflen, Offner, Reallehrer. 4 Hilfslehrer. 2 Vikare. 
Fachlehrer für evangelischen Religionsunterricht: Mögling, 
Stadtpfarrer. Fachlehrer für katholischen Religionsunterricht: 
Laun, Kaplan. Zeichenlehrer: Schmidt, Professor, gr.g.M. 
f.K.u.W. Tuminspektor: Dr. Bretschneider, (s.o.). Turn- 
lehrer: Renz, Reinhardt. Mit Turnunterricht sind weiter 
beauftragt: Dr. Bretschneider, Holl, Professoren; Wölff- 
len, Reallebrer. Kassier der Realanstalt: Barch et, städt» 
Rechnungsrat. 1 Diener. 

7. S(tattfl^art« (Wilhelms-Realschule.) 
(23 Klassen, 5 obere, 18 untere, wovon 4 provisorisch, 1 obere, 3 untere.) 

Rektor: Jäger, Fr.0.3a. J.M.2. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Jäger, Rektor (s. o.); Blum, 
Wagner, Weng, Zech, Rettich, Professoren. 2 Hilfslehrer. 
Für evang. Religionsunterricht Dr. Walther, Stadtpfarrer; des- 
gleichen für kath. Religionsunterricht: Fohmann, Stadtpfarrer. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Schrägle, Hils, Fr.0.3a, 
zugleich Vorstand der kaufmännischen Fortbildungsschule, Grdss- 
1er, Oberreutter, Birk, Ziegler, Professoren; Ensslen, 



Übersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in Württb. 173 

Montigel, Stahl, Wanner, Eisenmann, Oberreallehrer; 
Eanschnabel; Matthes, Walter, Griesinger, Reallehrer. 
Fachlehrer für evang. Religionsunterricht: Mögling, Dieter, 
Stadtpfarrer; desgleichen für kath. Religionsunterricht: Diemert 
und Vogt, Vikare. Taminspektor: Hils, Professor (s.o.). Turn- 
lehrer: Mayer. Zeichenlehrer: Haag, Professor. 5 Hilfslehrer. 
2 Vikare. Kassier der Wilhelmsrealschule: Barch et, städt. 
Rechnungsrat. 

8. Ulm. 

(12 Klassen, 4 obere, 8 untere, wovon 2 provisorisch.) 

Rektor: Neuffer, zugleich Rektor des Realgymnasiums (s. o.). 

a) Lehrer an der oberen Abteilung, zum Teil auch am Real- 
gymnasium verwendet: Neuffer, Rektor (s. o.); Sauter, Dr. 
Weisser, Marmein, Dr. Junker, Zelier, Professoren. 

b) Lehrer an der imteren Abteilung: Seuffer, Claus, Professoren; 
Hang, Kleinfelder, Lusser, Oberreallehrer; Eichler, 
Griesinger, Reallehrer. 1 Hilfslehrer. Schreiblehrer: Witte, 
Oberlehrer (s. u.). Zeichenlehrer: Dieterlen, Professor (s. o.). 
Gesanglehrer : Musikdirektor Graf. Turnlehrer : H ö r s c h, 
Fischer. 1 Vikar. 

ß) Reftlftistalt«! Hit iwei «leren Jikreikirsen: 

1. Aalen. 

(8 Klassen, 2 obere, 6 untere.) 
Rektor: Rommel. 

a) Lehrer ander oberen Abteilung: Rommel, Rektor (s.o.). Riehm, 
Professor. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Wolf, Professor; Beurlen, 
Harrer, Liomin, Oberreallehrer; Weller, Mackh, Real- 
lehrer. Turnlehrer: Röhm (s. o.). 

ft. Biberach. 

(8 Klassen, 2 obere, 6 untere, worunter 1 provisorisch.) 

Rektor: Reiff. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Reiff, Rektor (s. o.); Metzger, 
Professor. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung : Wild, J.M.2, Nisch, Braun, 
g.M.f.K.u.W., Klingel, Oberreallehrer; Maurer, Reallehrer. 
1 Hilfslehrer. Zeichenlehrer: Weiss, g.M.f.K.u.W. Turn- und 
Schreiblehrer: Gross. Gesanglehrer: Löhie, Braun. 



174 Übersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in WUrttb. 

3. Odppi]ii:en. 

(12 Klassen, 2 obere, 10 untere, darunter 3 provisorisch.) 

Rektor: Hertter, zugleich Vorstand der Elementarschnle, Fr.O.Sa. 
J.M.2. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Hertter^ Rektor (s. o.); 
Kleinknecht, Professor. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Teufel, Professor; Mauthe 
(K.71), Esslinger, Köhler, König, Oberreallehrer; Di et er le, 
8.V.M., Eisele, Reallehrer. 4 Hilfslehrer. Zeichenlehrer: 
Vogel, Oberreallehrer. Turnlehrer: Rau, K.O.M.1. Gesang- 
lehrer: Wissmann, Oberlehrer (s.u.). 

4. Heidenheim. 

(8 Klassen, 2 obere, 6 untere, worunter 1 prov.) 

Rektor: Malt er, J.M.2. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Maiter, Rektor (s. o.); Rommel,. 
Professor, 8.M.V.M. (K.71). 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Gaus, Professor; Eitel, 
Gehring, Müller, Oberreallehrer; Leyensetter, Reallehrer. 
1 Hilfslehrer. Zeichenlehrer: Leopold. Turnlehrer: Wieden- 
mann, Schullehrer. Gesanglehrer : Leyensetter, Real- 
lehrer (s. 0.). 

5. liUdwicnB^biirf • 

(12 Klassen, 2 obere, 10 untere, darunter 4 provisorisch.) 

Rektor: Hörz, Fr.0.3a, J.M.2. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Hörz, Rektor (s.o.); Bück, 
Professor. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Riecke, Professor; Fein, 
Bonhöffer, D engler, Oberreallehrer; Franck, Gross, 
Schwarz, Reallehrer. 3 Hilfslehrer fttr die provisorischen 
Klassen. Zeichenlehrer: Gnant, Professor (s.o.). Turnlehrer; 
Gross, Reallehrer (s. 0.). Gesanglehrer: Griesinger. 1 Vikar. 

6« Ravensburf • 

(8 Klassen, 2 obere, 6 untere, worunter 1 provisorisch.) 

Rektor: Rettinger. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Rettinger, Rektor (s. o.); 
Andler, Professor. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Schönleber, s.ldw.M.^ 
Zimmermann, Professoren; Hang, J.M.2., Vetter, Oberreal- 



Übersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in Wttrttb. 175 

lehrer; Schnabel, Reallehrer. Zeichenlehrer: Bosch; Ober- 
reallehrer. Turnlehrer: Maier, Präzeptor (s. 0.); Schnabel, 
Reallehrer (s. 0.). Gesanglehrer : B 1 e s s i n g. 

7. BottweU. 

(7 Klassen, 2 obere, 5 untere.) 
Rektor: Schmidt, Fr.O.Sa. J.M.2. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Schmidt, Rektor (s. 0.). 
Weite, Professor. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Grundler, Döser, Professoren; 
Schäfle, Keller, Oberreallehrer; Stehle, Reallehrer. Zeichen- 
lehrer: Dursch (s. 0.). Turnlehrer: Geiger (s. 0.), Staiger, 
ünterlehrer. Schreiblehrer: Herz er, Schullehrer. Gesang- 
lehrer: Keller (s. 0.). 

8. Tabinsen. 

(8 Klassen, 2 obere, 6 untere.) 
Rektor: Haag. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Haag, Rektor (s. 0.); 
Dr. Bopp, Professor. 1 Hilfslehrer. 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Nies, Haist, Professoren; 
Auer, Dr. Jäger, Oberreallehrer; Riecker, Himmelreicher, 
Reallehrer. 1 Hilfslehrer. Zeichenlehrer: Weidle. Turnlehrer: 
Sturm, Universitätsturnlehrer (s.o.). Gesanglehrer: Himmel- 
reicher (s. 0.). 

r) Realanstalten ait einea «kAr«! Jahreikin. 
1. Eblnfeii. 

(6 Klassen, 1 obere, 5 untere.) 
Rektor: Gutscher. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Gutscher, Rektor (s. 0.). 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Pahl, Rau, Kugel, 
Schnapper, Oberreallehrer; B rändle, Reallehrer. Zeichen- 
lehrer: Landenberger (s.o.). Turnlehrer: Brändle, Real- 
lehrer (s. 0.). 

ft* Freudenstadt. 

(6 Klassen, 1 obere, 5 untere.) 
Rektor: Krimmel. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Krimmel, Rektor (s. 0.). 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Henninger, Professor, J.M.2, 
Weikart, Dietterle, Oberreallehrer; Graf, Reallehrer; zu- 
gleich Turnlehrer (s. u.). 1 Hilfslehrer. Zeichenlehrer Hause r. 



176 Übersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in Württb. 

3. KtreUteim u.T. 

(7 Klassen, 1 obere, 6 untere.) 
Rektor: Schönig, s.M.V.M. (K.71). 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Schön ig, Rektor (s. o.). 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Ho seh, Professor; Wied, 
Beisser, Sauer, Oberreallehrer; Hofmann, RiethmUUer, 
Reallehrer. Zeichenlehrer: Truckenmttller, Professor (b. o.)- 
Turnlehrer : H o f m a n n (s. o.)« 

4* IS^chwennliif en. 

(6 Klassen, 1 obere, 5 untere.) 
Rektor: Heinz. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Heinz, Rektor (s.o.). 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Fromm, Breunlin, Ober- 
reallehrer. Bosch, Reallehrer. 2 Hilfslehrer. Zeichenlehrer: 

( ). 

5. Sindelfln^eii. 

(6 Klassen, 1 obere, 5 untere.) 
Rektor: Dr. Hartranft. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Dr. Hartranft, Rektor (8.O.). 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Kälber, Professor; Dederer, 
Oberreallehrer; Schuster, Reallehrer. 2 Hilfslehrer. Zeichen- 
lehrer: Hintschich. Turnlehrer: Schuster, Reallehrer (3. o.). 

6. Tuttlinfen. 

(6 Klassen, 1 obere, 5 untere, worunter 1 prov.) 

Rektor: Müller. 

a) Lehrer an der oberen Abteilung: Müller, Rektor (s.o.). 

b) Lehrer an der unteren Abteilung: Seiz, Professor; Olökler, 
Weisshaupt, Schöllhammer, Oberreallehrer. 1 Hilfslehrer. 
Zeichenlehrer: Schmalzried. Turnlehrer: Schaber (s. o.). 

b) Niedere Realschulen. 
Alplrsbach. Oberreallehrer: Bauer. Reallehrer: Br Ucker, 

zugleich Turnlehrer. 
Altshausen. Oberrealiehrer : S ig er ist. Turnlehrer: Wöhrle. 
Baeknann;. Oberreallehrer: Mergentha 1er. Reallehr.: Bechtle. 

2 Hilfslehrer. Turnlehrer: Widmann, Präzeptor. 
Baiersbronn. Oberrealiehrer: Burkhardtsmaier, zugleich 

Turnlehrer. 
Balinipeii. Oberrealiehrer: Imendörffer. Reallehrer: Bader, 

zugleich Turnlehrer (s. 0.). 



Lbersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in Wttrttb. 177 
Bietiipheiiii. Oberreallehrer: Kauf f mann. Turnlehrer: Ouns er 

(8. 0.). 

Blaubenren. Oberreallehrer: Henne. 1 Hilfslehrer. Turn- 
lehrer: Burza (s. 0.). 

Bopflii||;eii. Oberreallehrer: Pfister. Turnlehrer: Beck, Schul- 
lehrer. 

Biichau. Oberreallehrer: Eberhardt, zugleich Turnlehrer. 

Crailsheim. Oberreallehrer: Fleischmann, Professor, zugleich 
Vorstand, Lörcher, Stranss. Reallehrer: Bihler. Turn- 
lehrer: Butz, Schullehrer. 

CreipUnfeii. Oberreallehrer : Schnitzler. 

Dornhan. Oberreallehrer: ( ). 

Bomstetten. Oberreallehrer: Schwenk, zugleich Turnlehrer. 

Bfirrmens-Mlililacl^er* Oberreallehrer: Reif f, zugleich Turn- 
lehrer. Reallehrer: Knöller. 1 Hilfslehrer. 

Ehi]ii:e]i. Oberreallehrer: Gaukel, zugleich Turnlehrer; Müller. 
Zeichenlehrer: Stetter (s.o.). 

lillwaiis^eii. Vorstand: Dreher, Rektor des Gymnasiums. Ober- 
reallehrer: Schweitzer. Reallehrer: Mast. Zeichenlehrer: 
Huberich. Turnlehrer: Kieninger (s.o.). 

Eninfen. Oberreallehrer: Einseien. Reallehrer: Seyerlen, 
zugleich Turnlehrer. 

Feuerbach* Oberreallehrer: Wilhelm, zugL Vorstand, Strenger. 
Reallehrer: Geiger.* Turnlehrer: Pflomm, Elementarlehrer. 

Friedriehfthafen* Oberreailehrer: Pfeifle, zugleich Turnlehrer. 
Reallehrer: Frey. 

Cvaiidorf. Oberreallehrer: Bader. Turnlehrer: Wolfart h. 

Gienfen. Oberreallehrer: Dieterlen, zugleich Zeichenlehrer. 
Turnlehrer: Joas, Präzeptor. 

Heimsheim. Oberreallehrer: ( ), zugleich Turnlehrer. 

Herrenberf. Oberreallehrer: Vaihinger, zugleich Turnlehrer. 

Heiibaeh. Oberreallehrer: Wagner. 

Horb. Oberreallehrer: ( ). Turnlehrer: Stopper. 

Imnj. Oberreallehrer: Seitz. Reallehrer: Mundle. Turnlehrer: 
Maier. 

Knittliii||;eii. Oberreallehrer: Schnürle, zugleich Turnlehrer. 

Kfinzelsau. Oberreallehrer: Bernhardt, zugleich Vorstand, 
Roser. Reallehrer: Wimmer. 1 Hilfslehrer. Zeichenlehrer: 
Weirich. Turnlehrer: Reuss. 

lianfenau. Oberreallehrer: Schmid, zugleich Turnlehrer. 



178 Übersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in Wfirttb. 

Ijaupheim« Oberreallehrer: Schweizer. Turnlehrer: Hepp. 

lieonberg:« Oberreailehrer : Bnck. 

lieutkirch. Oberreallehrer Palm. Reallehrer: Schmolz, zu- 
gleich Turnlehrer. Zeichenlehrer: Zorn. 

liOreh. Oberreallehrer: Kneile, zugleich Turnlehrer. 

Henipeii. Oberreallehrer: Keiner, L.D.2., zugl. Turnlehrer. 
1 Hilfslehrer. 

Heripeiitheiiii. Oberreallehrer :Hildenbr an d, MttUer. 1 Hilfs- 
lehrer^). Zeichenlehrer: Villforth. Turnlehrer: Mattes. 

]IIetzi]ii:e]i. Oberreallehrer: Maier, Professor, zugl. Vorstand der 
Elementarschule, Kreuzberger. Beallehrer: Enk, zugleich 
Turnlehrer. 

Mdckmühl. Oberreallehrer: Braun. Reallehrer: Nagel, zu- 
gleich Turnlehrer (K.71. Pr.E.K.2.). 

Mü]isiii||;eii. Oberreallehrer: Sander. Reallehrer: Knehr, zu- 
gleich Turnlehrer. 

JVaffold. Oberreallehrer: Weinmann, Kaz. Turnlehrer: Fla ig, 
Präzeptor (s.o.). Zeichenlehrer: Gräsle. 

Neckarsnlm. Oberreallehrer: Neff. Turnlehrer: Haaga(s.o.j. 

Neresheim. Oberreallehrer: MarschalL Turnlehrer: Eisen- 
barth. 

Neuenbürg. Oberreallehrer: Hahn. Reallehrer: Widmaier, 
zugleich Turnlehrer. 

üfeuffen. Oberreallehrer: Bruder, zugleich Turnlehrer. 

Ifiederstetteii. Oberreallehrer: Grüner. Turnlehrer: Schlecht. 

Oberndorf. Oberreallehrer: Dehn. Turnlehrer: Gutknecht 

(s. 0.). 

Kottenbnrip. Vorstand: Kremmler, Rektor der Lateinschule. 
Oberreallehrer : T h u m a. Reallehrer : S c h i k. Turnlehrer : 
Reich. Zeichenlehrer: Reitze (s.o.). 

Saul^aoL. Oberreallehrer: Schmid. Reallehrer: Rehm« Turn- 
lehrer: Frey. 

Skchomdorf. Oberreallehrer: Wieler, zugleich Vorstand, Binz. 
Reallehrer: Beyerlein. Turnlehrer: Grossmann (s. o.). 

Schramberic* Oberreallehrer: Östreicher. Reallehrer: Dam- 
bach, zugleich Turnlehrer. Zeichenlehrer: Merz, Professor. 

Skpaichiiifeii. Oberreallehrer: Strauss. Turnlehrer: El wert, 
Präzeptor (s.o.). 



^) Die Hilfslehrstelle ist Kollaboraturklasse. 



Obersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in Württb. 179 

t^ols* Oberreallehrer: Friess, zugleich Turnlehrer. 
Tettnanf. Oberreallehrer: Gnant. Turnlehrer: Rittelmann. 

Trosslnfen. Oberreallehrer: ( , zugleich Turnlehrer. 

1J]tterg^diiiii||;eii. Oberreallehrer: Mauz^ zugleich Turnlehrer. 
Urach. Oberreallehrer : W e i s s. Reallehrer : W i e d. 1 Hilfslehrer. 

Turnlehrer: Wied (s.o.). 
Tal]ii]i||;eii. Oberreallehrer: Nuss. 1 Hilfslehrer. TumL: Rapp. 
l^aiblliifeii. Oberreallehrer: Bau der. Reallehrer: Fichtel. 

Turnlehrer: Au er. 
Waldsee. Oberreallehrer: Bok. TumL: Holzherr, Schullehrer. 
H^aiii^eii. Oberreallehrer: Bolter, Professor, zugleich Turnlehrer. 
Weikersheiin. Oberreallehrer: Burkhardt. Turnl.: Langen- 

bucher. 
l¥eU der Stadt. Oberreallehrer: Schmid. TumL: Schmidt. 
Welsheiin. Oberreallehrer: St eurer, zugleich Turnlehrer. 
l¥lldbad. Oberreallehrer: Honold. Reallehrer: Kirschmer, 

zugleich Turnlehrer. 
Wiimeitdeii. Oberreallehrer: Hall er. Turnlehrer: Rieth- 

mflller, Präzeptor (s. o.). 

E. Bürgerschule in Stuttgart. 
(27 Klassen, worunter 5 provisorisch.) 

Rektor: Dr. Bttcheler, Oberschulrat, zugleich ausserordentliches 
Mitglied des evangelischen Konsistoriums, Fr.O.Sa. J.M.2. 

Lehrer: Dr. Bücheier, Rektor (s.o.); Schwarz, Bross, Pro- 
fessoren; Stooss (K.71), Traub, Henzler, Gross, Oberreal- 
lehrer; Hauptlehrer: Schäfer, Reallehrer; Wolpert, Ober- 
lehrer; Schumm, Oberlehrer; Weinmar, Oberlehrer; Hess, 
Dilger, Gösele, Mozer, Oberlehrer; Birkhold, Hilden- 
brand, J.M.3, Kuder, Bofinger, Rumpel, Kr.O.M., Ober- 
lehrer; Bauer, Lauxmann, Clauss, Stark, Reiff, Schlen- 
ker, Kibler. 5 Hilfslehrer. 2 Vikare, einer gemeinschaftlich 
mit der Elementarschule. Turnlehrer: Bofinger, Bauer. 

F. Elementarschulen, 

welche für die humanistischen und realistischen Lehranstalten vorbereiten. 

1. Cannstatt (5 Klassen). 

Vorstand: Dr. Klett, Rektor des Gymnasiums (s.o.). Lehrer: 
Schlenker, Oberlehrer; Rommel, Gaub, Klotz, Elementar- 
lehrer. 1 Hilfslehrer. 



180 Übersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in Wiirttb. 

ftm lissliiiceii (5 Klassen). 
Vorstand: Mayer, Rektor des Gymnasioms (s. o.). Lehrer: Klotz, 
Schairer, Oberlehrer; Schmierer, Wolf, Elementarlehrer. 
1 Hilfslehrer. 

3. Feiierbach. 

Vorstand: Wilhelm, Oberreallehrer. Lehrer: Pflomm, Elemen- 
tarlehrer. 

4. Omniid (1 Klasse). 
Vorstand: Dr. Klans, Rektor des Realgymnasiums (s. o.). Lehrer: 
Straub, Oberlehrer. 

5* Gdpplnn^eii (2 Klassen). 
Vorstand: Hertter, Rektor der Realanstalt (s. o.). Lehrer: Wiss- 
mann, Oberlehrer (s.o.); Pfäffle, Elementarlehrer. 2 Hilfs- 
lehrer. 

6. Heidenheiin (2 Klassen). 
Lehrer: Löffler, Elementarlehrer. 1 Hilfslehrer. 

7. Heilbronn (5 Klassen). 

Vorstand: Dr. Dürr, Rektor des Gymnasiums (s. o.). Lehrer: 
Scholl, Wagner, Oberlehrer; Tott, Eiser, Knödel, 
Elementarlehrer. 

8. Ktrehlteim (1 Klasse). 

Vorstand: KäUer, Rektor d. Lateinschule (s.o.). Lehrer: Denschle, 
Elementarlehrer. 

9« liiidwiicflbiirip (4 Klassen). 
Vorstand: Erbe, Rektor des Gymnasiums (s.o.). Lehrer: Lob ich, 
Sauter, Oberlehrer; Reiber, Illg, Elementarlehrer. 

10« Metsinf en (1 Klasse). 
Vorstand: Maier, Professor. Lehrer: Rinn, Elementarlehrer. 

11. Kliirtiiiipeii (1 Klasse). 
Vorstand: Bonhöffer, Rektor des Reallyceums (s.o.). Lehrer: 
Klaiss, Elementarlehrer. 

Ift. Öhrinipeii (1 Klasse). 
Vorstand: Dr. Barth, Rektor des Lyceums (s.o.). Lehrer: Wandel, 
Oberlehrer. 



Übersicht der höheren Lehranstalten, Lehrer etc. in Württb. 181 

13. RentUnfen (2 Klassen). 

Vorstand: Dr. Friderich, Rektor des Gymnasiums (s. o.)* Lehrer: 
HesS; Oberlehrer; Grub er, Elementarlehrer. 

14* S(tattf art (21 Klassen, worunter 6 provisorisch). 

Inspektoren: Heintzeler, Wagner, Professoren. 

Vorstand: Hnwald, Professor. Hauptlehrer: Wacker, J.M.8, 
Feucht, Fischer, Böhringer, Weidler, Scheu, Gommel, 
Braun I, Oberlehrer; Schick, Braun II, Staiger, Höschele, 

Seybold, Walz, Schwegolbaur, Sauter, ( ), ( ), 

Elementarlehrer. 5 Hilfslehrer. 1 Vikar gemeinschaftlich mit 
der Bürgerschule. 

15. ISlementarklasseii der Bürgerschule in Stuttgart (s. o.)* 

16. Tabini^eit (2 Klassen). 

Vorstand: Dr. Treuber, Rektor des Gymnasiums (s. o.). Lehrer: 
Thomas, Friess, Elementarlehrer. 

17. Ulm (6 Klassen). 

Vorstand: Dr. Hirzel, Rektor des Gynmasiums (s.o.). Lehrer: 
Mtthlhäuser, Witte, Oberlehrer; Schuon, Vötsch, Enz, 
Elementarlehrer. 

18. Urach (1 Klasse). 
Lehrer: Armbruster, Oberlehrer. 



G. Tumlehrerbildungsanstalt 

und die damit zusammenhängende Mustertumanstalt in Stuttgart. 

Vorstand und Hauptlehrer: Kessler, Professor, O.O., (J.K.3b), 
zugleich Hauptlehrer für das Turnen an den oberen Klassen im 
Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart. Turnlehrer: Guss- 
mann (s. 0.). Ärztlicher Hilfslehrer: Dr. Fetz er, Professor. 
Kassier: Waibe), Rechnungsrat, Fr.O.Sa. J.M.2. 1 Hausmeister. 



182 ^>^ techn. Inspektionen sämtL ein- u. zweikL Realscbnlen. 



Ordnung der technischen Inspektionen 

sämtliclier ein- und zweiklassigen Latein- und BealBclinlen Wfiittem* 

bergs pro Oeorgii 1901/1904. 



Ort 
der Lehranstalt 



Alpirsbach 

Altensteig^ 

Altshausen 

Backnang 

Backnang 

Baiersbronn 

Balingen . 

Balingen . 

Beilstein . 

Besigheim 

Bietigheim 

Bietigheim 

Blaubeuren 

Blaubeuren 

Bönnighcim 

Bopfingen 

Brackenheim 

Buchau . 

Buchau . 

Crailsheim 

Creglingen 

Dornhan . 

Domstetten 

Dürrm. - Mühlacker 

Ehingen . 

Ehingen . 

Eningen . 

Friedrichshafen 

Friedrichshafen 

Gaildorf . 

Gaildorf . 

(Mengen . 

Giengen . 

Grossbottwar 

Gttglingen 

Heimsheim 

Herrenberg 

Herrenberg 

Heubach . 

Hohenheim 

Horb . . 



£3 e5 

W^ CO 
a 



Technischer Inspektor 



Name 



K 

L 

R 

L 

R 

R i 

L 

R 

L 

L 

L 

R 

L 

R 

L 

R 

L 

L 

R 

L 

R 

R 

R 

R 

L 

R 

R 

L 

R 

L 

R 

L 

R 

L 

L 

R 

L 

R 

R 

L 

L 



Krimmel 

Dr. Egelhaaf 

Reiff 

Mayer 

Haage 

Krimmel 

Votteler 

Gutscher 

Lechler 

Lechler 

Dr. Drück 

Baisch 

Dr. Hirzel 

Neuffer 

Dr. Dürr 

Maitcr 

Dr. Dürr 

Dr. Knapp 

Reiff 

Dr. John 

Schneider 

Krimmel 

Assfahl 

Hörz 

Votteler 

Neuffer 

Höchstetter 

Dr. Schermann 

Rettinger 

Dr. John 

Jäger 

Dr. Hirzel 

Maiter 

Erbe 

Dr. Dürr 

Assfahl 

Dr. Sixt 

Dr.Bretschneider 

Rommel 

Dr. Planck 

Dr. Eble 



Titel 



Rektor 



71 



Professor 

Rektor 

Professor 



V 



Rektor 



rt 



Professor 
Rektor 

Professor 
Rektor 

Pro^ssor 
Rektor 

Professor 
Rektor 

yt 
n 
y> 
n 

7) 



Professor 

Rektor 

Professor 

Rektor 



Wohnort 



Hall 

Stuttgart 

Ulm 

Heidenheim 

Ludwigsburg 

Heilbronn 

Stuttgart 

Aalen 
Stuttgart 
Rottweil 



"5 * 5 



o ^s 



Freudenstadt ! 
Stuttgart 
Biberaeh 
Esslingen 



Freudenstadt < 
Reutlingen 
Ehingen 

Heilbronn 

I 

n I 

Stuttgart 
Heilbronn 



2 
3 
1 
2 

1 
2 
2 
1 
2 
2 
2 



Ulm 


,j 


ff 




, Heilbronn 




Heidenheim 


1 


Heilbronn 




Ulm 




Biberach 




Hall 




Freudenstadt 


Stuttgart 


* 


Ludwigsburg 




Reutlingen 




Ulm 




Reutlingen 




Ravensburg 


2 



2 
2 

1 
2 
1 
1 
1 
1 
2 
2 
1 



*) L = Lateinschule, R = Realschule. 



Die techn. Inspektionen sämtl. ein- u. zweikl. Realschulen. 183 



rt 


bl 


Technischer Inspektor 




der Lehranstalt 


'S TS 
^ C6 


Name 


Titel 


Wohnort 


M» Q» ^ 

t4 


Horb 


R 


Mayer 


Rektor 


Cannstatt 


1 


I«ny .... 




R 


Neuffer 


r> 


Ulm 


2 


Kirchberg . . 




L 


Dr. John 


r 


Hall 


1 


Knittlingen . 




R 


Hörz 


« 


Ludwigsburg 


1 


Lan genau . . 




R 


Sauter 


Professor 


Ulm 


1 


Langenburg . . 




L 


Dr. Ludwig 


r 


Hall 


1 


Lauffcn . . . 




L 


Lechler 


JT 


Heilbronn 


2 


Laupheim . . 




L 


Dr. Hirzel 


Rektor 


Ulm 


1 


Laupheim . . 




R 


Reiff 


yy 


Biberach 


1 


Leonberg . . . 




L 


Dr. Grotz 


Professor 


Stuttgart 


2 


Leonberg . . 
Leutkirch 




R 


Dr.Bretschneider 


}j 


n 


1 




L 


Dr. Landwehr 


m 


Ravensburg 


2 


Leutkirch 




R 


Neuffer 


Rektor 


Ulm 


2 


Lorch .... 




R 


Haage 


n 


Esslingen 


1 


Marbach . . 




L 


Dr. Planck 


Professor 


Stuttgart 


2 


Markgröningen 




L 


Dr. Klett 


Rektor 


Cannstatt 


2 


.Mengen . . 




L 


Rief 


Professor 


Ehingen 


1 


Mengen . . 




R 


Sauter 


n 


Ulm 


2 


Mergentheim 




R 


Diez 


Rektor 


Hall 


2 


Möckmühl . . 




R 


Baisch 


Professor 


Heilbronn 


2 


Münsingen . . 




R 


Jäger 


Rektor 


Stuttgart 


2 


Munderkingen . 




L 


Rief 


Professor 


Ehingen 


1 


Murrhardt . . 




L 


Erbe 


Rektor 


Ludwigsburg 


2 


Nagold . . , 




L 


Dr. Egelhaaf 


» 


Stuttgart 


2 


Nagold . . . 




R 


Dr.Bretschneider 


Professor 


n 


3 


Neckarsulm . 




L 


Rösch 


D 


Heilbronn 


1 


Neckarsulm . 




R 


Widmann 


Rektor 


}) 


1 


Neresheim . . 




R 


Maiter 


fi 


Heidenheim 


1 


Neuenbürg . . 




R 


Güntter 


Professor 


Stuttgart 


1 


Neuenstadt . . 




L 


Rösch 


r 


Heilbronn 


2 


Neuflfen . . , 




R 


Mayer 


Rektor 


Cannstatt 


1 


Niederstetten . 




R 


Diez 


js 


Hall 


1 


Obemdorf . . 




L 


Dr. Eble 


T 


Rottweil 


1 


Obemdorf . . 




R 


Schmidt 


T» 


n 


1 


Pfullingen 




L 


Dr. Friderich 


Y) 


Reutlingen 


1 


Rosenfeld . . 




L 


Knapp II 


Professor 


Tübingen 


1 


Saulgau . . . 




L 


Dr. Ilg 


« 


Ravensburg 


1 


Saulgau . . . 




R 


Sauter 


T) 


Ulm 


2 


Scheer . . . 




L 


Rief 


r» 


Ehingen 


1 


.Seliorndorf . 




L 


Dr. Herzog 


r 


Stuttgart 


2 


Schramberg . 




L 


Dr. Eble 


Rektor 


Rottweil 


2 


Schramberg . . 




R 


Krimmel 


» 


Frendenstadt 


2 


Spaichingen . 




L 


Dr. Eble 


n 


Rottweil 


2 


Spaichingen . . 




R 


Schmidt 


•n 


T» 


2 


Suiz .... 




L 


Knapp II 


Professor 


Tübingen 


1 


Sulz .... 




R 


Mayer 


Rektor 


Cannstatt 


1 


Tettnang . . . 




L 


Dr. Landwehr 


Professor 


Ravensburg 


1 


Tettnang . . . 




R 


Rettinger 


Rektor 


r 


1 



184 Alphabet Namenverzeichnis der technlBchen Inspektoren. 



Ort 


■4^ 


Technischer Ins] 


pektor 


-2 *- ? 


der Lehranstalt 


® 00 


Name 


Titel 


Wohnort 


1 •• ^a ^ 

1 — 


Trossingen . . . 


R 


Schmidt 


Rektor 


Rottweil 


1 


Tuttlingen . . . 


L 


Dr. Eble 


fi 


n 


2 


Untergröningen 


R 


Jäger 


99 


Stuttgart 




Urach 


L 


Dr. Friderich 


n 


Reutlingen 




Urach 


R 


Jäger 


» 


Stuttgart 




Vaihingen . . . 


L 


Dr. Drück 


Professor 


n 




Vaihingen . . . 


R 


Hörz 


Rektor 


Ludwigsbnrg 




Waiblingen . . . 


L 


Dr. Klett 


y* 


Cannstatt 




Waiblingen . . . 


R 


Schumann 


O.-Studienrat 


Stuttgart 




Waldsee .... 


L 


Dr. Ilg 


Professor 


Ravensburg 




Waldsee .... 


R 


Andler 


» 


M 




Wangen .... 


L 


Dr. Ilg 


7) 


n 


1 1 


Wangen .... 


R 


Andler 


n 


n 




Weikersheim . . 


R 


Diez 


Rektor 


Hall 




Weil der Stadt . . 


L 


Dr. Grotz 


Professor 


Stuttgart 




Weil der Stadt . . 


R 


Dr. Staigmüller 


n 


n 




Weinsberg . . . 


L 


Rösch 


n 


Heilbronn 




Welzheim . . . 


R 


Haage 


Rektor 


Esslingen 




Wiesensteig . . . 


L 


Dr. ILnapp 


Professor 


Ulm 




Wildbad .... 


R 


Güntter 


rt 


Stuttgart 


^ 


Wildberg. . . . 


L 


Dr. Egelhaaf 


Rektor 


n 


1 


Winnenden . . . 


L 


Dr. Klett 


n 


Cannstatt 


2 


Winnenden . . . 


R 


Schumann 


O.-Studienrat 


Stuttgart 


1 



Alphabetisches Namenverzeichnis 

der teohnisclieii Inspektoren der ein- und zweiklassigen Latein- 
und Realsohulen Württembergs pro Georgii 1901/1904. 



Inspektor 




Ort der Lehranstalt 


Andler, Professor an der Realanstalt in Ra- 


R 


Waldsee, Wangen L A. 


vensburg. 






Assfahl, Rektor a. D. in Stuttgart. 


R 


Domstetten, Heimsheim. 


Baisch, Professor an der Realanstalt in Heil- 


R 


Bietigheim, MGckmfihL 


bronn. 






Dr. Bretschneider, Professor an der Friedrich- 


R 


Herrenberg, Leonberg, 


Eugens-Realschule Stuttgart. 




Nagold. 


Diez, Rektor an der Realanstalt in Hall. 


R 


Mergentheim, Niederstet- 






ten, Weikersheim. 



^) L = Lateinschulen, R = Realschulen. 



Alphabet. Namenverzeichnis der teohnischen Inspektoren. X85 



Inspektor 






Ort der Lehranstalt 



Dr. Drück, Professor am Eberhard-Ludwigs- 
Gymnasium in Stuttgart. 

Dr. Dürr, Rektor am Gymnasium in Heil- 
bronn. 

Dr. Eble, Rektor am Gymnasium in Rottweil. 



Dr. Egelhaaf, Oberstudienrat, Rektor am Karls- 
gymnasium in Stuttgart. 

Erbe, Rektor am Gymnasium in Ludwigsburg. 

Dr. Friderich, Rektor am Gymnasium in Reut- 
lingen. 

Dr. Grotz, Professor am Karlsgymnasium in 
Stuttgart 

Güntter, Professor an der Friedrich-Eugens- 
Realschule in Stattgart. 

Gutscher, Rektor an der Realanstalt in Ehingen. 

Haage, Rektor an der Realanstalt in Esslingen. 

Dr. Herzog, Professor am Eberhard-Ludwigs- 
Gymnasium in Stuttgart. 
Dr. Hirzel, Rektor am Gymnasium in Ulm. 

Hochs tetter, Rektor an der Realanstalt in 

Reutlingen. 
Hörz, Rektor an der Realanstalt in Ludwigs- 

borg. 
Jäger, Rektor an der Wilhelms-Realschule in 

Stuttgart 
Dr. Hg, Professor am Gymnas. in Ravensburg. 
Dr. John, Rektor am Gymnasium in Hall. 

Dr. Klett, Rektor am Gymnasium in Cann- 
statt 

Dr. Knapp, Professor am Gymnasium in Ulm. 

Knapp II, Professor am Gymnasium in Tü- 
bingen. 

Krimmel, Rektor an der Realanstalt in Freu- 
denstadt 

Dr. Landwehr, Professor am Gymnasium in 
Ravensburg. 

Lechler, Professor am Gymnasium in Heil- 
bronn. 

Dr. Ludwig, Professor am Gymnasium in HaU. 

Maiter, Rektor an der Realanstalt in Heiden- 
heim. 

Mayer, Rektor an der Realanstalt in Cannstatt. 

Mayer, Rektor am Gymnasium in Esslingen. 



Kenes Sonreipondensblatt 1902, Heft 4 u. 6. 



L 
L 
L 



L 
L 

L 

R 

R 
R 



L 

R 

R 

R 

L 
L 



L 
L 

R 

L 

L 

L 
R 

R 
L 



Bietigheim, Vaihingen. 

Bönnigheim, Brackenheim, 
Güglingen. 

Horb, Obemdorf, Schram- 
berg, Spaichingen, Tutt- 
lingen. 

Altensteig, Nagold, Wild- 
berg. 

Grossbottwar, Murrhardt 

PfuUingen, Urach. 

Leonberg, Weil der Stadt. 

Neuenbürg, Wildbad. 

Balingen. 

Backnang, Lorch, Welz- 

heim. 
Schorndorf. 

Blaubeuren,Giengen,Laup- 

heim. 
Eningen. 

Dürrmenz - Mühlacker, 
Knittlingen, Vaihingen. 

Gaildorf, Münsingen, Unter- 
gröningen, Urach. 

Saulgau, Waldsee, Wangen. 

Crailsheim, Gaildorf,Kirch- 
berg. 

Markgröningen, Waib- 
lingen, Winn enden. 

Buchau, Wiesensteig. 

Rosenfeld, Sulz. 

Alpirsbaoh , Baiersbronn, 
Domhan, Schramberg. 
Leutkirch, Tettnang. 

Beilstein, Besigheim, Lauf- 

fen. 
Langenburg. 
Bopnngen, Giengen, Neres- 

heim. 
Horb, Neuffen, Sulz. 
Backnang. 



186 



Ortsregister der höheren LehranstalteD. 



Inspektor 



WC 
10 



Ort der Lehraosüüt 



Nouft'er, Rektor an der Realanstalt in Ulm. 

Dr. Planck, Professor am Karlsgymnasinm in 

Stuttgart. 
Reilf, Rektor an der Realanstalt in Biberach. 

Rettinger, Rektor an der Realanstalt in 

Ravensburg. 
Rief, Professor am Gymnasium in Ehingen. 

Rösch, Professor am Gymnasium in Heilbronn. 

Rommel, Rektor an der Realanstalt in Aalen. 
Sauter, Professor am Realgymnasium in Ulm. 

Dr. Schermann, Professor am Gymnasium in 
Ravensburg. 

Schmidt, Rektor an der Realanstalt in Rott- 
weil. 

Schneider, Professor an der Realanstalt in Hall. 

Schumann, Oberstudienrat, Rektor an der 
Friedrich-Eugens-Realschule in Stuttgart. 

Dr. Sixt, Professor am Karlsgymnasinm in 
Stuttgart. 

Dr. Staigmüller, Professor am Realgymnasium 
in Stuttgart 

Votteler, Professor am Gymnasium in Reut- 
lingen. 

Widmann, Rektor an der Realanstalt in Heil- 
bronn. 



R 

L 

R 

R 

L 

L 

R 
R 

L 

R 

R 
R 

L 

R 

L 

R 



Blaubeuren, Ehingen, Isny, 

Leutkireh. 
Hohenheim, Marbach. 

Altshausen, Buchau, Laup- 

heim. 
Friedrichshafen, Tettnan^. 

Mengen, Munderkingen, 

Scheer. 
Neckarsulm, Neuenstadt, 

Weinsberg. 
Heubach. 
Langenau, Mengen, Saul- 

gau. 
Friedrichshafen. 

Obemdorf, Spaichingen, 

Trossingen. 
CregUngen. 
Waiblingen, Winnenden. 

Herrenberg. 

Weil der Stadt 

Balingen, Ehingen. 

Neckarsnlm. 



Qrtsregister der höheren LehranstalteiL 



Aalen 


Bietigheim 


Creglingen 


Feuerbach 


GflgUngen 


Alpirsbach 


Blaubeuren 


Domhan« 


Freudenstadt 


Hall 


Altensteig 


Böblingen 


Domstetten 


Friedrichs- 


Heidenheim 


Altshausen 


Bönnigheim 


Dürrmenz- 


hafen 


Heilbronn 


Backnang 


Bopfingen 


Mühlacker 


Gaildorf 


Heimaheim 


Baiersbronn 


Brackenheim 


Ehingen 


Geislingen 


Herrenberg 


Balingen 


Buchau 


Ehingen 


Giengen 


Heubach 


Beilstein 


Calw 


Ellwangen 


Gmünd 


Hohenheim 


Besigheim 


Cannstatt 


Eningen 


Göppingen 


Horb 


Biberach 


Crailsheim 


Esslingen 


Grossbottwar 


Isny 



Schott, Gesellsch. f. deutsche Erzieh.- n. Schulgeschichte. 187 



Kirchberg 


Mattlbroon 


Nioderstetten 


Schorndorf 


Urach 


Kirchheim Q.T. 


Mengen 


Nürtingen 


Schramberg 


Vaihingen 


Knittlingen 


Mergeotheim 


Oberndorf 


Schwenningen 


Waiblingen 


Känzolsau 


Metzingen 


Öhringen 


Sindelfingen 


Waldsee 


Langenan 


Möckmühl 


Pfullingen 


Spaichingen 


Wangen 


Langenburg 


Münsingen 


Ravensburg 


Stuttgart 


Weikersheim 


Laiiffen 


Munderkingen 


Reutlingen 


Sulz 


Weil der Stadt 


T^aupheim 


Murrbardt 


Riedlingen 


Tettnang 


Weinsberg 


Leoiiberg 


Nagold 


Rosenfeld 


Trossingen 


Welzheim 


Leutkirch 


Neckarsulm 


Rottenburg 


Tübingen 


Wiesensteig 


Lorch 


Neresheim 


Rottweil 


Tuttlingen 


Wildbad 


Ludwigsburg 


Neuenbürg 


Saulgau 


Ulm 


Wildberg 


Marbach 


Neuenstadt 


Scheer 


Untergrö- 


Winnenden 


MaiivgrGningen 


NeuflTen 


Schönthal 


ningen 





Bericht 

über die Entwioklni^ der Gesellsohaft für deutsohe Erziehnngs- 

und Sohulgesolüolite im Jalir 1901. 

Von Dr. E. Schott, Cannstatt. 

Die Gesellschaft für deutsche Erziehnngs- und Schulgeschichte 
hatte auch in dem abgelaufenen Jahre 1901^ dem elften ihres 
Bestehens, eine Zunahme in dem Bestand ihrer Mitglieder zu ver- 
zeichnen ; sie zählt deren nunmehr über 800 in allen Ländern deut- 
scher Zunge. Zu den verschiedenen schon bestehenden Territorial- 
gmppen ist als jüngstes Glied eine solche in Elsass-Lothringen 
getreten; der provisorischen Gründung im Juli v. J. soll in Kürze 
ihre definitive Konstituierung folgen. Femer erhielt die Gesellschaft 
sowohl für 1901; wie auch schon für 1902 wieder je eine Sub- 
vention im Betrag von 30000 Mk. zur Förderung ihrer Bestrebungen 
vom Reichstag bewilligt. Aber auch einen schmerzlichen Verlust 
brachte das verflossene Jahr, den jähen Tod des ersten Vorsitzenden, 
des Geh. Regierungsrats Prof. Dr. Schwalbe (f 31. März 1901); 
an seiner Stelle trat Schulinspektor Dr. Fischer-Berlin an die Spitze 
der Gesellschaft. Über die gegenwärtige rege und weitverzweigte 
litterarische Thätigkeit berichtete der erste Schriftführer, Prof. 
Dr. Kehrbach, in der Generalversammlung vom 18. Mai 1901. Seinen 
Ausführungen zufolge sind als weitere Bände der Monumenta Ger- 



1 88 Sc h o 1 1 , GeselUcb. f. deutsche Erzieh.- il Seholgescfaiehte. 

maniae Paedagogica, soweit sie nieht inzwischen bereits erschienen 
sind; im Lauf der nächsten Zeit zu erwarten: eine Bearbeitung der 
badischen Schnlordnnngen durch Archivassessor Dr. Bmnner-Karls- 
ruhe (auch in Hessen und andern Partikularstaaten sind solche 
Sammlungen beabsichtigt), femer eine Geschichte des geographischen 
Unterrichts im Zeitalter des Humanismus und der Reformation von 
Prof. Votsch-Magdeburg, sowie eine solche der französischen Schul- 
grammatiken von Prof. Stengel-Greifswald. Das umfangreiche Werk 
von Pastor prim. Cohrs-Eschershausen ttber die evangelischen Kate- 
chismusversuche vor Luthers Enchiridion findet mit dem 4. Band 
seinen Abschluss. Auf dem Felde der Biographie arbeitet Schul- 
rat Israel-Dresden an einem Lebensbild Pestalozzis, während Prof. 
KvaSsala-Dorpat den deutschen Mitarbeitern des Comenius in ihren 
bedeutendsten Briefen und Schriften nachgeht. Zu der von Gymnasial- 
rektor Dr. Schmidt-Ludwigshafen verfassten Unterrichtsgeschichte 
der Witteisbacher soll eine solche der Prinzen und Prinzessinnen aus 
dem Hause HohenzoUern, sowie eine Schrift ttber die Fttrstenerziehung 
in Weimar ein Gegenstück bilden. Die durch Bömers „lateinische 
Schulergespräche der Humanisten^^ eingeleitete Gruppe der „Texte 
und Forschungen^^ fand u. a. in einer Geschichte der Universität 
Frankfurt a. 0. von Prof. Bauch-Breslau eine Weiterführung. Femer 
erschien von dem 2. Band des „gesamten Erziehungs- und Unter- 
richtswesens^*, dieser grossangelegten, von Prof. Kehrbach heraus- 
gegebenen pädagogischen Bibliographie für das Jahr 1897, der letzte 
Teil, nämlich das ausführliche Sach- und Namenregister. Zu wünschen 
wäre hiebei nur, dass diese Zusammenstellungen nicht, wie bisher» 
erst mehrere Jahre nach dem thatsächlichen Erscheinen der auf- 
zuführenden Schriften hintendrelnhinken. Von den vier Heften der 
„Mitteilungen^, der regulären Zeitschrift, welche die Gesellschaft 
erscheinen lässt, sind Nr. 3 und 4 des Jahrgangs 1901 Sonder- 
produkte, ei^steres von der Schweizer-Gmppe veröffentlicht, letzteres 
von der eben erst gegründeten Reichsländer Sektion (s. oben) der 
Strassburger Philologen- Versammlung als Festgabe gewidmet; aus 
den beiden ersten Heften sei hier wenigstens erwähnt die ausführ- 
liche Studie von Dr. Ewald Horn-Berlin, „Zur Geschichte der Privat- 
dozenten", sowie als Kuriosum das von Prof. Dr. J. Bach-Mtineheii 
behandelte „Schwarze Register^*, ein heiteres Kapitel über körper- 
liche Züchtigung an Fürstenhöfen mit „Stellvertretung" des zu 
strafenden Prinzen durch einen sog. Prügelknaben (mit Abbil- 
dungen). — Hoffentlich folgt nun auch in Bälde seinem sdion 



I 

Berichtigung. — ' Litterarischer Bericht 139 

Anfang 1899 erschienenen Vorgänger das zweite Württemberg-Heft, 
das eine Anzahl schon seit längerer Zeit angekündigter Arbeiten 
In sich aufnehmen soll. Ebenso dürfte auch bei uns die Anregung 
gegeben werden zu einer vollständigen Bibliographie aller auf die 
schwäbische Schul- und Erziehungsgeschichte bezüglichen Aufsätze 
und Publikationen, wie eine solche von mehreren anderen deutschen 
Staaten (z. B. Elsass-Lothringen) geplant ist. 



Berichtigung. 

In Heft 1, Seite 16; Zeile 3 von oben, ist „St.Z." zu streichen 
<links am Anfang). 

Die *in Heft 1, Seite 18, Zeile 3 von unten, angegebenen Werte 
<ler Geraden Aufsteigung des Planeten Mars wurden im Nautischen 
Jahrbuch 1902 aus Versehen der Rubrik für die Abweichungen ent- 
nommen. Die wirklichen Werte müssen für den 8. VI. 02: 31" 54>» 18,2> 
und für den 9. VI. 02 : 31" 57» 16,0* heissen. Führt man für diese 
Werte statt für 20^ 19» 55> und 2ld^ 29» 20- die in Heft 1, Seite 19, 
angegebne Rechnung durch, so ergiebt sich am Schlüsse auf 
Seite 19, Zeile 1 von unten, anstatt 0^ 55» 32" der Stundenwinkel 
n^ 25» 20,3». 

Femer findet sich in Heft 3 in der Berichtigung ein sinn- 
störender Druckfehler: Auf Seite 105, Zeile 12 von unten, mnss 
«s fßUZ.^ statt „Zt.Z." heissen. Prof. Saut er. 



Litterarisoher Bericht. 

Griechisches Elementarbuch für Untere und Obertertia. Von 
Prof. Dr. £. Bachof. 3. Auflage. Preis Mk. 2.40. Gotha, 
Perthes, 1902. 

Ein eigenartiges Buch. Es umfasst den Stoff für Klasse V und die 
Hälfte des für Klasse Vi, bis zur Syntax, also wie unsere Materialien I, 
•oder wie Drück-Grnnsky oder Kägi I und Vs H. Abgesehen von den 
ersten imd letzten Abschnitten bietet das Buch nur zusammenhängende 
Stücke, die Exposition geht vorauf, auf sie greift meist das Kompo- 
sitionsstück zurück. Die jeweils einzuübenden Flexionen etc. kommen 
in beiden Stücken mögliebst oft vor. Die Stücke sind in abwechslnngä- 



190 Litterarischer Beriebt 

reicher Folge geschickt aus Mythologie und Geschichte genommen. 
Das Buch will, ohne Chrestomathie, mit seinem reichen Ezpositions- 
Stoff schliesslich unmittelbar zu Xenophon überführen, mit dessen Lek- 
türe dann zugleich die systematische Behandlung der Syntax, die aber 
schon ausgiebig bei Bachof hereingezogen ist, einzusetzen Hätte. Man 
sieht, Konzentration und Methode ist vorhanden, als deien Neben- 
gewinn manche Belehrung über das griechische Altertnm abfällt. Frei- 
lich mussten einmal die Expositionstexte, besonders im Anfang, zu- 
sammengearbeitet und zurechtgemacht werden, für ihren besonderen 
Zweck. Auch das ist planmässig geschehen: zuerst kommen mehr 
Einzelsfttze, die auf einen bestimmten Inhalt, z. B. Leonidas, sich be- 
ziehen, allmählich tauchen Satzverbindungen und Nebensätze auf, bis 
schliesslich abgerundete, nicht immer kurze Stücke erscheine. Man 
mag mit dem Herrichten der Originale für die Exposition nicht ein- 
verstanden sein — schliesslich mit dem Fortschreiten des Buches handelt 
es sich mehr um ein Abkürzen von Längen — , für die Anfangsstufe 
scheint das Verfahren so wenig bedenklich, wie die Benützung von 
Lhomond viri illustres, zumal die auseinanderfallende gemischte Kost 
der üblichen Originalsätze mit ihren manchmal entlegenen Vokabeln 
auch kein idealer Zustand ist Hat der Schüler durch all die viele 
Exposition sich durchgelesen, dürfte er thatsächlich mit Leichtigkeit 
in Xenophon selbst sich finden können. Sodann die Kompositions- 
stücke. Hier bleibt fast durch das ganze Buch hindurch der genannte 
«^Zusammenhang** darauf beschränkt, dass eine Reihe Sätze gleichmässig 
auf denselben Gegenstand, der also durch ein vorausgehendes Ex- 
positionsstück gegeben ist, sich bezieht Geschlossene Argumente in 
unserem Sinn sind nur wenige vorhanden. Dem Umfang nach ist der 
Kompositionsstoff nicht die Hälfte des Expositionsstoffes. Das lieg^ 
in der Absicht des Buches: für unsern Betrieb, der noch immer eben 
am Landexamensargument vorbeiführt, ist dies Verhältnis nicht ge- 
nügend, wie mir überhaupt scheint, dass der Lehrer von sich noch 
manches hinzuthun muss, wenn er die einzelnen Kapitel ausschöpfen 
und bis zur Sicherheit einüben will. Über Adjektiva verschiedener 
Endungen, wie über Adverbia fehlen z. B. spezielle Stücke, in der im- 
regelmässigen Komparation ist nur eine massige Zahl der einschlägigen 
Formen herangezogen. Scheint so das Buch für den Gebrauch bei uns 
nicht unmittelbar geeignet, so ist doch seine planmässige Anlage auch 
unserer Beachtung wert, in einer Zeit, die, wie es scheint, die alten 
Bahnen der Materialien verlassen will. Eine ganze Anzahl Register 
ist dem Buche beigegeben, insbesondere ein Regelnverzeichnis, die Vo- 
kabeln der Expositionsstücke Nummer für Nummer, mit Fussnoten, die 
für das betreffende Verbum z. B. das Nötige aus der Kasuslehre, Phrasen 
etc. gleich angeben, ein alphabetisch geordnetes griechisch- deutsches 
Wörterverzeichnis; das deutsch -griechische Verzeichnis giebt, gewiss 



Litterarischer Berieht. 191 

zur Stärkung des Gedächtnisses, die griechische Übersetzung nicht un- 
mittelbar, sondern verweist auf die Stelle, wo das Wort zuerst vorkam. 
Also em festgefügtes, auf die Vorbereitung zur Schriftstellerlektüre 
zielbewnsst hinarbeitendes Buch. Richter. 



Q. Curti Bufi historiarum Alexandri Magni libri etc., fUr den 
Schalgebrauch, von Th. Stangl. 19 Seiten Einleitung, 
Eigennamenregister, 2 Abbildungen, Karte und 4 Pläne. Preis 
geb. 2.50 Mk. Leipzig, 0. Freytag, 1902. 
Die Einleitung für den Schüler ist kurz und gut, weiterhin werden 
die Abweichungen von der Teubnerschen Textausgabe (Th. Vogel) 
gegeben und die textkritischen Grundsätze entwickelt. Was hier ge- 
sagt ist, macht einen recht guten Eindruck, der durch Vergleichung 
der Lesarten mit denen bei Teubner bestätigt wird. Die Untersuchung 
der sprachlichen Eigentümlichkeiten bei Curtius hat zu mancher Her- 
stellung handschriftlicher Lesarten gegenüber der Vulgata, andererseits 
zu manchen Ausmerzungen von Unmöglichkeiten geführt Den Hand- 
schriften gegenüber könnte der Herausgeber vielleicht . da und dort 
noch konservativer sein ; warum nicht 4, 9, 9 : jam pervenerat Arbela 
vicum nobilem sua clade facturus einfach lassen, . aber mit Komma 
nach Arbela statt nach vicum; die in den Text aufgenommene Ver- 
mutung ad Arbela wird gleich durch den folgenden Satz widerlegt, 
da die Bagage jedenfalls im Ort selber deponiert wird; vicum und 
nobilem sind doch treffliche Gegensätze. — Es wäre zu wünschen, 
dass wir von dem Verfasser etwa nach Vollendung der von ihm ver- 
sprochenen Gurtinsforschungen eine Handausgabe mit kleinem kritischem 
Apparat bekämen, mittlerweil aber wird diese Ausgabe auch ausser- 
halb der Schule gute Dienste thun. Auch die Beigaben sind gut. 

F. Hertlein. 



Goethes Werke. Unter Mitwirkung mehrerer Fachgelehrter heraus- 
gegeben von Prof. Dr. K. Heinemann. Band 1, 8 und 12 
elegant gebunden je Mk. 2. Leipzig, Bibliograph. Institut. 

Eine neue Goethe- Ausgabe musste kommen. Seit 1885, wo das 
Weimarer Archiv geöffnet wurde, ist die Goethe-Forschung emsig an 
der Arbeit, die ungeahnten Schätze desselben wissenschaftlich zu ver- 
werten. Das grundlegende Werk für alle Zeiten bildet die grosse 
Weimarer Ausgabe, die auch eine Reihe erstmals gedruckter Goethe- 
Schriften enthält. Aber weder sie noch das Goethe- Jahrbuch ist auf 
buchhändlerischem Wege zu erwerben. Es war also vorauszusehen 
und zu wünschen, dass die gewaltige Arbeit, die in diesen Werken 



192 Litterarischer Bericht. 

niedergelegt ist, auch weiteren Kreisen zugänglich gemacht werde. 
Nachdem nun eine Zeit lang die zusammenfassenden Ooethe-Biographien 
an der Tagesordnung waren, scheint jetzt die Zeit fUr neue Goethe- 
Ausgaben gekommen zu sein. Wenigstens sind im Herbst 1901 fast 
gleichzeitig zwei neue auf den Plan getreten; die eine ist die von 
Ludwig Geiger, dem Herausgeber des Goethe-Jahrbuchs, besorgte, die 
44 Bände umfasst, die andere ist die des Bibliographischen Instituts, 
die uns heute zur Besprechung vorliegt. 

An der Spitze steht Prof. Dr. K. Heinemann, der bekannte Goethe- 
Biograph, der einen Stab von Mitarbeitern um sich versammelt hat. 
Die Ausgabe soll in zwei Abteilungen je 15 Bände umfassen (I. die 
Hauptwerke, IL die übrigen belletristischen und die Mehrzahl der 
naturwissenschaftlichen Werke). Für die Bearbeitung sind die Grund- 
sätze massgebend, die gleichermassen für alle Meyerschen Klassiker- 
Ausgaben gelten. Zu dem Texte kommen also die „Einleitung^ der 
Herausgeber, die Fussnoten und die litterargeschichtlichen Anmerkungen 
am Schlüsse. Die letzteren sollen dem Fachmanne, der tiefer ein- 
dringen will, die wissenschaftlichen Hilfsmittel weisen; die zwei er- 
steren sollen dem Laien alles zum Verständnis Notwendige mitteilen. 
Dem Texte ist viel Sorgfalt gewidmet; wo er von der Weimarer oder 
von der Ausgabe „letzter Hand^ abweicht, wird dies in den Anmer- 
kungen begründet. 

Band 1 enthält auf 68 Seiten eine knappe, aber gut geschriebene 
Biographie aus der Feder des Leiters Heinemann. Ihr folgt auf 30 Seiten 
eine breiter angelegte ästhetische Einleitung in Goethes Lyrik. Die 
lyrischen Gedichte selbst mit den Fussnoten nehmen 368 Seiten ein« 
Den Schluss bilden die „Anmerkungen'^, die auf engem Räume und 
in gedrängter Fassung eine Fülle von dankenswertem Stoffe bieten 
und das Buch auch für den Gelehrten wertvoll machen. Man vgl z. B. 
die Anmerkungen zum „Heidenröslein* (S. 361) ; sie geben eine Geschichte 
der ältesten Drucke, eine Darlegung des Verhältnisses Herders zu dem 
Gedichte mit dem Ergebnis „Herder kann also über die Autorschaft 
Goethes nicht unterrichtet gewesen sein. Goethe hat sich wahrschein- 
lich den Scherz erlaubt, das von ihm verfasste Gedicht als ältere Form 
des Volkslieds Herder zu überreichen^' u. s. w.; zum Schlüsse aber 
noch eine artige Anzahl von Litteraturangaben zu diesem Einen Ge- 
dichtchen. 

Bands, der von Dr. V. Schweizer bearbeitet ist, umfasst den 
Wertber, Briefe aus der Schweiz 1, Abteilung und die Wahlverwandt- 
schaften. Am ausführlichsten ist natnrgemäss die Einleitung zum 
Werther (sie behandelt die zu Grunde liegenden Personen und Er- 
eignisse, die Synthese Goethe-Jerusalem, die litterarischen Vorbilder, 
Aufnahme, Wirkimg u. s. w.), am kürzesten die zu den Briefen aus 
der Schweiz. 



Litterarischer Bericht. I93 

Band 12 ist ausgefüllt mit „Dichtung und Wahrheit" 1. und 2. Teil. 
Dieses Werk stellte dein Heransgeber eine ungleich schwierigere Aut- 
il^abe als Werther oder Wahlverwandtschaften. Denn kaum eine Schrift 
(roethes ist durch die Arbeit des letzten Jahrzehnts so aufgeiiellt, er- 
j^Hnzt nnd vielfach auch berichtigt worden wie diese. Heinemann hat 
seine Aufgabe trefflich gelöst. Die Einleitung behandelt Goethes Stellung 
zur Geschichte im allgemeinen und zur Autobiographie im besonderen; 
sie verbindet alsdann mit der Entstehungsgeschichte zugleich eine 
Würdigung des Werks. Die Fussnotcn, die hier sehr zahlreich sind, 
und die Anmerkungen unterrichten über den heutigen Stand unseres 
Wissens über diese Dinge. 

Angesichts dieser drei Bände wird der Goethe-Freund sich frenen, 
dass die notwendig gewordene neue Ausgabe in so tüchtige Hände 
gekommen ist. Sie ermöglicht dem Laien ein tieferes Verständnis und 
erhöht eben dadurch den ästhetischen Genuss; sie giebt aber auch dem 
Fachmann die Nachweise zu selbständigem Forschen. Die Zuthaten 
zeugen von warmer Begeisterung fttr den herrlichen Mann, vermeiden 
aber die sattsam bekannten Geschmacklosigkeiten. Die Bände zeichnen 
sich ausserdem durch schöne Ausstattung, handliche Form, guten Druck 
und billigen Preis aus. (Jeder Band einzeln käuflich 2 Mk.) Man darf 
ordentlich gespannt sein, ob die späteren Bände sich auf der Höhe der 
bisherigen halten. Einen Gesamtplan des Werkes habe ich noch nicht 
gesehen ; ich weiss also auch nicht, ob z. B. der Urfaust oder das Lieder- 
buch Annette oder überhaupt diejenigen Schriften, die erstmals in der 
Weimarer Ausgabe gedruckt wurden, aufgenommen sind. Auch darauf 
darf man gespannt sein. Grotz. 



Hermann Schiller; Weltgeschichte. Dritter Teil. Stuttgart^ 
W. Spemann 1901. 
Der dritte Teil dieses W^erkes betitelt sich „Geschichte des Über- 
gangs vom Mittelalter zur Neuzeit** und reicht, rund gesprochen, von 
1517 — 1789. Die „Neuzeit" beginnt also für Schiller erst mit der 
französischen Revolution; die Reformation ist nichts als der Anfang 
einer Entwicklung, welche ihre volle Höhe erst im 19. Jahrhundert er- 
reicht, wo die Wissenschaft völlig frei wird und der Absolutismus der 
konstitutionellen Monarchie weichen muss. Über die Berechtigung 
dieser Betrachtungsweise liesse sich streiten ; da die Entwicklung niemals 
stillesteht, so kann man schliesslich jede Epoche als eine des Über- 
gangs bezeichnen, nnd ob die konstitutionelle Monarchie das letzte 
Wort der „Neuzeit** auf politischem Gebiet sein wird, vermöchte nie- 
mand zu sagen. Inhaltlich bietet auch dieser Band wieder sehr viel 
interessanten Stqff und kann dem Geschichtslehrer zu einem brauch- 
baren Hilfsmittel werden. Ebenso stösst man auch hier wieder auf 



194 Litterarischer Bericht. 

zahlreiche anfechtbare und schiefe Behauptungen. Die Schrift Luthers 
„von der Freiheit eines Christenmenschen" ist S. 12 sehr yerschwommen 
mit dem Satz charakterisiert, dass sie das Ideal eines echten und wahren 
Christen darstelle, und S. 31 heisst es, dass in Augsburg 1580 das 
Wormser Edikt „hergestellt" worden sei. Abgesehen von dem unglfick- 
lichen und schiefen Wort „herstellen^, ist zu sagen, dass die Nicht- 
ausfahrung des Woinnser Edikts 1530 zwar von Karl V. erwähnt und 
beklagt wird, dass aber die Dinge längst über das Edikt hinaus- 
gewachsen waren; die damals brennende Frag» war die des Rechts- 
bestands der evangelischen Kirche. Auch sonst ist die Darstellung des 
hochwichtigen Reichstags zerfahren und ungenügend. Wie es in Polen 
mit dem liberum veto um 1768 stand, wird ans S. 610 auch niemand 
klar werden, und im Frieden von Kutsohuk Kainardsche (21. Juli 1774) 
wurde keineswegs bloss den Christen, welche am Aufstand gegen den 
Sultan teilgenommen hatten, Amnestie gewährt; vielmehr verpflichtete 
sich die Pforte, „in den DonaufOrstentümem, Griechenland^ Georgien 
und Mingrelien in keiner Weise die freie Ausübung der christlichen 
Religion zu hindern^. Dadurch gewann Russland, wie A. Sorel, la 
question de Torieut au ISiöme siöcle, Paris 1889, S. 261, mit Recht sagt, 
„die staatsrechtliche Unterlage für seine zivilisatorische Hission im 
Orient", d. h. für die Unterwühlung der türkischen Herrschaft, und 
hierin liegt eines der wesentlichsten Elemente für die Würdigung des 
Friedens. G. Egelhaaf. 

Die Reformbeweg^ung: auf dem Gebiete des preussischen Gym- 
nasialwesens you 1882— 1901. Von Dr. August Messer- 
Giessen. Mit Register, 173 S. Leipzig, Teubner, 1901. 
Ein recht erwünschtes Buch! Ein Rückblick an einem Abschnitt 
in der Schulbewegung, führend bis zu der geschehenen Anerkennung 
der Gleichberechtigung der drei neunklassigen Anstalten für die philu- 
sophische Fakultät, eine handliche, präzise Litteraturgeschichte der 
Gymnasialpädagogik für diese Zeit an der Hand einer systematischen 
Darstellung der Für und Wider in den wichtigsten Streitwagen. Der 
Verfasser bekennt sich als dem konservativen Standpunkt zuneigend, 
es scheint ihm aber wirklich gelungen zu sein, eine objektive Dar- 
stellung der Gründe und der Litteratur für und wider zu geben. 
Die praktischen Gesichtspunkte wie die ethischen, ästhetischen, reli- 
giösen, nationalen, sozialen, auch soweit sie nur versteckt mitwirken, 
kommen zu ihrem Recht. Auf objektiv geschichtlichen Grund, auf 
den Boden des Gewordenen stellt sich der Verfasser auch in seiner 
sympathischen Schiassbetrachtung: ^Eür die Freunde des klassischen 
Altertums erwächst aus dieser Sachlage die Aufgabe, durch möglichst 
treffliche Gestaltung des altsprachlichen Unterrichts und durch Belehnm 



er 



Litterariseher Bericht. — Notiz. 195 

des Publikums über desseD Bildungswert dasjenige, was äussere Vor- 
rechte nicht mehr als sicheren Besitzstand garantieren, durch eigene 
Arbeit, soweit es nötig scheint, zu behaupten.'* F. H er t lein. 



Die Beformschuleu. Vortrag von Realgynmasialdirektor Dr. Hu- 
batsch-Charlottenburg. Preis 30 Pf. Köln 1901. 

Einer der Vorträge, mit denen die Anhänger der Reformschule 
von gesichertem Boden aus Propaganda machen unter den Laien- 
interessenten ; der Vortrag ist gehalten vor Industriellen und Ingenieuren 
Kölns. Die praktischen Gründe für die Beformschule, die materiellen 
Vorteile für kleinere und mittlere Städte, die Annehmlichkeit späterer 
Auswahl der Schule für den einzelnen Knaben, stehen darum im Vorder- 
grund, zugleich wird eine Orientierung über die Lehrziele dieser Schulen 
gegeben. F. Berti ein. 



Untersuchungen zur Ephemeris des Diktys von Kreta. Von 
Dr. J. Fürst. Philologus LX, S. 228—260 und 330—359. 

Wenigstens kurz hingewiesen möge werden auf die gelehrte Arbeit 
unseres Landsmanns, die in selbständiger Nachprüfung des gesamten 
Materials, unter Anerkennung des Hauptergebnisses von Patzig und 
Noack, dass es einen griechischen Diktys gegeben hat, der der latei- 
nischen Version des Septimius zu Grunde lag, das Verhältnis der vor- 
handenen Diktysberichte zu einander und zu etwa hieraus zu er- 
schliessenden Mittelgliedern zwischen der bis jetzt verlorenen Diktys- 
Urschrift und den vorhandenen Bearbeitungen in einer Weise unter- 
sucht, die zugleich jenem Hauptergebnis zur Bestätigung dient. 

Th. K. 



Notiz. 

Durch Vermittiung der Redaktion kann Jahrgang 1881— -1894 des 
Korrespondenzblatts, gebunden und gut erhalten, aus der Bibliothek 
eines verstorbenen Kollegen billig bezogen werden. 



196 ^^^ erschienene Bücher. 

« 

Neu erschienene Bücher. 

Vir* Bei der groesen Mengte der nni sngehenden nenen litterarlsehen Erseheiniuigen 
ist es uns unmöglich, Jede im einseinen sn besprechen. Die Titel der einlaufenden 
Bfleher, die wir ausnahmslos der Kohlhammerschen Yerlagsbuohhandlnng sn ttber- 
senden bitten, werden regelmässig im nächsten Hefte TerOff entlieht; auf Bttek> 
Sendung der nicht besproohenen fifloher können wir uni aber nicht einlaesen. 

Evers und Walz, Deutsches Lesebuch. IV. Teil. Leipzig und Berlin, 
B. G. Teubner. 

Fischer, Der Naturwissenschaftliche Unterricht in England. Ibid. 

G e m o 1 1 , Mit Gott für Kaiser und Reich. Ibid. 

K u t z n e r , Praktische Anleitung zur Vermeidung der hauptsächlichsten 
Fehler in Anlage und Ausführung deutscher Aufsätze. Ibid. 

Autenrieth, Wörterbuch zu den Homerischen Gedichten. Ibid. 

Schenk, Lehrbuch der Geschichte. Kanon der einzuprägenden Jahres- 
zahlen. Ibid. 

G ri ep , Bürgerkunde. Ein Hilfsbuch für den Unterricht in der Gesetzes- 
künde und Volkswirtschaftslehre. Ibid. 

Skutsch^ Aus Vergils Frühzeit. Ibid. 

Ziegler, Allgemeine Pädagogik. Aus Natur und Geisteswelt Ibid. 

Sk larek, Naturwissenschaftliche Rundschau. Heft 1. 2. 3. 4. 5. Braun- 
schweig, Fr. Vieweg & Sohn. 

Kunsterziehung. Ergebnisse und Anregungen des Kunsterziehungstages 
in Dresden am 28. und 29. September 1901. Leipzig, R. Voigt- 
länder. 

Volkmann, Die Erziehung zum Sehen. Ibid. 

Dähnhardt, Heimatklänge ans deutschen Gauen. Leipzig, B. G. Teubner. 

Müller, Der echte Hiob. Hannover, Fr. Rethmeyer. 

Lieber und v. Lühmann, Leitfaden der Elementar-Mathematik. 
I. Teil. Planimetrie. Berlin, Leonhard Simion. 

Köpke und Matthias, Monatschrift für höhere Schulen. Heft L 
Berlin, Weidmannsche Buchhandlung. 

Melber, Blätter für das Gymnasial-Schulwesen. 11. und 12. Heft. 
München, J. Lindauersche Buchhandlung. (Schöpping). 

Müller, Fort mit den Schulprogrammen! Berlin, 0. Gerhardt 

Schiller, Aufsätze über die Schulreform 1900 und 1901. IL Heft. 
Die äussere Schulorganisation. Wiesbaden, 0. Nemnich. 

Koch, Hilfs- und Lesebuch zum apologetischen Unterricht in der Ober^ 
klasse der humanistischen Gymnasien zunächst in Bayern. Mflnchen. 
R. Oldenbourg. 

B a ch o f , Griechisches Elementarbnch für Unter- und Obertertia. Gotha, 
Friedr. Andr. Perthes. 

Hammel, Zwei Meister. Berlin C, Ed. Bloch. 

Putzgers historischer Schulatlas zur alten, mittleren und neueren 
Geschichte. Bearbeitet und herausgegeben von Alfr. Baldamus 
und E. Schwabe. Bielefeld und Leipzig, Velhagen & Klasing. 



Neu erschienene Bücher. 197 

Wegweis ftlr Lehrmittel. Berlin W. 56, G. Winkelmann. 

Krass und Landois, Lehrbuch ftir den Unterricht in der Zoologie. 

Freiburg i. Br., Herdersche Verlagshandlung. 
Fries, Goethes Achilleis. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der 

Doktorwürde von der philosophischen Fakultät, nebst Anhang. 

Berlin, £. Ehering. 
Bär, Wirtschaftsgeschichte und Wirtschaftslehre in der Schale. Gotha, 

£. F. Thienemann. 
Kemsies und Hirschlaff, Zeitschrift fUr Pädagogische Psychologie. 

Berlin S. W., H. Walter. 
Magnus, Merkbuch für Wetterbeobachter. Hannover und Berlin S. W. 46, 

C. Meyer (Gust. Prior). 
N a g 1 und Z e i d 1 e r , Deutsch-Österreichische Litteraturgeschiehte. 

Berlin, Carl Fromme. 
Klapperich, Englische und französische Schriftsteller der neueren 

Zeit. Band iV, Band V, A und B und Band VL Glogau, 

Carl Flemming. 
Fricker, Die Pässe und Strassen der Schwäbischen Alb. Tübingen, 

Verlag des Schwäbischen Aibvereins. 
Bauer, Israelitische Schriftpropheten. Langensalza, H. Beyer & Söhne. 
Herders Pädagogische Schriften und Äusserungen. Herausgegeben von 

Dr. Horst Kef erst ein. Ibid. 
Klenky Tierquälerei und Sittlichkeit. Ibid. 
Z i n g e r l e , T. Li vi Ab Urbe Condita Libri. Pars III. Leipzig, G. Frey tag ; 

Wien und Prag, F. Tempsky. 
Bals, Treue Freunde in Haus und Hof. Regensburg, Verlagsanstalt 

vorm. G. J. Manz. 
Lieber und v. Lühmann, Leitfaden der Elementar-Mathematik. 

III. Teil. Berlin, Leonhardt Simion. 
Fick, Das alte Lied vom Zorne Achills. Göttingen, Vandenhoeck 

& Ruprecht. 
Seiler, Das Buch der Berufe. Ein Führer und Berater bei der Be* 

rufswahl. Hannover, Gebr. Jänecke. 
Schüler, Vergleichende Übersicht der Hauptthatsachen der Welt- 
geschichte. Berlin und Stuttgart, W. Spemann. 
Krisch, Astronomisches Lexikon. Auf Grundlage der neuesten 

Forschungen. Wien, A. Hartlebens Verlag. 
Scheel und Assmann, Die Fortschritte der Physik im Jahre 1902. 

Nr. 1 und 2. Braunschweig, Fr. Vieweg A Sohn. 
Sklarek, Naturwissenschaftliche Rundschau. Heft 6. 7. 8. 9. 10. 11. 

12. 13. 14. 15. 16. Ibid. 
Donle, Grundriss der Experimentalphysik. München und Leipzig, 

Dr. E. Wolff. 
Krön, Englische Sprechübungen. Karlsruhe, J. Bielefeld. 



198 Ankündigungen. 

Sauer, Euphorion. Zeitschrift für Litteratnrgeschichte. Leipzig und 

Wien, Carl Fromme. 
Schiller, Weltgeschichte. Band 3 und 4. Berlin und Stuttgart. 

W. Speemann. 
Burgerstein und Netolitzky, Handbuch der Schulhygiene. Jena, 

G. Fischer. 
Monumental-Plan von Berlin. Leipzig, Gebhardt & Wilisch. 
W immer, Lehrgang der französischen Sprache. L Teil. Zweibrückeu, 

Fr. Lehmann, 
van Bebber, Anleitung zur Aufstellung von Wettervorhersagen. 

Braunschweig, Fr. Vieweg & Sohn. 
Müller, Jacques Nauronze. S6verine 1814—1815 samt Wörterbuch. 

Leipzig, G, Freytag. 
Sachs, Bau und Thätigkeit des menschlichen Körpers. Leipzig. 

B. G. Teubner. 
Wen dt. Das Vokabellemen im französischen Anfangsunterricht Ibid. 
Zepf, Wie können die Methoden naturwissenschaftlicher Forschung 

für den Unterricht fruchtbar gemacht werden? Ibid. 



Ankündigungen. 



iü^UXf Dr. |., @9mn.'SDireftor, Slftl^eHfc^et ftottttitetttar ^tt 
j^ontetd Cb^iffee. 210 @. 91. 8. .^ 2.6O, geb. .ä 3.60. 

^a« Serf Mlbet ein degenftütf su bem mit oielem SeifaO aufgatornmcnen, bcreiKi 
in siDelter Sluf läge oocIiegenbenSieft^etif^en jtommentar |u Römers Sliat vm 
Kammer; audf ber ®i|lerf(^ Üomtnentar ftt^rt ben £efer in bie Ck^n^ten bcr bf 
^anbelten Sichtung ein unb mirb fif^ alft fieeianeteS unb wUtlttaauat» Hilfsmittel ffir 
ben fieser fono^I tote fflr jeben ^eunb olttlafflf«^ SH^tung enseifen. 

Hageliiken, Dr. H., Professor, Tabellarische Übersieht der 
griechischen Modnslehre. in Umschlag 00 ^. 

Es ist der erste Versuch, dM ganxe Gebiet der griechischen ICoduslehre 
in tabellarischer Form xn geben ; die Tabellen eignen sich su Jedtr grtecliisekrB 
OraiBBAttk. 

liArrilt, Dr. 1-, ®i^mn.^$)iteftor, @ttt le^ted 9Bort itt bet 

SIbf d^tebdfiUttbe. 3n>ölf ©d^ulteben, Bei ber ^ntlaffung ber Sbi« 
tiirienten gehalten. 112 e. 8. brofc^. j(, 1.20. [4 

^er auf beutf^ifprad^Ii^m (Sebiete oorteil^aft bekannte Serfaffer bietet ^ier Htuflers 
reben, bie toofyl nidft umoilUommen ge^ei^en merben bih^ten. 



Verlag von 0. B. Belsland, Leipzig. 

Soeben erschien: 

Grundriss der Geschichte der griechischen Philosophie. 

Von 
Dr. Eduard Zeller. [28 

Sechste Auflage. 1901. X und 324 8. gr. 8. Mk. 5.20, geb, Mk. 6.— 



A. Beyeiien & Co., Stuttgart. 



I 0. R. «EI8HNP, Leipzig. 



Soeben erachieneo : 

Relig^onsphilosophie 



Unter Hitvirkuog des Verrassera aus dem Dknischen Übersetzt 

F. Bcndlxen. 
24 BogrcD. Gr. 8*. Preis 6.40 Mk., f;ebimdeii in H&lbfranzbaDd 7.60 Mk. 

PAUSANIAE GRAECIAE DESCRIPTIO. 

Edidit, graeca emendavit, apparatum criticnm adiecit 

HERMANNUS HITZIG. 

Coromentariiini genoanice scriptum cum t.tbnltB tupographicis et nuuiis- 
maticis addidcnint ItniMlli litll; et !■;» Ilieaitr. 



1901. XIV und 449 S. Lex. S". Mk. 20, eleg. geb. Mk. Sä. 
Früher erschienen; 

Tolnmlnls prlml pars prior, l.iber 1: ittlc«. 

Cum XI tabulis topogr. et nuintsmaticia. 

1896. XXIV nnd 379 S. Lex. 8". Mk. 18, eleg. geb. Mk. 20. 

TolavtlnlB prlml pars posterior. Liberll: CorInthiMn. 

Über HI: LKenlea. 

Cum TI tababs topogr. et niimiainaticis. 

1899. XVI und 496 S. Lex. 8". Mk. 22, eleg. geb. Mk. 24. 

Das vollständige Werk wli-d voranssichtlich 6 Hnll>l>;inile iimrassen. 



AnkfiadIgungetL 



Dr. Jil. Camicr, prof., naturkDre rfir dU oUttn 
Kla$$«i der 6vmna$len. preis brofdr. mt. ^-50 

= Üv. 5.20; geburticn 2Tlf. 5.20 = Kr. 6.—. [7 

Z\t\t» bUTc^au« jcitfltmllie Sc^Tbuc^ nutbt auf @ntnb bc« 
nentii Ößett. ae^rplaii* au«atov6tit(t unb i[i in fieroorraaenbon SWofef 
buKft (rf(^Bpfenb( I'arftdlmia oB« ®(bitt( btt Hatutle^« alt but* 
(|län)<nbc 9tu«|1attun(i — S77 äifluitn im £(rt, ""t ®))((trallat(l unb 
4 mctcoTDlogif^cn Jtatttti in feinllctn J^i'^'"^'^'' — j"*^ Stniü^ninfl in 
ben ebnttt Alaffen bei Qt^mnafitn gtrigntt. ^aiftlbt ßc^t jut l?lnfid|t> 
na^me g<m fofort ju ^Mtnfitn. 

|if. |M|nt InliMbiillMlIn!} ii pin U/1 »k dtdliirt. 



®o(6(n iß imSu(i!6anb(I ttft^itn. : 

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Ctni» 20 IBiO [6 

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Seminaire de franpais moderne pour etrangers 
Conrs de vaeanees (O641N) 

I* du 16 juillet au 12 aofit: 56 le^ons et coof^rences 
30 du 13 ao&t au 8 septembre: 53 le9ons et conf^ences 
Grammaiie superieure — Composition — Improvisation — laterprftalion 
d'auteurs — Diction et prononciation — - Litteralure franfsise — Histoire 
contemporaine — Geographie — Excutsions rians le Jnra etc. etc. 

tiix de chaque coms 15 frnncB. [5 

Poai tous lenseignemenls s'adresser i Mr. le Dr. UeBloallTJ' Directeur 
du SJminaire. 



Frangois Grouin. 

Seine Lehre und Methode; ihre Bedeutung fürs Oymnasiuni. 

Von Prof. P. Feucht in Stuttgart. 

Übersicht. 

1. Ein guter Kampf des Gymnasiums. 

2. Gouin annoch Fremdling, dennoch Mitkämpfer. 

3. Gebräuchliche Sprachmethoden. 

4. Gouins etwaige Berührung mit ihnen. 

5. Das Äussere seiner ^Serien'\ 

6. Sein Verfahren ; und zwar : die Erlauschung der Sprache. 

7. — mit vorgängiger Anschauung der Sache. 

8. Hienach rechte Schätzung der alten Sprachen und des Gymnasiums ; 

9. Hiebei gesteigerter Reiz der fremden Sprache. 

10. PH)bchen einer Lehrprobe der Unterstufe (Französisch). 

11. Plötz und Genossen vor Gouins Richtstuhl. 

12. Gouins Verdikt: „Les sciences par Ics langues". 

IB. Lelirproben der oberen und mittleren Stufe (Latein): Ars Poi^tica 
li. — und ein Stück Livius; mit Abheben auf die Präparatiou. 

15. Gouins Stichwörter. 

16. Grammatik, Wortkunde, lexikalische Neigungen. 

17. Schätzung und Selbstschätzung. 

18. Was er versprach; was er hielt. 

19. Sechs Dreingaben zur Kritik der reinen 

20. — und eine zur Kritik der praktischen Gouin- Vernunft. 

21. Ihr werter Name? 

22. Ernstgemeinter Antrag; nebst Geleitwunsch. 

„Le mondo e«t Jeune, extrdmement Jouno.'' 

Fr. Gouiii. 
1. 

Zu den Zielen, die durch die jüngste Berliner Schulkonferenz 
nicht erreicht worden sind, gehört der Schulfriede. Man kämpft 
fort; und das ist gesund, insbesondere für den Gymnasiallehrer, 
dem endlich auch die Lust zum Kampf in der Öffentlichkeit kommt, 
nachdem er sich im schwereren Kampf der Selbstprüfung lange genug 
seiner Rüstung versichert hat. Dieser Kampf der Selbstprüfung, 
dieses ,,Ringen mit dem Mann in der Morgenröte^^ bleibt immerhin 
das bessere Teil und der beste Rechtsbeweis wie einer jeden Schul- 
gattmig so des Gymnasiums. Welch ein wetteiferndes Bemühen 

Neutts KorreBpondeuüblatt 1902, Ueft 6. 



202 F IUI eilt, FraiiQois (jrouiii. Sdne Lehre und Methode etc. 

in seinem Heer, heute mehr als je, um sichere Ergebnisse der 
Marsch- und Schiessilbungen, um vereinfachte Ausrüstnngsgegen- 
stände und verbesserte Gefechtsreglemcnts, ein Wetteifer, von dem 
zwar der oberflächliche Landsmann wenig merkt, das Ausland aber 
mit dem Spott zeugt, jeder deutsche Gymnasiallehrer setze sein 
Leben an eine eigene Grammatik ; ein Wetteifer, den die gewaltige 
Schichtenbildung der Schulbücher bekundet, Sedimente des Schul' 
gedankenstroms der letzten Jahrzehnte, die neuen in rascher Ver- 
dichtung obenauf lagernd, die alten hinabsinkend bis zum Wert 
oder Unwert der Kohlenformation: ewig allein der Dienst der 
geistigen Handreichung von Geschlecht zu Geschlecht. Heil allen 
den Büchern und Buchauflagen in diesem Sinn, Heil allen neuen 
Methoden, auch der Methode Gouin und ihren Freunden! 

2. 
Wer von den Werken Gouins und den Schriften über Gouin 
lierkommt, wer die merkwürdigen Kämpfe und Erfolge seiner Lehre 
in Schulkursen, Tageszeitungen, Fachblättern nnd öffentlicher Mei- 
nung von Paris, England und der Union aus den letzten 10 Jahron 
kennen gelernt hat, fragt sich, ob es noch wohlangebracht sei diese 
Metliode in einem deutschen Fachblatt als etwas Neues zur Sprache 
zu bringen. Er gewinnt aber Mut, wenn er sich überzeugt, dass 
weder ein neues Konversationslexikon noch eine Fachencyklopädie 
wie die beiden von Schmid und von Kein noch auch die Mehrzahl 
der Kollegen, die in Frankreich und England gewesen sind, etwas 
von Gouin haben und wissen. Mit dieser Unkenntnis rechnet auch 
der bislang ausführlichste deutsche Bericht über Gouin von Ober- 
lehrer Dr. Krön, jetzt in Kiel. 

3. 
Wenn zwar Krön heute die etwaige bange Frage: „Schon 
wieder eine neue Methode?" dahin bescheidet, dem Wesen nach 
sei sie neu, dem Bestehen nach doch an die 20 Jahre alt, so wird 
dieses einzige Wort allein den bangen Gemütern noch kein Trost 
sein. Eine weitere Einschränkung dürfte schon mehr zur Beruhigung 
dienen, nämlich dass Gouins wie eines jeden echten und gerechten 
Schulmannes Stärke nicht in neuen Wahrheiten, sondern in der 
neuen Hervorhebung und Anordnung der Wahrheit, 
der alten, liegt und darum unwillkürliche Berühiiing, ja Gemein- 
schaft mit anderen Methoden erkennen lässt. Im Gegensatz zn dem 
alten Verfahren nerveustärkerer und knochigerer Geschlechter, wo 



Feucht, FraHQois Gouin. Seine Lehre und Methode et«*. 203 

gleichsam der Lehrling in der Sprachwerkstatt jedes Werkzeug: 
die Bäge^ die Feilen, Bolirer, Hobel, ja die Leimkachel^ und die 
Holzarten einzeln durchbehandeln lernte, ehe er sie im Zusammen- 
wirken und zum Zweck verwenden durfte, im Gegensatz zu dieser 
synthetischen Methode haben sich ja die folgenden Typen sprach- 
licher Lehrmethoden bei uns herausgebildet: 

1. Die Vereinfachung des Werkzeug- und Gerätebestands: Haupt- 
regeln werden geboten, Ausnahmen und Nebenregeln auf- 
geschoben, wenn nicht aufgehoben; wobei man nur zu gerne 
übersieht, wie vorzüglich sich das Sprachleben gerade in der 
Ausnahme bethätigt, die Regel aber — sonst wie hier — 
oft der Tod ist. Das Skelett, an sich wichtig, ist tot. Man 
könnte von der Skelettmethode reden, Skelettmethode mit 
Sprachersparnis bis Sprachverlernung, Fleischentfettung bis 
Muskelschwund. 

2. Erschliessung des Sprachschatzes und -Gesetzes an leibhaftigen 
Sprachproben, analytische Methode genannt; wäre auch Sezier- 
methode zu nennen; z. B. Toussaiut-Langenscheidt. 

li. Die Sprachlehre als Variete-Vorstellung: nicht Deklination 
oder Konjugation, nicht Nomen oder Pronomen auf einmal, 
sondern von jeder Suppe zuerst ein Schüblein u. s. f. — wie 
die Skelettmethode in der Schulgrammatik und nicht zum 
wenigsten in der griechischen und lateinischen, so dringt die 
Variöte im Übungsbuch durch. 

4. Die Sprachlehre als Ensemble-Auftreten von Anhörungs- und 
Anschaungsunterricht, genannt direkte Methode; hiesse so, 
wie sie jetzt mit Bildertafeln das Anschauungsvermogen ver- 
wohnt und den direkten Begriffsaustausch von Sprache zu 
Sprache umgeht, besser indirekte oder umgekehrte Methode. 

5. Die Bonnenmanier, die planlose Beibringung, das An liegen- 
lassen einer fremden Sprache im familiären Gespräch darf 
eigentlich nicht in Einer Reihe mit Schulmethoden genannt 
werden: eine Thätigkeit, die nur bei der Muttersprache, nein, 
bei der Sprache der Mutter mit dem Kind Korrektur und 
Natur hat, geht hier behufs Erlernung einer fremden Sprache 

auf eine ungeeignete Mietperson über und richtet meist Un- 
heil au. 

4. 
Aber gerade in diesem schwächsten Punkt der ganzen Stellung 
des Sprachunterrichts (Nr. 5), auf dem Boden des kindlichen 



204 Feucht, Fran^ois Gouin. Seine Lehre und Methode etc. 

GebahrenSy fährt nun Gouin mit seiner ersten schweren Batterie 
auf und bezieht gleichsam als Munition von Nr. 1 die Einfachheit 
der grammatischen Ansprüche^ von Nr. 2 die Leibhaftigkeit der 
gebotenen Sprachsttlcke, von Nr. 3 die Mannigfaltigkeit, von Nr. 4 
die Sinnenfälligkeit; nur das Wort und System der „Serien"*, 
das über der beginnenden Gärung schwebt, bedeutet als Gegensatz 
zu jener Planlosigkeit der Bonnenmanier eine planmässige Vor- 
ftlhrung des gesamten Sprachvorrats, planmässig, weil durchaus mit 
der Stufe des Lebens begonnen wird, die dem kindlichen Verständ- 
nis zuerst aufgeht : dem häuslichen, ländlichen, gewerblichen Leben ; 
und weil der Inhalt dieser Lebensgebiete nicht etwa wie in Plötz, 
Vokabular als zerstreute Totengebeine trotz aller schdnbaren Lebens- 
gemeinschaft daliegt, sondern als eine Reihe massig langer typischer 
Vorgänge mit strenger Folgerichtigkeit und lückenloser Anschau- 
lichkeit an dem Kinde vorüberzieht: die Beschaffung und Ver- 
wendung VQU Wasser und Feuer im Haushalt, das Leben des Ilirten 
und Fischers und so weiter und höher. Damit ist schon viel ge- 
boten: Erstlich wendet Gouin auf die Grundlegung des Sprach- 
unterrichts für jede Altersstufe das Wort an ,,So ihr nicht werdet 
wie die Kinder — ", zweitens entrichtet er der Sprache als einer 
zeitlich bedingten Erscheinung in ausgesprochen künstlerischer Ab- 
sicht und Lessingschem Sinn den richtigen Tribut, dass er ihre 
Formen auch nur mit zeitlichem, geschichtlich bewegtem Stoffe 
füllt. Leicht und lebendig wird dadurch alles, was er giebt Zweck- 
mässigkeits- und Möglichkeitsbedenken zwar steigen hier vielleicht 
schon dem geneigten Leser auf. Die der Zweckmässigkeit woUen 
späterer Bereinigung vorbehalten werden ! Die der Möglichkeit sind 
von Gouin bereits widerlegt: er hat wenn auch nicht alles ver- 
öffentlicht, so doch alles im Entwurf fertiggestellt und persönlich 
angewandt. 

5. 
Von diesem Serieubegriff stammt der Name des ganzen Methoden- 
werks. Aber die Schöpfer von Kunstwerken vergreifen sich gerne 
im Namen ihrer Werke. Nach genauerer Kenntnis seiner Lehre 
wird man das Bedürfnis eines bedeutsameren Namens fühlen. Vor- 
erst bestätigt ein Blick auf ein Bändchen dieser MusterstUckc 
eher die Richtigkeit des Namens. In langer Reihe thut Gouin 
jedes Stück auf Einer Seite, jeden Satz, gleichviel ob Haupt- oder 
Nebensatz, wofern er ein Moment des Fortgangs ist, auf Einer 
Zeile ab. Diese Ordnung oder Ordonnauzmässigkeit setzt Gouin 



Fe acht, Fran^ois Gouin. Seine Lehre und Methode etc. 205 

so|2:ar an erhabenen Litteraturwerken durch; bei seinen Serien aber 
ergiebt sie sich wie von selbst aus der Einfachheit, ja Einförmig- 
keit, womit Gouin aus Gründen der Seelendiät allen Stoff entwickelt 
als Glied um Glied einer einfach verlaufenden Kette. Eine Serie 
im kleinen bilden also auch immer die Momente des einzelnen 
Musterstucks; Gouin freilich versteht unter Serien eben die höhere 
methodische Ordnung und Stttckfolge der Lebensgebiete. Die 
Strenge der beschriebenen Ordnung lässt schon erkennen, dass 
Gouin bis zu den Oberstufen des Sprachunterrichts den Hauptwert 
auf Erfassung des Sinnes und Inhalts legt, für die Kunst des ver- 
wickelten Satzbaues, die Periodologie, und für die Verslehre aber 
nicht viel übrig hat. — Bald ganz bald halbvoll wie die Buchzeilen 
sind bei einem Betrag von 18 — 27 Sätzen jedes Musterstücks denn 
auch die Buchseiten. Die genannte Zahl ist nach Gouins Erfahrung, 
die er im Leben, im Unterricht und in der mustergültigen Litteratur 
gesammelt hat, im Durchschnitt erforderlich, um die Aufmerksamkeit 
des Hörers und Schülers für einen Hauptgedanken oder Vorgang 
sattsam zu erregen und doch wieder nicht zu ermüden. 

Es fällt in diesen Serienbänden noch auf, dass je neben dem 
Musterstück auf dem rechten Falz eine Serie Verbalformen 
herabläuft, nämlich allemal die Herausstellung der Verba aus den 
Sätzchen nebenan. An 25 Sätzchen lehnt sich eine Verbenleiter 
von 25 Sprossen. An dieser Leiter übt sich die Einbildungskraft 
im Klettern, wenn die breite Treppe des vollständigen Ablaufs in 
den Sätzen nebenan gesperrt ist; d. h. der Verbalfalz dient im Unter- 
richt zum ersten Aufbau und späterhin, wenn das Stück selbst mit 
der Hand verdeckt wird, zur gedächtnismässigen Wiederholung des 
Vorgangs. Stichwörter würden wir es heissen. Ob das nun Verba 
sein müssen, die Frage drängt sich hernach noch auf (15). Gouin 
aber beharrt dabei, meint mit seiner Lehre von der Herrschaft des 
Verbs zu stehen und zu fallen. 

6. 

Dies wäre das grundlegende Schulbuch und immer nur das 
Buch, mit dem sich vieles vertragen würde, was bei Gouin doch 
in Acht und Bann kommt. Sein Verfahren ist eigentlich ein 
Exekutionsverfahren gegen das Buch überhaupt. Was in den Serien- 
büchern steht, ist zunächst für den Lehrer da, sorgt dafür, dass 
er den richtigen Gegenstand wähle und die richtige Entwicklung 
ohne Sprung und ohne Stillstand, ohne Überladung und ohne toten 
Punkt eintreten lasse. Und nun soll er sich, dem Schüler nnd 



206 F(5ucht, FranQois Gouin. Seine Lehre und Methode etc. 

dem reellen Geschäftsbetrieb opfernd, zum Standpunkt der Mutter 
oder Bonne — Gouin scheut diesen Ausdruck nicht — bequemen 
oder erheben, erwärmen , erheitern, erholen und mit aller Sorgfalt 
des Lautes und der Gebärde durchs h r, zuerst allein durchs Ohr 
das eingehen lassen, was er selbst vom Buch empfan<j;en hat. Dicüer 
Instruktion gemäss zielt und in dieser Richtung feuert die Batterie 
CJouins von der Stellung aus, worin sie vorhin aufgefahren ist. 
Dieser Satz, dass die Sprache am leichtesten durchs Ohr eingehe, 
ist ja alt und verständlich. Um so mehr kommt Gouin in immer 
neuen Wendungen des Staunens und der Abwehr auf die That- 
Sache zu sprechen, dass die heilsame Wahrheit allgemein missachtet 
werde, und er sucht ihr durch neue Prüfung, Anordnung, Aus- 
wirkung und Steigerung der Potenzen zum Sieg zu helfen. * 

7. 
Erste und stärkste Potenz die Anschauung. Also doch auch 
das Auge? Ja und Nein. Vor allem keine Buchstabenanschaunug. 
Dann aber auch kein Bild. Das Verlangen dieser Anschauung im 
vulgären Sinn wird neuerdings an den Unterricht, besonders in den 
alten Sprachen, gegenüber einem blossen Wort wissen häufig gestellt; 
Anschauungsmittel in Menge und Güte sind geschaffen und au- 
geschatt't worden, haben aber die Freude und den Frieden nicht 
gebracht, die Freude nach innen und den Frieden nach aussen. Da 
fährt Gouins schwere Batterie Nr. 2 auf und schiesst ins Schwarze, 
schiesst vielmehr Viktoria mit dem Satz: Nicht Anschauungs- 
material, sondern Anschauungsvermögen, nicht bildlicher Stoff, 
sondern Einbildungskraft ist Grundlage und Ziel des Sprach- 
unterrichts, Alpha und Omega. — Der Einwand, als ob das An- 
schauungsmaterial doch als Geburtshelfer des Anschauungsvermögens 
in schwierigeren Fällen approbiert und honoriert werden mUsste, 
kann schon gar nicht auf den Plan treten, weil ihn Gouin im 
voraus totgeschossen hat: zum ersten erhält alles Bilder werk, 
alles Abbild der fernen Wirklichkeit — die nahe bildet man dem 
Schüler nicht ab — seinen Wert erst durch die Bild kraft, die 
Fähigkeit der Beobachtung und Vorstellung, zu der der Anfänger 
am Lebendigen und Gegenständlichen erzogen wird, und in dieser 
Einschränkung und Rangordnung bleibt ja das Anschauungsmaterial 
so selbstverständlich wie^s tägliche Brot und so billig wie die Luft 
Zum zweiten aber und wichtigeren entscheidet über das kindliche 
wie über das reife Sprachvermögeu nicht die Anschauung des 



Feucht, FraüQois Gouin. Seine Lehre und Methode etc. 207 

Nebenoinanders im Raum, sondern des Naclieinanders in der Zeit. 
In der Form seiner Btlcher hat sich^ wie gezeigt^ diese Lehre Gouins 
niedergeschlagen und er deckt sich dabei mit keiner schlechteren 
Watfe als mit dem homerischen Schild des Achill. Niederschlag 
aber soll nicht bloss das Serien werk im ganzen von der Lehre sein, 
sondern; was wichtiger und dem Gouin höchst eigentümlich, jedes 
Serienstttck ein Niederschlag mündlicher Vorverhandlung zwischen 
Lehrer und Schüler. Erst was durch solche Vereinbarung, durchs 
Experiment gewonnen ist, kommt dem Schüler im Buch, als mattes 
Spiegelbild nur, wieder zu Gesicht und Sinn. In diesem Sinn wächst 
Gouins Lehre von der Anschauung über seine Lehre von der 
Anhörung, vom Eingehen der Sprache durchs Ohr weit an Be- 
deutung hinaus. Die Lehre von der Anhörung betrifft nur eine 
Neuordnung des fremdsprachlichen Unterrichts. Die von der An- 
schauung aber bedeutet eine Verjüngung des gesamten Unterrichts, 
einen Eroberungszug, dessen Ausgangspunkte bei Rousseau und 
Pestalozzi liegen, dessen Bewegungen aber durch die genaueste 
unermüdliche Auskundschaftung des Terrains und die besonnenste 
Abwägung der Umstände geregelt wird. Hier ist Gouin auch der 
Manu der Volksschule. 

8. 
Je weniger in einem kurzen Aufsatz die sinnreichen Einzel- 
heiten zur Sprache kommen können, wodurch Gouin sein Ver- 
fahren zu einem Wunderwerk, wo nicht Meisterwerk ausgestaltet 
hat, desto mehr muss zum Verständnis seiner Grundsätze gesagt 
werden, was möglich ist; und da ergiebt sich, von der Seite des 
Gymnasiums gesehen, noch ein vorteilhafter Stützpunkt. Sprüch- 
wörtlich ist der Wert der alten Sprachen für die „formale Bildung", 
für die „logische Schulung" des jugendlichen Geistes. Wenn damit 
eine besondere Wahrnehmung von den einleuchtenden Beziehungen 
der Satzteile untereinander, die stramme Bewegung der Gedanken 
nach den Marsch-Ordres der strengsten Grammatik gemeint ist, so 
hat das Latein wenig vor dem Französischen voraus, und es hat 
wieder das Griechische vor den genannten Sprachen keinen ent- 
scheidenden Vorzug. Nun aber weiss jeder, der der alten und 
neuen Sprachen gleich mächtig ist, dass sich der Geist gerade am 
Griechischen bildet und bereichert. Also verleiht eben nicht die 
sinnliche Ausprägung der grammatischen Kategorien den alten 
Sprachen ihre bildende Kraft, sondern es ist im Griechischen wie 
im Latein, im Griechischen aber in erhöhtem Masse die Einfachheit 



208 Keuchet, Fi'an<joi8 Gouin. Seine Lehre und Methode etc. 

der Begi'iffe, ihre Ursprttnglichkeit und Durchsichtigkeit, auf die 
wir von der Blässe und Geschraubtheit unserer Begriffe mit den« 
selben Wirkungen zurückkommen wie von der Grossstadtluft aufs 
Land, vom Maschinenbetrieb zur Handfertigkeit, von der Geschäfts- 
routine zum Turn- und Spielplatz, von der Nervosität zum Behagen, 
von der Geldwirtschaft zur Naturalwirtschaft. Aus eigener Neigung 
und Sprachgewissenhaftigkeit wird einer, der in moderneu Sprachen 
aufgewachsen ist, selten von den Begriffen, die bei uns wie ab- 
genutzte, ja unsaubere Münzen umlaufen, zur Erkenntnis der grund- 
legenden Werte zurückkehren; nicht einmal im deutschen Unter- 
richt geschieht planmässig etwas dagegen, dass z. B. alles Wohl 
und Wehe der Menschheit nur noch als „Interessen" ausgemünzt 
wird und alles Gute und Schöne und Wahre, alles Anmutige und 
Lehrreiche und Gehaltvolle nur noch „interessant" ist. Aber am 
altsprachlichen IJuterricht ergiebt sich ein liebenswürdiger Zwang 
zum verjüngenden Trunk an der Quelle. Im antiken Gedanken- 
verkehr gelten keine Wechsel und Banknoten. Man tauscht Real- 
werte, die man an Ort und Stelle prüfen muss, um nicht zu ver- 
lieren. Realwerte, reelle Begriffe sind die früheste wie die reifste 
Frucht der altsprachlichen Schulung. Gouin nun, der Gymnasial- 
lehrer, erklärt erstlich, unsere, die französische wie die deutsche 
Schulmcthode, lässt diesen Wert der alten Sprachen zu wenig 
wirken, und zweitens, seine, Gouins, Methode ist gewissermassen 
geeignet, auch den anderen, den neuen Sprachen Anteil an solcher 
Wertentfaltung zu vermitteln. Der Sprachunterricht im ganzen, 
der altsprachliche aber im besonderen, richtig betrieben, ergiebt 
nach Gouin die einzig echte Realschule, den einzig richtigen Weg 
zur Ergründung und Anschauung der Sache. Eine Art Hymnus 
widmet Gouin in seinem Hauptwerk Art d^enseigner S. 501 ff. den 
alten Sprachen und an einer andern Stelle verkündet er: die alten 
Sprachen tot zu nennen ist ein Sprachmissbrauoh. Tot sind sie nur 
durch unsere verkehrte Methode — er spricht von Frankreich — 
die den Willen zugleich tötet comme tous les cxercices qui nons 
viennent des Jesuites. Was uns wert und wichtig ist, das ist 
lebendig, weil wir es beleben. 

9. 

Gouins Verfahren in seinem Serienwerk und seinen Lehrproben 

erinnert überall an die antike Naivetät des Miterlebens, Aufnehmens, 

Anschauens, bis das Herz voll genug ist, um den Mund übergehen 

zu lassen. Die Auftinduug und Beobachtung der Entwicklungsstufe 



Oslander, Ferienkurs in Grenoble (August 1900). 209 

eines jeden Vorgangs durch gemeinsame Thätigkeit von Lehrer 
und Schüler, ihre Darstellung durch Gebärden soweit möglich zuerst 
durch den Lehrer, dann durch den Schüler ist so sehr die Haupt- 
sache^ dass sie ja vorerst ganz durch die Muttersprache begleitet 
wird. Erst bei der Wiederholung wird die nunmehr untrügliche 
Gestalt der Dinge mit dem Reiz fremder Laute umgeben, die 
alsdann infolge der allgemeinen Erfrischung der Seele und Reini- 
gung der Sinne auch am Olir auf eine überraschende Empfänglich- 
keit stossen. Die geweckte Lust am Sachgehalt und -Verhalt, an 
der Thätigkeit überhaupt ist Gewinn an und fttr sich; die Be- 
flügelung des Fortschritts in der fremden Sprache verdient aber 
noch ein Augenmerk: Es hat ja noch bei keiner Methode an 
Schülern gefehlt, die dem Lehrer oder den Eltern, dem Lob oder 
Tadel oder späteren Fortkommen zu liebe ein offen und empfäng- 
lich Ohr für Sprachen wie für jeden Unterrichtsgegenstand hatten. 
Dieses persönliche oder Zwangs Verhältnis besteht auch bei jenen 
allernatürlichsten Methoden, deren Hauptwitz die Verpönung der 
Muttersprache und die Beschränkung auf fremdsprachliche Um- 
gebung ist, die also den Schüler schwimmen lehren, indem sie ihn 
vor allem ins Wasser werfen. Gouin macht von keiner Autorität 
oder Gewalt Gebrauch, vertraut einzig der Gewähltheit seines Gegen- 
stands und der Durchdachtheit seines Verfahrens, verbannt un- 
verdauliches Zeug, wartet gesundes Hausbrot und Milch aus dem 
eigenen Stall auf und giebt die fremde Sprache dazu wie Butter 
und Zucker als Hochgenuss. (Fortsetzung folgt.) 



Ferienkurs in Orenoble (August 1900). 

Von W. Oslander. 

„Bisher genoss die internationale Schweiz das Privilegium, 
Fremden französischen Unterricht zu erteilen. Wenn aber dieser 
Unterricht den Zweck haben soll, die Fremden nicht allein mit der 
Sprache, sondern mit dem Geist, dem Denken und Empfinden der 
französischen Nation vertraut zu machen, so ist die Bildungsstätte 
besser auf französischem Boden zu suchen. Dieser Gedanke führte 
vor zwei Jahren in Grenoble zur Bildung eines Comite de jmtronage, 
das sich zur Aufgabe machte, fremde Lehrer und Studierende an 
die Universität dieser Stadt heranzuziehen und ihnen in jeder Hin- 



210 Oslander, Ferienkurs in Grenoble (August 1900). 

sieht liilfreich an die Hand zu gehen. Der Versuch hatte einen 
über Erwarten günstigen Erfolg: heuer haben bereits etwa 150 Fremde 
der Einladung Folge geleistet, eine gleiche Anzahl dürfte noch ein- 
treffen. Vergessen wir nicht, dass unser Unternehmen noch eine 
höhere Mission zu erfüllen hat : indem wir hier Grammatik treiben» 
arbeiten wir zugleich an der Beseitigung der Schranken, die Miss- 
trauen und Vorurteil zwischen den einzelnen Nationen aufgerichtet 
haben." 

So etwa sprach am 15. August im Hauptauditoriuni der Uni- 
versität Grenoble der Präsident des genannten Comile M. Marcel 
Reymond vor einer internationalen Zuhörerschaft, bestehend aus der 
Mehrzahl der in Grenoble anwesenden fremden Studierenden, sowie 
aus ca. 40 Vertretern der Presse, die aus Paris von dem eben ge- 
schlossenen ,,Internatioualen Kongress der Presse" eingetroffen waren. 
Reicher Beifall, namentlich von den Bänken der Studierenden, be- 
lohnten die Worte des sympathischen Redners. Mr. Taunay, Führer 
der internationalen Journalisten, unter denen sich fünf Deutsche be- 
fanden, liess sich die Vertreter der einzelnen Nationen aus den Reihen 
der Studierenden vorstellen und erwiderte in glänzender Sprache, die 
sich nach dem Monltvur Dauphinois bis zur eloquence erhob: Das 
erste Einigungsband aller hier vertretenen Nationen bilde ia granth 
Latinitey die zwischen ihnen eine gemeinsame Sprache geschaffen 
habe; der Festzug der Civilisationen, den wir heute sahen, sei 
aber um so schöner, je bunter in ihm die verschiedenen Banner 
der Nationen strahlen, die alle auf ein Ziel hinsteuern — la (jnuuli' 
Fraternltv. Diese echt französischen Wendungen zeigen wohl am 
besten die Stimmung der gebildeten Kreise Frankreichs speziell 
uns Deutschen gegenüber; die unteren Schichten der Bevölkerung, 
insbesondere die Landleute wissen ohnehin nichts von Chauvinismns ^ i. 
Thatsüchlich bilden denn auch die Deutschen die grosse Mehrzahl der 
in Grenoble zum Zweck des Studiums anwesenden Fremden, so 
sehr, dass in Stadt und Umgebung sämtliche Fremde unter der Bt- 
zeichnung les Allemands zusammengefasst werden. Nächst Deutsch- 



*) Dass die Spionenfurcbt nidit ganz ausgestorben ist, bewies ein 
vereinzeltes, übrigens ziemlich harmloses Vorkommnis. Ein Berliner 
Student war in der Nähe des Forts Rabot von einem Feldwächter 
wiederholt belästigt worden und ein kleines Blättchen hatte bei dieser 
Gelegenheit die Bestrebungen Mr. Reymonds einer abföUigen Kritik 
unterzogen — Tendenzen, die von der besseren Presse nachdrnoklich 
/zurückgewiesen wurden. 



Oslander, Ferienkiu's in Grenoble (August 1900). 211 

laud mit Deutsch-Österreich stellt Italien das stärkste Koutingent, 
während England, Amerika, Ungarn, Russland, Schweden nur einzelne 
Vertreter gesandt haben. Wlirttemberger waren in der traditionellen 
Siebenzahl vorhanden. Natürlich waren die meisten Fremden Lehrer 
und Studierende der neuen Sprachen, doch bemerkten wir auch 
einzelne katholische Theologen (teilweise im Möuchsgewand), jüngere 
norddeutsche Juristen, welche die diplomatische Laufbahn einschlagen 
wollen, verschiedene strebsame sächsische Volksschullehrer, die sich 
auf das „eminent schwierige Fachexamen^* vorbereiten, selbst einen 
Realgymnasisten aus Thüringen, der für sein Abiturienten examen 
sich noch rasch einigen französischen Accent beilegen wollte. Das 
schönere Geschlecht vertrat ein starkes Dutzend deutscher und 
russischer professeuses, die sich durch besonderen Eifer auszeichneten 
und auch unter sich nur französisch parlierten. Die Fremden, die 
keinerlei wissenschaftliche Qualifikationen nachzuweisen haben, ge- 
niessen das Recht, auch ausser den von Juli bis Oktober incl. 
dauernden Ferienkursen sämtliche Vorlesungen der Universität zu 
besuchen. Da die vier Fakultäten (droit, medccine, lettre.^, sciencvs) 
zusammen nur wenig über 100 französische Studenten zählen sollen, 
so ist ein Zuwachs an fremdländischen Hörern nur willkommen. 
Wirklich haben ca. 30 Fremde, grösstenteils Deutsche, von diesem 
Rechte Gebrauch gemacht und die Vorlesungen schon seit Mai 
besucht. 

Die Ferienkurse sind nach dem Muster der Schweizer ein- 
gerichtet. Für jeden Monat wird ein besonderes Programm samt 
Stundenplan aufgestellt: wissenschaftliche Vorträge (confi'rencvH) 
und Sprachkurse einander ablösend finden an fünf Wochentagen 
(Montag bis Freitag) meist in den Morgenstunden von 8 — 9, 9^/4 
bis 10' 4 (ohne akademisches Viertel) und in einer Abendstunde 
von 5—6 Uhr statt. Samstag und Sonntag bleiben für Exkursionen 
frei ' ). Die Conference.'^ werden meist von Professoren der Hoch- 
schule unter Zuziehung auswärtiger Kräfte abgehalten, die Sprach- 
kurse von Lehrern des Li/cee und der Ecole Normale (Schullehrer- 
seniinar). Die französische Sitte, von dem eintretenden Conferencier 
keine Notiz zu nehmen, bis er mit der Anrede Mesdarnea, Messieum 
seine Vorlesung beginnt, und am Schlüsse der Vorlesung durch 

') Kleinere Ausflüge «ach La Mure etc. finden meist unter Führung 
von M. Melchior, Professor ain Lycee, an den Samstagen statt. Am 
Sonntag trift't mau viele Teilnehmer des Kurses im reformierten Temple, 
dessen Geistlicher kurze und trefl'liche Predigten zu halten verbteht. 



212 Osiander, Ferienkurs in Grenoble (August 1900). 

lebhaftes Händekiatsclicn Beifall auszudrücken; wurde .*iuch von 
den Fremden übernommen. Da für den Monat August eine be- 
sonders starke Frequenz iu Aussicht stand, so zeichnete sich das 
Programm durch besondere Reichhaltigkeit aus. Infolge versdiie- 
dener Zwischenfälle musste es sich freilich nicht unwesentliche Ab- 
änderungen gefallen lassen. So waren die Vorträge, welche zwei 
Mediziner in Aussicht gestellt hatten, nicht zu stände gekommen. 
Desgleichen musste ein junger Dozent, M. Arren, eine Serie von 
Vorträgen über den lioman Contemporain plötzlich unterbrechen, 
da er — auch eine Folge der chinesischen Wirren — jählings zum 
Heere einberufen wurde. In den meisten Fällen traten Ersatz- 
männer mit eigenen Themen ein, weshalb die Hörer doch auf ihre 
Kosten kamen. Diese Vorträge waren nach Inhalt und Form jeden- 
falls das Wertvollste, was die Hörer mit nach Hause nehmen 
konnten, man gewann den Eindruck, dass die Redner wirklich ihr 
Bestes zu bieten suchten, insbesondere geben sie über ,, Geist, 
Denken und Empfinden" der massgebenden Kreise Frankreichs 
hinreichende Auskunft, weshalb ich es als meine Hauptaufgabe be- 
trachte, von jedem Vortrag, lediglich referierend, eine kurze Skizze 
zu geben. Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen. 

Die Herren Juristen hatten sich der doppelt dankenswerten 
Aufgabe unterzogen, für ihr gemischtes Publikum Themen zu be- 
arbeiten, die schon durch ihre aktuelle Bedeutung auf allgemeines 
Interesse rechnen konnten. Klar disponiert, durch Beispiele und 
Anekdoten belebt und mit einem gewissen trockenen Humor ge- 
würzt, erhoben sich ihre Conference.^ zur Höhe schriftstellerischer 
essais. M. Cuche behandelte in zwei durch dramatisches Gebärden- 
spiel belebten Vorträgen die Legislation Penale et Pmitentiaire. Er 
fijing aus von der bekannten Theorie Lombrosos, nach der ein 
Mensch nicht durch persönliche Schuld, sondern durch die Gewalt 
der Umstände, anererbtes Temperament, Erziehung, Lektüre, soziales 
Milieu etc. zum Verbrecher wird. Cuche tritt dieser Theorie keineswegs 
entgegen, behauptet aber, dass der soziale Einfluss weit wichtiger 
wirke als individuelle Veranlagung. Beweis: Pariser Kinder, die 
aus ihrer ursprünglichen Umgebung aufs Land verpflanzt wurden, 
haben sich dort fast immer zu braven Landleuten entwickelt. Wurde 
bisher das Verbrechen als juridisches Phänomen betrachtet und 
als infraction oder negation du droit erklärt, demgegenüber die 
Strafe als Negation der Negation, also als Affirmation gerecht- 
fertigt wurde, so wird das Verbrechen nach Lorabroso soziales 



Oslander, Ferienkurs in Grenoble (August 1900). 213 

Phänomen^ und Zweck der Strafe ist nicht mehr Vergeltung oder 
Sühnungy sondern Vorbeugung (prevention, repression). Jedenfalls 
hat diese Theorie unter den Kriminalisten grosse Gärung hervor- 
gerufen ; sie spalteten sich in Soziologen und Anthropologen; Deter- 
ministen und SpiritualisteU; deren Streit eine gewisse Sterilität auf 
dem Gebiet des Strafrechts herbeiführte. Immerhin gestattet schon 
die bisherige Rechtspflege von der Idee der Freiheit oder des lihre 
urhitre zu abstrahieren und damit an die Stelle der justice expiatoire 
den Gesichtspunkt der repression zu setzen. Von den drei Faktoren^ 
die bei Verhängung der Strafe zusammenwirken, fixation legale^ 
fixation judiciaire und administration, wurde schon bisher in vielen 
Fällen auf das psychologische Moment keine Rticksicht genommen. 
Gesetz und Richter fixierten die Strafe vielmehr mit Rticksicht auf 
die Gefahren, die von dem Verbrecher Staat und Gesellschaft drohten. 
So werden RtlckfäUige stärker bestraft, obwohl der Rückfall psycho- 
logisch leichter erklärbar ist als der erste Schritt zum Verbrechen ; 
selbst die edelsten Motive fallen ausser Betracht, sobald die Sicher- 
lieit des Staates gefährdet ist. Demgemäss ist die Strafe nichts 
anderes als eine mesure de la defense sociale. „Glücklicherweise 
>vird sie vom Volk noch heute als Akt der Gerechtigkeit betrachtet, 
und Aufgabe einer politique criminelle ist es dieser Anschauung 
Rechnung zu tragen." — Der zweite Vortrag Cuches hatte die 
Strafe der Verschickung (trafisjJorUition, verschieden von der depor- 
tation politischer Verbrecher) in Strafkolonien zum Gegenstand : 
Die Idee, Verbrecher zu exportieren, ist alt; man will das Land von 
ihnen befreien. Die Verschickung nach Kolonien hat aber weiter- 
hin einen doppelten Zweck: 1. soll sie zur moralischen Hebung 
des Verbrechers beitragen, die im Gefängnis nicht erreicht wird 
— Redner streift hier die loi Berenger, welche gleichfalls aus 
moralischen Gründen Suspension der Strafe beim ersten Vergehen 
anordnet; 2. soll sie zur Ökonomischen Hebung der Kolonien ftlhren. 
Frankreich und Russland sind heute die einzigen Staaten, in denen 
die Strafverschickung in Übung ist (nachdem England, welches 
früher seine Verbrecher nach Australien verschickt hatte, davon 
zurückgekommen ist). In Frankreich wurde die Verschickung 1850 
unter der Präsidentschaft Napoleons IH. zunächst versuchsweise 
eingeführt, da sich gegen die Behandlung der zum regime de bagne 
Verurteilten (for(;uts, galeriens) allgemeiner Protest erhoben hatte; 
1854 und 1863 erfolgte die gesetzliche Regelung. Die zu mindestens 
achtjähriger Zwangsarbeit Verurteilten werden seither nach Neu- 



214 Oslander, Ferienkurs in Grenoble (Anpist l^^OO). 

kaledonien geschickt. Anfangs unter strenger Zucht gehalten er- 
hielten sie bei Wohiverhalten steigende Erleichterungen. So durt'ten 
sie als Arbeiter sich bei Privatindustriellen, meist fremder Natio- 
nalität, verdingen, wodurch der Charakter der Htrafe in Wegfall 
kam, „zur Förderung ihrer moralischen Hebung weibliche Sträf- 
linge heiraten^', und infolge des Bestrebens mögliclist raach zu 
kolonisieren erhielten sie sogar ein Stück Land, das sie als freie 
Arbeiter bebauen, aber auch veräussern konnten. So wuchs eine 
sehr zweifelhafte Bevölkerung heran zum Schaden der Kolonien 
wie der nationalen Expansion. Dazu kamen weitere Missständo: 
der häufige Wechsel des Gouverneurs, die mit der Milderung der 
Strafen (Abschaffung der Knute etc.) steigende Unbotmässigkeit der 
Sträflinge, Ungunst des Klimas (Malaria), Verurteilung Rückrälliger 
zui* Relegation, welche sie auf eine Stufe mit den verschickten 
Verbrechern stellte. Von 1891 datiert eine neue Periode der 
Behandlung, welche im Interesse der Hebung der Kolonien die ;::e- 
nannten Erleichterungen zurücknahm und auf strengere Massregdii 
drang. Cuche schlägt vor, die Verschickung bald als Strafe bald 
als Belohnung beizubehalten. Zur Ausführung schwerer Arbeiten 
sollten die Verbrecher je nach Bedürfnis von Kolonie zu K()h>nic 
verschickt werden; bei gutem Verhalten sollte ilmen die Wahl ge- 
lassen werden, nach Frankreich ins Gefängnis oder als relegierte 
freie Arbeiter in die Kolonien zu wandern. 

Den jugendlichen Kriminalisten löste der Civilist Tartari ab, 
ein in reiferem Alter stehender würdevoller Herr, der mit mancher 
trockenen Bemerkung stürmische Heiterkeit zu erzielen verstand. 
Er sprach in zwei Vorträgen über ,, Litterarisches und kUnatlcriäcliei) 
Eigentum'' und über die „Ehescheidung" (dlvorce). 

Im Altertum wusste man aus naheliegenden Gründen nichts 
von litterarischem Eigentum, erst seit Erfindung des Buchdrucks 
wurde dieser Gedanke angeregt. Gewährt wurde das Recht zu- 
nächst in Form von Privilegien (zuerst in Venedig), als gesetzliches 
Monopolrecht erst durch die französische Revolution 1793 fixiert. 
Das Autorrecht wird seiner Natur nach als Eigentumsrecht anerkannt 
und auf W^erke litterarischer wie künstlerischer Art (musikalische 
Kompositionen, Gemälde, Zeichnungen etc.) ausgedehnt und zwar 
ohne Ansehen der Nationalität. Der Autor darf über sein Werk 
absolut frei verfügen, es für sich behalten, vernichten, aber auch 
reproduzieren; desgleichen kann er sein Recht auf andere über- 
tragen, an einen Herausgeber verkaufen etc. Gläubiger haben vor 



Osiand«!', Ferienkur» in Gronoblc (Angust 1900). 215 

dem Verkauf keinen Anspruch .auf das Werk. Contrefa^on kon- 
stituiert ein der repression pendle unterliegendes Delikt, das durch 
Geldstrafen von 100 — 2000 frs. und Entschädigung an den Geschä- 
(iigten gealindet wird. Letzterer darf Nachgemachtes innerhalb 
der ersten drei Jahre mit Beschlag belegen und die Instrumente 
der Vervielfältigung zerstören lassen. Das Autorrecht erstreckt 
sich noch über das Leben des Autors hinaus; nach der Bestimmung 
von 1793 sind dessen Rechtsnachfolger noch 10 Jahre, seit 1866 in 
Frankreich 50 Jahre im Genüsse des Rechts. Deutschland ge- 
währt 30, Italien 80 Jahre, einige amerikanische Staaten (Mexiko, 
Venezuela, Guatemala) erstrecken das Recht auf ewige Zeiten. 
Dieser Ausdehnung gegenüber hält auch Tartari eine Beschränkung 
gerechtfertigt, denn bewusst (cf. Moli6re) und unbewusst entlehnen 
die Autoren Gedanken und Bilder der Menschheit, sollen also auch 
ihren Gewinn mit ihr teilen. Bezüglich fremder Autoren nahm 
Frankreich wiederholt die liberale Bestimmung auf, dass ihre Werke 
in Frankreich Schutz geniessen sollten, selbst wenn sie in ihrer 
Heimat nicht geschützt sind. Nachdem schon 1853 Frankreich und 
Deutschiand eine Konvention zum gegenseitigen Schutz litterarischen 
l'jigentnms geschlossen hatten, kam zu demselben Zweck 1886 in 
Hern eine Union zwischen Deutschland, Belgien, Spanien, Frank- 
reich, Grossbritannien, Italien, Schweiz zustande, die 1887 zu Paris noch 
durch einige Zusätze geregelt wurde. Demnach gewähren und ge- 
niessen die Unionsländer für alle Werke ihrer Autoren gleichen 
Schutz; eine Beschränkung trifft nur Übersetzungen. Zehn Jahre 
nach ihrem Erscheinen dürfen Werke übersetzt werden, wenn der 
Autor nicht ausdrücklich hiegegen Protest einlegt. Bezüglich der 
Zeitungen geniessen Romane und Feuilletons an sich Schutz, Artikel 
anderer Art, nur wenn der Autor sich ausdrücklich seine Rechte 
vorbehält, politische Diskurse, Tagesneuigkeiten, Vermischtes (faih 
divers) sind frei. 

Der Divorce d. h. rupture legale du mariaye prononcee pur le 
jiHje bestand im Altertum bei Juden und Griechen, bei letzteren auf 
Grund gegenseitigen Übereinkommens oder der Forderung eines 
Ehegatten, die von der Frau, doch nicht vom Manne motiviert werden 
musste. In Rom findet sich das erste Beispiel im 5. Jalirhnndert 
der Stadt, ,^ seitdem fanden die Römer, insbesondere die Römerinnen 
immer mehr Geschmack am divorce". Frauen konnten die Jahre 
statt nach Konsuln nach ihren Männern zählen; eine soll es auf 
50 gebracht haben. Das Cliristentum brachte zunächst keine Unter- 



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216 Oslander, Ferienkurs in Grenoble (August 1900). 

drttckung; aber BeBchränkang. In. den ersten Jahrhunderten führte 
diese Frage zu einer lebhaften Kontroverse unter den Kirchen- 
vätern, wobei die Stelle Matth. V; 32 viel erörtert wurde. Tertullian 
wollte demnach die Scheidung auf den Fall des Ehebruchs be- 
schränkt wissen ; während Augustin die Unlösbarkeit der Ehe 
proklamiert; die durch ein Konzil 463 sanktioniert wurde. Doch 
sah sich die Kirche genötigt, schliesslich den kleinen divmce d. h. 
separatiofi des Corps zuzugeben, eine Bestimmung, die in Frank- 
reich bis 1792 in Geltung blieb. Damals wurde der neue Grund- 
satz aufgestellt, dass die Ehe kein Sakrament, sondern ein bürger- 
licher Kontrakt und als solcher lösbar sei. Diesem wichtigen Grund- 
satz wurde leider zu liberale Folge gegeben, indem die Scheidung 
schon auf Grund gegenseitigen Übereinkommens verfQgt wurde. So 
kam es, dass in einem Jahr in Paris mehr Ehen geschieden als 
geschlossen wurden. Es galt also die Familie zu reorganisieren, 
was durch den Code Civil 1804 geschah. Dieser überliess dem 
Gewissen die Wahl zwischen divorce und Separation des eorjts, 
ordnete Yersöhnungsversuche an etc. Die Restauration erklärte 
den Katholizismus als Staatsreligion, weshalb aus religiösen Gründen 
der divorce abgeschafft wurde. Durch die Revolution 1830 im Prinzip 
wiederhei^estellt, von der Volkskammer diskutiert und angenommen, 
wurde er von der ersten Kammer abgelehnt. Unter dem zweiten 
Empire schlummerte die Frage, erwachte nach 1870 und führte zur 
definitiven Wiedereinführung des divotce mit teilweise neuen Be- 
stimmungen 1886. Tartari erklärte eingehend causes, procedure und 
effefs des divorce, begründete seine Rechte namentlich mit Rück- 
sicht auf die Kinder, gab eine Statistik über Ehescheidungen und 
zeigte zum Schluss, welche Stellung die einzelnen Länder zu diesem 
Gegenstand einnehmen^). 

M. Rebouel, Nationalökonom — Nationalökonomie und Staats- 
wissenschaften unterstehen der Rechtsfakultät — erklärte den Unter- 
schied des Bimetallismus und Monometallismus (Doppelwährung 



') Der Divorce allein besteht in Deutschland, Kussland, Schweiz, 
Schweden, Norwegen, Dänemark, Rumänien, Serbien, Montenegro, und 
zwar bestimmen Deutschland, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, 
Montenegro genau die Gründe, unter denen er zulässig ist. 

Separation des corps ausschliesslich in Italien, Spanien, Portugal. 

Divorce neben Separation in England (mit eigenem Gerichtshof in 
Ehesachen), Österreich-Ungani, Belgien (nach Code Civil von 1804), 
Frankreich, Holland, Rusäiscli-Poleu. 



Oslander, Ferienkurs in Grenoble (August 1900). 217 

und Goldwährung). Die Münze hat die doppelte Funktion, Tausch- 
objekt und Wertmesser zu sein. Da Händler und Gläubiger ge- 
zwungen sind; sie für ihre Waren anzunehmen, so wird die Münze 
zur marchandise princesse. Wie räumliche Gegenstände mittels des 
Metersystems, Luftdruck mittels der Grade des Barometers gemessen 
werden, so wird der Wert einer Ware durch das Gewicht des Edel- 
metalls bestimmt. Die aus Edelmetall (Gold, Silber) bestehende Münze 
ist dementsprechend teilbar. Die beste Münze ist diejenige, welche 
ihren doppelten Zweck am besten erfüllt. Um einen absoluten 
Wertmesser zu bilden, dürfte sich aber der Wert des Edelmetalls 
nie ändern. Thatsächlich ändert sich infolge der grösseren oder 
geringeren Produktion häufig der Wert des Metalls, und dement- 
sprechend wechseln auch die Preise der Waren. So stieg infolge 
Überflutung Europas durch die Edelmetalle Amerikas der Preis des 
Getreides im Lauf des 16. Jahrhunderts auf das Fünffache. Noch 
in höherem Grad war dies bei den bekannten Assignaten der Fall. 
Da die Gehalte der Beamten, die Einkünfte der Rentner u. a. sich 
gleich blieben, so führte dies zu den schwersten Missständen. Noch 
heute bemerken wir die Veränderung des Münzwerts bei jedem 
Wechselgeschäft. Was ist nun unter solchen Umständen das beste 
Systeme Manetaire? Die Bimetallisten — in Frankreich nicht allein 
der ganze Stand der Landwirte, sondern auch viele Universitäts- 
professoren, an ihrer Spitze M61ine — verlangen, dass die Regierung 
Gold und Silber in ein dauernd festes Verhältnis setze, auf Grund 
dessen beide Edelmetalle als gleichwertige Zahlungsmittel zu gelten 
haben. Dadurch werde der Wert der Münze ein stätiger bleiben 
und ihre Erzeugnisse werden weniger der Gefahr einer allgemeinen 
Baisse ausgesetzt sein. Eine gleichzeitige Überproduktion beider 
Edelmetalle sei weniger zu befürchten als eine periodische Über- 
produktion eines derselben, in welchem Fall das andere Metall ein 
heilsames Gegengewicht bilde, gleichwie zwei Flüsse, die sich zu 
einem Strome vereinigen, selten gleichzeitig anschwellen und den 
Strom zum Überlaufen bringen. 

Nach der Anschauung der Monometallisten ist der Bimetallismus 
ein unvernünftiges und schlechtes System: eine Regierung könne 
nicht ein für allemal den Wert einer Ware, wie des Silbers, fixieren; 
thatsächlich bewirke der Bimetallismus nur, dass die schlechte Münze 
im Lande bleibe, die gute ins Ausland gehe. Die Zeit des Silbers 
sei vorüber wie die des Kupfers, nur das Gold könne heute als 
Edelmetall gelten. Dies lehre auch die Geschichte. In Frankreich 

Kenei KorreapoodanzbUtt 1902, Haft 6. 



218 Oslander, Ferienkars in Grenoble (August 1900). 

herrschte der Bimetallismus UDbeschränkt von Anfang des 19. Jahr- 
hunderts bis zum zweiten Kaiserreich. Durch die Entdeckung der 
kalifornischen und australischen Goldminen erhielt das Silber vorüber- 
gehend höheren Wert; verhielt es sich vorher zum Gold wie 1 : 15 Vs, 
so stand es jetzt 1 : 15. Spekulanten fUhrten das Silber aus und 
lieimsteu den entsprechenden Gewinn ein, weshalb man zur Ver- 
minderung des Feingehalts (türe) schreiten musste. Nach Er- 
schöpfung jener Goldminen stieg wieder der Wert des Goldes, das 
seinerseits ins Ausland ging, während das Silber im Lande blieb. 
Um dem Rechnung zu tragen beschloss die lateinische Mttnzunion 
1865; dass bei allen 50 frs. übersteigenden Forderungen Bezahlung 
in Gold verlangt werden dürfe. Durch eine weitere Bestimmung 1878, 
dass keine Fünffrankenstücke mehr geprägt werden sollen, suchte 
man gleichzeitig einer Desorganisation des Münzsyatems und dem 
weiteren Abfluss des Goldes vorzubeugen. Im Prinzip besteht also 
in Frankreich der Bimetallismus, der jedoch namentlich durch die 
letzte Bestimmung wesentlich abgeschwächt ist. Zur Einführung 
der Goldwährung, die sich anderwärts immer mehr Bahn bricht, 
kann sich Frankreich vorläufig noch nicht entschliessen, da ihm 
Hus der Einziehung von SVs Milliarden Fünffrankenstücken ein 
Verlust von 600 Millionen erwachsen würde. Sollte einmal das 
Silber wieder im Wert steigen, so wäre für Frankreich der Moment 
gekommen, auch seinerseits zum besseren System überzugehen. 

M. Arren musste die Reihe seiner Vorträge über den Roman 
Contemporain leider vorzeitig abbrechen, doch gelang es ihm den 
interessantesten Teil, die realistische Schule, zum Abschluss zu 
bringen. Seinen Ausführungen, die an Bestimmtheit und Schärfe 
des Urteils nichts zu wünschen übrig Hessen, schickte er eine kurze 
litteraturgeschichtliche Einleitung voraus. Unter der Herrschaft 
des Romantisme, also in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, 
war der Roman wesentlich subjektiv, eine Art Monographie über 
ein aufgestelltes psychologisches Problem. In der zweiten Hälfte 
des Jahrhunderts gelangte die positive oder objektive Richtung zur 
Herrschaft, die lediglich ein Bild des wirklichen Lebens, frei vom 
persönlichen Urteil des Autors, zu geben sucht. Vorläufer dieser 
Richtung sind Beyle-Stendhal (geb. Grenobler) und Balzac, die 
übrigens als Verfasser von historischen; sentimentalen und Sitten- 
romanen in der Hauptsache noch auf dem Boden der Romantik 
stehen. Die zweite Periode eröffnet Flaubert mit seinem Roman 
Madame Bovaty der das Leben des mittleren Bürgerstandes schildert. 



Osi ander, Ferienknrs in Grenoble (August 1900). 219 

In der Folge traten drei Schulen auseinander: die realistisch e^ 
der ausser Flaubert die beiden Gon CO urt^ Zola und Maupassant 
angehören, die impressionistische (Daudet, Loti) und die 
idealistische (Feuillet, Theuriet, Cherbuliez). Flaubert, 
von dessen Madame Bovart/ eine eingehende Analyse gegeben wird, 
fordert vor allem Unpersönlichkeit des Autors, der, auf jedes sitt- 
liche Urteil verzichtend, die Entwicklung eines Charakters lediglich 
aus äusseren Umständen abzuleiten hat. Die Goncourt, die ihre 
Figuren von der Strasse auflesen, das soziale Problem anschneiden 
und den Realismus auch ins pathologische und klinische Gebiet 
überleiten, bereiten auf den Naturalismus Zolas vor. Zola gründet 
seine litterarische Doktrin auf die Endeckungen und Experimente der 
Wissenschaft, die ihn völlig berauschen; das Gesetz von der Ver- 
erbung ist ihm Dogma, die pathologischen Zustände der Alkoholiker 
etc. bilden sein Hauptstudium. Der romancier und theoricien liegen 
bei ihm in stetem Kampfe, daher seine Sucht nach Häufung der 
Dokumente. Seine Romane sind nicht vom Standpunkt des Künst- 
lers entworfen, sondern wissenschaftliche Konzeptionen. Die Figuren 
sind mechanische Marionnetten, die nur abstossend wirken. Seine 
Schilderung des menschlichen Elends artet ins Phantastische und 
Romantische aus. Seine Hauptstärke besteht in einem zweifellos 
poetischen Temperament, das sich vor allem in der Wiedergabe 
der Masseninstinkte äussert, wo er es bis zu einer viston de la realite 
bringt. Jeder seiner Romane enthält mehrere solcher rismis, während 
die Psychologie bei ihm sehr kurz wegkommt. Sein Stil gleicht 
einem Strom, episch breit und wieder lyrisch grandios. Enthalten 
seine Werke auch viele einzelne Schönheiten, so ist doch ihre ge- 
samte Tendenz verwerflich. Die jüngeren Realisten haben sieh 
wieder mehr Flaubert und den Goncourt zugewandt, vor allem der 
Novellist Maupassant. Die Helden seiner Geschichten, die er mit 
Vorliebe in der Normandie sich abspielen lässt, zeigen in ihren 
Handlungen eine grauenerweckende Moral. Maupassant verschmäht 
mit Absicht die Lösung eines Problems und liebt es, seine Er- 
zählungen in einer grellen Dissonanz ausklingen zu lassen. Als 
Genussroensch kannte er keine andere Weltanschauung, als die 
pessimistische. (Fortsetzung folgt.) 



220 Litterarisoher Bericht. 

Litterorisoher Bericht. 

U. V. Wilamowitz-Möllendorff, Uriechisches Lesebuch. 
Text 402 S., Mk. 5.40. Erläuterungen 270 S., Mk. 4. In 
je zwei Halbbänden gebunden. Berlin, Weidmannsche Buch- 
handlung, 1902. 

Schon ehe dieses Buch der Öffentlichkeit übergeben wurde ^), hat 
sich unter den Eingeweihten coram publico ein Streit darum entsponnen, 
dessen Schiboleth war ^hie Klassizismus, hie Historismus", und in heissem 
Kampfe haben 0. Immisch (^Vom Gymnasium der Zukunft." N. J.B. f. 
d. kl. A.W. 1900, II. Abt S. 305 ff.) und H. v. Arnim (D.L.Z. 1900 Sp. 3300ff.) 
die scharfen Waffen gekreuzt. Der gewöhnliche Sterbliche konnte diesem 
Kampfe vorerst nur zuschauen und sich allenfalls ^grundsätzlich^ auf 
die eine oder andere Seite schlagen, sonst aber nur in gespannter Er- 
wartung harren, bis auch ihm das Kampfobjekt zugänglich würde, dessen 
Bedeutung wahrhaftig nicht gering sein konnte, wenn es Männer der 
Wissenschaft und der Schule zu so tiefgreifenden, Geist und Geuiüt 
gleichermassen in Anspruch nehmenden Auseinandersetzungen veran- 
lasste. Und in der That, es handelt sich hier nicht um ein gewöhnliches 
Schulbuch, sondern um eine neue Auffassung des griechischen 
Unterrichts, ja des Gymnasialunterrichts überhaupt, kurz mu eine 
oder vielmehr um die Lebensfrage des Gymnasiums, die einmal auf 
die Tagesordnung gesetzt werden musste, sei es bei dieser oder einer 
andern Gelegenheit. Bei dieser Wichtigkeit der Sache ist es von vorn- 
herein freudig und dankbar zu begrüssen, dass sich beim Zustande- 
kommen dieses Werks Universität und Schule in schönster Weise hilf- 
reich die Hand gereicht haben, indem U. v. Wilamowitz die Leitung 
des Ganzen übernahm, aber bei der Bearbeitung der Texte und der 
Erläuterungen von Schulmännern wie Bruhn, Wendland*) u. a. unter- 
stützt wurde (s. Nachwort, Erl. S. 265 ff.). Trotzdem ist das Buch aller- 
dings ein ^individuelles Werk" geworden, dem der Herausgeber durch- 
weg den Stempel seines Geistes aufgeprägt hat. Was er, der auf den 
Höhen der philologisch-historischen Wissenschaft steht, hier bietet, wird 
das Gymnasium nicht ungestraft ignorieren dürfen, und jedenfalls — 
man mag über Einzelnes denken, wie man will — verdient er den 
wärmsten Dank der Schule für seine Gabe, die diese sich aufs ge- 
naueste anzusehen allen Grund hat. 



*) Der Entwurf desselben war der vom Verfasser bei dem K. preuss. 
Kultusministerium eingereichten Denkschrift über den griechischen Unter- 
richt beigegeben, die nun als Anlage der „Verhandlungen über Fragen 
de» höheren Unterrichts, Berlin 1900" ebenfalls veröffentlicht ist. 

•-) Wendland wurde neuestens zum o. Prof. für Philologie an der 
Universität Kiel ernannt. 



Litterarisoher Bericht. 221 

Nach den Erklärungen der Vorrede geht das Buch von der 
Voraussetzung aus, dass man Griechisch nicht uui der „formalen Geistes- 
hildung^' willen lernt, sondern „ausschliesslich, um griechische Bücher 
zu lesen*. Es setzt ferner voraus, dass Homer und Herodot (diese in 
Secunda), eine Tragödie, ein grösserer platonischer Dialog und das 
griechische Nene Testament ausserdem gelesen werden. Zu dieser 
Lektüre soll das Buch als Ergänzung in der Schule und heim Privat- 
studium dienen. Sein reicher Inhalt braucht nicht ganz durchgearbeitet 
zu werden, sondern will eine Auswahl auf den verschiedenen Gebieten 
ermöglichen. Diese Ergänzung hält aber W. nicht für fakultativ, 
sondern für durchaus notwendig. Denn nicht in ein sog. ideales, von 
einem künstlichen, falschen Lichte beleuchtetes Märchenland von Hellas 
und Athen sollen die Gymnasisten eingeführt werden, sondern in die 
Wahrheit der Geschichte, in die andeithalb Jahrtausende umfassende 
hellenische Weltpenode. „Weil unser Anschauen und Denken, unser 
Leben in Staat und Gesellschaft, unser Eigenstes in Kunst und Wissen- 
schaft und Religion mit dem Altertum durch tausend Fäden verbunden 
ist, so können wir nicht verstehen, was wir sind, noch was wir sollen, 
ohne das Erbe des Altertums geschichtlich zu erfassen^' (S. VI), und 
^wenn im Gymnasium das Hauptgewicht auf die Beschäftigung 
mit den alten Sprachen gelegt wird, so ist das nur gerecht- 
fertigt, wenn dadurch die Fähigkeit erreicht wird, ge- 
schichtlich zu sehen und das Gegenwärtige aus seinem 
Werden zu b e g r e i f e n '^ (3* V). Dies zu leisten, genügt aber nicht 
die sonst übliche Beschränkung auf das Perikleische Athen; dazu muss 
man einen Begriff bekommen von der „welterziehenden Mission des 
Hellenismus'^ (Nachwort S. 270), von dem ,,selbst das ganze Römertum 
nur eine integrierende Provinz^ ist*). Darum trägt das Buch auch 
nicht etwa eine Abbildung der Periklesbüste, sondern den Kopf Ale- 
xanders auf seinem Titelblatt. 

Unter diesen Gesichtspunkten, für welche nicht die künstlerische 
Form der litterarischen Erzeugnisse massgebend sein konnte, selbst 
nicht bei den wenigen poetischen Stücken (Botenbericht aus den „Persem" 
über Salamis und einige Epigramme) ist der ganze Inhalt zusammen- 
gestellt, der meistens einen Zusammenhang mit der Gegenwart nahelegt. 
Er ist in 10 Rubriken eingeteilt, die uns durch alle Gebiete der Prosa- 
litteratur führen. Rubrik I (Fabeln, Erzählungen, Sprüche) be- 
ginnt mit einer Reihe Äsopischer Fabeln (vgl. Lessing!), an die sich 
einige heitere Geschichten aus dem „Volksbuch'' über Asop anschliessen. 
Es folgt als Probe phantasievoller Reiselitteratur ein Stück aus Lukiaus 
„Wahrhaftigen Geschichten", worauf uns in der ersten Hälfte der siebten 
Hede des Dio Ghrysostomos ein reizendes, auf Euboia spielendes Idyll 



*) Denkschrift, citiert bei Immisch a. a. 0. S. 307. 



222 Litterarischer Bericht. 

aus dem Hellas der Kaisorzeit vorgeführt wird. Gnomen und Apophtheg- 
raen griechischer Denker von Heraklit bis zu dem Kyniker Diogenes 
beschliessen diesen Abschnitt. — Die II. Rubrik (Geschichte) bietet 
uns die Darstellung der Solonischen Verfassung nach der *A&i}vai«9v 
TcoXiTsia des Aristoteles, die Schilderung der Thätigkeit des Pausania» 
und Themistokles nach der Archäologie des Thukydides, den Boten- 
bericht über die Schlacht bei Salamis aus Äschyhis «Persern*', eine 
Übersicht über die Kolonisations- und Bauthätigkeit des Perikles nach 
Plutarch und die Urteile des Thukydides, Eupolis, Protagoras und 
Sokrates-Platon über diesen Staatsmann, aus der Kranzrede des De- 
niostheues den Abschnitt, der die entscheidenden Ereignisse nnd die 
leitenden Motive seiner Politik behandelt, aus Arrians Anabasis den 
Kampf Alexanders mit Porös, den Aufstand der Makedonen und das 
Lebensende des grossen Königs^ wie es Arrian auf Grund der ßaaUttot 
iqpY}}iepi8tc beschreibt, aus Polybios die Schilderung des jungen Scipit> 
Ämiliauus und seiner schönen Freundschaft mit dem Geschichtschreiber, 
aus Appian die Tragödie des Tib. Gracchus und endlich Cäsars Lebens- 
ende nach Plutarch (vgl. Shakespeare!). — Mit der geschichtlichen 
Abteilung hängt aufs engste zusammen die IIL Rubrik (Politik). Hier 
zeichnet Thukydides in der Rede des Perikles „das Ideal der athenischen 
Demokratie^ (Anhang: eine Anzahl Epigramme geschichtlichen Inhalts 
von Simonides von Keos u. a.), Aristoteles erörtert den Begriff des 
Staates und des Staatsbürgers, die verschiedenen Yoi*fassungsfonnen, 
die Berechtigung des Majoritätsprinzips, die natürlichen Stände im Staat 
und den Idealstaat. Dieselben Gegenstände behandelt in anderer Weise 
der so hoch über Livius stehende Polybios mit seiner Theorie vom 
Kreislauf der Verfassungen und seiner Bevorzugung der römischen Ver- 
fassung. — Die IV. Abteilung (Erd- und Himmelskunde) führt 
uns an der Hand eines auf Poseidonios zurückgehenden Ausschnitte« 
aus der Schrift nspl xöo|xou in die den Monotheismus vorbereitemic 
ilinimelskunde der Griechen ein, zeigt nach der hochinteressanten pseudo- 
hippokratischen Schrift nspl ddpcDv, uddxcov. xdicov, deren Verfasser man 
als den Begründer der Völkerpsychologie und einen Vorläufer Montes- 
quious bezeichnen kann, die Unterschiede zwischen Asiaten und Euro- 
päern auf und bringt aus Strabo und Diodor, ebenfalls z. T. nach 
Poseidonios (bezw. Pytheas von Massilia), eine Beschreibung des Kelten- 
landes und seiner Bewohner, Britanniens und der lattnischen Küste 
mit Rom. — In sehr entlegene Gebiete führt der V. Abschnitt (M a t h e- 
matik und Mechanik), der geometrische Aufgaben nach Eukleides, 
einen Abschnitt aus dem „Psanimites*' des Archimedes (vgl. Schillers 
Epigramm!) und verschiedene technische Konstruktionen ans den Werken 
Herons von Aiexandria (z. T. nach Strabon von Lampsakos) bietet, 
worunter man neben der Feuerspritze nicht ohne Erstaunen antike Vor- 
ganger des modernen „Automaten'*, der „Taxanieterdroschkc" und sogar 






Litterariseher Bericht, 223 

eineu schüchternen Anfanj^ zu einer Dampfmaschine findet. Die Be- 
schreibung^ eines RicsenHchitts des Hieron (nach Moschion bei Athenäus) 
;^ebt eine Vorstellung von der grossartigen Entwicklung der antiken 
Nautik. — Der VI. Abschnitt (Medizin) teilt einige Kapitel der pseudo- 
hippokra tischen Schrift nspl tp^^ vouoou mit, eines der edelsten Denk- 
mäler rautiger, wenn auch mit unzureichenden Mitteln durchgeführter 
Forschung und hoher Weltauffassung, sowie zwei Proben ärztlicher 
Vorschriften über Gesundheitspflege aus dem 4. Jahrhundert vor (Diokles 
von Karystos) und dem 1. Jahrhundert nach Christus (Atheuaios von 
Attalcia ; nach Oribasios). — Die reichhaltige VII. Rubrik (Philosophie), 
zu der die Gnomen des Abschnitts I (Vorsokratikcr und Kyniker) eine 
Art Vorspiel bilden, wird eröffnet von der bekannten, die dialektische 
Methode des Sokrates besonders deutlich zeigenden mathematischen 
Scene in Piatons „Menon^. Daran schliesst sich die Glückseligkeitslehrc 
des Aristoteles aus der Nikoroachischen Ethik und ein Abschnitt aus 
desselben Philosophen Schrift icepl Cc^cov (iopiüw (der u. a. das griech. 
Original zu dem lateinischen Spruch .Jntroite, nam et hie dei sunt*^ 
enthält; vgl. Lessings Nathan !). Dann wird eine Reihe von „('harakteren'^ 
des Theophrast vorgeführt, worauf wir die edle und in den Tugenden 
der Demut und Nächstenliebe sich vielfach mit dem Christentum bc- 
riihrende, wenn auch von einer gewissen müden Resignation nicht ganz 
freie, auf stoischer Grundlage ruhende Lebensanschauung des Kaisers 
Marcus aus dessen Schrift el^ iaoxöv kennen leinen, sowie einige von 
kosmopolitischem Geist getragene und von einem lebenskräftigen Hauch 
durchwehten Abschnitte aus Epiktets Siaxpißal und kyx'^^P^biov. Die 
Schrift des akademischen Vermittlungstheologen Plutarch icspl Ssioidai- 
(iovia^ (worin u. a. auch der jüdische Sabbath erörtert wird S. 336; 
vgl. S. 357) und die eine vergeistigte Auffassung des Polytheismus 
vertretenden Ausführungen des Maximus von Tyrus über den Bilder- 
dienst leiten über zur VIII. Rubrik (A 1 1 c h r i s 1 1 i c h e s), welche uns 
zunächst im zweiten Teil der sog. Apostellehro ein Bild der altchrist- 
lichen Gemeindeverfassung entwirft, dann in- dem Abschnitt aus dem 
Protreptikos des Clemens von Alexandria die Versöhnung des Christen- 
tums mit der hellenischen Wissenschaft und seine Ähnlichkeiten mit 
antiken Mysterienkulten zeigt und endlich in dem Brief an Diognetos 
„die Christen als Träger eines neuen Lebens^ vorführt. — Nachdem 
wir vom 6. Jahrhimdert v. Chr. bis zur Überwindung der antiken 
Welt durch das Christentum im 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung 
geführt worden sind, bilden die zwei letzten Rubriken eigentlich nur 
noch einen Anhang: die IX. (Ästhetik und Grammatik) bringt 
den Schluss des Platonischen „Phaidros", wo der Gegensatz von Rhetorik 
und Wissenschaft erörtert wird, ferner einen Abschnitt aus der Schrift 
«epl h^tmZi worin der Unterschied zwischen technischer Korrektheit und 
angeborener Genialität (man kann auch sagen: der Begriff des Klassi- 



224 Litterarischer Bericht. 

zismus) an Beispielen aus der poetischen und rednerischen Littcratnr 
anfgezei^t wird, und die Elemente der Grainmatlk nach Dionysios 
Thrax. — Endlich sin^l iu der X. Rubrik eine Anzahl Urkunden^ 
3 athenische Yoiksbeschliisse und 7 fürstliche Erlasse von Dareios I. 
(religiöse Toleranz der Perser!) bis auf Nero, sowie eine Anzahl Privat- 
briefe, (z. T. aus den ägyptischen Papyrusschätzen) zusainuiengcstellt, 
die uns einen Blick iu das Privatleben der antiken Welt thun lassen. 
Den Schluss bildet ein griechisch-lateinisches Schulgespräch aus 
den „Herraeneumata Einsidelensia**, worin der zweisprachige Charakter 
des zum byzantinischen und romanischen Mittelalter überleitenden 
Oäsarenreichs zum Ausdruck kommt. 

Jedem Abschnitt ist eine kurze, trefflich orientierende Einleitung 
vorangeschickt, und der ganze Text wird von ebenso knappen als 
instruktiven sprachlichen und sachlichen Erläuterungen begleitet. 
Besonders wollen die Anmerkungen die Vokabeln erklären, welche iu 
den „durch den unseligen Klassizismus unserer Schullektüre ausge- 
mergelten" Wörterbüchern fehlen (Nachwort S. 269). Gerade in dieser 
Beziehung hätte aber noch bedeutend mehr geboten werden dürfen 
durch Aufnahme auch solcher Wörter, die, wenn auch in den Wörter- 
büchern zu finden, doch selten sind und auch den besten Schülern un- 
möglich geläufig sein können, z. B.: napaoupoo, %o\oi6^, xdito^, icorfwv, 
t^cDfiög, xofindCoy xöxxog, XfixdvT), xpoßXlov, ifotdio), licvög, inioc, Ti^pa, 
P&x^iy dxdxiov, qpooXsöc, P^TXM^ ^^^- ^^^^ könnte noch eine Menge solcher 
Wörter anführen, und es dürfte nötig sein, das Buch vor einer etwaigen 
2. Auflage unter diesem Gesichtspunkt noch einmal vollständig durch- 
zusehen. Dies führt uns auf die Frage nach der Schwierigkeit 
des dargebotenen Lesestoffs, und da kann nicht verschwiegen 
werden, dass das Buch sehr hohe Anforderungen an die Leser, Schüler 
und Lehrer*), stellt Bei der xoivyj des Polybios hebt W. selbst (Erl. 
8. 66 f.) die sprachlichen Schwierigkeiten hervor, und es muss anerkannt 
werden, dass hier auch die erläuternden Bemerkungen nach dieser 
Richtung reichlicher fliessen als sonst, wie sich denn auch W. bei 
anderer Gelegenheit mit aller wünschenswerten Nüchternheit über die 
Sprachkenntnisse ausgesprochen hat, die selbst Studierende der I^hilo- 
logie aus dem Gymnasium mitbringen'). Nichtsdestoweniger «(teilt er 
allerdings unseres Erachtens namentlich mit dem Abschnitt aus dem 
,,i'sammites" des Archimedes, dessen abstraktes Thema schon an sich 
schwer verständlich ist, zu hohe Anforderungen an die Primaner, ob- 
wohl in den Erläuterungen (S. 157) eine Übersicht über die wichtigsten 



*) Wie die Blätter melden, ist in Preussen seine Einführung frei- 
gestellt worden an den Anstalten, wo sich dafür die geeigneten Schüler 
und Lehrer finden. 

*) „Philologie und Schulreform" : Reden und Vorträge S. 98 f. 



Litterarischer Bericht. 225 

Eigontüiiilichkciten (k*s dorischen Dialekts gegeben ist. Auch einige 
der Abschnitte ans Heron sind recht schwer, während die Hippokra- 
tischen Stücke trotz des jonischen Dialekts vermöge ihres einfachen 
Satzbans sich leichter lesen als vieles Attische. Dasselbe gilt von den 
Proben aus der altchrist liehen Litteratur. Asop, Aristoteles, Dio, 
Strabo, Plutarch, Lukijui und Arrian bieten jedenfalls keine unüber- 
windlichen Schwierigkeiten, waren doch die beiden letzteren atticisti- 
schen Schriftsteller einst auch in die bei uns früher in Tertia einge- 
führte Schmidsche Chrestomathie aufgenommen, allerdings zu einer 
Zeit, da der griechische Unterricht noch in Quarta begann. £ndlich 
sind ja auch die bisherigen Schulklassiker Thukydides, Piaton und 
Demosthenes mit grösseren Abschnitten vertreten. Man hat darauf 
hingewiesen, dass eine Chrestomathie als solche immer grössere Schwierig- 
keiten für die Übersetzung biete, weil dabei der Vorteil des Sichein- 
Icsens wegfalle'). Dies ist richtig; aber W. weist mit Recht auf den 
Ersatz für diesen Vorteil hin: das Verständnis für die Geschichte der 
Sprache. Man liest ja auch sonst Homer und Xenophon oder Herodot 
und Xenophon neben- oder bald nacheinander. Und der etwaige weitere 
Einwand, dass der eigene griechische „Stil** der Gymnasisten durch 
den Wechsel der Stilaiten gefährdet werde, wiegt doch bei der Stellung, 
die die griechische Komposition in Prima gegenwärtig einnimmt, gar 
zu leicht. 

Was nun die Auswahl des Lesestoffes anlangt, so wird auch 
diese Chrestomathie die allgemeinen Einwände zu erwarten haben, die 
sich gegen alle derartigen Bücher richten und deren zwei wichtigste die 
sind, dass die Auswahl immer subjektiv sei, und dass man dem Leser 
statt ganzer Schriften nur Bruchstücke biete. Der erstere Einwand 
wird um so weniger ins Gewicht fallen, je weiter der Blick des Heraus- 
gebers ist; und dass W. die antike Litteratur in grossartiger Weise 
beherrscht, wird niemand bestreiten. Was den zweiten betrifft, so 
wollen wir nur ehrlieh fragen, wie viele antike Schriften von einiger- 
masscn erheblichem Umfang wir denn bei der bisher üblichen Praxis 
wirklich vollständig lesen? Und wir werden uns sagen müssen, dass 
auch da unsere Lektüre gemäss der uns zur Verfügung gestellten Zeit 
Stückwerk ist und bleibt. Bei dem vorliegenden Lesebuch nun kommen 
die Kedner am schlechtesten weg, ich glaube aber mit Recht An 
Lysias und Isokrates verlieren wir in der That nicht viel. Das ,jlinguam 
fin^^ere** M? für dessen Übertreibung auf Kosten des Inhalts gerade die 
griechischen Hedner ein warnendes Beispiel sind, werden wir zweck- 
mässiger im deutschen Unterricht betreiben. Bedenklicher ist, dass 
Sokrates nicht zu seinem Rechte kommt, wenn nicht die Memorabilien 
in Secunda gelesen werden, wie es denn überhaupt auffällt, dass Xeno- 



*) Immiseh a. a. 0. S. 316 f. 



226 Litterarischer Bericht. 

y)hon, dessen dqpiXeia bisher den Sekundaner mit leichter Müht' in die 
griechische Lektüre einfilhrte, unter den Schriftstellern, die als gelesen 
vorausgesetzt wenlen^ nicht genannt ist. Für diesen Ausfall bietet 
uns nun aber das Lesebuch reichlichen Ersatz. Der enge Kreis der 
bisherigen griechischen Schulschriftsteller beruhte, kurz gesagt, anf 
dem Prinzip des Klassizismus, auf der Voraussetzung, das» 
jene „Klassiker^ (des 5. und zum Teil noch 4. Jahrhunderts v. Chr.) 
je auf ihrem Gebiet der Poesie, Philosophie, Geschichtschreibung, Rede- 
kunst Vorbilder für alle Zeiten seien und dass man in ihrem Besitz 
die übrige minderwertige Litteratur ignorieren könne. So blieb der 
ganze Keichtum der hellenistischen Litteratur unbeachtet. Damit 
sind wir zu der spezifischen Eigenart des vorliegenden Buches und 
zum springenden Punkt des ganzen Gymnasialproblems 
gekommen. Denn die philologisch-historische Wissenschaft selbst hat 
jenes Wahnbild von der unbedingten Verbindlichkeit „der Antike** für 
alle Zeiten zerstört, und wenn man, wie Immisch, dies selbst zugiebt. 
ja sogar „eine vorsichtige Umbildung vom alten Humanismus zn einem 
neuen, geschichtlich geläuterten'' verlangt, aber dabei ^fiir die Schule"* 
an dem Prinzip der Mustergültigkeit festhalten zu müssen glaubt, so 
ist das eine unleidliche Inkonsequenz, ein Mangel an Respekt vor den 
Thatsachcn. Ebenso sonderbar aber ist es, von dem offenen Zu- 
gcstiinduis jenes Sachverhalts eine Demoralisierung der Jugend, eine 
Zunahme der Skepsis und Blasiertheit zu erwarten *). Mit vollem Recht 
hat Arnim darauf erwidert, dass, wenn dies zutreffen würde, jeder 
Geschichtsunterricht, der doch neben der Grösse auch die Grenzen der 
grossen Persönlichkeit aufzuzeigen hat, diese demoralisierende Wir- 
kung haben mtisste, dass aber im Gegenteil erfahrungsgemäss „alle 
echte, ungeschminkte Geschichte viel bildender wirke als die moralisch 
zugestutzte"^*). Es ist auch gar nicht richtig, was Immisch immer 
wieder betont, dass die historische Auffassung einen völligen 
Relativismus, eine völlige Gleichsetzung der Leistungen aller Zeit- 
perioden involviere. Im Gegenteil: eben die geschichtliche Betrachtung 
des Altertums und des Uellenentums insbesondere, das für uns bis 
jetzt das einzige Beispiel einer völlig abgeschlossenen Weltperiode ist, 
zeigt uns eben, dass es Höhen- imd Tiefpunkte der Entwicklung auf 
den verschiedensten Gebieten giebt. „Was an die Stelle jenes Wahn- 
bildes getreten ist,« sagt Wilamowitz einmal, „mag minder erhaben sein, 
obgleich auch das schwerlich, denn wir sehen nun in anderthalb Jahr- 
tausenden eine Kultur den ganzen Kreislauf der Entwicklung durch- 
machen, wir sehen einen Ring an der Kette der Ewigkeit sich runden 
und schliessen. Und ganz abgesehen von den Hervorbringungen dieser 



1) A. a. 0. S. 357. 321 f. 
'') A. a. 0. Sp. 3306. 



Litterarischer Bericht. 227 

Kultur, schon dass sie abgeschlossen hinter uns liegt, su dass wir die 
Ursachen and Phänomene ihres Wachsens und Vergehens ganz ver- 
folgen können, hat für die historische Methode überhaupt paradigma- 
tische Bedeutung***). 

Wie geeignet nun aber dieses nicht auf klassizistischer, sondern 
auf rein historischer Grundlage aufgebaute Lesebuch ist, zwar nicht 
sowohl „in den Geist des Altertums einzuführen***), der so wenig ein 
einheitlicher ist als der des sog. Mittelalters oder der Neuzeit, aber 
das Wichtigste aus der Kulturentwicklung des Altertums dem 
Schüler vor Augen zu stellen, mag noch an einigen Beispielen gezeigt 
werden. Man hat schon vielfach das Bedürfnis empfunden, dem Unter- 
richt in der alten Geschichte an den Oberklassen des Gymnasiums 
wieder mehr aufzuhelfen. Eine Vermehrung der Stundenzahl in der 
Geschichte selbst ist bei dem Raum, den die neuere Geschichte in 
Anspruch nimmt, nicht möglich. Da bietet nun dieses Lesebuch in 
seinem VL Abschnitt eine Reihe von Stücken, welche Hauptpersonen 
und Hauptereignisse der griechischen imd römischen Geschichte dem 
gereifteren Primaner vorführen und an die sich ganz ungezwungen 
eine Kepetition des Wichtigsten aus der politischen und Kulturgeschichte 
anschliessen lässt. Der Abschnitt über die Bauton des Perikles z. B. 
fuhrt von selbst auf die Entwicklung der griechischen Kunst, die 
Schilderung der Kelten kann durch die pergamenischen Gallierstatuen 
illustriert werden, die Erklärung von Appians Darstellung der Gracchi- 
schen Unruhen nötigt zur Erörterung der römischen Agrarfrage, die 
so manche Analogien mit der Gegenwart hat. Auch die früher bei 
uns in Württemberg in Klasse IX eingeführte Stunde der „Altertümer" 
kann hiedurch und durch Abschnitt VII (Politik), wozu auch die In- 
schriften des Abschnitts X beigezogen werden können, in höchst nutz- 
bringender Weise ersetzt werden. — Es ist ferner durchaus notwendig, 
dass die Gymnasisten einen Begriff davon bekommen, dass die Griechen 
die Begründer der Wissenschaft überhaupt, also auch die Begründer 
der modernen, auf der Renaissance beruhenden Wissenschaft sind, 
und dass sie etwas mehr von griechischer Philosophie erfahren, als 
bei Xcnophon und in einigen Platonischen Dialogen steht. Die Ein- 
führung in diese Gedankenwelt ist die beste „philosophische Propädeu- 
tik**, viel nützlicher als die systematisch betriebene Logik. Hiezu ist 
Abschnitt VII vortrefflich geeignet. — Wie eng „Himmelsbild und 
Weltanschauung** zusammenhängen, hat gelegentlich Lagarde ausge- 
sprochen') und jüngst TrÖls-Lnnd in einem schönen Buche gezeigt*). 

*) Weltperioden. Reden und Vorträge S. 13L 
*) Wilamowitz, Philologie und Schulreform. Reden u. Vorträge S. 113. 
•) Deutsche Schriften « S. 49. 

*) Himmelsbild und Weltanschauung im Wandel der Zeiten. Leip- 
zig 1899. 



228 Litterarischer Bericht, 

Auch dieses Gebiet ist vertreten (IV. 1). Es grenzt unmittelbar an die 
Religion. Wie sehr aber die religiösen Vorstellungen auch in weiten 
Kreißen unserer — kirchlichen und unkirchlichen — ,, Gebildeten** im 
Argen liegen, darüber wäre viel zu sagen. Und doch ist man gerade 
gegenwärtig auf theologischer und philologischer Seite aufs emsigste 
bemüht, die Verhältnisse zu erforschen, ^unter denen unsere Ueligion, 
das Christentum, entstanden und gross geworden ist, die Wandlungen 
zu zeigen, die es durchgemacht hat von der kulturfeindlichen Sekte 
an bis zur weltbeherrschenden Kirche. Sollen die Schüler der Gym- 
nasien hievon gar nichts oder fast nichts erfahren? Denn der offi- 
zielle Religionsunterricht pflegt diese Dinge meist zu ignorieren. Wir 
meinen, eine Anleitung, auch diese uns so nahe angehende Entwicklung 
in ihren Hauptstufen kennen zu lernen, kann nur dankbar begrfisst 
werden. — 

So viel aber dtas Buch bietet, so vermisst man doch auch einiges: 
so dürfte z. B. Lukian wohl auch noch mit einer Probe seiner reli- 
giösen Satire vertreten sein. Insbesondere aber wird man es bedauern, 
dass die Poesie grundsätzlich ausgeschlossen wurde (Vor- 
rede S. V): einige schöne Lyrikerfragmente, eine Aristophanische Scenc 
aus den „Fröschen^ oder „Wolken**, ein Theokritisches Idyll und ein 
Miniiambus des Herondas hätten auch noch Platz finden sollen. Denn 
auch die Poesie gehört zum geschichtlichen Gesamtbild eines Zeit- 
alters und ist das Seitenstück zur Entwicklung der bildenden Kunst. 
Die Neigung zum Genrebild und zum Realismus, die sich auf diesen 
beiden Gebieten im hellenistischen Zeitalter zeigt, hat bekanntlich 
Analogien genug in der Geschichte der Neuzeit, die z. T. direkt an 
die durch Rom vermittelten hellenistischen Erscheinungen anknüpfen. 
Freilich bietet das Buch auch ohne dies im Verhältnis zu der zur 
Verfügung stehenden Zeit schon eine Überfülle von Stoff; aber viel- 
leicht hätte dafür dies oder jenes aus Abschnitt IV — VI wegbleiben 
können: das Keltenland und Britannien z. B. lernt der Gymnasist 
schon durch die Cäsarlektüre kennen ; auch würde E i n Abschnitt über 
Diätetik (die — beiläufig bemerkt — die Massage schon kennt, S. 281) 
genügen. — 

Aber, mag man nun im einzelnen an diesem Buche manches anders 
wünschen, der Grundgedanke, auf dem es beruht, die Wegrichtung, 
die es für die Zukunft weist, halten wir für durchaus richtig. Der 
Klassizismus mag einer der fruchtbarsten und schönsten Irrtümer ge- 
wesen sein, dessen sich die Welt und insbesondere das deutsche Volk 
wahrhaftig nicht zu schämen braucht, hat er uns doch eines unserer 
wertvollsten Güter, unsere eigene „klassische Litteratur**, vermittelt, 
die wir gewiss nicht gering schätzen wollen. Aber ein als solcher er- 
kannter Irrtum kann nicht mehr segensreich wirken: dazu ist es um 
die Wahrheit eine zu ernste Sache. Wenn indessen uns „die Antike" 



Litterarischer Bericht. 229 

nicht mehr in ihrer Einheit und Allgenugsamkeit erscheint, wenn wir 
8ie nicht mehr wie eine Gottheit in olympischer Ruhe thronen sehen, 
wenn i^nr nicht mehr von ,,dem Geist des klassischen Altertums" 
sprechen können, sondern jetzt wissen, dass wie zu allen Zeiten so 
:iuch damals ein ganzer Chor von Geistern sein Wesen getrieben hat, 
üi) haben wir als Ersatz fQr diesen schönen Wahn etwas Neues ge- 
wonnen: die Anschauung der Entwicklung. Wir wissen heute, 
dass auch das Hellenentum sein Altertum, sein Mittelalter und seine Neu- 
zeit gehabt hat'), und eben deswegen ist es für uns jetzt doppelt lehr- 
reich, in diesen Spiegel zu schauen. Die früheren Geschlechter sahen 
vom Altertum, wie bei einer fernen Gebirgsaussicht, nur die Gipfel. 
Diese sind auch für uns noch vorhanden ; aber wir kennen heutzutage 
die Struktur des Gebirges, seine Runzen und Schluchten, seine Thal er 
und Terrassen. Dem 18. Jahrhundert waren die Griechen das Volk 
der Kunst und Phantasie ; wir wissen jetzt, dass den Schöpfungen auf 
diesem Gebiete die wissenschaftlichen Leistungen parallel gingen, ja, 
dass sich ein jahrhundertelanger Kampf zwischen {xO^c und fpikoaofpioL 
entsponnen hat. Die Versenkung in dieses Schauspiel macht uns über- 
haupt erst fähig, die geistigen Bewegungen der Gegenwart voll zu 
verstehen. „Denn die Anfänge sind gerade sehr wichtig; in der Regel 
Hegt in ihnen das Geistigste, die ipx'fly das Prinzip, welches oft in der 
Folge verdunkelt wird, wenn man nicht immer auf die Anfänge zurück- 
geht.^ Diese goldenen Worte Böckhs*) drücken in aller Kürze noch 
heute den Hauptwert der „klassischen Bildung** aus. Gerade dieser 
Philologe aber sah in dem „Prinzip der formalen Bildung nur einen Not- 
behelf** und betonte immer wieder, dass das Hauptgewicht beim Unter- 
richt auf die reale Seite zu legen sei und dass „die Ideen des Alter- 
tums in lebendige Beziehung zu dem modernen Denken gesetzt werden 
können und müssen*', auf dass sie dann „eine reinigende Wirkung aus- 
üben***). Dass das Gymnasium endlich diese entschiedene Wendung 
von der formalen zur materialcn Bildung, die die antike Kultureut- 
wicklung vermittelt, mache, das ist — wir wiederholen es — eine 
Lebensfrage ftir dasselbe. Und so stimmen wir denn aus voller Über- 
zeugung in die an anderer Stelle^) von Wilamowitz ausgesprochenen 
Wolle ein, die diese Anzeige seines schönen und dankenswerten Buches 
beschliessen mögen: „Soweit sie die Sprachen und einige Werke des 
Altertums in der Schule zur Bildung unserer Knaben verwendet, darf 



*) Vgl. Kurt Byeysig, Kulturgeschichte der Neuzeit II. 1. 

2) Encyklopädie und Methodologie der philologischen Wissenschaften 
von A. Böckh. Herausgegeben von E. Bratuscheck 1877, S. 82. — 
Natorp, Was uns die Griechen sind. Ak. Festrede. Marburg, 1901 S. 12. 

») A. a. 0. 31. 27. 32. 

*) Asianismus und Attizismus. Hermes 35. 1900, S. 52. 



230 Litterarischer Bericht. 

die Philologie nicht vergessen, das es zwar Klassizismus gewesen ist, 
der die Griechen in den Jugendnnterricht erst wirklich eiiigenUirt hat, 
<lass sie aber diese Stellung nicht zu behaupten verdienen, wenn sie 
diesem überwundenen Geiste dienen sollen. Nicht yiCiiijaic, sondern 
{^TjXog ist das Wahre, und nicht, wie sie den Klassizisten der Angit* 
äteischen oder der Goethischen Zeit erschienen, sondern wie sie im leben- 
digen Lichte ihres Tages lebten, gar nicht als Klassiker, sondern im 
heissen Kampfe strebend und irrend, wie irrend und strebend die 
Wissenschaft sie in heissem Kampf immer wahrer und lebendiger er- 
fassen lehrt, werden die grossen und gauzen Menschen Asiem» und 
Athens nimmer die Kraft verlieren, den Geist zu befreien und die 
Seele zu erheben mit jener ewig jungen und verjüngenden Kraft, dio 
allein das Lebendige besitzt/ 

Schwäbisch-Hall. W. Nestle. 

K; Duden, Orfhographiselies Wörterbuch der deutsc-heii 
Sprache. Nach den fllr Deutschland, Österreich und die 
Schweiz gültigen amtlichen Regeln. 7. Auflage. In Leiu- 
wandband Mk. 1.65. Leipzig und Wien, Verlag des Biblio- 
graphischen Instituts. 
K. Erbe, Die neue deutsche Rechtschreibuug: uud Ihr Ver- 
hältnis zu den bisher gültigen Vorschriften. Nebst einem 
Wörterverzeichnisse. Preis geheftet 50 Pf. Stuttgart, Berlin 
und Leipzig; Union, Deutsche Verlagsgesellschaft. 
Zwei Büchlein zur neuen deutschen Rechtschreibung! Dudens Buch, 
das sich schon bisher in 6 Auflagen bewährt und überall eingebürgert hat, 
wird auch in seiner neuen Auflage den alten Freunden willkommen 
sein und sicherlich viele neue Freunde sich hinzu gewinnen. Der Ver- 
i'asscr, der, was für die Wei1;ung seiner Schrift ganz besondera in die 
Wagschale fällt, am Zustandekommen der neuen Rechtschreibung her- 
vorragend beteiligt war, hat an seinen altbewährten Grundsätzen : Voll- 
ständigkeit der zulässigen Schreibungen für Wörter aller Art (wobei 
insbesondere auch mundartliche, wissenschaftliche und techni8che Aus- 
drücke berücksichtigt sind), zahlreiche kurze Wort- und Sacherklärungen, 
Verdeutschungen von Fremdwörtern, grammatische Winke u. s. w., 
auch in der neuen Auflage festgehalten. So haben wir den alten „Duden"" 
in neuem Gewände, den wir für jeden, der ein solches Nachschlagebuch 
braucht, aufs wärmste empfehlen können. 

Dem Umfange nach kleiner und sozusagen nur ein Vorläufer des 
unter der Presse befindlichen „ausführlichen Wörterbuchs der deutschen 
Rechtschreibung", aber in seiner Art ebenso empfehlenswert wie Dnden 
ist Erbes Büchlein. Wer sich rasch und mühelos mit der neuen deut- 
schen Rechtschreibung vertraut machen will, der greife zu dieser Schrift 



Litterarischer Öericht. 231 

Der Verfasser entwickelt in leichtfasslicher und dabei eingehender Dar- 
stellung die Unterschiede der neuen Rechtschreibung von 'den bisher 
gültigen Vorschriften, hebt ihre Vorzüge, aber auch ihre Schwächen 
in sachlich ruhiger Weise hervor und erteilt dem Leser für die vielen 
Fälle schwankender Schreibweise, die «eh finden, wohlerwogene Rat- 
schläge. Von den 3 Teilen, in welche die Schrift zerfällt, enthält der 
dritte das Wörterverzeichnis; dieses wie das Büchlein selbst erinnert 
nach seinem Äusseren und nach seiner Anlage an unser allbekanntes 
„Batzenbuchlein*', und es ist nur zu wünschen, dass ein amtliches Regel- 
büchlein und Wörterverzeichnis *), das ja wohl bald eingeführt werden 
wird, aus der Hand eines Mannes hervorgehen möge, der so sachkundig 
ist und auch die Schwächen der neuen Rechtschreibung so gründlich 
kennt wie Erbe. — Im Interesse der Schule aber mögen hier noch 
einige Bemerkungen Platz finden. Einigung über eine gemeindeutsche 
Rechtschreibung ist, wie Erbe richtig sagt, ein tröstlicher Lichtpunkt, 
ebenso wie die Einfühnmg der gemeindeutschen Freimarke. Aber es 
fehlt, wie mich dünkt, dieser neuen Rechtschreibung vorerst noch das, 
was die gemeindeutsche Freimarke vorteilhaft auszeichnet, das ein- 
heitliche Gepräge und, möchte man sagen, die sonst so vielgepriesene 
.^Schneid". Gerade in Dingen, die dem Lernenden viele Mühe machen, 
wie im Kapitel von den grossen und kleinen Anfangsbuchstaben, sind 
zu viele „Zulassungen^. Das erleichtert dem Lernenden die Sache 
nicht; der Schüler braucht (schon aus pädagogischen Gründen) feste 
Normen. Zudem ist zu fürchten, dass eine solche Fülle gleichberechtigter 
Schreibweisen eher von der Einheitlichkeit und Einigung weg und zu 
der „Eigenbrötelei" hinführt. Für das amtliche Schul- Wörterverzeichnis 
ist dringend zu wünschen, dass das Zulässige auf das kleinstmöglichc 
Mass beschränkt werde. So wäre es z. B.«am einfachsten, betreffs 
Anwendung der grossen und kleinen Anfangsbuchstaben etwa die Regel 
aufzustellen: alle wirklichen Hauptwörter, in welcher Verwendung sie 
gebraucht werden mögen, sind gross, alle andern Wörter klein zu 
schreiben. Müsste je das eine oder andere Nichthauptwort aus irgend 
einem triftigen Grunde gross geschrieben werden, so stelle man im 
Wörterverzeichnis alle hieher gehörigen, für den Schüler nötigen Fälle 
zusammen, so dass der Leimende genau weiss, woran er ist. Über- 
haupt wären derartige Zusammenstellungen (so z. B. der mit th und 
ph oder der auch jetzt noch mit c zu schreibenden Wörter) sehr wert- 
voll, vorausgesetzt, dass dieselben dann für den Schüler vorläufig als 
vollständig zu gelten hätten. Sämtliche eigentlichen Fremdwörter, 
die der Schüler zu merken hätte, könnten am Schluss des Wörter- 
verzeichnisses aufgeführt werden, was auch den Vorteil hätte, dass 
der Schüler leicht übersehen könnte, was deutsches und was fremdes 



') Ist inzwischen bei J. B. Metzler erschienen. Die Red. 



232 Litterariacher Bericht 

Gut wäre. — Für die Schreibung der Fremdwörter, der Eigemmmen 
(jedenfalls' der Vornamen) und vieler deutscher Wörter sollte als Richt- 
schnur etwa gelten: keine Laute und keine Unterscheidungen in der 
Schrift, die bei der Aussprache nicht gehört werden. Auf diese Weise 
könnte z. B. inlautendes h, Unterscheidungen wie wider und wieder, 
tod und tot in Zusammensetzungen schwinden; »o würde auch ti in 
Fremdwörtern wie Patient durch zi ersetzt und dadurch grössere Ein- 
fachheit erzielt. Trägt man ausserdem der Etymologie nicht allzuviel 
Rechnung, so wird auch dadurch manches einfacher. Warum soll man 
z. B. Thunfisch mit th schreiben? Weil es von d-öwog kommt? Aber 
einmal hat das für den, der nicht Griechisch kann, keine Bedeutung, 
dann kommt bei unserer Ansprache des th das 9- erst nicht zu seiner 
Geltung, und endlich, wenn die griechische Herkunft dos Wortes da« 
Th veranlasste, warum schreibt man dann nicht folgerichtig Thynn- 
fisch? — Was die Silbentrennung anlangt, so sollte es gestattet sein, 
auch einen einzelnen Selbstlauter noch auf die Zeile zu setzen (a-ber, 
Au-e) ; warum denn nicht? — Schade ist, dass die neue Rechtschreibun«: 
für f und v in rein deutschen Wörtern nicht ein Zeichen gewHliIt 
hat, was sehr zur Vereinfachung beigetragen hätte. — Nun, möge die 
Einigung, zu welcher im Juni vorigen Jahres der erste „grosse** Schritt 
gethau wurde, in Bälde ganz gelingen und die deutsche Rechtschreibung 
so gut wie die deutsche Freimarke ihr einheitliches Gepräge, da^i Bild 
der Einen Germania bekommen! 

Reutlingen . F u c h ». 

Jugenderziehung im Jugendstil. Ein Vorschlag zu einer zeit- 
und naturgemässen Umgestaltung unseres höheren Schulwesens 
und ein TrostwAt für alle bekümmerten deutschen Mütter 
und Väter von Dr. F. Schmidt^ Direktor der Oberreal- 
schule zu Hanau. 68 S. Preis 1 Mk. Wiesbaden, Verlag 
von Otto Nemuich, 1902. 

Eine Anklageschrift gegen den gesamten Unterricht unseres Mittel- 
schulwesens: der Unterricht in den Sprachen, alten und neuen, fallt 
ebenso wie der in Mathematik und Naturkunde unter das gemeinsame 
Verdammungsurteil, dass er wissenschaftlich und deshalb für die Schule 
nicht zeit- und nicht naturgemäss sei. So schlimm jetzt alles bestellt 
ist, so gut stünde alles, wenn die Vorschläge des Verfassers an- 
genommen würden. An diesen kann auffallen, dass nach allem über 
die Fremdsprachen Gesagten in den Lehi-plan der höhereu Schule, die 
au den vierjährigen Besuch der Volksschule mit 6 Jahreskursen an- 
schliesst, doch drei Fremdsprachen aufgenommen sind, allerdings« wie 
sich von selber ver^iteht, mit sehr modifiziertem Lehrziel : im Lateinischen 
soll in 2 Jahren bei wöchentlich 2 Stunden erreicht werden, da^s der 



Litterarisclier Bericht. 233 

Schüler „zum Lesen lateinischer Texte, Inschriften und Zitate befähigt 
wird*^; anderen fallt vielleicht mehr auf, dass „das Zeichnen in fast 
allen Fächern zu pflegen ist". Nach der höheren Schule besuchen die- 
jenigen, die studieren wollen, drei Jahre lang die Universitätsvorschule, 
^anf der man alle die Lehrgegenstände pflegt, die zurzeit im Gym- 
nasium und in der Oberrealschulc gepflegt werden^; jeder sucht sich 
dabei die seinen Anlagen entsprechenden Fächer aus. An einem guten 
Mittel, dafür zu sorgen, dass man in Zukunft bloss noch gute Lehrer 
hat, fehlt es auch nicht: Studenten, die sich dem Lehrerberuf widmen 
wollen, werden gleich beim Anfang ihrer Universitätsstudien auf ihre 
Fähigkeit fUr den Lehrerberuf geprüft von zwei anerkannt tüchtigen 
Lehrern, die an jeder Universität angestellt werden, und unter deren 
Leitung der angehende Student an den in der Universitätsstadt vor- 
handenen höheren Schulen seine ersten Versuche im Unterrichten macht ; 
stellt sich heraus, dass der junge Mann nicht das rZeug*' hat („lernen *' 
kann man das nicht), so wird er auf eine andere Bahn gewiesen. Giebt 
es etwas Einfacheres? 

C. Th. K. 



Th. Z legier^ Allgemeine Pädag'Ogik. „Aus Natur und Geistes- 
weit.'' 35. Bändchen, 136 S. Leipzig^ Tenbner; 1901. 

Das Buch, mit dem uns unser berühmter Landsmann hier erfreut, 
ist eine im wesentlichen unveränderte Wiedergabe von sechs päda- 
gogischen Vorträgen, die der Verfasser in Frankfurt und Hamburg ge- 
halten hat. Obwohl diese Vorträge für ein grösseres Publikum bestimmt 
sind (oder vielleicht gerade deswegen) gewähii; ihre Lektüre doch auch 
dem pädagogischen Fachmann eine wahre Erquickung. Ziegler lässt 
das ihm ja in so reichem Mass zu Gebote stehende schwere wissen- 
schaftliche Rüstzeug grösstenteils zu Hause und begnügt sich bei seinen 
Ausführungen und Angriffen mit der Waffe des gesunden Menschen- 
verstandes, die freilich da stets am wirksamsten ist, wo keine mit den 
Jahren vielleicht verknöcherte Voreingenommenheit für bestimmte 
„Systeme" und „Methoden** den Blick getrübt hat. Seine bei Uni- 
versitätslehrern immer seltener werdende Doppeleigenschaft als früherer 
praktischer Schulmann und als philosophischer Gelehrter ermöglichen 
ihm eine solche Beherrschung des Stoffs, dass er nicht nur die hier in 
Betracht kommenden springenden Punkte der Schultechnik mit Sicher- 
heit herauszugreifen und den Finger auf die Wundmale der bestehenden 
pädagogischen Zustände und Einrichtungen zu legen vermag, sondern 
auch die grossen leitenden Gesichtspunkte philosophischer und sozialer 
Art dem Hörer und Leser deutlich vor Augen stellt, ohne ihn durch 
weitläufige Deduktionen zu ermüden oder abzuschrecken. Bestimmt, 
oft fast herb in seinem persönlichen Urteil und in seiner Kritik, wird 

Neues Korraipondeuiiblatt 1902, Heft 6. 



234 Litterarischer Bericht. 

er doch nirgends ungerecht oder engherzig und lässt auch tär ander- 
weitige Auffassung Raum, wie er sich auch gelegentlich nicht scheut, 
einen vor sich gegangenen Wechsel in seiner eigenen Anschauung offen 
zuzugeben; so z. B. hinsichtlich der Bewertung des grieehischen Unter- 
richts (p. 4A u. 45), wo ihm bei seiner ganzen sonstigen Richtung sein 
Geständnis sicherlich nicht leicht geworden ist. Dazu kommt noch die 
überaus klare, lebendige und packende Sprache, die allen Schriften 
Zieglers eigen ist und ihnen eine besondere Anziehungskraft verleiht, 
so dass das vorliegende Buch zumal bei dem bescheidenen Umfang, auf 
den sich der Verfasser beschränkt hat, gewiss allen Kollegen, selbst 
denen, die hinsichtlich der oder jener Einzelheit auf einem abweichenden 
Standpunkt stehen, eine genussreiche und anregende Stunde verschafft 
Stuttgart. Jaeger. 

Stereometrische Aufgaben. Ein Lehr- und Obnngsbuch zum 
Gebrauch beim Unterricht in den oberen Klassen höherer 
Schulen. Mit besonderer Berttcksichtigung der Methoden der 
darstellenden Geometrie bearbeitet von Prof. Dr. M. Schuster, 
Oberlehrer an der Oberrealschule zu Oldenburg. Preis geb. 
1.40 Mk. Leipzig und Berlin, Teubner, 1901. 

Die vorliegende Aufgabensammlung will nicht etwa ein Lehrbuch 
ergänzen, nein es will dasselbe völlig eraetzen. Um dies zu erreichen, 
wird der zu entwickelnde Satz zuerst an einfachen Einzelfällen in seinen 
Umrissen erkennbar gemacht, dann das Wesentliche seines Inhaltes auf 
die der betreffenden Altersstufe angepasste abstrakte Form gebracht. 
Aus dieser werden bemerkenswerte Sonderfälle und Lösungsmethoden 
ftir neue Aufgaben abgeleitet, um letztere dann in Verbindung mit be- 
reits Bekanntem zur Quelle neuer Erkenntnis zu machen« 

Hierin liegt das Eigentümliche der Behandlungsweise, in weicher 
sich der Verfasser als grosser Meister erweist. Auch legt derselbe 
grossen Wert auf die konstruktive Darstellung, die sogar vor der 
rechnerischen Lösung verlangt wird. Nach Ansicht des Verfassers ist 
nicht das Prisma (Würfel), sondern die Pyramide der gegebene Aus- 
gangspunkt einer methodischen Behandlung der Stereometrie, da nur 
an ihr die stereometrischen Grundbegriffie logisch zu entwickeln seien. 

Ganz besonders lässt sich Schuster auch die logische und gram- 
matische Richtigkeit des Ausdrucks und die Vermeidung entbehrlicher 
Fremdwörter sehr angelegen sein. 

Aller dieser Vollzüge wegen können wir das Büchlein bestens 
empfehlen und halten es für selbstverständlich, dass bald eine zweite 
Auflage notwendig werden wird. Einer Vermehrung der Aufgaben 
in dieser möchten wir zum Schluss das Wort reden. 

Hannover. Professor 0. Pres 1er. 



Notiz. — Neu ersohienene Bücher. 235 

Führer durch die K. Raminlung: römischer Steindenkmftler in 
Stuttgart« Herausgegeben von dem Vorstand der Sammlung 
Dr. G. Sixt. IL Auflage. W. Kohlliammer; 1902. 

Der Führer ist vennehrt um den Zuwachs an Fundstückeu, den 
die Sammlung seit 1895 erfahren hat, vereinfacht durch Weglassung 
der alten 8tälinschen Nummern und der Iitterarischen Verweise, die 
der Interessent in dem Werk von Hang und Sixt „die römischen In- 
schriften und Bildwerke Württembergs^ findet, und verbessert, soweit 
eben die Durcharbeitung des gesamten Stoffs für das genannte Werk 
zu Berichtigungen Anlass gab. Jedes Wort zur Empfehlung des Führers 
ist unnötig. 

C. Th. K, 



NotiL 

Eine ^deutsche Nationalschule^ 

soll in Werthelm am Main gegründet werden, mit der Bestimmung, 
ihren Zöglingen zugleich nationale Art und Verständnis für die Stellung 
des Deutschtums in der Welt einzupflanzen. Die Erziehung und Unter- 
weisung 9— löjähriger Knaben, die in geeigneten Pflegefamilien unter- 
zubringen sind, soll an die am Ort bestehenden Schulen angeschlossen 
werden und hierauf eine dreijährige Vorbildung der 15— 18jährigen 
Jünglinge zur landwirtschaftlichen, technischen, kaufmännischen Pionier- 
thätigkeit in einem Internat folgen. Anfragen allgemeiner Art sind an 
den Vorsitzenden der „Gründungsgruppe^ Major a. D. Kressmann in 
Karlsruhe, solche schultechnischer Art, Anmeldungen von Zöglingen 
u. 8. w. an den Leiter der Anstalt, Dr. Kapff in Wertheim, zu richten. 



Neu ersohienene Bücher. 

0^ Bei der groeten Menge der uns augebenden neuen litterariichen Ersebeinuugeu 
ist es uns unmOglichf Jede im einielnen zu besprechen. Die Titel der einlaufenden 
Bflober, die wir ensnabmilos der Kohlbammersoben Verlagsbnobbandlung bu Aber- 
senden bitten, werden regelm&siig im n&cbsten Hefte TerölfentUcht ; auf BQck- 
sendung der nlobt besproobenen fiflober können wir uns aber nicbt einlassen. 

Hö ft, Englischer Sprachstoff nach den Grundsätzen Fr. Gouins. Ham- 
burg, 0. Meissner. 

Hecht, ObuDgsbuch für den Unterricht in der hauswirtschaftlichen 
Buchführung. Hannover uud Berlin, G. Meyer (Gustav Prior). 

Kractzschmar, Hebräisches Vokabular. Tübingen und Leipzig, 
J. C. B. Mohr (Paul Siebeck). 

Wershüvcn, ßiographies Historiqucs. Glogau, C. Flemming. 



236 AnbttndigiingeD. 

Archoiihold, Das Weltall. Heft 4— 10. Bcriiu, C. A. Sch«et«hke 

& Sobn. 
R. lind W. Dictiein, P. Polack und Fr. Pulack, Aus dentachon 

LeeebUchem. Baad I. Leipzig, Theodor Hofmann. 
Kahlsenund Hengesbach, Scbnlbibliotfaek französischer und eng- 
lischer Prosaschriften. Berlin, R. Gärtner (Hennann Heyfclder). 
Gade, Histoire de France. IT. 1589—1871. Ibid. 
Mohrbutter, Modem english Xovols. Ibid. 
Feyerabend, In the far east. Tales and adventures by R. Kipling. 

G. Boothby and F. A. Steel. Ibid. 
Meiners, Leitfaden der Geachichte für höhere Lehranstalten. I.Teil. 

Leipzig und Berlin, B. Q. Teuboer. 
Pfuhl, Der Unterricht iu der Pflanzenkunde durch die Lebensweise 

der Pflanze bestiramt. Ibid. 
Schroeder, Vom papiemeu Stil. Ibid. 

Weise, Unsere Muttersprache, ihr Werden und ihr Wesen. Ibid. 
Scheel und Assmann, Die Fortschritte der Physik im Jahre 1902. 

Heft 3. i. 5. 6. 7. Braunscbweig, Fr. Vieweg & Sohn. 
Flasche), Unsere griechischen Fremdwürter. Leipzig und Berlin, 

B. 0. Teubner. 
Küzle, Die Erziehung des deutschen Volksschülers von seinem 14. 

bis 20. Lebensjahr. Stuttgart, W. Koblhammor. 
Richter, Lehrbuch der Geographie samt Begleitwort. Wien und Prag, 

F. Tempsky. 
Fischer, Der Neuhumanismus in der Deutschen Litteratur. Tttbingeo, 

H. Laupp. 

(Fortsetzung siehe S. 3 uad 4 des Umschlags.) 



Ankündiguiigen. 



A. Beyerien & Co., Stuttgaif. 



Änkflndignngen. 



Si>e6m erft^lfit unb Ifl buri^ oUf •Sui^&aiiblunatn ju 6tjie6(ii: 

Dr. Jil. £aNN(r, prof., naturkbre für df« obncN 
Hlas$M der QymnaiUH. pc«s brofc^. mt. '^.50 

= Kr. 5.20; gebunben Utf. 5.30 = "Kr. 6.—. [7 
'SitFte butdiau« icitflcmagt Sctirtut^ wutbt auf ®tunb bt# 
ntueii Bfitn. Gt^rplone autgcaTbcitd utib tfl tn (erDorragtnbtm 3naf|( 
buTc^ tTfi^öprcnbt XlaTfltSung allcT @ctlete bn !RatutIe6r< nie buri^ 
qlönjtubt auSfiottung — 877 giflurtn im Xtjt, (int ©pdtwltafd unb 
i mtleetcCogiflijtn Borten in (tinPfm garbtnbnid — jur etnfii^mnfl in 
ben oberen fttaFfen bei @i)mna[t{]i geeignet, ^asfelbe |le^t jui @ln(i4'' 
na^mt gtm fcfort ju JÜenllen. 

|ff. jUttttt Irriagflitliillng ii Pi» II/I ml Stittgirt. 



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238 



Ankttndignngen. 



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Generalregister 

(in alphabetischer und syste- 
matischer Anurdniing) 
zu Heft 1—70 der 

Letrpliei Dnl LeliriiiQp 

aus der 

Praxi8der6ymBi8iena.Real8ehaleB. 

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im Einzelverkauf Mk. 2.50. 
Das Register wird, wie wir hoffen, 
erkennen lassen, dass sich in den 
70 Heften der Zeitschrift eine statt- 
liche Summe pädagogischer Denk- 
arbeit niedergelegt nndet, die um 
so mehr Beachtung verdient und 
jedem, der in Fragen des Unter- 
richts und der Erziehung tiefer 
eindringen will, um so reichere 
Ausbeute verspricht, als überall 
von der Praxis ausgegangen und 
auf Verwendung in der Praxis ab- 
gezielt wird. 

Die L«krprobeii imd Lehrg Imge enohei- 
nen in Bänden Ton j« 4 Heften im durch- 
tohnittlicheo Umfange von 7 Bogen lum 
Preise von Mk. 8.~ pro Band. Einielne 
Hefte werden nur in erhöhtem Preiee von 
Mk. 160 abgegeben, soweit der Vorrat 
reicht. 

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die Aisehiffiig i» frlher ersckieieiei 

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weit der Vorrat reicht, 41e lefte ie-§l, 
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ar. 8«. iprei« 2 Jk 

üDIobcriie S^lagtoötter. @cf)irä4c an^ ber (Begeitivart. ^onDr. ^. i>. &^ii<i 

(ju JRottwcil.) 80 @. 8°. ^5rei« 1 cM, 

('Berufung in (&traffammerfiiUen. '^ebingte ^erurteüung. Sefa^tgung«- 
nac^ipeid. ^Dbibenben. Unfc^ulbig 'I3er^aftete unb is^erurtetlte. doupon«- 
abf(i^neiber. dludna^megefc^e. (Sfixt (Snjurienflogen). ^erteuetuna bei 
notmcnbigen Lebensmittel biird^ inbireftc Steuern. $le IRot ber ianh- 
tt«irtf*aft. Arci^fh. 05leid)r)cit t?or bcm (iu-fcoc. aWiIitari«nui«. (^\t>tv 
foiumiffc.) 



AnkUndigiingen. 339 

Verlag von Hermann Gesenia» in Halle» 

U esenius-Regel, Englische Sprachlehre. Ausgabe B. Vöiiig neu 

bearbeitet von Professor Dr. Ernst Regel, Oberlehrer an den 
Franckeschen Stiftungen. 

Ultontlfe. Zweite Auflage 1901. 1900. In Leinwand geb. Mk. 1.80. 

•berstife. 1901. In Leinwand geb. Mk. 1.80. 

Uesenius-Begel, Englische Sprachlehre. Ausgabe B. ebentaf«. 

Kapitel 1, IV, VI und VII in anderer Fassung enthaltend 
die Besprechung der Hölzelschen Bilder: Wii4, dltshtf, Sebirge u4 
Staii Bearbeitet von Prof. Dr. Ernst Regel, Oberlehrer an der 
Oberrealschule in den Franckeschen Stiftungen. 1902. In steifen 
Umschlag geh. 40 Pf. 

Geseniiis, F. W.. Englische Sprachlehre. Ausgabe A. völlig neu 

bearbeitet von Prof. Dr. Ernst Regel, Oberlehrer an den Francke- 
schen Stiftungen. 
Teil I: Schulgrammatik nebst Lese- und Uebungsstücken. 7. Auf- 
lage. 1901. Preis geb. Mk. 3.60. 
Teil II: Lese- und Uebungsbuch nebst kurzer Synonymik. 1895. 
Preis geb. Mk. 2.25. 



Bisheriger Absatz beider Teile 445000 Exemplare. 

Gesenius, Dr. F. W.^ Lehrbuch der englisch. Sprache, in 2 Teilen. 

Teil I: Elcmentarbnch der englischen Sprache nebst Lese- und 
Uebungsstücken. 24. Auflage. 1901. Preis geb. Mk. 2.40. 

Teil II: Grammatik der englischen Sprache nebst Uebungsstücken. 
16. Auflage. 1902. Preis geb. Mk. 3.20. 

Schmidt, Dr. Herrn., Eiementarbuch der Lateinischen Sprache. 

Völlig neu bearbeitet von Prof. Leonh. Schmidt in Bromberg 
und Prof. E. Lierse in Posen. 

Teil I: Für Sexta. 12. Auflage. 1900. Geb. Mk. 1.50. 

Teil II: Für Quinta. 11. Auflage. 1894. Geb. Mk. 1.95. 

Teil III: Fir ^larts. 1. Abteilung. Lesebuch. 1900. Geb. Mk. 1.15. 
2. Abteilung. Uebungsbuch u. Vokabular. 1900. Geb. Mk. 1.75. 

Diekens, Charles, From the Pickwick Papers. Zum Schnigebrauch 

ausgewählt und mit Anmerkungen und einem Wörterbuch ver- 
sehen von Dr. Fritz Kriete. 1902.. In Leinenband mit Tasche 
fUr das Wörterbuch gebunden Mk. 2.—. 

Geseniosy Dr. F, W., A Book of Engiish Poetry for the use of 

Schools. Containing 102 poems with explanatory notes and bio- 
graphical Sketches of the anthors. Third Edition. Revised by 
Dr. Fritz Kriete, Oberlehrer. 1900. In Leinenband mit Tasche 
fiir das Wörterbuch gebunden Mk. 2.—. 

Jerome K. Jerome^ Three Men on the Bummel. Zum Schul- 
gebrauch herausgegeben und mit Anmerkungen und einem Wörter- 
buch versehen von Dr. Fritz Kriete, Oberlehrer. 1901. In 
Leinenband mit Tasche für das Wörterbuch gebunden Mk. 1.40. 

Kriete, Dr. Fritz, Sammlung französischer Gedichte. Zum 

Schulgebranch zusammengestellt und mit Anmerkungen und einem 
Wörterbuch versehen. 1901. In Leinenband mit Tasche fiir das 
Wörterbuch gebunden Mk. 1.80. 

Aaafflhrllcbe YerlaggYeraelehiiiBse koBtenlog. 



240 



Ankündi^ngeü. 



Soeben pnb erfc^ienen unb burc^ ade iBiic^l^anblungen gu Seiie^cn: 

gfed)t, Dr. t., unb Dr. 3i. @i$Ier, ^rte<9if<9e$ ^6titi(|«- 

0it4 für ^nterlertta. Vierte, oerbefferte Auflage. 8«. (XII 
u. 194 @.) JK 1.60; geB. in ^albtefaiwanb .M, 1.85. 

^rfi^er ifl erfd^ienen: 
— M(4ir4<» 9(Hiitfi«4 f. #lcrtcrfi«. SveiteSufl. 80. (Yin u. 174 6.) 

.4K 1.60; geb. Ji 1.86. 

^enfe^ Dr. %^ ^ettff<9e9 c^efe6ltl9 für ble oberen Älaffen 
^5^erer fie^ranflolten. 9(u9n)a^I beutfd^er $oefie unb ißrofa mit Uttetar- 
^{{lorifc^en Überüc^ten unb ^Tarfletlungen. 3 Xetle. gt. 8^ 

2. Seil: ^id^tnitg htt Wenseit dritte, nad^ ben neuen 
2e^r<)Iänen ge&nberte Sluftage. (XVI u. 466 3.) c4t 4; 
geb. in ^albleber Jk 4.60. 

^rfi^er llnb erf^ienen: 

1. Seil: 9Mf«Hg Hf MUUUntn, S)ritte «nfUge. (Vm v. SM e.) 
^ 1.80; geb. JC a.S6. 

3. teil: Her^rtilfiilc ««1 fc^rfii^ 7r»r«. Bveite «uflagc, »it 5 mb« 
bilbungcn. (Vin u. 868 6.) •« S.SO; geb. JC 3.70. 

pi« ffiifi|ni«t ^ cHuefM« fcif« Mcfc» /erfitt4<* ^f^ *mi Jkteltf* fml. jkafluc- 
mhnftirimm unt^mgt mmtn (§€(afft vo» 11. IKAri 1884, IS. jtftri 1881 mw ti. S«»- 
f«»0fr 1889). 

ftrafl^ Dr. äü, unb Dr. ^« Soubot^^ <^e9t6tu$ fSt htm 

Jl^iättrUii in het "^atnx^tfdjitMnn^. ^in @t^mnafien, ^ealg^mnaftrn 
unb anbete ^öbere ßcbranflalten bearbeitet. H 3:ei(e. gr. 8^. 

1. teil: itffthn^f fftf btn Unterti^t in Her A^nlo^lt. mit 228 

eingebrudten ^bbilbungen. ©ec^fte, nacb ben neuen 8e^rplancn 
oeirbefferte «ufloi^e. (XVI u. 352 ©.) Jk 3.40; geb. in ^alb- 
leber «41; 3.80. 

^^er finb erf dienen: 

2. Xeil: ^fi«i| f*t hin fl»f errief <« Hr VotiiHi. INt 3I8 eingcbrurftoi 
SbbUbungen. fffliiftc, na^ ben neuen fic^rpUnen Derbeffctte Suflage. 
(XIY u. 820 6.) JC S.SO ; geb. JC 8.60. 

S.Zeil: «^e|cf m9 fftt »eil flnf crri4f f« »er WnefuT^tic* 9Nt 114 eingebnitften 
XbbUbungen unb 3 Xafebi ihr^^aOfotmennele. 3»^^^^ oerbefferte Knflage. 
rXII u. ISS 6.) Ji 1.60; geb. UK 1.96. 

So])xfd|etb^ Dr. %, cjitf^tin^ ber attotgimifidett g^entic 

wtt filtern ftitt)eit ^ntnbriH bet iBimerftfogie. ÜRit 221 iu Den 
'Xe^t gebrucften 9(bbtlbungen unb einer ©peftraltafel in Jarbenbrutf. 
günfje^ntc «uflage öon Dr. g, Sc^tnaniU gr. 8«. (VIII u. 
344 e. u. 4 XabeQen.) «^ 3.60; geb. in ^albleber Jk 4.10. 



jlnttr ytrlag tiim fff* Hiakl^ümmtv in atttttgart. 

$aiibf4rifteit unb ^anbaei^innngcn M ^traogU^ mfirttemliergifflen ^tn< 
mciftet^ $cinn4 Sd^iifiarbt. 3m Sluftrog be« SBüitt. ®ef(^id^i8^ unb 
^tertumdoerein« unter 3)'2ittt>irfung Don ^aubireftor ^. ^uting unb 
?Jrof. Dr. ©ertolb Pfeiffer herausgegeben bun^ Dr. «B. ^e^b. 
439 ©. gr. 8« mit 133 Sttuflrationen im 5:cft unb einer Äartc. ¥rei« 7 Jk 

®ef(9t4te ber lOetärbenorganifation in S&firttemberg. 8on Dr. jur. 

Jr. SBintterlin, Sird^iDaffeffor. (herausgegeben öon ber J^ommijjion 
für Sanbedgefd^ic^te). I. Steil: ^i« gum ^nbe beS 18. Sa^r^unberf«. 
175 e. 8». ^vei« 1.50 jü 



Bericht über die XII. Landesversammlung des Württ. 
Grymnasiallehrervereins. (31. Mai.) 

Von Professor Gramer in Heilbronn. 

I. Einem Wunsch der vorjährigen Versammlung entsprechend 
war als Versammlungsort diesmal Cannstatt gewählt worden^ 
wo die Versammlung früher (bis 1894) stattzufinden pflegte. .Die 
mehrfach geäusserte Befürchtung^ dass durch Wegverlegung von 
der Residenz die Versammlung an Anziehungskraft einbttssen werde^ 
hat sich erfreulicherweise nicht bestätigt. Die Teilnehmerzahl 
betrug seit 1895 gewöhnlich 150 — 170, nur zweimal erhob sie sich 
auf die Zahl 200. Diesmal enthält die aufgelegte Liste 150 Namen^ 
80 dass nach bisherigen Erfahrungen als Gesamtzahl etwa 170 an- 
zunehmen ist. Auch Gäste durften wir so zahlreich wie früher be- 
grüssen. War auch der Kultusminister Dr. v. Weizsäcker persönlich 
am Erscheinen verhindert, so zeigte doch die Anwesenheit von 
Direktor Dr. v. Rapp, Oberstudienrat Dr. Ab 1 ei t er, Oberstudien- 
rat Hauber, Ministerialrat Dr. Balz, Oberkonsistorialrat Dr. Merz 
und Regierungsrat Vogt, mit welcher Teilnahme die Behörde die 
Bestrebungen des Gymnasiallehrervereins verfolgt. Von den Brnder- 
vereinen hatten sich als Gäste eingefunden: Rektor Mayer von 
Cannstatt, Vorstand des württ. realistischen Vereins, aus Baden 
Direktor Dr. Keller von Freiburg, Vorstand des Vereins der 
akademisch gebildeten Lehrer Badens, und Geh. Hofrat Dr. Uhlig 
von Heidelberg, aus Hessen Direktor Dr. Kemmer von Wimpfen. 
Auch die Landesuniversität war vertreten durch Privatdozent 
Dr. R. Herzog. 

Die ausgegebene Tagesordnung enthielt nur 3 Punkte, den 
Geschäftsbericht des Vorstandes, sowie 2 Vorträge, einen wissen- 
schaftlichen und einen über Unterrichtsfragen. Dass die Tagesord- 
nung nicht reicher besetzt erscheint, hat seinen Grund darin, dass 
eine ganze Reihe einzelner Fragen erledigt wird im 

II. Geschäftsbericht. Daraus erklärt sich auch die Länge 
desselben, der mit den sich anschliessenden Erörterungen allein 
beinahe die ganze vorgesehene Zeit in Anspruch nahm. Trotzdem 
halten wir diese Anordnung für richtig, weil eine Menge störender 
und zeitraubender Wiederholungen bei den einzelnen Fragen ver- 
mieden wird. Nur bleibt es bei dieser Behandlung sehr schwierig, 
die für den Geschäftsbericht erforderliche Zeit auch nur annäliernd 

Nenes Korrespondenxblatt 1902, Heft 7. 



242 Bericht über die Landes versainmlung d. Württ. Gymn.-Ver. 

im voraus zu berechnen. Im einzelnen beschäftigte sicli der Bericht 
mit folgenden Punkten. 1« Mitgliederzahl de» Vereins: 389; 
Zahl der Ein- und Austretenden je IB. Durch Tod wurdem dem 
Verein entrissen: Rektor Dr. Treuberin Tübingen (seit einer Reihe 
von. Jafanm thätiges Mitglied des Ausschusses), sowie die Professoren 
Finck und Graf in Stuttgart, Gaupp in Cannstatt. Die Ver- 
sammlung ehrte das Andenken der Geschiedenen in üblicher Weise. 
Eine schon länger empfundene Lücke in den bisherigen Satzungen 
>vurde ausgefüllt durch Annahme des Zusatzes, dass als ausge- 
schieden aus dem Verein betrachtet wird, wer trotz dreimaliger 
Aufforderung seinen Beitrag nicht bezahlt. 

Die bisherigen Eingaben des Vereins an die Behörde harren 
teils noch ihrer Erledigung (Abhaltung von archäologischen Kursen, 
Auszahlung des Gehalts aus der Staatskasse), teils ist den Wünschen 
des Vereins mehr oder minder entsprochen worden. 2. Dass die 
Abänderung der Bestimmungen über die Studienkommission die 
Beteiligten grossenteils nicht befriedigt hat, ist bekannt und erklär- 
lich. Trotzdem beschloss die Versammlung, dem Ausschnssantrag 
entsprechend, vorderhand diese Frage ruhen zu lassen, ebenso auch 3. 
die früher vorgebrachte Bitte um Veröffentlichung einer amtlichen 
Dienstaltersliste. Da die vom Verein 1895 herausgegebene Dienst- 
altersliste gänzlich veraltet ist, so wird dieselbe voraussichtlich im 
nächsten Jahr erneuert werden als Beilage zu den „Lehranstalten^ von 
Gramer, dann aber nach verschiedenen Gresichtspunkten angeordnet. 
4. Die Haftpflicht der Lehrer hat ein Erlass vom 16. Januar d. J. 
behandelt; auf Antrag von op Dr. Kap ff in Ulm soll jedoch der 
Ausschuss noch eine weitere Anfrage an die Behörde richten, in- 
wieweit ein Lehrer für etwaige Unfälle bei Schulausflügen haftbar 
gemacht werden kann. 5. Die im Vorjahr erbetene Entlastung 
der Oberpräzeptoreu erfordert erst Verwilligung von Mitteln 
im Etat, kann also frühestens 1903 zur Sprache kommen. 6. Damit 
in Verbindung stand die Frage der Bezahlung von Über- 
stunden (im Vereinsblatt 1901 S. 317 von Fehleisen behandelt i 
und 7. die von op Dr. Her t lein in Crailsheim angeregte Herab- 
setzung der PflichtstundenzahL In diesen beiden Fragen 
entschied sich die Versammlung dafür, einstweilen keine weiteren 
Schritte zu thun, da die eine Frage noch nicht genügend durch- 
beraten sei, die Regelung der andern dagegen voraussichtlich nur 
Nachteile bringen werde. 8. Während der Zusammenschluss aller 
württembergischen Beamtenvereine zu einem Staatsbeamtenverein ge- 



Bericht über die Landes Versammlung d. Wüi-tt. Gymn.-Ver. 243 

scheitert ist an der Frage, in welchem Verhältnis die einzelnen 
Vereine im AosschnsH vertreten sein sollten, ist jetzt von Hessen 
ans angeregt worden, die sämtlichen Vereine der akademisch ge- 
bildeten Lehrer Deutschlands zu einem Oberl.ehrerverein zu- 
sammenzufassen, behufs gegenseitiger Förderung in allen Unteirichts- 
fragen wie auch zu nachdrücklicher Vertretung der Standesinteressen. 
Dabei ist die mehrfach geäusserte falsche Auffassung zurückzuweisen, 
als ob es sich hier nur um Lehrer der Oberklassen handle; gemeint 
sind selbstverständlich alle akademisch gebildeten Lehrer. Nach 
warmer Befürwortung des Gedankens durch Direktor Dr. Kemmer 
ermächtigte die Versammlung den Ausschuss zu weiteren Verhand- 
lungen mit den übrigen Vereinen. 9. Ebenso soll der Ausschuss 
auf Antrag von Oberstudienrat Rektor Dr. Egelhaaf mit den 
übrigen württembergischen Beamteuvereinen sich ins Benehmen 
setzen, um eine Abänderung der bisherigen Pensions- 
bestimmungen zu erreichen, die für die Beamten weit weniger 
günstig sind, als z. B. das städtische Pensionsstatut in Stuttgart. 
Dagegen konnte auf eine weitere Anregung nicht eingegangen wer- 
den, die erst zwei Tage vor der Landesversammlung und ohne 
jedes Material dem Vorstand zugegangen war und Gleichheit der 
Pensionsbestimmungen für die Mittel- und Oberstufe verlangte^ 
Dieser mehrfach schon aufgetauchte Vorschlag erweist jedesmal 
nur, wie wenig die verschiedenen dabei in Betracht kommenden 
Fragen vorher gewürdigt sind, vor allem die schwierige und lang- 
wierige Aufgabe, genügendes Material zu beschaffen, auf Grund 
dessen allein vorgegangen werden kann. Meist entspringen diese 
gutgemeinten Vorschläge der Kenntnis eines odf^r zweier besonderen 
Fälle. 10. Was die Eingabe des Vereins um Aufbesserung der 
Bezüge der unständigen Lehrer betrifft, so konnte der 
Vorsitzende die erfreuliche Mitteilung machen, dass der Herr Minister 
es für eine wichtige Angelegenheit erklärt habe, im nächsten Etat 
hier eine Besserung herbeizuführen. IL Angenommen wird die vor- 
geschlagene Resolution, die der Regierung und den Ständen den 
Duik ausspricht für die letzten Beschlüsse zur Besserstellung des 
höheren Lehrerstandes, die aber zugleich festhält an der grund- 
sätzlichen Forderung der Gleichberechtigung mit den übrigen aka- 
demisch gebildeten Beamten. Als nächste und dringendste Aufgabe, 
als eine Forderung der Billigkeit wird darin bezeichnet, auch für 
die Oberklassen das zur Erreichung des Höchstgehaltes erforderliche 
Dienstalter von 27 auf 24 Jahre herabzusetzen. (Vgl. darüber un- 



244 Bericht über die Landesversammlung d. Württ. Gymn.-Ver. 

ter VI.) Zum Schlüsse seines Berichtes besprach der Redner noch 
kurz und sachlich die Stellung des Gymnasiallehrervereins zu der 
Berechtigungsfrage. 12. Während der Erstattung des Geschäfts- 
berichtes wurden die Wähle nfürdenAusschuss vorgenommen. 
Das Ergebnis war^): Vorstand: Prof. Dr. Herzog*- Stuttgart 
Vertreter für die Oberklassen: Rektor Dr. Eble*-Rott- 
weil, Rektor Dr. K n a p p *- Tübingen, Prof. Dr. Votteler-Reut- 
lingen, Prof. Lechler-Heilbronn; für die Mittelklassen op 
Paus er*- Stuttgart, Prof. Grunsky*- Göppingen, Prof. Gfrörer- 
EUwangen, op L a u e r - Marbach, op S c h i e 1 e - Sulz. Mit besonderer 
Genugthuung verzeichnen wir die fast einstimmige Wiederwahl des 
bisherigen Vorstandes, die verdiente Anerkennung seiner unermüd- 
lichen Thätigkeit für den Verein. Welche Summe von Arbeits- 
leistung und Opferwilligkeit diese Stellung erfordert, davon haben 
unsere Mitglieder wohl kaum eine Vorstellung. 

III. In einstündigem Vortrag behandelte nun Prof. Dr. Lud- 
wig von Hall das Forum Romanum und zeigte, in welchem 
Masse unsere Kenntnis dieses Zentrums des römischen Lebens darch 
die neueren Ausgrabungen bereichert worden ist. Reiches An- 
schauungsmaterial unterstützte den Vortrag: aufgehängt waren grosse 
Pläne von Rom und vom Forum, im Umlauf zahlreiche photo- 
graphische Abbildungen, aufgelegt Bilder aus der neuen Auflage von 
Luckenbach (von der Verlagshandlung Oldenbourg in München), 
endlich fand jeder Teilnehmer auf seinem Sitz einen kleineren Plan 
des Forums, der es ihm endöglichte, den Ausführungen des Red- 
ners zu folgen. In dankenswerter Weise hatte die Leipziger Firma 
Bädeker hiefür 200 Pläne zur Verfügung gestellt. Trotz dieser 
zahlreichen Anschauungsmittel möchten wir die Aufgabe, die sich 
der Redner gestellt hatte, als ausserordentlich schwierig bezeichnen; 
fehlt doch den meisten Zuhörern gerade die Hauptvoranssetznng, 
die persönliche Anschauung. Um so verdienter war der Beifall, 
der dem Redner für seine Ausführungen zu teil wurde. Durch voll- 
ständige Beherrschung des spröden Stoffes und Frische der Dar- 
stellung, wie sie nur unmittelbare Anschauung geben kann, ver- 
stand er es, die Schwierigkeiten zu überwinden und die Hörer trotz 
der vorgerückten Stunde zu fesseln. 

IV. Nachdem mit diesem Vortrag schon die für die Dauer der 
Verhandlungen vorgesehene Zeit überschritten war, folgten noch die 



^) Die bisherigen Mitglieder sind mit * bezeichnet. 



Bericht ttber die LandesversammluDg d. Württ. Gymn.-Ver. 245 

Referate von Prof. Grunsky-Göppingen und Prof. Stein- 
hauser- Ehingen über Wünsche betreffs der wisseusehuftliehen 
Anforderungen beim Landexamen, eine Fortsetzung zu dem 
Grunskyschen Referat bei der vorjährigen Landesversaminlung. 
Auf den Inhalt beider Vorträge brauchen wir nicht einzugehen, da 
sie in diesen Blättern im Wortlaut zum Abdruck gelangen werden. 
Auch diese Redner wussten durch ihre gründlichen, auf die Praxis 
gestützten Darlegungen die Aufmerksamkeit der Versammlung sich 
bis zum Schluss zu sichern, aber an eine Diskussion war nicht 
mehr zu denken, nachdem bereits 3 Uhr vorüber war. Somit wird 
sich also die nächste Landes Versammlung nochmals mit dem Gegen- 
stand zu befassen haben, um zu endgültigen Beschlüssen zu kommen. 

V. Dass durch die anstrengenden fünfstündigen Verhandlungen 
der Humor niclit gelitten hatte, bewies das nachfolgende gemein- 
same Mittagessen, au dem etwa die Hälfte der Versammlung 
teilnahm. Eine Reihe von Trinksprüchen brachte die Gefühle und 
die Wünsche der Versammelten zu beredtem Ausdruck. Insbesondere 
heben wir hervor das witzige, von einer lateinischen Ansprache 
eingeleitete Gedicht, womit der Senior unserer Versammlungen, 
Prof. R ö s G h - Heilbronn, die Versammelten erfreute, und die wie 
immer humorvolle und packende Rede von Geh. Hofrath Dr. Uhlig, 
der zum festen Zusammenhalt aller deutschen Gvmnasiallehrer auf- 
forderte. Endlich brachte der Abend noch eine gesellige Ver- 
einigung im Garten des Hotel Textor in Stuttgart, bei der manche 
persönliche Anregung ausgetauscht wurde. 

VI. Zum Schlüsse sei noch ein Wort verstattet über die Er- 
gebnisse der Landesversammlung. Vor allem ist mit Befrie- 
digung festzustellen, dass der Verein langsam, aber stätig sich ent- 
wickelt, dass insbesondere die jüngere Generation sich mit Eifer am 
Verein beteiligt. Das Vereinsblatt wird jetzt in 283 Exemplaren 
bezogen, und mit dieser ziemlich gestiegenen Zahl wird auch das 
Interesse fttr den Verein immer lebendiger werden. Das Vereins- 
vermögen weist einen befriedigenden Stand auf (1500 Mk. an- 
gelegt) ; Ausschuss wie Versammlung haben den Kassenbericht über 
den langwierigen Verhandlungen diesmal gänzlich vergessen. Die 
von Prof. Lachenmaier geprüfte Kasse hat im abgelaufenen 
Jahr infolge ausserordentlicher Ausgaben zwar ein Defizit von rund 
80 Mk.; da aber inzwischen bekanntlich der Jahresbeitrag auf 2 Mk. 
«rhöht wurde, so sind die Einnahmen für das neue Jahr jedenfalls 
mehr als zureichend. Erfreulich war sodann die lebhafte Be- 



246 Bericht über die Landesversammlung d. Württ. Gymn.-Ver. 

teiligung unserer Gäste an den Verhandlungen. Was 
sie aus ihren Erfahrungen mitteilten, von ihrem jahrelangen Ringen 
um die Gleichstellung mit den andern Beamten, von ihren bis jetzt 
erreichten Erfolgen, ihre zuversichtliche Hoffnung auf vollen Erfolg 
. in der Zukunft, die Art, wie unsere Bestrebungen im einzelnen zu 
vertreten seien, all das hat jedenfalls seinen Eindinick nicht ver- 
fehlt und wird uns zu weiterer Ausdauer ermutigen. Wenn sie 
daneben die Forderungen des württembergischen höheren 
Lehrerstandes (s. II, 11) ,,allzu bescheiden^' fanden, so können 
wir uns nur freuen, dass dieso für uns eine Anerkennung bildenden 
Worte zu so unmittelbarer Kenntnis unserer Behörde gelangten. 
In Württemberg war der höhere Lehrerstand 'sehr lange zurück- 
geblieben mit der Geltendmachung seiner Ansprüche. Gar zu vieles 
hatte sich aus einer ganz anderen Zeit unverändert herübergerettet. 
Kein Wunder, dass der Wünsche, als es einmal ans Ändern ging, 
so gar viele waren, dass der Verein sich in seinem ersten Jahr- 
zehnt fast ausschliesslich mit sogenannten Standesfragen zu be- 
schäftigen hatte, dass sich gar leicht die Meinung bilden konnte 
von nie zu befriedigenden Ansprüchen unseres Standes. Dem gegen- 
über ist es für uns doppelt wertvoll, einmal aus fremdem Mnnde 
bestätigt zu hören, dass unsere Wünsche bescheiden sind im Ver- 
gleich zu den andern deutschen Staaten. In der lebhaften Debatte, 
die hier einsetzte, wiesen der Vorsitzende wie auch Rektor Dr. Klett- 
Cannstatt darauf hin, wie sehr eben doch die wttrttembergischen 
Verhältnisse verschieden und eijgenartig sind, so dass nicht ohne 
weiteres die anderswo bewährten Mittel erfolgreich anzuwenden 
seien, wie insbesondere bei uns nicht auf das gleiche Entgegen- 
kommen der Volksvertretung zu hoffen sei wie in Baden und Hessen^ 
dass wir alles Erreichte ausschliesslich der Regierung verdanken. 
Andererseits vertrat Oberstudienrat Rektor Dr. Egelhaaf nach- 
drücklich den Standpunkt, dass doch auch bei uns in Württemberg 
mehr geschehen könne und müsse zur Aufklärung der öffentlichen 
Meinung durch die Presse, und dass eine solche Thätigkeit der Re- 
gierung nur angenehm sein könne als Unterstützung. Nach längerer 
Erörterung beauftragte endlich die Versammlung den Ausschnss, 
Einleitung zu treffen, um die Zurücksetzung des höheren Lehrer- 
standes in Württemberg, seine grundsätzlichen Forderungen und 
die Gefahr des ungenügenden Nachwuchses ruhig und würdig in 
der Presse darzulegen. Auch diese Verhandlung hat gezeigt, das» 
der Verein gesonnen ist, wie bisher massvoll und mit Berücksich- 



Feucht, Frangois Gouin. Seine Lehre und Methode etc. 247 

tignng der besonderen wtlrttembergischen Verhältnisse vorzugehen. 
Und gerade dies wird ihm die Zukunft sichern. Not thut aber da- 
zu noch mehr als bisher Zusammenschluss aller Standesgenossen. 
Vor allem sollten auch die in den Ruhestand tretenden Amtsge* 
nossen die Teilnahme am Verein als selbstverständlich betrachten; 
gerade ihre Erfahrung kann dem Verein nur zu gut kommen. Wir 
sind noch weit entfernt von dem Ziele, das die Hessen erreicht 
haben, dass alle Berufsgenossen vom ältesten Direktor bis zum 
jüngsten Hilfslehrer dem Verein angehören. Mögen die Eindrücke 
xler Landesversammlung uns diesem Ziele einen Schritt näher bringen ! 



Frangois &omn. 

Seine Lehre und Metliode; ihre Bedeutung fürs OyBmasium. 

Von Prof. P. Feucht in Stuttgart. 
(Fortsetzung.) 

10. 
Zu den also vorgeführten Grundsätzen und Kunstmitteln Gouins 
erwartet man nun eine Probe der Anwendung. R. Krön, der 
mit zwei Auflagen seiner verdienstvollen Schrift über. Gouin (1896 
und 1900, Marburg, Elwert) der deutsche Herold Gouins geworden 
ist, giebt hier, meist im Wortlaut, die einstttndlge Lehrprobe, womit 
Gouin zu Paris Schüler und Schulmänner in sein System einzu- 
führen pflegte. Sie ist von Gouin selbst auch in Druck gegeben 
worden, aber im Buchhandel vergriffen. Bei Krön dehnt sie sich 
über 16 — 17 grosse Druckseiten aus; viel Leben drängt sich also 
darin. Es ist die erste Stunde fremdsprachlichen Unterrichts, von 
Gouin für französische Kinder gedacht, von Krön für deutsche 
eingerichtet. Das Thema ist: ,,J^ouvre la porte^S ^^ zweite Stück 
des ersten Serienbandes. Es wäre aber wohl vergebliche Mühe, nach 
diesem langen Druckbericht kurz ein Bild des Lebens zu zeichnen. 
Man müsste es mit angesehen und angehört haben. Aber welche 
Veränderung hienach wenigstens unser Unterricht neben unsern 
Lehrbüchern erleiden würde, kann so angedeutet werden. Das 
französische Elementarbuch für Gymnasien von Plötz sei z. B. das 
Lehrbuch, und es sei die allererste französische Stunde dieses 
Kurses. Der Lehrer spricht: „Ihr habt den Plötz nach Vorschrift 
gekauft und habt ihn da. Ein jeder lege ihn vor sich auf den 



248 Feucht, Fran^ois Gouin. Seine Lehre und Methode etc. 

Tisch, aber geschlossen, ausser wenn ich zu einem sage: ouvre le 
livre — •' und hier lässt sich's der Lehrer nicht verdriessen, die 
entsprechende Bewegung am Buch eines Scliülers auszuführen. 
Nach Gouiu hätte er durch die Muttersprache sogar den Wortlant 
vorbereiten müssen; aber hier bedarf auch der Schwächste kaum 
einer Yermittelung. Das Französische, vom Lehrer wiederholte 
Male vor- und desgleichen vom Schüler nachgesprochen^ wird dann 
Wort für Wort im deutschen Spiegel wiedererkannt (es sind ja zufällig 
nur 3 Wörter). Der Lehrer fährt fort: „Oder wenn alle das Buch 
öffnen sollen, sage ich ,ouvrez les livres'" — (Begleitbewegnng und 
Nachübung wie zuvor). Alsbald wird der unterschiedliche Klang 
der Singular- und Pluralformen vermerkt, keineswegs aber die unter- 
schiedliche Schreibweise oder eine Schreibung überhaupt. Denn 
das Buch in der Hand des Schülers bleibt der Regel nach während 
der Vorführung eines Stücks, d. h. einer Handlung, geschlossen, 
oder auch es bleibt dem Schüler noch ganz vorenthalten. Von 
ungefähr sind nun die genannten beiden Sätze gerade die ersten 
im Plötz. Mit ähnlicher Gegenständlichkeit liesse sich zur Not 
verfahren bei folgenden Sätzen desselben Abschnitts, die unter sich 
schon kläglich auseinanderfallen: Lege das Buch auf den Tisch — 
Schliess die Thür — Unser EJassenzimmer hat eine Thttr und 
zwei Fenster. — Es sind 12 Sätze, die so in Plötz Kap. 1, erster 
Hälfte, scheinbar eine Gruppe bilden und gleich einem Serienstttck 
den Ertrag der ersten Stunde an Vokabeln, Grammatik, Sprach- und 
Ubersetzungskunst abwerfen würden. Mit der Zeit gehen immer 
mehr Stücke bei Gonin auf eine Stunde. Man glaubt es kaum, wie 
er seine Leute trainiert. — Wenn der ersten Gruppe von Sätzen die 
volle Ausbeute an Fixigkeit und Richtigkeit abgewonnen ist, öffnen 
die Schüler die Bücher, finden unter Anleitung die wichtigsten 
Unterschiede zwischen Schrift und Laut heraus und bekommen den 
französischen Text zum Abschreiben, ja vielleicht wiederholten Ab- 
schreiben. Vokabeln aber und Regeln sind gelernt: so dekretiert 
Gouin aus Erfahrung. — Wie die allgemeinen Sätze Gouins au 
Rousseau und Pestalozzi erinnern, so die Einzelheiten des Unter- 
richts an die Formalstufen der Herbartschen Schule: Hier wären 
sie: Hinlenkung der Aufmerksamkeit auf ein lebhaft, aber mehr 
innerlich als gegenständlich Angeschautes, ein durch Gebärden aller- 
dings Miterfasstes, nebst deutscher Erläuterung, ja Textgabe; — 
mündliche Darbietung des entsprechenden fremdsprachlichen Aus- 
drucks nebst Einübung durch Nachsprechen; — Ablauschung des 



Feucht, Franyoia Goiiin. Seine Lehre und Methode etc. 249 

Sprachgeaetzes durch Vergleichung ; — Darbietung und Einübung 
des Schriftbildes für das, was gesprochen uud gehört worden. Vier 
Stufen also, die, wie man sieht, auch mit den oben genannten, be- 
kannten Methoden manches gemein haben. 

11. 

Sehr gelegen kam es, dass gerade die erste Gruppe bei Plötz 
halbwegs von der nahbaren und gegenständlichen Art ist, wie 
Gouin es verlangt. Die zweite schon handelt von Italien, von der 
Tiber, von Viktor Emanuel und dem Besuch unsres Kaisers dort. 
Sie würde von Gouin schon wegen der Entlegenheit des Stoffs vor- 
läufig verworfen. Nicht einmal die erste und erträgliche Gruppe 
entspricht ja der Forderung Gouins, der Anschauung eines 
Nacheinanders als der Grundlage des Denkvermögens, insofern 
es die Fähigkeit zu begründen und zu folgern ist; und ferner eines 
aolchen Nacheinanders, das gliedeiTeich genug wäre, um das Auge 
des Künstlers, des Sprachzeichners zu beschäftigen. Gerade dem 
gedankenlosen Allerlei solcher Übungsbücher gegenüber fühlt mau 
die innere Grösse von Gouins seriöser Serienarbeit, die neben der 
hingebenden Versenkung in die einzelnen Lebenserscheinungen immer 
obendrein dem grossen Zusammenhang nach Lebensgemeinschaften, 
einer durch Erfahrung und Wissenschaft bestimmten Verkettung 
nachgeht. Es thut not, hier noch ein wenig mit der Fackel Gouins 
über den „Grust^' bei Plötz hinzuleuchten und dann ein Licht auf 
den Tisch dort hinüber zu setzen, wo Gouin uns mit einer fest- 
lichen Bescherung überrascht. — Plötz lässt, wie erwähnt, eine 
zweite Gruppe im ersten Kapitel von Italien handeln. Nun kann 
man es zwar keinem verdenken, wenn er „nach Italien auch ein- 
malien^^ möchte. Plötz hätte aber ebensogut Sachsen oder die vier 
Jalireszeiten einsetzen können, die er hernachmals bringt. Will ihm 
Italien Kap. 1 und Sachsen Kap. 7 und die vier Jahreszeiten Kap. 4 
schlechterdings über den Weg laufen, so sagt Gouin mindestens: 
Ira ersten und zweiten Fall haben wir Erdkunde, im dritten Natur- 
lebre — und erteilt dem Lehrer zunächst das Wort zur Sache 
in der Muttersprache, ehe man wage, den fremdsprachlichen Aus- 
druck dafür einzuprägen. Der Lehrer müsste demnach mit den 
Schülem einen Blick werfen das eine Mal auf die Land- oder 
Wandkarte, das andere Mal zum Fenster hinaus. So verbohrt ist 
zwar Gouin nicht, dass er nicht wüsste, 12jährigen Schülern kann 
man eine Vorstellung der Jahreszeiten von Haus aus zumuten. 



250 Feucht, Frangois Gouin. Seine Lehre und Methode etc. 

Aber dass die Aufmerksamkeit der Schtller für die besondere Form, 
worin jetzt eben im Übungssttlck der Gegenstand geboten wird, 
durchs Verfahren des Lehrers gewonnen werde, darauf bestellt er. 
Die Mühe verlohnt sich bei den innerlich zerfetzten Übungen des 
Elementarbuchs nirgends; es fragt sich mehr, ob an einzelnen 
Sätzen für Gouin noch etwas herausschaut. L^homme adore le 
cr^ateur 2 B, 2 wäre ihm erträglich ; oder la rose est la reine des 
fleurs (ebendort). Aber ma soeur a plusieurs beaux rosiers — den 
Satz wird er mit Recht verwerfen; der entstammt einer (»eiste»- 
armut und wirkt eine solche. 

12. 
Dem entgegen und um die Fülle des Reichtums zu erschliessen^ 
erhebt Gouin zu jenen früheren Forderungen des inneren Anschan- 
ungsvermögens für die Sache und der Gehörserschliessung für die 
Sprache die dritte und für den Lehrplan und die Öffentlichkeit 
folgenschwerste: Vermählung des Realiennnterrichts mit 
dem Sprachunterricht; d. h. die Stoffwahl sei in den sprach- 
lichen Stunden eine solche, dass der vorgeschriebene Stoff der 
andern Lehrfächer, mindestens an Geschichte, Geographie, Natur* 
künde, zugleich erschöpft wird. Möglich ist es, jedenfalls auf der 
unteren und mittleren Stufe: Gouin hat dies wie die andern Stücke 
seiner Lehre erprobt. ,,Les langues par les sciences, les sciences 
par les langues!'^ Möglich, sinnig, grossartig, aber — nicht nötig. 
Das Lehrgebäude bricht nicht zusammen, auch wenn auf diese 
Stütze oder Krönung verzichtet wird. 

13. 
Von dieser Horizonterweiterung zurück zum Einblick ins Nähere, 
zu einer Probe der Ober- und der Mittelstufe. Hätte 
Gouin mit den alten Sprachen weder Bekanntschaft noch Versuche 
gemacht, seine wichtigsten Gedanken wären, wie dargethan, doch 
für jede Sprache und Lehrstufe beachtenswert. Vielleicht hält ja, 
wer es mit den griechischen und römischen Altertümern genan 
nimmt, bei der Eröffnungslehrprobe ,,J'ouvre la porte" eine Ände- 
rung an der Thüre für nötig. Und eine solche würde sich unter 
der Hand durchs ganze Serienwerk ziehen können, je nach der 
Art der Völker. Im wesentlichen haben wir gemeinsame Grund- 
lagen der Kultur, denkt Gouin mit Gelassenheit und mit Recht. 
Dass von der Sprachschule diese Grundlage durch die Beherrschung 
der Begriffe, die Anschauung der Formen des täglichen Leben« 



Feucht, Fran^ois Gouin. Seine Lehre und Methode etc. 251 

gewahrt werden miisde, ehe man sich in die Kurie oder Akademie 
oder auf den Parnass getraue^ davon lässt er nichts nach. Nun 
aber hat er^ der wie kaum ein Schulbaumeister den Plan' von untea 
bis oben ausfuhrt, im selben Jahr, wo er seine Gesamtlehre durch 
sein selbstgesetztes Hauptwerk, Art d'Enseigner, veröffentlichte, 
1880, auch mit einer Lehrprobe der obersten Stufe den ersten 
Schritt vor die französische Regierung gethan und dem damaligea 
Unterrichtsminister Jules Ferry eine Schrift vorgelegt, die er, an 
litterarischer Umständlichkeit wie an herzenswarmer Überzeugung 
dem Pestalozzi ähnlich, so überschrieb : Essai sur une Keforme des 
m6thodes d'Enseignements. Nouveau Procede pour studier lea 
Classiqoes und dazu noch die gegliederte Benennung des eigent- 
lichen Inhalts.- Er bearbeitet nämlich zu seinem Zweck kein ge- 
ringeres Stück als die Ars Poetica, kündigt auch gleichzeitig 
schon jene Bearbeitung von Homer, Herodot, Virgil, Livius an, die 
später zum Teil erschienen sind« So viele Seiten auch der ^e- 
nannten Epistel des Horaz durch die Schule, die Wissenschaft upd 
die Übersetzungskunst schon abgewonnen worden sind, hier tritt 
sie in ganz neuer Gestalt auf; eben wieder die Seriengestalt ist es« 
Eine Folge von 36 Themen auf ebensoviel Seiten, jedes Theme 
mit Inhaltsüberschrift und — man weiss, warum — durchschnitt- 
lich 24 Sätzen, die also keine Verse mehr zu sein scheinen, obwohl 
die Wörtfolge fast gewahrt ist. Es wird hiemit der Dichtung eine 
zweifache äussere Gewalt angethan: Erstlich werden, wenn jedes 
Th6me ungefähr seine Seite und Zeilen ausfüllen und im Mittel 
24 Sätze = Vorstellungskettenglieder enthalten soll, dem Dichter 
die Gedankenilügel bald beschnitten, bald verlängert. Dichterart 
ist es, hier nur anzudeuten und dort mit Behagen zu verweilen; 
der Methodengang stützt sich mit einer gewissen Überhebung 
aufs Gleichmass. Die Kunst arbeitet nach Proportion, die Methode 
nach Portionen. Es ist zwar hier keine Gefahr, dass etwa ein leben- 
diges Gebilde ins Haus geschlachtet und verwnrstet werde; denn 
der Gedankengehalt bleibt unter allen Umständen für Gouin das 
Ziel der Belehrung. Aber von den 36 gieichlangen Themen sollte 
ein Weg zurück zur Erkenntnis der inneren Notwendigkeit und 
notwendigen Ungleichheit einer prosaischen oder poetischen Kunst- 
schöpfung gewonnen werden. Zweitens: Indem Gouin allen Wert 
auf die Einteilung nach sachlichen Vorstellungsmomenten legt, 
kommt ein Gedicht ganz ausser poetischer Fayon und tritt in 
Prosaschnipfeln vor den Schüler, etwa so, wie man's.bei den philo- 



252 Feucht, FranQois Gouin. Seine Lehre nnd Methode etc. 

logischen Prüfungen diktiert. Fa^onniers, wer kann! Es giebt im 
^ Unterricht zwei Wege hiezu: die Anschauung an den gewöhn- 
lichen Schulausgaben und — was mit der Richtung Gouin mehr 
tibereinstimmt — die Anhörung des kunstgerechten Vortrag. 
Von diesen Wegen erfahren wir aber in der Broschüre und im 
Hauptwerk nichts. Wenn nun die genannten theoretischen Bedenken 
nicht unüberwindlich scheinen, so muss wohl ein drittes praktisches* 
anerkannt werden : Auf der Stufe der Reife, wo die Schüler stehen, 
wenn sie für die massigen Reize der Ars Po^tica empfäDglich sein 
fioUen, kann man ihnen das Buch, den Text von vornherein nicht 
mehr vorenthalten. Man muss dann zumal einer alten Sprache 
gegenüber anerkennen^ dass wir in einem lesenden Zeitalter leben, 
wo für den geschulten Menschen das geschriebene Wort ebensoviel 
bedeutet wie das gesprochene. Wenn freilich der Zeitgeist leider 
schon der unteren Schulstufe den Kopf über Gebühr ins Buch drückt, 
so versteht man's als Verdienst Gouins, dass er im leidenschaftlichen 
Ankämpfen dagegen sogar der Oberstufe den Sinn und Blick übers 
Buch hinaus offen halten will. 

14. 
Lektüre, unmittelbare Lektüre muss also mindestens der Ober- 
stufe bleiben. Alsbald mit der Klassenlektüre tritt dann die grössere 
Bedeutung der Präparation auf. Und beim gegenwärtigen Streit 
der Meinungen hierüber glaubt man Gouins Entscheidung — für 
ihn allerdings schon ein Kompromiss — dahin zu vernehmen: Vom 
Augenblick an, wo die Klassenlektüre statt der Anhörung in ihr 
Recht eintritt, sind die Grundsätze der Methode Gouin auf die 
Präparation anzuwenden. Soit k elaborer — der Stoff der Behand- 
lung sei einmal Livius, dritte Dekade, Eingang (zugleich 
der Anfang von Jordans Chrestomathie), ein Stück, das verschie- 
denen Stufen des Gymnasiums taugt. Paraphraser librement wäre 
das erste Geschäft, d. h. Nahebringung und Veranschaulich ung = 
erste Formalstufe. In einzelnen Zügen ist dieses Verfahren weder 
neu noch unangefochten, vgl. Eckstein bei Schmid, Encyklopädie, 
2. Aufl. 4. Bd. S. 372 ; wogegen Rein, Handbuch Bd. 7, S. 209/210 
mit dem Bezug auf die neuen preuss. Lehrpläne. Bei Gouin aber 
sind die Bücher geschlossen. Der Lehrer giebt die Hauptgedanken 
des ersten Kapitels völlig von sich aus: Livius kommt in seiner 
Arbeit an den zweiten punischen Krieg und legt diesem Teil seines 
Werks eine Wichtigkeit bei, wie sie sonst ganzen Geschichtswerken 
zukomme. Dabei begegnet ihm eine echt römische Begriffsver* 



Feucht, Framoia Gouin. Seine Lehre und Methode etc. 253 

wechslung, als ob Geschieh tsv/erke überhaupt, ebenso wie der be- 
vorstehende Teil seines Werkes lediglich Kriegsgeschichte wären. 
Beachtenswert ist, dass er zugleich den vorgemerkten Krieg mit 
dem Einen Namen des Hannibal bezeichnet, auf der römischen Seite 
also keinen gleich überragenden Helden zu finden scheint oder 
vielleicht auch auf römischer Seite keinen Personennamen nennt, 
um dem Volk die Ehre zu lassen. Die ungemeine Bedeutung 
dieses Kriegs erkennt er nun darin, dass die beiden mächtigsten 
Völker seit Menschengedenken, und zwar diese Völker wiederum 
auf dem Gipfel ihrer Macht, aneinandergeraten sind ; ferner standen 
nach den Ek'fahrungen des ersten punischen Kriegs die beiden 
Völker einander wie zwei solche Fechter gegenüber, von denen einer 
des andern Fechtart kennt, womit der Verfasser eigentlich nicht 
so sehr die Merkwürdigkeit des Krieges beweist, die doch bei 
einem Pyrrhus oder Alexander im Kampf ungewohnter Feinde und 
Kriegsmittel grösser erscheint, als vielmehr den folgenden Grund 
erhärtet, nämlich, dass das Kriegsglück so lange unentschieden 
war. Zuletzt kommt der stärkste Grund: der grimmige Volks- 
hass, von dem der Römer wie der Punier, jeder mit eigen- 
tümlichem Recht, glüht. Zum Beleg bringt Livius alsogleich 

die bekannte Geschichte vom Schwur des jungen Hannibal 

Und so weiter bis zu dem Masse von Text, das schätzungs- 
weise in der nächsten Stunde verlangt werden kann. Ein Schüler 
oder mehrere wiederholen den obigen Gedankengang. In einer 
starken Viertelstunde, die allemal den Schluss der gegenwärtigen 
und die Vorbereitung der nächsten Lektion bildet, lässt sich sowohl 
diese Paraphrasierung, die aber einen besseren Namen verdient, 
als auch die zweite Formalstufe gewinnen: Der Lehrer käme auf 
den Anfang des Abschnittes zurück und folgte nun dem Wortlaut 
und -Bestand. Wenn nun aber Gouin beim ungeübten Schüler die 
volle Verarbeitung und Erschöpfung eines Stücks durch Ohr und 
Mund verlangt, ehe zum Buch gegriffen wird, so kann sich's bei 
der Vorarbeit mit reiferen Schülern nur um Heraushebung und Er- 
läuterung schwieriger oder lehrreicher Wendungen handeln, die 
durch die vorgängige und wiederholte Ent Wickelung des Sinnes 
nicht allzu massenhaft werden und als Vokabular schwarz auf weis» 
jetzt und später gute Dienste thun. Dergleichen wären in unserm 
Fall praefari — summa totius operis — contulerunt arma — con- 
serebant belli artes u. s. f. Es werden dies häufig genug zugleich, 
die Stichwörter für die Fortführung des Sinnes sein. 



•254 Oslander, Ferienkurs in Grenoble (August 1900). 

15. 
Diese Stiebwörter sind schon gestreift worden. Goain 
fiuclit sie im Verb. Das ist wohl von seinen beharrlichen Irrtümern 
tler behan*lichste. Das Hauptwort hat doch seinen Namen nicht um- 
sonst. Gouin lehrt ja wohl mit Kecht| das Verb ist das bewegliche 
Element des Satzes. Herder schon war so ein Gönner des Verbs, 
Herder im Sonnenaufgang unsrer klassischen Litterator; nnd 
wiederum ist die Verfilzung des Verbs zu Substantiven das Zeichen 
einer alternden Sprache. Aber im Satz sind die beweglichsten 
Teile so wenig die wichtigsten wie an der Maschine oder im Staat 
oder sonstwo. Das Kind^ von dessen ersten Eindrücken und Worten 
Gouin überall die Sprachgesetze abliest^ mft nicht: ,,flattert — 
fliegt — springt — klingt — scheint — brennf^ sondern „Fahne 
_ Vogel — Bock — Musik — Licht — Feuer". Jacotot behält 
hier Recht gegen Gouin und seinen Robertson. (Schluss folgt.) 



Ferienkurs in Grenoble (August 1900)- 

Von VV. Oslander. 

(Fortsetzung.) 

In Vertretung Arrens las der aus Lyon berufene und von 
M. Chabert (Professor des Latein an der Universität) eingeführte, 
gleichfalls sehr jugendliche M. Mercier über den Dichter Alfred 
de Vigny. Was er von ihm gab, war jedoch weniger ein Utterarisches 
Porträt als ein hauptsächlich auf Grund von de Vignys hinteriassenem 
Tagbuch entworfenes und mit liebevoller Gründlichkeit ausgearbeitetes 
Seelengemälde. — A. de Vigny durfte sich als Mensch und Dichter, 
mehr als Lamartine und Victor Hugo, der Gunst der Kritik erfreuen. 
Als Mann der Wahrheit, starker Geist, Aristokrat in Denken und 
Fühlen allezeit anerkannt, war er dennoch der grosse Unglückliche, 
un malheu rmx exceptionneL Von lebhaftem Thatendrang beseelt 
war er durch die Umstände gezwungen, auf die Bethätigung dieses 
Drangs zu verzichten — die reale Ursache »eines Unglücks. Seinem 
Unglück kommt aber sein Stolz gleich, er sieht in seinem peraön- 
liehen Unglück nur die Anwendung der allgemeinen Regel: Uinforfun^ 
eM Ja ranroH ff es ffenieft, foitte sti/>en'ortfe eat hh exif (cf. MoYse, 
Ode an das Unglück). Die Schuld trägt nicht allein die mensch- 



Oftiander, Ferienknra in Grenoble (August 1900). 255 

liehe Gesellschaft^ sondern Gott. Wenn andere Enttäuschte in der 
Liebe, in der Natur oder in der Religion ihren Trost fanden, so 
blieb ihm dieser Trost versagt. Unter scheinbarer Kälte für Liebe 
empfänglich hatte er sich eine fast mystische Vorstellung vom Weibe 
gebildet, auch eine Zeitlang das Glück der Liebe genossen, bis er 
sich plötzlich betrogen fand. Seine Schwärmerei schlug nun in 
pessimistische Verachtung des Weibes um (Colere de Samson) und 
reifte in ihm die Erkenntnis, dass ,,die Auserwählten des Herzeus 
wie des Geistes zum Unglück bestimmt sind^^ Auch die Natur, in 
die sich Rousseau, Chateaubriand, Lamartine flüchteten, konnte die 
Leere seiner Seele nicht ausfüllen; ja er verabscheute die Natur, 
die „keine Mutter, sondern eine Stiefmutter'* mitleidlos die tausend 
Schmerzen der Menschheit anschaut, für die Besten wie für die 
Schlimmsten nur Elend und Grab bereit hält. Geburt und Erziehung 
hatten ihm die Religion sympathisch gemacht; auch in dieser Be- 
ziehung trat eine Wendung ein. Die poetische Seite der Religion, 
von Chateaubriand begeistert verkündigt, genügte ihm nicht, er 
verlangte Vemunftgründe. Zwar zweifelt er keinen Augenblick 
an Gottes Dasein, wohl aber an seiner Güte und Gerechtigkeit. 
Als Kern der Religion, auch des Christentums findet er den Pessimis- 
mus (Mmtt des OUviera), Auf jeder Seite seines Tagbuchs be- 
schäftigt ihn dieser Gedanke: er klagt Gott als Urheber des Übels 
an, das Unschuldige mit den Schuldigen trifft (Eloa, Jephfe). Auch 
durch Christus ist keine wirkliche Besserung eingetreten, die Er- 
lösung blieb unvollendet (Geschichte der eisernen Maske in La Prison). 
Wie hat sich der Mensch unter solchen Voraussetzungen gegen Gott 
zu verhalten? Die Majorität der mittelmässigen Geister zieht daraus 
den epikureischen Schluss, sich um Unbegreifliches nicht zu kümmern 
und das Leben möglichst angenehm zu gestalten, andere suchen sich 
mit Pascal nur um so verzweifelter an Gott anzuklammern. A. de 
Vigny geht einen andern Weg: mit gotteslästerlicher ja satanischer 
Kühnheit^) wendet er sich wider Gott: Gott, der kein moralisches 
Prinzip kennt, muss sich einst wegen seiner inertie vor dem sittlich 
höherstehenden Menschen rechtfertigen. Da diese revolutionäre 
Stimmung sich nicht in Thaten äussern kann, so tritt bald eine 
andre Haltung ein: der Mensch hat sich nach Jesu Vorgang stille 
zu verhalten. Allein die Stille A. de Vignys ist nicht Ausdruck 



*) Mercier unterscbcidet zwei Formen des Satanisme: Don Juanisme 
und Titanisme. 



256 Oslander, Forienkiirs in Grenoble (August 1900). 

der Ergebenlieit; sondern stolzer Verachtung, die Gott für seine Un- 
gerechtigkeit sogar ironischen Dank abstattet (La mort du loup) 
und auf die „grösste Thorheit; die Hoffnung/^ yerzichtet. Dies 
negative Verhalten verlangt eine positive Ergänzung, ein praktisches 
Prinzip, ähnlicli denen, die Descartes und J. Kant aufstellten. Das 
Prinzip de Vignys ist die Ehre, die als pud^ur virile definiert die 
Basis seiner Moralphilosophie bildet. Trotz aller Zweifel findet 
sich in der Seele des Menschen ein unwiderstehliches GefUhl, dss 
in Zeiten der Not ihn zu edlen Thaten treibt. Von Gott kann 
dies Gefühl nicht stammen, vielmehr hat der von Gott verlassene 
Mensch aus Achtung vor sich selbst sich diesen edlen Gedanken 
der Pflicht selbst geschaffen. Die Ehre kennt anch keinen andern 
Lohn, als sich selbst: nicht äussere Ehre, denn ehrenhafte Hand- 
lungen, die im Verborgenen geschehen, stehen am höchsten. So 
schafl't A. de Viguy eine Religion, die keiner Ceremonien bedarf, 
und sucht selbst die christliche Religion, die er keineswegs stflrzen 
will, in diesem Sinne auszulegen. Dieser Ehrbegriff ist gänzlich 
verschieden vom militärischen, der nur passiven Gehorsam, ja den 
kläglichsten Knechtesdienst bezeichne. Neben dem Altar der Ehre 
emchtet A. de Vigny jedoch einen zweiten einer sanfteren Tugend, 
dem Mitleid. Von Natur mild und gütig, an allen Schmerzen der 
Menschen innig teilnehmend, kennt er keine Ehre ohne Güte. Wie 
übrigens A. de Vigny aus einem Verächter des reinen Denkens 
(er nannte es einst tresser la paüle) zum tiefen Denker geworden 
ist, so hat auch er den inneren Frieden gefunden, wie sein der Nach- 
welt gewidmetes Werk (Les Destinees) bezeugt. Der Glaube an die 
Ideale hat auch ihn gerettet. Mit dem Worte Bacos: Vn peu de 
Philosophie nous eloigne de Dieu, beaucoup de philosophie nous rmnhte 
n lui schloss der Redner, dessen sanfte Bescheidenheit rasch die 
Hörer gewonnen hatte, seine inhaltreiche Auseinandersetzung. 

Den vollendeten Gegensatz zu Mercier bildete der noch in den 
besten Jahren stehende Censeur des Lyc6e M. Brun, der in seiner 
Erscheinung wie in seinem Auftreten den Sttdfranzosen repräsentiert. 
Mit ebenso starkem Selbstbewusstsein wie Nationalstolz schilderte 
er uns die Dichter, für die er eine besondere Vorliebe zu h^en 
gestand, les esprits vraiment frmu;aia, Cyrano Bergerac, Müsset, 
B^ranger, wie Voltaire Pariser von Geburt. Seine Begeisterung, 
die ihn nach unsrem Dafürhalten zu mancher Überschwenglichkeit 
fortriss, entsprach vollkommen dem Kultus, den die Franzosen ihren 
nationalen Dichtern angedeihen lassen. 



Osiander, Ferienkurs in Grenoble (Au^^nst 1{)U0). 257 

Seine im Programm angekündigten Vortrag« über Savinien 
de Cyrano Bergerac begann Bnin mit einer eingehenden 
Analyse von Edmond Rostands gleichnamiger heroisclier Komödie; 
die seit ihrem Erscheinen 1897 sich nicht nur die Herzen aller 
guten Franzosen, sondern auch alle Bühnen der Welt im Sturm 
erobert hat und von der Kritik mit seltener Einstimmigkeit als 
Meisterwerk anerkannt worden ist. Ist das Stück an sich sehr schön, 
80 verdankt es seinen Erfolg insbesondere der Verherrlichung der 
in Frankreich am höchsten geschätzten Eigenschaften, vor allem 
der Freiheitsliebe, die in der Devise avoir ioujours le meme panache 
ihren Ausdruck findet. Cyrano Bergerac wird von Rostand als 
Gascogner, also Sudfranzose, eingeführt, „allein in diesem Punkt sind 
wir alle M^ridionaux.^* Gleichwohl bestehen wesentliche Unterschiede 
zwischen dem poetischen und historischen Cyrano. Mit letzterem 
hatte sich Brun seit 1886 beschäftigt und die Ergebnisse seiner 
Studien zufällig auch im Jahre 1897 veröffentlicht; Rostand selbst, 
der nach Lacroix gearbeitet hatte, erklärte sich mit Bruns Resultaten 
einverstanden. Demnach stammt Cyrano nicht aus Bergerac en 
Perigord — die dortige Seigneurie wurde schon 1339 an die Valois 
verkauft, also königlich — ^^sondern ist ganz einfach Pariser'', 
geb. 10. März 1619, Sein Vater war ecuyer und besass als hohereau 
ein kleines Gut im heutigen Departement Seine et Oise. Die Geburt 
des Lohnes erfolgte während eines Aufenthaltes der Mutter in Paris. 
In einem Pariser College erzogen, trat er alsbald in Kriegsdienste, 
wurde zweimal, zuletzt 1640 vor Arras verwundet, worauf er seinen 
Abschied nahm. Sein Gesichtsausdruck war, nach Porträts der 
Bibl. Nationale zu schliessen, sehr intelligent und dabei harmonisch ; 
die berühmte Nase zwar energisch, aber nicht unförmlich. ^) Nach 
seinem Abschied studierte er in Paris, (sein Hauptlehrer war der 
berühmte Gassendi, professeiir et reyent de phüosophie, der seinen 
Freunden, darunter Moliere, zuweilen privatim philosophische Vor- 
lesungen hielt), machte vielleicht auch einige Reisen und begann als 
Domestique eines Herzogs seine schriftstellerische Laufbahn. Er 
gehörte in dieser Zeit einem eigenartigen hochinteressanten Milieu 
an: im Gegensatz zu den bekannten Bestrebungen der Pr6cieuses 

*) Auch Roxane hat nie existiert, Comte de Giiiche nie die Gas- 
cogner Cadetten kommandiert; die Balhide des ersten Akts wie die 
grosse Tirade (noriy merci!) des zweiten widersprechen dem Stil des 
17. Jahrb. — chicancs de pedant, über die sich M. Rostand mit Hecht 
hinwegsetzte. 

Neuei Korreipondenzblatt 1902, Heft 7. 



258 Osiander, Ferienkurs ia Grcnoble (August 1900). 

huldigte man hier dem Reali&me Gaidois und dem Libertinismns ^ ) 
und pflegte in Kneipen das burleske und groteske Genre. Cyrano 
schuf in dieser Periode zahlreiche Werke. Dem Zeitgeschmack 
huldigte er noch in der Herausgabe seiner Lettres: diese tragen 
grossenteils die Charakterzüge der preciosUe nach dem Muster 
der Zeitromane (bes. Astr^e von Honore dTrf6), Empfindsamkeit 
ohne wahre Leidenschaft, Zartheit, Thränenseligkeit, wogegen einige 
der Briefe, die gegen die im Schwange gehende sorcdUrie gerichtet 
sind, bereits den Rationalisten und Pantheisten erkennen lassen^ 
„dessen einzige Königin die Vernunft, dessen einzige Gottheit die 
Natur ist^^ In andern persifliert er den (auch bei Rostand auf- 
tretenden) Montfleuryals minderwertigen acteur und mUeur, des- 
gleichen Scarrons Virgüe Travesfi, der übrigens trotz CTranos 
Spott noch heute mit Recht geschätzt wird. Weiter schuf er zwei 
Dramen : eine Komödie le Pedant Joue, in der er die alten Figuren 
der italienischen Komödie um eine neue bereicherte — Moliöre ent- 
lehnte daraus wörtlich eine berühmte Scene — , und eine Tragödie^ 
La Moti d'Ägrippine (der Älteren), in welcher u. a. Sejan als Muster 
eines libertin eingeführt wird. Cyrano wurde dadurch zum Schöpfer 
der philosophischen Tragödie, in welchem Genre ihm Voltaire nach- 
folgte, obwohl dieser Cyrano für einen Narren hielt. Endlich ver- 
fasste Cyrano zwei phantastische, mit wesentlichen Elementen der 
Satire ausgestattete Roman6 über UAuire Monde, von denen der 
eine eine ,,Reise in den Mond^' (cf. Rostand acte III), der andere die 
^Republik der Sonne^^ beschreibt. Cyrano starb 1555 eines natür- 
lichen Todes ; die Geschichte von seiner Ermordung ist ein Fttndleia 
der Jesuiten, die noch dem toten libertin ihren Hass entgelten liesseu. 
In Vertretung Arrens sprach M. Brun über die Dichter Alfred 
de Musset und B^ranger. Die Musset stammen aus Bar-le-Duc; 
mit besonderem Stolz rühmte sich der Dichter seiner Verwandt- 
schaft mit Jeanne d'Arc. Unter seinen Ahnen findet sich ein 



^) Gegenüber anderweitigen Behauptungen stellt Brun fest, dass 
der Libertinismus (libe^-tinage) vom 16. Jahrb., in welchem er durch 
Kabelais und Montaigne ins Leben gerufen wurde, durch Scarron auch 
ins 17. Jahrh. hinUbergeleitet worden ist. Unter Louis XIV. zurück- 
gedrängt nahm er unter der Regentschaft des Herzogs von Orleau:) 
einen neuen Aufschwung. Libertinisten sind im Grunde auch Dcscarte;* 
und Pascal, wie alle, die nach dem Prinzip des Rationalismus die Wahr- 
heit suchten. Ausser dem philosophischen gab es einen politischen 
Libertinismus, dem u. a. Yauban huldigte. 



Oslander, Ferienkurs in Grenoble (August 1900). 259 

Troubadour, auch mehrere höhere Militärs; sein Vater wie sein 
iUterer Bruder Paul waren Schriftsteller. Geb. 1810 zeigte Alfred 
als Knabe normale Anlagen, einige mots heureux stempeln ihn 
noch nicht zum Wunderkind. Mit Paul trat er, nachdem sie zu- 
sammen einen armen precepteur genugsam gemartert hatten, ins 
Coline Henri IV., das er mit Auszeichnung absolvierte. Schwieriger 
-wurde die Wahl eines Lebensberufs. Er versuchte es mit der 
Advokatur, Malerei — er hatte später ein ausgezeichnetes Talent 
2um Karikaturenzeichnen — , endlich mit der Übersetzung eng- 
lischer Romane. In diesem Stadium führte ihn ein früherer Mit- 
Bchtller in das Cenacle der jungen Romantiker ein. Bald gewann 
er auch eine dauernde Anstellung in einem Geschäftsbureau, ver- 
öffentlichte nunmehr Contes d^Espagne et (VItalie, die grossen Erfolg 
hatten, schrieb Theaterkritiken und wurde Mitarbeiter an der Revue 
des Deux Mondes, Sein flottes Einkommen gestattete -ihm, als enfant 
yäte seinen Neigungen zu leben, die sich namentlich in kindlicher 
Freude an Geschmeiden, Spitzen etc. äusserten. Es folgt seine 
Verbindung mit George Sand, verehelichter Dudevant (Enkelin des 
Marschalls Moritz von Sachsen). Obwohl beide durch die Natur 
ftir einander geschaffen schienen, machten sie sich gegenseitig un- 
glücklich — ist doch Vamour cereltral die gefährlichste Form der 
Liebe. Mussets Leben war seitdem gebrochen, il se tue en tentant 
dt faire Vanalyse de ses maitx. Durch P. Merim^e in die Aka- 
demie eingeführt stirbt er 1857 in den Armen seines Bruders. 
A. de Musset ist sowohl das Kind als der Poet des 19. Jahrh. (wie 
Voltaire der des 18. Jahrh.). Während Lamartine seine Ideale in 
der Vergangenheit sucht, hängt er mit ganzer Seele an seinem Jahr- 
hundert, an seinen Schönheiten wie an seinen Krankheiten. Als 
Dichter ist er ein Wesen für sicli. Seine Stärke liegt nicht auf der 
Seite des Verstandes, sondern der Empfindung : er ist j^oke de coeur, 
de passion, alle fehlenden Eigenschaften ersetzt er durch einen souffle 
superieur, besonders durch ein Gefühl des Mitleids für alle Wesen, 
einen tief melancholischen Zug. In dieser Hinsicht ist er der gr ö s s te 
Dichter des Jahrhunderts. Als Mensch gütig und bescheiden, voll 
Hingabe und Vertrauen, ein trefflicher Beobachter, beredter Freigeist, 
geistvoller Cyniker, ein französischer Don Juan nach Mozarts 
Interpretation, dabei aber krankhaft empfindlich, in bizarrem Wechsel 
bald Skeptiker bald Mystiker, ein fantaisiste plein d^esprit rrai, pur, 
däicaf mit eigenartigen undefinierbaren Zügen, für das Weib wie 
für die Natur mit gleicher Leidenschaft schwärmend^ doch auch 



260 Oslander, Ferienkurs in Grenoble (August 1900). 

nicht ganz frei von manierierten Tiraden. Vom rein technUchen 
Standpunkt kläglich (pitoyahle) ^) sind seine Verse doch wundenrolU 
wie sie keine andere Litteratur besitzt. Obwohl Itfusset später 
tlber die Romantiker spottete und sich dem Klassizismus näherte, 
ist er doch weder Klassiker noch Romantiker, sondeni Eklektiker. 
Ebensowenig wie in der Kunst ist er in religiöser Hinsicht ein 
Mann aus einem Guss. Spottet er gelegentlich der Religion als 
eines maymtisme, so verherrlicht er sie wieder als cri (re^jjoir^ 
also dass sein Skeptizismus in einer Fanfare des Glaubens endigt. 
B^ranger (1780—1857) ist eine lebendige Verkörperung de» 
Worts: Totite recolution en France finit jmr chansons (Beaumarchais), 
Infolge trauriger Familienverhältnisse — sein Vater Hess wiederholt 
Frau und Kinder im Stich — wuchs er fast wild auf. Früh ent- 
hüllte sich sein esjyrit d^examen, auch brachte ihm ein Student die 
nötigsten Kenntnisse bei. An der Revolution nahm er lebhaften 
Anteil, sah den Sturm auf die Bastille, suchte selbst einen Knaben- 
klub zu gründen. Vor der Gefahr, als refractaire verurteilt zu 
werden, rettete ihn eine Anstellung an der Universität: alsExpeditor 
suchte er zugleich eifrigst die Lücken seiner Bildung auszufallen 
und begann Oden und Dithyramben zu dichten. Seinen Dichter- 
ruhm begründete jedoch erst die Veröffentlichung des Roi dTvetot 
1818, zugleich enthüllte sie sein wahres Genie und seineu künftigen 
Beruf. Wie seine Chansons ein neues Genre der Litteratur ge- 
schaffen haben, so wurde der Schöpfer dieses Genres auch der 
Chansonnier national (Mes chanaons sont moi). Kein Mann der 
Initiative, sondern ein Echo seiner Zeit, ein offener Charakter und 
liebenswürdiger Epikuräer hinterliess B^ranger den Ruhm eines 
braven Mannes, der jedermanns Freund war und auch in seineu 
kleinen Bosheiten nie beleidigend wurde. Seine Chansons knüpfen 
au die Traditionen der Trouveres, Scarrons Mazarinades, Pascals 
Lettr^s provinciales u. a. an; grossentells sind sie leichte Ware 
(yaudrioles)^ manche streifen das Gebiet der Religion. Der katho- 
lischen Kirche gegenüber, die soeben durch das Konkordat wieder 
zur Anerkennung gekommen war, spielte er nicht den Umstfirzlery 
wohl aber spielte er ihr manchen Schülerpossen. „Der Gott der 

*) Müsset konnte sich nach eigenem Geständnis nicht eutsch Hessen, 
uut des blossen Reimes willen in drei Versen zu sagen, was er in zwei 
sagen konnte. So finden sich bei ihm zahlreiche hiatus^ tnjambtmenUty 
(tislocations des vers alexandrins, neologismes. Auch seine Proverbes sind 
biuettes wjoudhles, wie denn Musset kein dramatischer Dichter war. 



Oslander, Ferienkurs in Grenoble (August 1900). 261 

braven Leute" erscheint ihm selbst als „braver Mann". Schwächer, 
weil nur eine Konzession an die laufende Mode, sind seine Chansatia 
ckevaleresques. Der Streit der Romantiker kümmerte ihn nicht; 
"War er doch Naturalist sans Ure naturaliste, „die Lerche, die 
sich singend zum Himmel emporschwingt". In politischen Dingen 
von Haus aus ehrlicher Republikaner sah auch er geblendet von 
Napoleons Kriegsruhm in ihm das Heil der Republik und in der 
^republikanischen Autokratie" eine Notwendigkeit. Er hoffte sogar, 
dass Napoleon die Gegensätze des empire und liheralisme versöhnen 
und Frankreich eine sozialistische Verfassung geben werde ^). Eni 
treuer Fürsprecher der Kleinen und Armen kämpft er stets gegen 
Polizei- und Bureaukratenwillkür. Unter der Restauration des 
„Tyrtäus der Opposition" ruft er die Völker Europas zu einer 
^,heiligen Allianz", in der jede Nation ihre Fahnen hochzustellen, 
niemals gegen eine fremde zu kehren hat. 

Zum Thema seines letzten Vortrags hatte M. Brun Racines 
Britannicus gewählt. Der Dichter suchte in dieser Tragödie ein 
neues dramatisches System einzuführen; er will zunächst ein Fragment 
der Geschichte der Civilisation mit allen Farben der betreffenden 
Zeit darstellen. Dies Bestreben bezeichnet einen grossen Fortschritt,, 
wenn auch der Dichter, durch den Geschmack des Hofes von Ver- 
sailles gezwungen, nur gedämpfte Farben verwenden kann. Dies gilt 
besonders auch von den auftretenden Personen. Während Corneille 
grossartige tragische Typen schuf, reduziert und korrigiert Racine 
seine Gestalten nach dem konventionellen Massstab der Gegenwart. 
Weiter aber suchte R. den Moment der evoluiion d*un caracth-e fest- 
zuhalten, hier also Nero als monstre naissant zu zeichnen. Er er- 
klärt selbst in seiner Vorrede, dass keines seiner Stücke so viel 
Beifall, keines aber auch so viel Kritik erfahren habe. Die Vor- 
lesung einzelner Scenen gab Gelegenheit, die Hauptcharaktere des 
Stücks kennen zu lernen, Agrippina als Typus der herrschsüchtigen 
amhitiony Nero als den vollendeten Heuchler (J^emh-asse man rival, 
mais c^esf jmur Vefauffer), Die Freigelassenen Pallas und Narziss 
repräsentieren die Intelligenz gegenüber der brutalen Gewalt; Burr- 
hus ist idealisiert, Junies Charakter reines Phantasieprodukt. 

(SclllU88 folgt.) 

*) Es liegt in der Natur dieser Gegensätze, dass Bi^rangers politi.sehe 
Stellung vielen unklar und schwankend erschien und Anlass zu manchem 
Angriff bot. 



262 Bai seh, Diopbantische Aufj^abe. 

Die Grleiohung y ~^ ¥"= T ^^^ diophantisohe Aufgabe. 

Von Prof. Baisch in Heilbronn. 

Bezeichnet man bei einem Hohlspiegel oder einer erhabenen 
Glaslinse die Brennweite mit f, die Entfernungen des Gegenstande» 
und Bildes von Spiegel oder Linse mit a und b; so besteht bekannt- 
lich zwischen diesen drei Grössen die durch die obige Gleichung 
ausgedrückte Beziehung. 

Ist f eine ganze Zahl und wünschen wir zu ihr auch für a und b 
ganze Zahlen, so lässt sich dies auf folgende Art leicht erreichen. 

ü • i 1 1 m+n 

Es ist 1 = — -^— . 

mx nx m nx 

Setzen wir x = (m 4- n) p, so geht diese Gleichung über in 



in (in + D) p u (m + u) p uiup 

Für a = m(m4-n)p b = n(m + n)p wird daher f=m np. 

Die Werte m^ n/ p sind keiner anderen Bedingung unterworfen^ 
als dass sie der Gleichung f =mnp genügen, sie können ganze oder 
gebrochene Zahlen sein. Ist aber f eine ganze Zahl, so lassen 
sich unter Zuhilfenahme des Faktors 1 immer auch für m, n, p ganze 
Zahlen finden, und so werden dann auch a und b ganze Zahlen. 
Daher 

Regel: Man zerlege f in drei beliebige Faktoren ro, n, p,. 
welche ganze Zahlen sind, dann hat man 

f=mnp, a = m(m + n)p, b = n(m-hn)p. (1) 

Es lässt sich in diesen Gleichungen m mit n vertauschen, wo- 
durch auch die Werte von a und b gegenseitig vertauscht werden^ 
was einem bekannten optischen Lehrsatz entspricht. 

Es ist in Gleichung (1) 

a = m (m 4- n) p = f 4- m'p > f. 

Ist a<f, so wird b negativ. Wir setzen dann 

1 In — m 

mx nx in nx 
Durch X = (n — m) p geht diese Gleichung über in 

1 11 

m (n — lu) \) u (n — m) j) m np 
Daher 

f = mnp a = m (n — m) p b = — n (n — m) p. (2> 
Damit a posititv werde, muss n > ra sein. 



I 



BaiBch, Diophantische Aufgabe. 



263 



Die Lösung für den Zwischenfall a = f ergiebt sich aus den 
Gleichungen (1) und (2) auf folgende Weise: 

In der Gleichung f = mnp setzen wir m = o, dadurch wird, 
wenn wir p einen endlichen Wert beilegen, n = oo und unsere 
Gleichungen (1) und (2) gehen fttr a und über in 

a = f±.m*p = f b = f + n*p = oo. 

Beispiel: f = 10. 



m 



m-f n 



a 



|n- 



m 



a 



1 
1 
2 
1 
1 



1 
2 
5 
5 
10 



10 
o 
1 
2 
1 



2 


20 


20 








3 


15 


30 


1 


5 


7 


14 


35 


3 


6 


6 


12 


60 


4 


8 


11 


11 


110 


9 


9 





— 10 

— 15 

— 40 

— 90 



Es genügt bei dieser Zerlegung, dass m und n Primzahlen unter 
sich seien. Denn multiplizieren wir m und n je mit u, so wird 
p u^mal kleiner und a und b bleiben unverändert. 

Das Verhältnis m : n drückt uns auch das Verhältnis zwischen 
der Grösse des Gegenstandes und der des Bildes aus, denn dies 
ist bekanntlich = a : b, folglich auch = m : n. 

Wenn wir die Gleichungen (1) und (2) für a und b in die 
Doppelgleicliungen zusammenziehen, 

a = fHim'p b = f+n*p 

80 lässt sich aus ihnen folgendes interessante optische Gesetz 
ablesen: Befindet sich ein Gegenstand innerhalb der Brennweite 
(a = f — m*p) und verschieben wir ihn über den Brennpunkt hinüber, 
bis er wieder die vorige Entfernung vom Brennpunkt hat, so tritt 
auch das Bild auf der anderen Seite des Brennpunkts auf mit der- 
selben Entfeniung von ihm und derselben Grösse wie zuvor. 

Im ersten Fall ist .das Bild bekanntlich ein Scheinbild, im 
andern ein wirkliches Bild, und so giebt uns unser Satz ein Mittel, 
bei passend gewählten Verhältnissen die Grösse eines Scheinbilds 
zu messen. Wir verwandeln es mit Anwendung unseres Satzes in 
ein wirkliches Bild, fangen dies auf einem Schirm auf und messen 
auf ihm die Grösse des Bildes. 



Bei einem erhabenen Spiegel und bei einer Hohllinse ist f und 
damit auch b negativ. Man hat dann 



264 



Amtliche Bekanntmachungen. 



m — n 



mx nx mnx 

welche Gleichung bei x = (m — n) p übergeht iu 

1 1 1 



m(m — n)p n (m — n)p mnp 

Daher 

f = — m np a = m (m — n) p b = — n (m — n) p. (8) 

Damit a positiv werde muss ni>n sein. 



Auch wenn f keine ganze Zahl ist, lassen sich durch unser 
Verfahren zuweilen für a und b ganze Zahlen finden, jedenfalls 
aber können wir erreichen, dass bei den Werten von a und b kein 
grösserer Nenner auftritt, als der durch f gegebene. Wir nehmen 
in einem solchen Fall wenigstens m und n als ganze Zahlen. Ist 
dann der durch f gegebene Nenner in m + n oder m — n enthalten, 
so werden auch a und b ganze Zahlen. 

Beispiel: f = 5-ö-- 



m n 



1 
1 



n 


P 


m-f n 


a 


b 


2 


V» 


3 


8 


16 


8 


•/» 


9 


6 


48 



|.„ 


n 1) 


n — m 


a 


b 


1 


4 */s 


3 


4 


— 16 


1 


16 V« 


15 


5 


— 8(> 



Unsere Gleichungen lassen sich auch in folgender Form dar- 
stellen : 
Hohlspiegel und erhabene Linse: f=mnp m < u 

a = f±in*p b = f±n^p 

Erhabener Spiegel und Hohllinse: f= — mnp m>n 

a=f4-m*p b-^f+n«p. 



Amtliohe Bekanntmachungen. 

Unter Bezugnahme auf frühere Bekanntmachungen — vom 
3. Juli 1894 (N. Korr.-Bl. 1894 S. 331), vom 23. Juli 1899 (N. Korr.-Bl. 
1899 S. 307) und vom 22. August 1900 (N. Korr.-Bl. 1900 S. 348 f.) 
wird hiemit der XI. Jahrgang den Jahrbuchs fUr Jugend- and Volks- 
spiele 1902 von E. von Schenkendorff und Dr. med. J. A. Schmidt 



Mitteilung. 265 

den Vorständen der höheren Lehranstalten zur Anschaffung em- 
pfohlen. 

Stuttgart, den 16. Juni 1902. 

K. Kultministerial-Abteilung 

für Gelehrten- und Realschulen. 

Rapp. 
« 

Das im Verlag von F. Enke in Stuttgart erschienene Buch: Das 
kranke Schulkind von Dr. A. Baur. Preis geh. 6 Mk., ist geeignet, 
dem Lehrer nützliche Winke zur Beurteilung des Gesundheitszu- 
standes der Schtller zu geben. Die Vorstände der höheren Lehr- 
anstalten werden daher auf das Werk aufmerksam gemacht. 

Stuttgart, den 20. Juni 1902. 

Rapp. 
* 

Die Schulvorstände und Lehrerkollegien werden hiemit auf das 
im Verlage der Union, Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart 
erscheinende Werk: „Bildersaal deutscher* Geschichte. Zwei Jahr- 
tausende deutschen Lebens in Bildern, nach Originalen hervor- 
ragender Ktlnstler.^^ Vollständig in 50 Lieferungen zu je 30 Pf., 
als auf ein vorztlglich geeignetes, zugleich durch niedrigen Preis 
ausgezeichnetes Mittel der Veranschaulichung für den Geschichts- 
unterricht aufmerksam gemacht. 

Stuttgart, den 3. Juli 1902. 

K. Kultministerial-Abteilung 
für Gelehrten- und Realschulen. 

Rapp. 



Mitteilung. 

Die Kabinettsordre Sr. Majestät des Kaisers vom 6. Februar 
d. J., durch welche die Gleichwertigkeit der Zeugnisse der 
Oymnasien, Realgymnasien und Oberrealschulen als 
Nachweis des erforderlichen wissenschaftlichen Bildungsgrades für 
den Offiziersberuf ausgesprochen ist, wurde durch die am 25. März 
-d. J. zur Ausgabe gelangte Nr. 9 des Königl. Württerabergischen 
Militär-Verordnungsblattes in folgender Weise bekanntgegeben: 



266 Litterarischer Bericht. 

Stuttgart, den 25. März 1902. 
Vorstehende Allerhöchste Ordre Sr. Majestät des 
Kaisers wird hiemit zur Kenntnis des Königlichen Armeecorps 
gebracht mit dem Anfügen, dass sämtliche wUrttembergischen zehn- 
klassigen Realanstalten (derzeit die Friedrich-Engens- nnd die 
Wilhelms-Realschnle in Stuttgart, sowie die Realanstalten in Cann- 
statt, Esslingen, Hall, Heilbronn, Reutlingen und Ulm) den prens- 
sischen Oberrealschulen gleichwertig sind. 

Königliches Kriegsministerium. 
Y. Schnilrlen. 

Diese Ausdehnung der den preussischen Oberrealschulen ein- 
geräumten Berechtigung zur Vorbereitung ftlr den Offiziersbernf 
auch auf die zehnklassigen wUrttembergischen Realanstalten ist fBr 
die letzteren um so wertvoller, als dieser Fall bis jetzt der einzige 
ist, in welchem eine Berechtigung gleichzeitig für die preussischen 
und die württembergischen Oberrealschulen festgesetzt wurde. Wir 
fühlen uns daher gedrungen, für diesen Beweis von Vertrauen nnd 
von Entgegenkommen gegenüber unsern Wünschen auch an diesem 
Ort unsern freudigen und ehrfurchtsvollen Dank auszusprechen. 

Der Vorstand 
des Vereins realistischer Lehrer Württembergs. 

Cannstatt. Rektor Mayer. 



Litterarisoher Bericht. 

P ö h 1 m a n n , Geschichte des antiken Kommunismus und 

Sozialismus. Zwei Bände, 618 und 617 S. 1893—1901. 
München, 0. H. Beck. 

Der Verlag von 0. H^ Beck hat sich um die Altertumswissenschaft 
schou durch verschiedene seiner Verlagsartikel sehr verdient gemacht, 
unter denen hier nur an das „Handbuch der klassischen Altertums- 
wissenschaft^, herausgegeben von Iwan Müller, erinnert sei. Für den 
Historiker sind davon besonders wichtig die Grundrisse der griechischen 
und römischen Geschichte von Professor Dr. Robert POhlmann in 
Erlangen und Professor Dr. Benedict us Niese in Marburg a. d. L.. 
Sie sind 1896 und 1897 bereits in zweiter Auflage erschienen (268 und 
265 8., je 5 Mark) und geben in Text und Anmerkungen eine überaus 
nützliche und lehrreiche Übersicht über den dermaligen Stand des 



Litterarischer Bericht. 267 

geschichtlichen Wissens, sowie einige Handhabe zu eigenen weiteren 
Studien. Nun hat der erst Genannte soeben den zweiten Band eines 
in seiner Art einzig dastehenden Werkes erscheinen lassen, das die 
Geschichte des antiken Kommunismus und Sozialismus behandelt. Es 
leuchtet ein, dass ein solches Buch aus der Wahiiiehmung entsprungen 
ist, dass die Probleme, an denen die Gegenwart sich abarbeitet, nicht 
erst von heute sind, dass sie auch frühere Kulturepochen schon beschäf- 
tigt haben, und insofern kann man sagen, dass, wie so oft, die Kämpfe 
der Gegenwart fruchtbringend sich erweisen auch für die Wissenschaft 
und dass sie den Blick für Dinge schärfen, an denen man lange acht- 
los vorübergegangen ist. Vorarbeiten hat Pöhlmann nur wenige vor- 
gefunden; die Altertumskunde hält, wie er mit Recht klagt, an der 
mechanischen Scheidung von Staats-, Rechts- und Privataltertümem fest, 
während man für Mittelalter und Neuzeit von Stein und Gneist längs' 
gelernt hat, die ganze Entwicklung von Recht und Verfassung abhängig 
zu wissen von der Entwicklung der Gesellschaft. Selbst die Begriffs- 
bestimmung des Sozialismus ist bekanntlich nicht so leicht, und Pöhl- 
mann ist von seiner eigenen Fassung: „Inbegriff der auf möglichste 
Sozialisierung von Volkswirtschaft und Gesellschaft gerichteten Be- 
strebungen" nicht völlig befriedigt. Was er nun aber für die Frage 
selbst bietet, gewährt in der That vielfach völlig neue Aufschlüsse, 
wie sich das bei einem so jungfräulichen Boden allerdings erhoffen Hess. 
Im ersten und in dem grösseren Teil des zweiten Bandes betrachtet 
P. den Sozialismus innerhalb der hellenischen Welt; im kleineren Teil 
des zweiten Bandes kommen die Römer an die Reihe; ein dritter Band 
wird den Sozialismus auf religiöser Grundlage, also auch der christ- 
lichen, soweit er sich im Altertum entwickelt hat, dem Leser vor- 
führen. Es ist völlig unmöglich, auf knappem Raum eine Obersicht 
über den reichen Inhalt des Gebotenen zu geben, und von Erörterung 
einzelner diskutirbarer Punkte glauben wir auch absehen zu sollen. 
Wir können nur zusammenfassend sagen, dass kein Lehrer der alten 
Geschichte ohne die reichste Belehrung und Vertiefung seiner Kennt- 
nisse dieses Werk studieren wird. G. Egelhaaf. 



Eine neue Version der Genevretheorie. Von T. Montanari. 
Annibale. Rovigo, 1900/01. 

Allen Pessimisten und Skeptikern zum Trotz vergeht kein Jahr, 
ohne eine neue Arbeit über Hannibals Alpenzug zu zeitigen. So nimmt 
denn auch in vorliegender 738 Seiten starker Abhandlung, die Verf. 
dem jungen König von Italien gewidmet hat, die Besprechung des 
Alpenzugs reichlich die Hälfte des Ganzen in Anspruch. M., seinem 



268 Litterarischer Bericht. 

Berufe nach Ingenieur, ist Vertreter der Genevrctheorie, allein sowenig 
^Is die dieser entgegenstehenden Theorien können ihn die bisherigen 
Versionen der Genevretheorie selbst befriedigen. An ihre Stelle setzt er 
eine „ebenso neue als befriedigende^ Version, von der er aufs zuver- 
sichtlichste das Ende alles gelehrten Streits erwartet: ^Mit einem Mal 
gelangen wir von der grössten Unsicherheit zur absoluten Sicher- 
heit, zur mathematischen Evidenz, die sich bis auf die genaue 
Kenntnis der geringsten Einzelheit erstreckt." Verf. verkündet schon 
in seiner Vorrede des Rätsels Lösung, auf die man mit Recht ge:»|>annt 
ist. Danach „überschritt Hannibal die Rhone bei Araroont, gelangte 
sofort ins Thal der Durance, folgte dem linken Ufer dieses gewaltigen 
GebirgsÜusses bis gegen Salignac, marschierte von da durch die Thäler 
des Grossen und Kleinen Buech über Gap, Chorges, Embrun, Brian gon 
zum Genevre oder besser zum Celle di Busseno und von hier über 
Oulx, Susa zum Fusse der Alpen bei Rivoli^. Die „Insel" findet M. nicht 
zwischen Rhone und Iscre, sondern zwischen Durance und Verdun 
{dem „Scaras Polybs**). Im Gegensatz zu den älteren Genövremäuneru, 
denen Livius als der „sorgfältigere und vertrauenswürdigere*^ Gewährs- 
mann gilt, ist für M. unbedingt Polybius die Hauptautorität Dn^s 
Livius einen andern Weg weist, leugnet M. keineswegs: „Livius sieht 
eben nicht, dass zu Polybius' und Hannibals Zeiten die Durance und 
nicht die heutige Rhone den Namen Rhodanus führte.'^ Übemiromt 
also Livius von Polybius resp. Philinus den Namen Rhodanus, so über- 
nimmt er von Calpurnius Piso Frugi den Namen Druentia — Verf. 
weiss dies so sicher, dass er sogar den Grundtext des verlorenen 
Annalisten wiederherstellt — , dem neugewonnenen Kenntnissland seiner 
Zeit entsprechend hält Livius aber Rhodanus und Druentia tlir zwei 
verschiedene Flüsse uud konstiniert demgemäss den Marsch Hannibals 
auf einer ganz neuen Basis. — Also Montanari. 

Womit beweisst Verf. die Identität des polybiauischen Rhodanus 
mit der heutigen Durance, die den Kern und Ausgangspunkt seiner 
neuen Theorie bildet? Zunächst mit Berufung auf Polybius selbst; denn 
,.war Polybius in geographischem Wissen auch seiner Zeit voraus, so 
waren doch seine Kenntnisse noch sehr spärlich^. War doch nach M. 
der ganze Lauf der Rhone oberhalb der Durancemündung selbst damaU 
noch den Massalioten unbekannt. „So unwahrscheinlich es klingt, so 
unleugbar wahr ist es, dass sich bei Polybius manche Stellen finden, wo 
er von der Rhone in Ausdrücken spricht, die allein auf die Durance 
zutreffen.*' So entspringt nach Polybius III, 47, 2^5 der Rhodanus 
oberhalb (= nördlich) des adriatischen Golfs und fliesst dem Nordrand 
der Alpen entlang gegen West resp. Südwest ins sardische Meer, grossen- 
teils durch ein Gebirgsthal, wo gegen Norden die keltischen Ardyes 
(die Montani des Livius) wohnen, während die südliche Gebirgskette 
das Rhonethal von der Poebene scheidet. Dieser Hinweis bildet die 



Litterarischer Bericht. 269* 

Hauptstütze der ,,ebenso neuen als befriedigenden*' Theorie. Thatsäch- 
lich ist die Stelle vielmehr geeignet des Verf. Theorie zu entkräften^ 
Für jeden Unbefangenen liegt es auf der Hand, dass ein Fluss, der 
nördlich der Adria entspringen und dessen Thal dem Pothal parallel 
streichen soll, mit dem Druentia nichts gemein haben kann. Über die 
Quelle des letzteren konnte Polybius nicht im Irrtum sein, da er selbst 
die Strasse Hannibals zog. Hören wir weiter. Nach Polybius III 47, 1 
zog Hannibal nach vollbrachtem Bhoneübergang den Fluss entlang 
„vom Meere weg in östlicher Richtung dem europäischen Binnen- 
lande zu". M. steift sich auf die Worte „in östlicher Richtung**, die 
Polybius allgemeiner Anschauung vom Rhonelauf entsprechen und im 
übrigen nur beweisen, dass Polybius so wenig als andere antike Geo- 
graphen sich genau zu orientieren wusste; die weitere Bestimmung 
„vom Meer weg dem europäischen Binnenland zu'', die lediglich auf 
den Marsch an der Rhone weisen, übersetzt Verf. einfach mit verso 
monte. Den Schlussbeweis bildet für M. die Behauptung Scipios, die 
Karthager haben aus Furcht sich von der Rhoneübergangstelle flucht- 
artig zurückgezogen und gegen ihre ursprüngliche Absicht den Weg 
durch die Alpen gewählt (Pol. III 64, 7). „Dies hat nur einen Sinn, 
wenn Hannibal die Durance aufwärts zog, weil dies der direkte Weg 
zu den Alpen und nach Italien war, wird aber unbegreiflich, wenn 
Hannibal rhoneaufwärts marschierte." Eine Argumentation, über deren 
Wert kein Wort zu verlieren ist. Dass der Rhoneübergang nach Polybius 
etwa vier Tagereisen vom Meer stattfand, dass Hannibal auf seinem 
Marsch z u und i n die Alpen durch allobrogisches Gebiet zog u. s. w. 
ficht den Verf. wenig an. 

Prüfen wir die übrigen Stützen der Theorie. Eine solche findet 
M. in des Festus Avienus Ora Maritima v. 630 if. Verf. glaubt .«durch 
eine genaue und mühevolle Prüfung zahlreicher Karten grössten Mass- 
stabs*^ die von Avienus genannten Anwohner des Rhodanus, feinier den 
Ager Temenicus und Sumpfsee Accion an der Durance unterbringen 
zu können. Von den Tylangi und Daliterni wagt er zwar nichts Be- 
stimmtes zu behaupten, aus den Chlachili macht er Oalbici und identi- 
fiziert diese mit den Albici (d. h. ^Inselbewohnern^) Caesars und Strabos; 
die Temenici sind ihm entweder die Jemerii des Tropaeum Alpium oder 
besser die Memini des Ptoiemaeus: „Accion ist sicherlich der grosse 
Sumpf, der das Thal der Sorgue einnahm." Lauter Geschwindigkeit, 
keine Hexerei. — Es folgt ein weiterer „Beweis". Nach Appian bell, 
civ. I, 109 schlägt Porapeius auf dem Zug nach Spanien nicht die 
Hannibalroute ein, sondern eröffnet einen neuen (nach Sali. bist. fr. III) 
bequemeren Weg zwischen den nahe bei einander entspringenden Quellen 
des Rhodanus und Eridanus. Diese Notiz verdient einiges Eingehen. 
Nach Ansicht des Referenten erklärt sie sich zum Teil als später Nieder- 
schlag einer griechischen Legende, die sich bei Euripides (ßi\ Plin. 



270 Litterarischer Bericht. 

XXXVII, 11) und Apollonius Argon. IV, 627 findet und aelbst bei 
Strabo IV. 203 noch nachwirkt. Jene Dichter behaupten, dass Rhodanas 
und Eridanns durch einen Flussarm mit einander verbunden seien, und 
Strabo hält noch an der Annahme einer Bifurkation fest, indem er 
Druentias und Durias als Nebenflüsse des Rhodanus resp. Padus aus 
derselben Quelle entspringen lässt Appian trennt die Quellen und 
stationiert zwischen ihnen die Hauptwasserscheide zwischen Rhone und 
Po ; das und nicht mehr ist auch nach Mommsen der Sinn seiner Notiz. 
Darf man aus ihr wie aus der angeftihrten Salluststelle folgern, das» 
Pompeius die Genevrestrasse eröffnete, so hat M. ebenso recht mit der 
weiteren Folgerung, dass Hannibal- und Pompeiusweg nahe bei einander 
waren. Wir verstehen nun auch, warum er Hannibal den sicherlich im« 
bequemem Weg über den Colle di Busseno einschlagen lässt. M. beruft 
sich schliesslich auf Aristoteles Meteor. 1, 13 : „Nahe bei Ligurien ist ein 
Fluss, nicht kleiner als der Rhodanus, der uiiter der Erde verschwindet 
und an einem anderen Punkt wieder hervortritt^ — und argumentiert 
also: „Alle (?) erkennen an, dass Aristoteles hier die berühmte perte 
du Ehöne bei Bellegarde im Auge hat. Ist es nun nicht klar, dass der 
Rhodanus des Aristoteles nicht die heutige Rhone sein kann?^ Wir 
staunen. Bisher galt nach M. als Dogma, dass noch zu Polybs Zeit 
der Lauf der Rhone schon von der Daran cemündnng aufwärts den 
Alten unbekannt war, und nun soll schon Aristoteles die genaueste 
Kenntnis von der ptrte du Ehöne besessen haben ! übrigens finden wir 
die Notiz vom unterirdischen Lauf eines Flusses auch bei Plinius III, 20 
und zwar mit Beziehung auf den Po, auf den die Bestimmung „nahe 
bei Ligurien" auch am ehesten zutreffen dürfte. 

Dies sind die Grundstützen einer Theorie, auf deren im weiteren 
belanglose Durchführung eine Fülle von Gelehrsamkeit verwendet wird, 
die einer solideren Sache würdig gewesen wäre. Es dürfte wenig 
Schriften geben, in denen Versprechen und Erfüllung in so kläglichem 
Miss Verhältnis stehen, wenig Theorien, die auf so unsicherer Basi» 
aufgebaut sind, und doch hat auch M.s Werk sein Gutes. Ohne 
Zweifel entsprang seine Theorie dem richtigen Gefühl, dass, wenn 
schon einmal Hannibal durch das Durancethal nach Italien ziehen sollte, 
der von der vulgären Version adoptierte Zug von der Rhone zur Isere 
und durch das Thal des Drac zurück zur Durance eine strategische 
Ungeheuerlichkeit wäre, die durch das von Livius genannte Motiv, eine 
Begegnung mit den Römern zu vermeiden, eher verschärft als gemildert 
wird. Wer diese Ungeheuerlichkeit nicht vertreten kann, muss die 
Durance für die polybianische Rhone nehmen oder, wenn ihm dies zu 
stark ist, von Durance und Gen^vre überhaupt absehen. Anzuerkennen 
ist, dass Verf. in manchen Punkten treffliche Winke giebt. Besonders 
erfreute den Referenten die Wahrnehmung, in ihm einen unerwarteten 
Bundesgenossen bezüglich der chronologischen Frage gewonnen zu 



Litterarischer Bericht. 271 

haben. Da M. in seinem Nachweis, dass Hannibal ca. 20. Sept. am Rand 
der Poebene eintraf, grossenteils seine eigenen Wege geht, so möge es 
gestattet sein, auf einige von ihm beigebrachte Momente hinzuweisen. 
In der Ansprache an seine Truppen vor der Schlacht am Ticinus nennt 
Hannibal seinen Gegner einen dux semestris Liv. XXI, 43, 15. Da 
Scipio den Consulat am 15. März antrat und den Oberbefehl über die 
neuausgehobenen Truppen etwa einen Monat später übernahm, so dürfte 
die Schlacht etwa Mitte Oktober stattgefunden haben. Wenn femer 
nach Liv. 46, 4 eine dicke Staubwolke den Anmarsch beider Heere 
verkündigte, so hat der Schluss des Verf., der seine heimatlichen Ver- 
bältnisse am besten kennen muss, doppeltes Gewicht, dass demnach 
die mit dem Untergang der Plejaden (Ende Oktober) einsetzende Regen- 
zeit noch nicht begonnen haben kann. Gegenüber der Annahme der 
meisten Genevremänner, dass Hannibal nach Liv. 35, 6 zur Zeit des 
Plejadenuntergangs erst auf der Passhöhe der 'Alpen stand, sind dies 
zwar nicht Hauptinstanzen, aber immerhin ganz beachtenswerte Neben- 
instanzen. Bekanntlich sind die vieicitierten Worte oeddentt iam sidere 
Vergüiart$m nichts als eine ungenaue Wiedergabe der polybianischen 
di& ad auvdicTeiv ttjv xtjc üXtidSo^ duouv, die ohne Frage einen viel 
weiteren Spielraum lassen. Nun wurden nach Pol. III, 61, 9 die Römer 
erst „durch die unerwartete Kunde, dass Hannibal in Italien stehe 
und bereits einige Städte belagere^, veranlasst, zu T. Sempronius nach 
Lilybäum zu schicken, um ihn aufzufordern schleunig seinem Kollegen 
zu Hilfe zu kommen. Die Schlacht an der Trebia, die unmittelbar 
seinem Eintreffen folgte, fand um die Zeit der Wintersonnenwende statt. 
Niemand bestreitet, dass von denjenigen Ereignissen an gerechnet, die 
zur Zurückrufung des Sempronius führten, bis zur Schlacht ca. drei 
Monate verstrichen sein mussten. Die genannten Genevremänner sind 
also genötigt, im Widerspruch mit Polybs genauer und sorgfaltiger 
Angabe, die Behauptung aufzustellen, schon die Ereignisse an der Rhone 
haben die Sendung an Sempronius veranlasst. „Es liegt auf der Hand,** 
schreibt Luterbacher (Hermes 1901), „dass der Bericht des Polybius 
ein ganz summarischer und oberflächlicher isf Andere werden dieses 
Urteil und seine Begriindung summarisch finden. Denn wenn Scipio 
nach dem Zusammenstoss an der Rhtme auch füglich mit der Möglich- 
keit rechnen musste, dass Hannibal über die Alpen nach Italien ge- 
lange, und thatsächlich selbst nach Italien zurückkehrte, so schien 
doch diese Möglichkeit ihm selbst so gering (cf. Pol. III, 61, 5), dn^a 
er es nicht einmal für nötig hielt, seine gegen Hannibal entsandten 
Truppen mit nach Italien zurückzunehmen. Um so viel übcrtiüssiger 
musste es erscheinen, Sempronius jetzt schon zurückzuberufen. Die 
Ehre Polyl^s, in Sachen des Hannibalzugs auctor primarius zu sein, bleibt 
trotz wiederholten Verunglimpfungen unangetastet. Es ist ein ent- 
schiedener Fortschritt, der zu weiterer Verständigung beitragen dürfte, 



272 Litterarischer Bericht. 

da88 die jüngsten Vertreter der Gcnevretheorie, Fuchs 1897, Marindin 
1899 und neuestens Montanavi, dies wiederum anerkennen. 

Stuttgart. W. Oslander. 



B. Gebhardt; Handbuch der deutsehen Geschichte. 2. Auflage. 
Zwei Bände. Union Deutache VerlagsgeselUchaft 1901. 

Die Anlage des Werks dürfte den meisten Lesern dieser Zeitschrift 
von der 1. Auflage her bekannt sein, und es bedarf das Buch daher 
auch kaum noch einer nachdrücklichen Empfehlung; filr den Lehrer 
der deutschen Geschichte, wie für jeden, der sich über den gegen- 
wärtigen Stand der Forschung in diesem Gebiete unterrichten will, 
ist Gebhardts Handbuch zu einem äusserst willkommenen Hilfsmittel 
geworden. Die 2. Auflage ist bis zum Ende des 19. Jahrhunderts fort- 
geführt und zeigt gegenüber der ersten zahlreiche Zns.'itze und Ver- 
besserungen; man vergleiche z. B. den Abschnitt über die Pippinische 
Schenkung (§ 81,3). Einige kritische Bemerkungen können vielleicht 
in der nächsten Auflage Beachtung finden. Der Umstand, daas ver- 
schiedene Gelehrte bei der Abfassung des Werks beteiligt sind, bringt 
naturgemäss manche Missstände mit sich: Wiederholungen sind nicht 
ganz vermieden, vgl. z. B. über den Niedergang der Hansa I 671 imd 
694; andererseits ist die Behandlung öfters ungleich; von der Be- 
kehrung der Alemannen erhält man S. 144 ein anderes, richtigeres Bild 
als 8. 191, wenn auch dort noch der Einfluss der iroschottischen ^Mission*' 
gegenüber der fränkischen überschätzt ist; vgl. die Württemberg! sehe 
Kirchengeschichte S. 9 ff. (Bossen), ein Buch, das unter der Litteratnr 
S. 145 nicht fehlen sollte. Während vom Ursprung des Stadtrechts 
ziemlich ausführlich gesprochen wird, fehlen die Begriffe Reichsstadt, 
Bischofsstadt, Territorialstadt nicht bloss im Register, sondern auch im 
Text; nur von der Zulassung der Reichsstädte zu den Reichstageo 
wird kurz gesprochen. Am Ende des Mittelalters fehlt ein dem Kapitel X 
(Verfassung, Recht, Wirtschaft vom Ende der Karulingerzeit bis zum 
Interregnum) entsprechender Abschnitt; § 121, 1 ist doch kein rechter 
Ersatz dafür. Dass die soziale und wirtschaftliche Entwicklung vom 
Bauernkrieg bis zu den Anfangen des Sozialismus so gut wie gar nicht 
geschildert wird, dass wir z. B. von der Entwicklung der Leibeigen- 
schaft nichts hören, ist eine auch in andern Darstelhmgen zu treffende 
Ungleichheit : die ältere Zeit kommt in dieser Hinsicht viel besser weg. 
— Da mit gutem Grund die Litteratur nicht vollständig, sondern in 
Auswahl angeführt wird, wird mancher diese oder jene Angabe ver- 
missen; so dürfte 1678 die instruktive Schrift Delbrücks ^Perserkriege 
und Burgunderkriege-* erwähnt sein, bei der Wirtschaftsgeschichte des 
Mittelalters die in manchem von der herkömmlichen Darstellung ab« 



Litterarischer Bericht. ^73 

weichende Auffassung BUchers (Entstehung der Volkswirtschaft). — 
Sonst habe ich mir an Einzelheiten notiert : die MiUh'nholTsche Ansicht 
(I S. 60) über Cimbem und Teutonen darf nicht mehr als schlechthin 
gültig hingestellt werden, vgl. Niese, Rom. Gesch,2 112; S. 78 fehlt bei 
der Besprechung des Limes die klare Unterscheidung zwischen der 
älteren Neckarlinie und der späteren Miltenberg — Lorch; S. 436,2 
schreibe Waldemar II st. I; S. 506 ist die Behandlung der mittel- 
alterlichen Baukunst gar zu dürftig, in dem, was über die Türme ge- 
sagt wird, in*eführend. Bd. II S. 696 ist die Angabe, dass am 2. Dez. 
Cbampigny wieder genommen worden sei, ungenau; die Richtung des 
letzten grossen Ausfalls (19. Jan.) sollte angegeben sein. Im Register 
fuge S. 885 u. Reichsreform bei : 118, 10. 119. 4. S. 882 u. Hansa ändere 
108,11 in 108,12; 118,7 in 118,8. 

Stuttgart. J. Miller. 



Aus der von 0. E. A. Dickmann heransgegebenen franzö- 
sischen und englischen Schulbibliothek (Rengersche Buchhand- 
lung; Leipzig) liegen uns nachstehende neueste Lieferungen vor, 
auf die wir die Leser des Korrespondenzblattes aufmerksam machen 

möchten. 

I. Französisch. 

1. Histoire de la 3eme Croisade von Joseph Fran^ois Michaud. 

Erklärt von 0. Klein. Mit zwei Karten und einem Plan. 
Preis 1.30 Mk. 

2. Ascensions — Voyages Aeriens — Eyasions. Für den Schul- 

gebrauch ausgewählt und erklärt von F. J. Wer shoven. Mit 
sechs Abbildungen. Preis 1.30 Mk. 

3. Französisches Lesebuch von 0. E. A. Dickmanu, Direktor 

der Oberrealschule, und Joseph Heuschen, Rektor der 
mittleren Knabenschule in Köln. Preis 1.80 Mk. 

4. Le Berger et le Proscrit par Jean-Jacques Porchat. Er- 

klärt von Joseph Heuschen. Preis 1 Mk. 

5. Les Precieuses Ridicules, Comedie par Moliere. Erklärt 

von W. Mangold. Preis 90 Pf. 
6« Lettres de mon Moulin von Alphonse Daudet. Erkläi*t 
von Johannes Her tel. Autorisierte Ausgabe. Preis 1.30 Mk. 

Nr. 1 ist ein Auszug aus Michaud^s ,,Hi8toire des Croisades^, welche 
auf verschiedenen Direktoren-Konferenzeu als geeignet zur Schullektüre 
empfohlen wurde. Dem vorliegenden Auszug könnte der Vorwurf ge- 
macht werden, dass er zu viele, auch ältere Schüler nicht sehr an- 
sprechende Einzelnheiten enthält, weshalb wir denselben mehr für die 

Neues KorreRpondenzblatt 1902, Heft 7. 



274 Litterarischer Bericht. 

Privatlektüre, als für allgemeiaen Schtilgebrauch empfehlen machten. 
— Die Anmerkungen sind mit grosser Sorgsamkeit ausgearbeitet; ihr 
grosser Umfang beweist aber eben, dass das Verständnis des Zusammen- 
hangs schwierig ist. — Wie für andere ßändchen ist auch für diese» 
ein Sonder-Wörterbuch ausgearbeitet. 

Nr. 2 enthält Beschreibimgen kühner Bergbesteigungen, Ballon- 
fahrten und Fluchtversuche von guten, zum Teil hervorragenden Schrift- 
stellern spannend erzählt; sie bilden ftlr vorgerücktere Schüler eine 
interessante Lektüre, enthalten aber auch einige recht schwere Stellen, 
so in „De Paris en Prusse^; p. 51: „L'orchestre augmente etc.^; ,rEvaaion 
pendant la Commune^. Letzterer Abschnitt dürfte wohl besser in 
einer neuen Auflage durch einen andern ersetzt werden. 

Nr. 3 will nicht die grosse Anzahl französischer Lesebücher um 
eines vermehren und einem längst gefühlten Bedürfnis abhelfen; es 
verdankt neben dem Wunsche vieler Freunde der französischen und 
englischen Schulbibliothek, ein nach den Grundsätzen dieser ausge- 
arbeitetes Lesebuch zu haben, seine Entstehung der Aufforderung von 
massgebender Stelle, den preussischen Lehrplänen von 1901 gemäss 
eine Brücke zu schlagen zwischen dem Lesestoff der gangbarsten 
Schulgrammatiken und der Lektüre zusammenhängender Werke. — 
Die Verfasser haben sich bemüht, möglichst nur solche Texte zu bringen« 
die bisher in deutschen Büchern noch nicht Verwendung gefunden 
haben. Die Stoffe sollen Herz und Vei*3tand der Schüler von Mittel- 
klassen höherer Lehranstalten bilden. Der Inhalt bietet Erzählungen, 
Charakterschilderungen, Briefe hervorragender Persönlichkeiten, Zwie- 
gespräche, Bilder aus der französischen Geschichte und Erdkunde, aus 
der Naturkunde und eine grössere Anzahl von Sprichwörtern. Es 
fehlt nicht an Lesestücken, deren gesunder Humor den Schülern Freude 
bereiten wird. — Unsere französischen Lesebücher sind meist zu 
voluminös und können in der gegebenen Zeit nicht absolviert werden : 
das vorliegende ist auf 196 Seiten beschränkt; die beigefügten sach- 
lichen Anmerkungen nehmen 20 Seiten ein. Die Stücke sind zum grössten 
Teil modernen Schriftstellern entnommen; p. 198 ist unter 14,8 bei 
Malesherbes zu korrigieren : Verwaltete unter Ludwig XV. (statt XIV.) 
und Ludwig XVI. (statt XV.) höhe Staatsärater. Ein Sonder-Wörter- 
buch erleichtert dem Schüler die Arbeit. — Das Stück p. 24 und flg. : 
La promenade du nain Mautravail dürfte wegbleiben, auch wünschten 
M'ir p. 84 ,,Le fat"; p. 41 „Au bivouac**; p. 41: „Le sergent Homua**; 
p. 43: „Le sergent Marinel" ; p. 44: „Le lieutenant Louant** durch pas- 
sendere Stücke ersetzt; warum nicht auch Bravourstücke von Deutschen ? 
Doch sind die Ansichten in solchen Dingen meist sehr verschieden. 
Für Paris p. 150 und flg. wünscht man eine kleine Skizze, insbesondere 
damit der Schüler den Satz versteht: ,,Les anciens boulevards cxterien» 
qui enveloppent de leur arc concentrique le vieux Paris" ; p. 152. — 



Litterarischer Bericht 275 

Im allgemeiDen inuss man sagen, dass das Buch leistet, was es ver- 
spricht; sicher wird es sich £ingang in vielen Anstalten verschaffen. 

Nr. 4 ist eine der vielen Jugendschriften des Verfassers, der in 
Deutschland durch seine Übersetzungen von Goethes, Schillers, Rankes 
Werken und einer Schrift von 0. W. Wildermuth : „R6cits et tableaux 
de la vie Souabe^ bekannt ist. Die vorliegende Schrift verdient wegen 
ihres erziehlichen Wertes besondere Beachtung und bietet eine pas- 
sende Anfangslektüre Hir höhere Knaben- und Mädchenschulen. 

Nr. 5 ist durch seine Einleitung und die mit Benützung aller litte- 
rarischen Hilfsmittel — woran ja kein Mangel für Molieres Werke ist 
— ausgearbeiteten Anmerkungen empfehlenswert, p. 25 lies 1658 — 60 
und 1660 statt 1858—60 und 1860. 

Nr. 6 wird Studierenden und Liebhabern der französischen Sprache 
gewiss vielen Genuss verschaffen; auch eifrige Schüler werden sich 
gerne mit dem vielleicht schönsten Buche des begabten Sttdfranzosen 
beschäftigen. Aber nur für gute Klassen möchten wir die „Lettres* 
als Schullektüre empfehlen. Die Sprache ist manchmal zu gesucht, es 
kommen zu viele Provinzialismen darin vor, sowie Stellen, die füi* 
den Schüler nicht verständlich sind, wenn er nicht zuvor andere Werke 
gelesen hat; einige Stücke dürften sogar eine gewagte Lektüre sein. 
Die der vorliegenden, unmittelbar aus dem Unterricht herausgewach- 
senen Ausgabe beigefügten zahlreichen Anmerkungen werden manche 
Schwierigkeiten aus dem Wege räumen. 

p. 35 muss es wohl unter 17, 85 heissen : vgl. 17, 30/31 ; p. 84 er- 
gänze lambrusque wilde Rebe, da p. 106 in 76, 13 darauf verwiesen ist ; 
p. 105 lies gros, vgl. 64, 41 statt 64, 11. 

il. Englisch. 
L Ueography of the British Empire. Erklärt von Ewald 
Go er lieh. Preis 1.10 Mk. 

2. Chambers' English History. From the Earliest to the 

Preseiit Time. Erklärt von A. v. Roden. Mit fünf Karten- 
skizzen im Text und einer Grafschaftskarte von England. 
Mit Genehmigung der Firma W. u. R. Chambers. Limited. 
London und Edinburgh. Preis 1.30 Mk. 

3. English Sehool Life. Erklärt von F. J. Wershoven. Mit 

sieben Abbildungen. Preis 1.30 Mk. 

Nr. 1 ist ein Seitenstück zu der Geographie de la France in der- 
selben Sammlung und behandelt ausser physischer und politischer 
Geographie auch Handel, Industrie und Verkehrswesen, sowie in einem 
besonderen Kapitel die englischen Kolonien. Die Anmerkungen sind 
gegen- den sonstigen Gebrauch in der Sammlung englisch abgefasst. 
Der Inhalt eignet sicli gut zu Sprechübungen in obern Klassen. Für 



276 Litterarischer Bericht. 

eine neue Ausgabe wären Übersichtskarten sehr zu empfehlen. Warum 
auf Seite 1 : is calied Ireland und called also Ireland ? 

Nr. 2 ist ein Auszug aus einem in England sehr verbreiteten, von 
einem tüchtigen Schulmanne verfassten Lehrbuch der englischen Ge- 
schichte ; es ist klar und leicht verständlich, dabei anschaulich, in vor- 
züglichem Englisch und vor allem mit weiser Beschränkung auf dsLs 
Wesentliche geschrieben. Da es für die mittlere englische Unterrichts- 
stufe verfasst ist, so dürfte dieser Auszug dem Bedürfnisse und der 
Auffassung von Obertertianern und Sekundanern unserer höheren Lehr- 
anstalten vortrefflich entsprechen. In den obersten Klassen gebrauchte 
Referent Jahre lang mit grossem Nutzen den vollständigen Chambers. 
Zu Sprechübungen eignet sich der Inhalt besonders gut — Um nicht 
mehr Text zu bieten, als in einem Jahre ohne Überhastung gelesen 
werden kann und dennoch die gesamte englische Geschichte zu be- 
handeln, musste in dem Auszuge manches für deutsche Schüler weniger 
Wichtige, besonders aus dem älteren Teile der Geschichte, ausgeschieden 
werden; abgesehen aber von diesen Auslassungen sind Änderungen 
des Originals in keiner Weise nötig geworden, p. 53, L. 30, lies Petition 
of Rights statt Right. 

p. 74, L. 8, lies to send statt sent. p. 88, L. 19, lies vgl. 5a. 5 
statt 54, 5. 

Nr. 3 ist besonders als Privatlektttre den Schülern zu empfehlen. 
Es enthält den Briefwechsel eines Schülers mit seinem älteren Bruder, 
wobei auch das englische Studentenleben zur Anschauung kommt. Der 
Text ist verschiedenen Schriftstellern entnommen, bietet aber doch eine 
zusammenhängende Erzählung. Der Schauplatz ist die berühmte An* 
stalt in Eton, einer der grossen Public Schools, und der grössere Teil 
enthält die wirklichen Erlebnisse eines ehemaligen Schülers derselben; 
beigefügt sind Gedichte von Gray und Byron. Die vielen Ausdrücke 
der Umgangs- und der Studentensprache sind in den Anmerkungen 
erklärt, doch dürften diese noch ausgedehnter sein. Der Schüler winl 
vergeblich nach Knickerbockers, pumps, white ducks, spiffing etc. 
suchen; ein Sonder-Wörterbuch ist als Ergänzung notwendig. 

p. 2, Anmerkung, lies unter 2,12 mile statt mille; p. 42, Linie 12. 
1. Mr Turner statt Turners; p. 94, Linie 5, 1. its statt isl; p. 96, Linie 24, 
1. takes place statt places. — Eine detaillierte Beschreibung des Oricket- 
Spiels wird trotz der beigegebenen Abbildung ohne Anschanung für 
die meisten Leser unverständlich bleiben. 

Die Grundsätze, nach welchen die Dickmannsche Schulbibliothek 
ausgearbeitet ist, haben in ganz Deutschland solche allgemeine An- 
erkennung gefunden, dass alle neuen Lieferungen derselben die Auf- 
merksamkeit jedes Lehrers der französischen oder englischen Sprache 
wohl verdienen. C. A. 



Litterarischer Bericht. 277 

Ludwig Baur, Prof. am Schallehrerseminar in Saulgau, Fragen 
und Aufgaben aus der mathematisch - physikalischen 
Geographie, zur Repetitiou für höhere Lehranstalten und 
Seminarien. Mit 15 Abbildungen. 216 S. Stuttgart, Muth; 1902. 

In dem Vorwort setzt uns der Verfasser auseinander, dass sein 
Werkchen nicht dazu bestimmt ist, das Lehrbuch zu ersetzen, sondern 
es soll nur dazu dienen, letzteres zu ergänzen und bei Wiederholungen 
den Schülern ein geeignetes Hilfsmittel an die Hand zu geben, indem 
es systematisch geordnete Fragen und Aufgaben bietet. Die den 
Fragen beigegebenen Antworten sollen den Gebrauch des Buches er- 
leichtem und den Anfänger bei seinem Studium unterstützen. 

Bei genauerer Betrachtung der Schrift werden wir uns sagen 
müssen, dass der angedeutete Plan gut durchgeführt ist und dass durch 
«einen Gebrauch das Studium, zunächst der mathematischen Geographie, 
wesentlich gefördert und vertieft werden kann. Ausser den Erklänmgen 
verschiedener Begriffe ist eine reiche Sammlung von Aufgaben gegeben, 
durch deren Lösung auf dem „Wege der Anschauung und des ver- 
nunftigen Denkens", wie der Verfasser sagt, der Schüler sich ein tieferes 
Verständnis der Dinge aneignet Wir erwähnen nur ein paar Aufgaben 
als Beispiele: Wie gross ist der Tagebogen der Sonne, wenn dieselbe 
12 Stunden 20 Minuten über dem Horizont bleibt? oder: Wann geht die 
Sonne auf und unter, wenn der Tag 4 Stunden 40 Minuten länger ist aU 
die Nacht? Weitere Aufgaben behandeln den Stunden winkel, die Stern- 
zeit, die Höhe und Tiefe der Sonne wie der Gestirne, den Zeitunter- 
achied und dgl. 

Neben den Aufgaben gehen Erklärungen und Belehrungen her, be- 
treifend die Aussichtsweite, die Meridianmessung, die Kartenprojektion, 
die Parallaxe, die Bewegung der Erde, die Tageslänge und Zeitgleichung, 
die Präzession, das Sonnensystem, Keplers Gesetze, die Bewegung des 
Mondes, Mond- und Sonnenfinsternisse, Kometen, Fixsterne, Zeitrechnung. 

Den zweiten, kleineren Teil des Buches nimmt die physikalische 
Geographie ein, die in fünf Hauptteilen, Festland, Meer, Atmosphäre, 
Pflanzen- und Tierwelt, nebst der Menschenwelt behandelt, und das 
alles in Frageform. Dagegen ist hier keine oder fast keine Stelle für 
Aufgaben, welche der Schüler lösen soll. 

übersehen wir das Ganze, so zeichnet sich die Darstellung durch 
Schärfe und Klarheit aus. Was aber den Stoff oder den Inhalt be- 
trifft, so sind selbstverständlich die neuesten Ergebnisse der Wissen- 
achaft herangezogen und verwertet. Mit einzelnen Ausstellungen, die da 
und dort zu machen wären, wollen wir uns nicht aufhalten, übrigens 
darauf hinweisen, dass die Unterscheidung zwischen Sternbildeiii und 
Zeichen des Tierkreises nicht scharf genug durchgefühlt ist. 

Schliesslich können wir das Werk allen den Lehrern empfehlen, 
die in der günstigen Lage sind, eine grössere Anzahl von Stunden auf 



278 Neu erschienene Bücher. 

unseren Gegenstand, besonders die mathematische Geographie, ver- 
wenden zu können, dabei aber auf die Unterstützung dnrch trigono- 
metrische Formeln verzichten müssen, weil ihre Schüler nur die ele- 
mentare Mathematik zur Verfügung haben. F. Behr. 



Kurt Lamperty Die Völker der Erde, Eine Schilderung der 
Lebensweise, der Sitten, Gebräuche, Feste und Zeremonien 
aller lebenden Völker. Mit etwa 650 Abbildungen nach dem 
Leben. Vollständig in 35 Lieferungen ä 60 Pf. Stuttgart, 
Deutsche Verlagsanstalt. 
„Nicht ein schwerwissenschaftliches Buch über Ethnologie soll dem 
Leser geboten werden, sondern ein populäres Buch, das in unterhal- 
tender und doch zuverlässiger Darstellung in diese schöne Wissenschaft 
einführt. Besonders sollen die äussere Erscheinung der verschiedenen 
Rassen, die Kleidung und der Schmuck, ihre Waffen und Hausgeräte, 
ihre Lebensweise in Nahrung und Wohnung, in Krieg und Frieden, 
ihre Sitten und Gebräuche, besondera bei den Hauptabschnitten de« 
menschlichen Lebens, bei Geburt, Heirat und Tod berücksichtigt wer- 
den.** Mit diesen Worten wird in der Von-ede Zweck und Inhalt des 
im Erscheinen begriffenen Buches gekennzeichnet, und der Name des 
Verfassers bürgt uns dafür, dass das Buch auch halten wird, was hier 
versprochen ist. In den beiden ersten uns vorliegenden Lieferungen 
wird diese Erwartung ihrem ganzen Umfang nach erfüllt : die Klarheit 
und Lebendigkeit der Darstellung wird aufs glücklichste unterstützt 
durch eine grosse Zahl vortrefflicher Abbildungen, worunter eine in 
Farben ausgeführte. Wir möchten daher das Werk der Beachtung 
unserer Leser, besonders der Geographielehrer, empfehlen, wenn es 
auch in der Natur der Sache liegt, dass sich nicht alle Abbildungen 
zum Vorzeigen in der Klasse eignen. 

Stuttgart. Jaeger. 



Neu erschienene Bücher. 

Bei der grosBen llenge der um zugehenden neuen litteraritctaen ErteheiavDg«» 
ist es um unmöglich, jede im eiucelnen zu besprechen. Die Titel der einlaufenden 
Bficher, die wir ■usnahmslos der Kohlhammerscben Verlagsbuchbandlong zu über- 
senden bitten, werden regelmftssig im nftchsten Hefte TerOfTentlicht ; auf Bfick» 
Sendung der nicht besprochenen Bücher kOnnen wir uns aber nicht einlassen. 

Elektrische Lehrmittel. Ferdinand Gross, Stuttgart. Stuttgarter Vereins- 
buchdruckerei. 

Hreymann, Französisches Elementarbuch für Gymnasien. München 
und Berlin, R. Oldenbourg. 

Berg, Die wichtigste geographische Litteratur. Halle a. S., Gebauer- 
Schwetschke. 



AnhUndigiiDgen. 



279 



Haogolii, Grammatik der fran zu siaclieD Sprache. Berlin, J. Springer. 
Ssmmlung historischer Scliulwandkarteo. HeraiisgegeüeD von Prot. 

Dr. A. Baldamns, gezeichuet von Ed. Gaebler. Leipzig, 

Georg Lang, Kartogr. Verlags» nstalt. 

(Fortsetzung siehe S. 3 nnd i des UmBchlaga.) 



Ankündiguiigen. 



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FranQois (jouin. 

Seine Lehre und Methode; ihre Bedeutung fürs Gymnasium. 

Von Prof. P. Feucht in Stuttgart. 
(Schluss.) 
16. 
Nun aber die Grammatik? Ansätze dazu haben sich ja 
in der französischen Lehrprobe ergeben^ die zeigen, wie er es 
meint. Ansätze helfen aber hier nicht, ausgebaut muss werden. 
Gouin treibt oder trieb in jeder Stunde Grammatik, so lange eine 
Unsicherheit bestand, nämlich die Formenlehre mit gleichförmiger 
Abwandlung seiner gleichgeformten SerienstUcke, die Regelgewinnung 
mit geschmeidigster Induktion. Die Handlung z. B.; die heute in 
25 Präsensformen vorübergeht, lässt er morgen als etwas Ver- 
gangenes in ebensovielen Definiformen wiederholen, und so weiss 
er jedes Stück der Formenlehre mit dem Schein wirklichen Bedürf- 
nisses auszustatten, hält aber die tabellarische Übersicht, die Er- 
weiterung des Blicks vom Erfahrenen zum Überhaupt-Möglichen, 
gerne hintan. So gerät ihm bei seinem Streben, die schola an die 
vita anzugleichen oder schlechtweg das Gramma durch die Mamma 
zu ersetzen, eine Konversationsgrammatik von eigentümlichster 
Gangart und unendlicher Geduld des EinfUdelns und Verknüpfens. 
Er unterscheidet objektive und subjektive Sprache, womit 
er den wirklichen Sprach- und Wortvorrat halbiert in Begriffe der 
äusseren Gegenständlichkeit und des seelischen Miterlebens. Wohin 
soll dann aber Anfang und Ende, Glück und Unglück, Leben und 
Tod, Armut und Reichtum? Sodann innerhalb der subjektiven 
oder relativen Sprachhälfte wieder selbständige und enkli- 
tische Phrases relatives. Unter dem Dach der letzteren aber 
bringt er alle die verschiedensten merkenswertesten Erscheinungen 
der Syntax und Stilistik und des Wörterbuchs mit Hilfe eines un- 
zulänglichen, phraseologischen Fachwerks oder Zimmerplans unter. 
Dabei ist die bewusste Zufälligkeit in der Mitteilung der Modus- 
lehre ebenso bedenklich, wie das wegwerfende Urteil über die land- 
läufige Verquickung von Moduslehre und SatzfUgung von selb- 
ständigem Pfadfinden zeugt. Aus der ,, subjektiven^* Sprache Hesse 
sich ja auch manche Serie bilden; Gouin aber gebraucht sie zur 
Umrankung seiner „objektiven" Serien, zum redseligen Anbinden 
mit den Schülern. Das Erträgliche, Sinnreiche seines Verfahrens 

Neues KorreBpöndenxbUtt 1902, Heft 8. 



282 Feucht, Frangois Gouin. Seine Lehre und Methode etc. 

tritt hier offenbar erst im Mündlich-Lebendigen seiner Kurse hervor. 
Als eine dritte Sprache in der Sprache nennt er die bildliche^ 
eine weitere und höhere Stufe seines Unterrichts. Hier darf man 
ihm wieder in der Hauptsache entgegenkommen: eine planmässige 
Betrachtung des bildlichen Sprachgebrauchs, des wirklichen oder 
des möglichen, eines Schriftstellers oder eines Volkes, kann an 
geistbildendem Wert kaum hoch genug angeschlagen werden (vgl. 
Ein Wort zur Wortkunde, N. Korr.Blatt Jahrg. 1895 S. 422 ff.). — 
Der bildlichen Wendungen, aus der Ars Poetica zur methodischen 
Behandlung zusammengestellt, sind es bei G. 160—170. Gouin 
stellt auch — es ist dies eine Patenteigenschaft des Mannes — 
jene nichtbildlichen Phrases relatives allenthalben zusammen und 
hat sich im Sammeleifer durch Bibliotheken hindurchgegraben. 
Dies Bohren und Graben ist ein Ruhm, den man im Ausland ge- 
wöhnlich dem deutschen Lehrer und Gelehrten lässt, ein Rnhm, 
der dann ein Geschmäcklein hat. Gouin aber kann sich mit jedem 
messen. Was der alles aus den Wörterbüchern und der Welt- 
litteratur in linguistischer Absicht eruiert hat, ist unglaublich. Was 
Cäsars Legionssoldaten an Grabarbeiten geleistet haben, ist nichta 
dagegen. 

17. 
Darob kommt ihm aber der Schwung und Bilderreichtum der 
eigenen prophetischen Sprache nicht abhanden, wie er überm Philo- 
sophieren nicht die geschäftliche Betriebsamkeit versäumt. Vor 
einem solchen Temperament im eigentlichen Sinn, einer solchen 
Mischung und Abgewogenheit der Eigenschaften möchte man still- 
stehen. Schade, dass er kein Deutscher ist! Gallisches Blut kann 
auch nur wenig in diesem Normannen fliessen. Näher als dem 
französischen steht er doch dem deutschen Geist, den er ehrt, der 
deutschen Philosophie, worin er die Hände gewaschen hat, ehe er 
das Schulreformwerk anfasste, und dem deutschen Schulmeister 
nach dem Herzen Pestalozzis. Meister einer Schule verdiente er 
als Schulmeister zu sein. liim fehlt es keineswegs am Bewusstsein 
der Meisterschaft: die Lehrer aller Welt, die mühseligen und be- 
ladenen, heisst er zu ihm kommen und sein sanftes Joch auf sich 
nehmen; sanftmütig ist er aber nicht: stolz ist sein Streitruf, ge- 
hoben die Brust und der Gang, hell der Klang der selbstgeschmiedeten 
Waffen und fest der Blick aufs Ziel, die Zuversicht auf den Sieg, 
auch schon ehe die Kunde der ersten Erfolge in die Öffentlichkeit 
drang und der französische Minister sich seiner annahm. 



Feucht, Frangois Gouin. Seine Lehre und Methode etc. 283 

18. 
Flotte Zeugnisse genug liegen nämlich über die ersten Prüfungen 
und Kurse vor, die vor oder nach Gouiu teils privatim in England, 
teils auf Anordnung der Oberschulbehörde in Frankreich angestellt 
worden sind. Er selbst aber weissagt von der allgemeinen Ein- 
itihrung seiner Methode an den höheren Lehranstalten unermessliches 
Heil für die Schule, die Gemeinde und den Staat: Ersparnis an 
Zeit und Kraft und Geld, keine Überbürdungsfrage und -klage 
mehr, weder für Lehrer noch für Schüler, keine öde Arbeitsteilung 
in der Schule, kein zersplittenides Fachlehrerregiraent, wenig Kopf- 
weh, noch weniger Langweile, keine Zörnlein und Züchtigungen 
mehr, fastgar keine schwachen Schüler, keine Stacheluug bedenk- 
licher Leidenschaften, keine Wortschälle, sondern Klarheit, Wahr- 
heit, Thätigkeit, Fröhlichkeit, neues Leben. Diese Zukunftsmusik 
geht über Bitten und Verstehen. Aber viel hat er in seiner Schule 
vermocht. Nahe liegt einmal die Schonung der Augen, an sich 
schon Empfeiilung genug für eine Methode und Antrieb genug zu 
neuen Methoden, worüber er aber weggeht. Dann keine Präpara- 
tion, kein Wörterbuchwälzen, keine Diktate, keine schriftlichen 
Korrekturen des Lehrers, kein Vokabelneinpauken, kein Buch- 
stabieren, keine« Phonetik. Die Phonetik, soweit sie den Anspruch 
einer Einführungslehre und -Übung erhebt, bekämpft er aus der 
Überzeugung und Erfahrung heraus, dass die tadellose Aussprache 
des Lehrers im Zusammenwirken mit der geweckten Aufmerksam- 
keit des Schülers genüge, um allmählich und rechtzeitig wie beim 
Kind unter der Leitung der Mutter den fremdsprachlichen Laut 
zu bilden. Demgemäss hasst er auch die Quälerei des Selbst- 
unterrichts als Selbstbetrug. Bezeugt wird die rege Teilnahme aller 
Schüler in Gouins Schule, ein schönes Niveau von Kenntnissen und 
Fähigkeiten scheint hergestellt. Dies ist ein seltener und hoher 
Ruhm. Die Schule soll ja wohl nicht durch Mitschleppung der 
Faulen dem Strebsamen das Spiel verleiden; aber das Genie, der 
schöpferische Geist, hat sich noch immer von einer allgemeinen 
Bildungshöhe der Gesellschaft am leichtesten und höchsten auf- 
geschwungen, und dem vorzuarbeiten ist auch eine Aufgabe der 
Schule. So hat Gouin seine deutschen, englischen und spanischen 
Kurse in Paris geleitet, die deutschen mit Vorliebe. Und — es sei 
diese Einzelheit nocii verstattet! — entgegen der Meinung, als ob 
das Deutsche dem Ausland besonders schwer fiele, hat er versichert, 
es sei nicht schwerer als jede andere Sprache — nach seiner 



284 Feucht, Franko» Gouin. Seine Lehre und Methode etc. 

Methode. Als wirklicher Sprachkenner erkennt er den beiden 
meistgef ürchteten Sprachen, dem Deutschen und Griechischen^ 
den entscheidenden Vorteil der Erleichterung zu, dass sie die 
durchsichtigste Wortbildung haben. — Wer Gouin weiter kennen 
lernen will, wird zu L^Art d'Enselgner greifen. Die Serien sind 
nicht zum Lesen, sondern zur Regulierung des Lehrgangs. Den 
Mann kennzeichnen sie zwar auch. Wenn Gouin mit bedächtiger 
Schnelle durch die Welt wandert, jeden Sachkreis vorsichtig aus- 
messend und dann zum Verwandten übergehend, nebenher jedes 
Wort, das er in die Serien aufnimmt, im grossen Wörterbuch 
streichend, um endlich am Schluss seines Serienentwurfs die Genng- 
thuung zu haben, dass auch das letzte Wort im Wörterbuch getilgt 
ist, so sieht man an dem Mann nicht die kleinliche Seite, sondern 
die ernste heroische. Das sind die Serien. Das andere Hauptwerk, 
L'Art, mutet dem Leser einige Geduld mit einem Sonderling zu, 
lohnt aber nach einem allzu breiten Bekenntnis dummer Jugend- 
streiche und bei manchen Mängeln der Anordnung mit einer schönen 
Ausbeute an Kunst des Stils, an urwüchsigen Beobachtungen und 
fruchtbaren Gedankenbezügen. 

Soviel zu Gunsten des Mannes. Der Sache sind wir nnn 
noch drei Worte schuldig: 

1. Ein Urteil im Rückblick und zur Ergänzung bisheriger 
Randglossen. 

2. Die Entscheidung der Frage nach dem Namen der Methode. 

3. Einen Ausblick auf die nächsten Möglichkeiten bei uns. 

19. 

Ein englischer Beurteiler will, als er die Methode Gouin zu 
studieren begann, ein weisses Blatt fürs Lob und eines für den 
Tadel bereitgelegt, am Ende seiner Arbeit aber das Blatt des 
Ruhmes ganz voll, das des Tadels ganz leer gehabt haben. So 
rein ist bei uns dieses letztere Blatt bis hieher nicht geblieben nnd 
einiges wäre noch daranfzusetzen. 

Gouins Stärke ist die Zufuhr des Wortvorrats nach den Ge- 
setzen gesunder Verdauung; die Lehre von der Einteilung, Ent- 
stehung, Vergleichung, Verrechnung dieser Vorräte und deren Ans- 
tausch unter den Völkern, also Systematik der Wortart, Etymologie, 
Synonymik, sprachvergleichende Übungen wie das Hin- und HerUber- 
setzen, alle diese Gymnastik des Gymnasiums (Verhältnis- 
massig auch der Realschule) mit dem selbständigen Wert, der nicht 



Feucht, Fran^ois Gouin. Seine Lehre und Methode etc. 285 

geleugnet werden kann — so wenig als der Wert des Botanlsierens 
ohne Absicht auf Küche und Apotheke und Blumentisch — die 
treten bei seinem Schulbild in den Hintergrund. Unsere Sitte, 
mehrere Spraclien in ziemlich gleicher Unfertigkeit zu lehren, lässt 
sich eigentlich nur mit dem Grundsatz und Wert der Sprachver- 
gleichung rechtfertigen. Gouin verlangt immer nur Eine Sprache, 
diese aber mit voller Hingebung, bis sie Eigentum ist, was dann 
in Einem Jahr gelingt. Für die Festhaltung der erlernten Sprache 
hat er besondere Mittel. Wie wenig er für die einzelnen Bezüge 
der fremden mit der Muttersprache bürgt, geht aus der Wahr- 
nehmung eines auswärtigen Berichterstatters hervor, wonach der 
Gouinschüler manchmal zum fremden Wort, das er hört, wohl die 
Gebärde, nicht aber sofort das angemessene eigene Wort findet. 
Das wäre jener Mangel an Direktheit, wodurch sich noch mehr die 
^direkte^^ Methode auszeichnet. 

Zweitens: Die Anschaulichkeit, die Gebärdensprache, die 
Gouin verlangen muss, ist auch, wenn man sie für alle Regionen des 
Wissens voraussetzt, dem deutschen Lehrer weniger eigen als dem 
französischen. l)ie kindliche Vortragsweise (nicht: Gesinnung!) 
fehlt eben dem Gelehrten und wissenschaftlichen Lehrer insgemein. 
Schon darum dürfte Gouin den Bogen überspannt haben. Einer 
gleichfalls überspannten Schätzung der Sprachfortschritte in den 
ersten Kinderjahren begegnet man oft bei Gouin, woraus aber kein 
eigentlicher Baufehler in seiner Methode, sondern nur seine Unter- 
schätzung unserer Sprachscholastik entstanden ist. 

Drittens: Mit der Einführung von Gouins Serien käme zwar 
das Chaotische der Übungssätze und Übungsstücke in Abgang. 
Das verwiiTende Vielerlei in der Sache wird aber bei Gouin ab- 
gelöst durch ein weniger schädliches, jedoch leicht ermüdendes 
Einerlei der Form. 

Viertens: Überreizung der Schüler Gouins wird von einem 
Berichterstatter eingewandt. Dies sei nur erwähnt, weil dem Ver- 
fasser des Gegenwärtigen dasselbe Bedenken mündlich ausgesprochen 
worden ist, und um zu versetzen, dass zahlreiche andere das er« 
freuliche Gegenteil bezeugen. Gouin selbst würde hier auch noch 
darauf hinweisen, dass in seiner Schule neben der Konzentrierung 
der Kraft die Verkürzung der Unterrichtszeit eintritt. 

Fünftens: Beschränkte Schülerzahl wird als unerläss- 
liehe Bedingung von einigen bezeichnet. Gouins Jünger unterrichten 
aber mehrfach an Klassen mit 30 — 40 Schülern. Der vorliegende 



286 Feucht, Frangois Gouin. Seine Lehre und Methode etc. 

Einwand hebt sich in der allgemeinen Wahrnehmung, wonach man 
mit wenigen Schülern weiter kommt als mit vielen und — die 
ganze Herrschaft des Schwarzauf weiss in der Notwendigkeit mecha- 
nischer Ersatzmittel für den kostbaren lebendigen Odem beruht. 

Sechstens muss man den Einwand gelten lassen, dass das 
blinde (rein mechanische) Wortgedächtnis eben doch auch 
neben dem anschauenden geübt werden muss, weil es in wichtigen 
Fällen der Schule wie des Lebens entscheidet. Nicht bloss die 
Söhne Jakobs, sondern auch die Mitschüler in der Klasse wie die 
Elemente der Chemie und so vieles müssen im Gedächtnis zusammen- 
gezwungen werden. 

20. 

Siebentens — und mit der Sabbathzahl wollen wir ruhen von 
der Arbeit an solchen Bedenken, die in Gouin selbst liegen, wollen 
aber beim etwaigen Zusammenstoss des Alten und Neuen einige 
mögliche Reibungen vermerken — : nicht die Gedanken, wohl aber 
die Bauformen der Methode sind von einer Neuheit, die zunächst 
im Bild, in der frostigen litterarischen Erscheinung, 
geeignet ist, das Urteil zu erschweren, ja gegen sich einzunehmen 
und erst in der Erfahrung, bei einer unmittelbaren oder durch 
Nachdenken vermittelten Anschauung erfreut und erwärmt. Das 
Übertriebene und Tüftelige fällt mehr auf als die unendliche Geduld 
und Sinnigkeit, v/omit diese Schriften nur der Praxis handlangen. 
Das Einfache erscheint als simpel wie so oft. Jedoch auch ohne 
Vorurteil ist es schwer, mit und bis Gouin durchzukommen. Wenn 
er nicht wie bisher von Person zu Person in lebendiger Tradition 
Schule macht, wenn nicht einer bei uns, auf Grund der Anschauung 
von Gouinkursen in London oder jetzt etwa in Hamburg, verbunden 
mit dem Studium der Schriften Gouins und einer behutsamen Aus- 
gestaltung der Serien, ein durchschlagendes Beispiel giebt, so wird 
Gouin uns fremd bleiben oder tot sein, wie für Frankreich — 
hauptsächlich wegen der Unstetigkeit der Staats- und Stadtregierung 
— mit seinem Lebensende das Begräbnis seines Werks begonnen 
zu haben scheint. In andern Ländern, wie England und Holland, 
treten nach dem Tod des starren Reformators die Vermittlungs- 
theologen auf und suchen das Erbe an die jüngeren Geschlechter 
und älteren Methoden, insbesondere durch modischen Zuschnitt der 
Serien, anzupassen. Gouin war schroffer: die Reformation, sagt er, 
muss sich ausserhalb der Kirche vollziehen. Man versuche es aber 
nach Möglichkeit und Gewissen in der Kirche und man wird auch 



Feucht, Fran^ois Gouin. Seine Lehre und Methode etc. 287 

80 eher Nutzen als Schaden stiften, wird aber unter anderem finden : 
der Schüler ist so sehr ans vorgängige Buchstabensuchen 
gewöhnt, dass ihm das vorgängige Sprachhören unbequem ist und 
der Lehrer gegen Dickohrigkeit und Znngenschwere mühsam an- 
kämpft; es erfordert diese Umkehrung anfUnglich einen scheinbaren, 
beängstigenden Zeitverlust, der den Lehrer mit sich und dem 
Lehrplan in Streit bringen kann. Was das schriftliche Arbeiten 
angeht, so bedürfte man überdies eines behördlichen Dis- 
penses. Soweit das Übungsbuch Gehaltvolles bietet, wirkt zwar 
die Verbindung von Anschaulichkeit und Hörsamkeit ein ausser- 
ordentliches Leben im mündlichen Unterricht; allein es stellt sich, 
gemessen an diesem Bedarf, die grosse Menge der Übungsstoffe 
als eine Kost dar, deren Hauptreiz die Salzung und Pfefferung mit 
fremder Grammatik und Stilistik ist. Das Nebeneinanderhergehen 
endlich und Kreuzen von verschiedenen fremdsprachlichen 
Unterrichten hebt jedes Gefühl des nattlrlichen Hineinwachsens 
in die neue Sprache auf. Das etwa sind die Haken, an denen der 
gegenwärtige Berichterstatter bei Versuchen mit Schülern der drei 
Stufen, auch in dreierlei Sprachen, hangen geblieben ist, die aber 
nur mahnen, man möge zwischen der Kritik der reinen und der 
jeweils praktischen Vernunft der Methode reinlich scheiden. 

21. 
Welcher Name gebührt ihr aber, wenn sich der Name Serien- 
methode allzu litterarisch und äusserlich erfunden hat? Der Name 
gebe doch eine Andeutung von den tieferen Eigentümlichkeiten: 
der Spracherlauschung, der inneren Anschauung, der Sach- und 
Sprachvermählung. Wenn mit dem ersten dieser Begriffe gesagt 
wird, dass der Schüler die Sprache ao natürlich lerne wie das 
Kind bei seiner Mutter, so liegt die Bezeichnung „natürliche Me- 
thode" nahe. Hiegegen verwahrt sich Gouin scharf (L'Art, 3. Aufl., 
S. 129). Er weist zwar gerne darauf hin, dass er seine Mittel 
der Natur entlehne; aber natürliche Methode — ? Das wäre ein 
Widerspruch in sich wie die „imitative Methode". Man könnte 
ebensogut von einer natürlichen Maschinentechnik, natürlichen Er- 
ziehung, natürlichen Kunst reden. Nicht natürlich, sondern ver- 
nünftig soll das Werk des Menschen sein, soll sein eine Steigerung 
und Verwendung der blinden Natnrkräfte zu göttlichen Segens- 
kräften, wie er selbst, der Mensch, die höchste Steigerung und 
Veredelung natürlicher Kräfte vorstellt. Das hat den englischen 



288 Feucht, Fran^ois Gouin. Seine Lehre und Methode etc. 

Goainisteu vorgeschwebt, da sie den Namen psychologische 
Methode gewählt haben. Welche Methode erhöbe aber nicht den 
Anspruch psychologisch zu sein wie etwa pädagogisch? Lieber 
noch dynamisch, sofern aus der Schwellung des Lebensgefühls 
der Zauber der Fixigkeit des Gouinschülers entspringt. Diese 
Dynamik nun, diese Schwellung der Energie beruht hier wie überall 
auf der Wechselwirkung der Kräfte. Und Wechselwirkung 
ist die entscheidende Eigentümlichkeit von Gouins System : Wechsel- 
wirkung zwischen Sach- und Sprachunterricht, zwischen der äusseren 
Gebärdung und inneren Anschauung, zwischen diesen beiden selbst 
und der Erlanschung, sodann zwischen Wort und Gedanken — 
hier begegnet er der einseitigen Auffassung, als ob der Gedanke der 
Vater des Wortes wäre, kurzweg mit dem Kehrsatz — , Wechsel- 
wirkung zwischen Haupt- und Nebenfächern, zwischen Lehrer und 
Schüler (nun ja!), zwischen Mundart und Schriftsprache (nun das!), 
zwischen Leben und Schule, Wissenschaft und Erziehung — überall 
dringt er auf Wechselwirkung, die er in genialer Unbewusstheit 
doch nie beim Namen nennt. Inbegriff aller Wechselwirkung ist 
aber der Organismus. Je mehr Wechselwirkung, desto orga- 
nischer das Werk und das Leben. Organisch muss die Methode 
Gouins heissen, wenn sie nicht einfach den Namen des Schöpfers 
tragen soll. Und soweit sie neue Anregung und Mittel bietet, von 
irgend welchem Mechanischen des Schulbetriebs hinweg nicht etwa 
zum Rationellen, sondern zum Organischen, von der Routine zur 
geistigen Zucht als dem eigentlichen Wertmesser zu gelangen, so 
weit hat Gouin das Recht, über die Schranken der Völker hinweg 
sein „Allheil !^^ zu entbieten und in prägnantem Sinn zu sprechen: 
Meine Methode ist nicht eine Methode, sondern die Methode. 

22. 
Der Ausblick endlich auf die nächsten Möglichkeiten fllr 
die Methode Gouin bei uns darf sich einer persönlichen Einleitung 
bedienen. Bei Beginn der jüngsten Sommerferieu wurde ich — von 
einer nichtfachmännischen Seite — aufgefordert, der Methode näher- 
zutreten, mit Hinweis auf die beglaubigten Erfolge im Ausland. 
Ich erklärte mich mit Misstrauen bereit und mit der Bemerkung, 
es sei dem Gymnasium nicht um die blosse Sprachfertigkeit, 
sondern auch um den Sprachverstand zu thun. Bald kam ich 
zum Ergebnis : Wenn dieses Lehrgebäude auch nur ein Kartenhaus 
wäre, so wäre es doch eine Sehenswürdigkeit für die Weltaus- 
stellung (wo es in der That auch gestanden hat). 



Feucht, Frangois Gouin. Seine Lehre und Methode etc. 289 

Allein nicht die grosse KUnstliclikeit war der Schlusseindruck 
von dem Werke, sondern die grössere Weisheit. Daher eine ge- 
wisse Ungeduld, Gouin im fachmännischen Kreis zur Sprache zu 
bringen. Das Recht, Gouin zu nennen und zu kennen ohne vor- 
gängige Teilnahme an einem seiner Kurse, giebt uns Gouin nämlich 
selbst, indem er ja die innere, durch Sprachmitteilung entwickelte 
Anschauung allenthalben über die äussere stellt. Gäbe es nun 
bei unseren studienrätlichen Schulen solche Musterlehrproben auf 
Lehrerkonferenzen wie bei den Volksschulen, so müsste der nächste 
Gedanke gewesen sein, dort einmal eine Gouinstunde darzustellen 
und eine Erörterung anzuregen. Anders aber bleibt doch wohl 
nur der Weg in die Fachblätter. Die gehofften Wirkungen wären: 
an höheren Privatschulen, wie wir sie für Knaben und 
Mädchen, in Stuttgart besonders, haben, nimmt man Gouin in Acht 
und versucht's mit ihm; obschon die Ehren des Yortritts mehr einer 
Staatsschule zu gönnen wären. Seite 426 des Hauptwerks wartet ins- 
besondere der Frauen vom „Frauenberuf eine holde Überraschung. 
Vielleicht kommen diese Zeilen ausnahmsweise einer Leserin, einer 
freundlichen, zu Gesicht. — An den Staatsschulcn sodann reist 
vielleicht der eine oder andere jüngere Kollege oder einer, der sich 
leichter von häuslichen Sorgen losmacht, einem Gouinkurs nach 
und berichtet darüber. — Oder drittens eine teilnelimende vor- 
gesetzte Behörde gewährt einem Lehrer, der den Mut und die 
Sachkenntnis hat, die Erlaubnis zu einem einjährigen Versuchskurs 
an einer Staatsschule. — Und endlich, was das möglichste und un- 
verfänglichste wäre, die Verfasser von Übungsbüchern in Gegen- 
wart und Zukunft möchten in geneigte Erwägung ziehen, ob nicht 
eine Annäherung an Gouin sich je mehr und mehr in der Richtung 
ihres eigenen äusseren Vorteils und inneren Gefühls vollzöge. 

Möge in Einer dieser vier Windrichtungen das Wort, das hier 
für Gouin genommen worden ist, Anklang oder Widerhall finden! 
Möge den Freunden der alten Gymnasialbildung dieser Neuerer 
nicht ganz missfallen, der doch wenigstens anstatt mit unfertigen 
Forderungen einmal mit fertiger Gabe naht! Möge der geistigen 
Heimat Gouins, dem Gymnasium, die Frühlingsstimmung, darin er 
trotz Kreuz und Leiden seinen Lauf erfüllt hat, auch bleiben und 
kommen: „Die Welt ist jung, so jung wie nie!" 



290 Wagnor, Über einige Stellen d. Sophokleuchen Antigone. 

über einige Stellen der Sophokleischen Antigone. 

Die Unmöglichkeit; unser diesjähriges Esslinger Programm auch 
noch mit textkritischen Anmerkungen zu beschweren^ ist die Ver- 
anlassung zu den hier folgenden Ausführungen^ in welchen nur 
von wenigen Stellen die Rede sein soU^ deren herkömmliche Auf- 
fassung nicht befriedigt. 

Abgesehen von den Chorliedem haben allezeit gerade die ein- 
leitenden Verse dem Verständnis die grössten Schwierigkeiten ge- 
boten. Jebb giebt sie in seiner kleinen Ausgabe^); welche eher 
allgemein zugänglich sein dürfte als die grosse^ ohne Zusatz in der 
herkömmlichen Form, auch v. 2 f., abgesehen von der auf Schneider 
zurückgehenden Schreibweise o rt, wo Schubert in seiner Schulaus- 
gabe (4. A. 1900) unnötigerweise olaS^a ov, schreibt; onotov ist bo- 
wenig zu beanstanden wie Dem. 2. Phil. 11 oder Plat. Protag. 317 a 
oTiovv und wird gestützt durch Pol. 4, 65, 3: ovd^ onoiag ^rrco. Sonst 
bevorzugt Jebb die Lesarten des Laurentianus (Mediceus) und dürfte 
darin noch weiter gehen. Unhaltbar wird aber u. a. in v. 4 das 
bekannte ovr^ avtjg äisQ sein. Böckh hat seinerzeit gelesen: ot!r* 
— uTfjg axsQ und erklärt: noch — des frevelvollen Unheils nicht 
zu gedenken — (S. 214 der griechisch-deutschen Ausgabe von 1843); 
aber die dabei sich ergebende Wiederholung von ovxs vor €U0xq6v 
dürfte ohne Analogie sein. Neuerdings hat Muff versucht^ die Stelle 
durch den Hinweis auf die Worte in Lessings Emilia Galotti ver- 
ständlich zu machen: „Wie wild er schon war, als er nur hörte, 
dass der Prinz dich jüngst nicht ohne Missfallen gesehen.^ 
Aber die Annahme eines solchen Versehens hat doch schwere Be- 
denken^ wenn man im Auge behält, dass die Worte von drei gleich- 
artigen Ausdrücken eingerahmt sind. Die Bemerkung des Didymos 
zu der Stelle könnte zu einem dvfjQov iai verführen; aber die 
Wiederholung des ioS^ klingt weder schön noch ist sie wahrschein- 
lich. Das Papyrusfragment ]v7ig aiag uttjc kann um so weniger 
zum Vergleich herangezogen werden, als utsq avrig hier umgestellt 
ist und ein Stück eines Hexametera vorzuliegen scheint. Auch mit 
der Änderung ot-rf' urrjg utsq wäre nach dem Obigen nicht viel 
gebessert. Man gewinnt vielmehrt den Eindruck, dass eine Reihe 
von vier gleichartigen Ausdrücken im Texte gestanden haben muss, 

*) Sophokles. The toxt of the seven plays, edited with an intro- 
«luction by K. C. Jebb, Litt. D. Cambridge At the University prcsa 
1897 (Leipzig, F. A. Brockhaus). 



Wagner, Über einige Stellen d. Sophokleischen Antigene. 291 

von denen jeder folgende eine Steigerung des vorhergehenden dar- 
stellte : . SchmerZ; . . ., Schimpf, Ehrlosigkeit. Wer einen andern 
beschimpft; hält ihn wenigstens noch der Beachtung wert; wer ihn 
als ehrlos behandelt, thut, wie wenn er gar nicht vorhanden wäre. 
Dementsprechend mag auch auf ,8chmerz' (^Kränkung*) ein Wort 
gefolgt sein, das eine Steigerung dazu bildete. Wer mir wehe thut, 
tiitt mir weniger zu nahe, als wer es nicht der Mühe wert findet, 
mir wehe zu thun, mich also verachtet. So komme ich (trotz 
Brenners Aufsatz Z. f. ö. G. 1898, 687 f.) auf den Gedanken, es 
konnte ein aTtj/nskig im Sinne von ,, sorglos, nachlässig^' anzu- 
nehmen, also zu übersetzen sein: keine Vernachlässigung, Miss- 
achtung. Die Lexika führen wenigstens Stellen von Sextus Empir. 
und Plutarch an. Dies zur Kechtfertigung meiner Übersetzung: 
,,Nicht eine Ejränkung giebt's ja, nicht Missachtung auch, | Und 
nicht Beschimpfung, nicht Entehrung, . . .^ In v. 557 ist über- 
liefert: fiiiv TOI L, f.ih ToTq A. Dies weist auf f.iev rw. Bei der 
Erklärung der Stelle ist von Wichtigkeit, ob man die Dative auf 
idoviovv bezieht oder auf xaXa>g . . (fQovtlv, Die erstere Annahme 
fuhrt auf die Übersetzung: ;,Dich fand nur einer, andre fanden 
mich gescheit;^' dabei könnte man eigentlich nur an Kreon, bezw. 
die Geronten denken, am Ende auch statt ihrer an die Toten. 
Allein es ist nicht recht einzusehen, zu welchem Zweck hier plötz- 
lich auf etwas ganz anderes, auf das Urteil Kreons und anderer, 
übergegangen sein soll, während ein Urteil Antigenes über die 
Schwester noch aussteht. Bezieht man die Dative auf xaXo/g (fQOvslv, 
so besteht die doppelte Möglichkeit, xiZ und -cdiqy wie bei deutschen 
Gelehrten herkömmlich, auf die geäusserten Ansichten zu beziehen, 
oder aber, wie oben, auf die Personen, nämlich Kreon bezw. die 
Toten, auf welche ja Antigene schon v. 73 ff. hingewiesen hat. 
Die Erklärung der Dative im Sinne von Instrumentalen befriedigt 
aber nicht. So bleibt die meines Wissens neue Erklärung: „Du 
glaubtest einem (nämlich Kreon) wohlgesinnt zu sein, ich den andern 
(d.h. den Toten)," freier: „Du glaubtest einem, andern ich getreu 
zu sein." Sie hat zur Voraussetzung die Richtigkeit von xaXoIg 
ffQovsly ZIVI im Sinne von „jmd wohlgesinnt sein". Zum Belege 
diene Aesch. Ag. 1411 {sv (pQovelv tlvi), v. 604 liest man redv 
oder adv, ohne sich über das nachher beim Optativ fehlende ay 
allzu schwere Gedanken zu machen, weil ja allerdings auch sonst 
einige Beispiele derart vorkommen. Neuerdings ist vorgeschlagen 
TIC üy dQwy zu lesen (statt r/c dv6()ioy)y mit folgendem tnegßuaiay 



290 Wagnor, Über einige Stellen d. Sophokleischen Antigone. 

über einige Stellen der Sophokleischen Antigone. 

Die Unmöglichkeit, unser diesjähriges Esslinger Programm auch 
noch mit textkritischen Anmerkungen zu beschweren, ist die Ver- 
anlassung zu den hier folgenden Ausführungen, in welchen nur 
von wenigen Stellen die Rede sein soll, deren herkömmliche Auf- 
fassung nicht befriedigt. 

Abgesehen von den Chorliederu haben allezeit gerade die ein- 
leitenden Verse dem Verständnis die grössten Schwierigkeiten ge- 
boten. Jebb giebt sie in seiner kleinen Ausgabe^), welche eher 
allgemein zugänglich sein dürfte als die grosse, ohne Zusatz in der 
herkömmlichen Form, auch v. 2 f., abgesehen von der auf Schneider 
zurückgehenden Schreibweise o n, wo Schubert in seiner SchnlauB- 
gabe (4. A. 1900) unnötigerweise olad^a av, schreibt; ondiov ist so- 
wenig zu beanstanden wie Dem. 2. Phil. 11 oder Plat. Protag. 317 a 
onovv und wird gestützt durch Pol. 4, 65, 3: ovi* onoiug ^itw. Sonst 
bevorzugt Jebb die Lesarten des Laurentianus (Mediceus) und dürfte 
darin noch weiter gehen. Unhaltbar wird aber u. a. in v. 4 das 
bekannte ovt avijg utsQ sein. Böckh hat seinerzeit gelesen: ovr* 
— uTtig UTSQ und erklärt: noch — des frevelvollen Unheils nicht 
zu gedenken — (S. 214 der griechisch-deutschen Ausgabe von 1843); 
aber die dabei sich ergebende Wiederholung von ovtb vor ida/^goy 
dürfte ohne Analogie sein. Neuerdings hat Muff versucht, die Stelle 
durch den Hinweis auf die Worte in Lessings Emilia Galotti ver- 
ständlich zu machen: ,,Wie wild er schon war, als er nur hörte, 
dass der Prinz dich jüngst nicht ohne Miss fallen gesehen." 
Aber die Annahme eines solchen Versehens hat doch schwere Be- 
denken, wenn man im Auge behält, dass die Worte von drei gleich- 
artigen Ausdrücken eingerahmt sind. Die Bemerkung des Didymos 
zu der Stelle könnte zu einem dTTjgoy iav* verführen; aber die 
Wiederholung des iaO^ klingt weder schön noch ist sie wahrschein- 
lich. Das Papyrusfragment Jvi]g avtg uTT^g kann um so weniger 
zum Vergleich herangezogen werden, als avBQ avTjg hier umgestellt 
ist und ein Stück eines Hexameters vorzuliegen scheint. Auch mit 
der Änderung oti^ un^g utsq wäre nach dem Obigen nicht viel 
gebessert. Man gewinnt vielmchrt den Eindruck, dass eine Reihe 
von vier gleichartigen Ausdrücken im Texte gestanden haben muss, 

*) Sophokles. The toxt of the seven plays, edited with an mtro- 
duetion by R. C. Jebb, Litt. D. Cambridge At the University press 
1897 (Leipzig, F. A. Brockhaus). 



Wagner, Ober einige Stellen d. Sophokleischen Antigene. 291 

von denen jeder folgende eine Steigerung des vorhergehenden dar- 
stellte :, Schmerz^ . . ., Schimpf, Ehrlosigkeit. Wer einen andern 
beschimpft, hält ihn wenigstens noch der Beachtung wert; wer ihn 
als ehrlos behandelt, thut, wie wenn er gar nicht vorhanden wäre. 
Dementsprechend mag aach auf ,Schmerz' (,Kränkung^) ein Wort 
gefolgt sein, das eine Steigerung dazu bildete. Wer mir wehe thut, 
tritt mir weniger zu nahe, als wer es nicht der Mühe wert findet, 
mir wehe zu thun, mich also verachtet. So komme ich (trotz 
Brenners Aufsatz Z. f. ö. G. 1898, 687 f.) auf den Gedanken, es 
konnte ein dvfjfxsXbg im Sinne von „sorglos, nachlässig^' anzu- 
nehmen, also zu übersetzen sein: keine Vernachlässigung, Miss- 
achtung. Die Lexika führen wenigstens Stellen von Sextus Empir. 
und Plutarch an. Dies zur Kechtfertigung meiner Übersetzung: 
,,Nicht eine Kränkung giebt's ja, nicht Missachtung auch, | Und 
nicht Beschimpfung, nicht Entehrung, . . .^' In v. 557 ist über- 
liefert: f.iiv TOI L, f.iey Tolq A. Dies weist auf (.dv ro7. Bei der 
Erklärung der Stelle ist von Wichtigkeit, ob man die Dative auf 
idoKovv bezieht oder auf ytaXwq . . (pQOvatv. Die crstere Annahme 
führt auf die Übersetzung: „Dich fand nur einer, andre fanden 
mich gescheit;" dabei könnte man eigentlich nur an Kreon, bezw. 
die Geronten denken, am Ende auch statt ihrer au die Toten. 
Allein es ist nicht recht einzusehen, zu welchem Zwxck hier plötz- 
lich auf etwas ganz anderes, auf das Urteil Kreons und anderer, 
übergegangen sein soll, während ein Urteil Antigones über die 
Schwester noch aussteht. Bezieht man die Dative auf KaXwq qjQOvalyy 
so besteht die doppelte Möglichkeit, r(u und toig, wie bei deutschen 
Gelehrten herkömmlich, auf die geäusserten Ansichten zu beziehen, 
oder aber, wie oben, auf die Personen, nämlich Kreon bezw. die 
Toten, auf welche ja Antigone schon v. 73 ff. hingewiesen hat. 
Die Erklärung der Dative im Sinne von Instrumentalen befriedigt 
aber nicht. So bleibt die meines Wissens neue Erklärung: „Du 
glaubtest einem (nämlich Kreon) wohlgesinnt zu sein, ich den andern 
(d.h. den Toten)," freier: „Du glaubtest einem, andern ieli getreu 
zu sein." Sie hat zur Voraussetzung die Richtigkeit von xaXiSg 
qjQOvsTv vivi im Sinne von Jmd wohlgesinnt sein". Zum Belege 
diene Aesch. Ag. 1411 (sv cpQovHv tivi), v. 604 liest man xadv 
oder odv, ohne sich über das nachher beim Optativ fehlende av 
allzu schwere Gedanken zu machen, weil ja allerdings auch sonst 
einige Beispiele derart vorkommen. Neuerdings ist vorgeschlagen 
zig av ÖQiHv zu lesen (statt r/g dvÖQiov), mit folgendem ineQßuainy 



290 Wagnor, Ober einige Stellen d. SophokleiBchen Antigone. 

über einige Stellen der Sophokleischen Antigone. 

Die Unmöglichkeit; unser diesjähriges Esslinger Programm auch 
noch mit textkritischen Anmerkungen zu beschweren^ ist die Ver- 
anlassung zu den hier folgenden Ausführungen, in welchen nur 
von wenigen Stellen die Rede sein soll; deren herkömmliche Auf- 
fassung nicht befriedigt. 

Abgesehen von den Chorliedern haben allezeit gerade die ein- 
leitenden Verse dem Verständnis die grössten Schwierigkeiten ge- 
boten. Jebb giebt sie in seiner kleinen Ausgabe^); welche eher 
allgemein zugänglich sein dürfte als die grosse, ohne Zusatz in der 
herkömmlichen Form, auch v. 2 f., abgesehen von der auf Schneider 
zurückgehenden Schreibweise o ri, wo Schubert in seiner Schulaus- 
gabe (4. A. 1900) unnötigerweise olai^a av, schreibt; onolov ist so- 
wenig zu beanstanden wie Dem. 2. Phil. 11 oder Plat. Protag. 317 a 
ouovv und wird gestützt durch Pol. 4, 65, 3: ovd^ onoiug ijTTU). Sonst 
bevorzugt Jebb die Lesarten des Laurentianus (Mediceus) und dürfte 
darin noch weiter gehen. Unhaltbar wird aber u. a. in v. 4 das 
bekannte orr' uvtjg ülvbq sein. Böckh hat seinerzeit gelesen: ot;r* 
— uTTiQ axsQ und erklärt: noch — des frevelvollen Unheils nicht 
zu gedenken — (S. 214 der griechisch-deutschen Ausgabe von 1843); 
aber die dabei sich ergebende Wiederholung von ovtb vor aia/^OF 
dürfte ohne Analogie sein. Neuerdings hat Muff versucht^ die Stelle 
durch den Hinweis auf die Worte in Lessings Emilia Oalotti ver- 
ständlich zu machen: ,.Wie wild er schon war^ als er nur hörte, 
dass der Prinz dich jüngst nicht ohne Missfallen gesehen.^ 
Aber die Annahme eines solchen Versehens hat doch schwere Be- 
denkeU; wenn man im Auge behält, dass die Worte von drei gleich- 
artigen Ausdrücken eingerahmt sind. Die Bemerkung des Didymos 
zu der Stelle könnte zu einem uTtjgov iav* verführen; aber die 
Wiederholung des iad-" klingt weder schön noch ist sie wahrschein- 
lich. Das Papyrusfragment Jvriq avtQ arrig kann um so weniger 
zum Vergleich herangezogen werden, als ut6q uTr^g hier umgestellt 
ist und ein Stück eines Hexameters vorzuliegen scheint. Auch mit 
der Änderung ord' ärrjq utsq wäre nach dem Obigen nicht viel 
gebessert. Man gewinnt vielmehrt den Eindruck, dass eine Reihe 
von vier gleichartigen Ausdrücken im Texte gestanden haben muss, 

*) Sophokles. The tcxt of the seven plays, edited with an intro- 
duetion by R. C. Jebb, Litt. D. Cambridge At the University press 
1897 (Leipzig, F. A. Brockhaus). 



Wagner, Über einige Stellen d. Sophokleischen Antigene. 291 

von denen jeder folgende eine Steigerung des vorhergehenden dar- 
stellte :. Schmerz^ . . ., Schimpf, Ehrlosigkeit. Wer einen andern 
beschimpft; hält ihn wenigstens noch der Beachtung wert; wer ihn 
als ehrlos behandelt, thut, wie wenn er gar nicht vorhanden wäre. 
Dementsprechend mag auch auf ,Schmerz' (,Kränkung') ein Wort 
gefolgt sein, das eine Steigerung dazu bildete. Wer mir wehe thnt, 
tritt mir weniger zu nahe, als wer es nicht der Mühe wert findet, 
mir wehe zu thun, mich also verachtet. So komme ich (trotz 
Brenners Aufsatz Z. f. ö. G. 1898, 687 f.) auf den Gedanken, es 
konnte ein aTfjfusXeg im Sinne von ,, sorglos, nachlässig^* anzu- 
nehmen, also zu übersetzen sein: keine Vernachlässigung, Miss- 
achtung. Die Lexika führen wenigstens Stellen von Sextus Empir. 
und Plutarch an. Dies zur Kechtfertigung meiner Übersetzung: 
,,Nicht eine Kränkung giebf s ja, nicht Missachtung auch, | Und 
nicht Beschimpfung, nicht Entehrung, . . .^* In v. 557 ist über- 
liefert: fiiiv roi L, fisv rolg A. Dies weist auf /.tev rw. Bei der 
Erklärung der Stelle ist von Wichtigkeit, ob man die Dative auf 
idoxovv bezieht oder auf xaXa>^ . . (pQovslv. Die erstere Annahme 
führt auf die Übersetzung: „Dich fand nur einer, andre fanden 
mich gescheit;^' dabei könnte man eigentlich nur an Kreon, bezw. 
die Geronten denken, am Ende auch statt ihrer an die Toten. 
Allein es ist nicht recht einzusehen, zu welchem Zweck hier plötz- 
lich auf etwas ganz anderes, auf das Urteil Kreons und anderer, 
übergegangen sein soll, während ein Urteil Antigenes über die 
Schwester noch aussteht. Bezieht man die Dative auf xaXwg (f)QOvah'y 
so besteht die doppelte Möglichkeit, t(m und rvlg, wie bei deutschen 
Gelehrten herkömmlich, auf die geäusserten Ansichten zu beziehen, 
oder aber, wie oben, auf die Personen, nämlich Kreon bezw. die 
Toten, auf welche ja Antigene schon v. 73 ff. hingewiesen hat. 
Die Erklärung der Dative im Sinne von Instrumentalen befriedigt 
aber nicht. So bleibt die meines Wissens neue Erklärung: ,,Du 
glaubtest einem (nämlich Kreon) wohlgesinnt zu sein, ich den andern 
(d. h. den Toten)," freier: „Du glaubtest einem, andern ich getreu 
zu sein." Sie hat zur Voraussetzung die Richtigkeit von xaXwg 
(pQoyetv Tivi im Sinne von ,Jmd wohlgesinnt sein". Zum Belege 
diene Aesch. Ag. 1411 {sv (pQovslv tivi). v. 604 liest man radv 
oder aaV, ohne sich über das nachher beim Optativ fehlende av 
allzu schwere Gedanken zu machen, weil ja allerdings auch sonst 
einige Beispiele derart vorkommen. Neuerdings ist vorgeschlagen 
lig av ÖQuiv ZU lesen (statt xig dvögiov), mit folgendem iJieQßaaicfy 



290 Wagnor, Ober einige Stellen d. Sophokleischcn Antigone. 

über einige Stellen der Sophokleischen Antigene. 

Die Unmöglichkeit, unser diesjähriges Esslinger Programm auch 
noch mit textkritischen Anmerkungen zu beschweren, ist die Ver- 
anlassung zu den hier folgenden Ausführungen, in weichen nur 
von wenigen Stellen die Rede sein soll, deren herkömmliche Auf- 
fassung nicht befriedigt. 

Abgesehen von den Chorliedern haben allezeit gerade die ein- 
leitenden Verse dem Verständnis die grössten Schwierigkeiten ge- 
boten. Jebb giebt sie in seiner kleinen Ausgabe^), welche eher 
allgemein zugänglich sein dürfte als die grosse, ohne Zusatz in der 
herkömmlichen Form, auch v. 2 f., abgesehen von der auf Schneider 
zurückgehenden Schreibweise o n, wo Schubert in seiner SchulauB- 
gabe (4. A. 1900) unnötigerweise olod^a ov, schreibt; onolov ist so- 
wenig zu beanstanden wie Dem. 2. Phil. 11 oder Plat. Protag. 317 a 
oviovv und wird gestützt durch Pol. 4, 65, 3: ovi* onoiug ^rrw. Sonst 
bevorzugt Jebb die Lesarten des Laurentianus (Mediccus) und dürfte 
darin noch weiter gehen. Unhaltbar wird aber u. a. in v. 4 das 
bekannte ovt^ aTtjg olvbq sein. Böckh hat seinerzeit gelesen: ot!r^ 
— ax7i<; axBQ und erklärt: noch — des frevelvollen Unheils nicht 
zu gedenken — (S. 214 der griechisch-deutschen Ausgabe von 1843); 
aber die dabei sich ergebende Wiederholung von ovtb vor ido/Qoy 
dürfte ohne Analogie sein. Neuerdings hat Muff versucht, die Stelle 
durch den Hinweis auf die Worte in Lessings Emilia Oalotti ver- 
ständlich zu machen: ,.Wie wild er schon war, als er nur hörte, 
dass der Prinz dich jüngst nicht ohne Miss fallen gesehen.^ 
Aber die Annahme eines solchen Versehens hat doch schwere Be- 
denken, wenn man im Auge behält, dass die Worte von drei gleich- 
artigen Ausdrücken eingerahmt sind. Die Bemerkung des Didymos 
zu der Stelle könnte zu einem uttjqvv iav verführen; aber die 
Wiederholung des iad^ klingt weder schön noch ist sie wahrschein- 
lich. Das Papyrusfragment Jvriq artg uTTjg kann um so weniger 
zum Vergleich herangezogen werden, als arsg atTjg hier umgestellt 
ist und ein Stück eines Hexameters vorzuliegen scheint. Auch mit 
der Änderung ord' avi]g utsq wäre nach dem Obigen nicht viel 
gebessert. Man gewinnt vielmehrt den Eindruck, dass eine Reihe 
von vier gleichartigen Ausdrücken im Texte gestanden haben mnss, 

>) Sophokles. The toxt of the sevcn plays, edited with an intro- 
duction by R. C. Jebb, Litt. D. Cambridge At the University press 
1897 (Leipzig, F. A. Brockhaus). 



Wagner, Ober einige Stellen d. Sophokleischen Antigone. 291 

von denen jeder folgende eine Steigerung des vorhergehenden dar- 
stellte : . SchmerZ; . . ., Schimpf, Ehrlosigkeit. Wer einen andern 
beschimpft; hält ihn wenigstens noch der Beachtung wert; wer ihn 
als ehrlos behandelt, thut, wie wenn er gar nicht vorhanden wäre. 
Dementsprechend mag auch auf ,Schmerz^ (^Kränkung') ein Wort 
gefolgt sein, das eine Steigerung dazu bildete. Wer mir wehe thut, 
tritt mir weniger zu nahe, als wer es nicht der Mühe wert findet, 
mir wehe zu thun, mich also verachtet. So komme ich (trotz 
Brenners Aufsatz Z. f. ö. G. 1898, 687 f.) auf den Gedanken, es 
konnte ein dTfjf.isX6g im Sinne von ,,sorglos, nachlässig^* anzu- 
nehmen, also zu übersetzen sein: keine Vernachlässigung, Miss- 
achtung. Die Lexika führen wenigstens Stellen von Sextus Empir. 
und Plutarch an. Dies zur Kechtfertigung meiner Übersetzung: 
,,Nicht eine Kränkung giebf s ja, nicht Missachtung auch, | Und 
nicht Beschimpfung, nicht Entehrung, . . .^* In v. 557 ist über- 
liefert: f,iiv TOI L, jiisy rolq A. Dies weist auf /.tsv tm. Bei der 
Erklärung der Stelle ist von Wichtigkeit, ob man die Dative auf 
idüxovv bezieht oder auf xaXwg . . (fQOvtlv. Die erstere Annahme 
fuhrt auf die Übersetzung: „Dich fand nur einer, andre fanden 
mich gescheit;^ dabei könnte man eigentlich nur an Kreon, bezw. 
die Geronten denken, am Ende auch statt ihrer an die Toten. 
Allein es ist nicht recht einzusehen, zu welchem Zweck hier plötz- 
lich auf etwas ganz anderes, auf das Urteil Kreons und anderer, 
übergegangen sein soll, während ein Urteil Antigones über die 
Schwester noch aussteht. Bezieht man die Dative auf xuXtSg (f}QOvth'y 
so besteht die doppelte Möglichkeit, nji und rolg, wie bei deutschen 
Gelehrten herkömmlich, auf die geäusserten Ansichten zu beziehen, 
oder aber, wie oben, auf die Personen, nämlich Kreon bezw. die 
Toten, auf welche ja Antigone schon v. 73 ff. hingewiesen hat. 
Die Erklärung der Dative im Sinne von Instrumentalen befriedigt 
aber nicht. So bleibt die meines Wissens neue Erklärung: ,,Du 
glaubtest einem (nämlich Kreon) wohlgesinnt zu sein, ich den andern 
(d. h. den Toten)," freier: „Du glaubtest einem, andern Ich getreu 
zu sein." Sie hat zur Voraussetzung die Richtigkeit von xaAc?^ 
(fjQOvsty nvi im Sinne von ,Jmd wohlgesinnt sein". Zum Belege 
diene Aesch. Ag. 1411 (sv (pQOvsZv nvi). v. 604 liest man rsdy 
oder advy ohne sich über das nachher beim Optativ fehlende äy 
allzu schwere Gedanken zu machen, weil ja allerdings auch sonst 
einige Beispiele derart vorkommen. Neuerdings ist vorgeschlagen 
Tig dy ÖQüly zu lesen (statt ilg dvÖQiZv), mit folgendem xnsQßaaUf, 



292 Wagner, Über einige Stellen d. Sophokleischen Antigone. 

schwerlich richtig. Vielmehr wird das fehlende ay in tsuv stecken; 
seine Einfügung hinter Tsdr (mit Synicese zu lesen) beseitigt auch 
die metrische Ungleichmässigkeit; vgl. v. 615: d yaQ itj , , . In 
V. 718 ist überliefert: dXk^ ehe &vfim L, A; &vf.iov r. Das Rich- 
tige dürfte &vfiwv sein, wozu zu vergleichen wäre: Eur. Phoen. 457 
{a/daov d-vf-iov nvodg) neben Phil. 47, e (rotg &vfioig xat zuZg 
oQyalq). In v. 966 ist es zwar sehr verlockend, xvuvbolv auf die 
bekannten Felsen zu beziehen. In Wirklichkeit wird das Wort 
von den beiden Meeren gesagt sein, dem Pontes und der Propontis 
bezw. dem Bosporos, welche dort zusammentreffen. Jebb giebt an: 
naqd 6i xvaviioy nsXdyswv (sie) nsTQuiv \ diSv^iag ukog L. nsTQwv 
del. Brunck: Kvavedv Wieseler: neXdyev J(ebb). /I^r^iciii' muss aus 
der folgenden Zeile hereingekommen sein, wo es neben Q^ri^xiZv 
(&Qi]i'xiov zu lesen!) dazu dienen könnte, die vorhandene Lücke 
zu schliessen, während dXog dann bleiben müsste. Noch misslicher 
ist V. 970, wo die Überlieferung die Worte «V dyyJnoXig ^yiQr^g 
bietet, neben fdv dQ/aioyovwv in der Gegenstrophe. Ich wage die 
Vermutung iv ^Ay/ivotÖTiq, wenn auch nicht ohne selbst Be- 
denken zu haben. Dann ist Phineus selbst als Zeuge der Blendung 
seiner Söhne durch deren Stiefmutter gedacht, was um so wahr- 
scheinlicher ist, als dann alles wohl zusammenstimmt, während bei 
der überlieferten Lesart die Beziehung von Sd/nuQvog unklar bleibt. 
Damit bietet sich auch die Möglichkeit, von der in Rosohers Mythol. 
Lex. angenommenen Unterscheidung von zwei verschiedenen Persön- 
lichkeiten des Namens Phineus abzusehen, vielleicht sogar nach- 
zuweisen, wie die Verschiedenheit der Überlieferung über Phineus 
zu Stande gekommen ist. Wir haben auf der einen Seite Phineus 
neben Aigyptos, Danaos, Kepheus und Agenor als Sohn der AnchinoS 
und des Belos, bezw., was besondere Beachtung verdient, der An- 
chinoe und des Ares, auf der andern Seite Phineus als Bruder 
des Boreas, Belos (!), der Anchinoe (!), des Danaos, Neilos, Aigyptos 
und Kepheus. Aber sollte Phineus nach seiner Mutter als AnchinoYde 
bezeichnet worden sein? Dies mein eigenes Bedenken, zu dessen 
Beseitigung die mir zur Verfügung stehenden Hilfsmittel nicht aus- 
reichen. Indes darf ich doch hoffen, auf etwas Beachtenswertes 
aufmerksam gemacht zu haben. Phineus erscheint im tibrigen auch 
sonst in der Überlieferung als an dem Verbrechen beteiligt (vgl. 
Pauly-Wissowa s. v.). In v. 1029 könnte an Stelle von ifayont 
ein (fi^vavTi gedacht werden, was näher läge als die sonst vor- 
geschlagenen Änderungen; die Notwendigkeit der Änderung wird 



Osiander, Ferienkurs in Grenoblo (August 1900). 293 

fdch aber kaum nachweisen lassen. Vcrbessernngsbedtlrftig ist da- 
gegen ohne Zweifel v. 1232 f. Die Überlieferung ist die: oXwg L 
(übrigens mit darübergeschriebenem iiq^ovg), "^upovg r. Niemand 
wird leugnen können, dass der Zusatz von dmXovg geschmacklos 
und unnatürlich ist. Die richtige Lesart mag sein: oXwg \ SXxsi 
l^icpovg xvMovTag. Wenn er nämlich das Schwert am Griffe packt, 
um es herauszuziehen, so legen sich der Zeigefinger und der Daumen 
von selbst an die xvaidovrsg, deren Erwähnung an Stelle des Griffs 
also an sich wohl möglich ist, allein das durch den Zusatz von 
imXovg noch ausdrücklich hervorzuheben, kann keinem Vernünftigen 
einfallen; das kann nur ein allzu gründlicher Schulmeister auf den 
Rand geschrieben haben. 

Über die Übersetzungsversuche des Professors Grillo findet 
sich in Nicolais Allg. deutscher Bibliothek von 1774 (21. B. 2. St.) 
auf S. 598 ff. das Urteil, dass seine Ausdrücke „ein hochansehnliches 
gelehrtes Policeycollegium . . . verbieten sollte^' ; möchte nicht das- 
selbe über die hier vorgetragenen Verbesserungsversnche geurteilt 
werden müssen, deren Verfasser aber zufrieden ist, wenn unter den 
von ihm herbeigeschafften Bausteinen auch nur ein einziger sich 
als der an die betreffende Stelle gehörige herausstellen sollte. 

Esslingen. R. Wagner. 



Ferienkurs in Grenoble (August 1900). 

Von W. Osi ander. 
(Schluss.) 

M. Marcel Reymond^) machte aus dem Schatze seiner 
kunsthistonschen Studien interessante Mitteilungen, die in der Form 
von Causeries sich nicht sehr streng an das im Programm an- 
gekündigte Thema Jlistoire de VArt Italien gebunden hielten. Seine 
Vorliebe für Italien, Land und Volk, legte er wiederholt an den 

*) M. Reymond, Präsident des Cotnite de i)atronage^ ehemaliger 
Präsident und ständiger Schatzmeister de VAcadSmie delphinale, cor- 
reapondant du Ministbre de VInstruction publique et du ComitS des 
Societes des Beaux-Arts des departements gehört einer alten begüterten 
und wohlverdienten Familie des Dauphinö an. Eine kraftvolle Er- 
scheinung, im Umgang gemütvoll und herzlich, versteht er es, mit 
vollendeter Liebenswürdigkeit die Honnenrs seiner Vaterstadt zu 
machen, deren Interessen er selbstlos zu fördern sucht. 



294 Osiander, Ferienkurs in Grenoble (August 1900). 

Tag, insbesondere widmete er der eben zur Witwe gewordenen 
Königin Worte innigster Teilnahme. 

1. Anknüpfend an den durch Taine eingeführten Begriff des 
Milieu sucht Reymond den Charakter der verschiedenen knltnr- 
historischen Epochen aufzuzeigen. Während im Altertum physische 
Kraft und Schönheit das Hauptthema der Kunst bilden und die 
Menschengestalt unverliUllt als ganze zur Erscheinung gebracht 
wird, gelangt durch das Christentum Seele, Geist und Gedanke 
zur Herrschaft. Die Kunst wird spiritualistisch, legt den Haupt- 
nachdruck auf den Ausdruck des Gesichts, während sie zugleich 
ein dramatisches Gemälde von den Freuden und Leiden der Mensch- 
heit zu entwerfen sucht. Da eine Idee sich niemals vollständig 
ausdrücken lässt, so nimmt sie in verschiedenen Zeiten und auf 
verschiedenem Boden verschiedene Gestalten an. Im 13. Jahr- 
hundert, in welchem die neue Kunst uns fertig entgegentintt, ist 
der Künstler zum Denker geworden, der in Ermanglung einer 
Volkslitteratnr zugleich die Aufgabe des Volksbildners übeniommen 
hat. Den Hauptgegenstand der Kunst bilden die letzten Dinge, 
besonders das jüngste Gericht. Italien, innerlich zerrissen, ent- 
wickelt die grosse Idee des Leids (cf. Dante), erst in den folgen- 
den Jahrhunderten schwingt es sich auf, fühlt es sich glücklich 
und wird nun Erzieherin Europas. Die verschiedenen Kunstcentren 
Florenz, Rom, Neapel, Venedig, Mailand haben ihre eigenen Schulen 
und entwickeln ihre besonderen Ideen. Florenz übernimmt im 
14. Jahrhundert die Führung; seine Meister sind Luca della Robbia, 
der Realist Donatello, der Erzähler Ghiberti; Hauptthema seiner 
Kunst die Madonna, die als femme-mere die Idee der Schönheit 
wie der von Selbstsucht freien Liebe repräsentiert. Durch Vor- 
zeigen zahlreicher Photographien gab der Redner — als prSambuie 
— ein Bild von dem dekorativen Stil Lucas della Robbia« 

2. Die Kunst war stets sowohl Frucht als Abbild ihrer Civiii- 
sation, die deren Charakter und Ideen zum Ausdruck bringt. Die 
von Rossi wieder entdeckte Kunst der Katakomben bedient sich der 
römischen Formen zur Darstellung der Freude und des Glücks. 
Nachdem das Christentum Reichsreligion geworden war, brauchte 
sie sich nicht mehr zu verbergen; ihre Haupterzeugnisse sind Marmor- 
sarkophage, wie sie in Rom und Arles zu sehen sind. Trotz der 
Barbareneinfälle ist das 5. und 6. Jahrhundert kunstgeschichtlich 
noch hochinteressant. Mit dem 7. Jahrhundert, dem die Krypta 
der Grenobler Laurentiuskirche angehört, beginnt unter den Mero- 



Oslander, Ferienkurs in Grenoble (August 1900). 295 

• 

wingem die Periode der Barbarei. Nach einer Art Wiedergeburt 
im 8. und 9. Jahrhundert folgt im 10. unter dem Druck äusserer 
Verhältnisse (Hungersnot, Sarazeneneinfälle) ein tiefer Verfall, erst 
im 11. Jahrhundert wagen sich die Keime einer neuen Kunst hervor, 
deren Fortschritt nicht mehr unterbrochen wird. Die Teilung des 
römischen Keichs in eine östliche und westliche Hälfte im 4. Jahr- 
hundert führt zur Entwicklung von zwei Civilisationen und also 
auch Kunstgeschichten. Die griechische Kunst, die sich in Ravenna 
einen Winkel im Westen erobert, überdauert die italische und ist 
im 6. Jahrhundert auch im Westen von grossem Einfluss geworden. 
Die Hagia Sophia in Konstantinopel bildet den Ausgangspunkt 
aller späteren Kunst: „wir sind nicht Söhne Roms, sondern Kon- 
stantinopels." Die byzantinische Kunst erhält ihre Anregungen 
aus dem Osten, vom Euphrat, Samarkand, ja von Indien. Im Gegen- 
satz zum antiken Marmortempel entwickelt sie den Kuppelbau, der 
zur Stütze starker Pfeiler bedarf, wodurch wiederum ein grosser Saal 
mit Mosaikbekleidung gewonnen wird (cf. San Vitale in Ravenna, 
Lateran in Rom, Monreale in Sicilien). Infolge des Bilderstreits 
im 8. und 9. Jahrhundert wird die Darstellung der Persönlichkeit 
im Osten wie im Westen fast vollständig verlassen und die Skulptur 
gerät in Vergessenheit. Selbst zu Dekorationszwecken werden, ähn- 
lich wie in Italien, statt animalischer und vegetabilischer Formen 
geometrische Figuren, Mäander etc. verwandt (S. Sabina in Rom). 
Erst durch die macedonische Dynastie wird im 10. Jahrhundert 
neues Kunststreben erweckt, das sich auch der menschlichen Figur 
wieder bemächtigte. Dadurch erwachten nach dem kritischen Jahr 
1000 auch im Westen neue Keime, und im 12. Jahrhundert erfolgte 
der Anbruch der „Morgenröte" einer neuen Periode. 

3. Die Vorbedingungen der Entwicklung einer Civilisation und 
Kunst sind ein reicher Boden und ein den Verkehr belebender Fluss, 
sie fanden sich in den Thälern des Euphrat und Nil, zwischen 
denen die Phönizier, „die Engländer des Altertums", als Vermittler 
dienten. Die Civilisation erobert sich in der Folge das Gebiet des 
Mittelmeers, namentlich die ausgebuchteten Küsten Griechenlands, 
dessen Civilisation und Kunst vom 7. Jahrhundert ab die Vorherr- 
schaft gewinnt. Italien, vermöge seiner Lage Herrin des Mittel- 
meers, wird Mutter einer neuen Kunst. Im 13. Jahrhundert über- 
nehmen Frankreich, im 16. Spanien die Führung, im Norden und 
Osten erobert die Kunst neue Gebiete. Für die Alten bildete die 
Kunst einen Teil der Religion. Ihr diente die Architektur, die 



296 Osiander, Ferienkurs in Grenoble (August 1900). 

Kunst par excdlence, weil sie Plastik und Malerei miteinschlicsst ; 
ihre Ausgestaltung war wesentlich durch das ihr zu Gebote stehende 
Material bedingt. Ägypten, dessen Randgebirge reiches Steinmaterial 
lieferte, bildete Dach- und Säulenbau aus, Assyrien, das nur Ziegel 
zu verwenden hatte, den Kuppelbau. Die ägyptische Kunst wurde 
von den Griechen, die assyrische von den Oströmern Übernommen. 
Italisches Kunstzentrum war unter dem Hohenstaufen Friedrich II. 
die SUdostkUste, die Byzanz am nächsten lag, durch das Haus 
Anjou und die Spanier wird es nach dem Südwesten verlegt, wo 
der byzantinische Stil durch die vom Norden kommende Gotik ver- 
drängt wird. Rom übt auf die Kunstentwicklung erst vom 14. Jahr- 
hundert au Einfluss, nachdem es seine Anregungen von Florenz 
empfangen hatte. Venedigs Kunst, ganz vom Orient beeinflusst, 
zeigt volle farbige Sinnlichkeit (cf. Markusdom). Mailand, seiner 
Lage nach eine internationale Stadt und in steter Verbindung mit 
Frankreich und Deutschland, gewinnt dadurch seine gotische Kathe- 
drale, deren Chor französisch (statt der Wände viele Fenster), deren 
Schiff deutsch ist, während der italienische Geschmack namentlich 
in der Verkürzung des Tui-ms zur Geltung kam. Andererseits wirkt 
Mailand wieder auf den Norden, da seine Künstler, die Schöpfer 
der Certosa di Pavia, an den französischen Hof berufen werden. 
Florenz, seiner Lage nach am isoliertesten, war eben deshalb am 
meisten geeignet, der Kunst einen eigenartigen Charakter zu ver- 
leihen, indem es zunächst wieder an altrömische Elemente anknüpft. 

An Stelle einer Causerie sur VExposition gab M. Reymond 
ausserdem eine beredte Schilderung von Exkursionen im Dauphine 
und in Savoyen, die er in der zweiten Hälfte des Monats in Gesell- 
schaft der zu Anfang erwähnten Journalisten gemacht hatte. Dies 
gab ihm zugleich Gelegenheit, über die Erschliessung dieser Gebirge, 
namentlich der Gipfel der Pelvouxgruppe, die in eben diesen Tagen 
wieder drei Opfer gefordert hatten, hochinteressante Mitteilungen 
zu machen. Zum Schlüsse machte Reymond noch den Führer durch 
das Provinzialmuseum, dessen Kunstschätze (Gemälde verschiedener 
Kunstepochen, antike und moderne Plastik) dem Bildungsinteresae 
von Stadt und Provinz das günstigste Zeugnis ausstellen. 

Der letzte Redner, den wir kennen leinen durften, war M. d e 
Beyli^, Präsident des Handclsgerichtshofs und der Acudemie 
(Jelphinale, In seiner ersten Vorlesung über die Ateliers de chariU 
Grenobles wollte er einen Ausschnitt aus der HLstoire de la bien- 
fuLsanre en France geben. „Die Liebesthätigkeit Frankreichs gleicht 



Osiander, Ferienkars in Grenoble (Augast 1900). 297 

nar sich selbst^S wenn auch die Provinzen sich in Einzelheiten 
unterscheiden. Der Gedanke, die Arbeit zu unterstützen, taucht 
zuerst im Dauphin^ auf, wo es schon im 16. Jahrhundert Arbeiter- 
werkstätten gab, besonders praktisch wurde er gegen Ende des 
ancien regime. Während 1848 f. in Paris die National Werkstätten 
Fiasko machten, erwiesen sich die Einrichtungen des Dauphin^ 
(deren Einzelheiten ich übergehe) als mustergültig. Freilich bildete 
der Charakter der Bevölkerung die beste Gewähr gegen Ausschrei- 
tungen. Ist doch ein Gebirgsland wie das Dauphin^ am besten 
geeignet; in den Bewohnern Liebe zur Freiheit, Bereitschaft zu 
gegenseitiger Hilfeleistung, kurzweg ein Gefühl der Solidarität zu 
erwecken. 

Dieser Gedanke bildete den Übergang zum zweiten Vortrag 
über die ^^Anfänge der französischen Revolution^^ ^). Alle Historiker 
räumen ein, dass die im Dauphin6 1788 sich abspielenden Vorgänge 
die Einleitung zu der grossen Revolutionsbewegung bilden. Durch 
den Einfluss der „Propheten der Revolution", deren Werke in allen 
Kreisen, Adel, Klerus, Bürgerschaft gelesen wurden, durch den per- 
sönlichen Verkehr mit Voltaire (in Femey) und Rousseau, der sich 
als Gast auch im Dauphin6 aufhielt, durch den amerikanischen 
Befreiungskampf war im Dauphin^ eine „intellektuelle Zentralisation 
und soziale Gleichstellung" zustandegekommen. Grands seigneurs 
im schlimmen Sinne gab es keine mehr, und das Verlangen nach 
Vertretung der Nation äusserte sich längst unverhohlen. Das Dau- 
phine besass als Province d^jitat seit seiner Abtretung an Frank- 
reich 1349 besondere Freiheiten. Die Gefährdung derselben reizte 
zum Widerstand. Das Parlament (der höchste Gerichtshof) hatte 
in Ausübung eines gewissen Vetorechts einigen königlichen Edikten 
die Einregistrierung versagt. Die Regierung unter Lom^nie de 
Brienne sachte durch einen Staatsstreich den Widerstand zu brechen; 
sie suspendierte das Parlament und berief einen neuen Gerichtshof 
nach Valence. Dadurch drohte nicht aliein der noch kleinen Stadt 
Grenoble eine empfindliche Einbusse, sondern allen Ständen gleiche 
Gefahr, weshalb sich Adel, Klerus und Volk die Hände zum Bunde 
reichten und offen Partei für ihre Magistrate ergriffen. Als der 
Gouverneur am 1. Mai unter Aufgebot des Militärs die königlichen 

') £s ist ein hübscher Gedanke, am Schlüsse jedes Monats über 
eine interessante Episode ans der Geschichte der Provinz sprechen zu 
lassen. So hatten die Julikonferenzen mit einem Vortrag über „Napoleon 
in Grenoble 1815^' geschlossen. 

üenoi KorrespondeoBblatt 100S, Haft 8. 



298 Oslander, Ferienkurs in Grenoble (Aognst 1900). 

Edikte verkündigen and das Palais ds Justice sperren liess, ver- 
sammelten sich die Mitglieder des Parlaments in einem Privathaus 
zur Abfassung eines Aufrufs. Gleichzeitig stellten die verbündeten 
Stände durch ihren Delegierten an den Gouverneur die Forderung 
nach Aufrechterhaltung ihrer Privilegien. Der bestürzte Gouverneur 
erbat sich nun von der Regierung neue Weisungen, und erhielt 
den Befehl, mit aller Strenge vorzugehen. Durch lettres de aichet 
verfügt er die Ausweisung der Magistrate. Darüber allgemeine Ent- 
rüstung in Stadt und Land. Den Ausziehenden werden von der 
Menge die Pferde ausgespannt, stürmisch verlangt man die Zurück- 
nahme des Ausweisungsbefehls. Der Gouverneur lässt das Militär 
vorgehen, wobei ein 75jähriger Greis einen Bajonnetstich erhielt. 
Dies reizte die Menge vollends zur Wut, sie bestieg die Dächer 
und bewarf das Militär mit Ziegeln (journee des tuUes 7. Juni). 
Dadurch eingeschüchtert bat der Gouverneur die Ausgewiesenen za 
bleiben, die nun iu ihren roten Roben sich feierlich in den Jastlz- 
palast begaben. Allein die Bewegung war nicht mehr einzudämmen. 
Besonders war es der junge Barnave, der sie durch Broschüren 
fortwährend in Atem hielt. Auch das Corps Municipal hatte zu ihr 
Stellung genommen und schon am 18. Mai eine Versammlung von 
Notabein, Vertretern des Klerus und der Bürgerschaft in das //o/W 
de Ville eingeladen, die, grösstenteils aus Adeligen bestehend, gegen 
die Willkürakte feierlichen Protest erhoben hatte. In Versailles 
beschloss man nach dem ersten Schreck, den die Kunde von diesen 
Vorgängen hervorrief, weitere Versammlungen verbieten zu lassen 
und einen Marschall mit zwei Regimentern abzusenden. Allein vor 
dessen Eintreffen (7. Juli) hatte sich das Corps Municipal noch ein- 
mal versammelt und die Einberufung der Provinzialstände nach 
einem Ort ausserhalb der Stadt beschlossen. Diese Versammlung 
fand am 21. Juli in dem Schlosse zu Vizille statt, das der Besitzer 
Parier (Vater des älteren Casimir P6rier) zur Verfügung gestellt hatte. 
Die starkbesuchte Versammlung erklärte ihre Zuständigkeit die pro- 
vinzialen Angelegenheiten zu ordnen, verfügte Aufhebnng der Leib- 
eigenschaft u. a. Gestützt durch die öffentliche Meinung von ganz 
Frankreich gewann sie moralische Autorität und unwiderstehliche 
Kraft. Ihre Beschlüsse wurden durch zwei adelige Deputierte dem 
Marschall mitgeteilt, zwei weitere Deputierte, Barnave und Mounier, 
die während der Revolution noch eine grosse Rolle zu spielen be- 
rufen waren, werden nach Versailles abgesandt, gleichzeitig wird 
eine neue Versammlung der Provinzialstände nach Romans an- 



Oslander, Ferienkurs in Grenoble (August 1900). 299 

beraumt. Die Folge war, dass ^e Minister auf neue Oewaltmass- 
regoln verzichteten, womit der Sieg der Freiheit entschieden war. 
Durch diese Vorgänge, die für den Verlauf der grossen Revolution 
vorbildlich geworden sind, war die Bewegung, die zur Einberufung 
der Reichsstände u. s. w. führte, recht eigentlich in Fluss gekommen. 
Ähnliche Bewegungen hatten wohl auch in anderen Provinzen statt- 
gefunden, allein der prinzipielle Grund zur grossen Revolution wurde 
im Dauphin^ gelegt. Übrigens hatte die Bewegung im Dauphin^ 
stets einen gemässigten konstitutionellen Charakter bewahrt, wie 
auch ihre Führer konstitutionelle Royalisten waren ^). 

Am Nachmittag des 30. August, an welchem dieser Vortrag 
stattgefunden hatte, führte M. de Beyli6 die Teilnehmer des Kurses 
in das 18 Kilometer südlich von Grenoble gelegene Schloss von 
ViziUe, wo sie freigebig mit Champagner bewirtet wurden. Unter 
Hinweis auf die hier vollzogene Vereinigung der drei Stände 
brachte er einen Trinkspruch aus auf die grosse fraternite des 
nations, der bei sämtlichen Anwesenden begeisterten Widerhall fand. 

Über die nach Schweizer Muster^) eingerichteten sprachlichen 
Kurse glaube ich mich kürzer fassen zu dürfen. Sie waren teils 
wissenschaftlicher, teils praktischer Art, indem sie sich grösstenteils 
an die Lektüre ausgewählter Stücke aus den Nouvelles Lectures 
Lüteraires (von E. Bauer und E. de St. titienne, Paris 1899) an- 
schlössen. M. C och et, der französische Grammatik vortrug, be- 
handelte in vier Lektionen die Syntax des Pronom und Verhe\ 
M. Varenne gab in vier Lektionen eine ^tude du vocahulaire, 
indem er, Lotis Erzählung Sylvestre zu Grunde legend, Ursprung 
und Familie der vorkommenden Vokabeln feststellte, die locutions 
angab, in denen sie hauptsächlich zur Verwendung kamen, und 
mit einer reichen Liste von sijnonymes schloss. M. Guichard gab 
nach einer litteraturgeschichtlichen Einleitung in drei Lektionen 
eine sprachliche und sachliche Analyse von Molieres PrMeuses 
Ridictdes, M. Lacuire nebst Stellvertreter leitete in acht Lektionen 
die Übersetzung eines modernen deutschen Textes^): „Unter vier 



>) Verschiedene Denkmäler, Statuen, Büsten nnd Gedenktafeln in 
Grenoble und Vizille erinnern an diese Bewegung und ihre Führer. 

«) Cf. Prof. Dr. Ludwigs Bericht im Neuen Korr.-Bl. 1899 p. 442; 
desgl. Reuter Korr.-Bl. 1893 p. 52 ff. 

') Die Italiener, Engländer und Russen erhielten ebenfalls Lektionen, 
in welchen Schriftsteller ihrer Litteratnr übersetzt wurden. 



300 Oslander, Ferienkurs in Grenoble (Augast 1900). 

Augen"; Lustspiel von Fulda, und „Im Forsthause", Schauspiel in 
vier Aufzügen von R. Skowronnek. Die einzelnen Rollen über- 
nahmen Freiwillige, weshalb nur eine kleine Anzahl von Ilorern 
sich aktiv an der Übersetzung beteiligte. Mehr Gelegenheit zu 
aktiver Beteiligung boten die der Lecture und Diction gewidmeten 
elf Lektionen, in welchen unter Leitung der Herren Cochet, Varenne, 
Arren, später Brun poetische und prosaische Abschnitte zuerst von 
den Leitern vorgelesen, dann von den Hörern wiederholt repetiert 
und zuletzt erklärt wurden. Einige dieser Lektionen begannen mit 
der Besprechung der freiwillig gelieferten devoirs, kleiner Aufsätze 
über ein leichtes Thema (Spaziergänge u. ä.), oder mit der Vor- 
lesung einer selbstverfassten litterarischen Abhandlung durch einen 
Studierenden. All dies gab Gelegenheit, die Hauptmängel in der 
Aussprache festzustellen und zu korrigieren, während die Vorlesung 
der Aufsätze manch heitere Stilblüte zu Tage förderte. Zur Er- 
leichterung dieser Übungen waren die Kurse in solche für ifi/1 le^ 
Professeurs und ^atudiants eingeteilt; die letzleren zerfielen wieder 
nach dem Alphabet in zwei Sektionen, die abwechselnd in Aktion 
treten sollten. Thatsächlich wurde dieser Einrichtung wenig Folge 
gegeben, da von der Erlaubnis, sämtlichen Lektionen beizuwohnen, 
fast allgemein Gebrauch gemacht wurde. Jeden Dienstag abend 
sollte im Cafe Debon eine llmnion Famüiere de ConrersaUon statt- 
finden, allein das Überwiegen des deutschen Elements, insbesondere 
der Studierenden, verwandelte diese regelmässig in einen studen- 
tischen Kneipabend, wobei deutsche Lieder gesungen wurden — 
mitunter gab eine Dame auch ein französisches Lied zum besten 
— und die Konversation selbst von den französischen Herren deatsch 
geführt wurde. 

Als bescheidene Frucht dieser Kurse gestatte ich mir einige 
Bemerkungen und Wahrnehmungen hinsichtlich der heutigen Aus- 
sprache des Französischen anzufügen, die vielleicht manchem Kollegen 
willkommen sind. Gewissermassen ein preamhule zu den Kursen 
bildeten zwei Vorträge des Abb6 Rousselot, Professors am Collrge 
de France, über Phonetik. R. hat die Pariser Aussprache zum 
Gegenstand mikroskopischer Studien gemacht, indem er vier VoU- 
blutpariser verschiedenen Alters und Geschlechts, deren Stammbaum 
er eingehend nachweist, als Versuchsobjekte benützt. In seiner 
Schrift: Les articulations eiitdiees a Vaide du palais artificiel zeigen 
288 Figuren die verschiedenen Stellungen der Zunge^ welche die 
Aussprache gewisser Silben erfordert. Bewehrt mit verschiedenen 



Oslander, Ferienkurs in Grenoble (Aagust 1900). 30I 

Instrumenten (tamhour, ampoule etc) zum Zweck der Demonstration 
behandelte R. Timbre, Duree und Intensite der Vokale. Bezüglich 
des Timbre unterschied auch er für jeden Vokal eine offene; mittlere 
und geschlossene Aussprache^ bezeichnet mit ä, a, ä u. s. w. Über 
das Nähere vgl. Ackerknechts Methodische Anleitung zur franzö- 
sischen Aussprache 19 ff. ^) Von einzelnen Wörtern giebt es übrigens 
mehrere Aussprachen z. B. (a)oü(t)y aoA(t), ja sogar aoüi. Das 
Streben nach Harmonie bewirkt, dass dieselben Wörter je nach 
ihrer Stellung im Satz bald mehr offen, bald mehr geschlossen aus- 
gesprochen werden. Oft bewirkt auch Verschiedenheit des Sinns 
Verschiedenheit der Aussprache. Dies gilt namentlich für h und 6: 
80 wird mBAson - heute geschlossen ausgesprochen, die archaistische 
offene Aussprache ist jedoch für gewisse Verbindungen notre maison, 
maisan ds France (im Sinne von Familie) beibehalten. MvAs sonst 
offen, klingt in mal oui geschlossen. Bezüglich der Aussprache 
resp. Unterdrückung des mittleren e giebt es keine Regel: ob man 
peiU oder p'tit spricht, darüber entscheidet einfach die Gewohnheit, 
langsamer oder rascher zu reden. Vom Vokal i giebt es im Franzö- 
sischen nur i und / z. B. ici, midi, und zwar hat die Sprache die 
Tendenz, das finale / zu dehnen. Einen Unterschied der Quantität 
oder Länge der Silben, wie er im Lateinischen besteht, kennt das 
Französische sonst nicht, es ersetzt diesen Mangel durch reichere 
Harmonie (wir würden eher Melodie sagen), cf. Napoleon, Odeon, 
prononciation etc. Auch die intensite oder der accent ist im Franzö- 
sischen nicht so stark aufzutragen wie in den anderen Sprachen, 
cf. die Aussprache des Wortes j>a2>a in den verschiedenen Sprachen, 
die sich desselben bedienen. ,.Im übrigen ist die französische 
Sprache nichts anders als die lateinische gesprochen in Frankreich, 
wie die italienische Latein gesprochen in Italien.^^ 

Ich ergänze diese Andeutungen durch Mitteilung weiterer Be- 
merkungen unserer Professoren sowie eigener Wahrnehmungen. 
Bezüglich des Timbre fiel uns die durchweg geschlossene Aus- 
sprache der art. und pron. les, des, mes, tes, ses, ce^ auf; direkt 
gefordert wurde sie von Varenne im Gegensatz zu Coehet. Nicht 
allein e vor Doppelkonsonanten und in der Endung et, sondern auch 
ai wird in viel mehr Fällen, als die Schule kennt, geschlossen aus- 
gesprochen, während andererseits ^ai^^ secheresse u. ä. stets offen 

*) Es versteht sich von selbst, dass die uns mitgeteilten Regeln 
und Bemerkungen, die mit denjenigen Ackcrkncchts übereinstimmen, 
hier übergangen sind. 



302 Oslander, Ferienkurs in Grenoble (August 1900). 

klang. Das finale e war nach harten Explosivlauten, bes. t, kurz 
hörbar z. B. t^ute, droü^j ouverte, während es nach den Dauerlaaten 
unterdrückt wurde, z. B. siyn\ montagn*, etahV, qui sHrouvaü. Wie 
in comme, hrnnme, donner, so klingt auch in Guillaume der Olaut 
offen. Der Nasal in ennui, sentir etc. bildet nach Brun das beste 
Erkennungszeichen der französischen Landsmannschaft: in Mittel- 
frankreich lautet er a, im Norden o, im Süden eu Die Verschlei- 
fung der Vokale findet nicht bloss innerhalb eines Wortes (piano, 
pois etc^ statt; sondern auch zwischen zwei eng zusammengehörigen 
Wörtern, z. B. a ete, se häter. Hörbar sind nach Lacuire die Schiusa- 
konsonanten in ours, cerf^), sott neben soi(t), nach Varenne in os, 
sing., plus que — aber de plu(s). Das finale r der Silbe cur ist 
zwar nicht ganz verschwunden wie in tnonsieur (spr. meiissieu), lautet 
aber nahezu wie im Englischen in hear, sir etc. Besondere Schwierig- 
keit bereitete den meisten Fremden die Aussprache der harten Ex- 
plosivlaute c,p, t, die ohne Aspiration zu sprechen sind, sowie desj^^ 
das nicht weich genug gegeben werden konnte — daher die wieder- 
holte Weisung avancez les Ihres ! Zur liaison bemerkte Brun, dass 
sie prinzipiell nur in der Lektüre von Poesie und Prosa, sowie in der 
höheren Rede zu beobachten ist, in der Sprache der Konversation 
jedoch — abgesehen von den geläufigsten Verbindungen z. B. notis 
avons — für affektiert gilt. Sie wird aber auch in der Lektüre 
unterdrückt : 1. bei no)ns prapres z. B. VÄnglai(8) offrit, 2. zur Ver- 
meidung von Miss Verständnissen z. B. // voulu(t) enter (opp. tenier), 
3. beim subst, hien, Folgen auf einen Vokal mehrere Konsonanten, 
so scheint im allgemeinen Verlängerung desselben (cf. die lateinische 
Positionslänge) einzutreten, z. B. in AUemägne, cähne, exerce, flauer, 
gägner, lettre, mettre, mettez, miräcle, Sylvestre. Merke toUJoursf, 
plelne, aber plaine. Die richtige Betonung ist bedingt durch Ein- 
teilung des Satzes in Wortgruppen — daher die Weisung groujßez 
les mots! Diese Wortgruppen bilden gleichsam die Takte einer 
musikalischen Phrase (cf. Ackerknecht p. 97), in welcher jedesmal 
die erste Note einen ictus erhält, während die letzte Note meist die 
Oberquart, viel seltener und gewöhnlich nur bei Nasalen die Unter- 
quint bildet — cf. die deutsche Fragbetonung: Was hast du ge- 

*) In einem Artikel des Journal vom 28. Aug. 1900 erklart dagegen 
M. Emile Deschanel, Vater des Kamraei^präsidenten, dass der Schluäs- 
konsonant in ours und cerf wie in moeurs nicht hörbar ist. Man sieht, 
dass auch in Frankreich die Gelehrten über manche Dinge noch nicht 
einig sind. 



Oslander, Ferienkurs m Grenoble (August 1900). 303 

tban ? Ich greife aufs Geratewohl einen Satz aus unserer Lektüre 
heraus, dessen Worte in folgender Weise zu Takten gruppiert 
wurden : Je marchais \ pieds nus \ sur la neige \ sur les epines \ sur 
les caiUoux \ je ne sentais ?nen. Der ktus fällt also sehr häufig auf 
article, j/reposition, pronam, Worte, die wir am wenigsten zu be- 
tonen gewohnt sind; so auch in folgenden kurzen Verbindungen 
la mh-e, un haiser, tres haut, plus facile, cbez nous, au nwis de 
mai, a quoi hon ? peut-e^rc. Les Änglais \ sont en guerre \ arcc 
les Boers, Natürlich erleidet diese Regel mancherlei Ausnahmen; 
aus logischen oder Gefühlsgrttnden erhält auch manche Mittelsilbe 
einen besonderen Accent (cf. die Synkopierung innerhalb eines musi- 
kalischen Taktes). So spricht man de sa mkre aber de sa bonn«; 
mh'e u. s. w. Die Vernachlässigung dieser Eigentümlichkeiten lässt 
trotz mustergültiger Aussprache der einzelnen Wörter sofort den 
Fremden erkennen. Vous 2xirlez hien fran^ais, mais vous avez en- 
core Vaccent etranger ist daher das Urteil, das dieser am häufigsten 
zu hören bekommt. Dai'aus dürfte, beiläufig bemerkt, die Berechti- 
gung der Beformbewegung auf dem Gebiet des neusprachlichen 
Unterrichts, aber auch die Schwierigkeit, die ihr entgegensteht, zu 
ersehen sein. 

Dem Interesse, das die Mehrzahl der Hörer dem französischen 
Unterrichts wesen entgegenbrachte, entsprach ein von M. Roux 
(Schnlinspektor in Brian^on) gehaltener Vortrag über UOrganisation 
de V Enseignement prima ire en France, Auf Wunsch machte der- 
selbe Herr noch weitere Mitteilungen über die Einrichtung des 
Sekundarunterrichts, die ich in Verbindung mit einigen sonstigen 
Wahrnehmungen mir wiederzugeben erlaube. Dem unserem Mittel- 
schulbetrieb entsprechenden Sekundarunterricht dienen die staatlichen 
Lycees und die gewöhnlich nicht vollständig ausgebauten städtischen 
Colleges, und zwar giebt es solche Anstalten sowohl für die männ- 
liche als für die weibliche Jugend. Die Lycees sind in der Haupt- 
sache Internate, ähnlich unseren Seminarien, doch für eine weit 
grössere Anzahl von Schülern, und zwar aus allen Altersklassen, ein- 
gerichtet. So ist das neue Grenobler Lycee ein weitläufiger Bau, 
der ein grosses Häuserquadrat bedeckt. An der Spitze eines Lycee 
steht der Proviseur, der Verwaltung und Disziplin zu handhaben 
hat, neben ihm als Studienrektor der Censeur; beide brauchen kei- 
nen Unterricht zu geben. Der Leiter eines CollPge heisst PrincijyaL 
Jeder Lehramtskandidat heisst, sobald er sein Staatsexamen zu Paris 
(weibliche Kandidaten zu Sövres) bestanden hat, agrege; unterschie- 



304 Osiander, Ferienkurs in Grenoble (August 1900). 

den werden agreyh de lettres (alte Spraciien)^ de langues modemea 
(zwei lebende Sprachen nach freier Wahl)^ d^histoire et de geographie, 
de Sciences (Mathematik und Naturwissenschaft)^ de dessin. Der 
Gehalt beträgt für Professoren an Lycees 3600 — 5600 Frcs., woza 
eine indemnite de residence in verschiedener Höhe kommt (Volka- 
schuUehrer erhalten bis zu 6(X) Eres.), für Professoren an collhft^ 
26(X) — 3900 Frcs. Dazu kommen charges de cours mit Gehältern 
von 2800 — 4900 Frcs., repetiteurs oder surveillants (pions) mit einem 
Gehalt von 1000 Frcs. bei freier Station. 

Zöglinge der Lycees können schon Vierjährige werden. Für die 
Kleinen besteht eine classe enfantine; es folgt der Elementarunter- 
richt ähnlich dem der Primarschule. Auf der hohem Stufe gabelt 
sich der Unterricht in fünf Zweige, rhetorique, phüosophie etc., doch 
können verschiedene Klassen verbunden werden. Die Erteilung des 
Religionsunterrichts ist in sämtlichen Schulen den Konfessionen vor- 
behalten, die Schule selbst erteilt dafür Unterricht in Moral und 
Gesetzeskunde. Den Abschluss des Sekundarunterrichts bildet das 
Baccalaureatexamen. Der mündliche Teil desselben ist öffentlich, 
und wir hatten wiederholt Gelegenheit im Hauptauditorium der 
Grenobler Universität solchen beizuwohnen. Ein Professor prüfte 
ohne Assistenz die einander ablösenden Kandidaten in alten Sprachen 
und französischer Litteraturgeschichte. Je nach der Anzahl der 
richtig beantworteten Fragen erhielten die kaum vernehmbar ant- 
wortenden Kandidaten die Zeugnisse — 20, die alsbald am schwarzen 
Brett angeschlagen werden. Von ca. 20 Kandidaten erhielten nur 
zwei das Keifezeugnis, der eine mit der Note bien, der andere 
passablement. Dies Resultat erschien uns um so auffallender, als 
bei der den Sommerferien (1. August bis 16. September) unmittel- 
bar vorausgehenden distrihtUion des prix mit Preisen, die in Kränzen 
und Büchern bestehen, förmlich Verschwendung getrieben wurde. 
Eine solche Preisverteilung ist eine wirkliche Staatsaffaire, bei 
welcher ausser Eltern und Anverwandten der laureats die Spitzen 
der Behörden, des Militärs und der Universität offiziell teilnehmen, 
die Militärmusik spielt, von Professoren Reden gehalten werden 
und ganz ausgezeichnete Schüler vom Präfekten des Departements 
embrasskrt zu werden pflegen — ein theatralischer Zug, der dem 
Geschmacke der Nation zusagt, andererseits aber auch die Be- 
deutung des öffentlichen Unterrichts und die Solidarität und Gleich- 
berechtigung sämtlicher Ressorts in einer dem Ansehen des Lehrer- 
stands nur förderlichen Weise zum Ausdruck bringt. 



Oslander, Ferienkurs in Grenoble (August 1900). 305 

Zum Schlüsse noch einige spezielle Notizen für diejenigen, 
welche die Neigung verspüren sollten, in künftigen Sommern gleich- 
falls an den Grenohler Ferienkursen teilzunehmen. Die Reise wird 
für die Deutschen im allgemeinen über Genf gehen. Von hier hat 
man die Wahl zwischen 2 resp. 3 Eisenbahnrouten. Die kürzeste, 
168 km lange, führt durch das hochromantische Rhonethal über 
Bellegarde nach Culoz und von hier an dem von Lamartine be- 
sungenen Lac de Bourget hin nach Aix-les-Bains; die zweite, 
178 km lange, Route über Annemasse und Annecy ebendahin. Von 
Aix-les-Bains geht die Fahrt über Chamb6ry, Montmelian durch 
das herrliche Gr^sivaudanthal nach Grenoble. (Der Fahrpreis be- 
trägt von Genf bis Grenoble in 3. Klasse ca. 9 Frcs.) Von der 
zweiten Route zweigt in Annecy demnächst eine neue Linie ab, die 
am reizenden Lac d* Annecy hin nach Albertville führt und bei 
Montm61ian in die erstere Route einmündet. — Die Kosten für den 
Lebensunterhalt sind in Grenoble fast durchgängig viel niedriger 
als in der Schweiz. Ich bezahlte für ein schönes Zimmer 35 Frcs., 
für zwei Mahlzeiten, bestehend aus je vier Gängen iucl. Wein^), 
im besten Restaurant (Lafayette) 78 Frcs. monatlich. Doch giebt 
es schon Zimmer für 15 Frcs. und volle Verköstigung für 40 Frcs. 
monatlich. Wer sich in eine Faniiiienpension begiebt, hat 110 bis 
120 Frcs. per Monat zu bezahlen und findet dabei Gelegenheit zur 
Konversation. Studenten, namentlich aber die Herren Offiziere 
sollen gerne erbötig sein, mit Deutschen in gegenseitigem Austausch 
Konversation zu üben. Die Kurskosten betragen für 4—6 Wochen 
30 Frcs., für die 4 Monate 50 Frcs. Stadt (64000 E.) und Land 
erfreuen sich infolge der ausserordentlichen Fruchtbarkeit des Bo- 
dens und der Blüte der Gewerbe (bes. Handschuh- und Zement- 
fabrikation) grosser Wohlhabenheit. Zahlreiche der öffentlichen 
Wohlfahrt und Bildung dienende Einrichtungen — Museen, Biblio- 
theken^), schönbepflanzte, zu behaglichem Studium einladende Plätze 
und Gärten, ausgezeichnetes Wasser, Schwimmbad, grossartige Quai- 



*) Auf dein Lande erhält man die */4 Liter haltende Flasche Wein 
für 40—50 Cts., während V« Liter Bier — das beste bei „Onkel" Burtiu 
an der Place Victor Hugo — 50 Cts. kostet. 

•) Theater und Casino sind im Sommer in Grenoble geschlossen. 
Dagegen haben die Studierenden auf Grund ihres Ausweises freien 
Eintritt im Theater von Uriage-les-Bains, 10 Kihmieter Östlich von 
Grenoble. Militärkonzerte finden dreimal wöchentlich auf den öfl'ent- 
lichen Plätzen statt. 



306 Nestle^ Bacos Wort über die Philosophie. 

bauten an der Is^re^ insbesondere aber die Menge der nach allen 
Richtungen weit ins Land hinausfttlirenden Lokalbahnen — legen 
sowohl von der Wohlhabenheit als von dem Gemeinsinn der Be- 
wohner rühmliches Zeugnis ab. Über die landschaftlichen Reize 
des Dauphin6 brauche ich kein Wort zu verlieren. Mit Recht heisst 
Grenoble^ das in mancher Hinsicht an Innsbruck erinnert, ;,Röuigin 
der Alpen". Wer Freude an der Natur, Interesse an historischer 
Landschaft hat, wird nirgends reichere Anregung finden. Kein 
Wunder, dass die Leute des Dauphinö bestrebt sind, den aUjährlich 
die Schweiz überflutenden Touristenstrom auch nach ihrem weniger 
bekannten Gebiet (VOherland) zu leiten. Ein Syndicat d'initiative 
sucht durch Auskunftbureau, Verbreitung von Broschüren etc. in 
diesem Sinne zu wirken. Auch die Einladung an die Mitglieder des 
internationalen Kongresses der Fresse, die von Grenoble aus die 
Hauptsehenswürdigkeiten des Dauphin6 und Savoyens besuchten, 
hatte denselben Zweck. Was beim offiziellen Bankett in einem 
gutgemeinten PoSm ihnen zugerufen wurde, galt auch uns andern 
Fremden, deren Vertreter gleichfalls geladen waren: 
Le Dauphine, du fond du cceur, vous retnercie 
D'avoir jusque chez lui tous bien voulu venir! 
II esph-e de phis, s'ä vaut qu^on Vapprecie, 
Que vous Vemporterez dans votre souvenir . . . 
Que vous direz de lui tant ds bien ä la rond^, 
Que Von viendra le voir de tous les lieux en tout ietnpsl 
— Si vous etes contents, et vous serez Contents, 
Mesdames et Messieurs, envoyez nous du monde. 



Baoos Wort über die Philosophie. 

Der S. 256 angeführten modern französischen Fassung von 
Bacos Ausspruch über die Philosophie „Un peu de philosophie nous 
61oigne de Dieu, beaucoup de philosophie nous ram^ne ä lui^' ver- 
lohnt es sich wohl die ursprüngliche Fassung gegenüberzustellen^ 
die nicht allen Lesern gegenwärtig sein wird: „leves gustus In 
philosophia movere fortasse ad atheismum, sed pleniores haustus ad 
religionem reducere" oder anderswo : ,,parum philosophiae naturalis 
homines inclinare in atheismum, at altiorem scientiam eos ad reli- 
gionem circumagere". 



Litterariscber Bericht. 307 

Mir ist das Wort ans Fr. H. Reu seh, Bibel und Natur 
(4. Auflage, Bonn 1876, S. 52), bekannt, wo auf das Freiburger 
Kirchenlexikon XII, 95 verwiesen ist. Aus den Deutsch-Evange- 
lischen Blättern von 1889, S. 541, schrieb ich mir dazu, dort als 
ein Wort des Picus von Mirandula angeführt: „Philosophia 
obiter tractata a Deo abducit, plenius hausta ad Deum reducit.^ 
Dem wahren Urspining und Wortlaut des Ausspruchs nachzugehen, 
fehlen mir in Maulbronn die Mittel. 

Die feriarum primo. Eb. Nestle. 



Litterarisoher Bericht. 

Prof. Dr. Hans Müller, De yiris illustribus. Lateinisches Lese- 
buch nach Nepos, Livius, Gurtius für die Quarta höherer 
Lehranstalten. 5. Aufl. geb. 1.50 Mk. Hannover und Berlin, 
Carl Meyer. 

Dieses Lesebuch soll als erste lateinische Lektüre den Nepos er- 
setzen und ist zunächst zu vergleichen mit dem bei uns gebräuchlichen 
Lhomond-Holzer, nur dass der Gebrauch auch noch in Untertertia 
hereinragen soll. Es enthält 10 Vitae aus der griechischen, 6 aus 
der römischen Geschichte, durchwog ausfilhrlicher gehalten als die in 
Lhomond, so dass sie also eher wie diese zugleich als Aufsatzmuster 
gelten können, zunächst für den als Schulleistung verflossenen latei- 
nischen Aufsatz, dann aber auch für den deutschen. Dementsprechend 
sind kleine Reden im Stil römischer Rhetorik eingeflochten, die Ein- 
leitungen fähren trefflich in den geschichtlichen Zusammenhang ein, 
das Pragmatische nimmt einen breiteren Raum ein. Dennoch würde 
ich Lhomond den Vorzug geben. Dieser giebt uns nur Vitae aus der 
römischen Geschichte, was mir für ein modernes Lateinbuch passender 
erscheint; wenn wir in unsern Schulen bei Nepos auch lateinische 
Vitae griechischer Männer lesen, so ist doch durch die praefatio der 
Gesichtswinkel des Interesses der Römer an griechischer Geschichte 
deutlich gegeben. Sodann scheint mir die trefl'ende Kürze bei Lhomond 
passender für Vitae besonders aus der älteren römischen Geschichte 
als livianische Art, und das Interesse am Stoif wird so besser befriedigt; 
das ist mir um so wichtiger, als die Lektüre auf dieser Stufe doch 
recht langsam fortschreitet. Die Vorzüge des Müllerschen Buches kann 
bei Lhomond der Lehrer leicht ersetzen. Aber es ist ein gutes Buch, 
mit gutem, schulgemässem Latein. Nur könnten, zumal bei einer 5. Auf- 
lage, etwas weniger Druckfehler drin sein. F. H er t lein. 



308 Litterarischer Bericht. 

Lhomond-Holzer, Yiri illustres. Neube&rbeitet von Prof. 
Dr. H. Planck und Prof. Minner. Zwölfte Auflage. Stutt- 
gart; Ad. Bonz & Comp., 1902. 

Nach wenigen Jahren ist eine neue, die 12., Auflage erforderlich 
geworden, der beste Beweis fUr die unverminderte Beliebtheit und 
Brauchbarkeit dieses Schulbuchs. Die Bestände der frftheren, neben- 
einander benützten Auflagen dürfen nunmehr als verbraucht angesehen 
worden. Darum waren die Herausgeber in der Gestaltung des Textes 
weniger mehr beengt, als bei der vorigen Ausgabe. Die vorgenommenen 
Änderungen sind grossen teils der Praxis des Unterrichts, den Wünschen 
und Vorschlägen beteiligter Kollegen entsprungen; andere erschienen 
den Herausgebern geboten durch die von ihnen eingehaltene und 
didaktisch durchaus gerechtfertigte Berücksichtigung des wirklich nach- 
gewiesenen klassischen Sprachgebrauchs, wobei sie keinerlei Beschrän- 
kung auf hergebrachte Scholastizitäten sich auferlegten. Auch in den 
Anmerkungen und dem von Prof. Minner bearbeiteten Wörterbuch spürt 
man an vielen Stellen die ergänzende und nachbessernde Hand; der 
Fleiss und die Pünktlichkeit, mit der das Wöiterbuch durchgearbeitet 
ist, lassen, ganz abgesehen von der Bedürfnisfrage an sich, eine ge- 
druckte Präparation eigentlich entbehrlich erscheinen. Um nur einige 
Stichproben zur Vergleichung mit der alten Auflage zu geben, wolle 
man etwa nachsehen: omatus, praecipio, redigo, refero, restituo etc. 
Ist salutem reddere „wider" grüssen wohl absichtlich so in der 11. und 
12. Auflage geschrieben? Auch in der 11. und in dieser neuesten Auf- 
lage findet sich im Wörterbuch im Gegensatz zu den früheren Aus* 
gaben „immineo, imminui, 2.^, während Stowasser, Landgraf und die 
Ilorzogschen Übungsbücher nur die präsentischen Formen gelten lassen. 
Beachtenswert sind die zahlreichen bündigen Hinweise auf Etymologie 
und Grammatik, auf Geographisches und Geschichtliches, von denen 
Wörterbuch und Anmerkungen durchzogen sind ; die Quantitätsbezeich- 
nungen im Wörterbuch sind mehr als ausreichend. — £s sind wieder 
zweierlei Ausgaben erschienen: eine mit und eine ohne Karton, die 
erstere für Schulen, deren Schülern der Besitz besonderer Geschichts- 
atlanten nicht durchweg zugemutet werden kann, die letztere für An- 
stalten, deren Schüler in der Regel schon in jüngeren Altersklassen 
einen historischen Atlas besitzen. Druck und Ausstattung des Buchs 
ist gleich gediegen wie bei dem früheren Verlag, 

Stuttgart. Schaumann. 



Th. Drück, Griechisches IJbung^sbuch für Sekunda« Zweite 

Auflage. X und 132 S. 8«. Stuttgart, Adolf Bonz & Comp., 
1902. 



Litterarischer Bericht. 309 

Das nun in zweiter Auflage erschienene gi'iechische Übungsbuch 
für Sekunda von Dr. Th. Drück ist bereits in nahezu allen württem- 
bergischen Gymnasien eingeführt und hat auch ausserhalb unseres 
engeren Vaterlandes in weiten Kreisen Anerkennung und teilweise Auf- 
nahme gefunden. £s verdankt diesen grossen Erfolg dem Umstand, 
dass die ganze Anlage wie die Bearbeitung im einzelnen durchaus dem 
jetzigen Zweck der griechischen Komposition in Sekunda angepasst 
ist, wonach die griechischen Kompositionsübungen sich auf die feste 
Einprägung der syntaktischen Regeln zu beschränken haben. Zur ersten 
und vollständigen Einübung der syntaktischen Regeln enthält der erste 
Teil des Übungsbuches in den einzelnen Abschnitten zunächst methodisch 
gut geordnete Einzelsätze; an diese schliessen sich jeweils zusammen- 
hängende Stücke an, in denen der Schüler die verlangte Fertigkeit 
erproben kann. Mit der Einübung der Syntax ist zugleich die Wieder- 
holung der Formenlehre verbunden. Endlich bietet in einem zweiten 
Teil des Buches eine grosse Anzahl zusammenhängender Stücke Ge- 
legenheit, die Kenntnis der griechischen Syntax zu erhalten, zu be- 
festigen und zu vertiefen. Da auch die Bearbeitung im einzelnen 
durchaus „auf feste Einpräguug der grammatischen Regeln^ berechnet 
ist, so sind stilistische Schwierigkeiten im allgemeinen vermieden oder, 
wo das Streben, ein gutes Deutsch zu geben, sie mit sich brachte, 
durch Anmerkungen beseitigt. 

Das Buch hat in der zweiten Bearbeitung, welche die ganze Anlage 
der ersten beibehielt, noch bedeutend an Wert gewonnen durch die 
Sichtung der Einzelsätze, durch „Vermehrung der zusammen- 
hängenden Stücke im ersten Teil des Buches auf die 
doppelte Zahl^, durch Aufnahme von zusammenhängenden 
Stücken über Inf., Part, und Negationen, durch Behand- 
lung der entsprechenden Regeln im grammatischen An- 
hang und durch Trennung dieses Anhangs von den Übungen. 

Mit Recht hat der Verfasser an den Einzelsätzen festgehalten, 
obgleich der modernen Strömung folgend manche Stimme sich dagegen 
erhob. Wenn den psychologischen Gesetzen gemäss überhaupt die An- 
eignung von Kenntnissen, wie sie hier in Betracht kommen, auf klarer 
Einsicht und Übung beruht, so geschieht die erste Erlernung der syn- 
taktischen Regeln eben am natürlichsten und sichersten an einer an- 
gemessenen Zahl von Einzelsätzen — auch noch am Obergymnasium. 
Greift doch einer, der noch in späterem Alter eine fremde Sprache 
erlernt, ganz von selbst zu Einzelsätzen, um durch Vergleichung und 
mehrfache, rasch aufeinauder folgende Anwendung schnell eine sichere 
Kenntnis der grammatischen Erscheinungen zu gewinnen. Dass die 
Einzelsätze fast ausschliesslich aus griechischen Schriftstellern ent- 
nommen sind, ist wohl als Gewinn zu bezeichnen, insofern die Schüler 
da, wo die Grundlage ihrer syntaktischen Kenntnisse gelegt werden 



310 Litterarischer Bericht. 

soll, kein gemachtes Griechisch, sondern echtes lernen. Im übrigen 
sind ziemlich viele solcher Sätze (ca. 46), deren Inhalt weniger ent- 
sprach, gestrichen, andere sind besser gestaltet, endlich wurden auch 
einige neue Sätze eingefügt. Eine weitere Vennindemng der Einzel- 
Sätze wäre nicht angezeigt, eher eine Vermehrung. 

Die zahlreichen zusammenhängenden Stücke, die nen auf- 
genommen wurden (mehr als 80 im eraten Teil und 12 im zweiten 
Teil), sind mit Ausnahme von wenigen, aber wohlgelungenen modernen 
Themen (vgl. N.N. 24, 25, 31) gleich den alten nach griechischen Schrift- 
stellern bearbeitet, so dass auch sie „in Gedankenkreis und Wortschatz 
dem Lehrstoff der Lektüre sich möglichst nähern*'. Ein noch engerer, 
durchgehender Anschluss an die Lektüre, wie er von mancher Seite 
aus gefordert wird und teilweise bei Schularbeiten natnrgemäss statt- 
findet, wäre im Interesse der Selbständigkeit der Schüler nicht zu 
wünschen. Im übrigen ist von den neuen Stücken dasselbe zu sagen, 
was schon von den bisherigen allgemein anerkannt wurde: dass sie 
inhaltlich anregend, gut stilisiert und nicht zu schwer sind. Vielleicht 
wäre es indess doch manchem Kollegen erwünscht, wenn für den 
Gebrauch in der Obersekunda und Prima noch einige schwierigere Auf- 
gaben angefügt wären. Die historische Anordnung der Stücke im 
zweiten Teil ist mit Recht beibehalten. 

Der grammatische Anhang ist jetzt von den ,.Übungen*' ge- 
trennt und als selbständiges Büchlein herausgegeben, so dass das Übungs- 
buch auch bei Schularbeiten benützt werden kann. Die bisher im An- 
hang gegebenen Regeln sind z. T, erweitert oder schärfer gefasst (vgl. 
6, 7, 14 A., 28—30, 40), andere mit Beispielen versehen (vgl. 69, 80, 
81, 92, 93). Neu hinzugekommen sind 11 weitere Nummern, in welchen 
die Regeln über Inf., Part, und Negationen übersichtlich und leicht 
fasslich dargestellt sind. Diese Zusammenfassung ist jedenfalls für die 
Repetition der Grammatik genügend und wird, wenn auch unsere 
Grammatiken „schlanker" geworden sind, doch dem Wunsche vieler 
Lehrer entgegenkommen. Hat doch Kägi selbst seiner Grammatik in 
den „Beispielen zu den Hauptregeln der Syntax** (Anh. p. XXXII — XLIV) 
eine ähnliche Zusammenfassung beizufügen für zweckdienlich gehalten. 

Einzelheiten betreffende Wünsche, die von verschiedenen Seiten vor- 
gebracht wurden, hat der Verfasser bei der zweiten Bearbeitung, soweit 
es möglich war, erfüllt (durch Änderung einzelner Ausdrücke, Beseiti- 
gung unnötiger Verweisungen in den Anmerkungen u. a.). Hier weitere 
derartige Wünsche vorzubringen, erscheint nicht als zweckdienlich« 

Schliesslich sei noch erwähnt, dass in der zweiten Auflage die neue 
deutsche Rechtschreibung durchgeführt ist, dass der Druck schöner, 
weiter und namentlich in den Anmerkungen grösser, und dass die 
ganze Form des Buches gefälliger geworden ist 

Ehingen. Metzieder. 



Litterarischer Bericht. 311 

Dr. Th. Klaiber und Prof. Dr. 0. Lyon, Die Meister des 
deutschen Briefes. VIII und 529 S. Preis geb. in Calieo 
6 Mk. Bielefeld nnd Leipzig, Velhagen & Klasing, 1901. 

„Die Meister des deutschen Briefes^ wollen die beiden Verfasser 
uns kennen lehren in Einzeldarstel hingen, während G. Steinhausen in 
seiner bekannten „Geschichte des deutschen Briefes" dessen Entwick- 
lung, seine Wandlungen in verschiedenen Epochen des deutschen Geistes- 
lebens schildert. St. geht auf das Typische aus, K. und L. auf das 
Individuelle. Sie wollen uns bedeutende Persönlichkeiten durch Ein- 
führung in ihre intimen Gedanken und Empfindungen in ihrer Eigen- 
art verständlich machen und sie unserem Herzen menschlich näher 
bringen. 

An Briefsammlungen bekannter Männer herrscht wahrhaftig kein 
Mangel, eher embarras de richessc. Von Goethes Briefwechsel (bis 
jetzt 21 stattliche Bände der Weimarer Ausgabe!) sagt Lyon: „Dieser 
Schatz sollte in keinem gebildeten deutschen Hause fehlen.^ Wenn 
man solche Ansprüche an jeden Gebildeten machen kann, in welcher 
Bedrängnis mag sich dann der angehende Jünger der deutschon Philo- 
logie befinden, der in seinem Colleg-Mannskript eine ganze Reihe wich- 
tiger Briefwechsel samt Namen der Herausgeber verzeichnet findet! 
Wo soll er da anfangen, wo aufhören? Wie willkommen muss ihm 
da ein Führer sein, der das Schöne und Interessante Ü\t ihn auswählt 
und ihm leicht zngänglich macht! Hier sind die Koryphäen alle in 
einer Walhalla versammelt, vom mittelalterlichen Liebesritter bis zum 
Feldheri-n und Soldaten des Jahres 1870. Hier m:ig er unter ihnen 
umhergehen, von einem zum andern, und sich mit dem in ein Gespräch 
einlassen, dessen Unterhaltung ihn am meisten anzieht. Die Auswahl 
ist gross genug — eher zu gross als zu klein — : das Personenver- 
zeichnis am Eingang führt 84 Namen auf: alle Zeitalter, Geschlechter, 
Stände, Berufsarten und Geistesrichtungen sind vertreten, wenngleich 
natur gemäss die Litteraten vorwiegen. 

Andererseits ist nicht zu befürchten, dass diese bequeme Auswahl- 
sammlung der Benützung der Originalausgaben Eintrag thun werde. 
Bei manchen Autoren wird man sich mit dem Mitgeteilten begnügen, 
andere Briefe schmecken „nach mehr", der Appetit wird mit dem Essen 
kommen, und der Leser wird sich schleunigst den bisher mit scheuer 
Ehrfurcht betrachteten Briefwechsel kommen lassen. — Dadurch erfüllt 
er einen Wunsch der Verfasser. — Das Buch ist überhaupt nicht 
bloss zur Belehrung junger Litteraturbeflissener dienlich. Eine grosse 
Anzahl der Briefe gewährt bei der Lektüre reinsten, unmittelbarsten 
Genuss durch den Eindruck der kraftvollen Persönlichkeit, durch die 
duftige Poesie der Empfindung und Darstellung oder durch ihren be- 
haglichen, oft auch derben Humor. In dieser Hinsicht seien nur die 



312 Litterarischer Bericht 

Briefe Gottfried Kellers erwähnt, z. ß. der an Lndmilla Assing: das 
gehört mit zum Köstlichsten, was man überhaupt lesen kann! 

Die Originalbriefe sind durch kurze treffliche Schildenmgen der 
sittlichen und litterarischen Eigenart der Verfasser eingeleitet oder an 
dem Faden einer biographischen Erläutenmg aufgereiht. Gewiss war 
aber die Auswahl aus der riesigen Menge des Materials eine nicht 
geringere Leistung als diese eigenen Zuthaten der Verfasser. Die 
Wahl darf als eine wohlgelungene bezeichnet werden, wenn auch der 
eine dies, der andere das, je nach seinem besonderen Geschmack, 
gerne mit aufgenommen sehen würde. Klaiber selbst schreibt: „Wir 
würden leicht manchen dickleibigen Briefwechsel entbehren, wenn das 
Bändchen, das die Mörike-Schwindschcn Briefe enthält, nur etwas um- 
fangreicher wäre.'' Vielleicht wird der Ausspruch auf seine Sammlung 
selbst angewendet von Lesern, denen die Briefe, welche aus Anlass 
der Illustrationen Schwinds zu Mörikes „Sicherem Mann'' etc. zwischen 
den beiden gewechselt wurden, lieber wären als der ganze Fürst Pückler. 
Von Scheffel wird eine Probe seiner ,^burschikosen Manier'' gegeben. 
Ich möchte darauf hinweisen, dass noch ein anderer Reiz in der Lektüre 
seiner Episteln gefunden werden kann : häufig enthalten sie, namentlich 
die Briefe ans Säckingen in die Heimat, aber auch die von Rom aas 
an den „Engeren" gerichteten, Skizzen zu Gemälden, die wir dann 
ausgeführt im „Trompeter'^' wiederfinden. Wenn Seh. berichtet, wie 
er nach dem Weinhaus „del Facchino" pilgert, um dort das Eintreffen 
eines Sendschreibens aus dem „Engeren" bei einer Korbflasche Orvieto 
würdig zu feiern, so sehen wir die Gestalt des treuen Kutschers Anton 
vor uns aufsteigen. Ja, wie es oft so geht, die genialen Kreidestriebe 
der Skizze sind wohl gar interessanter als das wohlgeordnete Gemälde : 
der Trompeter erwidert dem Erdmännlein, das er auf den Fuss ge- 
treten: „Das bedaur' ich", in dem Brief des Dr. Scheffel an sein „lieb 
und frum Schwesterlin Maria" aber lautet die Antwort: „Ei, so leben 
Sie gefalligst hoch, deutscher Reichsbürger!" u. s. f. Ich verkenne 
jedoch nicht, dass gerade diese, meist langen Briefe nicht wohl in den 
Rahmen der Sammlung passten. 

Was die Wiedergabe der Texte betrifft, so ist die Orthographie des 
Originals beibehalten; dafür sind wir dankbar. Peinliche Genauigkeit 
ist nicht gerade nötig. Entschieden vermissen wird man diese Tagend 
aber bei dem Brief Heinrichs von Nördlingen (S. 2), der bei einer Neu- 
auflage einer gründlichen Korrektur zu unterziehen ist Ich beschränke 
mich hier auf Richtigstellung dessen, was für das Verständnis nötig ist; 
denn so wie er dasteht, ist er nicht zu gemessen. Z. 13 und 8 v. u« 
sind die Kommata nach „mund*' und bei „got gantzes trostes" zu tilgen. 
Z. 10 V. u. lies „erheb sie uz ir in dich" statt „uz dir in dich" (so 
auch bei Steinhausen!); f. Z. lies „ernert" statt „waert"; Z. 6 v. u.: 
„wan si anderswa hilf nit (statt „mit") suchet dan bei dir" (zu deutsch: 



Lttterartseber Bericht. $13 

denn sie sucht nirgends anders Hilfe als bei dir) ; endlich S. 3, Z. 5 v. o. 
^snnder^ statt „sQnder". Auch in dem ersten, übrigens ganz reizenden, 
poetischen Stück würde ich „dass halb'' lieber getrennt schreiben. 

Bei der hervorragenden Bedeutung des Briefs als Kulturmittel und 
Knlturmesser namentlich im 18. Jahrhundert drängt sich die Frage auf, 
ob eine Briefsammlung wie die vorliegende nicht auch heutzutage noch 
für die Jugendbildung, für die Schule direkt verwendbar sei. In Frank- 
reich wird, soviel ich weiss, z. B. Voltaires Briefwechsel in den Mittel- 
schulen so eifrig studiert, dass dem Abiturienten die Aufgabe gestellt 
werden kann, einen Brief in Geist und Stil Voltaires, eine Art Epistola 
Heroica, zu verfassen. 

Auch in deutschen Lesebüchern haben einzelne Briefe litterar- 
historischen und kunstkritischen Inhalts Aufnahme gefunden, so in dem 
trefflichen Buch von Wendt. Der Meinungsaustausch Schillers mit 
Goethe über „Die Kraniche des Ibykus^ findet sich auch bei K. und L. 
und Hesse sich recht gut im Unterricht verwerten. Wie anschaulieh 
könnte man nicht den „Sturm und Drang*^ machen durch Vorlesen aus 
Goethes Jugendbriefen! Oder wenn ich z. B. eine Litteraturstunde 
über Geliert zu geben hätte, ich wüsste nichts Besseres zu thun, als 
den Ilusarenbrief Gellerts und einiges aus seinem Briefwechsel mit der 
Demoiselle Lucius vorzulesen. Das giebt ein treffliches Bild der Zeit 
und des Mannes, um so mehr als ein nicht unwesentlicher Teil seiner 
Bedeutung in dem Einfluss besteht, den er durch seine Musterbrief- 
sammlung und seine eigene Korrespondenz auf die Bildung des Mittel- 
standes ausübte. Ich glaube also, dsss sich das Buch zwar nicht im 
Sinne der Gellertschen Sammlung als Stilmuster und Übungsbuch, wohl 
aber in der Hand des Lehrers als Anschauungsmittel für den litteratur- 
geschichtlichen Unterricht auch für die Schule wohl eignet und den 
Lehrern des Deutschen und den Schulbibliotheken zur Anschaffung 
empfohlen werden kann. 

Ich schliesse mit der Versicherung, dass mir die Lektüre desselben 
grossen Genuss bereitet hat, und dass ich dem baldigen Erscheinen 
einer ähnlichen Bearbeitung unserer Memoirenlitteratur von dem einen 
unserer beiden Verfasser mit Freuden entgegensehe. 

Tübingen. Dr. Eugen Mann. 



Lehrbuch der Geschichte für hShere Lehranstalten, in Über- 
einstimmung mit den neuesten LehrplUnen. Von Dr. K. S ch e n k. 
IX: Lehraufgabe der Oberprima. Neuere Geschichte von 
1648—1888, verfasst von E. Wolff, Direktor des Dom- 
gymnasiums zu Schleswig. 526 S. Leipzig und Berlin; 
B. G. Teubner, 1901. 

Neues Korrespondenmblatt 1902, Heft 8. 



314 Litterarisoher Bericht 

Die Vorzüge, die den Lehrbüchern des Schenkschen Unterricht«' 
Werks nachgerühmt werden, gelten auch von den von £. Wolff be- 
arbeiteten Teilen VI und IX: richtige Auswahl des Stoffs, Aufnahme 
der sichern Ergebnisse neuerer und neuester Forschung, klare, durch- 
sichtige, anregende Darstellung. Band IX zeichnet sich besonders noch 
dadurch aus, dass er bis 1888 herabgeführt ist und so noch das Auf- 
kommen der Weltmächte an Stelle der europäischen Grossmächte, so- 
wie die Befestigung des Deutschen Reichs und seiner Weltmachtstellung, 
oder im einzelnen die Geschichte des Niedergangs der Türkei, die 
Geschichte Italiens, der Vereinigten Staaten, Japans, des Drei- und 
Zweibunds, die Verstärkung der deutschen Kriegsmacht, die finanzielle 
Befestigung des Reichs, die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands, 
seine Kolonien, die innere Entwicklung Preussens, die soziale Ent- 
wicklung und endlich die jüngste Gestaltung der Künste und Wissen- 
schaften enthält. Wenig Bücher von diesem Umfang dürften gleich in* 
haltsreich sein und Namen und Titel enthalten wie, um nur einige 
Stichproben zu nennen : Archäologisches Institut in Rom, Pastenr, draht- 
lose Telegraphie, Bessemer, Leutenot, Pergamonaltar, Lüderitzland, Ver- 
sunkene Glocke, langfristige Handelsverträge, Brandenburggeschwader, 
Freilichtmalerei u. s. w. Die Fülle des Gebotenen ist so gross, dass 
man ein alphabetisches Register hinzuwünschen möchte. Dabei ist die 
Darstellung mit ihren vielen Einzelheiten nicht etwa zerhackt, sondern 
pragmatisch, fliessend, die Gegenwart organisch aus der Vergangenheit 
entwickelnd. 

Das Hauptbestreben ist sichtlich, mit Hintanhaltung allgemeiner 
Urteile die Thatsachen sprechen zu lassen (die eigene Ansicht 
des Verfassers verrät sich oft nur durch die Färbung des Aus- 
drucks; vgl. S. 224: „in Linienfilhning und Farbengebung die kecke 
Eigenart der Modernen, denen Japan und China anregender sind als 
Griechenland und Italien", oder S. 240: „Unreife derer, die sich das 
jüngste Deutschland nennen Hessen**; deutlicher z. B. S. 228: «doch 
wurde die Grundlage des Gymnasiums trotz einzelner Verbesserungen 
seit 1890 mehrfach erschüttert''). 

Die Kriegsgeschichte tritt zurück; stark betont werden da- 
gegen Verfassnngsgeschichte, Ordnung der Justiz, Entwicklung des 
Kulturlebens, besonders der Landwirtschaft (Befreiung der Bauern), 
Handel und Verkehr, Technik und Industrie, Kunst und Wissenschaft, 
Soziologie (Entwicklung der Sozialdemokratie) und — ein. bisher in 
Geschichtslehrbüchern kaum angetroffener Artikel — die christliche 
Liebesthätigkeit. Wer aus letzterem Umstand auf eine pietistische An- 
hauchung des Verfassers schliessen wollte, würde sich sehr täuschen; das 
Buch trägt vielmehr den frischen Zug gesunder geistiger Freiheit an sich. 

Besonders eingehend ist die preussischeGeschichte behandelt, 
so ins einzelne sich ausbreitend, dass z. B. bei der inneren Entwicklung 



Litterarischer Bericht. 315 

unter dem grossen Kurfürsten oder dem zweiten König oder Fried- 
rich dem Grossen oder Friedrich Wilhelm IV. des Guten — uns Süd- 
deutschen jedenfalls — zuviel geboten zu sein scheint, wogegen man 
anderes, wie die englische Rebellion und Revolution oder den Auf- 
stand der Tiroler 1809 oder die Entstehung der heiligen Allianz oder 
die zweite Blütezeit der deutschen Dichtung in breiterem Rahmen dar- 
gestellt sehen möchte. 

Ein Glanzpunkt des Buches sind seine meisterhaften, mit wohl- 
erwogenem Urteil und gedrängter Zusammenfassung ausgearbeiteten 
Charakteristiken der leitenden Persönlichkeiten: das Bild eines 
Friedrichs des Grossen oder des Königs Friedrich Wilhelm I., III., IV., 
oder der Girondisten und Jakobiner u. a. tritt dem Leser plastisch 
entgegen; der Charakterkopf des korsischen Übermenschen ist vor- 
züglich getroffen. Auch die Kulturent Wicklung ist stets trefflich 
wiedergegeben. 

Der Ausdruck im einzelnen ist gut lesbar, meist knapp und in- 
haltsvoll, oft mit glücklicher Wendung und einfachem Pinselstrich tiefere 
Perspektiven eröffnend, manchmal mit Gegensätzen spielend und nicht 
ohne Manier. Man vergleiche, um wieder nur einige Proben zu geben : 
^,Ludwigs königliche Aftergöttlich keit^, „Franz lieferte seine Tochter 
ihm zur Heirat aus", „Peter der Grosse peitschte sein grollendes Volk 
in die abendländische Kultur hinein", „die vergreisten Generäle Preussens 
im Jahr 1806", „mit der äussern Bildung verwelschte die innere" (wie 
sagt doch Fr. von Logau?: ä la mode Kleider, a la mode Sinnen; wie 
sich's wandelt aussen, wandelt sich's auch innen !); oder: ,,des Kaisers un- 
kaiserliche Umtriebe", „der deutsche Fiirstenbund sollte etwas schützen, 
was des Schutzes nicht wert war", „den Gewaltsprüchen folgten sofort 
die Gewaltthaten", „Bürgerkriege in Polen ohne Bürger", „sie waren 
Henker, um nicht selbst dem Henker zu verfallen" ; gesuchter ist schon : 
„wegen seiner grundsätzlichen und doch grundsatzlosen Opposition"; 
phrasenhaft ist: „da fand sich der Mann (Bismarck), der ihn aus dem 
Kampfgewühl auf die freie Königshöhe führte". 

Das Ganze durchwärmt ein patriotischer Hauch, der jedoch den 
Verfasser nicht blind macht gegen Missstände und Missgriffe z. B. in 
der Verwaltung der Kolonion, „in der sich nur langsam eine erfolg- 
reiche Weise herausarbeitet; sie litt bisher bald Jin juristischem Fonnen- 
tum, bald an zuviel Kriegslust" (S. 227). 

Löblich ist das Bestreben, die Ortsbestimmungen (besonders für 
Schlachten) möglichst genau zu geben (z. B. Sassbach o.n.Ö. von Strass- 
burg! oder Malplaquet zwischen der oberen Scheide und der Sambre); 
aber nicht immer ist die Bestimmung richtig, z. B. liegt Stockach nicht 
am n.w. Ende des Überlingersees (S. 115), Altranstädt nicht s.w. von 
Leipzig, Mollwitz nicht s. von Brieg, das Schlachtfeld von Hochkirch 
nicht n,ö. von Görlitz (Verwechslung mit einem andern Hochkirch), 



316 Litterarisoher Bericht 

Statt „Deutschland in seiner tiefsten EmiedriguDg" (S. 123) ist zu 
lesen: tiefen (s. Gebhardt, Handbuch der deutschen Geschichte II 407, 
und Häusser, Deutsche Geschichte II 699), ein Fehler, den fast alle Ge- 
schichtslehrbücher enthalten ; zu der Schlacht an der Boyne fehlt zwar 
nicht die Orts-, wohl aber die Zeitbestimmung. Der Titel der berühmten 
Schrift Sieyös (S. 98) ist ungenau wiedergegeben (cf. Flathe, Geschichte 
der neuesten Zeit 136); zweifelhaft ist der Ausdruck königisch ge- 
sinnt (S. 27), herrischester Hochmut (S. 95). S. 118 rühmt Wol ff ^ die 
klassische, von patriotischem Zorn durchglühte Darstellung Häussers^ 
(a. a. 0. II, S. 339 f.) ; aber noch klassischer sind Treitschkes Flammen- 
worte: „Die deutschen Fürsten und Diplomaten stürzten sich wie das 
Geschmeiss hungriger Fliegen auf die blutigen Wimden des Vater- 
lands" (Gebhardt a. a. 0. II 386). Druckfehler sind wenige zu ver- 
zeichnen: S. 14 unten lies: erwählten (st. erwähnten), S. 76 weniger 
(st. wenigere), S. 90 sechsmonatlicher (st. sechsmonatiger), S. 91 Zeile 5 
von oben ist das Hilfszeitwort worden unentbehrlich, S. 46 m. lies 
Bauernhöfe st. Bauemhöse, S. 96 HöloYse st. H61oise, S. 196 Zeile 4 
von unten ist lehnte in eine falsche Zeile geraten. 

Diese kleinen Versehen können jedoch dem Wert des Buches keinen 
Eintrag thun. Es ist ein vorzügliches „Lehrbuch der Geschichte für 
höhere Lehranstalten^, für jeden Schüler schätzbar, schätzbar aber auch 
als Führer für jeden Gebildeten, der sich darüber unterrichten möchte, 
wie die bestehenden Zustände geworden sind. 

Schwab. Hall. Professor Ludwig. 



Tierkunde für deutsche Lehrerbilduugsanstalten unter grnnd- 
sätzlicher Betonung der Beziehungen zwischen Lebensver- 
richtungen, Körperbau und Aufenthaltsort der Tiere. Bear- 
beitet von Dr. C. Fickert, I. Assistent der zooL Anstalt 
der Universität zu Tübingen, und 0. Kohlmeyer, ordentl. 
Lehrer und Fachlehrer für Naturgeschichte am K. Seminar 
zu Alfeld a. d. Leine. 2. verbesserte und vermehrte Auflage. 
Mit 559 Abbildungen nnd einer farbigen Tafel : Tierregionen 
und Subregionen. Preis geb. 4.50 Mk. Leipzig, G. Freytag. 
1898. 
In der vorliegenden Tierkunde sind die sicheren Resultate wissen- 
schaftlicher Forschung, und zwar nur die sicheren, in elementarer 
Sprache dargestellt. Was der Titel des Buches verspricht, die Be- 
tonung der Biologie, die zu denkender und sinniger Betrachtung der 
Tierwelt führen soll, ist auch im grossen und ganzen gelungen durch- 
geführt. Die zweite Auflage ist wesentlich vermehrt und verbessert 
Hat schon die erste Auflage anerkennende Besprechungen in grosser 



Litterarischer Bericlit. 317 

Zahl und ungemein raschen Absatz gefunden, so wird die neue Auf- 
lage ohne Zweifel auch in andern Anstalten eingeführt werden, als 
der Buchtitel nennt. Die Verfasser würden gut daran thun, ihrem 
Buch die Grenzen seiner Verbreitung nicht zu beschränken und den 
Titel des Buches entsprechend zu ändern. Ich wenigstens halte das- 
selbe für ein vortreflTliches Lehrmittel auch für unsere Schulen. 

Das Buch beginnt mit 20 Einzelbeschreibungen, die dem Lehrer 
zum Muster tilr seine Behandlung des Stoffes dienen sollen ; dann folgt 
die zusammenhängende Betrachtung der wichtigsten Vertreter des ge- 
samten Tierreichs. Die Beschreibungen sind nach einer festen Dis- 
position gegeben. Namen, Vorkommen, Grösse und Gestalt, Bedeckung, 
Bewegung, Ernährung, Atmung und Blutwärme, Lebensweise, Sinnes- 
werkzeuge und ihre Thätigkeit, Begabung, Vermehrung, Bedeutung 
der Tiere werden in angemessener Weise mehr oder weniger eingehend 
behandelt. Dass die Beschreibungen so und nicht in freier Gestaltung 
nach Art von ,^Junges Dorfteich** abgefasst sind, wird manchen Kollegen 
als ein Vorzug des Buches erscheinen, die nicht wie Junge in der Lage 
sind, vorzugsweise Selbstgesehenes und Erforschtes in voller Beherr- 
schung des Stoffes bieten zu können. Auch die werden zu einem 
solchen Buche greifen, die es für richtiger halten, den Schülern die 
Wiedergabe des Dargebotenen durch bestimmte, gleiche Gliederung 
in der Darbietung zu erleichtern; und von diesem Gesichtspunkt aus 
wird das Buch auch in der Hand der Schüler nützliche Dienste leisten, 
obgleich ich der Ansicht bin, dass der Unterricht in der Zoologie bei 
richtiger Ausstattung der Schule mit Anschauungsmitteln eines Schüler- 
buchs, das überhaupt nur durch seine Bilder Berechtigung hat, nicht 
bedarf. Aber gerade der Reichtum an wirklich guten Bildern, wurunter 
die farbigen dieser Art bei uns neu sein dürften, macht dies Buch, 
das sich auch durch seine schlichte Sprache ohne unnötige Fremd- 
wörter empfiehlt, zu einem vortrefflichen Lehrmittel in mangelhaft aus- 
gestatteten Schulen. Das Buch hat, wie es bei so rasch folgenden 
Auflagen üblich ist, Anhänge. Der erste beschreibt den menschlichen 
Körper und seine Lebensverrichtungen, der andere giebt eine Erklärung 
der wissenschaftlichen Namen. Hier möchte ich mir für eine weitere 
Auflage einen Vorschlag erlauben. Wenn der zweite Anhang mit den 
wissenschaftlichen Namen in Fussnoten verteilt wird, so wird dadurch 
ziemlich Raum gewonnen, weil die Namen nicht zweimal gednickt 
werden müssen; der ersparte Raum könnte alsdann zu einer Ver- 
mehrung der Einzelbeschreibungen und zwar, wie schon jetzt in der 
Hauptsache geschehen ist, mit Berücksichtigung des Nächstliegenden, 
leicht zu Beobachtenden und zu Beschaffenden benützt werden. Und 
wenn gar die Einzelbeschreibungen so zahlreich gemacht und mit einer 
kurzen Beschreibung des menschlichen Körpers vermehrt würden, dass 
dieser Stoff zum Unterricht für einen oder zwei Jahrgänge der unteren 



318 Litterarischer Bericht 

Stufe hinreichte, so wäre wohl auch eine getrennte Herausgabe dieses 
Teils nützlich. Der Verwendung des Buches in den ursprünglich berflck- 
sichtigten Anstalten würde wohl schwerlich ein Uindemiss durch die 
reichere Auswahl in Einzelbeschreibungen erwachsen, und die Ein- 
führung in andern Schulen würde wesentlich erleichtert. 

Eine Vergleichung der zweiten Auflage mit der ersten ergieht, 
dass die Verfasser Wünsche und Vorschläge nicht unberücksichtigt 
lassen, yiclleicht können sie auch obige mit dem Zweck und der Anlage 
ihres Buches vereinigen; femer ist in hervoiTagendem Masse zu sehen, 
dass sie unermüdlich an der Verbesserung ihres Werkes arbeiten, und 
so ist zu hoffen, dass die Mängel, die im einzelnen dem Buche hie und 
da noch anhaften, in einer weiteren Auflage verschwinden. Zum 
Schluss sei noch besonders hervorgehoben, dass für die gute Aus- 
stattung des Buches der Preis massig zu nennen ist. 

Tübingen. Salzner. 

Sohr-Berghaus^ Handatlas über alle Teile der Erde. Neunte 
Auflage. Herausgegeben von B lud au. 84 Blätter^ voll- 
ständig in 30 Lieferungen ä 1 Mk. GlogaU; Fiemming, 1902. 

Für die im Erscheinen begriffene 9. Auflage des Sohr-Bergh aus- 
sehen Handatlas ist von dem Herausgeber und von der Verlagsbuch- 
handlung als wichtige Neuerung in Aussicht gestellt die streng 
durchgeführte Einheitlichkeit in der Anlage und Aus- 
führung. Jeder Erdteil und jedes Land wird durch eine Ober- 
sichtskarte dargestellt, der eine mehrblättrige zusammensetzbare 
Karte als Spezialkarte in gleicher Anlage entspricht Was den 
Massstab anbelangt, so sind gleichwertige Erdräume auf Karten 
gleichen Massstabs dargestellt, oder, wo dies nicht streng durch- 
führbar war, stehen die Massstäbe wenigstens in einfachem Verhältnis 
untereinander. Die Spezialkarten sind im allgemeinen im doppelten 
Massstabe der Übersichtskarten gegeben; bei sämtlichen aussereuro- 
päischen Ländern haben die Spezialkarten den Massstab 1 : 10 Millionen 
erhalten. Endlich ist der Atlas auch einheitlich in der Anlage and 
Ausführung der Zeichnung, des Terrains, der Schrift und der Sig- 
naturen. 

Anden uns vorliegenden Übersieh tskarten von Europa und 
Afrika, welche die erste Lieferung neben der Spezialkarte von Ost- 
afrika enthält, fällt besonders angenehm auf die der Methode der Schul- 
atlanten analoge Darstellung dos p h y s i s c h e n G e s a m t b i 1 d s. Durch 
eine zweckmässig und geschmackvoll gewählte Farbenfolge, die sich 
im ganzen der des Spektrums anschliesst und zugleich von matteren 
zu leuchtenderen Tönen aufsteigt, wird trotz der zahlreichen Namen 
eine überaus anschauliche Obertiächendarstellung von der Art erzielt, 



Keu erschienene Bücher. — Ankündigungen. 



319 



die von Peucker einmal mit dem hübschen Ansdmck „raumtreu'' 
bezeichnet worden ist, so dass diese Karten in der That auch für 
wissenschaftliche Studien geeignet erscheinen. 

Die Projektionsart wird durch das ganze Werk hindurch die 
Flächentrene sein, und zwar gelangen nur Projektionen, die zu den 
„geometrisch einfach definierten" gehören, zur Anwendung, vor allem 
die flächentreue Azimut Projektion Lamberts und die fläch en- 
treue Kegelrumpfprojektion mit zwei abweitungstreuen 
Parallelkreisen von Albers. 

Die technische AusfÜhnmg der ersten Lieferung ist vorzüglich. 

Stuttgart. J a e g e r. 



Neu erschienene Bücher. 

Bei der groesen Meng'e der uns sngehenden neaen litterarlsohen Erscheinnugeii 
ist es nns nnmöglichf Jede im einzelnen xn besprechen. Die Titel der einlaufenden 
Bflcher, die wir eusnahmBlos der Kohlhammerschen Verlagsbuchhandlung cn flber- 
eenden bitten, werden regelm&ssig im nAohsten Hefte Teröffentlieht ; anf Bflek- 
eendnng der nicht besprochenen Bflcher können wir ans aber nicht einlassen. 

Fassbender, Die Bedeutung der Astronomie für die Ausbildung der 
Weltanschauung. Strassburg i. E., Fr. Engelhardt. 

Hirt, Handbuch der griechischen Laut- und Formenlehre. Heidelberg, 
Carl Winters Universitätsbuchhandlung. 

Sachs, Sc6nes et Esquisses de la vie de Paris. Glogau, C. Flemming. 

Schmitz, Englische Synonyma. Gotha, Fr. Andreas Perthes. 

Dr. phil. et jur. M. Thamm. First Steps in english Conversation. 
Ibid. 

Krämer, Weltall und Menschheit. Lieferung 4 und 5. Berlin, Leip- 
zig, Wien und Stuttgart, Bong & Co. 

■(Fortsetzung siehe S. 3 und 4 des Umschlags.) 



Ankündigungen. 



PIANOS 

Harmoniums 



von 
w«350. 



an. 
von 
an. 



Höchster Rabatt, kleinste Raten. 
Freie Probdieferung. 10jährige 
Oarantle. Pianos und Harmon. zu 
vennietcn; bei Kauf Abzug der 
Miete. llIastr.Kataloge ^ratis-frko. 

Wilh. Rudolph, Giessen. 



Eine gut besuchte [1 M. 

Lehr- und Eniehnngsanstalt 
mit Privat-Realsehiile 

in einer Bezirksstadt des nördlichen 
Bayerns ist unter günstigen Be- 
dingungen zu Terkaafen. Dom 
Unternehmer wird eine nahm hafte 
städtische Subvention zugesicliert. 
Bisherige Rentabilität erwiesen. 
Offerten mit Angaben über Lehrbe- 
fähigung, Personal- u. Vermögens- 
verhältnisse unter M. L. 4376 be- 
fördert Kndolf Messe, MOnchen« 



320 Ankündigungen. 

Verlag von Hermann Gegening in Halle* 

Uesenins-Regel^ Englische Sprachlehre. Ausgabe B. Völlig nen 

bearbeitet von Professor Dr. Ernst Regel, Oberlehrer an den 
Franckeschen Stiftungen. 

Untentof6. Zweite Auflage 1901. 1900. In Leinwand geb. Mk. 1.80. 

Oberstufe. 1901. In Leinwand geb. Mk. 1.80. 

Gesenins-Begel, Englische Sprachlehre. Ausgabe B. iieniife. 

Kapitel l, IV, VI und VII in anderer Fassung enthaltend 
die Besprechung der Holzeischen Bilder: Wall» ttitBbef, Mirge iii 
Stadt Bearbeitet von Prof. Dr. Ernst Regel, Oberlehrer an der 
Oberrealschule in den Franckeschen Stiftungen. 1902. In steifen 
Umschlag geh. 40 Pf. 

Gesenins, F. W.^ Englische Sprachlehre. Ausgabe A« Völlig neu 

bearbeitet von Prof. Dr. Ernst Regel, Oberlehrer an den Francke- 
schen Stiftungen. 
Teil I: Schulgrammatik nebst Lese- und Uebungsstücken. T.Auf- 
lage. 1901. Preis geb. Mk. 3.50. 
Teil II: Lese- und üebungsbuch nebst kurzer Synonymik. 1895. 
Preis geb. Mk. 2.25. 



Bisheriger Absatz beider Teile 445000 Exemplare. 

Gesenins^ Dr. F. W., Lehrbuch der englisch. Sprache, in 2 Teilen. 

Teil I: Elementarbuch der englischen Spr.ache nebst Lese- und 
üebungsstücken. 24. Auflage. 1901. Preis geb. Mk. 2.40. 

Teil II: Grammatik der englischen Sprache nebst Uebungsstilcken. 
16. Auflage. 1902. Preis geb. Mk. 3.20. 

Schmidt, Dr. Herrn., Elementarbuch der lateinischen Sprache. 

Völlig neu bearbeitet von Prof. Leonh. Schmidt in Bromberg 
und Prof. E. Lierse in Posen. 

Teil I: Für Sexta. 12. Auflage. 1900. Geb. Mk. 1.50. 

Teil II: Für Quinta. 11. Auflage. 1894. Geb. Mk. 1.95. 

Teil III: Pir (|iarU. 1. Abteilung. Lesebuch. 1900. Geb. Mk. 1.15. 
2. Abteilung, üebungsbuch u. Vokabular. 1900. Geb. Mk. 1.75. 

Dickens, Cliarles, From the Pickwick Papers. Zum Schnigebranch 

ausgewählt und mit Anmerkungen und einem Wörterbuch ver- 
sehen von Dr. Fritz Kriete. 1902. In Leinenband mit Tasche 
für das Wörterbuch gebunden Mk. 2.—. 

Gesenius, Dr, F. W., A Book of English Poetry for the use of 

Schools. Containing 102 poems with explanatory notes and bio- 
graphical Sketches of the authors. Third Edition. Revised by 
Dr. Fritz Kriete, Oberlehrer. 1900. In Leinenband mit Tasche 
für das Wörterbuch gebunden Mk. 2,—. 

Jerome K. Jerome, Three Men on the Bummel. Zum Schni- 

gebrauch herausgegeben und mit Anmerkungen und einem Wörter* 
buch versehen von Dr. Fritz Kriete, Oberlehrer. 1901. In 
Leinenband mit Tasche für das Wörterbuch gebunden Mk. 1.40. 

Kriete, Dr. Fritz, Sammlung französischer Gedichte. Zam 

Schulgebrauch zusammengestellt und mit Anmerkungen und einem 
Wörterbuch versehen. 1901. In Leinenband mit Tasche für das 
Wörterbuch gebunden Mk. 1.80. 

Ausführliche Yerlaggyerzeichnisse kostenlos. 



Vorsohläge für eine Umarbeitung von Grrafs 

Griechischen Materialien. 

Von Prof. Schüttle in Stuttgart. 

Die Gaupp-Holzerschen Materialien zur Einübung der griechi- 
schen Orammatik^ 1894 in einer durch Professor Reinhold Graf 
besorgten Umarbeitung (8. Aufl.) erschienen, sind durch das über- 
raschend schnell erfolgte Hinscheiden dieses hochverdienten^ auch 
über die Grenzen der engeren Heimat durch seine griechischen 
Arbeiten wohlbekannten Schulmannes zum zweitenmale verwaist. Die 
Auflage deckt das Bedürfnis noch 1 bis 2 Jahre, und vielleicht hätte 
Graf doch noch die Frage der Umarbeitung eines Buches erwogen, um 
dessen willen das treffliche Kägische Übungsbuch, kaum erst probe- 
weise am Stuttgarter Karlsgymnasium eingeführt, daselbst wieder von 
der Bildfläche verschwand. Ausschlaggebend für die Beibehaltung des 
Gaupp-Holzerschen Stoffes war für den damaligen Leiter der Anstalt, 
Oberstudienrat Dr. M. v. Planck, und für die an den Tertien wirkenden 
Hauptlehrer, zu denen der Unterzeichnete gehört, wie für die Lehrer 
des Griechischen an Untersekunda, neben dem Vertrauen in die 
methodische Arbeit Grafs die Erwägung, dass die dargebotenen 
Sätze, auch mit anderen trefflichen Übungsbüchern verglichen (wo- 
runter als in Württemberg gebräuchlichste neben Kägi noch Koch, 
Wesener und, not least, seit 1896 Grunsky-Drück Beachtung ver- 
dienen), immerhin eine inhaltliche Schwere und geistige Höhe be- 
haupten, die wir unseren SchtÜern um so weniger vorenthalten oder 
entziehen wollten, als vor anderen Fächern das Griechische die 
Pflicht hat, früh in hellenisches Leben und Denken einzuleiten oder 
vielseitige Durchblicke zu eröffnen. Der von berufenster Seite 
geforderten „Vielseitigkeit des Interesses" dient namentlich das 
Hereinziehen der reichen Gnomik in den Übungsstoff, worin freilich 
Kägi den eristen Preis gewonnen hat. Dass nun Graf selber von 
der Verbesserungsfähigkeit auch des umgearbeiteten Werkes über- 
zeugt war, ergiebt sich aus seiner Bemerkung in der Vorrede, und 
ich wage zu glauben, dass ihm noch ultra velle hinaus uixovti die 
und jene Assimilation an neuere Weise in der Richtung der Er- 
leichterung der Schüler abgewonnen worden wäre, so wenig er an 
sich dafür zu haben war, durch Einräumun<;en au den willons- 

Neues Korreüvondeumblatt 1902, Heft 9. 



322 Sctiöttlc, Vorsclil. f. cino Umnrbeit. v. Grafs Grioch. Mat. 

verwöhnenden Zeitgeist den Schülern das „work hardlyl" abzu- 
schwächen. Die Berechtigung zur Erteilung des Einjährigen- I)iph>nis 
hat nachgerade das humanistische Gymnasium mit so vielen un- 
brauchbaren Elementen tibernährt, dass nach Ubereinstimmeudeni 
Urteile von Fachgenossen, Philologen wie Mathematikern, schliess- 
lich fast ein Drittel in den Tertien nicht viel anderes denn einen 
Hemmschuh für einen frischen und flotten Unterricht abgab, wie 
auch wohl die Korrekturfreudigkeit je und je darunter leiden konnte. 
Aber Eine gute Seite hatte die schlimme Sache: sie nötigte zu 
erhöliter Verdeutlichung der grammatischen Regeln und insbesondere 
zu vorsichtigerem Lehrgang, und wenn gleich anzunehmen ist, dass 
allmählich die humanistischen Gymnasien nicht mehr überlaufen und 

• 

dann mit ihren Insassen im allgemeinen vorwärts zu kommen ist, 
so wird auch dann der für die Schüler leichtere Lehrgang um so eher 
beibehalten werden, als ihre Verdauungskraft durch die erhöhte Zu- 
fuhr von Wissensreizen (schon pocht seihst die Kunst an die Thüren 
>ier Schule des wissenschaftlichen Vorhofes) genügend in Anspruch 
genommen sein wird. Der dritte Punkt, der neben Deutlichkeit und 
Lehifolge hier Berücksichtigung verdient, ist die Beschränkung auf 
das durchaus nötige Regelnquantum, Beschränkung übrigens ohne 
Ängstlichkeit — und diese Beschränkung und die Lehrfolge mttssten 
für eine Neubearbeitung des Grafschen Buches die leitenden Gesichts- 
punkte sein, während die Forderung der Deutlichkeit sich vor- 
wiegend an die freie mündliche Thätigkeit des Lehrers adressiert. 
Zur Erleichterung rechne ich - und man wird mich nicht der 
contradictio in adjecto beschuldigen — eine gewisse Vermehrung 
des Stoüs, eine Vermehrung nämlich durch zusammenhängende* 
Stücke, durch Themen, die bis jetzt ganz gefehlt haben. Denn 
Themen laufen mehr in der gewöhnlichen Bewegungsart des (ieistes, 
als die Einzelsätze. Man pflegt ja in der gewöhnlichen Unterhaltung 
bei irgend welchem Gegenstande durch eine gewisse Anzahl von 
Satzgefügen sich zu bewegen, innerhalb deren die Ideenassociation 
sich nicht auf viele durch Sternweiten von einander abliegende 
Reihen erstreckt; dadurcli entsteht eine gewisse Ruhe und Sicher- 
heit der Vorwärtsbewegung, die dem Geiste wohlthut, indem sie ihn 
vor zu sciinell anfassendem Heben neuer Lasten bewahrt. Darum 
auch wird ein Thema mit wenigeren Fehlern übersetzt als lauter 
Einzelsätze, die zusammen ein ihm gleiches Wörterquautum dar- 
stellen. Instinktiv merkt das der Schüler; er hat Freude an einem 
ziisaiinnpuliiingendeu Sttick, einer Fabol, einer gewöhnlichen I>- 



Sehöttlo, Vorselil. t*. eine Umarbeit. v. Oral» Griech. Mat. 323 

Zählung, einer leichteren Betrachtung; er kann darin eher selbst 
anfauchen, was ihm schmeckt, als bei dem Fleischextrakt der Einzel- 
siitze. Nun, diese seine Freude allein schon ist genug, um uns zu 
bewegen, ihm Themen zu reichen. Andererseits nötigen im Thema 
die vermehrten pronominalen, konjunktionalen und temporalen Be- 
ziehungen zur Verfeinerung des stoff- und formvergleichenden Den- 
kens. Aber wann nun sollen die Themen einsetzen? Themenfexe 
sagen: „Gleich in der ersten Woche.^^ Auch ich, obwohl nie dieser 
Ansicht, habe Kuriosums halber schon auf Mat. 1 und 1 ein Thema 
gedichtet. Aber es ist eine Ellbogenarbeit und trägt weniger Frucht 
al} eine gute Zusammenstellung von Einzelformen, als eine Formen- 
viertelstunde. Ne quid ante tempus! Der Schüler ist nicht so 
gierig nach Zusammenhang, solange die Buchstaben und Zeichen 
ihn noch so fremd und fragend anschauen. Aber nach acht bis 
zehn Wochen, wenn die Leseschwierigkeiten überwunden sind und 
die llanptregeln des Accentes sitzen, da darf man ihm mit kleinen 
Erzählungen kommen. Dies darum, weil ich mir dann auch so 
viele Verbalformen eingeübt denke, dasa nicht durch zu gehäuftes 
„Angeben" immer wieder die Schiefe des Themas vor Augen ge- 
führt wird. Um zunächst beim Verlangen nach Einzelfonnen stehen 
zu bleiben, so hat im Gegensatze zu Grunsky, der hierin volle 
Genüge gewährt, Graf nur beim Pronomen (34, 1 — 7) und bei dem 
an ildwfu gezeigten hauptsätzlichen irrealis eine halbe Konzession 
gemacht. Es ist aber gewiss, dass selbst in Einzelsätzen, falls sie 
nicht zu zahlreich oder zu gezwungen werden sollen, nicht die ge- 
nügende Sicherheit in den Formen erreicht werden kann, falls nicht 
durch Abfragen von Einzelformen und von kleinsten Verbindungen 
der Weg für die Sätze geebnet und durch die nachfolgenden schrift- 
lichen Extemporalien, die wir Exzeptionen heissen, eine strenge 
Kontrolle über das Verständnis geführt wird. „Die" Extemporalien: 
denn über ihre Notwendigkeit wird bei uns nicht mehr gestritten, 
und nur darüber wurde vor etwa acht Jahren im Schosse des Kolle- 
giums debattiert, ob sie sich dazu eignen, als ein Teil der bei der 
Versetzungsprüfung vorgelegten schriftlichen Aufgabe aufzutreten. 
Der Konvent hat damals entschieden, dass die Exzeption als metho- 
disches Mittel während des Schuljahres in methodischer Weise zu 
betreiben sei; von ihrer Verwendung als Teil eines Prüfungsfaches 
sei so lange Abstand zu nehmen, als sich keine nachteiligen Folgen 
davon fühlbar machen. Warum aber, frage ich, sollten sich solche 
bei regelmässig das Jahr hindurch betriebener Übung fühlbar niacho.n V 



324 Schöttle, Vorschi. f. eine Ümarbeit. v. Grafs Griech. Mat. 

Die Prüfung fügt ja dem Wissen nichts hinzu; wohl aber kann die 
Prüfungsexzeption ein Mittel sein, um nerröse, langsame, schwer- 
hörige Schüler um den Lohn ihres Fleisses zu bringen. 

Was oben über die Formenextemporalien gesagt worden, mus8 
auch für Satzteilextemporalien und solche, die sich auf kürzeste 
Sätze (z. B. „ogri^ UV iSij, /aiQr^osi,^^ ^^iXsysyy ogric av tdjj = ogrig 
Idoi, vovTov x^iQ^asiv'^), auf Kurzsätze, beziehen, Geltung haben. 
Und zwar wiederum müssen im Übungsstoffe solche einfachste Bei- 
spiele vorkommen, da man kaum verlangen kann, daas die Gram- 
matikbeispieie des füllenden Beiwerks beraubt und skelettiert werden 
sollen, die doch zugleich einen litterarisch-mnemonischen Wert mit 
Recht in Anspruch nehmen. So halte ich denn dafür, dass Grunsky, 
in seinen zwei Büchern für Klasse V und VI, in den gewöhnlichen 
B- und C-Stücken, zusammengenommen mit den (in no. 30 f., 49, 
57 f., 60 C, 61 etc. enthaltenen) Themen zum Übersetzen in die 
Fremdsprache (Kompositionsthemen) das Richtige getroffen hat; 
doch hätte ich einerseits letztere Themen in regelmässigerer Folge 
gewünscht, andererseits gerne gesehen, wenn ein ähnlicher Lehrgang 
für die Exposition eingehalten worden wäre, obgleich letzteres nicht 
gerade notwendig ist. 

Also 1. Formen oder Regelwörter, auf höherer Stufe, etwa 
von der elften Woche des zweiten Griechenjahres an, kürzeste Satz- 
teile und zuletzt Kurzsätze, letztere übrigens, im Anschluss an die 
Forderung, dass die Hauptlehren lexikalischer Art (Präpositionen) 
und der Syntax in den Formeukursus hineinzu verflechten sind, auch 
schon zahlreich auf der niederen Stufe; 2. Einzelsätze; 3. zusammen- 
hängende Stücke; diese Ordnung wünschte ich durchweg, natttrlicli 
unter Vermeidung von Schablone und Peinlichkeit, zunächst für die 
Komposition beachtet. Nach grösseren Abschnitten des Jahres- 
pensums, je nach etwa sechs Wochen, mögen, ähnlich wie im Herzog- 
Bräuhäuserschen lateinischen Übungsbuch e, einige Kompositions* 
themen folgen, die eventuell gekürzt oder gedehnt und mit wenigen 
Änderungen schon während des (etwa sechs Wochen umfassenden) 
Teilpensums (auch ein „Peusum^^ übrigens kann man einem freieren 
Hauche aussetzen) als Klassenarbeiten (pro loco) und als Haus- 
arbeiten (als Basis des Fleisszeugnisses) gegeben werden können. 
Das zeitraubende Diktieren des Deutschen möge man sich bei uns 
namentlich während des dunkeln Vierteljahres, da um 8^!s Uhr der 
Unterricht begonnen wird, sparen; dann werden die so viel über- 
tvii'l)0]ion Klagen mancher Lohror über Verktirzung der Zeit ihror 



S c h <U 1 1 , Vorschl. f. eine Umarbeit. v. Grafs Griech. Mat. 32B 

Thätigkeit auf ihr richtiges Mass znsammenschrampfen. Wenn 
freilich von einer 45minutigen Lektion 20 Minuten anf ein Thema- 
diktat mit Anmerkungen verwendet werden, so wird das Resultat ent- 
weder eine überhastete Arbeit oder aber eine solche sein, die wegen 
ihrer Kürze einen zureichenden Zeugnismassstab nicht mehr bietet. 
Bei mathematischen Aufgaben würde sich für die genannte Mitt- 
winterzeit das Hektographieren der Aufgaben empfehlen. Letzteres 
möchte ich überhaupt für die Prüfungen vorschlagen; dagegen möge 
im grössten Teil des Jahres das Themadiktat um seines unterricht- 
lichen Wertes willen bleiben! 

Habe ich mich im bislierigen vorwiegend in Harmonie mit 
Grunsky-Drttck befunden, so kann ich in der Yokabelnbehandlung mit 
diesem Buche sowenig als mit Graf und ähnlichen mich einverstanden 
erklären. Dass die Schüler die in Grafs Sammlung p. 29 — 55 ent- 
haltenen Vokabeln, nahezu 1400 (etwa 20 weniger), in der für die 
betreffenden Übersetzungsabschnitte nötigen Zeit von etwa zwölf 
Wochen sich einprägen, ist ausgeschlossen. Grunsky rechnet fürs 
erste Jahr etwa 1000 Vokabeln, auser den propria; ich würde gern 
etwa 1200 Vokabeln in Klasse V bewältigen lassen. 38 Wochen 
im Schuljahre rechnen wir 'bis an die Versetzungsprüfung. Lassen 
wir an 4 Wochentagen je 10 Vokabeln lernen, am fünften die 40 
repetieren und verwenden wir den sechsten zu Beliebigem (man 
kann nicht jede Viertelstunde zum voraus belegen, man muss auch 
Zeit für Unvorhergesehenes haben), so kämen auf das Schuljahr 
bis an die Prüfung 1520 Wörter. Aber es empfiehlt sich, schon 
nach 32 Wochen im Wörterlemen Halt zu machen und dann zu 
repetieren; so bleiben 1280 Vokabeln. Dabei geht man vorsichtig 
zu Werke: man lässt täglich 6, 8 Stück lernen, erreicht nach 
16 Wochen, hier in Stuttgart Mitte Januar, den Durchschnitt, 
10 Stück, und ist Mitte Mai auf dem Maximum, 14 täglich, an- 
gekommen. Das wäre die Anzahl; nun was für Vokabeln? In 
höherem Mass als die Grunsky-Sammlung ist die Grafsche eine 
Zufallssammlung. Ich schlage vor, dass dem Buche hinten ein 
nach Stücken geordnetes Wörterverzeichnis, ein Stückvokabular, wie 
in Warschauer, angefügt wird (hinten, damit es bei der mündlichen 
Prüfung aus den Augen ist), in welchem die überhaupt des 
Memorierens werten und darum dem Schüler zuzumutenden Wörter 
kenntlich gemacht sind, damit seine Aufmerksamkeit zunächst 
etwas mehr darauf hafte. Diejenigen dieser Wörter wiederum, die 
gleichzeitig mit der Durchnahme des Stückes memoriert werden 



326 Prüfung d. Kandidat, f. Präzcpt.- n. Reallehrersstelleü 19()1. 

sollen^ Heien dabei nocii besonders durch den Drnck hervorgehoben ! 
Solches Stückvokabular wünsche ich schon darum, damit die zeit- 
raubende und nichts nützende Hansaufgabe des von Graf 26 an 
bisher nötig gewesenen Präparierens (mit obligaten Verschreibungen 
und Zeichenweglassungen und Lehrermai icen) wegfalle. Im übrigen 
soll ein Verzeichnis der ca. 3000 in den zwei Tertien zu memo- 
rierenden Wörter für die Komposition in alphabetischer Folge her- 
gestellt und schon dem Einbände des ersten Teils der Materialien 
als Memorier- oder A-Vokabular einverleibt werden. Die darin 
stehenden Wörter, soweit sie je bereits memoriert sind, werden bei 
der Stellung von Themen nicht mehr angegeben. Ein deutsch- 
griechisches Wörterbiiehlcin, dem 87 Seiten umfassenden Grafseheu 
Verzeichnis entsprechend und auf etwa 5000 Wörter zu berechuen, 
die nicht nach zufälliger Lektüre, soudem nach absoluter Wichtig- 
keit aus den ca. 30000 Wörtern des Rost- Albrecht von 1889 ge- 
wählt sind, ist als Nachschlag- oder B-Vokabular in besonderem 
Einbände vom Schüler zu führen, in Sonderband, weil es bei Pro- 
loko und bei Prüfungsarbeiten verwendet werden soll, wo das syn- 
taktische Kegeln enthaltende Übungsbuch dem Schüler nicht zur 
Hand \aU (Schliesslich wäre das A-Vokabular ganz entbehrlich, 
wenn es einfach im B-Vokabular durch den Druck herau8geschie<K*n 
würde.) Diejenigen Wörter, die sich darunter nicht linden, sollen 
dann jeweilen vom Lehrer angegeben werden. (8thluss tuljct.) 



Prüfung der Kandidaten für Präzeptors- und Real* 

lehrersstellen 1901. 

Deutscher Aufsatz. 

Inwiefern erhöhen naturwissenschaftliche Kenntnisse die Frendi- 
an der Natur? 

Deutsche Grammatik. 

1. Rektion der Präpositionen mit Hervorhebung häutig vor- 
koauuender Verstösse. 

2. Gegrn welche grammatische Kegeln Verstössen folgende Aus- 
drücke und wie sind sie zu korrigieren? 

a) Eben von Amerika angekommen traf ihn das harte I^os. 
seinen Sohn zu verlieren. 



Prüfung il. Kandidat, f. Präzept.- u. Reallehrersstellen 190t. 327 

b) Zarter^ weisslicher Sand, ans dem mit Rienruss vermengt 

die Metallarbeiter ihre Formen bilden. 
e) loh ritt ungewaschen und ungefrühstückt nach Sedan. 

d) Die mich seit Jahren gequälten Schmerzen haben endlich 
nachgelassen. 

e) ich pflege gewöhnlich morgens zu baden. 

f) In Ehrmanns Haus war es verboten^ nicht zu rauchen. 

8. Folgendes Satzganze soll nach Satzarten, Satzgliedern und 
Worten analysiert und, womöglich, in einem Satzbild dargestellt 
werden ! 

,^IIat dir dein Kebenmensch unter saurem Schweisse mit der 
Kraft seines Armes gedient, so zögere nicht, ihm zu geben, was 
recht ist, und enthalte ihm, was du versprochen, nicht vor.^' 
(Gleichwertiges kann zusammengenommen werden.) 

Französische Komposition. 

Die menschliche Gattung kann auf allen Punkten des Globus 
leben. Man trifft sie vom Äquator bis zu einer kleinen Entfernung 
von den Polen, und die ganze Erde ist ihr Gebiet. Aber wenn 
der Mensch als Gattung überall zu leben fähig ist, so folgt daraus 
nicht, dass er nach seinem Belieben Breite und Klima verändern 
kann. Die Natur hat der Ausübung dieses Rechtes einige Ein- 
schränkungen gesetzt, was die Unfälle schlecht geleiteter Koloni- 
sationsversuche zu allen Zeiten gezeigt haben. Das Klima wechseln, 
heisst zu einem neuen Leben geboren werden. Alle hygienischen 
Bedingungen sind auf einmal verändert; es ist möglich, dass das 
Individuum in seinem neuen Vaterland leben kann, aber die Rasse 
muss sich da erhalten und entwickeln, ohne dass neue Kontingente 
notwendig sind, welche die Lücken ausfiilleu, ohne dass sie fremde 
Arme nötig hat, um den Boden zu bebauen, der sie nähren soll. 
Diese zwei Bedingungen sind schwer zu erfüllen. Sie hängen vor 
allem von der geographischen Breite ab. Die Auswanderung kann 
in der Richtung der Parallelen geschehen, ohne Hindernissen zu 
begegnen. Aber es verhält sich nicht mehr so, wenn die Orts- 
veränderung in der Richtung der Meridiane geschieht. Sie ist je- 
doch viel leichter, wenn die Bewegung gegen die Pole hin statt- 
findet, als wenn sie gegen den Äquator sich richtet. Diese Be- 
merkung, welche vor 2000 Jahren von Vitrnv gemacht wurde, ist 
heutzutage ganz ebenso richtig. Alle Erforscher der Polarmeere 
haben erkannt, dass ihre Schitrsinannscliaften eine vollkomnieno 



328 Prüfung d. Kandidat, f. Prftzept.- n. Reallehrenatellen 1901. 

Gesundheit genossen^ solange sie die Mittel hatten, sich zu wärmen 

und zu nähren. 

Französisches Diktat. 

Jour des morts. 

(Les roorts ce sont 1» Alle et le gendrc de V. llago. 
En 86 promenant en bateaa eiir la Saine, ils sont tumltri. 
par nn aocidentf ä Teau et se aont noy^s.) 

Elle avait pris ce pli, dans son äge enfantin, 

De venir dans ma chambre un peu chaque matin. 

Je Tattendais ainsi qn'un rapon qu^on espöre; 

Elle entrait et me disait: ^^Bonjour, mon petit pere!^' 

Prenait ma plume, ouvrut mes livres, s'asseyait 

Sur mon lit, d^rangeait mes papiers, et riait; 

Puis soudain s*en allait comme un oiseau qui passe. 

Alors je reprenais, la tSte un peu moins lasse, 

Mon (Bvre interrompue, et, tont en ecrivant, 

Parmi mes manuscrits je rencontrais souvent 

Quelqne arabesque folle et qu'elle avait trac^e. 

Et mainte page blanche entre ses mains froiss^e, 

Oü^ je ne sais comment, venaient mes plus doux vers. 

Elle aimait Dieu, les fleurs, les astres, les pres verts, 

Et c'6tait au esprit avant d'etre une femme. 

Son regard refletait la ciart6 de mon äme. 

Elle me consultait sur tont ä tous moments. 

Oh! qne de soirs d^hivers (plur.!) radieux et charmante, 

Passes k raisonner langne, histoire et grammaire, 

Mes qnatre entants group6s sur mes genoux, leur mere 

Tout pr6s, quelques amis causant au coin du feu! 

J'appelais cette vie etre content de peu! 

Et dire qu'elle est morte! h61as! que Dieu m'assiste! 

Je u'etais jamais gai quand je la sentais tnste; 

J'etais mome au milieu du bal le plus joyeux, 

Si j'avais, en partant, vu quelque ombre en ses yeux. 

V. Hugo. 
Französische Exposition. 

(Hektographierter Text.) 
Le pare ou jardin de Montmorency n^est pas dans In piain«'. 
11 est inögal, montueux, meI6 de collines et d^enfoncements, dont 
rhabile artiste a tir6 parti pour varier les bosquets, les eanx, ]c8 
points de vue, et multiplier pour ainsi dire, k force d'art et de 
geuie, un espace eu lui-ineme ausez resserre. Ce parc est couronn^ 



Prüfung d. Kandidat f. Präzept.- u. Reallehrersstellen 1901. 329 

dans le hant par la terrasse et le grand ch&teau; dans le bas il 
forme une gorge qui s'ourre et s'^largit vers la rall^e, et dont 
Tangle est rempli par une grand piöce d'ean. Entre Torangerie 
qai occupe cet ölargissement; et cette piöce d^eau entoiir^e de 
coteanx bien decor^s de bouquets d'arbreS; est le petit chäteau. 
Cet edifice et le terrain qui Tentüure appartenaient jadis au c61ebre 
Le Brnn qui se plut ä le bätir et le d^corer avec ce goüt exquis 
d'ornements et d'architecture dont ce grand peintre s'^tait uourri. 
Ce chäteau depuis a 6t6 reläti, mais toujonrs sur le dessin du 
Premier maitre. Comme il est dans le fond, par cons^quent sujet 
ä rhumidit^; on Ta perc6 dans son nülieu d^un peristyle k jour 
entre deux etages de colonnes, par lequel Fair jouant dans tont 
rediiice le maintient sec malgr6 la Situation. Quand on regarde 
ce bätiment de la hauteur oppos^e qui lui fait perspective, il parait 
absolumeut environn^ d^eau, et Ton croit voir une tle enchant^e, 
ou la plus jolie des B iles Borromees, appel6e „Isola bella^^ dans 
le lac Majeur. 

Englische Komposition. 

Der Tod der Königin Victoria bat eine schwere Trauer (gloom) 
Über England und alle seine Kolonien geworfen. Es scheint, als 
ob nicht nur eine Person, sondern fast eine Einrichtung verloren 
gegangen sei. Die Richter trugen den Titel Ihrer Majestät, die 
Armee und die Flotte waren die ihrigen. Handelten diese Männer 
nicht alle im Dienst einer Frau? Die Königin war das Losungs- 
wort (watch-word ', vor dessen geheimnisvoller Würde alle poli- 
tischen Leidenschaften sich zurückzogen. Sie hat stürmische Zeiten 
erlebt, besonders vor 50 und mehr Jahren, wo die fähigsten Politiker 
fürchteten, die Monarchie möchte ihre Regierung nicht überleben 
(outlive). Erst bei dem ersten Jubiläum (jubilee) ward sie die Höhe 
(amount) der Zuneigung gewahr, die sie bei den Engländern genoss. 
Unter ihrer Herrschaft wurde das Reich bis zu den fernsten (jrenzen 
erweitert; sie fand ein Königreich und hinterliess ein Kaiserreich. 
Seitdem in dem südafrikanischen Kriege indische Truppen und 
andere Kolonialstreitkräfte kämpften, ist das Kaiserreich, das bisher 
ein blosses Symbol gewesen war, eine grosse Wirklichkeit geworden. 

Nicht blosse Gewohnheit, noch weniger berechnete (to calculate) 
Politik hätten diese Frau dazu bringen können, ihre Pflichten so 
treu zu erfüllen; sie that es aus waiirer Frömmigkeit, die sie (Noni. 
nie aufgegeben (verlassen) hat, aus Lehenstreue (fealty) gegen den 
König aller Könige. Wenn Elisabeth ein ebenso wunderbares Wachs- 



330 Prüfung d. Kandidat f. Präzept.- u. Reallobrerästclleri m)\. 

tum des Reichs, wie sie, bewirkt hat, so starb Elisabeth einsam, 
dagegen Viktoria umgeben von ihren Kindern und ihren Kinde^s- 
kindern, und von der Liebe ihres Volkes. 

Englische Exposition (zugleich Diktat). 
When Louis the Fourteenth took the reins of govemmeut iuto 
his own hauds; after the death of Cardinal Mazarin, there was a 
Union of ability with opportunity, such as France had not Seen 
since the days of Charlemagne. Moreover, Louises carreer was no 
brief one. For upwards of forty years, for a period nearly equal 
to the duration of Charlemagne's reign, Louis steadily followed au 
aggressive and a generally successful policy. He passed a long 
youth and mauhood of triuraph, before the miiitary genius of Marlbo- 
rough niade him acquainted with humiliatiou and defeat. The great 
Bourbon lived too long. He should not have outstayed our two 
Euglish Kings — one his dependent, James H., the other his anta- 
gouist, William lU. Had he died in the year within which tlioy 
died, his reign would be cited as unequalled in the French annals 
for its prosperity. But he lived on to see his annies beaten, his 
cities captured, and his Kingdom wasted by disastrous war. It is 
as if Charlemagne had survived to be defeated by the Northini»n, 
und to witness the misery and shame that actually feil to the lot 
of his descendants. Had is not beeu for Blenheim, all Europr 
migtht at this day suffer under the effect of French conquests 
resembling those of Alexander in extent, and those of the Romann 
in durability. (Aus Creasy, the Battle of Blenheim.) 

Lateinische Komposition. 
Es hat nicht an Leuten gefelüt, welche Goethe einen Vorwurf 
daraus machten, dass er zu einer Zeit, da fast alle Deutschen zum 
Freiheitskampfe sich rtlsteten, sein Talent nicht auch in den Dienst 
des Vaterlandes gestellt habe. Einem vertrauten Freunde gegen- 
über hat er selbst später geäussert, wie er über diesen Puukt 
denke. Hören wir also, wie er sich verteidigte. „Ich bezweiHe 
sehr, sagte er, ob ich das Feuer der Begeisterung durch Gedichte 
noch mehr angefacht hätte. Auch hätte es sich flir mich, der ich 
bekanntlich keine kriegerische Natur bin, wenig geziemt, in meinen 
vier Wänden (= zu Hause eingeschlossen) Kriegslieder zu verfassen. 
Oder hätte ich zu den Watten greifen sollen ohne Hass? Hassen 
aber konnte ich nicht mehr, da ich damals schon über 60 .lahre 
alt war. Der eine dient dem Gemein weseu auf diese, der andere 



Prüfung d. Kandidat, f. Präzept.- u, Reallehrersstellen 1901. 331 

auf jene Weise, jeder nach seinem Vermögen. Übrigens ist es mir 
nicht verborgen, was der wahre Grund jener Vorwürfe ist. Da mein 
Talent zu gross ist, als dass es sich lengnen Hesse, so schmäht 
man meinen Charakter und behauptet, dass ich nur auf meinen 
eigenen Vorteil bedacht und ohne Liebe zu meinem Vaterlande sei/' 

Lateinische Exposition. 

Superiore anno T. Labienus Caesare in Gallia citeriore ins 

dicente, cum Commium comperisset soliicitare civitates et coniu- 

rationem contra Caesarem facere, iniidelitatem eins sine ulla per- 

tidia iudicavit comprimi posse. Quem ({uia non arbitrabatur vocatum 

in castra venturum, ne temptando cautiorem faceret, C. Volusenum 

tribunum militum misit qui cum per simulationem colloquii curarot 

interticiendum. Ad eam rem delectos idoneos ei tradit centuriones. 

Cum in colloquium ventum esset et, ut convenerat, munum Conimii 

Volusenus arripuisset, centurio vel insueta re permotus vel celeriter 

a familiaribus Commii prohibitus interficere hominem non potuit; 

gi-aviter tamen primo ictu gladio caput percussit. Cum utrimque 

gladii destricti essent, non tarn pugnaudi quam ditfugiendi fuit 

utrorumque consilium : nostrorum, quod mortifero vulnere Commium 

credebant affectum, Gallorum, quod insidiis cognitis plura, quam 

videbaut, cxtimescebant. Quo facto Commius, quem timor pro- 

hibebat cuiusquam fidei suam committere salutem, statuisse dice- 

batur numquam in conspectum cuiusquam llomani venire atque 

ad Gennanos confugit. 

Religion. 

1. Geographie von Palästina: Sichem; seine Lage, seine Um- 
icobung und seine geschichtliche Bedeutung. 

2. Biblische Geschichte: Die Geschichte von der Salbung Jesu 
in Bethanien. 

B. Sprucherklärung: Aus welcher Veranlassung und in welchem 
8inne sagt Christus (Matth. 6, 3): „Lass deine linke Hand nicht 
wissen, was die rechte thut!"? 

Geschichte. 

1. Warum unterlagen die Athener im peloponnesischen Krieg? 

2. Die politische Thätigkeit Ciceros. 

3. Welche Veränderungen für Deutschland und Europa brachte 
tler Westfälische Friede? 

4. Die Regierung Josephs IL 

(3 Fragen zu beantworten.) 



332 Prüfung d. Kandidat, f. Präzept.- u. Reallehrersstellcn 1901. 

Geographie. 

1. Stuttgart hat eine Breite von 48^^ 46' und liegt 9^ 10' Ö8i- 
iich von Greenwich. Was heisst dies und was lässt sich auf (iriind 
dieser Angaben sowohl über den Betrag der höchsten und niedrigsten 
Mittagshöhe der Sonne in Stuttgart, als auch über den Betrag «le^ 
Unterschieds zwischen mittlerer Stuttgarter Zeit und mitteleuropäischer 
Zeit aussagen? 

2. Die Ostsee, ihre Teile und ihre wichtigsten Inseln, ihre 
Verbindungen mit der Nordsee und ihre Hauptströme, ihre LTer- 
staaten und ihre bedeutenderen Handelsstädte. 

3. Der Main nach Ursprung, Lauf und Mündung, mit Angabc 
der üferstaaten, der wichtigeren einmtindenden Flüsse und an- 
liegenden Städte. 

Naturgeschichte. 

1. Zoologie. 

a) Beschreibung des Auges eines Wirbeltieres. 

b) Kurzer Überblick über die Klasse der Fische mit besonderer 
Berücksichtigung der in Württemberg vorkommenden HauptvertretiT. 

2. Botanik. 

a) Wie vermehren sich die Pflanzen? 

b) Es sollen die bei uns vorkommenden Hauptvortretcr der 
Uoniferen aufgezählt und beschrieben werden. 

Algebra und Geometrie. 
A 1. X zu bestimmen aus 

7x-5 _ llx + 7 4^x» — 41x — 11 
6x — 9""8x + 12 20x«— 45 

2. Den Wert des Bruchs ^r» . ,^-- auf dem kürzesten We^e 

V 7 + V 5 

zu berechnen. (3 Dezimalen.) 

3. Zwei Röhren können einen Wasserbehälter bei gleichzeitiger 
Öffnung in 15 Stunden füllen. Nachdem sie 6 Stunden 
lang zusammen geöffnet waren, wird die erste Röhre ab- 
gesperrt, und die zweite braucht nun noch 30 Stunden, um 
den Behälter vollends allein zu füllen. Wie lange würde 
jede Röhre allein zur Füllung des leeren Behälters brauchen ? 

B 1. Wie heisst der Satz vom Tangentenviereck und seine Um- 
kehrung? Beide Sätze sind zu beweisen. (Voraussetzun 
Behauptimg und Beweis.) 






Prüfung d. Kandidat, f. Präzept,- u. Reallehrersstellen 1901. 333 

2. Gegeben: Kreis mit Mittelpunkt K und Gerade G. Gesucht: 
In dem Kreis eine Sehne parallel G so zu ziehen, danH die 
Sehne = ihrem Mittelpunktsabstand ist. 

3. Ein gegebenes Viereck in einen Rhombus mit gegebenem 
Umfang u zu verwandeln. 

(Bei Nr. 2 und 3 sind Konstruktion^ Beweis und Determination 
verlangt.) 

Arithmetik. 

1. Berechne: 1,5883.. + 5^ 



184 ■ 8,15454 . . . 

2. Um wieviel '^ ist der englische Kubikfuss kleiner als der 
Pariser Kubikfuss, wenn der englische Fuss =a 305 mm, der Pariser 
= 325 mm ist? (Auf 3 Dezimalstellen zu berechnen.) 

3. Glaubersalz enthält Wasserstoff, Sauerstoff, Natrium und 
Schwefel, und zwar beträgt dem Gewichte nach der Schwefel 60 7'» 
mehr als der Wasserstoff, der Sauerstoff das Siebenfache des 
Schwefels, während der Wasserstoff zum Natrium sich verhält 
wie 1 : 2,3. Wieviel 'Vo von jedem dieser Elemente enthält das 
Glaubersalz? (Auf 2 Dezimalstellen zu berechnen.) 

4. Ein Meister und ein Geselle erhielten zusammen 154 Mk. 55 Pf. 
Der Meister hat 13, der Geselle 21 Tage gearbeitet. Der Meister 
erhält für 5 Arbeitstage 2 Mk. 15 Pf. mehr als der Geselle für 7. 
Wie gross ist der Taglohn eines jeden? 

5. Wieviel 7o seines Wassers muss man einem 957^igen Al- 
kohol entziehen, damit sein Gehalt um 1 " steigt ? 

6. Ein Kapital, das A in einem Unternehmen angelegt hat, 
nimmt im ersten Jahre um 10 7o zu, das so vermehrte Kapital 
nimmt im zweiten Jahre um eine gewisse Anzahl Prozente ab, 
schliesslich nimmt das verminderte Kapital im dritten Jahre wieder 
um 10 7o zu. A zieht nun sein Kapital zurück und erhält gerade 
soviel, als er eingelegt hatte. Wieviel "/« betrug der Verlust des 
zweiten Jahres? 

7. Eiu Kaufmann bezieht 8000 Sttick einer Ware und bezahlt 
flir das Gros (= 144 Stück) 10 Mk. Nachdem der Kaufmann den 
grössten Teil der Ware mit einem Gewinn von 25 7o verkauft hat, 
muss er den Rest mit einem Verluste von 25'*,u abgeben. Wieviel 
Stücke betrug dieser Rest, wenn der Kaufmann, trotz des Verlustes, 
am ^ranzen (leschiifte ^^erade 100 Mk. icewinutV 



334 Jahresbericht des Wilrtt. Vereins für Neuere Sprachen. 

8. Jemand hat 2 Kapitalien ausstehen, je zu 3Vs"/^) und nimmt 
jährlich im ganzen 1600 Mk. an Zinsen ein. Wäre das erste KapiUl 
um 56^4^/0 grösser, das zweite Kapital um 56'/4'Vo kleiner, ao 
wären beide Kapitalien gleich. Wie gross ist jedes der beiden 
Kapitalien ? 

(Verlangt: arithmetische Lösungen in übersichtlich geordneter 
Darstellung.) 



Jahresbericht 

des Wurttembergisclien Vereins für Neuere Sprachen 1900 1901. 

Von Prof.-Vcrvv. Dr. Schwund. 

Im Vereinsjahr 1900/1901 fanden sieben Versammlungen statt, 
drei Hauptversammlungen in Plochingen und Stuttgart und vier V^iT- 
sammlungen in Stuttgart. 

Montag den 15. Oktober 1900 hielt Dr. Bornecque, ausser- 
ordentlicher Professor an der Universität Lille, im Festsaal der 
Friedrich-Eugens-Realschule einen Vortrag über „Klassisches und 
romantisches Theater", zu dem sich ausser den Mitgliedern de« 
Vereins zahlreiche Freunde der französischen Sprache und Litteratur 
eingefunden hatten. Die französische romantische Schule hat ihre 
llauptthätigkeit dem Theater zugewendet. Diese Burg des klassi- 
schen Geistes sollte erobert, vom Theater ans sollten die neneu 
Kunstlehren verbreitetet werden. Der klassische Geist, den sie 
bekämpfen, kennzeichnet sich negativ durch den Mangel an En- 
thusiasmus und Lyrik, positiv durch das Vorherrschen der Vernunft, 
die an jede Dichtung die Forderungen der Klarheit und Ordnung, 
der inneren Logik, der raschen Bewegung stellt. Die aus dem 
griechischen Theater hervorgegangene französische klassische Tragö- 
die gentigt allen diesen Anforderungen. Sie kennt nur Eine, ein- 
fache, rasch verlaufende Handlung. Die Personen werden nnr in- 
soweit geschildert, nU sie fUr diese Handlung in Betracht kommen. 
Die Geschichte ist nicht Gegenstand den Dramas; sie liefert nur 
interessante Situationen und psychologische Probleme. Dieses System 
enthält zwar viel Enges, aber die äusserliche Beschränkung nötigt 
zu innerer Vertiefung. Die Romantiker, denen die schwächste Ver- 
tretung der klassischen Tragödienform, die Tragödie der napo- 
leoiiiächeu Zeit, entgegentrat, Haben nur die Fehler der Theorie und 



JahrujiilMTicIit des Wiirtt. Vereins tur Neuere Sprachi'ii. 335 

stellten ihr eine andere entgegen. Zweck des Theaters wird Dar- 
ätellaug historischer Bilder. Von den drei Einheiten des Ort«, der 
Zeit und der Handlung wird nur die der Handlung beibehalten. 
Komische Elemente werden in die Tragödie aufgenommen. In ihren 
Schöpfungen haben die Romantiker nicht gehalten, was sie ver- 
sprochen hatten. Grund wie Mittel der Handlung sind unwahr- 
vscheinlicli. Die Handlung selbst fiiesst nicht mehr aus dem Charakter 
der Personen, sondern aus rein zufälligen Ursachen. Die Lokalfarbe 
ist nur äusserlicli angebracht, häufig unwahrscheinlich oder falsch; 
für die Handlung unnUtz, dient sie oft nur dazu, das Unwahrschein- 
liche annehmbar zu machen. Der Grund dieses Widerspruchs 
zwischen Theorie und Praxis liegt im Aufkommen eines neuen 
Publikums; dem die Romantiker schmeicheln mussten. Seit der 
Revolution wendet sich der Dichter nicht mehr an eine Auswahl 
Gebildeter, sondern an die Masse des Volks. Dieses aber hat nur 
Interesse fttr die äussere Handlung, nicht für die Zeichnung der 
Charaktere. Das Volk liebt grobe Wirkungen auf die Nerven. 
Der Hauptgrund aber, der die Romantiker abhielt, ihre Theorie aus- 
zuführen, liegt darin, dass der klassische Geist, den sie bekämpften, 
nichts ist als der französische Geist selbst. Übrigens darf man 
die Romantiker nicht nur nach ihrem Theater beurteilen. Ihn* 
Hauptleistungen liegen anderswo, auf dem Gebiet der Lyrik. Immer- 
hin haben sie auch um das Theater ein Verdienst: sie haben die 
Poesie auf die Bühne gebracht, sie haben die dramatische Form 
geschmeidiger gemacht und das Theater eines Dumas, Augier, 
Rostand ermöglicht. 

Am 18. November fand die erste Landesversammlung des neuen 
Vereinsjahrs statt. Oberreallehrer Weinmann- Nagold, der während 
eines mehrjährigen Aufenthalts in Russland und Polen Sprachen 
und Litteraturen der slavischen Völker zu studieren Gelegenheit 
hatte, hielt einen Vortrag über Tolstoi. 1828 im Gouvernement 
Tula geboren, verbrachte Tolstoi seine Jugend teils in Moskau, 
teils in Kasan, teils in seinem Geburtsdorf; dann betrat er die 
militärische Laufbahn. Ein Aufenthalt im Kaukasus, wo Tolstoi 
das freie Leben der Kosaken und die wilde Natur gleichermassen 
anzogen, regte ihn zu seinen ersten Dichtungen an. Nachdem er 
bei Sebastopol mitgekämpft hatte, nahm er seinen Abschied und 
studierte auf Reisen im Ausland die sozialen Verhältnisse, besonders 
das Unterrichts Wesen der Kultui'VÖlker. Unbefriedigt kehrte er 
zurück, entsetzt über den Egoismus, den die Zivilisation grosszieiit. 



336 Jahresbericht des Württ. Vereins fflr Neuere Sprachen. 

Von nun an konzentrierte er seine Thätigkeit auf einen engeren 
EreiS; er begann an der Hebung des Bauernstandes zu arbeiten. 
Zu diesem Zweck gründete er eine freie Schule und schrieb Fibeln, 
Lesebücher und populäre Erzählungen. Aus jener Zeit stammen 
auch seine zwei grossen Werke: Krieg und Frieden und Anna 
Karenina. Wenn schon in diesen Dichtungen ethische und religiöse 
Fragen in den Vordergrund treten, so verdrängt in den folgenden 
Werken der Moralist und Philosoph den Dichter nahezu vollständig. 
Die Lösung aller Zweifel und Rätsel des Lebens findet Tolstoi 
aber in der christlichen Lehre der Evangelien. Seitdem bat Tolstoi 
mit Ausnahme seines neuesten Romans kein grösseres Werk mehr 
geschrieben. In seiner schriftstellerischen Produktion schöpft Tolstoi 
nur aus sich selbst und dem russischen Volkstum. Die Liebe zu 
seinem Volk ist seine Triebfeder und seine ganze Thätigkeit hat 
den einen Zweck, sein Volk, namentlich den Bauernstand, sittlich 
und materiell zu heben. Bewundernswürdig ist Tolstois Menschen- 
kenntnis und die Wahrheit seiner Schilderungen; jedoch war er 
nie Naturalist aus künstlerischem Prinzip. Von den französischen 
Naturalisten unterscheidet ihn die lichte Reinheit seiner Phantasie. 
Der Redner gab eingehende Analysen der Hauptwerke Tolstois, 
besonders seines neuesten ^^ Auferstehung^^, das die Lösung eines 
psychologisch-ethischen Problems mit der Schilderung des russischen 
Qefängnis- und Gerichtswesens verbindet und in vieler Hinsicht ge- 
eignet ist, uns Stil und Gedankenwelt Tolstois kennen zu lehren. — 

An Stelle des abtretenden Vorstands, Prof. Gttntter, wurde 
Prof. Wagner- Stuttgart zum Vorstand gewählt. Kassier wurde Prof. 
Silcher-ReutTingen, Schriftführer blieb Prof.-Verw. Dr. Schweiid- 
Stuttgart. 

Am 17. Dezember sprach in einer Stuttgarter Versammlung 
Freiherr Dr. v. Westenholz, Privatdozent an der Technischen 
Hochschule, über Geoffrey Chaucer. Der 25. Oktober, bekannt als 
der Tag der Schlacht bei Azincourt, hat auch für das gei8ti<:e 
Leben Englands eine Bedeutung, er ist der Todestag des grössten 
Dichters des alten Englands, Chaucers. Als Chaucer auftrat, hatte 
zwar das Englische über das Anglonormannische gesiegt, aber es 
fehlte noch eine einheitliche englische Schriftsprache. Neben der 
Bibelübersetzung Wicliffes haben die Werke Chaucers darch ihre 
grosse Verbreitung hauptsächlich dazu beigetragen, diese englische 
Schriftsprache zu bilden. Die Lebensschicksale des Dichters, dessen 
( Geburtsjahr nicht ^euaii bekaimt ist, waren äusserst wechselreich. 



Jahresbericht de« Württ. Verein« für Neuere Sprachen. 337 

Er erfreute sich der Gunst des HofeS; wurde zu politischen Sen- 
dungen nach Frankreich und Italien verwendet und erhielt ein Amt 
in London. In die inneren Streitigkeiten unter Richard II. gezogen, 
verlor er zweimal seine Stellung. Doch schien ihm gegen Ende 
seines Lebens wieder die Sonne königlicher Gunst; besonders der 
1399 zum Thron gelangte Heinrich IV. war ihm wohlgesinnt. Ohaucer 
ist der erste Dichter, der in der Abtei von Westminster begraben 
wurde. Seine Bildung umfasste nicht nur die französische und 
italienische, sondern auch die gelehrte mittelalterliche und die klassi- 
sche Litteratur. In seinem Schaffen sind drei Perioden zu unter- 
scheiden. In der ersten steht er unter französischem, in der zweiten 
unter italienischem Einfluss, und in der letzten zeigt er sich un- 
abhängig von fremden Vorbildern. So gehören seine ersten Werke 
noch ganz dem mittelalterlichen Formen- und Gedankenkreis an. 
Seit seiner italienischen Reise 1372 sind Dante, Petrarca, Boccaccio 
seine Vorbilder. Seine Eigenart tritt offen zu Tage in seinem 
grössten und zugleich selbständigsten Werk, den „Canterbury Ge- 
schichten^. Die Form erinnert wieder an Boccaccio. Es ist eine 
Rahmenerzählung. Die Art aber, wie der Dichter die Form hand- 
habt, lässt sein Werk als durchaus originale Schöpfung erkennen. 
Chaucer eignet besonders die plastische Charakterzeichnung der 
auftretenden Personen und die Geschicklichkeit in der Wahl der 
Erzählungen. In der Form ist Chaucer noch mittelalterlicher Dichter, 
dem geistigen Gehalt seiner Dichtung nach ist er ein Mann der 
Renaissance. Seine Grösse ist in der Tiefe seines Gemüts be- 
grtindet, dort ist auch die Quelle seines warmen Humors. Denn 
Chaucer ist der erste Humorist der Weltlitteratur. 

Auf Sonntag den 27. Januar hatte der Verein nicht nur seine 
Mitglieder, sondern auch die Vorstände der höheren Lehranstalten 
und Töchterschulen und die daselbst wirkenden Lehrer der fran- 
zösischen Sprache zu einer Versammlung nach Plochingen ein- 
geladen, um zu dem im Juli 1900 ergangenen Erlass des fran- 
zösischen Unterrichtsministers Leygues über die Vereinfachung der 
französischen Rechtschreibung und Syntax Stellung zu nehmen. 
Prof. Schiele hatte das Referat übernommen. Von geschicht- 
licher Grundlage ausgehend und gelegentlich Vergleichungen mit 
den übrigen romanischen Sprachen anstellend, besprach Redner die 
einzelnen Erleichterungen, die freilich, obwohl vom obersten Schulrat 
unter Beteiligung von Akademikern, wie Gaston Paris, beschlossen, 
mit den Gesetzen der Logik nicht immer im Einklang stehen. Die 

Nenefl Korr^ipondeniblatt 1908, Heft 9. 



338 Jahresbericht des Württ. Vereins für Neuere Sprachen. 

Hüterin der französischen Sprache aber^ die Akademie, nahm dir 
neuen Verfügungen nicht ohne weiteres an, sondern beauftragte im 
September einen Ausschuss mit der Untersuchung des Erlasses, und 
dieser erklärte sich zwar mit einem Teil der Neueningen (z. B. Weg- 
fall des Bindestrichs) einverstanden, verwahrte sich aber gegen 
andere, insbesondere gegen die einschneidendste Änderung, nämlich 
die Abschaffung der Veränderlichkeit des mit avoir konjugierten 
Participe pass^, weil, wie mit Recht geltend gemacht wurde, der 
Wohlklang und Rythmus der die Silben zählenden französischen 
Dichtung damit vernichtet wäre. Im Januar 1901 nahm die Akademie 
diesen Protest einstimmig an, der oberste Schulrat fügte sich und 
der Unterrichtsminister sah sich genötigt, seinen Erlass teilweise 
wieder aufheben zu müssen. ~ Dieser Sachlage gegenüber konnte 
die Versammlung mit voller Überzeugung dem vom Redner in einigen 
Leitsätzen eingenommenen Staudpunkt beitreten : Ehe sich in Frank- 
reich Unterrichtsministerium und Akademie geeinigt haben, können 
sich die württembergischen Lehrer nur abwartend verhalten. Sie 
werden einstweilen bei den alten Regeln bleiben, aber so, dass sie 
sich in Zukunft vollends jeder Spitzfindigkeit bei Prüfungen ent- 
halten, vielmehr möglichst duldsam dabei vorgehen. Der Zeitpunkt 
etwaiger später bei uns einzuführender Neuerungen müsste von der 
Schulbehörde bestimmt werden. (Prof. Schieies Vortrag ist im 
Korrespondenzblatt für Gelehrten- und Realschulen und als Sonder- 
abdruck im Buchhandel erschienen.) 

Am 9. März hielt Amtsrichter Dr. v. Freydorf aus Lörrach 
einen Vortrag über den Ursprung des Wortes Sau in den schwäbi- 
schen Ausdrücken „saumässig", „Sauglocke" u. s. w. Der Redner 
ging aus von der eigentümlichen Rolle, die ein anderes Tier, der 
Hund, in verschiedenen Sagen spielt Er tritt oft in Ausführung 
obrigkeitlicher Funktionen auf. Die Erklärung dafür liegt in einem 
sprachlichen Missverständuis des Volkes, welches das alte Wort 
huuo, das den Vorsteher der Hundertschaft bezeichnete, später volks- 
etymologisch als Hund deutete. Der Ausdruck ^auf den Hund 
kommen ^\ der aus dem Kartenspiel stammt, bedeutete ursprünglich 
nichts als „auf 100 konunen^. Ähnlich steckt nach Ansicht des 
Redners in dem Wort Sau, sofern es als Ausdruck der Steigerung 
benützt wird, nicht die Bezeichnung für das Tier, sondern der erste 
Teil des gotischen Wortes für 1000 thusnndi, tfans, der einem Sans- 
kritwort tavas entsprechend ^viel, gross" bedeutet. Die Verwand- 
lung: von thuis in «^au macht allerdings lautliche Schwierigkeiten. 



Jahresbericht des Württ. Vereins für Neuere Sprachen. 339 

Es müsste eine volksetymolo^sche Anlehnung an das Wort Sau 
angenommen werden. Das Kartenspiel mit dem Worte Daus = Sau 
bietet einen erklärenden Übergang. Das sau in sanmässig wUrde 
also nur gross bedeuten, die Sauglocke wäre die grosse Glocke. 
Redner führte noch aus, wie manche der mit Sau gebildeten Redens- 
arten oder an die Sau sich knttpfenden Sagen durch die von ihm 
vorgeschlagene Theorie eine ungezwungene Erklärung finden. 

Sonntag den 21. April hielt Prof. Banderet-Stuttgart in 
französischer Sprache einen Vortrag über Les poMes döcadents. 
Einleitend gab der Redner eine Übersicht über die litterarische 
Entwicklung in Frankreich im Lauf des vergangenen Jahrhunderts. 
Auf die Romantik folgte der Naturalismus Balzac-Flauberts, der 
seinerseits wieder von der Schule der kalten formenstrengen Par- 
nassiens abgelöst wurde. Im Gegensatz zu ihnen entstand in den 
80er Jahren eine neue Richtung, die sich als 6cole symboliste bezeich- 
nete. Durch ihre Art zu leben und zu dichten zogen sich einige 
den Namen D^cadents zu. Ahnlich wie einst die Geusen griffen 
sie diesen Namen auf und wandten ihn selbst von ihrer Richtung 
an, so dasB die Schule jetzt mit beiden Namen ohne Unterschied 
bezeichnet wird. Ihre Hauptvertreter, meist Ausländer von Geburt, 
vereinten sich 1883 zum erstenmal zu einer Gruppe. Die wich- 
tigsten sind : Morias, Vi^l^-Griffin, Regnier, Rodenbach und nament- 
lich Mallarm^ und Verlaine. Seit 1886 beschäftigten sich die Zei- 
tungen und Zeitschriften mit ihnen; doch nahm das Publikum eine 
abwartende Haltung ein ; man hoffte auf ein Meisterwerk. Es blieb 
aus. Und doch versprach die Schule, Grosses ins Werk zu setzen. 
Sie wollte der französischen Poesie das geben, was ihr bisher 
versagt zu sein schien, das Geheimnisvolle, Andeutungsvolle, den 
poetischen Duft, der in der deutschen Litteratur oft die Dichtungen 
umschwebt, ihre klaren Linien oft verschleiert, aber das Gemüt in 
eine träumerische Stimmung versetzt und die Phantasie zu bildender 
Thätigkeit anregt. Goethes Heideröslein kann als Beispiel dessen 
dienen, was die D^cadents in die französische Dichtung einzuführen 
suchten. So berechtigt dieses Bestreben an sich war, gingen die 
D^cadents in der Durchführung ihrer Theorie doch zu weit, indem 
sie das, was nur ein Mittel dichterischer Darstellung unter anderen 
ist, zum ausBohliesslichen Mittel machten, und da ihnen mehr daran 
lag, den Leser durch Vorführung symbolischer Bilder zu eigenem 
poetiBchen Denken anzuregen, als ihm fertige Dichtungen zu geben, 
verfielen sie oft ins Rätseliiafte, Rebusartige, so dass viele iliror 



340 Jahresbericht des Wflrtt. Vereins fflr Neuere Sprachen. 

Dichtungen fttr den gemeinen Menschenrerstand schlechterdings nn- 
rerständlich sind. Neues, . Dauerndes haben sie in der Form hervor- 
gebracht; indem sie die französische Dichtung von einer Masse un- 
nötigen Regelnballastes befreiten, so z. B. vom Gesetz des WechHels 
männlicher und weiblicher Reime. Doch auch auf diesem Gebiet 
haben sie des Guten oft zuviel gethan ; ihre freien Verse sind hftuH^ 
nichts als in Versform geschriebene Prosa. Weitaus der Bedeutendiito 
unter ihnen war Verlaine. In einem frommen Hause aufgewachsen, 
verdarb er sich später durch ausschweifendes Leben, namentlich 
durch übermässigen Absinthgenuss, sein Leben und sein Diohten. 
Doch hat er in einer Reihe von Liedern und Sonneten das Ideal 
der symbolistischen Schule am besten verwirklicht. Besonders 
manche seiner religiösen Gedichte sind reich an poetischer Stimmung. 
Die französische Lyrik hat ihm eine dauernde Bereicherung ihres 
Gebiets und Vertiefung ihres Inhalts zu verdanken. 

Die letzte Versammlung des Vereinsjahrs fand Montag den 
17. Juni in Stuttgart statt. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag 
von Professörats Verweser Dr. Seh wen d- Stuttgart über Schillers 
Shakespearebearbeitungen. Einleitend gab der Redner dne Über- 
sicht über die Geschichte der Macbeth- und Othellobearbeitung 
Schillers. Bei der Macbethbearbeitung zog Schiller wohl gelegent- 
lich die Burgersche und Wagnersche Übersetzung zu Rate; aber 
als seine eigentliche Vorlage sind die Übersetzung von Eschenburg 
und die von Wieland zu betrachten. Den englischen Text benutzte 
er da, wo seine Vorlagen falsch oder schlecht übersetzten. Interessant 
ist das Studium der zahlreichen kleinen und grösseren Veränderungen, 
die Schiller angebracht hat. Der rhetorische Charakter des Schiller- 
schen Stils zeigt sich in häufiger Steigerung des Ausdrucks und 
Anwendung rednerischer Figuren. Zahlreich sind die Änderungen 
logischer Art, die teils aus einer gewissen Neigung Schillers zu 
abstrakter Diktion, teils aus dem Streben nach möglichst scharfer 
Fassung, symmetrischer Gestaltung oder Kontrastierung der Ge- 
danken hervorgehen. Dabei drängt die überall arbeitende Thfttig- 
keit des Verstandes oft das freie Schaffen der Phantasie zurück und 
ruft Mangel an Anschaulichkeit hervor. Von besonderem Interesse 
ist es, zu beobachten, wie sich der grösste englische und der grösste 
deutsche Dramatiker in den Fragen zu einander verhalten, die das 
Technische ihrer Dichtungsart betreffen. AufTallenderweise zeigt 
Schillers Übersetzung in Einzelheiten eine stärkere Ausprägung des 
diiilogisclion Charakters der Rede. Schillers ShakcspeÄrcbp.nrbei- 



K., Matheinatische und physikalische Schiilanfgabeu. 341 

tuugen lassen uns endlich Einblicke in seine Weltanschaunng und 
i Kansttlieorie thun. Überall tritt das Streben hervor ttber den ein- 

zelneu Fall hinauszugehen und die Gedanken in einen allgemeinen 
Zusammenhang zu stellen und die Neigung, aus psychologischen 
Kategorien in die des Willens und der Moral überzugehen. Die 
Art der Behandlung der Hexenrolleu ist besonders lehrreich. Aus 
wilden Unholdinnen sind die Hexen zu klassischen Schicksals- 
göttinnen geworden. Bei einer Beurteilung der Shakespearebearbei- 
tungen Schillers muss man berücksichtigen, dass Schiller keine 
Übersetzung, sondern eine Bearbeitung geben wollte. Er hatte des- 
halb nicht auf Treue im einzelnen zu sehen. Schlimmer ist, dass, 
indem Schiller den Stil der Shakespearschen Rede auf ein höheres 
DurchschnittsniTeau brachte, ein Gegensatz zwischen Charakter und 
Sprechweise der Personen entstand, der ihn veranlasste, gewisse 
Rollen ganz zu streichen und durch andere zu ersetzen. Bei den 
Hauptcharakteren war ein solches Eingreifen natürlich unmöglich 
und der Widerspruch musste bestehen bleiben. Dichtungen ver- 
gangener Zeiten lassen sich eben nicht bearbeiten, sondern nur 
übersetzen. — 

Der Verein zählte am Ende des Yereinsjahrs 1900/1901 82 Mit- 
glieder. 



Mathematische und physikalische Schulaufgaben. 

1. Zu zeigen, dass zwei orthogonale Brennpunktssehnen einer 
gleichseitigen Hyperbel einander gleich sind. 

2. Der Radius des Kreises, der eine Hyperbel und ihre Asymp- 
toten berührt, ist gleich dem Stück der Ordinate im Brennpunkt 
zwischen Hyperbel und Asymptote. 

3. Projiziert man die Mittelpunkte der Ankreise an den Seiten 
b und c eines Dreiecks auf a, so sind diese Projektionen die Scheitel, 
B und C die Brennpunkte einer Ellipse, die durch A geht und in A 
die gemeinsame Zentrale der Ankreise berührt. 

4. Zwei gleiche Parabele haben gemeinsamen Scheitel; die 
Achsen sind entgegengesetzt gerichtet. Die erste Parabel rollt auf 
der zweiten: welche Bahnen beschreiben Brennpunkt und Scheitel 
der bewegten Parabel? 

5. Ein zylindrisches Olasrohr von der Länge 1,17 m, oben 
und unten mit Hahn versehen, hängt vertikal; man bringt bei g:e- 



342 Amtliche Bekanntmaohung. 

sclilossenem unterem Hahn 0,89 m hoch Wasser ein und darüber 
0^20 m hoch Öl Ton spez. Gewicht 0,75. Man schltesst jetzt den 
oberen Hahn und öffnet den unteren teilweise, um tropfweis Wasser 
ausfliessen zu lassen. Um wieviel wird sich die Oberfläche der 
Ölscbicht senken ? Barometerstand 750 mm. 

St. 0. K. 



Amtliohe Bekanntmachung. 

Höherer Anordnung zufolge werden im nachstehenden die neuen 
Bestimmungen fUr den freien Zutritt zu den italienischen Museen, 
Galerien, Ausgrabungen und Denkmälern bekanntgemacht. 
Stuttgart, den 5. September 1902. 

K. Kultministerial-Abteilung 

für Gelehrten- und Realschulen. 

In Vertretung: (gez.) Hau her. 

Reglement 

für den freien Zutritt zu den Museen, Galerien, Aus- 
grabungen und Denkmälern. 

Artikel 1. 
Von Zahlung der Gebühren ftlr den Zutritt zu den Altertums- 
rouseen, Sammlungen der schönen Künste, Gemäldegalerien, archäo- 
logischen Ausgrabungen und Denkmälern sind befreit: 

a) einheimische und ausländische Künstler, 

b) italienische und ausländische Studierende der Kunstgeschichte 
und Kunstkritik, welche bemerkenswerte Schriften veröffent- 
licht haben, 

c) die Angehörigen des Landheeres und der Marine, 

d) einheimische und ausländische Professoren der Archäologie. 
Geschichte, Litteratur, und Kunstgeschichte. 

o) Universitätsprofessoren, Professoren an staatlichen Sekundär- 
schulen, an staatlichen klassischen, technischen und Normal- 
schulen oder an Schulen, welche diesen gleichgestellt sind, 

f) die Studierenden der archäologischen, historischen nnd Kunst- 
institute, und zwar sowohl der inländischen wie der aus- 
ländischen, die Studierenden der philologischen, der philoso- 
phischen Fakultäten und der Ingenieurschulen, 

g) die Beamten der Verwaltungen der Altertümer und schönen 
Künste, 



AmtUohe Bekanntmachung. 343 

h) diejenigen, welche ein mit den bildenden Künsten in Zn- 
sammenhang stehendes Gewerbe betreiben, 

i) Führer, welche nach vorheriger Beibringung einer polizei- 
lichen Erlaubnis durch Ablegung einer Prüfung ihre Kennt- 
nisse in der Archäologie und Kunst dargetiian und ein Patent 
als „Führer^* erhalten haben. 

Artikel 2. 
Die Gesuche der in Artikel 1 näher bezeichneten Personen, 
welche die Erlaubnis zum freien Eintritt in die Altertums- und Kunst- 
institute des Staats zu erhalten wünschen, müssen begleitet sein: 

a) für die inländischen Künstler von einer akademischen Urkunde, 
die ihre Eigenschaft als „Künstler" darthut — ausgenommen 
die Fälle, wo es sich um Künstler von bekanntem hervor- 
ragendem Ruf handelt, 

b) für die ausländischen Künstler und die ausländischen Pro- 
fessoren der Archäologie, Geschichte, Litteratur und Kunst- 
geschichte von einer akademischen Urkunde, die von dem 
K. italienischen diplomatischen Vertreter oder einem der 
italienischen Konsuln in dem Staate, dem der Künstler oder 
der Professor angehört, oder von dem betreffenden Botschafter 
oder auswärtigen Minister bei Seiner Majestät dem Könige 
von Italien, beglaubigt sein muss, 

c) für die Studierenden der Kunstgeschichte oder Kunstkritik, 
von irgend einer ihrer Veröffentlichungen, 

d) für die inländischen Professoren an den Universitäten, den 
archäologischen und Kunstinstituten, sowie für die Professoren 
an den staatlichen höheren klassischen, an den technischen 
und den Normalschulen oder an Schulen, welche diesen gleich- 
gestellt sind, von einem ihre Eigenschaft darthuenden Doku- 
ment, wenn dieses Dokument zur Feststellung ihrer Persön- 
lichkeit nötig ist, 

e) für die Studierenden der inländischen archäologischen oder 
Kunstinstitute, der philologischen und philosophischen Fakul- 
täten und der Ingenieurschulen, von einem amtlichen Doku- 
ment, aus dem hervorgeht, dass sie in dem Jahr, in welchem 
sie die Erlaubnis zum unentgeltlichen Besuch der Museen 
nachsuchen, bei den betreffenden Schulen immatrikuliert sind, 

f) für die ausländischen Studierenden von einem gleichen Doku- 
ment, das aber in der für die ausländischen Künstler und 
Professoren vorgeschriebenen Weise beglaubigt sein muss, 



* i i. 



Amtliche Bekanntmaohang. 



z f&r diejenigen, welche ein mit den bildenden Kttnslen In 
Znsammenhang stehendes Gewerbe betreiben, von einem ihre 
Eigenschaft darthnenden Attest des Direktors eines Kunst- 
instituts oder einer anderen öffentliohen Behörde. 

Artikel 3. 
Die Professoren and Stipendiaten ausländischer archäologischer 
oder KunstinstitutO; welche ihren Sitz in Italien haben, erhalten die 
Erlaubnis zum freien Eintritt auf Grund einer entsprechenden Er- 
klärung des Vorstehers dieser Anstalt. 

Artikel 4. 

Zöglinge nationaler Schulen, Erziehungs- oder Uuterricht^- 
austalten können nach vorgängiger Vereinbarung zwischen dem 
Schuldirektor und dem Direktor des zu besuchenden Museums, der 
Galerie etc.; in Begleitung ihrer Lehrer zum freien Besuch der 
Museen, Galerien, Ausgrabungen und Denkmäler zugelassen werden. 

Angehörigen des Soldatenstandes ist der unentgeltliche Besuch 
der Kunststätten nur in Uniform gestattet. 

Artikel 5. 
Wer einen Generalpermiss zum freien Zutritt zu sämtlichen 
staatlichen Museen, Galerien, Ausgrabungen und Denkmälern zu 
haben wünscht, hat an das Ministerium des öffentlichen Unterrichts 
ein auf Stempelbogen von 1,20 L. geschriebenes Gesuch zu richten 
und demselben die in Artikel 2 und 3 erwähnten Dokumente, sowie 
seine Photographie nnaufgeklebt in der Grösse von 5 : 8 cm bei- 
zufügen. 

Artikel 6. 

Wer nur freien Eintritt zu den archäologischen und Kuust- 
instituteu einer einzigen Stadt zu haben wünscht, hat sein auf 
Stempelbogen von 60 cts. abzufassendes Gesuch an einen der Chefs 
der genannten Anstalten zu richten. Dem Gesuehe sind die in 
Artikel 2 und 3 genannten Dokumente und, wenn die Erlaubnis 
für länger als einen Monat erbeten wird, auch die Photographic 
in der im vorgehenden Artikel angegebenen Grösse beizufügen. 

Artikel 7. 
Die zur Patentierung als Führer notwendige Prüfung wird vor 
einer Kommission in jeder Stadt, wo staatliche archäologische oder 
Kunstanstalten vorhanden sind, nach den vom Ministerium des Öffent- 
lichen Unterrichts zu erlassenden Vorschriften abgelegt. 



Notiz. ~ Drttokfefalerberlchti^ing. -^ Litterarischer Bericht. 345 

Die Erlaubnis zum freien Eintritt für die Führer bleibt anf 
die Anstalten und Denkmäler beschränkt, für welche die Kenntnisse 
des Betreflfenden als ausreichend anerkannt worden sind. 

Artikel 8. 

Die vor der Veröffentlichung dieser Verordnung ausgestellten 

Karten zum freien Eintritt bleiben für die Zeit gültig, für welche 

sie ausgestellt Rind. 

Artikel 9. 

Die Bestimmungen der Artikel 9 und 12 des durch K. Ver- 
ordnung vom 11. Juni 1885 Nr. 3191, Serie 8 a genehmigten Regle- 
ments, betreffend die Erhebung der Gebühren für den Eintritt in 
die nationalen Museen, Galerien, Ausgrabungen und Denkmäler, 
werden aufgehoben. 

Auf Befehl Seiner Majestät des Königs. 
Der Minister: (gez.) Nasi. 



NotiB. 

Nach Mitteilung von zuständiger Stelle ist in dem neuen amt- 
lichen Rechtschreibbuch im Wörterverzeiciinis S. 53 statt Fi ecke 
(Spiess) zu setzen Pike. 



Druokfehlerberiohtigung. 

Bei „Fran^ois Gouin" Heft 6, S. 203, Zeileil von unten lies: 
„das Anfliegenlassen^* ; Heft 7, S. 251, Zeile 15 von oben: Jene 
Bearbeitungen"; Heft 8, S. 284, Zeile 4 von unten: „Systematik 
der Wortarten" ; S. 287, Zeile 2 von oben : „ans vorgängige Buch- 
stabensehen". 



Litterarisoher Bericht. 

Schuletliik auf dem Untergrund einer Senteiizeuhurniouic. 
Von Dr. Paul Geyer, Professor am Gymnasium zu Dort- 
mund. 71 S. Preis 1 Mk. Berlin, Reuther & Reichard, 1900. 

Nicht etwa eine Behaiulluug der für da» Leben der Schule wich- 
tigsten sittlichen Begriife und Vorschriften, wie der Titel verntandeu 
werden künnte, sjondern eine Behandlung der Ethik, wie sie für den 



346 Lltterariaoher Bericht. 

TTnterricht in der Schule, d. h. in den obersten Klassen des OymuH<»iiiiii^. 
8ich empfiehlt, wird hier geboten. In drei Abschnitten werden die 
grundlegenden Begriffe, die Tugenden und das höchste Gut in der 
Weise erörtert, dass jeder Begriff zuerst sprachlich und sachlich er- 
klärt, dann in seinem Verhältnis zu andern Begriffen betrachtet wird. 
Gerade diese letztere Betrachtung ist sehr fruchtbar, weil sie eine 
Fülle von Perspektiven eröffnet und zugleich den inneren Zasammen- 
hang, in dem die ethischen Begriffe zu einander stehen, zur Aoschanong 
bringt. Was aber der Schrift ihren besonderen Wert giebt, ist die 
Belegung jedes Begriffs mit den passenden Gitaten ans den Klassikern 
der Religion, der Dichtung und der Philosophie; glücklich, wie der 
Gedanke, ist auch die Ausführung, durch die der Gedanke der histo- 
rischen Bildung für ein wichtiges und in seiner Anwendbarkeit weit 
über seinen unmittelbaren Gegenstand hinausreichendes Gebiet auf ein- 
fache und der Fassungskraft der Schüler angemessene, sie anregende 
Weise verwirklicht wird. 

Cannstatt. Tb. Klett. 



Kanffmann, Karl^ K. Seminarlehrer in Neuzelle, Bibelkundc. 
Ein Wegweiser in die heilige Schrift alten und neuen Testa- 
ments auf der Grandlage des geschichtlichen Entwicklungs- 
ganges der Offenbarung. Zum Gebrauch für Seminare und 
höhere Lehranstalten. I. Teil: Das alte Testament 181 S. S'\ 
Preis 3 Mk. Dessau, Anhaltische Yerlagsanstalt (Österwitz 
& Voigtländer), 1900. 

Trotz Berufung auf die neuesten Forschungen (Kautzsch, Bertholet, 
Baethgen, Cornill, Duhm) hat der Verfasser dieses Buchs es nicht ein- 
mal für nötig geachtet, den Fortschritten der durchgesehenen Bibel 
zu folgen, schreibt also noch Arpa, Athniel, Mardachai, Deborah, 
Jephtha neben gelegentlichem Omri. Origines (S. 177) für das Honis- 
Kind, dürfen wir ihm nicht so hoch anrechnen, da dieser Fehler selbst 
bei Theologen kaum auszurotten ist; dagegen sollte ein Schulmann, 
der 17 4- 5 + 16 + 14 alttestamentliche und 5 + 13 + 8 + 1 neu- 
testamentliche Schriften zusammenrechnet, nicht „SO einzelne Bücher" 
herausbringen. Am brauchbarsten ist der Abschnitt über die Lehr- 
bücher, namentlich die Psalmen. Neu ist mir die Übersetzung „Goldene 
Äpfel an silbernen Zweigen'^ Dass auf dem Titel die „heilige^ Schrift 
„alten und neuen'' Testaments gedruckt ist, stimmt auch nicht zum 
sonstigen Gebranch. In einem Schulbuch sollte man auch auf solche 
Kleinigkeiten achten. Vgl. noch S. 8 „das Hohe Lied**, S. 98 „das hohe 
Lied«, S. 99 „das Hohelied". 

Manlhronn. Kb. Nestle. 



Litterarisoher Bericht. 347 

M. Levin^ Lehrbuch der jUdLsehen Geschichte und Litteratur. 
Dritte umgearbeitete Auflage. Vni und 390 S. Ungeb. 3 Mk.^ 
in Scliulband 3.50 Mk.^ eleg. Leinwand 4 Mk. Berlin^ S. Cal- 
vary, 1900. 

Dais vom August 1899 datierte Vorwort deutet mit keiner Silbe 
au, wann dies Werk erstmals erschien, von dem hier die ^dritte um- 
gearbeitete Ausgabe^ vorliegen soll. Das erste Buch giebt die Ge- 
schichte des israelitisch-jüdischen Volkes bis zur Auflösung des Reiches 
ca. 2000 T» bis 70 n. — „Chr/ beizusetzen wird grundsätzlich ver- 
mieden — , jedoch die biblische Geschichte nur im Umriss; das zweite 
behandelt die Juden unter den Völkern bis zur Gegenwart, das dritte 
giebt ausgewählte Stacke aus der jüdischen Litteratur; ein Anhang 
unterrichtet über Synagogenkultus, Kalender, Feste. Im geschichtlichen 
Teil ist das letzte Kapitel überschrieben: die Wiedergeburt der Judon- 
heit und des Judentums; es beschreibt „die Aufrichtung der Juden- 
heit in Deutschland, Frankreich, England u. s. w.^ (12 Seiten über Moses 
Mendelssohn, 9 über Montefiore, 6 über Gabriel Riesser, gestorben in 
Hamburg 1868). Das Schlusswort sieht den jüdischen Stamm, der bis- 
her noch nicht in der glücklichen Lage war, die grossen Voi*züge 
seines Naturells ungehindert zu bethätigen, aber nun eine vielver- 
hcissende und grossartige Aussicht in die Zukunft hat, „auf der Stufen- 
leiter menschlicher Entwicklung einen der ersten und hervorragendsten 
Plätze erringen, zu seiner eigenen Veredlung, zum Wohle und zur 
geistigen Bereicherung der Völker, in deren Mitte er überall fortlebt! 
Er ist der prädestinierte Vermittler zweier Welten; des Orients und 
Occidents, deren Versöhnung zu einer höheren Einheit im Schosse der 
Zukunft ruht. Und wird diese Versöhnung einst vollzo;^en »ein — 
dann wird der jüdische Stamm seine Mission erfüllt und die höchste 
Anerkennung von den übiigen Stämmen errungen haben". 

Maulbronn. Eb. Nestle. 



Kettner, Gustav, Die Episteln des Moraz. VI und 178 S. 
3.60 Mk. Berlin, Weidmann, 1900. 

Aus den Bedürfnissen des Unterrichts hervorgegangen, dann aber 
vielfach Über dieselben hinausgewachsen stellt sich das Buch die Auf- 
gabe, erstens die Komposition der Episteln sorgfältig zu analysieren, 
dann ihre ethische und poetische Bedeutung zu würdigen, endlich aus 
ihnen ein Bild der Persönlichkeit des Dichters zu gewinnen. Diese 
Aufgabe hat der Verfasser vortrefflich gelöst; es liegt hier ein sorg- 
fältig geschriebenes, überaus anregendes Buch vor, das auf jeder Seite 
von der vielseitigen, gründlichen Bildung, Gelehrsamkeit und Beleseii- 
heit seines Verfassers zeugt. Der Episteldichter Uoraz, wie er uns in 



348 LitterarlBcher Bericht. 

der Einleitung, besonders in deren zweitem Abschnitt entgegen tri tt, 
kommt uns zwar da und dort etwas zu sehr gealtert und lebensmüde 
vor; es scheint auf die wenigen Stellen, die an die sentimentale Trauer 
der modernen Poesie anklingen, etwas zu viel Gewicht gelegt, aber 
im ganzen ist das Bild doch wohl richtig und mit feinem psycho- 
logischen Verständnis gezeichnet. Die starke Betonung des einheit- 
lichen epikureischen Standpunkts, den der Verfasser in der ganzen 
Episteldichtung eingenommen findet, scheint auf den ersten Blick Tiicht 
recht vereinbar mit dem philosophischen Glaubensbekenntnis des Horaz 
cpist. I, 1, 13—19 ; aber der Verfasser nimmt an, Horaz bekunde damit 
nur sein Widerstreben gegen den Zwang des Systems, und ein prak- 
tischer Epikureismus bilde doch die Grundlage seiner Lebensanschauung, 
ein Epikureismus, der zwar etwas Dilettantisches, aber auch etwas Er- 
frischendes habe, weil er nicht bloss erlernt, sondern erlebt sei, weil 
er seine persönlichen Wnrzeln in den Lebensinstinkten des Dichters 
habe. Und sicherlich: so zahlreiche und so starke Anklänge, wie sie 
der Verfasser (in den Anmerkungen durch Verweisung auf Useners 
Epicurea) an die epikureische Lehre nachweist, finden sich an die 
stoische und cyrenäische nimmermehr; gewisse Berührungspunkte be- 
stehen ja freilich zwischen diesen drei Systemen. Mit Interesse ver- 
folgt man den Nachweis, dass Horaz mit Epicur das Glück in der vollen 
Huhe und Freiheit des Gemütes gefunden und dass dieser qnietistischc 
Eudaimonismus sein Verhalten zum Staat, zur Natur und zu seineu 
Freunden, den Mäcenas nicht ausgeschlossen, bestimmt habe. 

Einer Auffassung, mit der sich der Verfasser in direkten Wider- 
spruch zu manchem Horazerklärer, z. B. Krüger, setzt, ist man recht 
wohl geneigt, zuzustimmen, wenn man ihre Begründung in der Ein- 
leitung liest, der Auffassung uämlich, dass die Episteln des Horaz keine 
wirklichen Briefe seien, sondern dass in ihnen das Individuelle soweit 
abgeklärt sei, dass im einzelnen das Allgemeine sich spiegle, dass die 
Charaktere zu Typen werden. Aber im einzelnen ist es dem Verfasser 
nach dem Eindruck des Referenten doch nicht ganz leicht geworden, 
diesen typischen Charakter der horazischen Briefe überall nachzu- 
weisen ; z. B. die in dieser Hinsicht zu Epistel 8, 9 oder 15 gegebene 
Erklärung will nicht recht überzeugen. Den Hauptinhalt des Buches 
macht eine eingehende Analyse der 20 Episteln des 1. und der 2 Episteln 
des 2. Buches ans; indem der Verfasser eine durchweg planmässige, 
wenn auch noch so zwanglose Komposition der Gedichte annimmt, 
sucht er den Gedankengang genau nachzuweisen und das Verhältnis 
der einzelnen Abschnitte zu einander und zum Ganzen scharf und deut- 
lich zu bestimmen. An die Disposition schliesst sich eine eindringende 
Betrachtung des poetischen und philosophischen Gehalts jedes Gedichtet 
an. Auch wer hier im einzelnen da und dort von der Meinung des 
Verfassers abzuweichen geneigt sein sollte, wird doch seinen wohl- 



Litterarisctier Bericht. 349 

erwogeneu, feinsinnigeu AuBfiilirungen mit Interesse und Genuss folgen. 
Das schöne Buch, das sehr korrekt gedruckt ist, sei darum allen Lehrern, 
die mit Horaz zu thun haben, aber auch allen Gebildeten, die sich flir 
die philosophischen Gedichte des Venusiners ein Interesse bewahrt 
haben, aufs beste empfohlen. 

Cannstatt G a u p p. 

J. Rappoid; Chrestomathie aus griechischen Klassikern. Zur 

Erleichterung und Förderung des Übersetzens ans dem Steg- 
reife zusammengestellt. Zweite, vermehrte Auflage. 163 8. 
Kart. 2 Mk. Wien, Carl Gerolds Sohn^ 1901. 
Das kleine Buch macht einen durchaus gtlnstigen Eindruck und 
scheint auch, da es bereits in zweiter Auflage vorliegt, wenigstens in 
Osterreich, Verbreitung gefunden zu haben. Die Auswahl ist anziehend 
imd bringt Stücke von Xenophon, Herodot, Demosthenes, Isokrates, 
Piaton, den homerischen Hymnen, Hesiod, Sophokles, Euripides und 
den Lyrikern. Im württembergischen Lehrplan kann ich mir seine 
Verwertung in der Klasse nicht wohl vorstellen. Dagegen scheint es 
mir sehr geeignet, strebsamen Schülern zur Privatlektüre empfohlen 
zu werden. 

C. P. W. 

Wörterbuch zu den Homerischen Gedichten. Für Schüler 
bearbeitet von Dr. Georg Autenrieth. Neunte verbesserte 
Auflage, besorgt von Dr. Adolf Kägi. Leipzig und Berlin, 
Teubner, 1902. 

Dass die Sorge für Autenrieths Homer- Wörterbuch in die Hände 
Kägis gelegt ist, wird überall mit Freuden begrüsst werden. Da für 
eine Umarbeitung des Buchs, die als Vereinfachung gedacht war^ die 
Zeit nicht reichte, ist die neue Auflage von der achten nicht prinzipiell 
verschieden. Doch fehlt es nicht an Änderungen: abgesehen von der 
noch durch Autenrieth vorgesehenen Berichtigtmg von Druckfehlem 
ist die Übersichtlichkeit durch Absätze in längeren Artikeln und durch 
Beschränkung der Fettschrift erhöht; in der Etymologie verfährt der 
neue Herausgeber mit mehr Zurückhaltung (vgl. z. B. 'Apyt^pövin]^). 
Zu T 573 ff. ist statt der Streitaxt der Amazonen mit Recht das antike 
Original eines einfachen, durchlöcherten Beils gewählt. 'Avxo^ &vTif]v, 
•Ic Snca bei Ausdrücken der Ähnlichkeit würden statt mit „von An- 
gesicht'', „leibhaftig" wohl besser ihrer ursprünglichen Bedeutung ent- 
sprechend gefasst: die Ähnlichkeit, die auch einer Vergleichung bei 
unmittelbarer Gegenüberstellung so, dass man dem andern ins An- 
gesicht sieht, standhält, ist der stärkste Grad von Ähnlichkeit. 

Oannstatt. Th. KletL 



350 Litterarischer Berioht. 

A. Fick; Das alte Lied yom Zorne Achills (Urmems). Aus 

der Ilias ausgeschieden und metrisch übersetzt. Kart. 3 Mk. 
Göttingen, Yandenhoeck & Ruprecht, 1902. 

Von denen, die sieb mit der Frage nach der Entstehung der Ilia» 
beschäftigen, neigt sich zurzeit wohl der grössere Teil der Ansicht 
zu, dass in der uns überlieferten Ilias ein Kern liege, der sich auch 
heute noch trotz der breiten Mass^ späterer Dichtung, die ihn um- 
lagern, in seinen allgemeinen Umrissen erkennen lasse, das Lied vom 
Zorne Achills oder die Menis. Diese Ansicht vertritt auch A. Fick in 
seinem Werke: „die Homerische Ilias nach ihrer Entstehung betrachtet 
und in der ursprünglichen Sprachfonu wiederhergestellt" (1^86); er 
scheidet dort die Menis aus der heutigen Ilias aus und übersetzt sii* 
in ihre, nach seiner Ansicht ursprüngliche Sprachform, den äolischcu 
Dialekt, zurück, will jedoch damit nicht den Beweis erbracht haben, 
dass das alte Epos genau die Verse enthalten habe, aus denen er dasselbe 
wieder aufgebaut habe (die Homerische Ilias pg. 15). In seinem neuesten 
Werke: „das alte Lied vom Zorne Achills*" geht nun Fick einen wesent- 
lichen Schritt weiter; er bietet uns nämlich jetzt die alte Menis in 
.,feste Grenzen^ eingeschlossen dar; während ihre Umrisse bisher infolge 
Fehlens eines durchschlagenden Prinzipes haben verschwommen bleiben 
müssen, sei er beim Herausheben der für das Drama des Zorns not- 
wendigen Scenen aus der Masse des Ganzen zu der Erkenntnis gelangt, 
^dass die ursprüngliche Dichtung nach einem bestimmten Zahlenschema 
aufgebaut worden ist, das auf elfzeiligen Strophen und deren regel- 
mässiger Vermehrung beruht-^ (pg. 85). Mittels dieses Runstgesctxes 
findet Fick eine Urmenis im Umfange von 1986 Versen, die sich nach 
einer offenbar vom Dichter selbst herrührenden Einteilung deutlich in 
4 Bücher mit je 2 Gesängen gliedere, Buch 1 und 4 mit je 47, Buch 2 
und 3 mit je 41 elfzeiligen Strophen. Der Beweis für diese Aufstellnng 
liege- in ihrer Durchführbarkeit: lasse sich der gesamte notwendige 
Inhalt des alten Liedes in diesen Rahmen fassen, so müsse der Dichter 
seine Dichtung schon in diesen Rahmen eingeschlossen haben. 

Wenn ich mich nun anschicke, zu dem neuentdeckten, von den 
Alten nicht bezeugten Kunstgesetz Stellung zu nehmen, so winl die 
Aufgabe die sein, die neue Ficksche Urmenis daraufhin zu betrachten, 
ob sie einerseits alles zum Drama vom Zorne Notwendige, andererseits 
ni chts Entbehrliches enthalte. Dabei verhehle ich mir keineswegs, dass 
der das Kriterium bildende Begriff des Notwendigen in unserem F\il] 
durchaus kein absoluter ist, sondern dem subjektiven Ermessen weiten 
Spielraum gewährt; z. B. sind Gleichnisse für das alte Lied durchaus 
notwendig, und wenn ja, welche? Doch beschäftigen wir uns jetzt 
mit Ficks erstem, 47 elfzeilige Strophen = 517 Verse enthaltendem 
Buch, das aus Ilias I und IT, 1—47 entnommen ist. Fick lffs?»t I, 68 nns, 
einen Vers, den er in der in seiner Homerischen llius ausgeschiedenen 



Litterarischer Bericht 351 

Menis (sagen wir von jetzt ab kurzweg in seiner Homerischen IHas) 
unbeanstandet beibehält. Gegen den Vers lässt sich nichts vorbringen, 
ausser dass ihn Zenodot verworfen hat. Die Verse 140—147 möchte 
ich nicht, wie Fick dies thut, ausscheiden; sind sie doch von psy- 
chologischem Standpunkte betrachtet im Munde Agamemnons sehr wich- 
tig: nachdem Agamemnon eben (185 — 139) seinen Willen sehr be- 
stimmt geäussert hat, möchte er vor versammeltem Volk keine weitere 
Widerrede hören. FQr die Auslassung von 178, 277 ff., 296, 525—527 
(von Fick in der Homerischen Ilias beibehalten) und 552 finde ich keinen 
Grund. In der Unterredung des Ach) Heus mit seiner Mutter streiclit 
Fick 866—392 „als eine spätere Ausführung, welche durch V. 865 eigent- 
lich geradezu verboten war^ (die Homerische Ilias pg. 77). Demgegen- 
über möchte ich mich Kammer (ein ästhetischer Kommentar zu Houierä 
Ilias 1901 pg. 180), der die Stelle in ihrer psychologischen Bedeutung 
würdigt, anschliessen, wenn er sagt, Thetis lasse sich hier nach Mutter- 
art teilnehmend Bekanntes sagen, um des Sohnes Herz von dem 
Drückenden zu entlasten, und ebenso Hiecke (über die Einheit des 
1. Gesanges der Ilias S. 7 — nach Ameis-Hentze, Anhang zu Homers 
Ilias I.Heft zu Gesang I— III, 2. Auflage 1877 pg. 58f.), welcher sagt: 
,.Jede Mutter wird in solchen Fällen sich erzählen lassen, und jeder 
Sohn wird in solchen Fällen erzählen. ** Ja ich halte die Stelle nicht 
bloss für berechtigt, sondern geradezu für notwendig, um dem Hörer 
zu zeigen, wie sehr die erlittene Kränkung den Helden innerlich be- 
schäftigt und eifüUt, so dass er davon erzählen muss, obgleich er weiss, 
dass seiner Mutter die Sache bekannt ist. Umgekehrt würde ich die 
Verse 396—406 tilgen, wie dies Fick in der Homerischen Ilias thut; 
sie sind offenbar der Zusatz eines Späteren, der seine mythologische 
Gelehrsamkeit an den Mann bringen will (Fick, die Homerische Ilias 
pg. 78), und gehören gewiss nicht zum notwendigen Inhalt des alten 
Liedes; Thetis nimmt hernach Zeus gegenüber auf sie keinen Bezug. 
Ferner bin ich für Ausscheidung von V. 611, der wegen seines Wider- 
spruchs mit II, 2 seit Lachmann schon zu Welen Erörterungen Anlass 
gegeben hat; in der Homerischen Ilias lässt auch Fick ihn weg; noch 
lieber würde ich mit Kammer (pg. 138 f.) die 5 Verse 607 — fin. als ent- 
behrlich streichen. Übergehend zu den aus II, 1—47 entnommenen 
4 Strophen erscheint die Einscbiebung von V. 38 nach V. 10 nicht be- 
rechtigt; mit V. 10 hat Zeus dem Traume genügend eingeschärft, seinen 
Auftrag genau auszurichten ; V. 38 wäre so nach V. 10 nur eine Wieder- 
holung, ausserdem der Obergang von ich zu i% Aiö^ befremdlich. Wohl- 
berechtigt ist es dagegen, wenn der Traum V. 83 f. den Agamemnon 
ausdrücklich ermahnt, das im Traume Gehörte und Gesehene ja nicht 
/.u vergessen ; ist es doch häufig der Fall, dass der Träumende nach dem 
Erwachen sich zwiir noch erinnert geträumt zuhaben, des Traumes selbst 
aber sich nur noch unklar oder überhnuiit nicht mehr zu entsinnen ver- 



352 Litterarischer Berieht. 

mag. Die Auslassung vod V. 34 ist uomöglicb, da ja sonst der io V. 38 
begonnene Satz nicht vollendet wird. Die Verse 39 f. sind wohl eine 
spätere ungeschickte Erklärung der vorangehenden Worte ä pa Zwb^ 
(ii^dtTo ipY« (V. 38), ungeschickt, weil auch die Troer als die genannt 
werden, über die Zeus Leiden verhängen will, während doch die Thor- 
heit Agamemnons nur darin bestehen kann, dass er die den Achäern 
bevorstehenden Leiden nicht ahnt. Endlich müssen, wenn man mit 
Fick auf II, 47 unmittelbar den Kampf folgen lässt, die V. 42 — 46 fallen ; 
in ihnen kleidet sich Agamemnon auch nach »Streichung von 43 und 46, 
wie sie Fick vornimmt, immer noch nicht zum Kampfe. 

Indem ich so hinsichtlich der Beibehaltung oder Ausscheidung o i n- 
z ein er Stellen von Fick abweiche, wird schon dadurch das neue Kunst- 
gesetz zweifelhaft. Noch zweifelhafter erscheint es mir, wenn ich die 
von Fick vorgenommene Gliederung des aus Ilias I— II, 47 gewonnenen 
ursprunglichen Bestandes verfolge. Vor allem scheint es mir nicht 
berechtigt, dem Prooemium 1, 1—7, welches das Thema für das ganze 
Lied angiebt, seine Selbständigkeit zu rauben und es mit dem Folgenden 
zusammenzuzählen, als wäre es ein Bestandteil der 1, 8 beginnenden 
vorbereitenden Erzählung. Sollte man von einem Dichter, der in elf- 
zeiligen Strophen dichtet und sein Lied in zahlenmässiger Gliederung 
aufbaut, nicht eher erwarten, er würde auf das Prooemium eine ganze, 
selbständige Strophe verwendet haben? Ferner kann ich damit nicht 
einverstanden sein, dass Fick zum 1. Buch seiner Urmeuis. „der Grund- 
legung", noch Verse aus II, 1 — 47 hinzunimmt. Mit I, 8 — 570 ist eine 
vollständige Exposition gegeben; ehe nun aber die Haupthandinng 
beginnt, gewährt der Dichter (I, 571 — fin.) seinem Hörer, den schon 
Spannung und Besorgnis erfasst hat, mit bewundernswürdiger Kunst 
eine Pause, indem er ihn, wie die olympischen Götter, allem Hader 
entrückt und die frohe Lust der Unsterblichen mitempfinden laust. 
Ganz anders steht die Sache, wie Zeus durch Absendung des Traums 
handelnd eingreift und Agamemnon sich auf den Weg macht, die 
Achäer zum Kampfe zu rufen ; da giebt es keinen Halt mehr, der Stein 
ist im Rollen, die Handlung selbst hat begonnen. Innerhalb des 
1. Buches endlich dürfte der 1. Hauptabschnitt (nach Fick Gesang) nicht 
mit I, 303, wie Fick will, sondern erst mit 317 enden ; hier tritt ein 
gewisser Abschluss ein : Ghryseis wird heimgeleitet, die Achäer reinigten 
sich — Apoll ist versöhnt; noch könnte sich alles zum Besten wenden, 
wie auch der gen Himmel steigende Opferdampf hoffen lässt 1,317; 
doch — und damit beginnt das Neue — Agamemnon lässt den Streit 
nicht ruhen I, 318 ff. 

Sein 2. Buch, das 41 elfzeilige Strophen oder 451 Verse nmfasst, 
bildet Fick aus Bestandteilen von Ilias II, VIII, XI und XV. Die 
Hauptfrage bei Besprechung dieses Buches wäre demnach die, ob die 
Ausscheidung der Presbcia aus der Urmeuis liereclitigt ist oder nieht. 



Litterariscbi^r Bericht. 353 

Ohne mich hier auf eine nähere Erörterung des Streites über diePresbeia 
einzulassen (es gebricht dazu am nötigen Kaum), — zur Entscheidung 
der Frage kann jedenfalls das neuentdeckte Kunstgesetz nach den 
schweren Bedenken, die sich nach dem Bisherigen gegen dasselbe er- 
heben, nicht beigezogen werden; die Presbeiafrage bleibt also nach 
wie vor offen, und man wird auch fernerhin ftlr oder wider teils auf 
andere Stellen der Ilias Bezug nehmen, teils innere Gründe geltend 
machen müssen. Hier möchte ich noch darauf hinweisen, dass mir auf 
Grund meiner „Untersuchungen zum 16. Buch der Ilias" (Programm, 
Hall 1901) zwei Stellen, die gegen die Ursprünglich keit der Presbeia 
vorgebracht werden, nämlich XVI, 72 ff. und 84 f., rein für sich im un- 
mittelbaren Zusammenhang betrachtet, als späterer Zusatz erscheinen, 
somit keine Beweiskraft gegen die Ursprünglichkeit der Presbeia 
besitzen. 

Eher als Ficks 2. Buch dürfte sein 8. Buch, das aus Ilias XVI— XVIII 
entnommen ist, zur Nachprüfung seines Kunstgesetzes geeignet sein; 
denn wenn irgendwo in der Ilias, so müssen wir hier Ursprüngliches 
finden. Die Auslassung von XVI, 21, der Anrede Achills seitens des 
Patroklos, ist nicht begründet; Fick hat sie in seiner Homerischen 
Ilias. Ficks Behandlung der Antwort Achills 16, 49 — 100 kann ich 
nicht ganz beistimmen ; V. 56—69 sind überflüssig ; Patroklos muss doch 
nicht erst über die Ursachen des Grolls belehrt werden; V. 60—76 
sind verworren, ganz zur Unzeit breit und passen nicht mit dLXXd xal 
ÄC 80 f. zusammen; 84—86 reimen sich nicht mit 90, und 91—96 er- 
scheinen ebenfalls zweifelhaft; die Antwort bestand wohl ursprüng- 
lich aus 49—66, 80—83, 87—90 und 97—100 (s. mein Programm pg. 4 f.). 
V. 101 — 129 können, jedenfalls am jetzigen Platze, nicht ursprilnglich 
sein, weil sich die Situation 124—129 schlechterdings nicht mit der 
Erzählung 1 — 100 vereinigen lässt (s. mein Programm pg. 6). Schon 
das bis jetzt aus XVI Angeführte dürfte zur Genüge beweisen, dass 
über die Bewertung zahlreicher Stellen auch in XVI die Ansichten 
sehr weit auseinandergehen und auseinandergehen können, dass also 
auch hier eine Bestätigung für das Zahlengesetz nicht gefunden werden 
kann. Bezüglich der Auswahl aus XVIII stimme ich Fick darin bei, 
dass er unter Bezugnahme auf das Prooemium, also aus sachlichen 
Gründen, nicht wegen des Kunstgesetzes, den erneuten Kampf um den 
Leichnam des Patroklos sowie dessen endliche Bergimg durch das 
Auftreten Achills (im ganzen XVIII, 189— 240 und 814— 866) als jünger 
ausscheidet; im Prooemium heisse es nämlich, Achill habe viele tapfere 
Helden den Hunden zum Kaub und den Vögeln zum Frass geschaffen, 
während in der uns überlieferten Ilias alle Gefallenen säuberlich be- 
stattet würden; das Prooemium könne nun kein späterer Zusatz sein; 
denn niemand würde darauf verfallen, in der Einleitung etwas zu be- 
haupten, das durch den (Jjuig dva (schon fertigen) Gedichts Lügen 

Neuen Korrespoiideiizblatt 10O2, Heft 0. 



354 ! Litterarischer Bericht. 

gestraft würde. So sei der Schluss unabweisbar, dass die Worte des 
Prooemiums sich auf eine ältere Fassung des Gedichts beziehen, in 
der wirklich die Leichen der Helden Hunden und Vögeln zum Raul» 
gefallen seien (Homers Hias pg. 9 und Urraenis pg. 84). So sind auch 
(um dies gleich hier zu erwähnen) Buch XXIII und XXIY jüngere 
Erweiterung. Auch XVIII, 369— fin. scheidet Fick aus; nach ihm ist 
der Waffentausch in XVI und der Waffenverlust in XVII jünger, also 
auch die Neuanfertigung der Waffen in XVIII; in der That erweisen 
sich XVI, 40—48, 64 und 134, nach denen der Waffentausch stattfindet, 
bei genauer Prüfung des unmittelbaren Zusammenhangs in XVI als 
später zugefügt (s. mein Programm pg. 4 und 7). Mit dem Entschlüssle 
Achills, um den Preis seines eigenen Lebens Rache zu nehmen, sowie 
Hektors, den Achill im Kampfe zu bestehen, schliesst Fick sein 8. Buch. 

Sein 4. Buch, aus XIV — XXII entnommen, das wie das erste 
47 elfzeilige Strophen enthält, betitelt er Achills Rache. Um einige 
Einzelheiten herauszuheben, so sehe ich für die Auslassung von XIX, 
42—54 keinen Grund ein; die Schilderung von der Neugierde des 
Volks bei der Kunde vom Wiedererscheinen Achills passt auÜB beste. 
V. 65 f. und 74 f. sind wohlberechtigt In der Rede Agamemnons 
lassen sich die Verse 79—82 als Ausdruck seiner inneren Verwirrung 
und Verlegenheit erklären; insbesondere aber möchte ich die für Aga- 
memnon bezeichnenden Worte 85 ff. nicht missen. Betreffend die Aus- 
wahl aus XX kann man geteilter Ansicht sein. Soll die Scene XX. 
419 — 454 als echt gelten, eine Scene voll Grosssprecherei und ohne 
Ergebnis, mit den Worten 452 f., die man von Achill nicht erwarten 
darf, der sich bezüglich seiner Abrechnung mit Hektor nicht auf später 
vertrösten kann? Bei der 'Beurteilung von XXI und XXII scbliesse 
ich mich im allgemeinen Fick an ; im einzelnen würde ich z. B. XXI, 
94—96 und XXII, 78, 81, 111—129 beibehalten. Der Schluss des ganzen 
Liedes vom Zorne Achills mit XXII, 391 — 394 ist wirkungsvoll. 

Ist es mir auf Grund der bisherigen, ins Einzelne gehenden 
Besprechung nicht möglich, das von Fick aufgestellte Zahlen- oder 
Kunstgesetz anzuerkennen, so möchte ich auch noch darauf hinweben, 
dass ein derartig kunstvoller Aufbau eines Liedes in Strophen mit 
bestimmter Zeilenzahl, wie Fick ihn annimmt, für das Gedächtnis eine 
mächtige Stütze gewesen wäre. Da wäre es kaum zu begreifen, wie 
sich trotz dieser Stütze schon in früher Zeit teils kleinere, teils grössere 
Zusätze anderer Dichter in den ursprünglichen Bestand eindrängen 
konnten. Und auch das wäre kaum zu begreifen, wie das von Homer 
beobachtete Kunstgesetz bei den Griechen trotz ihres lebhaften Inter- 
esses für Homer in völlige Vergessenheit geraten sein sollte. 

Wenn aber auch Fick hinsichtlich der neugefundenen Kunstform 
des Homerischen Epos nicht allgemeine Zustimmung finden dürfte, so 
ist sein neuestes, auf gründlicher Homcrkenntnis beruhendos Werk 



Litterarisoher Bericht. 355 

(loch in den Kreisen der eigentlichen Homerforscher wie der huraa- 
nistischeo Lehrer dankbarer Aufnahme sicher; speziell auf den Homer- 
unterricht kann es nur befruchtend wirken. 

Hall. Wetzel. 



Hermann Schiller, Weltgeschichte. Vierter Band. Berlin 
und Stuttgart; 1901. 

Der vierte Band dieses Werkes bringt die Zeit von 1789 — 1901 
und damit den Abschluss des ganzen Unternehmens. Schiller hat auch 
in diesem Bande viel Stoff beigebracht; aber leider befestigt sich 
mehr imd mehr der Eindruck einer von Band zu Band überhasteten 
und dadurch unzuverlässigen Arbeit. Man lese nur S. 171 — 172 den 
Bericht über die Expedition Bonapartes nach Ägypten. ^ A m 21. J u 1 i 
machten die Mameluken bei Embabeh den letzten ver- 
geblichen Versuch zurVerteidigungKairos. Die hier (wo ?) 
herrschende Armut und Verkommenheit versetzten die Armee in grosse 
Niedergeschlagenheit, die in zahlreichen Entlassungsgesuchen der Offi- 
ziere (soll heissen: von Offizieren) Ausdruck fand. Bonaparte wurde 
von Sorgen für die Verpflegung, die Beschaffung von Geld und Heer- 
gerät, die Sicherung der Verbindungen erdrückt und blieb (lies: war) 
ohne Nachrichten von Paris. Am 21. Juli kam es zum Kampf 
bei den Pyramiden; 2000 Mameluken fielen. Da erhielt er (wo?) 
durch einen Adjutanten Klebers die Nachricht, dass seine Flotte am 
1. August bei Abukir vernichtet sei.^ Hiezu haben wir folgendes zu 
bemerken : 1. Schiller hat so wenig eine Vorstellung von dem Hergang 
der Dinge, dass er die bekannte Schlacht bei den Pyramiden in zwei 
gesonderte Zusammenstösse auflöst, von denen einer „bei Embabeh^', 
der andere „bei den Pyramiden^ stattfindet! In Wahrheit ist es natür- 
lich ein und dasselbe allbekannte Ereignis, und Embabeh liegt im An- 
gesicht der (allerdings noch etwa drei Stunden von Embabeh entfernten) 
Pyramiden. Schiller hat hier in ganz unverantwortlicher und unglaub- 
licher Weise flüchtig gearbeitet : er hat Sybel V, 154 ff. vor sich gehabt, 
ihn aber nicht einmal ordentlich excerpiert. 2. Diese Flüchtigkeit tritt 
um so schneidender hervor, als die angeblichen zwei Schlachten von 
Schiller selbst auf einen und denselben Tag. den 21. Jnli, den wirk- 
lichen Tag der Schlacht, verlegt werden ! ! 3. Die Einnahme von Kairo, 
welche am 22. Juli erfolgte, erscheint somit bald als der Schlacht an 
den Pyramiden voraufgehend, bald als ihr nachfolgend ! Welcher Wirr- 
warr ! ! 4. Von der Beteiligung des Bürgeraufgebots von Kairo, welches 
hinter Erdwällen focht, weiss Schiller nichts ; er spricht bloss von den 
,.8000 Mameluken". Gewiss trugen diese weitaus die Hauptlast dos 
Kampfes; aber allein standen sie nicht. Wir glauben, dass, nachdem 



356 Litterarischer Bericht. 

dieser ciuo Fall der Arbeitsweise Schillers in diesem 4. Bande fest- 
gestellt ist, der Rest — Schweigen ist. G. £ g e I h a a f. 

Bemerkung der Redaktion: Die Zahl der Beispiele, die das 
Urteil des Hen-n Rezensenten bestätigen, Hesse sich leicht vermehren; 
und so gilt allerdings bedauerlicherweise ex ungue leonem. 



Uusore Pflanzen hinsichtlich ihrer Namenserkläruni^ und ihrer 
Stellung in der Mythologie und im Volksaberglauben. 

Von Dr. Franz Sohns, Oberlehrer am Stadt. Realpro- 
gymnasium zu Gandersheim. Leipzig, B. G. Teabner, 1897. 

Die Namen der Pflanzen haben häufig einen geheimnisvollen Klang. 
Wie wenige unserer Schüler wissen etwas anzufangen mit Bezeich- 
nungen wie „AUermannsharnisch*', „B^i'uf kraut*', „Maria Bettstroh", 
„Salomonssiegels „Küchenschelle^, „Engelsüss", „Teufelsabbisse, n'^^^' 
sendgüldenkraut^, „filius ante patrem" u. a.! Diesem Obelstand will 
das vorliegende Buch abhelfen durch Erklänmg der Namen, besonders 
der Volksbenennungen, und Aüthellung ihrer mythologischen Bedeutung. 
Es wird damit ein gut Stück deutscheu Altertums eröffnet (7 Pflanzen- 
bezeichnungen hängen z. B. mit Donar zusammen, die „Osterblume** 
geht auf die Frühlingsgöttin Ostara, „Alraun" auf Albruna zurück, 
Tacit. Germ. 8) und es wird nachgewiesen, wie das Christentum an die 
Stelle der von altgermanischen Göttern abgeleiteten Pflanzen christ- 
liche Namen gesetzt hat (ganz wie heidnische Feste in das Gewand 
christlicher gekleidet wurden); so werden Wuotanskräuter („Godes- 
kräuter'') zu „Hergottskränteni'* u. a., und Freya und Holla werden 
mit „unser lieben Frauen** identifiziert (4 Namen, die mit „Frau*^, 8 die 
mit „Maria" zusammengesetzt sind). Streiflichter werden von hier aus 
geworfen auf die Pflanzensymbolik, auf die Volksmedizin, auf die 
Pflanzenpoesie. Dass man jedoch nicht zu viel „hineingeheiumisse", 
davor warnt das Pflänzlein „Michelsblume", das nicht etwa auf den 
ErzengelJ[unmittelbar zurückgeht, sondern seinen Namen von seiner 
Blütezeit hat (nm Michaeli). Der Verfasser hat ganz recht, wenn er 
fordert, dass die Jugend tiefer in das geheimnisvolle Zauberreich der 
Namen unserer taufrischen Naturkinder eingeführt werde, und es Ut 
keine weitere Belastung sondern eine Entlastung und Festigung des 
Gedächtnisses, wenn man von der Gestalt der Pflanze, oder von ihren 
Wirkungen, oder von ihrem natürliciien Standort aus organisch ihren 
Namen ableitet, oder eine sinnige Geschichte von ihr erzählt. Nur 
hüte man sich hier vor allzuviel und allzugelehrten Erklärungen. — 
Etwas eigentümlich nimmt sich in der Vorrede der Appell an die chriät- 
liehe Frömmigkeit aus in einer Umgebung, wo von dem tiefen Seelen- 



Neu erschleneDe Bttoher. 357 

leben der Altvorderen, von der Gemüts Innigkeit des altgernianischen 
Götterglaiibons, von der veredelnden Wirkung dos Hinabsteigens in 
den schier unergründlichen Schacht der germanischen Volksseele die 
Rede ist. Um so mehr angezeigt dagegen ist die Aufforderung an die 
Knaben, die Pflanzen zu lieben und sie nicht gedankenlos oder hiSa- 
artig in Wald und Feld auszurotten. 

Hall. H. L u d w i g. 



Neu ersohienene Bücher. 

Bei der grossen Henipe der uns sagehenden neuen litterariscben Erscheinuugeu 
ist CS uns unmöglich, Jede im einselnen zu besprechen. Die Titel der einlaufenden 
Bücher, die wir ausnahmslos der Kohlhammerschen Verlagsbuchhandlung zu fiber- 
senden bitten, werden regelmftssig im nftchsten Hefte TerOif entlicht; auf Kfick- 
eendung der nicht besprochenen Bficher können wir uns aber nicht einlassen. 

N a g e U Maturitätsfragen aus der Deutschen Litteraturgeschichte. Wien 
und Leipzig, Franz Deuticke. 

Hork und Poske, Hauptsätze der Arithmetik. Berlin, Max Rocken- 
stein. 

Hauerreiss, Ferien aufgaben aus der Planimetrie. Würzburg, Stahelschc 
Verlagsanstalt. 

Kraemer, Weltall und Menschheit. Heft 6 und 7. Berlin, Leipzig, 
Wien und Stuttgart, Bong & Co. 

Ileinemann, Goethes Werke. Band 7 und 13. Leipzig und Wien, 
Bibliographisches Institut. 

Griesbach, Gesundheit und Schule. Leipzig, B. G. Teubner. 

Müller, Die Mathematik auf den Gymnasien und Realschulen. Aus- 
gabe A und B, Ibid. 

Goctze, Sebastian Lotzers Schriften. Ibid. 

Ludwig, Die Makkabäer. Herausgegeben und bearbeitet von Dr. Hob. 
P e 1 8 c h. Ibid. 

V o i l p r e c h t , Das Rechnen eine Vorbereitung zur allgemeinen Arith- 
metik. Ibid. 

Schälke, Aufgabensammlung aus der Arithmetik, Geometrie, Tri- 
gonometrie und Stereometrie. Ibid. 

Reichel, Carte de France. Gotha, Justus Perthes. 

Sklarek, Naturwissenschaftliche Rundschau. Heft 30—35. Braun- 
schweig, Fr. Viewcg & Sohn. 

Scheel und A s s m a n n , Die Fortschritte der Physik. Heft 13, 14. Ibid. 

Rentsch, Talks about English Life. Cöthen, Otto Schulze. 

Wol ff, Michael Kohlhaas. Minden i. W., J. C. C. Bruns Verlag. 

Effert, Mathematische Geographie für Gymnasien. Würzburg, Stahel- 
sche Verlagsanstalt. 

— Grundriss der mathematischen und physikalischen Geographie. Ibid. 



Ankündigungen. 



Eine gut besuchte [1 M. 

Lehr- nnd EraiehuBpanstalt 
mit Privat-Realsebnle 

in tiiner BeEirkaatadt des nördlichen 
Bayerns ist unter günatigen Be- 
dingtmgen zu Torkanfen. Dem 
Unternehmer wird eine nahmhafte 
städtische Subvention zugesichert. 
Bisiierige Rentabilität erwiesen. 
Offerten mit Angaben über Lebrbe- 
fähigiing, Personal- u. Verinögens- 
verbältnisse unter N. L. 4376 be- 
fiirdert Badolf MoBse, HIlBeben. 



[ PIANOS 

[Harmoniums-«' 



6il|üiiinB|$ SlafjilmuiHftkn 

mit @[UtrttniBgai. 

itiiiiftiflf w«. li" 

gebraucfa gtfammdt unb trlSutnl 
VC» jl. fstlMn, e(in.'Et6r(r. 

@tb. anr. i,30. 

^mtn SbDjjtt ,*?£ 

ff^ung Don 3o|. ^itini. ijofe. 
giitb. Sc^ulgtfctauii Mtfütjlunb 
elnottii^ttt 0. Dr. ^. ^«Iftrtt, 
@9mno(.^ff)ir((ter. &tb.'Slt. 1,»' 



gat^lc^rern wirb jitt Prüfung U- 
6uf«einfü^ninn 1 Srri^erpl- umi^tt. 
Sttlan UOQ »crbtnattk BiknlM%% 
In $ab»bDnt. [14 



belideninf'. 
Pianos nn3 H_. . 

; brf K»ni Ahiug ä _ 

F.lllDSlr.Kat«lagC(ratli-rrko.« 

[ Wilh. Rudolph, Giessen.J 



u 



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Ankündignn^en. 359 

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Profesaor am Gymnasiom in Sobwftb. Hall. 

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i)(ttf((t|(n 5)iraiti- unlr R(itiffit|rdliitnferr!i(|t 

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bearbeitet üon 
HD* ^itU unb X 3ttiBX. 

i^Hnftt^ nac^ ber neuen 9te(^tf(^retbung umgearbeitete tSüftogt. 

fxt\9 gcbunben 1 J6i 20 4. 

Wtt^ ®cn fetten fic^tem, njeld^c (ffnfü^rung be« bettjä^tteu ©üt^Iein« 
beabjtt^tigen, ftel^t gerne ein $robe-CPycm|)lar gu $^ien|t. 

HD« Eit^I^ammBr» inU|0hii||itlltt| it 3titt|art. 



360 Ankttndignng^en. 

Terlag von Hermann Gegentm» in Halle« 

Gesenins-Regel, Englische Sprachlehre. Ausgabe B. VöiHg neu 

bearbeitet von Professor Dr. Ernst Regel, Oberlehrer an den 
Franckeschen Stiftungen. 

Uatentufe. Zweite Auflage 1901. 1900. In Leinwand geb. Mk. 1.80. 

Ob«ntllfe. 1901. In Leinwand geb. Mk. 1.80. 

GeseniuS'Begely Englische Sprachlehre. Ausgabe B. fUrüäh. 

Kapitel I, IV, VI und VII in anderer Fassung enthaltend 
die Besprechung der Ilölzelschen Bilder: WaU, Oltik«!, (lelirge Bi4 
Stadt Bearbeitet von Prof. Dr. Ernst Regel, Oberlehrer an der 
Oberrealschule in den Franckeschen Stiftungen. 1902. In steifen 
Umschlag geh. 40 Pf. 

Gesenins, F. W., Englische Sprachlehre. Ausgabe A. VöiUg neu 

bearbeitet von Prof. Dr. Ernst Regel, Oberlehrer an den Francke- 
schen Stiftungen. 
Teil I: Schulgrammatik nebst Lese- und Uebungsstücken. 7. Aut- 
lage. 1901. Preis geb. Mk. 8.50. 
Teil II: Lese- und Uebungsbuch nebst kurzer Synonymik. 1895. 
Preis geb. Mk. 2.26. 



Bisheriger Absatz beider Teile 445000 Exemplare. 

Gesenius^ Dr. F. W.^ Lehrbuch der englisch. Sprache, in 2 Teilen. 

Teil I: Elementarbuch der englischen Sprache nebst Lese- und 
Uebungsstücken. 24. Auflage. 1901. Preis geb. Mk. 2.40. 

Teil II: Grammatik der englischen Sprache nebst Uebungsstücken. 
16. Auflage. 1902. Preis geb. Mk. 3.20. 

Schmidt, Dr. Herrn., Elementarbuch der lateinischen Sprache. 

Völlig neu bearbeitet von Prof. Leonh. Schmidt in Bromberg 
und Prof. E. Lierse in Posen. 

Teil I: Für Sexta. 12. Auflage. 1900. Geb. Mk. 1.50. 

Teil II: Für Quinta. 11, Auflage. 1894. Geb. Mk. 1.95. 

Teil III: Flrfiarta. I.Abteilung. Lesebuch. 1900. Geb. Mk. 1.15. 
2. Abteilung. Uebungsbuch u. Vokabular. 1900. Geb. Mk. 1.75. 

Dickens, Charles, From the Pickwick Papers. Zum Schuigebrauch 

ausgewählt und mit Anmerkungen und einem Wörterbuch ver- 
sehen von Dr. Fritz Kriet-e. 1902. In Leinenband mit Taache 
für das Wörterbuch gebunden Mk. 2.—. 

Gesenins, Dr F. W., A Book of English Poetry for the use of 

Schools. Containing 102 poems with expianatory notes and bio> 
graphical sketches of the authors. Third Edition. Revised by 
Dr. Fritz Kriete, Oberlehrer. 1900. In Leinenband mit Tasche 
für das Wörterbuch gebunden Mk. 2. — . 

Jerome K. Jerome, Three Men on the Bummel. Zum Schal- 

gebrauch herausgegeben und mit Anmerkungen und einem Wörter- 
buch versehen von Dr. Fritz Kriete, Oberlehrer. 1901. In 
Leinenband mit Tasche für das Wörterbuch gebunden Mk. 1.40. 

Kriete, Dr. Fritz, Sammluno französischer Gedichte. Znm 

Schnlgebrauch zusammengestellt und mit Anmerkungen und einem 
Wörterbuch versehen. 1901. In Leinenband mit Tasche für das 
Wörterbuch gebunden Mk. 1.80. 

Ausffihrllche YerlagSTerzelehnisse kostonlos. 



Vorschläge für eine Umarbeitung von Grrafs 

Grrieohisohen Materialien. 

Von Prof. Schöttle in Stuttgart. 
(Schluss.) 

Bekanntlich sind nach nnserem Lehrplane für Gymnasien und 
Lyceen vom 16. Febr. 1891 die syntaktischen Hauptregeln in die 
Formenlehre einzuflecbten, und es haben darum die seither für 
Württemberg zunächst bestimmten Bücher diese Regeln^ deren Aus- 
wahl in Konventen vereinbart ist, da es zu zeitraubend und un- 
zuverlässig wäre, den Schüior sie in der grösseren Grammatik an- 
streichen oder aus ihr herausschreiben zu lassen, in kurzer Fassung 
dem Übungsbuche von der ersten Nummer an einverleibt. Für 
Graf ist hiebei anzumerken, dass zuweilen Regeln in späten Stücken 
quasi modo genitae als Anführer eines Stückes auftreten, die längst 
aktuell geworden waren, und dass manche Stücke an Verstopfung 
leiden, wofür ich auf no. 17 f. und 55 als besonders eklatante Bei- 
spiele verweise. Wie vieles ist doch da mit den Schülern zu be- 
sprechen, ehe man sich au das Stück selbst wagen darf! Es wäre 
denn, dass man die Sätze in bessere Ordnung bringt und dann das 
Stück zerstückelt. Aber ist denn dazu der Lehrer da? Genaueste 
Ordnung muss in den Sätzen herrschen, und es ist das nicht bloss 
,,gut für Mädchenschulen". 

In Nr. 6 ist die Singularfemininierung (utrum ... ec an . . . tj) 
an 6 Expositions- und 2 Kompositionsbeispielen klar gemacht, wo- 
gegen die Bildung des femininen Pluralnominativs und -Genetivs bei 
den Barytona (ai Uiai, vcÜv iiiwv otxtcov), worin von den Schülern, 
auch wann sie schon an nai6€v6f.i6vog angelangt sind, so viel ge- 
fehlt wird, in den Beispielen nicht berücksichtigt wird. 

Nachdem ich 2 Jahre lang den Dual nicht mehr getrieben, 
wurde ich vor 3 Jahren von einem Kollegen gefragt, ob ich mich 
nicht der Übung der Kollegen anschliessen könnte, den Dual lernen 
zu lassen. Was war zu machen? Seitdem treibe ich ihn wieder; 
es ist traurig zu sagen. Wann wird man endlich, wie schon lang in 
preussischen Schulen und wie auch an einem hiesigen Gymnasium 
geschieht, diesem Hemmschuh des ersten Griechenjahres den ver- 

Nea«B KorreBpondensblatt 1903, Heft 10. 



362 Schöttle, Vorschi. f. eine üraarbeit. v. Grafs Griech. Mat. 

dienten Tritt geben? Koch führt, wenigstens noch 1881, den 
Norainaldual hinter dem Plural; warum nicht gleich den Verbdual, 
der sich doch an die zweite Person des Plurals anlehnt? Gertli 
und Kägi setzen ihn, da man zählt „eins, zwei, drei", schön zwiscb^'n 
Singular und Plural. Schon die Neigung der Schüler vom Latei- 
nischen und Französischen her, vom Singular stracks auf den Plural 
loszugehen, was, wenn man nach der Grammatik verfahren will, 
ein Anhalten des Pferdes, eine Hemmung des Herztaktes zur Folge 
hat, zeigt, wie unpädagogisch das ist. Man lasse schön heruntersagen 
?/ /(OQU bis 10 ycoQay ui /wqui . . ., und wer dann noch nicht genug 
hat, der lasse sich das Dualdessert servieren! Ein Dessert ist un- 
nötig, ein Dual auch. ,,ßeide zumal" lasse man durch M/ir/cirf^oc 
übersetzen, 6vo behandle man als indeklinabel; wo nun uf-tf/io dfiffolv 
und dvolyy eventuell mit Substantiv verbunden, im Schriftsteller 
vorkommt, da ist das Nötige bald bemerkt. 

Die Präpositionen wünschte ich in drei konzentrischen Kreisen 
behandelt. Erstmals mögen sie vor dem allerersten Stücke stehen, 
und hiebei sollen, ausser der Grundbedeutung, bloss die im Kom- 
positum zu Tage tretenden Bedeutungen eine Stelle linden, Übrigens 
nicht zum Memorieren, sondern zum Verweisen und Nachschlagen. 
Diese Stellung des innersten Kreises empfiehlt sich darum, weil man 
das Lernen von Kompositen schon von der ersten oder zweiten 
Woche an nicht umgehen kann und das Erkennen eines Kom- 
positums anlässlich der zweiendigen Adjektiva der zweiten Dekli- 
nation durchaus notwendig ist. Auch von dv- = «-privativum, von 
«-intensivum und copulativum, sowie von sv- und ötx- wäre zu 
reden, von den drei euphonischen protheticae dagegen nichts zu 
erwähnen. 

Die Regel vom Si^ exspectativum (Graf p. 70) sollte für die 
pronomina substantiva, die pronomina adjectiva, die pronomina 
adverbia (diese Einteilung richtet sich wider Kägis schiefe l.'ber- 
Schriften der zwei Korrelativtafeln § 74 f.) und innerhalb dieser 
adverbia wieder insbesondere für die als conjunctiones bezeichneten 
temporalia an Kurzbeispielen ausgiebig deutlich gemacht und auf 
die betreffenden Punkte in Landgraf^ § 179, dessen Einübung in 
Klasse V viele Mühe macht, gedeckt werden. 

Da die den Stücken vorzusetzenden Einzelformen ujid -Wen- 
dungen, welche das Pensum möglichst erschöpfen sollen, ohne den 
Schüler zu erschöpfen, aucli die Vokative und die Tempora (und 
die Duale?) behandeln, so möchte ich gegenüber der Hemmschuh- 



I • r . ■ • 

Schöttle, Vorschi. f. eine Umarbeit. v. Grafs Griech. Mat. 353 

theorie und der Foiinenangst, die sich auf Grund des Schul- „Kanons" 
festgesetzt hat, bemerken, dass ich es für keine Erleichterung des 
Unterrichts ansehe, wenn dem Schüler beim Hersagen zugerufen 
wird: „Halt, nicht Vokativ!", oder wenn er wissen soll, von welchen 
Stämmen er keinen Dual zu bilden habe, oder wenn er innerhalb 
eines Tempus zum Konjunktiv ermutigt, vor dem Imperativ aber 
gewarnt wird. Das Aufmerken auf einen nicht vorkommenden casus 
u. 8. w. ist eine Störung, und warum sollen Formen, die nicht im 
Kanon stehen, nicht kecklich nach Analogie gebildet werden, wo- 
ferne sie an sich einen Sinn haben? Können sie doch ebenso- 
sicher dem kurrenten Sprachgut angehört haben, als umgekehrt die 
und jene kanonische Form eine richtige Seltenheit im antiken Mittel- 
attisch gewesen sein mag. Das Gehen über eine Eisfläche (denn 
das ist anfangs dem Schüler das Aufsagen, wobei er ja häufig genug 
ausgleitet) wird durch Gletscherspalten nicht gemütlicher gemacht. 
Ungebräuchliche Perfektformen mögen verbannt bleiben ; warum man 
aber von einer . . aw-Form aus bei fehlendem aor. H nicht auf jede 
. . (ja-Forra, auch wenn dieser Aorist nicht bezeugt ist, hinUberschreiten 
soll, vermag ich nicht zu erkennen. Die Aufstellung eines frei- 
sinnigeren Kanons (und vielleicht kommt uns hier die sonst nicht 
auch den Tertien lächelnde Sonne der Papyrik zu Hilfe) ist noch 
ein Desideratum. Auch dass der discipulus canonicus oder über- 
haupt der Kanonanbeter „das Geschrei des Ares", „Eurydike wurde 
von einer Schlange gebissen^, „wir wissen, dass Demeter die Tochter 
mit Fackeln suchte" — nicht soll übersetzen dürfen, weil einige 
Elemente nur in Kägis Raritäten- oder Kutterkiste stehen oder selbst 
hier nicht stehen, macht mich lachen. Ich brauche kaum mich aber- 
mals gegen den Verdacht zu verwahren, als ob ich fähig wäre, im 
Klassennnterricht eine nicht erst genehmigte Freiheit zu anticipieren. 

Nach Absolvierung der verba liquida, desgleichen des Pensums 
des zweiten Griech enjali res mögen (um meine Vorschläge betreffs 
der in Rede stehenden Umarbeitung abzuschliessen) einige Einzel - 
themen und einige längere Abschnitte mythologisch-historischen 
sowie anekdotischen Inhalts (ich empfehle das Märchen von Eros 
Und Psyche, etliche Ovidsche Stücke und ein paar Herodotische 
Amönitäten) zur Auswahl eingesetzt und eine Reihe neuerer Prüfungs- 
tbemen von Stuttgarter und sonstiger Provenienz beigegeben w^erden, 
woran der Schüler seine Schwingen erproben und seine Kraft ab- 
schätzen lerne. 

Ich fasse zusammen: 



364 Schöttle, Vorschi. f. eine Umarbeit. v. Grafs Griech. Mat. 

Auf die in den ursprünglichen Materialien den Eingang bildenden 
Übungen im Accentsetzen an unverstandenen Wörtern (auch ich 
habe einmal die vom Buche vorgeschriebene Thorheit begangen) 
hat schon Graf verzichtet. Die LeseUbungen mögen stehen bleiben; 
sie sind aber in Klasse IV, und zwar vom Spraoliiehrer, so zu üben, 
dass sie sitzen. Die vorausgehenden und bis zum Ende genannten 
Schuljahres fortgesetzten Schreibübungen, die Einübung der Buch- 
stabennameu und das Abfragen des Alphabets, die Einübung end- 
lich der griechischen Interpunktionszeichen liegen in der Hand des 
Kalligraphieiehrers ; eine etwa zwei Seiten füllende Schrifttafel aber, 
welche den Tertianern zur steten Auffrischung des Gedächtnisses 
diene (wie oft fragen sie doch: ^,wie macht man ein grosses grie- 
chisches P, ein grosses Omega" etc.!) und bei oft bald eintretender 
Handschriftkorriiption ein Korrektiv bilde, auf das der Lehrer hin- 
weisen kann (das Mitführen der Hartmaunschen Schreibvorschrift 
darf man dem Schüler nicht immer zumuten), werde den Lese- 
Übungen noch vorangedruckt. In der ersten Auflage von Bäumleins 
Grammatik fand sich eine solche. 

Auf die Leseübungen folge die oben verlangte kürzeste Prä- 
positionentafel behufs Erkennung der composita durch den Schüler; 
daran schliesse sich ein Ausschnitt aus dem Verb-paradigma, die 
gebräuchlichsten Formen enthaltend, auf dass bei Erzählungen, die 
etwas früh einsetzen sollen, nicht zu viele Hindernisse entstehen. 
Es folgen die Übungsstücke, bestehend aas Regeln, Vokabeln und 
Übersetzungsmaterial, das sich im kompositionalen Teile wieder in 
Einzelformen (bezw. Phrasen und Kurzsätze) und in die Einzelsätze 
zerlegt. Den Einzelsätzestücken mögen leichtere Themen unter- 
mengt werden, etwas zahlreichere nach Absolvierung der verba 
vocalia, mit denen das lange Wintersemester schliesst ; entsprechend 
werde im zweiten Griechenjahre verfahren. In der Exposition ist 
weniger auf Abstufung (nach Formen etc.), als vielmehr auf aus- 
giebiges, zusammenhängendes Material zu sehen. Das Nomen komme 
in zwei Stufen zur Behandlung; gleichlaufend mit der ersteren 
werde das ganze navSaiu) eingeprägt; gleichlaufend mit der zweiten 
Stufe mögen die verba vocalia in einer ersten Stufe, nämlich alle, 
die im futurum, aoristus, perfectum, Verbaladjektivum regelmässig 
dehnen, ohne übrigens von . . fiai oder von . . &ijv an zu sigmieren, 
durchgenommen werden. (Die späte Stellung der 0-Stämme im 
Praesens und Imperfekt bei Grunsky finde ich, beiläufig gesagt, 
nicht begründet; das Streben, schwieriger Scheinendes spät zu be- 



S eil 1 tl e , Vorschi. f. eine Umarbeit. v. Grafs Griech. Mat. 355 

bandeln, darf nicbt auf allzngrosse Zerreissung von 8toti'licb Zu- 
sammengebörigem, also nicht auf Zerreissong eines Verbs in zwei 
durcb Wocben nnter sich getrennte Lektionen ftlhren.) Vor Eintritt 
in die schwierigeren verba vocalia nach Absolvierung des Nomens 
werden die ganz regulären der vocalia rasch repetiert; nach Be- 
endigung der schwierigeren (sozusagen der halbregulären) vocalia 
werden, innerhalb der ersten Hauptkonjugation, die verba der vier 
ersten Klassen durchgenommen, wobei ich die Dehnverba in die 
anderen Klassen hineingearbeitet wünsche, so zwar, dass sie inner- 
halb jeder derselben ihre besondere Aufstellung finden. Die sechs 
Verba nXiw etc. möchte ich energisch vorschlagen nicht als Dehn- 
verba vorzuführen, sondern als Anhang der £i;-verba zu behandeln, 
von denen sie, durch Ablision des ursprünglichen F^ in Praesens und 
Imperfekt abweichen und sich sonst nur in wenigen Punkten unter- 
scheiden. — Den Haupteinteilungsgrund möge, wie in Graf no. 38 ff, 
geschieht, der Stammcharakter bilden ; doch sollte, zur Erleichterung 
des Memorierens desselben, auch mehr nach Muta-Stufen abgeteilt 
sein (x-Sätze, /-Sätze . . .), und die Untereinteilung nach tempora 
dürfte auch bei den liquida noch beachtet werden. Nach Absol- 
vierung der liquida folgen die Themen in grösserer Zahl. — In 
die Dinge des zweiten und dritten Jahres will ich nicht im einzelnen 
näher eingehen. Vom Wörterbuch ist aber das Nötige erörtert. 
Ich habe gesagt, was ich zur Konservierung der Grafscheu 
Arbeit zu sagen für nötig hielt. Um einen Leichnam ja bemüht 
man sich nicht; nur der und das zu leben Wib*dige hat recht. 
Und weil ich überzeugt bin, dass viele, die sich an unsere <,Ma- 
terialien^* gewöhnt haben, sie thunlichst konserviert wünschen, habe 
ich die Mühe nicht für unfruchtbar gehalten, auf eine im vorigen Monat 
(Februar) an mich ergangene Aufforderung des Rektorats unserer 
Anstalt die Vorschläge zu machen, die ich bei einer Umarbeitung in 
Erwägung gezogen sehen möchte, und habe die Gelegenheit benützt, 
auch einige benachbarte Schmerzen zum Ausdruck zu bringen. 
Vielleicht wird dadurch zu einer Diskussion Veranlassung gegeben, 
deren Resultate dem Buch ein längeres Leben verbürgen können. 
Dann wäre mein Wunsch erfüllt, dass das Schicksal, das den Kollegen 
uns zu früh entrissen, sich gemildert zeige, indem sein Werk bleibt. 



366 Evangelisches Landexanien 1901. 

Evangelisches Landexamen 1901. 

Religion. 

I. Katechismus. 
Die Antwort auf die Frage: „Was heisst denn täglich Brot?" 

II. Biblische Geschichte. 
Die Geschichte vom Hauptmann zu Kapernaum. 

III. Spruch erklärung. 
In welchem Zusammenhang sagt Christus: ,,Sorget nicht für 
euer Leben!" und was meint er damit? 

Deutscher Aufsatz. 
Wie lernen wir unser Heimatland kennen? 

Lateinische Komposition. 

Von hervorragenden Persönlichkeiten werden gern kurze Aus- 
sprüche angeführt, womit sie ihre Ansicht über wichtige Fragen 
kundgeben, so auch von unserem Kaiser. Wer erinnert sich nicht, 
welches Aufsehen es erregte, als er in einem öffentlich aufgelegten 
Buch seiner Nameusunterschrift die Worte beifügte: Regis voluntas 
suprema lex, worin man einen Gegensatz zu einem Ausspruch des 
grössten seiner Vorfahren zu finden glaubte, der sich als den ersten 
Diener des Staates angesehen wissen wollte? Welch grossen Wert 
ferner der Kaiser auf die Hebung und Erleichterung des Verkehrs 
unter den Menschen und Ländern legt, bezeugt ein anderes Wort : 
Unsere Zeit steht im Zeichen (= wird notiert durch) des Verkehrs. 
Endlich drittens hat er, dem Vorgang des Pompejus folgend, aus- 
gesprochen: Navigare necesse est. Wie schon sein Ahnherr Friedrich 
Wilhelm (Fridericus Guilielmus), genannt der grosse Kurfürst 
(Elector), die Bedeutung des Seehandels erkannt und zur Sicherung 
desselben den Bau einer Flotte in Angrifi* nahm, so ist es auch 
eine der vornehmsten Sorgen unseres Kaisers gewesen, eine tüchtige 
Kriegsflotte zu Schäften. Die Notwendigkeit einer solchen hat sich, 
seit wir Niederlassungen in fremden Weltteilen haben, insbesondere 
aber neuerdings erwiesen, da in China eine gefährliche Bewegung 
zum Zweck der Vertreibung und Vernichtung der Fremden ent- 
standen ist und wir zur Sicherung der Besitzungen und Rechte 
unserer Landsleute und zur Rache für die Ermordung unseres 
Gesandten Schifi'e und Soldaten dorthin schicken mussten. 



Evangelisches Landexamen 1901. 3ß7 

Lateinische Exposition. 
Liv. 42, 28, 1-9. 

Griechische Komposition. 

Als Aristagoras (AQiöiayoQUQ) die Jouier (oi ^ hovsq) zum 
Abfall von Dareios gebracht hatte, segelte er auf einem Dreiruderer 
nach dem Peloponnes, weil die Lacedämonier damals an der Spitze 
der Hellenen standen. In Lacedämon (oroc) angelangt, unterredete 
er sich mit dem damaligen König Kleomenes (ÄXfo^aV/yi;, ovg), 
zeigte ihm eine eherne Tafel, darauf der ganze Erdkreis abgebildet 
war, und bat ihn, die Griechen in Asien zu verteidigen. Der König 
verschob jetzt die Antwort auf den dritten Tag; als sie aber am 
verabredeten Orte zusammenkamen, fragte er, wieviel Tage Weges 
es seien (Opt.) vom Meer hinauf bis zum König, und Aristagoras 
beging den Fehler, der Wahrheit gemäss zu sagen (Part. Praes.), 
das sei ein Aufstieg von 3 Monaten. Da unterbrach (ihn) der König 
mit den Worten : Gastfreund, entferne (Aorist) dich aus Lacedämon 
noch vor Sonnenuntergang! Denn nimmermehr werden die Lace- 
dämonier einen so weiten Heereszug unternehmen um euretwillen. 
Als ihm aber Aristagoras ins Haus folgte mit der Bitte, ihn an- 
zuhören, ja ihm eine grosse Summe bot, rief des Königs neunjährige 
Tochter (Jorge (/ ooyo), otg), welche später den Lconidas {^hatMac, 
ov) heiratete, ängstlich: Vater, geh* beiseite, damit dich der böse 
Mann nicht besticht ! Kleomenes folgte ihrer Warnung, und Arista- 
goras (musste) un verrichtet er Sache abziehen. 

Französische Komposition. 

Friedrich IL, König von Preussen, war ein grosser Kinderfreund 
(= liebte die Kinder sehr) und erlaubte sogar seinen Neffen 
(neveu), sich in seinem Zimmer zu unterhalten. iSo spielte eines 
Tages der älteste dieser Prinzen, der später sein Nachfolger wnrde, 
mit dem Federball (le volant). Plötzlich tiel der Ball auf den 
Tisch, wo der König sass. Friedrich nahm ihn, warf ihn dem 
Kinde (zu) und fuhr fort zu schreiben. Aber bald tiel der Ball 
zum zweitenmal auf den Tisch. Der König wirft ihn noch einmal 
zurück und der Knabe verspricht, es nicht mehr zu thun. Aber 
nach wenigen Minuten fällt der Federball zum drittenmal (nieder), 
und gerade (justement) auf das Papier, auf welchem der König 
schrieb. Diesmal steckte der König den Ball in die Tasche 
(mettre dans la poche), und obgleich ihn der Knabe um Verzeihung 



368 Evangeiisches Landexamen 1901. 

bat, stellte sieh der König, als höre er nichts. Nachdem der Knabe 
mehrere Minuten lang vergebens gewartet hatte, stellte er sich vor 
den König hin und sagte mit (d'un . . .) drohendem Ton: Ich 
frage Eure Majestät, ob Sie mir meinen Ball zurückgeben will, ja 
oder nein? — Der König musste darüber lachen und gab ihn ihm 
zurück, indem er sagte: Hier ist er. Du bist ein braver Junge: 
sie werden dur Schlesien (Sil68ie) nicht wieder nehmen. 



Rechnen und Mathematik, 
1. Berechne den Bruch: 

25 

48 



2. Zwei Freunde pachteten eine Jagd und beschlossen den 
Betrag der Pacht am Ende des Jahres nach dem Ertrag zu ver- 
teilen. A schoss 25 Hasen, 5 Fasanen, 10 Rehe und B 30 Hasen, 
2 Fasanen und 5 Rehe. Wenn nun der Wert des Hasen zu dem 
des Fasans sich =3:5, der des Fasans zu dem des Rehes sich 
wie 3 : 16 verhält und bei der Abrechnung A noch 120 Mark mehr 
bezahlen muss als B, so fragt es sich, wie hoch die Pacht ge- 
wesen ist. 

3. Ein Weinhändler hatte 25 Hektoliter Rheinwein und 40 Hekto- 
liter Moselwein gekauft und hiefür nach Bezahlung der Fracht 
7460 Mark ausgelegt. Er gewinnt 1000 Mark, wenn er den An- 
kaufspreis beim Rheinwein um 15 Prozent und beim Moselwein um 
12 V2 Prozent erhöht und dann noch auf jeden Liter Wein 4 Pfennig 
für die Fracht schlägt. Wieviel Mark hatte er für ein Hektoliter 
jeder Sorte bezahlt? 

4. Zeichne den Rhombus ABCD aus AC = 3 cm und Winkel 
ABO = 45*^. Errichte dann in B das Lot auf BO, welches von der 
Verlängerung von 1)0 in E und von der Verlängerung vod OA in F 
geschnitten wird; femer sei G der Schnittpunkt von BD mit AE. 
Beweise jetzt noch, dass 1. BE = BO; 2. AE = AF und 3. Z:^AGD 
^ /\ BGE ist. 

5. Berechne den Wert von x aus: 

/ 3x _ 2x \ , / X _ x^ — TA 2x - 41 _ 4x-f 4 

U — 1 x + iy'U — 1 X«— ly**" 9 "* "*" 5" 
Anmerkung: Nr. 2 und Nr. 3 müssen arithmetisch gelöst 
werden. 



Katholisches Landexamen 1901. 369 

Katholisches Landexamen 1901. 

Deutscher Aufsatz. 
Die Vogelwelt in ihrer Bedeutung für das Leben des Menschen. 

Lateinische Komposition. 
Septimius Severus beschloss am 4. Februar des Jahres 211 der 
christlichen Zeitrechnung in Britannien, wo er mit seinen beiden 
Söhnen die letzten Jahre seiner Regierung zubrachte, sein Lebc]). 
Ob das Gerücht, des Kaisers Ende sei von seinem älteren Sohn 
Antoninus, später Caracalla genannt, beschleunigt worden, begründet 
war oder nicht, muss dahingestellt bleiben. Aber sei dem, wie ihm 
wolle, er gab den Römern bald Grund, in ihm einen offenkundigen 
Mörder zu verabscheuen. Kaum war man nämlich mit des Severus 
Asche nach der Residenz zurückgekehrt, so brach auch schon zwischen 
den jungen Brüdern Antoniuus und Geta der alte Hader, der ihrem 
Vater zu seinen Lebzeiten so viel Kummer bereitet hatte, in hellen 
Flammen aus und war auch durch die Mutter Julia nicht zu be- 
schwichtigen. Mehrere Anschläge auf Geta waren von dem edlen 
Gardepräfekten Papinianus vereitelt worden. Um endlich den töd- 
lich gehassten Bruder aus dem Weg zu schaffen, griff Antoniuus 
zu einer schnöden List. Er bestimmte nämlich im Februar 212 
seine Mutter Julia, ihn und Geta, dem er sonst auf keine Weise 
beizukommen vermochte, zu einer Aussöhnung in ihre Gemächer 
zu berufen. Und hier hat der Schreckliche den Bruder in den 
Armen der entsetzten Fürstin durch heimlich mitgebrachte Meuchel- 
mörder niederstechen lassen. 

Lateinische Exposition. 
Abschnitte aus Liv. VII, 4, 1 — 5, 6. 

Griechische Komposition. 
Peisistratos {UeiaiöTQaToq), der Sohn des Hippokrates (inno- 
xQaTi^c), galt für den grössten Yolksfveund (drjfioTixog, adj.) und 
hatte sich im Kriege gegen die Megarer {Mtya(ßavg) bedeutende 
Verdienste um die Athener erworben. Dieser Mann trat an die 
Spitze der Diakrier {Siuxqioi) und versuchte (aor.) mit deren Hilfe 
seine Mitbürger ihrer Freiheit zu berauben (aor.), obgleich {malnaQy 
c. part.) er sich der Gefahr wohl bewusst war ; denn 70 Jahf e zuvor 
waren viele der Anhänger Kylons {KvXwvy wvog), der die gleiche That 
unternahm, von den Alkmeoniden C^Xx/Ä6wvi6ai), zu deren Geschlecht 
später Perikles gehörte, des Lebens beraubt worden (aor.). Von 



370 Katholisches Landexamen 1901. 

(acc.) den Alkmeoniden aber habeu wir gehört (perf.), dass (ort) 
sie eben wegen dieser Blutschnld vor Gericht geladen wurden, und 
dass die Athener im Zorn (Verb, aor.) über die Gewaltthat sie für 
immerwährende Zeiten zur Verbannung verurteilten. 

Peisistratos nun gebrauchte folgende List, um das (iVa, c. opt,) 
zu erreichen, was er wollte. Er verwundete sich einst, behauptete, 
er sei (blosser inf.) von der Gegenpartei {diTtrOTuauoTui, oJ) so zu- 
gerichtet (mit ndo/w, perf.) worden, und bat das Volk, ihm eine 
Leibwache zu geben, damit sie ihm nicht mehr nachstellte. Seine 
Mitbürger Hessen sich täuschen. Nachdem er aber seine Wächter 
erhalten (aor.) hatte, erhob er sich unter dem Archontat des Korneas 
{K(üf.taag, ov) gegen das Volk und besetzte die Burg im 34. Jahre 
nach jener Gesetzgebung, durch die Solou {2:tjhtir, lorog) seiner 
Vaterstadt geholfen hatte. 

Französische Komposition. 

Ein frommer Mann war beständig vom Unglück verfolgt worden, 
aber bis ans Ende seines Lebens ruhig und zufrieden geblieben. 
Vor seinem Tode sagte einer seiner Freunde zu ihm: „Es wundert 
mich sehr, dass du dich trotz vieler Schicksalsschläge ^) niemals 
beklagt hast^). Woher kommt das? Jener anwortete : „Das ist mir 
dadurch gelungen, dass •^) ich meine Augen immer in acht genommen 
habe*). Jeden Morgen, wenn ich aufgestanden war, richtete ich 
dieselben auf^) drei Dinge *^). Zuerst wandte ich sie dem Himmel 
zu-'M, um mich zu erinnern, dass das Ziel meines Lebens dort oben^) 
ist. Dann heftete®) ich meine Blicke auf die Erde und bedachte'*), 
welch kleinen Raum ich einst brauchen werde, um mein Grab darin 
zu linden. Endlich sah ich um mich und betrachtete die Menge 
derer, die in einer schlimmeren Lage^*^) waren als ich. Auf diese 
Weise bin ich der Gefahr entgangen, undankbar ^^) zu werden, 
und habe gelernt, mich nicht vor der Zukunft zu^*) fürchten. 

^) le revers. ^) Subjonctif. ^) G6rondif. ^) prendre garde ä qc. 
•'') vers. ^') Tobjet. ') la-haut. ^) tixer. ^) consid^rer. ^^) la 
Situation. ^^) ingrat. ^-) k. 

Rech neu und Mathematik. 
1. Zu berechnen: 

3^5^168^ 12i 1783 4,611 ••• 



3^ ■ r, + l.l_4l.'. 



Erste hiiinauistisclie DienstpriifuDg 1901. 371 

2. Von Stuttgart nach Cannstatt fuhren in einem Personenzug 
eine bestimmte Zalil Personen und zwar in der dritten Wagenklasse 
268 mehr als in der ersten. In der zweiten Klasse waren es 
7^ 2mal soviel als in der ersten, und in der dritten 8mal soviel als 
in der ersten und zweiten zusammen. Der Fahrpreis der zweiten 
Klasse ist um '/s höher als der der dritten, und der in der ersten 
Klasse um 40 ^o höher als der der zweiten. Wieviel beträgt der 
Fahrpreis für die Person in jeder Wageniclaase, wenn im ganzen 
49 Mk. 70 Pf. Fahrgeld bezahlt wurde? 

3. Von einem Orte A fährt morgens 3 Uhr ein Automobilwagen 
nach einem 120 km entfernten Orte B, 1 Stunde später ein zweiter 
Wagen, der mit dem ersten um 7 Uhr in B eintrifft. Der erste 
fährt nach halbstündigem Aufenthalt weiter nach C, der zweite 
aber wegen einer kleinen Ausbesserung erst IV:^ Stunden nach dem 
ersten, trifft aber doch gleichzeitig mit dem ersten in C ein. Wann 
ist dies der Fall, wenn beide Wagen ihre Fahrgeschwindigkeit 
durchweg konstant erhalten? 

4. X zu bestimmen aus: 

5. Konstruiert man ein gleichschenkliges Dreieck ABC aus 

4 
der Grundlinie BC = 10 cm und dem <): BAC = öR, errichtet auf 

den Schenkeln des Dreiecks die Mittellote, welche die Grundlinie 
in D und E schneiden, und verbindet A mit D und E, so soll be- 
wiesen werden, dass ADE ein gleichseitiges Dreieck ist. (Funda- 
mentalkonstruktion genau, aber ohne Text; Voraussetzung und 
Behauptung ist zu schreißen; ferner sind etwa nötige Sätze im 
Wortlaut anzugeben.) 



Erste humanistische Dienstprüfung 1901. 

Lateinische Komposition. 

Ciceros Leben fiel mit jener entscheidenden Periode der römi- 
schen Geschichte zusammen, wo die Keime der Zersetzung, die 
eine Reihe voraufgehender Felilkuren dem römischen Staatswesen 
eingeimpft hatte, sich mit staunenswerter Schnelligkeit ausbreiteten, 
bis sie nach wiederholten Erschütterungen endlich die Krisis herbei- 
führten, in der die römische Verfassung zu Grunde ging. Auf- 



372 Erste humanistische Dienstprüfung 1901. 

gewachsen in den Grundsätzen des Scipionenkreises, die sich durch 
eine ununterbrochene Tradition bis auf seine Zeit fortgeerbt hatten, 
liebte er über alles in der Welt eben sie^ jene todgeweihte römische 
Verfassung; er liebte an ihr, was auch die Scipionen an ihr geliebt 
hatten : die harmonische Vereinigung monarchischer, aristokratischer 
und demokratischer Elemente, durchdrungen vom Geist hellenischer 
Gesittung, jeden Fortschritts fähig, soweit dieser zur Aufnahme 
und Entwicklung fördernder, nicht zerstörender Ideen führte. Wir 
wollen mit ihm über die Wirklichkeit dieses Idealbildes nicht rechten; 
soviel verstand sich von selbst, dass er in seinem Dienst verein- 
samt bleiben musste, wie es ja auch die Scipionen gewesen waren : 
in einer Zeit, wo sich mehr und mehr alles zum Gegensatz zwischen 
Revolution und Restauration zuspitzte, konnte ein Mann der Mitte 
wohl Freunde in beiden Parteien, aber keine Gefolgschaft haben. 

Lateinische Exposition. 
Hör. epist. II, 2 v. 41—60. 

Griechische Komposition. 
Erst Philipp gelang es, die Aufgabe zu lösen, an denen seine 
Vorgänger gescheitert waren. Ein zeitgenössischer Historiker nennt 
ihn den grössten Manu, den Europa bis dahin hervorgebracht habe; 
und jedenfalls hat nie ein grösserer Staatsmann auf einem Throne 
gesessen. Vor allem besass er die königliche Kunst, sich die rechten 
Männer zu Werkzeugen zu wählen und jeden an dem Platz zu ver- 
wenden, für den er geschaffen war; dabei dachte er gross genug, 
das Verdienst seiner Diener neidlos anzuerkennen. Er selbst war 
eine imponierende Erscheinung von männlicher Schönheit, fein ge- 
bildet, von nicht gewöhnlicher Beredsamkeit. In diplomatischer 
Begabung tbat es ihm niemand zuvor; wer dann in den Verhand- 
hingen mit ihm den kürzeren gezogen hatte, schrie natürlich über 
die Treulosigkeit des Königs, statt die eigene Ungeschicklichkeit 
anzuklagen. Ob er ein grosser Feldherr gewesen ist, mag dahin- 
gestellt bleiben. Wohl war seine militärische Laufbahn eine fast 
ununterbrochene Kette von Siegen : aber man sollte nicht vergessen, 
dass Philipp ein Heer besass, wie es die Welt bis dahin noch nicht 
gesehen hatte, und dass ihm Feldherm ersten Ranges, wie ein Anti- 
patros und Parmenion, zur Seite standen. 

Griechische Exposition. 
Eurip. Phoen. 528—557. 



Erste hamanistische Dienstprüfung 1901. 373 

Deutsche Litteratnr. 

1. Otfrids Eyangelienliarmonie. 

2. Inhalt und Entstehung der Kudrun. 

3. Martin Opitz' Deutsche Poeterei, ihre Bedeutung für die 
deutsche Poetik und speziell für die deutsche Metrik. 

4. Schillers Braut von Messina. 

(Es ist von den Themen 1 und 2^ sowie von den Themen 
3 und 4 je eines zu bearbeiten.) 

Geschichte. 

1. Die griechische Tyrannis. 

2. Senat und Prinzipat in ihrem gegenseitigen Verhältnis von 
Augustus bis Domitian einschliesslich. 

3. Papsttum und Kaisertum unter Heinrich III. 

4. Der Gegensatz zwischen Karl V. und Franz I. in Ursprung 
und äusserem Verlauf; womöglich mit einem Ausblick auf die 
späteren Nachwirkungen. 

5. Der preussische Verfassungskampf unter Friedrich Wilhelm IV. 
bis zum Erlass des Staatsgrundgesetzes. 

(2 zu beantworten, je eine a) aus 1 — 2, b) aus 3 — 5.) 

Französischer Aufsatz. 
(Zur Auswahl.) 

1. L'^pop^e nationale fran^aise du moyen-äge comparee 4 
r^pop^e antique. 

2. La Renaissance a-t-elle contribu6 k faire avancer ou k faire 
reculer le d^veloppement de la litt^rature frau9aise? 

3. La com^die satirique de Möllere comparee k la com^die 
de moeurs du XIX* siöcle. 

Hebräische Exposition. 
Nehemia cap. V, v. 1— 12 a. 

Englischer Aufsatz. 
(Zur Auswahl.) 

1. The influence of political movement and social life on Eng- 
lish literature in the last three centuries. 

2. English novelists in the 18*^ Century. 

3. English historians in the 19^*' Century. 



374 Zweite hiim. Dienstprüf. — Haag, Neue Forschungen etc. 

Zweite humanistisclie Dienstprüfung 1901. 

Deutscher Aufsatz. 

Die griechische Bau- und Bildkunst des fünften vorchristlichen 
Jahrhunderts in ihren Hauptmeistem und wichtigsten Leistungen. 



Neue Forsclmiigeii in der Thalgeschiclite des Neckars 

und der Donau. 

Von Rektor Haag in Tübingen. 

Für die ehemalige grosse Ausdehnung der schwäbischen Jura- 
decke wurden Beweise erbracht von Steinmann \) und Branco*). 
Ersterer hat bei Alpersbach nördlich vom Feldberg in 1000 m Höhe 
„Juranagelfluh" gefunden, der letztere in einem tertiären Vnlkan 
(-embryo) bei Ilohenheim Trümmer von weissem Jura entdeckt. 

Der südöstlichen Abdachung der alten Juradecke folgten in 
nahezu parallelen Thälern „Folgeflüsse" ^j, welche in das schwäbisch- 
bayerische Miocänmeer und nach dessen Rückzug in die Donau 
mündeten. Aus der grossenteils zerstörten Abdachung sind die 
Niederungen zwischen Schwarzwald und Alb herausgeschnitten. Wie 
kommt es nun, dass die Donau die Alb durchbricht, anstatt dem 
Neckar oder der Wutach zuzufliessen? 

In Beantwortung dieser Frage macht Pcnck darauf aufmerksam^ 
dass die Alb da, wo die Donau eintritt, eine ungewöhnliche Aus- 
bildung zeigt (S. 3). Die Flüsse richten sich in das Gebirge hinein, 
der Donau zu. Die Alb ist in eine Anzahl von Einzelbergen zer- 
schnitten, die wir nicht mit den Ausliegern im Neckarlande ver- 
gleichen können. Ein Schichtfluss ist die Brigach von Villingen 
bis Donaueschingen; westlich von ihr ziehen sich wieder echte Folge- 
thäler an der Abdachung des Schwarzwaldes herab, die Penck mit 
den tiefen Thälern des Albdurchbruches verknüpfen möchte. 

In der Eschach erblickt er den Oberlauf des entwurzelten 
Faulenbachs. Und in der That finden wir oberhalb Rottweil slid- 



*) Berichte der naturforsch. Gesellschaft Freiburg i. B. IV, 1889, S. 1. 

*-) Neuer Tertiärvulkan nahe bei Stuttgart Univ.Programm Tü- 
bingen 1892. 

3) A. Penck, Thalgeschichte der obersten Donau. Sehritten des 
Vereins für(ieschiehte des Bodensees und seiner Umgebung. 28. Heft 1899. 



Haag, Neue Forsch, in d. Tbalgesch. d. Neckars u. d. Donau. 375 

lieh der Eschach Schwarzwaldgerölle in Höhen bis zu 740 m, 
während bei Denkingen 90 m über der Prim Schwarzwaldgerölle 
in 690 m Höhe liegen. Die Prim ist der Gegenfluss im alten 
Eschach-Faulenbachthal. Der Faulenbach hat ein über seine Ver- 
hältnisse grosses Thal, das südlich Spaichingen in der Breite von 
1,5 km gegen das Thal der Prim geöffnet ist; dieses ist erst nach 
der Knieablenkung der Eschach in den Neckar entstanden. Eine 
derartige Ablenkung ist schon längst bei der Wutach-Aitrach be- 
kannt. Die Wutach biegt bei Achdorf jäh rechtwinklig um; wie 
durch Reste diluvialer Säuger in den Schwarzwald schottern des 
oberen Aitrachthales bewiesen, ist diese Urabiegung jugendlichen 
Datums. Dagegen möchte Penck die Ablenkung der Eschach in 
eine frühere Zeit (Pliozän) versetzen und so die Verschiedenheiten 
nur als solche verschiedenen Alters anerkennen, indem die Prim 
dem Faulenbach schon sehr viel Grund abgewonnen habe. Wenn 
die Wutach und Eschach „angesichts der grossen Schichtstufe der 
Alb seitlich abgelenkt und der Donau entfremdet" worden sind, so 
sucht Penck die Ursache im Einbrüche der mittelrheinischen Tief- 
ebene. „Die Zuflüsse des Rheins erhielten ein grosses Gefälle und 
bohrten ihre Wurzeln weiter und weiter in die südwestdeutschc 
Stufeulandschaft hinein." In der Baar bildete sich die Schichtstufe 
aus, längs welcher die Brigach zur Brege hin abgelenkt wurde. 
Diese ist der letzte der alten Folgeflüsse, welche in ihrem ganzen 
Verlauf dem südöstlichen Fallen der zur Miocänzeit schräg gestellten 
Alb folgten. Zur Zeit, als sie zu fliessen begannen, war die Baar 
mit ihren niederen Wasserscheiden noch nicht vorhanden. „Als 
das Miocänmcer sich zurückzog, entstand im Alpenvorlande eine 
neue Entwässerungsader, die Donau. Sie knüpfte die alten Schwarz- 
waldflüsse zusammen und durch die Alpenflüsse an den Nordrand 
des Alpenvorlandes gedrängt, schnitt sie hier ein." 

Dass die geistreichen Gedanken Pencks zu völliger Klärung 
nicht hinreichen, soll am Scliluss dieses Aufsatzes gezeigt werden. 

Bei seinen hydrotechnischen Untersuchungen hat Bauinspektor 
Gngenhan bemerkt, dass die meisten TJiäler der linksseitigen Donau- 
nebenflüsse, die sich bis zur heutigen europäischen Wasserscheide 
erstrecken, an dieser Scheide wie abgeschnitten, ohne Thalabschluss 
als Thalstumpen endigen ^). Auf der Wasserscheide zwischen Ehingen 

*) Beitrag zur Bestimmung der früheren Ausdehnung der Fluss- 
thäler der schwäbischen Alb. Jahreshefte des Vereins für vaterländische 
Naturkunde Württembergs 1900, S. 486. 



376 Haag, Neue Forsch, in d. Thalgesch. d. Neckars u. d. Donatt. 

und Lautlingen hat die Bahnlinie über 11 m tiefen Kies angeschnitten. 
Den Betatrttmmem sind Epsilonmarmore und rötliche Deltastllcke 
beigemengt; welche an den anstossenden Oehängen nicht anstehen. 
0. Fraas^) hat angenommen, dass der Eaes durch Schmiecha auf- 
wärts geschobenes Gletschereis abgelagert sei. Wir nehmen jetzt 
mit G. an, dass die Wasser, welche den Kies angeschwemmt haben, 
dem heutigen Eyachlauf entgegen von Balingen her der Donau zu- 
fliessend; die von der Eisenbahn angeschnittenen Geschiebe als Fluss- 
geschiebe an ihre jetzige Stelle gebracht haben. Auffallend bleibt 
die grosse Mächtigkeit der Aufschüttung. 

Aus Thalbreite und Tiefe der Thalmulde schliesst Gugenhan 
auf die ungefähre Grösse des Einzugsgebiets. Für den Faulenbadi 
berechnet er ein allermindestens 4 — 600 qkm messendes Hinterland, 
das etwa gleichgross mit demjenigen des oberen Neckars samt 
Eschach^ Prim und Schlichem gewesen wäre. Berücksichtigt er 
aber noch die stätige Verringerung des ursprünglichen Flussgebiets, 
so ergiebt sich ein solches, das sich bis Horb und Freudenstadt 
erstreckt haben soll. Zur Bekräftigung seiner Ansicht stellt er noch 
die folgende Betrachtung an: D«as Gefäll der 20—35 km langen 
Nebenflüsse der Donau, Beera, Lanchart, Lauter, ist an der Mün- 
dung in die Donau wesentlich grösser als das des Faulenbachs; 
aus der vergleichenden Betrachtung ergiebt sich als frühere Länge 
dieser Thalruine mindestens 50 km, was mit der obigen Schätzung 
des ursprünglichen Flussgebiets übereinstimmt. 

Schon Nägele hat bei Besprechung der Gugenhanschen Arbeit 
in den Blättern des Schwab. Albvereins bemerkt, dass noch nicht 
alle Rätsel gelöst seien. Koken ^) hat im Weserthal die Beobach- 
tung gemacht, dass ein Gletscher die Porta verstopfte; der gestaute 
Fluss füllte das Thal mit Gerollen und heute noch arbeitet der 
Fliiss an der Ausräumung seines Bettes. Er glaubt nun, „dass wir 
zu wenig mit der Möglichkeit rechnen, dass die lokal vorschreitenden 
Gletscher der Mittelgebirge bei ihrer Einmündung in die Thäler 
die Flüsse aufstauten und Schotterauffüllungen hervorriefen, welche 
nach Beseitigung dos Riegels durch das jäh abfliessende Wasser 
sehr rasch auch wieder erodiert wurden." Für ihn (wie für Branco) 
sind die hochgelegenen Schotter kein Massstab für die seither er- 



^) Oberamtsbeschreibung Balingen 1880, S. 19. 
') Beiträge zur Kenntnis des schwäbischen Diluviums. Neues 
Jahrbuch für Min., Geol. und Pal. 1901, Beilageband XIV, S. 212. 



Haag, Neue Forsch, in d. Thalgesch. d. Neckars ii. d. Donau. 377 

folgte Vertiefung der Tlialsohle, sondern fUr den Umfang einer 
früheren Auffüllung (8. 144). Das Vorhandensein der Thäler in 
ungefähr ihrer jetzigen Tiefe schon zu Beginn der Diluvialzeit gilt 
ihm als Thatsache. Seither ist die Alb nicht viel weitergerückt; 
während allerdings unsere Albthäler gerade in der glacialen Zeit 
in ihrer Form sehr beeinflnsst sind (S. 149). Von den höchst be- 
merkenswerten Sätzen^ auf deren Begründung hier verzichtet werden 
muss, sollen nur nocli die folgenden hervorgehoben werden. „Die 
Blockierungen der Donau durch vorstossende Eiszungen scheinen 
sich öfter und an verschiedenen Stellen ereignet zu haben. So ist 
zweifellos bei Sigmaringen einst das Thal durch den Rheingletscher 
gesperrt gewesen. Der Fluss musste dadurch geradezu gezwungen 
werden, mindestens einen Teil seines Wassers über Spaichingen 
zum Neckar zu senden^^ (S. 153). Mit dem letzten Satz begegnen 
wir uns bei Untersuchungen in Rottweils Umgebung. Es fragt sich 
hier, ob wir mit Penck annehmen sollen, dass die erwähnten Schwarz- 
waldschotter bei Denkingen von einem alten „Folgefluss" oder ob 
sie von der gestauten Donau abgesetzt worden sind. Erwähnt 
soll noch werden, dass die Anschauungen Kokens über das Alter 
der diluvialen Terrassen von den bisher üblichen erheblich ab- 
weichen. 

Mögen die Kollegen aus der Fülle der uns entgegentretenden 
Gedanken die Anregung zu eigenem Studium, sowie zu eigenen 
Beobachtungen schöpfen; Mitteilungen Über solche werden am besten 
in den Jahresheften des Vereins für vaterländische Naturkunde 
zum Zweck späterer Verwendung niedergelegt. Zur Ortsbestimmung 
eignet sich am besten die Höhenkurvenkarte, deren Erscheinen wir 
ein beschleunigtes Tempo wünschen möchten. 

Anmerkung: Nach den neuesten Untersuchungen Steinmanns 
ist die Alpersbacher ,,Nagelfluh^^ nichts anderes als die Ausfüllung 
eines Basaltschlotes. Zur Zeit des Ausbruches müssen über jener 
Stelle jurassische Gesteine anstehend vorhanden gewesen sein. 
S. Berichte über die Versammlungen des oberrhein. geol. Vereins 
1902 S. 10. 



Neae« Korrtfipondonablatt 1902, Heft 10. 



378 Ackerknecht, Zar Aussprache des Schriftdeatscfaen. 

Zur Aussprache des SohriftdeutsohenO. 

Aus einem Vortrag, gehalten im Deutschen Sprachverein Stuttgart 

(am 3. Januar 1901). 
Von Professor Ackerknecht 
Vorbemerkung. 
Mein Ziel bei Behandlung der Musteraussprache-Frage geht dahin, 
dass eine Musteraussprache festgestellt werde, die zunächst in allen 
unseren württembergischen Schalen praktisch durchgeführt 
werden könnte und sollte (indem etwa im amtlichen Wörterverzeichnis 
für die zweifelhaften Fälle eine Aussprachebezeichnung beigefügt würde), 
also eine Musteraussprache zunächst für Württemberg. Denn im 
Verfolg dieser meiner Arbeit wird von mir später dargelegt werden, 
dass und warum die Aussprache im allgemeinen — bei grösserem 
Stammesunterschied natürlich weniger — der politischen Zugehörigkeit 
folgt. Diese meine Ansicht wird auch durch die Dialektforschung be- 
stätigt, z. B. von Prof. Dr. Haag hier, der die Mundarten der württem- 
bergischen Baar durchforscht und die gefundenen mundartlichen Unter- 
schiede samt den früheren politischen Grenzen in jenem Gebiet auf 
einer seiner Schrift beigegebeuen Karte auch graphisch festgelegt hat. 
— Es Hessen sich vielleicht vorläufig in den Gebieten deutscher Zunge 
(nach den Bereichen der bedeutenderen unter den betreffenden Unter- 
richtsverwaltungen) etwa 10 „Schulmusteraussprachen^ feststellen — 
entsprechend den (vor der Vereinheitlichung von 1902) verschiedenen 
deutschen Schulrechtschreibungen ->, aus denen sich dann vielleicht 
mit der Zeit infolge einer etwaigen engeren politischen Verschmelzung 
dieser Gebiete und einer damit Hand in Hand gehenden grösseren 
Stämmemischung auch eine annähernd einheitliche deutsche Schal- 
aussprache entwickeln könnte. Ich denke hier an Masteraassprachen 
für 4 oberdeutsche Aussprachekreise — einen württembergisch-hohen- 
zoUerschen, einen bayerischen, einen badisch -pfälzisch-reichsländischen 
(-deutsch-schweizerischen) und einen österreichischen — femer für 
3 mitteldeutsche und 3 niederdeutsche Kreise. — Ober die (zunächät 
norddeutsche) Aussprache, die in einigen der im Auftrag des 
K. Württ Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens herausgegebenen 
„Regeln für die deutsche Rechtschreibung" von 1902 — 
teils unmittelbar, teils mittelbar — nunmehr alsMusteraussprachc 
auch fürunsamtlic hanerkannt wird, werde ich mich vielleicht 
später besonders äussern. — 

') Anmerkung der Redaktion: Zur Vermeidung von Miss- 
verständnissen möge hiei*mit ausdrücklich bemerkt werden, dass der 
Herr Verfasser in den folgenden Ausführungen selbstverständlich nur 
seine persönliche Ansicht hinsichtlich des von ihm behandelten Themas 
vertritt. 



Ackerknecht, Zur Aussprache des Sehriftdeutschen. 379 

Bis in die neueste Zeit war die Pflege der Aussprache in 
unseren Schulen unstreitig das Aschenbrödel des Sprachunterrichts^ 
und zwar nicht nur im deutschen, sondern auch im fremdsprach' 
liehen Unterricht. Im letzteren hat nun allerdings die Verwertung 
der Ergebnisse der Lautforschung, der Phonetik, bereits in manchen 
Schulen schöne Früchte gezeitigt, während sich der Aussprache der 
uns schon von Haus aus geläufigen und darum als minder wichtig 
angesehenen Muttersprache das Interesse, selbst der Fachleute, bis 
jetzt nur in verhältnismässig geringem Grade zugewendet hat. Ein 
Grund dafür ist auch darin zu suchen, dass es bis jetzt der Aus- 
sprache des Schriftdeutschen, selbst der Kunstausprache der deutschen 
Bühnen, an Einheitlichkeit gefehlt hat. Woher kommt nun aber 
dieser Mangel an einer einheitlichen deutschen Aussprache, während 
es für andere lebende Sprachen, z.B. fürs Französische, eine 
im Vergleich zum Deutscheu doch ziemlich einheitliche Aussprache 
giebt ? Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir uns klar machen, 
dass wir eben in unserem jahrhundertelang zersplitterten, politisch 
ohnmächtigen und nicht von einem gemeinsamen NationalgefUhl 
getragenen Deutschland niemals jene politische und gesellschaftliche 
Einheit hatten und wohl auch nie haben werden, wie sie in Frank- 
reich schon seit Jahrhunderten besteht. Während bei uns die ein- 
zelnen Mundarten (wie die einzelnen Staaten und Stätchen) einander 
als gleichberechtigt gegenüberstanden, hat in Frankreich schon in 
früher Zeit der Sprachgebranch des Hofes, der Hofgesellschaft 
und der „Salons" — die in einer Zeit, wo bei uns infolge des 
30jährigen Kriegs alles darniederlag, sich die Pflege, Reinheit und 
Verfeinerung ihrer Sprache angelegen sein Hessen — auf die Sprech- 
weise der Gebildeten von Paris, dem tonangebenden Mittelpunkt 
des geistigen Lebens der Nation, und damit auf die Sprache des 
ganzen Landes seinen mächtigen Einfluss ausgeübt und allmählich 
der nordfranzösischen Mundart der Isle de France und der Haupt- 
stadt selbst zur Alleinherrschaft verholfen, zunächst bei allen denen, 
die als fein und vornehm oder wenigstens nicht als ungebildet gelten 
wollten; denn auf dem Gebiet der Sprache wie auf manchen anderen 
Gebieten des Kulturlebens ist die Sitte stärker als das Gesetz. 
Doch hat es dem französischen Volke, abgesehen von der Einheit- 
lichkeit seiner Unterrichtsverwaltung, für die Sprache auch am ein- 
heitlichen Gesetz — wenigstens an Gesetzen im weiteren Sinn, an 
sprachlichen Festsetzungen — nicht gefehlt, indem seit mehr als 
zweiuudeinhalb Jahrhunderten, seit Beginn der klassischen Zeit des 



380 Ackerknecht, Zur Aussprache des Schriftdentseben. 

französischen Schrifttums im Jahrhundert Ludwigs XIV., die hoch- 
angesehene Acad^mie Frangaise bemttht war, den französischen 
Sprachgebrauch sorgfältig festzustellen^ wodurch sie, allerdings nicht 
als eigentliche Gesetzgeberin, in ihrem Teile ebenfalls zur Verein- 
heitlichung der französischen Aussprache beigetragen hat. 

Von all dem konnte in unserem politisch zerrissenen Deutsch- 
land natürlich nicht die Rede sein. Auch die Kunstsprache unserer 
Bühnen, die sich aus Schönheitsrttcksichten und um allgemein ver- 
standen zu werden, von mundartlichen Einflüssen möglichst frei- 
machen musste und deshalb, indem sie sich möglichst an die Schrei- 
bung unserer Schriftsprache hielt, schon längst eine wenigstens 
verhältnismässige Einheitlichkeit erreichte ^) — auch diese „Bühnen- 
sprache^* hat bis jetzt nur einen geringen einigenden Einfloss auf 
die Aussprache der Gebildeten auszuüben vermocht, da es ihr bisher 
noch nicht gelungen ist, den viel wirksameren und umfassenderen 
Einfluss der Schule (und weiterhin der Kirche) sich zum Bundes- 
genossen zu machen. Vergleichen wir übrigens die geschriebene 
Sprache^) in den verschiedenen Gebieten deutscher Zunge, so 
finden wir, dass auch sie nicht vollkommen einheitlich ist, sondern 
bezüglich der Formenlehre (z. B. in Fall- und Zeitabwandlung), 
sowie bezüglich der Wort- und Satzfügung manche Verschiedenheiten 
aufweist und wohl stets aufweisen wird. Da aber von der Schrift- 
sprache wiederum die landschaftlichen Mundarten im Deutschen 
im allgemeinen sehr stark abweichen, wohl mehr als in anderen 
Kultursprachen, so fragt es sich, ob eine einheitliche Aus- 



^) Eine Einheitlichkeit, die noch begünstigt wurde durch den 
ausgleichenden Einfluss einiger bedeutenden, als Muster angesehenen 
Bühnen (z. B. des Burgtheaters in Wien), sowie durch den fortwährenden 
Wechsel der aus den verschiedensten Gegendon stammenden Künstler 
an einer Bühne. 

*) Die gesprochene Sprache, soweit sie in der öffentlichen 
Rede zum Ausdruck kommt, hat ja in Deutschland ausserhalb der 
Kirche und dem Hörsaal noch bis zum Jahr 1848 eine ganz unter- 
geordnete Rolle gespielt, da bei uns fast ausschliesslich die Bnchsprache 
das geistige und politische Leben des Volkes beherrschte. Bei nnseren 
redefreudigen französischen Nachbarn dagegen waren schon seit dem 
klassischen Jahrimndert Ludwigs XIV. Männer aufgetreten, die — wie 
der grosse Kanzelredner Bossuet und namentlich die Männer der fran- 
zösischen Revolution — durch die Gewalt ihrer Rede die Geister 
beeinflussten. 



Ackerknecht, Zar Aussprache des Schriftdeutschen. 381 

spräche des Schriftdeutschen überhaupt möglich^ notwendig oder 
auch nur wünschenswert ist. 

Ober die Möglichkeit einer Einheitsaussprache können wir uns 
erst bei Behandlung der Einzelheiten der Aussprache Klarheit ver- 
schaffen. Dass aber eine einheitliche Ansprache wünschenswert 
wäre; erhellt schon aus der Thatsache, dass der persönliche Ver- 
kehr zwischen den verschiedenen deutschen Stämmen in den letzten 
Jahrzehnten in ungeahnter Weise zugenommen hat. Man denke 
nur an den Fernsprechverkehr, z. B. auf der direkten Linie Stutt- 
gart-Berlin^); femer an die teilweise Vermischung der deutschen 
Stämme infolge der deutschen Einheitskämpfe; der Errichtung des 
Deutschen Reiches und infolge der Freizügigkeit im bürgerlichen 
Leben wie im Militärdienst^ wo ja nicht nur ein beständiger Aus- 
tausch zwischen preussischen Offizieren und den unseren stattfindet 
und viele Süddeutsche ihre Dienstzeit in norddeutschen Standorten 
zubringen und umgekehrt^ sondern durch den auch viele nord- 
deutschen MiUtäranwärter Anstellung und Heimat bei uns finden 
und sich mit Einheimischen verschwägern. Auch die Stämme- 
mischung im Reichstag; im Reichspostdienst u. s. w. könnte hier 
noch erwähnt werden. Wohl am weitesten vorgeschritten ist diese 
Stämmemischung in den Reichslanden; wo manche Schulen ein buntes 
Gemisch von Angehörigen verschiedener deutscher Stämme darstellen; 
so dass sich für die betreffenden Lehrer vielfach ein wirkliches 
Bedürfnis nach einer einheitlichen Aussprache geltend macht. Nicht 
minder wünschenswert wäre die Einheitlichkeit unserer Aussprache 
ftlr Ausländer; die Deutsch lernen wollen; sowie für die Verfasser 

*) Die beim Fernsprechverkehr Stuttgart-Berlin gleich von Anlang 
an lautgewordenen Klagen über Mangel an Verständlichkeit sind wohl 
zum Teil auf die Verschiedenheit der Aussprache zurückzuführen. Denn 
beim Hören zusammenhängender Rede wird j